Aṅguttara Nikāya

Das Siebener-Buch

67. Die uneinnehmbare Festung

Wenn, ihr Mönche, eine königliche Grenzfestung mit der siebenfachen Ausrüstung gut versehen ist und in ihr die vier Lebensmittel nach Wunsch, ohne Mühe und Anstrengung erhältlich sind, so gilt diese königliche Grenzfestung als uneinnehmbar durch äußere Feinde und Gegner.

Was aber ist die siebenfache Ausrüstung, mit der die königliche Grenzfestung versehen ist?

  1. Da, ihr Mönche, hat die königliche Grenzfestung einen Turm mit tief in die Erde eingelassenem Fundament, unbeweglich, unerschütterlich. Das, ihr Mönche, is das erste Rüstzeug, mit dem die königliche Grenzfestung versehen ist, zum Schutze der Einwohner und zur Abwehr der Fremden.
  2. Ferner, ihr Mönche, besitzt die königliche Grenzfestung einen breiten, tiefen Festungsgraben. Das, ihr Mönche, ist das zweite Rüstzeug.
  3. Ferner, ihr Mönche, besitzt die königliche Grenzfestung einen hohen, breiten Rundweg zum Beobachten. Das, ihr Mönche, ist das dritte Rüstzeug.
  4. Ferner, ihr Mönche, sind in der königlichen Grenzfestung viele Waffen aufgestapelt, Geschosse wie Tragwaffen. Das, ihr Mönche, ist das vierte Rüstzeug.
  5. Ferner, ihr Mönche, befinden sich in der königlichen Grenzfestung viele Streitkräfte, als wie Elefantentruppen, Reitertruppen, Wagentruppen, Bogenschützen, Fahnenträger, Schlachtordner, Proviantversorger, und auch stolze Königssöhne, verwegene, hochgewaltige Helden, sowie Schildträger und Söldnerknechte. Das, ihr Mönche, ist das fünfte Rüstzeug.
  6. Ferner, ihr Mönche, befindet sich in der königlichen Grenzfestung als Torwächter ein verständiger, erfahrener, kluger Mann, der alle Unbekannten zurückweist und nur die Bekannten einläßt. Das, ihr Mönche, ist das sechste Rüstzeug.
  7. Ferner, ihr Mönche, ist die königliche Grenzfestung mit einem hohen und breiten Festungswalle umgeben, der wohl verputzt und getüncht ist. Das, ihr Mönche, ist das siebente Rüstzeug, mit dem die königliche Grenzfestung versehen ist, zum Schutze der Einwohner und zur Abwehr der Fremden.

Welches aber, ihr Mönche, sind die vier Lebensmittel, die in der königlichen Grenzfestung nach Wunsch, ohne Mühe und Anstrengung, erhältlich sind?

  1. Da ist in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Stroh, Feuerholz und Wasser aufgestapelt, zum Gebrauche für die Einwohner, zu ihrer Beruhigung, zu ihrem Wohlbefinden und zur Abwehr der Gegner.
  2. Ferner ist in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Reis und Gerste aufgestapelt
  3. ein großer Vorrat an Sesam, Linsen, Bohnen und anderer Nahrung
  4. ein großer Vorrat an Heilmitteln, wie Butteröl, Butter, Öl, Honig, Zucker und Salz, zum Gebrauche für die Einwohner, zu ihrer Beruhigung, zu ihrem Wohlbefinden und zur Abwehr der Gegner.

Diese vier Lebensmittel, ihr Mönche, sind in der königlichen Grenzfestung nach Wunsch erhältlich, ohne Mühe und Anstrengung.

Wenn, ihr Mönche, eine königliche Grenzfestung mit dieser siebenfachen Ausrüstung gut versehen ist und in ihr diese vier Lebensmittel nach Wunsch erhältlich sind, ohne Mühe und Anstrengung, so gilt diese königliche Grenzfestung als uneinnehmbar durch äußere Feinde und Gegner.

Ebenso auch, ihr Mönche, wenn der edle Jünger mit sieben guten Eigenschaften ausgestattet ist, sowie nach Wunsch, ohne Mühe und Schwierigkeit, der vier Vertiefungen teilhaftig wird, der erhaben-geistigen, gegenwärtiges Wohl gewährenden, so gilt solch edler Jünger als unbesiegbar durch Māra, den Bösen.

Welches aber sind die sieben guten Eigenschaften, mit denen er ausgestattet ist?

