Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

186. Tiefsinnige Fragen

Einst begab sich ein gewisser Mönch dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, begrüßte er den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend sprach jener Mönch zum Erhabenen also:

  • „Von wem, o Herr, wird die Welt gelenkt,
  • wodurch wird sie hin und her gezerrt,
  • wessen Macht ist die Welt unterworfen?“

„Recht so, Mönch! Recht so! Edel ist dein Tiefsinn, gut dein Scharfblick, trefflich deine Frage. Du fragst also, o Mönch: ‚Von wem, o Herr, wird die Welt gelenkt, wodurch wird sie hin und her gezerrt, wessen Macht ist die Welt unterworfen?‘“

„Ja, o Herr!“

  • „Vom Bewußtsein, o Mönch, wird die Welt gelenkt,
  • vom Bewußtsein wird sie hin und her gezerrt,
  • der Macht des Bewußtseins ist die Welt unterworfen.“

„Vortrefflich, o Herr!“ sagte da jener Mönch, durch des Erhabenen Worte erfreut und befriedigt, und stellte dem Erhabenen eine weitere Frage:

„‚Wissensreich und ein Kenner der Lehre‘, so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist da einer wissensreich und ein Kenner der Lehre?“

„Recht so, Mönch! Recht so! Edel ist dein Tiefsinn, gut dein Scharfblick, trefflich deine Frage. Du fragst also, o Mönch: ‚Wissensreich und ein Kenner der Lehre—so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist da einer wissensreich und ein Kenner der Lehre?‘“

„Ja, o Herr!“

„Viele Lehren, o Mönch, wurden von mir verkündet:

  • Lehrtexte,
  • vermischte Prosa,
  • Exegese,
  • Verse,
  • Hymnen,
  • Aussprüche,
  • Geburtsgeschichten,
  • wunderbare Dinge und Erläuterungen. (siehe Wtb. sasana)

Wenn da der Mönch auch nur von einer einzigen vierteiligen Strophe den Sinn und den Wortlaut kennt und die Lehre befolgt, so genügt das, um ihn wissensreich und einen Kenner der Lehre zu nennen.“

„Vortrefflich, o Herr!“ sagte da jener Mönch, durch des Erhabenen Worte erfreut und befriedigt, und stellte dem Erhabenen eine weitere Frage:

„‚Kundig und von durchdringender Weisheit‘, so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist da einer kundig und von durchdringender Weisheit?“

„Recht so, Mönch! Recht so! Edel ist dein Tiefsinn, gut dein Scharfblick, trefflich deine Frage. Du fragst also, o Mönch: ‚Kundig und von durchdringender Weisheit—so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist man kundig und von durchdringender Weisheit?‘“

„Ja, o Herr!“

  • „Da vernimmt der Mönch die Kunde: ‚Dies ist das Leiden‘, und weise durchdringend schaut er ihren Sinn.
  • Er vernimmt die Kunde: ‚Dies ist die Entstehung des Leidens‘, und weise durchdringend schaut er ihren Sinn.
  • Er vernimmt die Kunde: ‚Dies ist die Erlöschung des Leidens‘, und weise durchdringend schaut er ihren Sinn.
  • Er vernimmt die Kunde: ‚Dies ist der zur Erlöschung des Leidens führende Pfad‘, und weise durchdringend schaut er ihren Sinn.

So, o Mönch, ist einer kundig und von durchdringender Weisheit.“

„Vortrefflich, o Herr!“ sagte da jener Mönch, durch des Erhabenen Worte erfreut und befriedigt, und stellte dem Erhabenen eine weitere Frage:

„‚Weise und von hoher Einsicht‘, so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist da einer weise und von hoher Einsicht?“

„Recht so, Mönch! Recht so! Edel ist dein Tiefsinn, gut dein Scharfblick, trefflich deine Frage. Du fragst also: ‚Weise und von hoher Einsicht—so spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist man weise und von hoher Einsicht?‘“

„Ja, o Herr!“

„Der Weise von hoher Einsicht, o Mönch,

  • sinnt weder auf eigenen Schaden,
  • noch auf fremden Schaden,
  • noch auf beiderseitigen Schaden.
  • Sein Sinn ist auf das eigene Wohl gerichtet,
  • wie auf das fremde Wohl,
  • wie auf das beiderseitige Wohl,
  • wie auf das Wohl der ganzen Welt.

So, o Mönch, ist da einer weise und von hoher Einsicht.“