Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

27. Die zehn Probleme I

Einst weilte der Erhabene im Jetahaine bei Sāvatthī, im Kloster des Anāthapindika. Und zahlreiche Mönche kleideten sich in der Frühe an, nahmen Gewand und Schale und begaben sich nach Sāvatthī um Almosenspeise. Da aber sagten sich jene Mönche: „Zu früh ist es noch, um in Sāvatthī um Almosenspeise zu gehen. So laßt uns denn zum Kloster der andersfährtigen Wanderasketen gehen!“ Und jene Mönche begaben sich zum Kloster der andersfährtigen Wanderasketen. Dort angelangt, wechselten sie freundlichen Gruß, und nach Austausch höflicher und zuvorkommender Worte setzten sie sich zur Seite nieder. Nachdem sie sich gesetzt hatten, sprachen jene andersfährtigen Wanderasketen zu den Mönchen:

„Der Asket Gotama, ihr Brüder, belehrt also seine Jünger: ‚Geht, ihr Mönche, und ergründet alle Dinge. Immer wieder alle Dinge ergründend, möget ihr verweilen!‘ Auch wir, ihr Brüder, belehren auf diese Weise unsere Jünger. Was ist da also o Brüder, die Besonderheit, was ist der Unterschied und die Verschiedenheit zwischen dem Asketen Gotama und uns in der Darlegung der Lehre und der Unterweisung?“

Jene Mönche aber weder billigten noch mißbilligten die Worte der andersfährtigen Wanderasketen. Ohne zu loben oder zu tadeln erhoben sie sich von ihren Sitzen und gingen fort, denkend: „Vom Erhabenen werden wir den Sachverhalt dieser Rede erfahren.“ Nachdem nun jene Mönche von ihrem Almosengange in Sāvatthī zurückgekehrt waren, begaben sie sich am Nachmittag, nach Beendigung des Mahles, zum Erhabenen und (teilten ihm die Sache mit).

(Und der Erhabene sprach:) „Auf diese Worte, ihr Mönche, wäre den andersfährtigen Wanderasketen in folgender Weise zu erwidern: ‚Was, ihr Brüder, ist das einfache Problem mit einer einfachen Aussage und einer einfachen Erklärung; was das zweifache Problem mit einer zweifachen Aussage und einer zweifachen Erklärung; was das dreifache Problem mit einer dreifachen Aussage und einer dreifachen Erklärung; was das vierfache... fünffache... sechsfache... siebenfache... achtfache... neunfache... zehnfache Problem mit einer zehnfachen Aussage und einer zehnfachen Erklärung?‘ Auf diese Fragen, ihr Mönche, werden die andersfährtigen Wanderasketen nichts erwidern können und überdies noch in Verdruß geraten. Und warum? Weil das eben, ihr Mönche, nicht in ihrem Gebiete liegt. Keinen sehe ich, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern und ihren Brahmagöttern, mit ihrer Schar von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen, der durch eine Erklärung dieser Probleme das Herz befriedigen könnte, außer dem Vollendeten oder einem Jünger des Vollendeten oder einem, der es durch ihn erfahren hat.

Ich habe gesagt, daß es ein einfaches Problem gibt mit einer einfachen Aussage und einer einfachen Erklärung. Mit Bezug worauf aber habe ich dies gesagt?

Ein Mönch, ihr Mönche, der sich von diesem einen Dinge völlig abwendet, sich völlig von ihm entsüchtet, sich völlig befreit, das völlige Ende wahrnimmt, ein solcher macht, das Ziel völlig durchschauend, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende.

Welches aber ist dieses eine Ding? Daß alle Wesen durch Nahrung bestehen.

Der Mönch, der sich von diesem einen Dinge völlig abwendet, sich völlig von ihm entsüchtet, sich völlig befreit, das völlige Ende wahrnimmt, ein solcher macht, das Ziel völlig durchschauend, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende. Wurde also gesagt, daß es ein einfaches Problem gibt, mit einer einfachen Aussage und einer einfachen Erklärung, so wurde dies mit Bezug hierauf gesagt.

Ich habe gesagt, daß es ein zweifaches Problem gibt, mit einer zweifachen Aussage und einer zweifachen Erklärung. Mit Bezug worauf aber habe ich dies gesagt?

Ein Mönch, ihr Mönche, der sich von zwei Dingen abwendet, sich völlig von ihnen entsüchtet, sich völlig befreit, das völlige Ende wahrnimmt, ein solcher macht, das Ziel völlig durchschauend, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende.

Welches aber sind diese zwei Dinge? Das Geistige und das Körperliche (nama-rupa).

Welches sind die drei Dinge? Die drei Arten der Gefühle (angenehmes, unangenehmes und neutrales Gefühl).

Welches sind die vier Dinge? Die vier Arten der Nahrung (āhāra).

Welches sind die fünf Dinge? Die fünf die Objekte des Anhaftens bildenden Daseinsgruppen (pañcupādāna-kkhandha).

Welches sind die sechs Dinge? Die sechs eigenen Sinnengrundlagen (ajjhattika-āyatana: Auge, Ohr usw).

Welches sind die sieben Dinge? Die sieben Bewußtseinsstätten (viññānatthitiyo).

Welches sind die acht Dinge? Die acht Weltgesetze (lokadhamma)

Welches sind die neun Dinge? Die neun Daseinsformen der Wesen (sattāvāsa).

Welches sind die zehn Dinge? Die zehn unheilsamen Wirkensfährten (akusala-kammapatha).

Der Mönch, der sich von diesen zehn Dingen völlig abwendet, sich völlig von ihnen entsüchtet, sich völlig befreit, das völlige Ende wahrnimmt, ein solcher macht, das Ziel völlig durchschauend, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende. Wurde also gesagt, daß es ein zehnfaches Problem gibt, mit einer zehnfachen Aussage und einer zehnfachen Erklärung, so wurde dies mit Bezug hierauf gesagt.“