Dhamma-Wort

Die Paare

Der Geist den Dingen geht voran,
die Geist geprägt, die Geist gemacht.
Wer da mit boshaft wirrem Geist
zu andern spricht und Werke tut,
so folgt von da das Leid ihm nach,
gleichwie ein Rad die Spur eingräbt.

Der Geist den Dingen geht voran,
die Geist geprägt, die Geist gemacht.
Wer da mit klarem, stillem Geist
zu andern spricht und Werke tut,
so folgt von da das Glück ihm nach,
wie Schatten, der nicht schwinden kann.

„Er schimpfte mich ! Schlug auf mich ein!
Besiegte mich ! Beraubte mich!“
Die alle hegen solchen Groll,
der Haß wird denen niemals still.

„Er schimpfte mich ! Schlug auf mich ein!
Besiegte mich ! Beraubte mich!“
Die alle hegen keinen Groll,
der Haß wird denen völlig still.

Nicht kommt durch Haß das Hassen je
zur Ruhe hier in dieser Welt,
durch Nichthaß wird das Hassen still,
das ist ein ewiges Gesetz.

Die anderen begreifen nicht:
„Laßt uns den Tod hier immer sehn!“
Doch denen, die begreifen dort,
die Kämpfe werden endlich still.

Wer lebt, nur immer Schönheit sieht,
unkontrolliert im Sinnendrang,
beim Essen ohne jedes Maß,
voll Trägheit, ohne Energie,
den, wahrlich, Māro überkommt,
wie Wind den Baum von schwacher Kraft.

Wer lebt, nicht immer Schönheit sieht,
wohl kontrolliert im Sinnendrang,
beim Essen immer voller Maß,
vertrauensvoll, bereit zur Tat,
den niemals Māro überkommt,
wie nie der Wind das Felsgebirg.

Wer nicht befreit von Flecken ist
und zieht die gelbe Robe an,
von aller Zähmungswahrheit fern,
verdient die Gelbe wahrlich nicht.

Wer alle Flecken ausgespien,
in Tugend wohlgesammelt ist,
zur Zähmungswahrheit hingelangt,
verdient die Gelbe wahrlich sich.

Was kernlos, fassen sie als Kern,
den Kern sehn sie als kernlos an,—
zum Kern gelangen diese nie,
nur Fehlgedanken weiden sie.

Die Kern als Kern einmal erkannt,
was kernlos ist als kernlos auch,—
zum Kern gelangen solche wohl,
nur Rechtgedanken weiden sie.

Wie in ein Haus, das schlecht gedeckt,
der Regen ungehindert dringt,
so in ein Herz, das nicht geübt,
der Reiz der Sinnenwünsche dringt.

Wie in ein Haus, das gut gedeckt,
kein Regen ungehindert dringt,
so in ein Herz, das gut geübt,
kein Reiz der Sinnenwünsche dringt.

Hier trauert er, und nach dem Tode trauert er,
der Schlechtestuer trauert stets an beiden Orten,—
er trauert, wird von lauter Gram gequält,
hat er gesehn beschmutzte Tat des Selbst.

Hier freut er sich, und nach dem Tode freut er sich,
wer Gutes tat, freut sich an beiden Orten,—
er freut sich, freut sich immer tiefer,
hat er gesehn die reine Tat des Selbst.

Hier quält er sich, und nach dem Tode quält er sich,
der Schlechtestuer quält sich stets an beiden Orten.
„Das Schlechte habe ich getan“—so quält er sich,
mehr quält es ihn, daß schlechter Weg gegangen.

Hier ist er froh, und nach dem Tode ist er froh,
wer Gutes tat, ist froh an beiden Orten.
„Das Gute habe ich getan“—so ist er froh,
mehr macht ihn froh, daß guter Weg gegangen.

Spricht einer viel, stimmt immer überein,
doch ist kein Tuer, ist ein träger Mann,
dem Kuhhirt gleich, der andrer Kühe zählt,
hat er nicht teil an dem Asketentum.

Wer wenig spricht, stimmt immer überein,
und ist der Lehre lehrentlang Befolger,
gibt willig auf Verlangen, Haß und Blendung,
versteht das Rechte, ganz befreit im Herzen,
ergreift nicht mehr das Hier und nicht das Jenseits,
der hat wohl teil an dem Asketentum.

Nichtlässigkeit

Nichtlässigkeit ist Todlos-Weg,
das Lässigsein des Todes Weg,
Nichtlässige, sie sterben nicht,
die Lässigen sind schon wie tot.

Wenn dieses deutlich sie erkannt,
die Weisen in Nichtlässigkeit,
Nichtlässigkeit macht solche froh,
erfreut am Weidegrund der Edlen.

Die sich vertiefen unentwegt,
erstreben fest das Bleibende,
berühren das Nibbānam schon,
den Übungsfrieden höchster Art.

