Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

24. Im Kloster des Kālaka (Der Vollendete II)

Einst weilte der Erhabene bei Sāketa, im Kloster des Kālaka. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: „Mönche!“ sprach er. „Herr!“ erwiderten die Mönche dem Erhabenen. Und der Erhabene sprach:

„Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich.

Was, ihr Mönche, in der Welt mit ihren guten und bösen Geistern, ihren Brahma-Göttern, den Scharen der Asketen und Priester, Götter und Menschen gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das habe ich völlig erkannnt. All das hat der Vollendete verstanden, doch der Vollendete steht dem nicht mehr nahe.

Würde ich nun sagen: ‚Was da in der Welt gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, erstrebt, im Geiste erwogen wird, das kenne ich nicht‘, so spräche ich die Unwahrheit. Würde ich sagen: ‚Das kenne ich und kenne es nicht‘, so täte ich desgleichen. Würde ich sagen: ‚Weder kenne ich es, noch kenne ich es nicht‘, so wäre es schlecht von mir.

Sieht (datthā), ihr Mönche, der Vollendete etwas Sichtbares, so kommt ihn kein Wähnen an (na maññati), weder mit Bezug auf das Gesehene, noch das Ungesehene, noch das Sichtbare, noch mit Bezug auf einen Seher. Hört er etwas Hörbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Gehörte, noch das nicht Gehörte, noch das Hörbare, noch mit Bezug auf einen Hörenden. Empfindet er etwas Empfindbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Empfundene, noch das nicht Empfundene, noch das Empfindbare, noch mit Bezug auf einen Empfindenden. Erkennt er etwas Erkennbares, so kommt ihn kein Wähnen an, weder mit Bezug auf das Erkannte, noch das unerkannte, noch das Erkennbare, noch mit Bezug auf einen Erkennenden.

So ist also der Vollendete bei den gesehenen, gehörten, empfundenen und erkennbaren Dingen der sich immer gleich bleibende Heilige (tādi). Einen anderen sich derart gleich bleibenden Heiligen aber, der edler und erhabener wäre als dieser, den gibt es nicht: so sage ich.“

„Was auch gesehen, gehört wird und empfunden,
an welche Meinung auch die Welt sich hängt;
inmitten derer, die so selbstgewiß,
bewahrt der Heilige sein Ebenmaß.
Nicht kümmert er sich, was die Welt
für Wahrheit oder Lüge hält.

Schon damals hab‘ den Stachel ich gesehen,
woran die Menschheit hängen bleibt.
Da sah ich‘s, daß sich‘s so verhält.
Doch für Vollendete gibt‘s keinen Meinungshang.“