Aṅguttara Nikāya

Das Sechser-Buch

47–48. Die sichtbare Lehre I II

Der Wanderasket Moliyasīvaka sprach zum Erhabenen also:

„Von der sichtbaren Lehre spricht man, o Herr. Inwiefern aber, o Herr, ist die Lehre sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend: ‚Komm und sieh!‘, zum Ziele führend, den Verständigen, jedem für sich, verständlich?“

„So will ich dich denn, Sīvaka, eben hierüber befragen. Wie es dir gut dünkt, mögest du antworten. Was meinst du, Sīvaka? Wenn Gier in dir ist, weißt du da wohl: ‚In mir ist Gier?‘ Oder wenn keine Gier in dir ist, weißt du da wohl: ‚In mir ist keine Gier?‘“

„Gewiß, o Herr.“

„Insofern du aber, Sīvaka, solches weißt, insofern eben ist die Lehre sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend: ‚Komm und sieh!‘, zum Ziele führend, den Verständigen, jedem für sich, verständlich.

Was meinst du, Sīvaka? Wenn Haß in dir ist... oder Verblendung... oder ein mit Gier, Haß oder Verblendung verbundener Geisteszustand, weißt du dann wohl: ‚Diese sind in mir?‘“

„Gewiß, o Herr.“

„Was meinst du, Sīvaka? Wenn keine Gier in dir ist... kein Haß... keine Verblendung... kein mit Gier, Haß oder Verblendung verbundener Geisteszustand, weißt du dann wohl: ‚Diese sind nicht in mir‘.“

„Gewiß, o Herr.“

„Insofern du aber, Sīvaka, solches weißt, insofern eben ist die Lehre sichtbar, unmittelbar wirksam, einladend: ‚Komm und sieh!‘, zum Ziele führend. den Verständigen, jedem für sich, verständlich.“

(In Text 48 steht statt Moliyasīvaka „ein anderer Brahmane“ und anstatt der letzten drei Eigenschaften: Verderbtheit in Werken, Worten und Gedanken. Alles übrige ist gleichlautend.)