Dem, der sich aufruft, achtsam ist,
die reine Tat bedachtsam tut,
dem, der erkennt, die Lehre lebt,
nicht lässig ist, mehrt sich der Ruhm.

Mit Aufrichten, Nichtlässigkeit,
mit Abstinenz, mit Zähmung auch,
der Weise sich die Insel baut,
die keine Woge überspült.

An Lässigkeit sie binden sich,
die Menschen, töricht, ohne Wissen,—
Nichtlässigkeit der Weise sich
beschützt, wie seinen besten Schatz.

An Lässigkeit nicht bind' man sich,
sei nicht mit Sinnenreiz vertraut,—
wer sich vertieft, nicht lässig ist,
gelangt zu einem reichen Glück.

Wenn Lässigkeit ein weiser Mann
vertreibt mit Nie-mehr-Lässigsein,
hat er die Weisheitsburg erstiegen,
von Trauer frei in Trauerwelt,—
wie der vom Berg auf die im Grund,
so sieht der Weise Toren an.

Nicht lässig unter Lässigen
und unter Schlafenden ganz wach,—
so wie kraftloses Pferd das Rennpferd
zurückläßt, geht der Weise vor.

Nichtlässig war der Maghavā,
ging so zum Götter-Besten hin,—
sie loben den Nichtlässigen,
der Lässige wird stets getadelt.

Ein Mönch, Nichtlässigkeit-erfreut,
der Lässigsein mit Furcht ansieht:
die Fessel fein, die Fessel schwer,
wie Feuer brennt er ab und geht.

Ein Mönch, Nichtlässigkeit-erfreut,
der Lässigsein mit Furcht ansieht:
unfähig ist er, abzufallen,
ist dem Nibbānam nahe schon.

Herz und Geist

Das pendelnde, das schwankend Herz,
zu schützen und zu zügeln schwer,
das macht der Weise grade sich,
wie ein Pfeilschnitzer seinen Pfeil.

Wie Fisch, geworfen auf das Land,
aus seinem Wohnort weggezerrt,
so zittert bebend dieses Herz,
das ganze Māro-Reich zu lassen.

Des schwer zu haltenden, des leichten,
des jedem Reiz erliegenden,
des Herzens Zähmung ist nur gut,
gezähmtes Herz bringt Glück mit sich.

Das schwer zu sehen ist, so fein,
das jedem Reiz erliegende,
das Herz beschützt der Weise sich,
bewachtes Herz bringt Glück mit sich.

Wer ferne geht, alleine geht,
wer körperlos, in sich versteckt:
die werden zügeln sich das Herz,
die werden frei vom Māroband.

Dem Herzen, das nicht stille steht,
die Gute Lehre nicht erkennt,
unstet in seiner Heiterkeit,
vollendet sich die Weisheit nicht.

Wer frei im Herzen, ohne Wunsch,
in seinem Innern nicht verwirrt,
wer Gut und Schlecht gelassen hat,
wer wacht, für den gibts keine Furcht.

Wie einen Krug, so seh' er diesen Körper,
wie eine Festung bau' er dieses Herz,
durch Weisheitswachstum fessle er den Māro,
bewache den Besiegten, hafte nicht.

Nicht lange mehr und dieser Körper
wird auf der kühlen Erde liegen,
wie weggeworfen, ohne Fühlen,
nutzlos wie ein gefällter Stamm.

Was Feind dem Feinde antun mag,
der Hassende dem Hassenden:
das Herz, das falsch geleitet ist,
mag weitaus Schlimmeres noch tun.

Was Mutter nicht, nicht Vater täte,
nicht der Verwandten ganze Schar:
das Herz, das recht geleitet ist,
mag weitaus Besseres noch tun.

Blumen

Wer diese weite Erde wird erobern,
die Todeswelt mit ihrer Götterwelt?
Wer wird der Lehre Pfad, wohl aufgezeigt,
der Tüchtige, wie eine Blume pflücken?

Wer übt, wird diese Erde sich erobern,
die Todeswelt mit ihrer Götterwelt.
Wer übt, wird sich den Lehrpfad, wohl gezeigt,
der Tüchtige, wie eine Blume pflücken.

Dem Schaume gleich, so sieht er diesen Körper,
ein Lichtspielding, der tief in sich Erwachte,
zerbrochen hat er Māros Blumenpfeile,
kann, unsichtbar dem Todeskönig, gehen.

Den, der da bunte Blumen pflückt,
den Mann mit einem Haftensgeist,
wie hohe Flut ein schlafend Dorf,
nimmt den der Tod mit sich, geht fort.

Der Mann, der bunte Blumen pflückt,
erfüllt mit einem Haftensgeist,
gesättigt nie vom Sinnenreiz:
der Endiger beherrschet den.

