Aṅguttara Nikāya

Das Achter-Buch

54. Grundlagen der Wohlfahrt

Einst weilte der Erhabene im Lande der Koliyer, in der Koliyerstadt Kakkarapatta. Da nun begab sich Dīghajanu, der Koliyersohn, zum Erhabenen. Bei ihm angelangt, begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig, setzte sich zur Seite nieder und sprach:

„Wir als Hausleute, o Herr, die wir die Sinnenfreuden genießen, wohnen mitten im Gedränge von Weibern und Kindern. Wir gebrauchen feinstes Sandelholz, verwenden Blumen, Riechstoffe und Salben, benutzen Gold und Silber. Möge doch, o Herr, der Erhabene uns so die Lehre weisen, daß es uns zum Heil und Wohl gereiche, diesseits und jenseits!“

—„Vier Dinge, Vyagghapajja, gereichen einem edlen Sohne zum diesseitigen Heil und Wohl. Welche vier?

  • Bewährung in Fleiß,
  • Bewährung in Wachsamkeit,
  • edler Umgang und
  • maßvolle Lebensweise.

Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Fleiß? Da, Vyagghapajja, erwirbt sich ein edler Sohn durch irgendeine Arbeit seinen Lebensunterhalt, sei es durch Ackerbau, durch Handel oder durch Viehzucht, als ein Bogenschütze oder königlicher Beamter oder durch irgendein Handwerk. Darin aber ist er tüchtig und nicht nachlässig, und er versteht sich auf die richtigen Mittel zu handeln und anzuordnen. Das, Vyagghapajja, nennt man Bewährung in Fleiß. Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Wachsamkeit? Da besitzt ein edler Sohn Güter, die er sich durch Fleiß und Strebsamkeit erworben, durch seiner Hände: Arbeit, im Schweiße seines Angesichts angesammelt hat, rechtliche Güter, rechtschaffen erlangt. Diese hütet und bewacht er, damit nicht Fürsten oder Räuber sie fortnehmen oder das Feuer sie zerstört, das Wasser sie fortspült oder lieblose Erben sie an sich reißen. Das, Vyagghapajja, nennt man Bewährung in Wachsamkeit.

Was aber, Vyagghapajja, ist edler Umgang? In dem Dorfe, Vyagghapajja, oder der Stadt, wo der edle Sohn wohnt, was es dort an Hausvätern gibt oder Hausväter-Söhnen, jung und von reifem Charakter oder alt und von reifem Charakter, denen Vertrauen, Sittlichkeit, Freigebigkeit und Weisheit eignet, mit solchen pflegt er Umgang, unterhält sich mit ihnen, führt Gespräche mit ihnen. Und den solcherart Vertrauensvollen eifert er im Vertrauen nach, den solcherart Sittenreinen eifert er in Sittlichkeit nach, den solcherart Freigebigen eifert er in Freigebigkeit nach, den solcherart Weisen eifert er in Weisheit nach. Das, Vyagghapajja, nennt man edlen Umgang.

Was aber, Vyagghapajja, ist maßvolle Lebensweise? Da, Vyagghapajja, kennt der edle Sohn seine Einnahmen und Ausgaben und richtet demgemäß seine Lebensweise ein, nicht zu üppig und nicht zu dürftig, wissend: ‚Auf diese Weise werden die Einnahmen meine Ausgaben übertreffen und nicht meine Ausgaben die Einnahmen.‘ Gleichwie ein Goldschmied oder sein Gehilfe, wenn er die Waage vor sich hält, weiß, daß sie um so viel sich gesenkt hat oder um so viel in die Höhe geht, ebenso auch, Vyagghapajja, kennt der edle Sohn seine Einnahmen und Ausgaben und richtet demgemäß seine Lebensweise ein, nicht zu üppig und nicht zu dürftig, wissend: ‚Auf diese Weise werden die Einnahmen meine Ausgaben übertreffen und nicht meine Ausgaben die Einnahmen.‘

Führt, Vyagghapajja, der edle Sohn bei geringem Einkommen eine üppige Lebensweise, so sagt man von ihm, daß er seinen Besitz vergeudet wie ein Feigenesser. Führt er aber bei großem Einkommen eine dürftige Lebensweise, so sagt man von ihm, daß er wie ein Hungerleider sterben wird. Wenn aber, Vyagghapajja, der edle Sohn seine Einnahmen und Ausgaben kennt und seine Lebensweise demgemäß einrichtet, so nennt man das eine maßvolle Lebensweise.