  1. Gleichwie, ihr Mönche, die königliche Grenzfestung einen Turm besitzt, mit tief in die Erde eingelassenem Fundament, unbeweglich und unerschütterlich, zum Schutze der Einwohner und zur Abwehr der Fremden: so, ihr Mönche, besitzt der edle Jünger Vertrauen : er glaubt an die Erleuchtung des Vollendeten, so nämlich: ‚Dies, wahrlich, ist der Erhabene: er ist der Heilige, vollkommen Erleuchtete, der im Wissen und Wandel Bewährte, der Gesegnete, der Kenner der Welt, der unvergleichliche Lenker führungsbedürftiger Menschen, der Meister der Götter und Menschen, der Erleuchtete, der Erhabene.‘ Der mit dem Turme des Vertrauens ausgestattete edle Jünger aber überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser ersten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  2. Gleichwie, ihr Mönche, die königliche Grenzfestung einen tiefen, breiten Festungsgraben besitzt, so besitzt der edle Jünger Schamgefühl; er schämt sich vor schlechtem Wandel in Werken, Worten und Gedanken, schämt sich vor der Ausübung übler, unheilsamer Taten. Der mit dem Festungsgraben des Schamgefühls ausgestattete edle Jünger aber überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser zweiten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  3. Gleichwie, ihr Mönche, die königliche Grenzfestung einen hohen, breiten Rundweg zum Beobachten besitzt, so besitzt der edle Jünger sittliche Scheu; er scheut sich vor dem schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, scheut sich vor der Ausübung übler, unheilsamer Taten. Der mit dem Rundwege der sittlichen Scheu ausgestattete edle Jünger überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser dritten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  4. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung viele Waffen aufgestapelt sind, wie Geschosse und Tragwaffen, so ist der edle Jünger wissensreich, ein Träger des Wissens, hat sich ein großes Wissen angesammelt; und jene Lehren, die im Anfang vorzüglich sind, in der Mitte vorzüglich und am Ende vorzüglich, die in vollendetem Sinn und Ausdruck ein ganz vollkommenes, geläutertes Reinheitsleben verkünden, diese Lehren hat er sich häufig angehört, sich eingeprägt, im Wortlaut gelernt, im Geiste erwogen und sie weise verstanden. Der mit der Waffe des Wissens ausgestattete edle Jünger überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfalter das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser vierten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  5. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung sich viele Streitkräfte befinden, so besitzt der edle Jünger den Willen, die unheilsamen Dinge aufzugeben und die heilsamen Dinge zu erwerben; er ist standhaft, von gestählter Kraft und nicht pflichtvergessen in dem, was heilsam ist. Der mit der Streitkraft des Willens ausgestattete edle Jünger überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser fünften guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  6. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung sich ein verständiger, erfahrener, kluger Mann als Torwächter befindet, der alle Unbekannten zurückweist und nur die Bekannten einläßt, so ist der edle Jünger achtsam, mit größter Achtsamkeit und Besonnenheit ausgestattet. Selbst was vor langer Zeit getan und gesprochen wurde, dessen entsinnt er sich, dessen erinnert er sich. Der die Achtsamkeit als Wächter besitzende edle Jünger überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser sechsten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.
  7. Gleichwie, ihr Mönche, die königliche Grenzfestung von einem gut verputzten und getünchten, hohen und breiten Festungswalle umgeben ist, so ist der edle Jünger weise, besitzt Einsicht in das Entstehen und Vergehen, die edle, durchdringende, zur völligen Leidensvernichtung führende. Der mit Weisheit gleichsam verputzte und eingekleidete edle Jünger überwindet das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet das Tadelhafte und entfaltet das Untadelige, und er bewahrt sein Herz in Reinheit. Mit dieser siebenten guten Eigenschaft ist er ausgestattet.

Dies sind die sieben guten Eigenschaften, mit denen er ausgestattet ist. Welches aber sind die vier Vertiefungen, die erhaben-geistigen, gegenwärtiges Glück gewährenden, deren er nach Wunsch, ohne Mühe und Schwierigkeit, teilhaftig wird?

  1. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Stroh, Feuerholz und Wasser aufgestapelt ist, zum Gebrauche für die Einwohner, zu ihrer Beruhigung, zu ihrem Wohlbefinden und zur Abwehr der Fremden, so gewinnt der edle Jünger ganz abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene, in der Abgeschiedenheit geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung, zur eigenen Freude, zu seiner Beruhigung, seinem Wohlbefinden und um zum Nibbāna zu gelangen.
  2. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Reis und Gerste aufgestapelt ist, zum Gebrauche der Einwohner, zu ihrer Beruhigung, zu ihrem Wohlbefinden und zur Abwehr der Fremden, so gewinnt der edle Jünger nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassen und Überlegen freie, in der Sammlung geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung, zur eigenen Freude, zu seiner Beruhigung, seinem Wohlbefinden und um zum Nibbāna zu gelangen.
  3. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Sesam, Linsen, Bohnen und anderer Nahrung aufgestapelt ist, zum Gebrauche für die Einwohner, zu ihrer Beruhigung, zu ihrem Wohlbefinden und zur Abwehr der Fremden, so weilt der edle Jünger gleichmütig, achtsam, klar bewußt, und ein Glücksgefühl empfindet er in seinem Inneren, von dem die Edlen künden: ‚Der Gleichmütige, Achtsame weilt beglückt‘; so gewinnt er die dritte Vertiefung, zur eigenen Feude, zu seiner Beruhigung, seinem Wohlbefinden und um zum Nibbāna zu gelangen.
  4. Gleichwie, ihr Mönche, in der königlichen Grenzfestung ein großer Vorrat an Heilmitteln aufgestapelt ist, wie Butteröl, Butter, Öl, Honig, Zucker und Salz, so gewinnt der edle Jünger nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Erlöschen von Frohsinn und Trübsinn, die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung, zur eigenen Freude, zu seiner Beruhigung, seinem Wohlbefinden und um zum Nibbāna zu gelangen.

Dies sind die vier Vertiefungen, die erhaben-geistigen, gegenwärtiges Glück gewährenden, deren der edle Junger nach Wunsch teilhaftig wird, ohne Mühe und Schwierigkeit.

Wenn, ihr Mönche, der edle Jünger mit diesen sieben guten Eigenschaften ausgestattet ist, sowie nach Wunsch, ohne Mühe und Schwierigkeit der vier Vertiefungen teilhaftig wird, der erhaben-geistigen, gegenwärtiges Glück gewährenden, so gilt er als unbesiegbar durch Māra, den Bösen.