Gleichwie die Biene an der Blume
nicht Farbe, nicht Geruch versehrt,
fliegt fort, wenn Nektar sie genommen:
so mag im Dorf der Muni gehn.

Nicht was beim Andern ist verkehrt,
nicht was getan, was ungetan,
man sehe hin aufs eigne SELBST,
was es getan, was nicht getan.

Gleich wie die Blume leuchtend glänzt,
in Farbe strahlend, ohne Duft,
so ist das recht gesprochne Wort
fruchtlos für den, der es nicht tut.

Gleich wie die Blume leuchtend glänzt,
in Farbe strahlend, voller Duft,
so ist das recht gesprochne Wort
fruchtreich für den, der es auch tut.

Gleichwie aus einer Menge Blumen
Girlanden man verflechten kann,
so an Geboren-Sterblichem
man sollte reichlich Gutes tun.

Nicht Blumenduft dem Wind entgegen geht,
nicht Sandelduft, noch Tagarajasmin,
des Guten Duft dem Wind entgegen geht,
der gute Mensch trägt Duft in jede Richtung.

Der Sandel und der Tagara
der Lotus blau, weiß der Jasmin,
von allen diesen Düften ist
der Tugendduft unübertroffen.

Gering und schwach ist dieser Duft
von Tagara und Sandelholz,—
der Duft der Tugend Übenden,
der beste, zu den Göttern dringt.

Bei denen, die voll Tugend sind,
bei den nicht lässig Lebenden,
die frei in rechtem Wissen sind,
der Māro findet keinen Weg.

Gleichwie in einem Abfallberg,
der hingekippt an einen Weg,
ein Lotus da entstehen kann,
rein duftend, Geist erfreuend schön:

So bei den vielen Abfallwesen,
beim blindgewordnen Massenvolk,
scheint voller Weisheit hell heraus
der Jünger des, der voll erwacht.

Der Tor

Lang ist dem Wachenden die Nacht,
lang dem die Meile, der erschöpft,
lang ist der Toren Weltenlauf,
die rechte Lehre kennen nicht.

Trifft einer auf dem Lebensgang
den Besseren, den Gleichen nicht,
so mach' er den Alleingang stark,
beim Toren gibt es Freundschaft nicht.

„Ich habe Söhne, ich bin reich!“
So wird geschlagen schwer der Tor.
Das Selbst gehört dem Selbst nicht an,—
woher der Sohn? Reichtum woher?

Der Tor, der an die Torheit denkt,
der ist wohl fast ein Weiser schon,—
jedoch ein Tor mit Weisenstolz,
der wird mit Recht „ein Tor“ genannt.

Wenn auch ein Tor sein Leben lang
dem Weisen dient und ihn verehrt:
nicht der die Lehre recht versteht,
wie Löffel nicht die Suppe schmeckt.

Wenn auch Sekunden nur, wer klug,
dem Weisen dient und ihn verehrt:
der schnell die Lehre recht versteht,
wie Zunge wohl die Suppe schmeckt.

Es leben Toren, unverständig,
als Nichtfreund eben mit dem Selbst,
verrichten nichts als schlechtes Werk,
von dem die Ernte Bitterfrucht.

Nicht so ein Werk ist gut getan,
das, wenn getan, man tief bereut,—
nur Tränen strömen vom Gesicht,
solch ein Ergebnis stellt sich ein.

Wohl so ein Werk ist gut getan,
das, wenn getan, man nicht bereut,—
das heiter stimmt und tief erfreut,
solch ein Ergebnis stellt sich ein.

An süßen Honig denkt der Tor,
solang das Schlechte noch nicht quält,—
doch quält das Schlechte immer mehr,
geht er ins Leiden tief hinab.

Monat für Monat Grashalm-wenig
der Tor mag Mahlzeit nehmen ein,—
von denen, die der Dhammo formt,
nicht kleinsten Bruchteil ist er wert.

Nicht wohl die schlecht getane Tat
kommt zum Gerinnen wie die Milch,
sie brennt und folgt dem Toren nach,
wie Glut, von Asche zugedeckt.

Solang zum eignen Schaden nur
die Klugheit in dem Tor entsteht,
zerstört dem Toren sie das Glück,
reißt ihm den Kopf in Stücke ganz.

Nicht achtsam möchte er sich wünschen
viel Anerkennung bei den Mönchen,—
bestimmen will er, wo sie wohnen,
verehrt sein von Familien andrer.

„Was ich getan, bedenken mögen
Hausleute und Hauslose, beide,
nach meinem Willen ganz und gar
sie mögen mir zu Diensten sein.“
So ist des Toren Denkensart,
und Wunsch und Stolz vermehren sich.

Ein Mittel ist Gewinn von Gaben,
das andre leitet zum Nibbānam.
Wer dieses tief in sich erkannt,
ein Mönch, ein Jünger des Erwachten,
erfreu' sich an Verehrung nicht,
die Einsamkeit entfalte er.

