Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

200. Liebe und Haß

So, ihr Mönche, entstehen vier Dinge: durch Liebe entsteht Liebe, durch Liebe entsteht Haß, durch Haß entsteht Liebe, durch Haß entsteht Haß.

Wie aber, ihr Mönche, entsteht Liebe durch Liebe? Da wird einer von einem Menschen geachtet, geliebt und geschätzt, und auch die anderen erweisen ihm Achtung, Liebe und Schätzung. Da denkt jener: ‚Eben jenem Menschen, der von mir geachtet, geliebt und geschätzt wird, dem erweisen auch die anderen Achtung, Liebe und Schätzung.‘ Und er empfindet Liebe zu ihnen. So, ihr Mönche, entsteht Liebe durch Liebe.

Wie aber, ihr Mönche, entsteht Haß durch Liebe? Da wird einer von einem Menschen geachtet, geliebt und geschätzt, doch die anderen mißachten ihn, behandeln ihn schlecht und unfreundlich. Da denkt jener: ‚Eben jenen Menschen, der von mir geachtet, geliebt und geschätzt wird, den mißachten die anderen, behandeln ihn schlecht und unfreundlich.‘ Und er empfindet Haß gegen sie. So, ihr Mönche, entsteht Haß durch Liebe.

Wie aber, ihr Mönche, entsteht Liebe durch Haß? Da wird einer von einem Menschen mißachtet, wird schlecht und unfreundlich behandelt, und auch die anderen mißachten ihn, behandeln ihn schlecht und unfreundlich. Da denkt jener: ‚Eben jenen Menschen, der von mir mißachtet wird und schlecht und unfreundlich behandelt, den mißachten auch die anderen, behandeln ihn schlecht und unfreundlich.‘ Und er empfindet Liebe zu ihnen. So, ihr Mönche, entsteht Liebe durch Haß.

Wie aber, ihr Mönche, entsteht Haß durch Haß? Da wird einer von einem Menschen mißachtet, wird schlecht und unfreundlich behandelt, doch die anderen erweisen ihm Achtung, Liebe und Schätzung. Da denkt jener: ‚Eben jenen Menschen, der von mir mißachtet wird und schlecht und unfreundlich behandelt, dem erweisen die anderen Achtung, Liebe und Schätzung.‘ Und er empfindet Haß gegen sie. So, ihr Mönche, entsteht Haß durch Haß.

So, ihr Mönche, entstehen diese vier Dinge.

Zu einer Zeit nun, ihr Mönche, wenn der Mönch in der ersten, zweiten, dritten oder vierten Vertiefung weilt, zu einer solchen Zeit hegt er nicht jene Liebe, die durch Liebe entsteht, hegt er nicht jenen Haß, der durch Liebe entsteht, hegt er nicht jene Liebe, die durch Haß entsteht, hegt er nicht jenen Haß, der durch Haß entsteht.

Zu einer Zeit, ihr Mönche, wenn der Mönch durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten die triebfreie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, zu einer solchen Zeit ist jene Liebe, die durch Liebe entsteht, erloschen, an der Wurzel zerstört, gleich einer Fächerpalme dem Boden entrissen, vernichtet und dem Neuentstehen nicht mehr ausgesetzt; zu einer solchen Zeit ist jener Haß, der durch Liebe entsteht, jene Liebe, die durch Haß entsteht, und jener Haß, der durch Haß entsteht, erloschen, an der Wurzel zerstört, gleich einer Fächerpalme dem Boden entrissen, vernichtet und dem Neuentstehen nicht mehr ausgesetzt.

Dieser Mönch, heißt es, bläht sich nicht auf, widersetzt sich nicht, qualmt nicht, flammt nicht auf, verzehrt sich nicht.

