Aṅguttara Nikāya

Das Fünfer-Buch

44. Wer schenkt, wird beschenkt

Einst weilte der Erhabene im Großen Walde bei Vesālī, in der Halle des Giebelhauses. Eines Morgens kleidete sich der Erhabene an und begab sich, mit Gewand und Schale versehen, zur Wohnung des Vesalier Hausvaters Ugga. Und der Vesalier Ugga, der Hausvater, näherte sich dem Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend sprach er zum Erhabenen also:

„Aus dem Munde des Erhabenen, o Herr, habe ich es vernommen, aus seinem Munde es erfahren: ‚Wer etwas Gutes schenkt, erhält Gutes zurück.‘ Etwas Gutes aber, o Herr, ist meine Sālablüten-Speise. Möge diese der Erhabene von mir annehmen, von Mitleid bewogen!“

Und der Erhabene nahm dieselbe an, von Mitleid bewogen.

„Aus dem Munde des Erhabenen, o Herr, habe ich es vernommen, aus seinem Munde es erfahren: ‚Wer etwas Gutes schenkt, erhält Gutes zurück.‘ Etwas Gutes aber, o Herr, ist mein Schweinefleisch mit süßen Brustbeeren—etwas Gutes mein mit Öl zubereitetes Stielgemüse—etwas Gutes mein Reisgericht, von schwarzen Körnern frei, versehen mit mancherlei Brühen und Gemüse—etwas Gutes sind meine kostbaren Benaresgewänder. Möge diese der Erhabene von mir annehmen, von Mitleid bewogen!“

Und der Erhabene nahm diese an, von Mitleid bewogen.

„Aus dem Munde des Erhabenen, o Herr, habe ich es vernommen, aus seinem Munde es erfahren: ‚Wer etwas Gutes schenkt, erhält Gutes zurück.‘ Etwas Gutes aber, o Herr, ist mein Ruhebett, belegt mit einer Ziegenhaardecke, einer weißen Wolldecke, einer Decke aus feinstem Antilopenfell und versehen mit einer Überdecke und purpurnen Kissen an beiden Enden. Ich, weiß aber, o Herr, daß solches für den Erhabenen nicht annehmbar ist. Doch diesen Sandelholz-Block, über Hunderttausend wert, den möge der Erhabene von mir annehmen, von Mitleid bewogen!“

Und der Erhabene nahm ihn an, von Mitleid bewogen. Darauf sprach der Erhabene dem Vesalier Hausvater Ugga seine Anerkennung (anumodanīyena anumodi) aus in folgenden Worten:

„Wer Gutes spendet, der erhält auch Gutes.
Wer gerne darbringt solchen geraden Wandels
Gewand und Lager sowie Trank und Speise
und andere Dinge, die von Nutzen sind,

die Heiligen als ein fruchtbar Feld betrachtend,
gereut ihn nicht, was er verschenkt und fortgibt.
Ein guter Mensch, der schwer Entbehrtes fortgibt,
erhält zurück das Gute, das er so geschenkt.“

Nachdem nun der Erhabene dem Vesalier Hausvater Ugga in diesen Worten seine Anerkennung ausgesprochen hatte, erhob er sich von seinem Sitze und entfernte sich.

Kurze Zeit darauf aber starb Ugga, der Vesalier Hausvater, und erschien nach seinem Tode in einer geistgezeugten Welt wieder. Zu jener Zeit nun weilte der Erhabene im Jeta-Hain, bei Sāvatthi, im Kloster des Anāthapindika. Und Ugga, der Himmelssohn, kam zu vorgerückter Nachtstunde, mit seinem herrlichen Glanze den ganzen Jeta-Hain erleuchtend, zum Erhabenen heran, begrüßte ihn ehrerbietig und blieb seitwärts stehen. Da sprach der Erhabene also zu ihm:

„Geht es dir wohl, Ugga, nach deinem Wunsch?“
„Ja, o Herr, es geht mir nach meinem Wunsch.“
Und der Erhabene sprach zu Ugga, dem Himmelssohn, in diesen Versen:

„Wer Gutes spendet, der erhält auch Gutes,
das Höchste spendend, Höchstes man erringt;
Erhabenes erlangt, wer solches spendet;
wer‘s Beste gibt, gelangt zum besten Ort.

Erlesene Gabe wer da spendet,
ein Mann, der beste Gabe gibt,
erwirbt sich Ruhm und langes Leben,
wo immer er ins Dasein tritt.“