Der Weise

Nur Schätze sammelnd sieh den Lehrer,
der deine Fehler klar erkennt,—
dem Klugen, der den Tadel spricht,
nur solchem Weisen schließ dich an,—
dem, der sich anschließt einem solchen,
gehts besser nur, nicht schlechter mehr.

Er möge raten, unterweisen,
von Niedrigem halten zurück,—
so ist er lieb Besonnenem,
unlieb dem Nichtbesonnenen.

Nicht schließ dich schlechten Freunden an,
nicht schließ dich Untermenschen an!
Schließ dich nur guten Freunden an,
schließ dich den hohen Menschen an!

Wer Dhamma trinkt, der wohnt im Glück,
mit still gewordenem Gemüt,—
am Dhamma, edel mitgeteilt,
ist stets der Weise tief erfreut.

Das Wasser leiten die Kanälebauer,
die Pfeilemacher schlichten sich den Pfeil,
das Holz die Zimmerleute schlichten,
das Selbst sich zähmen Tugendhafte.

Wie Felsen einzig hart und fest
durch Wind nicht in Bewegung kommt,
so nicht durch Tadel-Lobeshymnen
die Weisen werden mehr erregt.

Gleichwie ein tiefer, stiller See
ganz klar ist, völlig ungetrübt,
so, wenn die Lehren sie gehört,
die Weisen werden still und klar.

Allüberall die wahren Menschen gehen,
nicht sinnensüchtig plappern sie, sind still,
wenn auch vom Glück berührt und dann vom Leiden,
ein Hoch und Tief die Weisen sehn nicht mehr.

Nicht seinetwegen, nicht um einen Andern,
man wünsch' ein Kind sich, Reichtum oder Land,
durch Unrecht wünsch' man nicht Erfolg für sich,—
nur tugendhaft, gerecht und weise sei man.

Sehr wenig sind es unter Menschen
der Wesen, die nach drüben gehn,
und so das ganze andre Volk
läuft stets am Ufer nur entlang.

Und die nun, wenn sie recht erklärt,
der Lehre Lehrbefolger sind,
die Wesen sehnen sich nach drüben,
wo Todesreich ist übertroffen.

Das dunkle Ding, das gibt er auf,
nur Helles schafft der Weise sich,
geht aus dem Hause gern hinaus,
sucht weit entfernte Einsamkeit.

Dort wünsche er sich tiefe Freude,
der alles ließ, von Süchten frei,
er möge reinigen das SELBST
von Herzenstrübungen, der Weise.

Wenn durch die Glieder der Erwachung,
das Herz nur recht entfaltet ist,
der Weltaneignung abgeneigt,
am Nichtergreifen stets erfreut,—
die Einflußfreien, leuchtend Hellen,
sind in der Welt erloschen schon.

Der Arahat

Wer nicht mehr wandert, trauerfrei,
wer frei geworden überall,
wer alle Fesseln abgestreift,
nicht gibt es Fieber mehr für den.

Die Achtsamen, sie gehen fort,
nicht an Gemeinschaft freun sie sich,
so wie ein Schwan den Teich verläßt,
verlassen sie die Häuslichkeit.

Anhäufen gibt es nicht für sie,
die jede Mahlzeit recht verstehn,
ichleer, von außen unberührt,
ist ihnen Freiheit Weidegrund,—
wie in dem Raum der großen Vögel,
ist's schwer, zu folgen ihrem Weg.

Bei wem die Einflüsse erschöpft,
sich auf die Nahrung nicht mehr stützt,
ichleer, von außen unbewegt,
wem Freiheit ist der Weidegrund,—
wie in dem Raum der großen Vögel,
ist's schwer zu folgen seiner Spur.

Beim wem zur Ruhe alle Sinne gingen,
wie Pferde, die ein Trainer gut gezähmt,
wer allen Stolz gelassen, einflußfrei,
die Götter gar beneiden einen solchen.

Erdgleich wird er behindert nicht,
ist Säulen gleich, solch Tugendhafter,—
wie stiller See, befreit von Schlamm,
gibts Weltenläufe nicht für ihn.

Ganz ruhig ist ihm stets der Geist,
die Rede ruhig und die Tat
in tiefem Wissen völlig frei,—
ein solcher ist ganz still geworden.

Vertrauensfrei, das Ungeschaffne kennend,
der Mann, der die Geburtenkette brach,
der Gut und Böse ließ, von Wünschen frei,
der, wahrlich, ist der beste aller Menschen.

Im Dorfe oder auch im Wald,
im tiefen Land und auf der Höhe,
wo Heilgewordene verweilen,
das ist ein angenehmer Ort.

