Aṅguttara Nikāya

Das Achter-Buch

44. Der Segen des Fasttages IV

Im Großen Walde bei Vesālī, in der Halle des Giebelhauses (Kūtāgārasālā). Der Erhabene sprach zu Vāsettha, dem Laienjünger, also:

I

„Der Fasttag der acht Entschlüsse, Vāsettha, bringt, wenn er befolgt wird, hohen Lohn, hohen Segen, ist mächtig an Würde und Größe. In welcher Weise aber bringt er hohen Lohn, hohen Segen, ist mächtig an Würde und Größe?

Da erwägt Vasettha, der edle Jünger, bei sich also:

‚Zeitlebens meiden Heilige das Töten, halten sich fern von Verletzung der Lebewesen. Ohne Stock, ohne Waffe, voll Zartgefühl und Mitleid sind sie auf das Wohl aller Wesen und Geschöpfe bedacht. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, das Töten, halte mich fern von Verletzung der Lebewesen. Ohne Stock, ohne Waffe, voll Zartgefühl und Mitleid bin ich auf das Wohl aller Wesen und Geschöpfe bedacht. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem ersten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige das Nehmen von Nichtgegebenem, halten sich fern vom Nehmen des Nichtgegebenen. Das Gegebene abwartend, nicht diebisch gesinnt, verweilen sie lauteren Herzens. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, das Nehmen des Nichtgegebenen, halte mich vom Nehmen des Nichtgegebenen fern. Das Gegebene abwartend, nicht diebisch gesinnt, verweile ich lauteren Herzens. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem zweiten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige den unkeuschen Wandel. Keusch und abseits lebend, halten sie sich fern von der Begattung, der gemeinen. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, den unkeuschen Wandel. Keusch und abseits lebend, halte ich mich fern von der Begattung, der gemeinen. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem dritten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige die Lüge, halten sich fern von unwahrer Rede. Die Wahrheit sprechen sie, der Wahrheit sind sie verbunden, aufrichtig, vertrauenswürdig, keine Betrüger der Welt. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, die Lüge, halte mich fern von unwahrer Rede. Die Wahrheit spreche ich, der Wahrheit bin ich verbunden, aufrichtig, vertrauenswürdig, kein Betrüger der Welt. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem vierten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige den Genuß berauschender Getränke, dieser Ursachen der Lässigkeit, und halten sich fern davon. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, den Genuß berauschender Getränke, dieser Ursachen der Lässigkeit, und halte mich fern davon. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem fünften Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens nehmen Heilige nur zu einer Tageszeit Speise zu sich, bleiben des Nachts nüchtern, enthalten sich des Essens zur Unzeit. Und auch ich nehme heute, diesen Tag und diese Nacht, nur zu einer Tageszeit Speise zu mir, bleibe des Nachts nüchtern, enthalte mich des Essens zur Unzeit. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem sechsten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige Tanz, Gesang, Musik sowie den Besuch von Schaustellungen, den Gebrauch von Blumen, Wohlgerüchen, Salben, Schmuck und Schönheitsmitteln. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, Tanz, Gesang, Musik. Sowie den Besuch von Schaustellungen, den Gebrauch von Blumen, Wohlgerüchen, Salben, Schmuck und Schönheitsmitteln. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem siebenten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

‚Zeitlebens meiden Heilige vornehme und üppige Lager, halten sich von vornehmen und üppigen Lagern fern. Eines niedrigen Lagers bedienen sie sich, sei es eine Pritsche oder ein Strohlager. Und auch ich meide heute, diesen Tag und diese Nacht, vornehme und üppige Lager, halte mich von vornehmen und üppigen Lagern fern. Eines niedrigen Lagers bediene ich mich, einer Pritsche oder eines Strohlagers. In dieser Eigenschaft folge ich den Heiligen nach, und den Fasttag werde ich befolgt haben.‘ Mit diesem achten Entschluß ist der Fasttag verbunden.

In dieser Weise befolgt, Vāsettha, bringt der Fasttag der acht Entschlüsse hohen Lohn, hohen Segen, ist mächtig an Würde und Größe.“

II

In welcher Weise befolgt, Vāsettha, bringt der Fasttag der acht Entschlüsse hohen Lohn, hohen Segen, ist mächtig an Würde und Größe? Wenn da einer, Vāsettha, zum Beispiel als Herr und König über die folgenden sechzehn mächtigen, an den sieben Schätzen reichen Ländern die Oberherrschaft führen möchte, nämlich über das Land der Anger, der Māgadher, Kāser, Kosaler, Vajjer, Maller, Cetiyer, Bengalen, Kurus, Pañcālen, Maccher, Surasener, Assaker, Avantier, Gandhārer und Kambojjer, so ist das nicht soviel wert wie der sechzehnte Teil des von den acht Entschlüssen begleiteten Fasttages. Und warum? Armselig ist ja menschliche Herrschaft verglichen mit himmlischer Glückseligkeit!

