Aṅguttara Nikāya

Das Siebener-Buch

42. Der ehrwürdige Mönch I

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Kloster des Anāthapindika. Und der ehrwürdige Sāriputta kleidete sich in der Frühe an, nahm Gewand und Schale und begab sich nach Sāvatthī um Almosenspeise. Da aber dachte er: „Zu früh ist es noch, um in Sāvatthī um Almosenspeise zu gehen. So will ich denn das Kloster der andersfährtigen Wanderasketen aufsuchen!“ Und der ehrwürdige Sāriputta begab sich zum Kloster der andersfährtigen Wanderasketen. Dort angelangt, wechselte er freundlichen Gruß, und nach Austausch höflicher und zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder. Bei dieser Gelegenheit nun kam unter den andersfährtigen Wanderasketen, als sie so beisammen dasaßen, die Rede darauf, daß einer, der zwölf Jahre lang das vollkommene und lautere Heilige Leben führe, mit Recht als ein ‚ehrwürdiger Mönch‘ (niddaso bhikkhu) bezeichnet werden könne.

Der ehrwürdige Sāriputta aber weder billigte noch mißbilligte die Worte jener andersfährtigen Wanderasketen. Ohne Beifall oder Mißfallen zu zeigen, erhob er sich von seinem Sitze und entfernte sich, im Gedanken: „Vom Erhabenen werde ich wohl den Sinn jener Rede erfahren.“ Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputta um Almosenspeise gegangen war, begab er sich am Nachmittage, nach Beendigung des Mahles, zum Erhabenen. Dort angelangt, begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend teilte er dem Erhabenen alles mit und sprach: „Kann man wohl, o Herr, in dieser Lehre und Zucht einen Mönch bloß der Anzahl seiner Ordensjahre wegen als ‚ehrwürdig‘ bezeichnen?“

—„Nein, Sāriputta, nicht kann man in dieser Lehre und Zucht einen Mönch bloß der Anzahl seiner Ordensjahre wegen als ‚ehrwürdig‘ bezeichnen. Sieben Grundlagen der Ehrwürdigkeit, Sāriputta, habe ich gewiesen, nachdem ich sie selber erkannt und verwirklicht habe. Welche sieben?

  1. „Da hat der Mönch einen starken Trieb zur Befolgung der geistigen Schulung, und auch späterhin verläßt ihn nicht die Liebe zur Befolgung der geistigen Schulung.
  2. Er hat einen starken Trieb zum Verständnis der Lehre
  3. —zur Zügelung seiner Wünsche
  4. —zur Abgeschiedenheit
  5. —zum Einsatz seiner Willenskraft
  6. —zur Achtsamkeit und Besonnenheit
  7. —zu durchdringender Erkenntnis, und auch späterhin verläßt ihn nicht die Liebe dazu.

„Diese sieben Grundlagen der Ehrwürdigkeit, Sāriputta, habe ich gewiesen, nach dem ich sie selber erkannt und verwirklicht habe. Wenn ein Mönch, Sāriputta, mit diesen sieben Grundlagen der Ehrwürdigkeit ausgestattet, zwölf Jahre oder vierundzwanzig Jahre oder sechsunddreißig Jahre oder achtundvierzig Jahre lang das vollkommene und lautere Heilige Leben führt, so kann man ihn mit Recht als einen ‚ehrwürdigen Mönch‘ bezeichnen.“