Aṅguttara Nikāya

Das Siebener-Buch

55. Die sieben Fährten Hoher Menschen

Sieben Fährten der Menschen, ihr Mönche, will ich euch weisen und das haftlose Nibbāna.

Welches aber, ihr Mönche, sind die sieben Fährten der Menschen?

Da, ihr Mönche, übt sich ein Mönch: ‚Hätte es nicht (in früherem Dasein Wiedergeburt erzeugendes Wirken oder Karma) gegeben, so wäre mir jetzt nicht (Dasein) beschieden; wenn es (jetzt) nicht (Karma) geben wird, so wird mir nicht (künftiges Dasein) beschieden sein. Was ist und was wurde, das verwerfe ich.‘ So erlangt er Gleichmut. Und er haftet nicht am Daseins haftet nicht am Werden. ‚Darüber hinaus gibt es eine Stätte des Friedens‘ so erkennt er in rechter Weisheit.

Zwar hat er jenen Zustand noch nicht ganz und gar verwirklicht, und die Neigungen (anusaya) des Dünkels, der Daseinsgier und der Verblendung sind in ihm noch nicht ganz und gar geschwunden. So kommt es denn, daß er nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚auf halber Fährte das Nibbāna erreicht‘ (antaraparinibbāyī; d.i. vor der Lebensmitte).

Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn man auf einen tagsüber erhitzten Eisentopf schlägt, ein Stück abspringt und alsbald erkaltet;—oder wenn es abspringt, sodann in die Luft fliegt und dann gleich erkaltet;—oder wenn es abspringt, in die Luft fliegt und, ohne den Boden zu berühren, schon vorher erkaltet: ebenso kommt es, ihr Mönche, daß da ein Mönch nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚auf halber Fährte das Nibbāna erreicht‘.

... Gleichwie, ihr Mönche, wenn man auf einen tagsüber erhitzten Eisentopf schlägt, ein Stück abspringt, in die Luft fliegt und, erst nachdem es den Boden berührt hat, erkaltet: ebenso kommt es, ihr Mönche, daß da ein Mönch nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚nach halber Fährte das Nibbāna erreicht‘ (upahaccaparinibbāyī; d.i. nach der Lebensmitte).

... Gleichwie, ihr Mönche, wenn man auf einen tagsüber erhitzten Eisentopf schlägt, ein Stück abspringt, in die Luft fliegt und auf einen winzigen Haufen Stroh oder Holz niederfällt, dort Feuer und Rauch erzeugt und, nachdem das Feuer jenen winzigen Haufen Stroh oder Holz verzehrt hat, dann aus Mangel an Brennstoff erlischt: ebenso auch kommt es, ihr Mönche, daß da ein Mönch nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚mühelos das Nibbāna erreicht‘ (asankhāraparinibbāyī).

... Gleichwie, ihr Mönche, wenn man auf einen tagsüber erhitzten Eisentopf schlägt, ein Stück abspringt, in die Luft fliegt und auf einen großen Haufen Stroh oder Holz niederfällt, dort Feuer und Rauch erzeugt und, nachdem das Feuer jenen großen Haufen Stroh oder Holz verzehrt hat, dann aus Mangel an Brennstoff erlischt: ebenso auch kommt es, ihr Mönche, daß da ein Mönch nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚mühsam das Nibbāna erreicht‘ (sasankhāraparinibbāyī).

Da, ihr Mönche, übt sich ein Mönch: ‚Hätte es nicht (in früherem Dasein Wiedergeburt erzeugendes Wirken) gegeben, so wäre mir jetzt nicht (Dasein) beschieden; wenn es jetzt nicht (Karma) geben wird, so wird mir nicht (künftiges Dasein) beschieden sein. Was ist und was wurde, das verwerfe ich.‘ So erlangt er Gleichmut. Und er haftet nicht am Dasein, haftet nicht am Werden. ‚Darüber hinaus gibt es eine Stätte des Friedens‘, so erkennt er in rechter Weisheit.

Zwar hat er jenen Zustand noch nicht ganz und gar verwirklicht, und die Neigungen des Dünkels, der Daseinsgier und der Verblendung sind in ihm noch nicht ganz und gar geschwunden. So kommt es denn, daß er nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln, stromaufwärts zu den Hehren Göttern eilt‘ (uddhamsoto akanitthagāmī).

Gleichwie, ihr Mönche, wenn man auf einen tagsüber erhitzten Eisentopf schlägt, ein Stück abspringt, in die Luft fliegt und auf einen gewaltigen Haufen Stroh oder Holz niederfällt, dort Feuer und Rauch erzeugt, und das Feuer jenen gewaltigen Haufen Stroh oder Holz verzehrt, dann das Gebüsch und den Wald ergreift und schließlich, an einer grünen Wiese, einem Weg, einem Felsen, einem Gewässer oder einer lieblichen Flur angelangt, dortselbst aus Mangel an Brennstoff erlischt: ebenso auch kommt es, ihr Mönche, daß da ein Mönch nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln ‚stromaufwärts zu den Hehren Göttern eilt‘.

Diese sieben Fährten der Menschen gibt es, ihr Mönche.

Was aber, ihr Mönche, ist das haftlose Nibbāna?

Da, ihr Mönche, übt sich ein Mönch: ‚Hätte es nicht (in früherem Dasein Wiedergeburt erzeugendes Wirken oder Karma) gegeben, so wäre mir jetzt nicht (Dasein) beschieden; wenn es jetzt nicht (Karma) geben wird, so wird mir nicht (künftiges Dasein) beschieden sein. Was ist und was wurde, das verwerfe ich.‘ So erlangt er Gleichmut. Und er haftet nicht am Dasein, haftet nicht am Werden. ‚Darüber hinaus gibt es eine Stätte des Friedens‘, so erkennt er in rechter Weisheit.

Und jenen Zustand hat er ganz und gar verwirklicht; und die Neigungen des Dünkels, der Daseinsgier und der Verblendung sind in ihm ganz und gar geschwunden. So gewinnt er, nach Versiegung der Triebe, noch bei Lebzeiten die trieblose Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend. Das, ihr Mönche, nennt man das haftlose Nibbāna.

Das, ihr Mönche, sind die sieben Fährten der Menschen, und das ist das haftlose Nibbāna.