Was da bei den Menschen fünfzig Jahre sind, das ist bei den Gottheiten der vier Großen Könige ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber machen einen Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und fünfhundert solcher Jahre machen das Lebensalter der Gottheiten der vier Großen Könige aus. Möglich ist es nun, daß da ein Mann oder ein Weib durch die Befolgung des Fasttages der acht Entschlüsse beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in der Gemeinschaft der Gottheiten der vier Großen Könige wiedererscheint. Deshalb eben sagte ich: Armselig ist menschliche Herrschaft verglichen mit himmlischer Glückseligkeit.

Was da bei den Menschen hundert Jahre sind, das ist bei den Gottheiten der Dreiunddreißig ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber machen einen Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und tausend solcher Jahre machen das Lebensalter der Gottheiten der Dreiunddreißig aus...

Was da bei den Menschen zweihundert Jahre sind, das ist bei den Yāma-Gottheiten ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber sind ein Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und zweitausend solcher Jahre machen das Lebensalter der Yāma-Gottheiten aus...

Was da bei den Menschen vierhundert Jahre sind, das ist bei den Seligen Gottheiten (tusitā) ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber machen einen Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und viertausend solcher Jahre machen das Lebensalter der Seligen Gottheiten aus...

Was da bei den Menschen achthundert Jahre sind, das ist bei den Schöpfungsfreudigen Gottheiten ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber machen einen Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und achttausend solcher Jahre machen das Lebensalter der Schöpfungsfreudigen Gottheiten aus...

Was da bei den Menschen sechzehnhundert Jahre sind, das ist bei den Über die Erzeugnisse anderer verfügenden Gottheiten ein Tag und eine Nacht. Dreißig solcher Nächte aber machen einen Monat, zwölf solcher Monate ein Jahr und sechzehntausend solcher Jahre machen das Lebensalter der Über die Erzeugnisse anderer verfügenden Gottheiten aus.

Möglich ist es nun, daß ein Mann oder ein Weib durch die Befolgung des Fasttages der acht Entschlüsse beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in der Gemeinschaft der Über die Erzeugnisse anderer verfügenden Gottheiten wiedererscheint. Deshalb aber sagte ich: Armselig ist menschliche Herrschaft verglichen mit himmlischer Glückseligkeit.

Nicht töte man und greife nicht nach fremdem Gut;
man lüge nicht und trinke keinen Rauschetrank;
von Unkeuschheit und Paarung halte man sich fern,
ein Abendmahl zur Unzeit nicht genieße man.

Man meide Blumen und auch Wohlgerüche,
auf niederem Bette, auf dem Boden liege man
dies gilt als achtfaches Gebot am Fastentag,
wie ihn der Leidbesieger, Buddha, wohl verkündet hat.

Sonne und Mond, so herrlich anzuschauen,
sie ziehen ihre Bahn und strahlen weit dahin,
verscheuchen das Dunkel, durcheilen die Lüfte
und glänzen am Himmel, alles erleuchtend.

Alle die Schätze in ihrem Leuchtkreis:
Perlen, Juwelen, Gold und Türkise,
Horngold und Gold aus der Berge Tiefen,
gelbfarbiges Gold und anderes mehr

All diese, wahrlich, sind kein Sechzehntel
des achtgeteilten Fasttags wert,
gleichwie im hellen Mondeslicht
der Sterne Schar verblassen muß.

Ob es ein männlich‘ Wesen oder eine Frau,
wer sittenrein den achtgeteilten Fasttag hält
und segensreiche gute Werke übt,
geht, frei von Tadel, ein zur Himmelswelt.“

III

Auf diese Worte sprach Vāsettha, der Laienjünger zum Erhabenen also:

„Ja, möchten, o Herr, auch meine lieben Vettern und Verwandten den Fasttag der acht Entschlüsse innehalten, so würde es auch ihnen für lange Zeit zum Heil und Wohl gereichen. Und möchten auch, o Herr, alle Adligen, Brahmanen, Bürger und Diener den Fasttag der acht Entschlüsse innehalten, so würde es auch ihnen für lange Zeit zum Heil und Wohl gereichen.“

—„So ist es, Vāsettha. So ist es, Vāsettha. Möchten auch alle Adligen, Brahmanen, Bürger und Diener den Fasttag der acht Entschlüsse innehalten, so würde es auch ihnen für lange Zeit zum Heil und Wohl gereichen. Und möchte auch die ganze von Himmelswesen, guten und bösen Geistern bewohnte Welt, mit ihren Scharen von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen den Fasttag der acht Entschlüsse innehalten, so würde es auch ihr zum Heil und Wohl gereichen. Und hätten auch, Vāsettha, diese mächtigen Salbäume einen Willen und würden den Fasttag der acht Entschlüsse innehalten, so würde es auch ihnen für lange Zeit zum Heil und Wohl gereichen. Was soll man da erst von den menschlichen Wesen sagen?“