Wie angenehm die Wälder sind,
wo nicht sich freut das ganze Volk,
nur die Entreizten Freude finden,
nicht die, die Sinnenlüste suchen!

Tausend

Wenn tausend endlos lange Reden
sinnlos im Wortgefüge sind:
ein Sinnwort wirklich besser ist,
das, wenn gehört, zur Stille führt.

Wenn tausend angehäufte Verse
sinnlos im Wortgefüge sind:
ein Verswort wirklich besser ist,
das, wenn gehört, zur Stille führt.

Mag einer hundert Verse sprechen,
im Wortgefüge ohne Sinn:
ein Dhammawort wohl besser ist,
das, wenn gehört, zur Stille führt.

Wer tausend tausendmal wohl könnte
besiegen in der Schlacht die Menschen,
und könnt' besiegen nur ein Selbst,—
der ist wohl höchster Schlachtensieger.

Besiegtes Selbst wohl besser ist,
als der Gewinn in Menschenwelt
dem selbstgezähmten edlen Mann,
der klar erkennend stets nur lebt.

Auch nicht ein Gott, ein Halbgott nicht,
nicht Māro mit dem höchsten Brahma
kann diesen Sieg vereiteln mehr
dem Menschen, der von solcher Art.

Im Monat tausend Stücke Gold
kann einer opfern hundertfach,
und einen, der sein Selbst entfaltet,
verehren kurzen Augenblick,—
die Ehrung eben besser ist,
als wenn geopfert hundert Jahr.

Mag auch ein Wesen hundert Jahr
im Wald dem Feuer huldigen,
und einen, der sein Selbst entfaltet,
verehren kurzen Augenblick,—
die Ehrung eben besser ist,
als wenn geopfert hundert Jahr.

Was in der Welt geopfert und gespendet,
ein Jahr mag opfern, wer Verdienst-begierig,—
all das macht nicht einmal ein Viertel aus,
ein Demutsgruß bei Aufrechten ist besser.

Dem demutsgrüßend Tugendhaften,
der Älteren Ehrfurcht erweist,
vier Dinge mehren sich bei dem:
das Leben, Schönheit, Glück und Kraft.

Mag einer hundert Jahre leben,
ganz ohne Tugend, ungesammelt,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der sich tugendhaft vertieft.

Mag einer hundert Jahre leben,
ganz ohne Weisheit, ungesammelt,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der sich weisheitsvoll vertieft.

Mag einer hundert Jahre leben,
nur träge und gering an Tatkraft,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der die Tatkraft einsetzt fest.

Mag einer hundert Jahre leben
und sieht Entstehn-Vergehen nicht,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der Entstehn-Vergehen sieht.

Mag einer hundert Jahre leben
und sieht nicht des Todlosen Weg,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der den Weg zum Todlos sieht.

Mag einer hundert Jahre leben,
und sieht die höchste Lehre nicht,—
ein Tag das Leben besser ist
dem, der die höchste Lehre sieht.

Das Schlechte

Schnell sei beim Guten man dabei,
beim Schlechten zügle man das Herz,
dem, der das Gute träge tut,
der Geist am Schlechten sich erfreut.

Wenn Schlechtes auch ein Mensch mag tun,
nicht tue er das immer wieder.
Macht keinen Willen dabei auf!
Leid bringt des Schlechten Anhäufung.

Wenn Gutes auch ein Mensch mag tun,
so tue er das immer wieder.
Macht euren Willen dabei auf!
Glück bringt des Guten Anhäufung.

Der Schlechte auch sieht manchmal Glück,
solang das Schlechte nicht gereift,
doch wenn gereift das schlechte Tun,
dann sieht er erst, was schlechte Taten.

Der Gute auch sieht mal das Schlechte,
solang das Gute nicht gereift,
doch wenn gereift das gute Tun,
dann sieht er erst, was Gutes bringt.

Man denke nicht gering vom Schlechten:
„Nicht wird zu mir das schon gelangen!“
Mit stetem Wassertropfenfall
füllt schließlich sich der Wasserkrug.

Man denke nicht gering vom Guten:
„Nicht wird zu mir das schon gelangen!“
Mit stetem Wassertropfenfall
füllt schließlich sich der Wasserkrug.

Gleichwie ein Kaufmann Straßen fürchtet,
hat kaum er Waffen, reich an Schätzen,—
wie Leben Wünschender das Gift,
vermeide man das Tun des Schlechten.

Wem an der Hand ist keine Wunde,
mag mit der Hand das Gift berühren,—
den Wundenlosen trifft kein Gift,
nicht Schlechtes gibts dem, der nicht wirkt.

Wer fehlerfreiem Manne schlecht begegnet,
dem rein gewordnen Menschen, frei von Flecken,
auf solchen Toren fällt zurück das Schlechte,
wie feiner Staub, in Gegenwind geworfen.

