Aṅguttara Nikāya

Das Dreier-Buch

99. Das Hanfgewand

Sowohl ein neues Hanfgewand (potthako, ‚Sacktuch‘, (vāka-maya),), ihr Mönche, wie auch ein gebrauchtes und ein altes, ist von häßlicher Farbe, rauh beim Berühren und von geringem Wert. Überdies gebraucht man ein altes Hanfgewand zum Auswischen von Töpfen, oder man wirft es auf den Kehrichthaufen.

Ebenso auch, ihr Mönche: wenn ein jüngerer, ein mittlerer oder ein älterer Mönch sittenlos it, dem Schlechten ergeben, so gilt das an ihm als häßliche Farbe. Als jenem Hanfgewand von häßlicher Farbe ähnlich bezeichne ich diesen Menschen. Die aber mit ihm Umgang und Verkehr pflegen, sich ihm zugesellen und seinem Beispiel folgen, denen gereicht das lange zum Unheil und Leiden: das gilt bei ihm als rauhe Berührung. Als dem sich rauh anfühlenden Hanfgewande ähnlich bezeichne ich diesen Menschen. Von denen er aber Bedarfsgegenstände erhält, wie Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzneimittel, diesen Spendern bringt das keine große Frucht, keinen hohen Lohn: das gilt bei ihm als geringer Wert. Als dem geringwertigen Hanfgewand ähnlich bezeichne ich diesen Menschen.

Wenn nun ein solcher, und sei es selbst ein älterer Mönch, inmitten der Mönchsgemeinde etwas sagt, so entgegnen ihm die Mönche: ‚Was brauchen wir eine Ermahnung von dir, einem Toren, einem Unverständigen! Du glaubst wohl, etwas sagen zu müssen?‘ Und voller Erregung und Verdruß äußert dann jener derartige Worte, daß ihn die Mönchsgemeinde verstößt, gleichwie man jenes Hanfgewand auf den Kehrichthaufen wirft.

Sowohl ein neues Muslingewand (kāsikam vattham; wtl: Benares-Gewand, d.i. ein in Benares (Pāli: Kāsi) hergestellter, besonders fein gewebter Stoff), ihr Mönche, wie auch ein gebrauchtes und ein altes, ist von schöner Farbe, angenehm beim Berühren und von hohem Wert. Überdies gebraucht man selbst ein altes Muslingewand zum Einwickeln von Kleinodien, oder man bewahrt es in einer duftenden Truhe auf.

Ebenso auch, ihr Mönche: wenn ein jüngerer, ein mittlerer oder ein älterer Mönch sittenrein ist und dem Guten ergeben, so gilt das bei ihm als schöne Farbe. Als jenem schönfarbenen Muslingewand ähnlich bezeichne ich diesen Menschen. Die aber mit ihm Umgang und Verkehr pflegen, sich ihm zugesellen und seinem Beispiel folgen, denen gereicht das lange zum Heil und Segen: das gilt bei ihm als angenehme Berührung. Als jenem sich angenehm anfühlenden Muslingewande ähnlich bezeichne ich diesen Menschen. Von denen er aber Bedarfsgegenstände erhält, wie Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzneimittel, diesen Spendern bringt das große Frucht, hohen Lohn: das gilt bei ihm als hoher Wert. Als jenem hochwertigen Muslingewand ähnlich bezeichne ich diesen Menschen.

Wenn nun ein solcher Mensch, ein Ordensälterer, inmitten der Mönchsgemeinde etwas sagt, so ermahnen die Mönche also die Versammelten: ‚Macht kein Geräusch, Verehrte! Ein älterer Mönch spricht über die Lehre und Ordenszucht!‘ Seine Worte aber bewahrt man im Gedächtnis, wie man jenes Muslingewand in einer duftenden Truhe aufbewahrt.

Darum, ihr Mönche, sollt ihr danach streben: ‚Dem Muslingewande wollen wir ähnlich sein, nicht aber dem Hanfgewande!‘ Das, ihr Mönche, sei euer Streben!