Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

20. Die zehn Stätten der Edlen

Einst weilte der Erhabene im Lande der Kuru, bei Kammāsadamma, einer Kurustadt. Dort wandte er sich an die Mönche:

„Zehn Stätten der Edlen gibt es, ihr Mönche. Welche zehn?

Da hat, ihr Mönche, der Mönch fünf Dinge aufgegeben, ist mit fünf Dingen ausgerüstet, in einem bewacht, auf vier gestützt, ist aller Dogmen ledig, von jedem Wunsche restlos befreit, von fleckenloser Gesinnung, in seinen Körperfunktionen gestillt, völlig geisteserlöst, völlig wissenserlöst.

Wie aber hat der Mönch fünf Dinge aufgegeben? Da hat der Mönch Sinnenlust aufgegeben, Haß, Starrheit und Mattigkeit, Aufgeregtheit und Gewissensunruhe und Zweifelsucht.

Wie aber ist der Mönch mit fünf Eigenschaften ausgerüstet? Erblickt da der Mönch mit dem Auge eine Form, so ist er weder froh gestimmt noch mißgestimmt; gleichmütig verharrt er, achtsam, klar bewußt. Vernimmt er mit dem Ohre einen Ton—riecht er mit der Nase einen Duft—schmeckt er mit der Zunge einen Saft—findet er mit dem Körper einen Körpereindruck, so ist er weder froh gestimmt noch mißgestimmt; gleichmütig verharrt er, achtsam, klar bewußt.

Wie aber ist der Mönch in einem Dinge bewacht? Da besitzt der Mönch einen von der Achtsamkeit bewachten Geist.

Wie aber ist der Mönch auf vier Dinge gestützt (caturāpasseno)? Da macht der Mönch besonnen von gewissen Dingen Gebrauch, besonnen erduldet er andere, besonnen vermeidet er andere, besonnen vertreibt er andere.

Wie aber ist der Mönch aller Dogmen ledig? Was es da bei den zahlreichen Asketen und Priestern an vielerlei Dogmen gibt, wie: ‚Ewig ist die Welt‘ oder ‚Zeitlich ist die Welt‘. ‚Endlich ist die Welt‘ oder ‚Unendlich ist die Welt‘. ‚Die Seele ist identisch mit dem Körper‘ oder ‚Die Seele ist verschieden vom Körper‘. ‚Der Vollendete besteht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht weder nach dem Tode, noch besteht er nicht nach dem Tode‘—von allen diesen Dogmen hat er sich frei gemacht, sich ihrer entledigt, hat ihnen entsagt, hat sie verworfen, abgetan, aufgegeben, sich ihrer entäußert. So ist ein Mönch aller Dogmen ledig.

Wie aber ist der Mönch von jedem Wunsche restlos befreit? Da ist im Mönch der sinnliche Wunsch erloschen, der Wunsch nach Dasein erloschen, der Wunsch nach Heiligkeit gestillt. So ist der Mönch von jedem Wunsche restlos befreit.

Wie aber ist der Mönch von fleckenloser Gesinnung? Da ist im Mönch die begehrliche Gesinnung geschwunden, die gehässige Gesinnung geschwunden, die Gesinnung des Schädigens geschwunden. So ist der Mönch von fleckenloser Gesinnung.

Wie aber ist der Mönch gestillt in den Körperfunktionen? Da gewinnt der Mönch nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Erlöschen von Frohsinn und Trübsinn die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung. So ist der Mönch gestillt in den Körperfunktionen. Wie aber ist der Mönch völlig geisteserlöst? Da ist der Geist des Mönches erlöst von der Gier, erlöst vom Hasse, erlöst von der Verblendung. So ist der Mönch völlig geisteserlöst.

Wie aber ist der Mönch völlig wissenserlöst? Da weiß der Mönch: ‚Erloschen sind in mir Gier, Haß und Verblendung, sind ausgerottet, wie eine Fächerpalme entwurzelt, zunichte gemacht und außerstande, künftig wieder zu entstehen. So ist der Mönch völlig wissenserlöst.

Alle jene Edlen, ihr Mönche, die in vergangener Zeit in den Stätten der Edlen geweilt haben, sie alle weilten in eben diesen zehn Stätten der Edlen. Alle jene Edlen, ihr Mönche, die in künftiger Zeit in den Stätten der Edlen weilen werden, sie alle werden in eben diesen zehn Stätten der Edlen weilen. Und alle jene Edlen, ihr Mönche, die gegenwärtig in den Stätten der Edlen weilen, sie alle weilen in eben diesen zehn Stätten der Edlen.

Dies, ihr Mönche, sind die zehn Stätten der Edlen, in denen die Edlen geweilt haben, weilen und weilen werden.“