Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

35. Vassakāra

Einst weilte der Erhabene im Bambushain bei Rājagaha, am Fütterungsplatz der Eichhörnchen. Damals nun begab sich der Brahmane Vassakāra, ein Minister des Landes Magadhā, zum Erhabenen. Dort angelangt, wechselte er mit dem Erhabenen freundlichen Gruß, und nach Austausch höflicher, zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, sprach der Brahmane Vassakāra zum Erhabenen also:

„Wer, Herr Gotama, vier Eigenschaften besitzt, den nennen wir einen Weisen, einen großen Mann. Welches sind die vier Eigenschaften?

  • Da besitzt einer in seinem jeweiligen Wissensgebiete großes Wissen.
  • Den Sinn des Gesprochenen versteht er: ‚Das ist dieser Rede Sinn, das ist jener Rede Sinn.‘
  • Er besitzt ein gutes Gedächtnis; was vor langer Zeit getan oder gesprochen wurde, dessen entsinnt, dessen erinnert er sich.
  • Was es da an Angelegenheiten des Hauslebens gibt, darauf versteht er sich und ist nicht lässig darin; er weiß zu planen und zu prüfen, um die Dinge recht auszuführen, recht anzuordnen.

Wer, Herr Gotama, diese vier Eigenschaften besitzt, den nennen wir einen Weisen, einen großen Mann.

Kann man mir darin zustimmen, so möge mir der Herr Gotama zustimmen. Muß man mich aber darin tadeln, so möge mich der Herr Gotama tadeln.“

„Weder stimme ich dir zu, Brahmane, noch tadle ich dich. Ich aber nenne den einen Weisen, einen großen Mann, der folgende vier Eigenschaften besitzt:

Da wandelt einer vielem Volke zum Heil, vielem Volke zum Wohl, und viele Wesen führt er zur heiligen Pfadlehre, nämlich zum Guten und Heilsamen.

Welchen Gedanken er hegen will, den Gedanken hegt er; welchen Gedanken er nicht hegen will, den Gedanken hegt er nicht. Welche Gesinnung er hegen will, die Gesinnung hegt er; welche Gesinnung er nicht hegen will, die Gesinnung hegt er nicht. So hat er bei den Gedankengängen den Geist in der Gewalt.

Die vier Vertiefungen, die erhaben—geistigen, gegenwärtiges Wohl gewährenden, die gewinnt er nach Wunsch, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.

Durch Versiegung der Triebe erreicht er noch bei Lebzeiten die triebfreie Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend.

Weder stimme ich dir zu, Brahmane, noch tadle ich dich. Ich aber nenne einen, der diese vier Eigenschaften besitzt, einen Weisen, einen großen Mann.“

„Wunderbar ist es, Herr Gotama, erstaunlich ist es, Herr Gotama, wie der Herr Gotama dies so gut gesagt hat. Als mit eben diesen vier Eigenschaften ausgestattet wollen wir des Herrn Gotama gedenken. Denn der Herr Gotama wandelt vielem Volke zum Heil... (fortzusetzen wie oben bis:)... sie selber erkennend und verwirklichend.“

„Wahrlich, Brahmane, zutreffende und angemessene Worte hast du da gesprochen. So will denn auch ich dir erklären: ‚Ich, wahrlich, wandle vielem Volke zum Heil, vielem Volke zum Wohl, und viele Wesen führe ich zur heiligen Pfadlehre, nämlich zum Guten und Heilsamen.—Welchen Gedanken ich hegen will, den Gedanken hege ich; welchen Gedanken ich nicht hegen will, den Gedanken hege ich nicht. Welche Gesinnung ich hegen will, die Gesinnung hege ich; welche Gesinnung ich nicht hegen will, die Gesinnung hege ich nicht. So habe ich bei den Gedankengängen meinen Geist in der Gewalt.—Die vier Vertiefungen, die erhaben-geistigen, gegenwärtiges Wohl gewährenden, die gewinne ich nach Wunsch, ohne Mühe, ohne Schwierigkeit.—Durch Versiegung der Triebe habe ich noch bei Lebzeiten die triebfreie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, sie selber erkennend und verwirklichend.“

„Der für alle Wesen ausfand
Lösung von der Todesfessel,
der den Pfad der Lehre kundtat,
Segensbringer für die Welt,
Ihn zu sehen und zu hören,
zeugt Vertrauen in vielen Herzen.

Er, des Wegs und Irrwegs kundig,
Triebbefreiter, der sein Werk vollbracht,
Träger letzten Leibes, ein Erwachter,
wird zu Recht ein großer Mann genannt.“