Aṅguttara Nikāya

Das Fünfer-Buch

30. Das Glück der Loslösung

So habe ich gehört. Einst gelangte der Erhabene auf seiner Wanderung im Lande der Kosaler, von einer großen Schar von Mönchen umgeben, zu einem Brahmanendorfe der Kosaler, namens Icchānangala. Und dort verweilte der Erhabene, im Waldgelände bei Icchānangala. Es vernahmen nun die brahmanischen Hausväter von Icchānangala die Kunde: „Der Asket Gotama, der Sakyersohn, der aus dem Sakyergeschlecht in die Hauslosigkeit zog, ist bei Icchānangala eingetroffen und verweilt im Waldgelände bei Icchānangala. Über diesen erhabenen Gotama aber hat sich solch schöner Ruhmesruf verbreitet: ‚Dies fürwahr ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erleuchtete, der im Wissen und Wandel Bewährte, der Gesegnete, der Kenner der Welt, der unvergleichliche Lenker führungsbedürftiger Menschen, der Meister der Götter und Menschen, der Erleuchtete, der Erhabene!‘ Er erklärt diese Welt mit ihren guten und bösen Geistern und ihren Brahma-Göttern, mit ihrer Schar von Asketen und Priestern, mit ihren Göttern und Menschen, nachdem er sie selber erkannt und durchschaut hat. Er verkündet die Lehre, die am Anfang schöne, in der Mitte schöne und am Ende schöne; dem Sinne wie dem Wortlaut nach verkündet er den ganz vollkommenen, lauteren Reinheitswandel. Gut ist es, solche Heilige zu sehen.“

Nach Ablauf der Nacht nun begaben sich die brahmanischen Hausleute von Icchānangala, reichlich harte und weiche Speise mitnehmend, zum Waldgelände bei Icchānangala. Dort angelangt, blieben sie unter großem, lautem Lärm vor dem Eingang stehen.

Zu jener Zeit aber war der ehrwürdige Nāgita des Erhabenen Begleiter. Und der Erhabene sprach zum ehrwürdigen Nāgita also:

„Wer macht da, Nāgita, diesen großen, lauten Lärm? Man sollte meinen, es seien Fischer beim Feilbieten ihrer Fische.“

„Es sind brahmanische Hausleute aus Icchānangala, o Herr. Sie haben allerlei harte und weiche Speisen mitgebracht und stehen nun am Eingang, um dem Erhabenen und der Mönchsgemeinde aufzuwarten.“

„Möge ich nichts zu tun haben mit dem Ruhme, Nāgita! Möge mir nur kein Ruhm beschieden sein! Wer da nicht, wie ich, dieses Glückes der Entsagung, des Glückes der Loslösung, des Friedensglückes und des Erleuchtungsglückes nach Wunsch ohne Mühe und Schwierigkeit teilhaftig wird, den freilich mag es nach jenem kotigen, trägen Glücke, nach der Freude an Besitz, Ehre und Ruhm gelüsten.“

„Möge doch jetzt, o Herr, der Erhabene Nachsicht üben! Möge doch jetzt, o Herr, der Gesegnete Nachsicht üben! Der rechte Zeitpunkt ist es jetzt, o Herr, daß der Erhabene Nachsicht übe. Denn wo auch immer der Erhabene sich jetzt hinbegibt, dort eben werden die brahmanischen Hausleute sowie die Stadt- und Landbevölkerung hinströmen. Gleichwie nämlich, o Herr, wenn sich eine geballte Regenwolke entlädt, das Regenwasser in das Tal hinabströmt, ebenso auch, o Herr, wo immer der Erhabene sich jetzt hinbegibt, dort werden die brahmanischen Hausleute sowie die Stadt- und Landbevölkerung hinströmen. Und aus welchem Grunde? Wegen der Tugend und Weisheit des Erhabenen.“

„Möge ich nichts zu tun haben mit dem Ruhme, Nāgita! Möge mir nur kein Ruhm beschieden sein! Wer da nicht, wie ich, dieses Glückes der Entsagung, des Glückes der Loslösung, des Friedensglückes und des Erleuchtungsglückes nach Wunsch ohne Mühe und Schwierigkeit teilhaftig wird, den freilich mag es nach jenem kotigen, trägen Glücke, nach der Freude an Besitz, Ehre und Ruhm gelüsten.

  • Wahrlich, Nāgita, Essen, Trinken, Kauen und Schmecken enden in Kot und Urin; das ist der Ausgang.
  • Beim Wechsel und Wandel der liebgewordenen Dinge, Nāgita, entstehen Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung; das ist der Ausgang.
  • Wer aber, Nāgita, sich in der Betrachtung des Widerlichen (asubha-nimitta) übt, bei dem festigt sich der Ekel vor der Vorstellung des Lieblichen (subha-nimitta); das ist der Ausgang.
  • Und wer da, Nāgita, bei den sechs Grundlagen des Sinneneindrucks in der Betrachtung ihrer Vergänglichkeit weilt, bei dem festigt sich der Ekel vor dem Sinneneindruck (phassa); das ist der Ausgang.
  • Und wer da, Nāgita, bei den fünf die Objekte des Anhaftens bildenden Daseinsgruppen (upādāna-kkhandha, siehe khandha) so in der Betrachtung ihres Entstehens und Vergehens weilt, bei dem festigt sich der Ekel vor dem Anhaften (upādāna); das ist der Ausgang.