Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

55. Selbstprüfung

Der ehrwürdige Sāriputta sprach:

„Man spricht da, ihr Brüder, von einem dem Rückschritt verfallenen Menschen. Inwiefern nun, ihr Brüder, hat der Erhabene einen Menschen als dem Rückschritt verfallen bezeichnet und inwiefern als nicht dem Rückschritt verfallen?“

—„Von weither selbst würden wir kommen, o Bruder, um vom verehrten Sāriputta den Sinn dieser Worte zu erfahren.“

—„So höret denn, ihr Brüder, und achtet wohl auf meine Worte.“

—„Ja, o Bruder“, erwiderten jene Mönche, und der ehrwürdige Sāriputta sprach:

„Inwiefern nun, ihr Brüder, hat der Erhabene einen Menschen als dem Rückschritt verfallen bezeichnet? Da, ihr Brüder, bekommt der Mönch eine noch nicht vernommene Lehre nicht zu hören; die bereits vernommenen Lehren entfallen ihm; die früher im Geiste erwogenen Lehren sind ihm nicht mehr gegenwärtig; und das Unverstandene lernt er nicht verstehen. Insofern, ihr Brüder, hat der Erhabene einen Menschen als dem Rückschritt verfallen bezeichnet.

Inwiefern aber, ihr Brüder, hat der Erhabene einen Menschen als nicht dem Rückschritt verfallen bezeichnet? Da, ihr Brüder, bekommt der Mönch eine bisher nicht vernommene Lehre zu hören; die vernommenen Lehren entfallen ihm nicht; die früher im Geiste erwogenen Lehren bleiben ihm gegenwärtig; das bisher Unverstandene lernt er verstehen. Insofern, ihr Brüder, hat der Erhabene einen Menschen als nicht dem Rückschritt verfallen bezeichnet.“

(Hier folgt wieder der gesamte Text 51. Zu den dort genannten Eigenschaften, die in der Selbstprüfung als vorhanden oder nicht vorhanden festgestellt werden, kommen jedoch in Text 55 hinzu: „Freude an der Lehre, innere Geistesruhe, der Hohe Wissenshellblick bei den Daseinserscheinungen“. Die etwas unterschiedliche Formulierung ist hier: „Weile ich wohl häufig gierlos? Findet sich diese Eigenschaft in mir oder nicht?“ usw.