Aṅguttara Nikāya

Das Neuner-Buch

12. Den niederen Welten entronnen

Einst weilte der Erhabene im Jetahaine bei Sāvatthī, im Kloster des Anāthapindika. Und der ehrwürdige Sāriputta kleidete sich in der Frühe an, nahm Gewand und Schale und begab sich nach Sāvatthī um Almosenspeise. Und er dachte: „Zu früh ist es noch, um in Sāvatthī um Almosenspeise zu gehen. So will ich denn das Kloster der andersfährtigen Wanderasketen aufsuchen.“ Und der ehrwürdige Sāriputta begab sich zum Kloster der andersfährtigen Wanderasketen. Dort angelangt, wechselte er mit jenen andersfährtigen Wanderasketen freundlichen Gruß, und nach Austausch höflicher, zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder.

Bei jener Gelegenheit aber kam unter den andersfährtigen Wanderasketen, während sie versammelt dasaßen, die Rede darauf, daß keiner, der noch einen Haftensrest besitzend stirbt, befreit ist von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und entronnen ist den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Der ehrwürdige Sāriputta indessen weder billigte noch mißbilligte die Worte jener andersfährtigen Wanderasketen. Ohne Beifall oder Mißbilligung zu zeigen, erhob er sich von seinem Sitze und ging fort im Gedanken: „Vom Erhabenen werde ich wohl den Sachverhalt dieser Worte erfahren.“ Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputta von seinem Almosengange zurückgekehrt war, begab er sich am Nachmittage, nach beendetem Mahle, zum Erhabenen und teilte ihm die Sache mit.

(Der Erhabene:) „Unerfahrene Toren, Sāriputta, sind jene andersfährtigen Wanderasketen. Und diese sollten erkennen, wer noch einen Haftensrest besitzt und wer von jedem Haftensrest befreit ist?

Neun noch einen Haftensrest besitzende Menschen, Sāriputta, sind bei ihrem Tode befreit von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und sind entronnen den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen Welches sind diese neun Menschen?

Da, o Sāriputta, ist ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, vollkommen in der Geistessammlung, aber nur mäßig entwickelt in Weisheit. Nach dem Schwinden der fünf niederen Fesseln wird er ein ‚Auf halber Fährte Erlöschender‘. Das, Sāriputta, ist der erste noch einen Haftensrest besitzende Mensch, der bei seinem Tode befreit ist von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und entronnen ist den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Fernerhin, Sāriputta, ist da ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, vollkommen in der Geistessammlung, aber nur mäßig entwickelt in Weisheit. Nach dem Schwinden der fünf niederen Fesseln wird er ein ‚Nach halber Fährte Erlöschender‘—ein ‚Mühelos Erlöschender‘—ein ‚Mühsam Erlöschender‘—ein ‚Stromaufwärts zu den Hehren Göttern Eilender‘. Das, Sāriputta, ist der zweite, dritte, vierte und fünfte noch einen Haftensrest besitzende Mensch, der bei seinem Tode befreit ist von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und entronnen ist den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Fernerhin, Sāriputta, ist da ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, aber nur mäßig entwickelt in Geistessammlung und Weisheit. Nach dem Schwinden von drei Fesseln und Abschwächung von Gier, Haß und Verblendung kehrt er noch einmal wieder; und noch einmal in diese Welt zurückkehrend, macht er dem Leiden ein Ende. Das, Sāriputta, ist der sechste noch einen Haftensrest besitzende Mensch, der bei seinem Tode befreit ist von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und entronnen ist den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Fernerhin, Sāriputta, ist da ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, aber nur mäßig entwickelt in der Geistessammlung und Weisheit. Nach dem Schwinden von drei Fesseln wird er ein ‚Einmal Aufkeimender‘, und, nur noch einmal in menschlichem Dasein wiedergeboren, macht er dem Leiden ein Ende. Das, Sāriputta, ist der siebente noch einen Haftensrest besitzende Mensch...

Fernerhin, Sāriputta, ist da ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, aber nur mäßig entwickelt in Geistessammlung und Weisheit. Nach dem Schwinden von drei Fesseln wird er ein ‚Von Geschlecht zu Geschlecht Eilender‘, noch zweimal oder dreimal unter edlen Geschlechtern die Geburten durcheilend, die Geburten durchwandernd, macht er dem Leiden ein Ende. Das, Sāriputta, ist der achte noch einen Haftensrest besitzende Mensch...

Fernerhin, Sāriputta, ist da ein Mensch vollkommen in der Sittlichkeit, aber nur mäßig entwickelt in Geistessammlung und Weisheit. Nach dem Schwinden von drei Fesseln wird er ein ‚Höchstens siebenmal Wiedergeborener‘, noch siebenmal unter Göttern und Menschen die Geburten durcheilend, die Geburten durchwandernd, macht er dem Leiden ein Ende. Das, Sāriputta, ist der neunte noch einen Haftensrest besitzende Mensch, der bei seinem Tode befreit ist von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreiche und entronnen ist den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Unerfahrene Toren, Sāriputta, sind jene andersfährtigen Wanderasketen. Und diese sollten erkennen, wer noch einen Haftensrest besitzt und wer von jedem Haftensrest befreit ist? Diese neun noch einen Haftensrest besitzenden Menschen sind bei ihrem Tode befreit von der Hölle, dem Tierschoße und dem Gespensterreich und sind entronnen den niederen Welten, der Leidensfährte und den Daseinsabgründen.

Diese Lehrdarlegung, Sāriputta, habe ich noch nicht den Mönchen und Nonnen, den Laienjungern und Laienjüngerinnen gegeben. Und warum nicht? Damit sie nach dem Hören dieser Lehrdarlegung nicht der Lässigkeit verfallen. Nur als Antwort auf deine Frage, Sāriputta, habe ich dir diese Lehrdarlegung gegeben.“