Aṅguttara Nikāya

Das Achter-Buch

14. Acht Untugenden der Rosse

Acht ungebärdige Rosse, ihr Mönche, will ich euch weisen und acht Untugenden der Rosse, acht ungebärdige Menschen und acht Untugenden der Menschen.

Welches aber sind die acht ungebärdigen Rosse und die acht Untugenden der Rosse?

Das eine der Rosse, ihr Mönche, wenn aufgefordert weiterzugehen und unter Schlägen vom Rosselenker angetrieben, geht rückwärts, stößt den Wagen hinter sich zurück. Von solcher Art, ihr Mönche, ist jenes ungebärdige Roß; und dies, ihr Mönche, ist die erste Untugend der Rosse.

Ein anderes Roß, wenn aufgefordert weiterzugehen und unter Schlägen vom Rosselenker angetrieben, schlägt mit den Hinterfüßen aus und zertrümmert die Deichsel, zerbricht das dreiteilige Joch.—Ein anderes macht dann seine Hinterschenkel von der Deichsel los und zertrampelt mit den Hinterfüßen die ganze Deichsel.—Ein anderes schlägt dann einen verkehrten Weg ein, bringt den Wagen auf falsche Fährte. Ein anderes bäumt sich mit dem Vorderkörper auf und schlägt mit den Vorderfüßen aus.—Ein anderes beißt sich in die Gebiss-Stange fest und rennt, unbekümmert um Wagenlenker und Treibstock, wohin es ihm gefällt.—Ein anderes geht weder vorwärts noch rückwärts, sondern bleibt wie eine Säule fest auf dem Flecke stehen.—Ein anderes zieht die Vorder- und Hinterfüße ein und läßt sich an derselben Stelle auf allen vieren nieder. Von solcher Art, ihr Mönche, ist jenes ungebärdige Roß; und dies, ihr Mönche, ist die achte Untugend der Rosse.

Das, ihr Mönche, sind die acht ungebärdigen Rosse und die acht Untugenden der Rosse.

Welches aber sind die acht ungebärdigen Menschen und die acht Untugenden der Menschen?

1. Da, ihr Mönche, ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen eines Vergehens ermahnt, windet sich heraus, indem er spricht: ‚Ich erinnere mich nicht daran.‘ Und jenem ungebärdigen Rosse, das, aufgefordert weiterzugehen und, vom Rosselenker unter Schlägen angetrieben, rückwärts geht und den Wagen hinter sich zurückstößt, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da jener ungebärdige Mensch; und dies ist die erste Untugend der Menschen.

2. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, weist den Ermahner ab mit den Worten: ‚Was willst du mir mit deiner Rede, du törichter, unerfahrener Mensch? Du meinst wohl, auch etwas sagen zu müssen?‘ Und jenem ungebärdigen Rosse, das mit den Hinterfüßen ausschlägt, die Deichsel zertrümmert und das dreiteilige Joch zerbricht, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die zweite Untugend der Menschen.

3. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, wirft die Anklage auf den Ankläger zurück: ‚Du hast ja ein solches und solches Vergehen begangen! Bekenne vor allem erst selber einmal deine Schuld!‘ Und jenem ungebärdigen Rosse, das seine Hinterschenkel von der Deichsel frei macht und sie dann mit den Hinterfüßen zertrampelt, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die dritte Untugend der Menschen.

4. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, geht von einem Gegenstand auf den anderen über, lenkt das Gespräch auf andere Dinge ab und legt Verdrossenheit, Ärger und Mißtrauen an den Tag. Und jenem ungebärdigen Rosse, das einen verkehrten Weg einschlägt und den Wagen auf falsche Fährte bringt, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die vierte Untugend der Menschen.

5. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, spricht, mit den Armen fuchtelnd, inmitten der Mönchsgemeinde. Und jenem ungebärdigen Rosse, das sich mit dem Vorderkörper aufbäumt und mit den Vorderfüßen ausschlägt, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die fünfte Untugend der Menschen.

6. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen ermahnt, kümmert sich weder um die Mönchsgemeinde noch um den Ermahner, und, von Feindseligkeit erfüllt, geht er, wohin es ihm beliebt. Und jenem ungebärdigen Rosse, das sich in die Gebißstange festbeißt und, unbekümmert um Wagenlenker und Treibstock, rennt, wohin es ihm beliebt, dem ähnlich nenne ich diesen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die sechste Untugend der Menschen.

7. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, erwidert nicht, ob er das Vergehen begangen hat oder nicht, und verletzt so die Mönchsgemeinde durch sein Schweigen. Und jenem ungebärdigen Rosse, das weder vorwärts noch rückwärts geht und wie eine Säule auf demselben Flecke stehen bleibt, dem ähnlich nenne ich einen solchen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die siebente Untugend der Menschen.

8. Fernerhin, ihr Mönche: da ermahnen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens. Er aber, von den Mönchen wegen des Vergehens ermahnt, entgegnet ihnen: ‚Was quält ihr Ehrwürdigen mich denn so sehr? Ich gebe nun die Askese auf und kehre zum niederen Weltleben zurück.‘ Nachdem er aber die Askese aufgegeben und zum niederen Weltleben zurückgekehrt ist, spricht er: ‚Jetzt werdet ihr Ehrwürdigen wohl zufrieden sein!‘ Und jenem ungebärdigen Rosse, das Vorder- und Hinterfüße einzieht und sich auf allen vieren niederläßt, dem ähnlich nenne ich einen solchen Menschen. Von solcher Art, ihr Mönche, ist da ein anderer ungebärdiger Mensch; und dies ist die achte Untugend der Menschen.

Das, ihr Mönche, sind die acht ungebärdigen Menschen und die acht Untugenden der Menschen.