Für den so erlangten Besitz, Vyagghapajja, gibt es vier Abflüsse: Unzucht, Trunksucht, Würfelspiel und Umgang mit schlechten Freunden, schlechten Gefährten, schlechten Genossen. Wenn da bei einem großen Teiche, der vier Zuflüsse und vier Abflüsse hat, ein Mann die Zuflußkanäle verstopft, die Abflußkanäle aber öffnet und die Wolken keinen rechten Regen spenden, so hat man da bei jenem großen Teiche eine Abnahme zu erwarten, keine Zunahme. Ebenso auch, Vyagghapajja, gibt es für den erlangten Besitz vier Abflüsse: Unzucht, Trunksucht, Würfelspiel und Umgang mit schlechten Freunden, schlechten Gefährten, schlechten Genossen.

Für den so erlangten Besitz, Vyagghapajja, gibt es vier Zuflußkanäle: das Meiden von Unzucht, von Trunksucht, von Würfelspiel und der Umgang mit edlen Freunden, edlen Gefährten, edlen Genossen. Wenn da bei einem großen Teiche, der vier Zuflüsse und vier Abflüsse hat, ein Mann die Zuflußkanäle öffnet, die Abflußkanäle aber verstopft und die Wolken rechten Regen spenden, so hat man da bei jenem großen Teiche eine Zunahme zu erwarten, keine Abnahme. Ebenso auch, Vyagghapajja, gibt es für den erlangten Besitz vier Zuflüsse: das Meiden von Unzucht, von Trunksucht, von Würfelspiel und der Umgang mit edlen Freunden, edlen Gefährten, edlen Genossen.

Diese vier Dinge, Vyagghapajja, gereichen dem edlen Sohne zu diesseitigem Heil und Wohl.

Vier Dinge aber, Vyagghapajja, gereichen dem edlen Sohne zu jenseitigem Heil und Wohl. Welche vier?

  • Bewährung in Vertrauen,
  • Bewährung in Sittlichkeit,
  • Bewährung in Freigebigkeit und
  • Bewährung in Weisheit.

Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Vertrauen? Da besitzt der edle Sohn Vertrauen. Er glaubt an die Erleuchtung des Vollendeten, so nämlich: ‚Dies, wahrlich, ist der Erhabene: er ist ein Heiliger, vollkommen Erleuchteter, der in Wissen und Wandel Bewährte, der Gesegnete, der Kenner der Welt, der unübertreffliche Lenker führungsbedürftiger Menschen, der Meister der Götter und Menschen, der Erleuchtete, der Erhabene.‘

Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Sittlichkeit? Da enthält sich der edle Sohn von Lebenszerstörung, enthält sich vom Nehmen des Nichtgegebenen, enthält sich von unrechtem Wandel in Sinnenlüsten, enthält sich von der Lüge, enthält sich vom Genuß von Rauschmitteln, der Ursache der Lässigkeit.

Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Freigebigkeit? Da lebt der edle Sohn im Hause mit einem vom Laster des Geizes freien Herzen; er ist freigebig und spendet mit offenen Händen; er gibt gern, ist den Bedürftigen zugetan und hat Freude am Austeilen von Gaben.

Was aber, Vyagghapajja, ist Bewährung in Weisheit? Da eignet dem edlen Sohne Weisheit. Ausgerüstet ist er mit jener Weisheit, die das Entstehen und Vergehen begreift, der edlen, durchdringenden, zu völliger Leidensvernichtung führenden.

Diese vier Dinge, Vyagghapajja, gereichen dem edlen Sohne zu jenseitigem Heil und Wohl.“

„Voll Fleiß in allem, was er tut,
voll Tatkraft und voll Ordnungssinn,
sein Leben er gar maßvoll führt
und hütet seine Schätze wohl.

Vertrauensvoll und sittenrein,
freigebig, ohne jeden Geiz,
bereitet er den Pfad stets vor
zum Heil in einer anderen Welt.

So führen diese Dinge acht,
vom Wahrheitslehrer kundgetan,
zu beiderseit‘gem Heil den Mann,
der voll Vertraun im Hause weilt,

Zum Wohlergehen in dieser Welt
und künftiger Glückseligkeit.
So wächst Verdienst dem Hausner zu
und milder Sinn von Tag zu Tag.“