Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

51. Selbstprüfung I

Im Jetahain bei Sāvatthī.

Wenn da, ihr Mönche, ein Mönch mit der Geistesbeschaffenheit anderer nicht vertraut ist, so hat er danach zu streben, mit der Beschaffenheit seines eigenen Geistes vertraut zu werden. Wie aber, ihr Mönche, ist der Mönch mit der Beschaffenheit seines eigenen Geistes vertraut?

Gleichwie, ihr Mönche, wenn da eine Frau oder ein Mann, jung, jugendlich und schmuckliebend, in einem reinen, hellen Spiegel oder einem Gefäße mit klarem Wasser das Antlitz betrachtend, darin Staub oder Schmutz bemerkt und sich dann bemüht, diesen Staub oder Schmutz zu entfernen; und wenn er darin keinen Staub und Schmutz bemerkt, er dann vergnügt ist und sein Wunsch befriedigt: „Wohl mir, rein ich!“ Ebenso auch, ihr Mönche, ist für den Mönch die Selbstprüfung hinsichtlich heilsamer Eigenschaften von großer Wichtigkeit (paccavekkhanā bahukārā hoti):

  • „Bin ich wohl häufig voller Gier, oder bin ich häufig gierlos?
  • Bin ich wohl häufig gehässigen Geistes, oder bin ich häufig haßlosen Geistes?
  • Bin ich häufig von Starrheit und Müdigkeit befallen, oder bin ich häufig frei von Starrheit und Müdigkeit?
  • Bin häufig aufgeregt, oder bin ich häufig von Aufregung frei?
  • Bin ich häufig voller Zweifel, oder bin ich häufig von Zweifeln frei?
  • Bin ich häufig zornig, oder bin ich häufig frei von Zorn?
  • Ist mein Geist häufig befleckt von den Leidenschaften, oder ist häufig unbefleckt?
  • Ist wohl mein Körper (und Geist) häufig in beklommener Spannung, oder ist er häufig davon frei?
  • Bin ich häufig träge oder häufig voller Energie?
  • Bin ich häufig ohne geistige Sammlung, oder bin ich häufig geistig gesammelt?“

Erkennt nun der Mönch bei seiner Selbstprüfung, daß er häufig

  • voll Gier ist,
  • voll gehässiger Gesinnung,
  • starr und müde,
  • aufgeregt,
  • zweiflerisch,
  • zornig,
  • befleckten Geistes,
  • körperlich (und geistig) beklommen und gespannt,
  • träge und
  • ungesammelt

—so hat eben jener Mönch zur Überwindung dieser üblen, unheilsamen Dinge äußersten Willensentschluss, Tatkraft, Streben, Ausdauer, Standhaftigkeit, Achtsamkeit und Besonnenheit einzusetzen.

Erkennt aber der Mönch bei seiner Selbstprüfung, daß er häufig gierfrei ist, ohne gehässige Gesinnung, frei von Starrheit und Müdigkeit, ohne Aufregung, Zweifels, ohne Zorn, unbefleckten Geistes, körperlich (und geistig) frei von Beklommenheit und Spannung, energisch und gesammelt—so hat eben jener Mönch, in diesen heilsamen Eigenschaften gefestigt, weiterhin nach Versiegung aller Triebe zu streben.