Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

100. Potaliya, der Wanderasket

Einst begab sich Potaliya der Wanderasket, dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, wechselte er mit dem Erhabenen freundlichen Gruß, und nach Austausch höflicher, zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder. Und der Erhabene sprach zu ihm also:

„Vier Menschen, Potaliya, sind in der Welt anzutreffen. Welche vier?

  • Da tadelt einer wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; aber nicht lobt er, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.
  • Da lobt einer, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; aber nicht tadelt er, wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.
  • Da tadelt einer nicht, wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; noch lobt er, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.
  • Da tadelt einer, wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; und er lobt, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.

Diese vier Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Welcher aber, Potaliya, von diesen vier Menschen gefällt dir als der höhere und edlere?“

„Von diesen vier Menschen, Herr Gotama, gefällt mir derjenige als der höhere und edlere, der weder tadelt, wem Tadel gebührt, noch lobt, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Und warum? Weil eben, Herr Gotama, der Gleichmut etwas Hohes ist.“

„Mir aber, Potaliya, gefällt unter diesen vier Menschen derjenige als der höhere und edlere, der tadelt, wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; und der lobt, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Und warum? Weil es etwas Hohes ist, Potaliya, im jeweiligen Falle die rechte Zeit zu kennen.“

„Unter diesen vier Menschen, Herr Gotama, gefällt (nun auch) mir derjenige als der höhere und edlere, der tadelt, wem Tadel gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit; und der lobt, wem Lob gebührt, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Und warum? Weil es, Herr Gotama, etwas Hohes ist, im jeweiligen Falle die rechte Zeit zu kennen.

Vortrefflich, Herr Gotama! Vortrefflich, Herr Gotama! Gleichwie man, Herr Gotama, das Umgestürzte wieder aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder in die Finsternis ein Licht bringen möchte, damit, wer Augen hat, die Gegenstände sehe: ebenso hat der Herr Gotama auf mannigfache Weise die Lehre enthüllt. So nehme ich meine Zuflucht zum Herrn Gotama, zur Lehre und zur Jüngerschaft. Als Anhänger möge mich der Herr Gotama betrachten, als einen, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.