Im Schoß erscheinen einige,
im Höllenreich, die Schlechtes tun,—
zum Himmel gehn die guten Weges,
die Einflußfreien ganz verlöschen.

Im Laus-Ei nicht, nicht in der Meeresmitte,
nicht in die Spalte der Gebirge gehend,—
nicht ist zu finden solcher Erdenfleck,
wo einer steht, von schlechter Tat sich löste.

Im Laus-Ei nicht, nicht in der Meeresmitte,
nicht in die Spalte der Gebirge gehend,—
nicht ist zu finden solcher Erdenfleck,
wo einer steht, vom Tod nicht überwältigt.

Der Stock

Ach, alle zittern vor dem Stock,
ach, alle fürchten sich vorm Tod,—
fühlt man das Gleiche in sich selbst,
nicht töten möge man, nicht schlachten.

Ach, alle zittern vor dem Stock,
ach, allen ist das Leben lieb,—
fühlt man das Gleiche in sich selbst,
nicht töten möge man, nicht schlachten.

Wer Wesen, die das Glück sich wünschen,
mit seinem Stocke schwer verletzt,
wenn der des Selbstes Glück ersehnt,
gestorben, findet er kein Glück.

Wer Wesen, die das Glück sich wünschen,
mit seinem Stocke nicht verletzt,
wenn der des Selbstes Glück ersehnt,
gestorben, findet er sein Glück.

Sprich du nicht barsch zu irgendwem,
mit gleichem Wort könnt' Antwort sein,—
leidvoll nur ist das Streitgespräch,
der Gegenschlag könnt' treffen dich.

Wenn du das SELBST nicht mehr erregst,
wie einen Gong, der durchgesprungen,
hast das Nibbānam du erreicht,—
Streit gibt es dann nicht mehr für dich.

Wie mit dem Stock der Rinderhirt
die Kühe auf die Weide treibt,
so treiben Alter und der Tod
die Lebenszeit der Lebewesen.

Doch wenn er schlechte Taten tut,
der Tor kann diese nicht durchschauen,—
durch seine Taten wird der Dumme
gequält wie der, den Feuer sehrt.

Wer mit dem Stock die Stocklosen,
die kaum Verdorbenen verletzt,—
von zehnen ein gewisser Fall
tritt eben schnell für diesen ein:

Gefühl, das grob geartet, Raub,
des Körpers Auseinanderbrechen,
auch schwere Krankheit mag ihn treffen,
des Geistes völlige Verwirrung.

Gefahr kann drohn vom König her,
Verleumdung gibt es, gnadenlos,
in dem Verwandtenkreis Verlust,
Zerrinnen aller Reichtümer.

Dann auch die Häuser einem solchen
brennt Feuer nieder lichterloh,—
verliert den Körper so ein Tor,
taucht er in Höllenreichen auf.

Nicht Nacktgehn, Haargeflecht, nicht Schlammgewälze,
nicht Fasten, Liegen auf der bloßen Erde,
nicht Staubbesudelung, nicht Fersenhocken
den Menschen läutern, der nicht Zweifel kreuzte.

Wenn der Geschmückte kann den Frieden leben,
gestillt, gezähmt, gezügelt, Brahma lebend,
den Stock bei allen Wesen niederlegend:
der ist Brahmane, der Asket, der Mönch.

Der Mensch, der voll Gewissensscheu,
wo in der Welt er auch erscheint,
der nimmt den Tadel kaum noch wahr,
wie gutes Pferd die Peitsche nicht.

Wie gutes Pferd, das seine Peitsche kennt,
seid glühend ernst und tief ergriffen stets!
Mit Hilfe von Vertrauen, Tugend, Tatkraft auch,
mit Sammlung und mit tiefer Lehrergründung auch,
im Wissen und im Handeln gut, mit Achtsamkeit,
verlassen werdet ihr dies nicht geringe Leiden!

Das Wasser leiten die Kanälebauer,
die Pfeilemacher schlichten sich den Pfeil,
das Holz die Zimmerleute schlichten,
das Selbst sich zähmen Tugendhafte.

Das Alter

Wer lacht, was soll das Fröhlichsein,
da alles stets in Flammen steht?
Mit Dunkelheit, die ihr bedeckt,
das Licht nicht werdet ihr euch suchen?

Sieh diese schmuckgemachte Puppe,
den Wundenkörper, aufgebaut,
den kranken, von Gedanken voll,
der Dauer und Bestand nicht hat!

Schon ist verfallen diese Form,
ein Krankheitsnest, gebrechlich sehr,
gespalten wird der Fäulnishaufen,
denn Todes-Ende hat das Leben.

Sie alle sind da weggeworfen,
wie Kürbisse zur Herbsteszeit,
die taubengrauen vielen Knochen,
wer sie gesehn, was soll noch Freude?