Wie aber bläht sich ein Mönch auf? Da betrachtet ein Mönch das Körperliche als das Selbst, oder das Selbst als den Besitzer des Körperlichen, oder das Körperliche als im Selbst eingeschlossen, oder das Selbst als im Körperlichen eingeschlossen. Er betrachtet das Gefühl als das Selbst... die Wahrnehmung als das Selbst... die geistigen Bildekräfte als das Selbst... das Bewußtsein als das Selbst, oder das Selbst als den Besitzer des Bewußtseins, oder das Bewußtsein als im Selbst eingeschlossen, oder das Selbst als im Bewußtsein eingeschlossen. So, ihr Mönche, bläht sich ein Mönch auf.

Wie aber bläht sich der Mönch nicht auf? Da betrachtet der Mönch nicht das Körperliche als das Selbst, noch das Selbst als den Besitzer des Körperlichen, noch das Körperliche als im Selbst eingeschlossen, noch das Selbst als im Körperlichen eingeschlossen. Er betrachtet nicht das Gefühl als das Selbst... nicht die Wahrnehmung als das Selbst... nicht die geistigen Bildekräfte als das Selbst... nicht das Bewußtsein als das Selbst, noch das Selbst als den Besitzer des Bewußtseins, noch das Bewußtsein als im Selbst eingeschlossen, noch das Selbst als im Bewußtsein eingeschlossen. So, ihr Mönche, bläht sich der Mönch nicht auf.

Wie aber widersetzt sich ein Mönch? Von wem da ein Mönch beschimpft wird, den beschimpft er wieder; von wem er beleidigt wird, den beleidigt er wieder; von wem er gescholten wird, den schilt er wieder. So, ihr Mönche, widersetzt sich ein Mönch.

Wie aber widersetzt sich ein Mönch nicht? Von wem da ein Mönch beschimpft wird, den beschimpft er nicht wieder; von wem er beleidigt wird, den beleidigt er nicht wieder; von wem er gescholten wird, den schilt er nicht wieder. So, ihr Mönche, widersetzt sich ein Mönch nicht.

Wie aber qualmt ein Mönch ? Besteht da, ihr Mönche, (in ihm) der Gedanke ‚Ich bin‘, so entstehen auch die Gedanken ‚Das bin ich‘,.. (wie in 199)... ‚Ich werde anders sein.‘ So, ihr Mönche, qualmt ein Mönch.

Wie aber, ihr Mönche, qualmt ein Mönch nicht? Besteht da (in ihm) nicht der Gedanke ‚Ich bin‘, so entstehen auch nicht die Gedanken ‚Das bin ich‘,.. ‚Ich werde anders sein.‘ So, ihr Mönche, qualmt ein Mönch nicht.

Wie aber, ihr Mönche, flammt ein Mönch auf? Besteht da (in ihm) der Gedanke ‚Aus diesem Grunde bin ich‘, so entstehen auch die Gedanken ‚Aus diesem Grunde bin ich das‘,.. ‚Aus diesem Grunde werde ich anders sein.‘ So, ihr Mönche, flammt ein Mönch auf.

Wie aber, ihr Mönche, flammt ein Mönch nicht auf? Besteht da (in ihm) nicht der Gedanke ‚Aus diesem Grunde bin ich‘, so entstehen auch nicht die Gedanken ‚Aus diesem Grunde bin ich das‘,.. ‚Aus diesem Grunde werde ich anders sein.‘ So, ihr Mönche, flammt ein Mönch nicht auf.

Wie aber, ihr Mönche, verzehrt sich der Mönch? Da ist in einem Mönche der Ichdünkel noch nicht erloschen, nicht an der Wurzel zerstört, nicht, einer Fächerpalme gleich, seinem Boden entrissen, ist noch dem Neuentstehen ausgesetzt. So, ihr Mönche, verzehrt sich der Mönch.

Wie aber, ihr Mönche, verzehrt sich der Mönch nicht? Da ist in einem Mönche der Ichdünkel erloschen, an der Wurzel zerstört, gleich einer Fächerpalme dem Boden entrissen und dem Neuentstehen nicht mehr ausgesetzt. So, ihr Mönche, verzehrt sich der Mönch nicht.