Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

177. Totenopfer

Jānussoni, der Brahmane, sprach zum Erhabenen also:

„Wir Brahmanen, Herr Gotama, spenden Gaben, bringen Totenopfer dar, dabei sprechend: ‚Möge diese Gabe unseren abgeschiedenen Angehörigen und Blutsverwandten zugute kommen! Mögen unsere abgeschiedenen Angehörigen und Blutsverwandten diese Gabe genießen!‘ Kommt denn nun wirklich, Herr Gotama, jene Gabe den abgeschiedenen Angehörigen und Blutsverwandten zugute? Genießen sie wirklich diese Gaben?“

„An geeignetem Orte, Brahmane, kommt sie ihnen zugute, nicht aber an einem ungeeigneten Orte.“

„Welches ist aber, Herr Gotama, der geeignete Ort, und welches der ungeeignete Ort?“

„Da, Brahmane, tötet einer, stiehlt, führt unrechten Wandel in Sinnenlüsten, lügt, ist ein Zwischenträger, redet roh, schwätzt, ist habgierig, gehässig, hat falsche Ansichten; und beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, erscheint er in einer Hölle wieder. Dort lebt er von der Nahrung der Höllenwesen, und davon erhält er sich. Das, Brahmane, ist ein ungeeigneter Ort, wo dem dort Weilenden die Gabe nicht zugute kommt.

„Da, Brahmane, tötet einer... hat falsche Ansichten; und beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, erscheint er im Tierschoße wieder. Dort lebt er von der Nahrung der im Tierschoße geborenen Wesen, und davon erhält er sich. Auch das, Brahmane, ist ein ungeeigneter Ort, wo dem dort Weilenden die Gabe nicht zugute kommt.

„Da, Brahmane, steht einer ab vom Töten, Stehlen, vom unrechten Wandel in Sinnenlüsten, vom Lügen, von Zwischenträgerei, roher Rede und Geschwätz, er ist frei von Habgier, Gehässigkeit und besitzt rechte Erkenntnis; und beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, erscheint er unter den Menschen wieder. Dort lebt er von der Nahrung der Menschen, und davon erhält er sich. Auch das, Brahmane, ist ein ungeeigneter Ort, wo dem dort Weilenden die Gabe nicht zugute kommt.

„Da, Brahmane, steht einer ab vom Töten... besitzt rechte Erkenntnis; und beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, erscheint er unter den Himmelswesen wieder. Dort lebt er von der Nahrung der Himmelswesen, und davon erhält er sich. Auch das, Brahmane, ist ein ungeeigneter Ort, wo dem dort Weilenden die Gabe nicht zugute kommt.

„Da, Brahmane, tötet einer... hat falsche Ansichten; und beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, erscheint er im Gespensterreiche wieder. Dort lebt er von der Nahrung der Wesen des Gespensterreiches, und davon erhält er sich. Und was ihm hier seine Freunde und Gefährten, Angehörigen und Blutsverwandten spenden, davon zehrt er dort, und dadurch erhält er sich. Das nun, Brahmane, ist der geeignete Ort, wo dem dort Weilenden jene Gabe zugute kommt.“

„Wenn nun aber, Herr Gotama, der abgeschiedene Angehörige oder Blutsverwandte nicht an jenem Orte wiedererscheint, wer genießt dann jene Gabe?“

„Auch andere seiner abgeschiedenen Angehörigen und Blutsverwandten, Brahmane, sind an jenem Orte wiedererschienen.“

„Wenn nun aber, Herr Gotama, weder jener Angehörige und Blutsverwandte, noch irgendein anderer Angehöriger und Blutsverwandter dort wiedererschienen ist, wer genießt dann jene Gabe?“

„Unmöglich ist es, Brahmane, es kann nicht sein, daß jener Ort in dieser langen Zeit unbewohnt bleiben sollte von abgeschiedenen Angehörigen und Blutsverwandten. Übrigens aber, Brahmane, bleibt auch der Geber nicht ohne Lohn.“

„So verspricht denn Herr Gotama selbst an ungeeignetem Orte einen Erfolg?“

„Selbst an ungeeignetem Orte, Brahmane, sage ich, tritt ein Erfolg ein.

Da, Brahmane, tötet einer, stiehlt, führt unrechten Wandel in Sinnenlüsten, lügt, ist ein Zwischenträger, redet roh, schwätzt, ist habgierig, gehässig und hat falsche Ansichten. Doch er versieht Asketen und Priester mit Speise und Trank, Kleidung, Gefährt, Blumen, Räucherwerk, Salben, Lager, Wohnung und Beleuchtung. Beim Zerfall des Leibes nun, nach dem Tode, erscheint er unter Elefanten, Pferden, Rindern oder Hunden wieder. Dort aber werden ihm Speise und Trank sowie Girlanden und mancherlei Schmuck zuteil. Weil er nämlich hier dem Töten ergeben war, dem Stehlen... und falscher Ansicht, deshalb ist er eben dort wiedererschienen. Weil er aber Asketen und Priester mit Speise und Trank versehen hat, mit Kleidung, Gefährt, Blumen, Räucherwerk, Salben, Lager, Wohnung und Beleuchtung, deshalb werden ihm dort Speise und Trank sowie Girlanden und mancherlei Schmuck zuteil.

Da, Brahmane, steht einer ab vom Töten... besitzt rechte Erkenntnis. Und er versieht Asketen und Priester mit Speise und Trank, Kleidung, Gefährt, Blumen, Räucherwerk, Salben, Lager, Wohnung und Beleuchtung. Beim Zerfall des Leibes nun, nach dem Tode, erscheint er unter den Menschen wieder oder unter den Himmelswesen. Dort werden ihm die menschlichen oder himmlischen Sinnenfreuden zuteil. Weil er nämlich hier abstand vom Töten, Stehlen, von unrechtem Wandel in Sinnenlüsten, vom Lügen, Zwischenträgerei, roher Rede und Geschwätz, weil er frei war von Habgier und Gehässigkeit und rechte Erkenntnis besaß, deshalb ist er eben dort wiedererschienen. Weil er aber Asketen und Priester mit Speise und Trank versehen hat, mit Kleidung, Gefährt, Blumen, Räucherwerk, Salben, Lager, Wohnung und Beleuchtung, deshalb werden ihm dort die menschlichen oder himmlischen Sinnenfreuden zuteil.

So, Brahmane, bleibt auch der Geber nicht ohne Lohn.“

„Wunderbar, Herr Gotama! Erstaunlich, Herr Gotama! Wie es doch da so gerechtfertigt ist, Gaben zu spenden, so gerechtfertigt ist, Totenopfer darzubringen, so auch der Geber nicht ohne Lohn bleibt!“

„So ist es, Brahmane. Auch der Geber bleibt nicht ohne Lohn.“

„Vortrefflich, Herr Gotama! Vortrefflich, Herr Gotama! So nehme ich denn meine Zuflucht zum Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Möge mich, o Herr, der Erhabene von heute ab als einen Anhänger betrachten, der zeitlebens seine Zuflucht genommen hat.“