Aṅguttara Nikāya

Das Achter-Buch

22. Ugga aus Elefantendorf

Einst weilte der Erhabene im Lande der Vajjier bei Elefantendorf (Hatthigāma). Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche:

„Wisset, ihr Mönche, daß bei Ugga, dem Hausvater aus Elefantendorf (nicht mit dem vorerwähnten zu verwechseln, Ugga aus Elefantendorf wurde vom Buddha an die Spitze der ‚Unterstützer der Mönchsgemeinde‘ gestellt), acht außerordentliche, wunderbare Eigenschaften anzutreffen sind.“

So sprach der Erhabene und nach diesen Worten erhob er sich von seinem Sitze und begab sich zu seiner Zelle. Einer der Mönche aber, nachdem er sich am frühen Morgen angekleidet hatte, begab sich, mit Gewand und Almosenschale versehen, zur Wohnung Uggas, des Hausvaters aus Elefantendorf. Dort angelangt, setzte er sich auf dem angebotenen Sitze nieder. Und Ugga, der Hausvater aus Elefantendorf, kam heran, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Darauf sprach jener Mönch zu Ugga, dem Hausvater, also:

„Acht außerordentliche, wunderbare Eigenschaften werden bei dir angetroffen, Hausvater, hat der Erhabene erklärt. Welches sind diese acht, o Hausvater?“

—„Zwar weiß ich nicht, o Herr, welche acht Eigenschaften der Erhabene gemeint hat, doch höre dir folgende acht Eigenschaften an, die bei mir anzutreffen sind, und achte auf meine Worte.“

—„Ja, o Hausvater“, erwiderte jener Mönch, und Ugga, der Hausvater, sprach:

„Als ich, o Herr, im Nagahaine umhergehend, zum ersten Male den Erhabenen von ferne erblickte, da fühlte schon beim bloßen Anblick mein Herz Vertrauen zum Erhabenen und meine durch Wein hervorgerufene Berauschung schwand. Dies, o Herr, ist die erste außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Vertrauenden Herzens, o Herr, wartete ich dem Erhabenen auf. Und der Erhabene gab mir eine stufenweise Belehrung über die Freigebigkeit, die Sittlichkeit, die Himmelswelten und er beleuchtete das Elend, die Hinfälligkeit und Unreinheit der Sinnenlüste und den Segen der Entsagung. Als dann der Erhabene merkte, daß mein Geist reif war, geschmeidig, ohne innere Hemmungen, in gehobener Stimmung und voller Vertrauen, da wies er die den Erleuchteten eigene Lehrverkündung: vom Leiden, von der Entstehung des Leidens, von der Aufhebung des Leidens und vom Pfad. Und gleichwie ein sauberes, fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, ebenso ging mir, während ich noch auf meinem Platze saß, das ungetrübte, fleckenlose Auge für die Lehre auf: ‚Was immer entsteht, muß vergehen.‘ Und die Lehre schauend, die Lehre verwirklichend, die Lehre kennend, die Lehre durchdringend, zweifelentronnen, vom Schwanken befreit, von Sicherheit erfüllt, durch keinen anderen beeinflußt (im Vertrauen) zur Weisung des Meisters nahm ich auf der Stelle meine Zuflucht zum Erleuchteten, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde, und ich nahm die Sittenregeln auf mich, mit der Keuschheit als fünftem. Dies, o Herr, ist die zweite außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Ich besaß da, o Herr, vier jugendliche Gattinnen. Ich aber ging zu diesen Gattinnen hin und sprach zu ihnen: ‚Ich habe nun, Schwestern, die Sittenregeln auf mich genommen, mit der Keuschheit als fünftem. Diejenige unter euch, die es wünscht, mag hier diese Besitztümer genießen und gute Werke tun oder zu ihren Verwandten gehen. Diejenige aber, die einen Mann wünscht, möge mir sagen, wem ich sie zuführen soll.‘ Auf diese Worte hin bat mich die älteste Gattin, sie einem gewissen Manne zuzuführen. Darauf ließ ich, o Herr, jenen Mann kommen und mit der Linken die (Hand der) Gattin ergreifend und mit der Rechten das goldene Wassergefäß haltend, übergab ich sie jenem Manne. Während ich aber so mein jugendliches Weib weggab, o Herr, da merkte ich keine Veränderung in meinem Herzen. Dies, o Herr, ist die dritte außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Es befinden sich da in meiner Familie Reichtümer. Diese, o Herr, verteile ich unterschiedslos an sittenreine, dem Guten ergebene Menschen. Dies, o Herr, ist die vierte außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Jedem Mönche, o Herr, dem ich aufwarte, warte ich mit Ehrerbietung auf, nicht unehrerbietig. Trägt mir nun jener Ehrwürdige die Lehre vor, so höre ich voll Ehrerbietung zu, nicht unehrerbietig. Tut er es aber nicht, so trage eben ich ihm die Lehre vor. Dies, o Herr, ist die fünfte außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Nicht ist es zwar wunderbar, o Herr, wenn da bei geladener Jüngerschaft Himmelswesen zu mir herankommen und verkünden: ‚Jener Mönch, o Hausvater, ist ein Beiderseitserlöster, jener ein Weisheitserlöster, jener ein Körperzeuge, jener ein Erkenntnisgereifter, jener ein Vertrauenserlöster, jener ein Lehrergebener, jener ein Vertrauensergebener, jener ist sittenrein und dem Guten ergeben, jener sittenlos und dem Schlechten ergeben.‘ Doch während ich der Jüngerschaft aufwarte, wüßte ich nicht, daß mir dabei der Gedanke aufgestiegen wäre: ‚Diesem will ich wenig geben und diesem viel‘, sondern ich gebe eben, o Herr, mit ganz gleicher Gesinnung. Dies, o Herr, ist die sechste außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Nicht ist es zwar wunderbar, o Herr, wenn da Himmelswesen zu mir herankommen und sprechen: ‚Wohl dargetan, Hausvater, ist vom Erhabenen die Lehre!‘ und ich ihnen darauf erwidere: ‚Möget ihr, o Gottheiten, mir dies sagen oder nicht, so ist doch gewiß die Lehre wohl dargetan vom Erhabenen.‘ Doch ich wüßte nicht, daß dadurch in meinem Herzen der Dünkel entstünde: ‚Ja, mich besuchen die Himmelswesen, und ich unterhalte mich mit ihnen!‘ Dies, o Herr, ist die siebente außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Sollte ich, o Herr, vor dem Erhabenen sterben, so wäre es nicht zu verwundern, wenn der Erhabene von mir erklären möchte: ‚Nicht mehr besteht jene Fessel, in die verstrickt Ugga der Hausvater aus Elefantendorf wieder zu dieser Welt zurückkehren könnte.‘ Dies, o Herr, ist die achte außerordentliche, wunderbare Eigenschaft, die bei mir anzutreffen ist.

Diese acht außerordentlichen, wunderbaren Eigenschaften, o Herr, sind bei mir anzutreffen. Nicht aber weiß ich, o Herr, als mit welchen acht Eigenschaften ausgestattet mich der Erhabene erklärt hat.“

(Schluß entsprechend Text 21.)