Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

23. Wege der Überwindung

Es gibt Dinge, ihr Mönche, die in Werken zu überwinden sind und nicht in Worten. Es gibt Dinge, ihr Mönche, die in Worten zu überwinden sind und nicht in Werken. Es gibt Dinge, ihr Mönche, die weder in Werken noch in Worten zu überwinden sind, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen.

Welche Dinge aber, ihr Mönche, sind in Werken zu überwinden und nicht in Worten? Da hat ein Mönch in irgendeiner Hinsicht etwas Unheilsames in Werken begangen. Verständige Ordensbrüder aber, die die Sache untersucht haben, sprechen also zu ihm: „Der Verehrte hat da etwas Unheilsames in Werken begangen. Gut wäre es, wollte der Verehrte seinen schlechten Wandel in Werken aufgeben und einen guten Wandel in Werken pflegen!“ Von verständigen Ordensbrüdern, die die Sache untersucht haben, also ermahnt, gibt jener seinen schlechten Wandel in Werken auf und pflegt einen guten Wandel in Werken. Diese Dinge, ihr Mönche, gelten als solche, die in Werken zu überwinden sind und nicht in Worten.

Welche Dinge aber, ihr Mönche, sind in Worten zu überwinden und nicht in Werken? Da hat der Mönch in irgendeiner Hinsicht etwas Unheilsames in Worten begangen. Verständige Ordensbrüder aber, die die Sache untersucht haben, sprechen also zu ihm: „Der Verehrte hat da etwas Unheilsames in Worten begangen. Gut wäre es, wollte der Verehrte seinen schlechten Wandel in Worten aufgeben und einen guten Wandel in Worten pflegen!“ Von verständigen Ordensbrüdern, die die Sache untersucht haben, also ermahnt, gibt er seinen schlechten Wandel in Worten auf und pflegt einen guten Wandel in Worten. Diese Dinge, ihr Mönche, gelten als solche die in Worten zu überwinden sind und nicht in Werken.

Welche Dinge aber, ihr Mönche, sind weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen? Gier, Haß, Verblendung, Zorn, Wut, Verkleinerungssucht, Herrschsucht und Geiz—diese Dinge sind weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen.

Übler Neid, ihr Mönche, ist weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen. Was aber, ihr Mönche, ist übler Neid? Da wird ein Hausvater oder dessen Sohn reich an Schätzen und Korn, an Silber und Gold. Einer seiner Diener oder Untergebenen aber denkt bei sich: „Ach, daß doch dieser Hausvater oder des Hausvaters Sohn nicht reich sein möchte an Schätzen und Korn, an Silber und Gold!“ Oder es ist da ein Asket oder Priester, der Gewand, Almosenspeise, Wohnstätte und die erforderlichen Heilmittel und Arzneien hält. Und einer der Asketen oder Priester denkt bei sich: „Ach, daß ihm dies doch nicht zuteil werden möchte!“ Das, ihr Mönche, nennt man üblen Neid. Übler Neid aber, ihr Mönche, ist weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen.

Übler Ehrgeiz, ihr Mönche, ist weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen. Was aber, ihr Mönche, ist übler Ehrgeiz? Obwohl da einer vertrauenslos ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für vertrauensvoll hält. Obwohl er sittenlos ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für sittenrein hält. Obwohl er unwissend ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für wissensreich hält. Obwohl er an Geselligkeit Freude hat, möchte er doch gerne, daß an ihn für losgelöst hält. Obwohl er träge ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für strebsam hält. Obwohl er unachtsam ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für achtsam hält. Obwohl er ungesammelt ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für gesammelt hält. Obwohl er töricht ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für weise hält. Obwohl er nicht triebversiegt ist, möchte er doch gerne, daß man ihn für einen Triebversiegten hält. Das, ihr Mönche, nennt man üblen Ehrgeiz. Übler Ehrgeiz aber, ihr Mönche, ist weder in Werken noch in Worten zu überwinden, sondern eben durch wiederholtes weises Erkennen.

Wenn da, ihr Mönche, Gier, Haß, Verblendung, Zorn, Wut, Verkleinerungssucht, Herrschsucht, Geiz, übler Neid und übler Ehrgeiz den Mönch beherrschen, so hat man von ihm zu wissen: „Nicht erkennt dieser Verehrte derart, daß ihn aufgrund dieser Erkenntniss keine Gier mehr ankommt; daher eben beherrscht die Gier diesen Verehrten. Nicht erkennt dieser Verehrte derart, daß ihn aufgrund dieser Erkenntnis nicht mehr Haß, Verblendung, Zorn, Wut, Verkleinerungssucht, Herrschsucht, Geiz, übler Neid und übler Ehrgeiz ankommen; daher eben wird er davon beherrscht.“

Wenn aber, ihr Mönche, Gier, Haß, Verblendung, Zorn, Wut, Verkleinerungssucht, Herrschsucht, Geiz, übler Neid und übler Ehrgeiz den Mönch nicht beherrschen, so hat an von ihm zu wissen: „Dieser Verehrte erkennt derart, daß ihn aufgrund dieser Erkenntnis keine Gier mehr ankommt; daher eben beherrscht die Gier nicht mehr diesen Verehrten. Dieser Verehrte erkennt derart, daß ihn aufgrund dieser Erkenntnis nicht mehr Haß, Verblendung, Zorn, Wut, Verkleinerungssucht, Herrschsucht, Geiz, übler Neid und übler Ehrgeiz ankommen; und daher eben wird er nicht mehr davon beherrscht.“