Aus Knochen ist die Stadt gebaut,
mit Fleisch und Blut ist sie verschmiert,
wo stets das Alter und der Tod,
der Stolz, die Heuchelei verborgen.

Auch Königswagen altern, schön geschmückt,
ganz ähnlich kommt zum Körper auch das Alter,
doch wo der Dhammo herrscht, da kommt kein Alter,
die Guten machen ihn gewiß bekannt.

Der Mensch, der wenig nur gehört,
dem Ochsen gleich vorm Pflug er altert,
die Fleischesmassen wachsen ihm,
die Weisheit aber wächst ihm nicht.

Das Vielgeburtenwandelkreisen
durcheilte ich, fand nicht Gewinn,
den Hauserbauer suchend stets,—
leidvoll Geburt ist immer wieder.

Du Hauserbauer bist erschaut!
Nicht wieder wirst ein Haus du bau'n!
Die Rippen alle sind gebrochen,
des Hauses Giebel hat nicht Halt,—
frei von Sankhāras geht das Herz,
der Dürste Ende es erfuhr.

Die nicht gelebt das Brahmaleben
und jung erlangten Reichtum nicht,
vertiefen sich wie alte Reiher
in einen Fische-leeren Teich.

Die nicht gelebt das Brahmaleben
und jung erlangten Reichtum nicht,
die liegen wie zerbrochne Bogen
und jammern um Vergangenheit.

Das Selbst

Mag man das SELBST als lieb erkennen,
bewach' man es, als gut bewacht,—
von dreien eine Nachtwache
mag sich durchwachen wohl der Weise.

Das eigne SELBST zuallererst
man sollte in die Paßform bringen,
erst dann belehre And're man,—
nicht will der Weise schmutzig werden.

Das SELBST, das möge er so formen,
wie er den Anderen belehrt,—
nur Wohlgezähmter sollte zähmen:
schwer zähmbar wirklich ist das SELBST.

Das Selbst des Selbstes Schützer ist,
wer könnte andrer Schützer sein?
Nur durch ein wohlgezähmtes Selbst
schafft man den Schützer, schwer erschaffbar.

Vom Selbst das Schlechte wird getan,
ist Selbstgeboren, Selbstentstammt,
den Toren es restlos zermalmt,
wie Diamant das Steinjuwel.

Bei wem ohn' Ende Schlechtverhalten,
der gleicht dem Baum, Efeu berankt,—
er tut dem eignen Selbst das an,
was immer wünscht der ärgste Feind.

Leicht ist getan, was nicht so gut,
was nicht dem SELBST zum Wohl gereicht,—
was wohl tut und zum Guten führt,
das, wahrlich, ist höchst schwer zu tun.

Wer da die Botschaft Heilgewordner,
der Edlen, die im Dhammo leben,
verachtet als ein dummer Tor,
der sich an schlechte Ansicht lehnt:
wie Früchte eines Schilfbestandes
platzt er durch Selbstzerstörung auf.

Vom Selbst aus wird getan das Schlechte,
vom Selbst aus wird man schmutzig sein,
vom Selbst wird nicht getan das Schlechte,
vom Selbst aus, wahrlich, ist man rein,—
rein, unrein wird man bei sich selbst,
niemand könnt' andern reinigen.

Das Eigenwohl für Anderwohl,
für vieles gar, geb' man nicht hin.
Ist Eigenwohl ganz tief erkannt,
sei man auf Eigenwohl bedacht.

Die Welt

Minderer Lehre folg' man nicht!
Nicht lebe man mit Lässigkeit!
Der falschen Ansicht folg' man nicht!
Nicht sei man Weltvermehrender!

Man richte auf sich, sei nicht lässig!
Der Lehre guten Pfad man gehe!
Wer Lehre lebt, dem folgt das Glück
in dieser Welt und auch der andern.

Die Lehre geh' man guten Gangs,
nicht sie auf schlechtem Gang man gehe,—
wer Lehre lebt, dem folgt das Glück
in dieser Welt und auch der andern.

Wie eine Blase sehe man,
wie Lichtspiel sehe man sie an:
wer so die Welt betrachten kann,
den sieht der Todeskönig nicht.

Hier seht nur diese Welt euch an,
geschmücktem Königswagen gleich,
wo Toren untersinken ganz,—
nicht ist da Bindung dem, der weiß.

Wer früher immer lässig war
und später dann nicht lässig mehr,
der bringt ein Leuchten in die Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.

Bei wem die schlecht getane Tat
mit heilsam Gutem wird bedeckt,
der bringt ein Leuchten in die Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.

Ach, blind geworden ist die Welt,
kann schwach nur klar erkennen hier,
wie'n Geier, der vom Netz befreit,
ganz winzig klein zum Himmel steigt.

Die Schwäne ziehen Sonnenwege,
durch Räume ziehen sie mit Macht,—
die Weisen ziehn aus dieser Welt,
ist Māros Lasttierzug besiegt.

Wer übergeht ein einzig Ding,
der Mensch, der eine Lüge spricht,
der abgelehnt die andre Welt,
der kann wohl alles Schlechte tun.

Die Geizigen gelangen nicht zur Götterwelt,
die Toren, wahrlich, loben nicht das Geben,—
der Weise aber ist erfreut am Geben,
ist dadurch glücklich in der andern Welt.

Nicht auf der Erd' Ein-König-sein,
auch nicht das Gehen in den Himmel,
nicht Herrschaft über alle Welt:
Stromeintrittsfrucht ist nur die beste.

Der Buddho

Den dessen Sieg nicht mehr verloren geht,
den Sieg, den keiner in der Welt erreicht,
den Buddho, die Unendlich-Weide,
den Ohne-Weg,—auf welchem Weg wollt ihr ihn führen?

Der nicht mehr Haften kennt, das Netze wirft,
der Durst nicht hat, wohin auch je zu führen,
den Buddho, die Unendlich-Weide,
den Ohne-Weg,—auf welchem Weg wollt ihr ihn führen?

Vertiefungszugewandt, die Weisen,
an Weltabwendungsruh' erfreut,
die Götter gar beneiden sie,
die ganz Erwachten, achtsam stets.

Schwer ist es, Menschsein zu erlangen,
schwer ist das Leben Sterblicher,
schwer ist das Hören des Saddhammo,
schwer ist Erscheinen der Erwachten.

Das Nichttun aller schlechten Dinge,
das Aufsichnehmen alles Guten,
die Reinigung des eignen Herzens,
das ist die Botschaft der Erwachten.

Geduld ist Höchstes, Hingabe und Ausdauer.
Nibbānam Höchstes nennen die Erwachten.
Nicht ist hinausgezogen, And'rem schadend,
nicht ist Asket, wer And'rem Qual bereitet.

Verleugnend nicht, verletzend nicht,
gezügelt in der Lehre Regeln,
das Maß auch kennen bei dem Mahl,
in Einsamkeit der Lager-Sitz,
an hohes Denken hingegeben,—
das ist die Botschaft der Erwachten.

Auch nicht durch einen Regen Geld
gibt es bei Sinnesdrängen Ruh',—
„nur wenig süß, leidvoll das Drängen“,
wird so der Weise sich bewußt.

So findet er in Himmelsdrängen
nicht einmal seine Freude mehr,
nur durstausdörrungsfroh ist er,
der Jünger ist des ganz Erwachten.

Gar viele nehmen ihre Zuflucht
zu Bergen und zu Wäldern auch,
zu Park, zu Baum, zu Grabeshügel,
die Menschen, die von Furcht bedroht.

Nicht das kann sichre Zuflucht sein,
nicht das kann höchste Zuflucht sein,
nicht wer zu dieser Zuflucht geht,
macht sich von allem Leiden frei.

Doch wer zum Buddho und zur Lehre,
zur Jüngerschaft die Zuflucht nahm,
die edlen Wahrheiten, die vier,
mit rechter Weisheit immer sieht:

Das Leiden und das Leid-Entstehn,
des Leidens Überwindung auch,
den edlen achtgliedrigen Weg,
der in die Leidensstille führt:

Das wohl kann sichre Zuflucht sein,
das wohl kann höchste Zuflucht sein,
wer stets zu dieser Zuflucht geht,
macht sich von allem Leiden frei.

Schwer ist zu finden edler Mensch,
er wird nicht überall geboren,
doch wo der Weise wird geboren,
in diesem Stamm das Glück gedeiht.

Glück ist Erscheinen von Erwachten,
Glück ist das Zeigen guter Lehre,
Glück ist Eintracht der Jüngerschaft,
der Einträchtigen Ernst ist Glück.

Wer still verehrt, die ehrenswert,
die Buddhas oder ihre Jünger,
die alle Vielfalt überschritten,
die überquerten Trauer, Klagen:

Wer solche Großen wirklich ehrt,
die ohne Angst, erloschen sind:
nicht ist das Gute abzuschätzen,
was immer da auch später kommt.

Das Glück

Ach, wie so glücklich leben wir,
ganz ohne Haß bei Hassenden!
Bei jenen Menschen, die voll Haß,
wir wollen immer haßfrei sein!

Ach, wie so glücklich leben wir,
bei all den Kranken krankheitsfrei!
Bei jenen Menschen, die so krank,
wir wollen ohne Krankheit sein!

Ach, wie so glücklich leben wir,
bei Gierigen ganz ohne Gier!
Bei jenen Menschen, die voll Gier,
wir wollen immer gierfrei sein!

Ach, wie so glücklich leben wir,
nicht gibt es für uns Irgendwas!
Wir werden uns von Freude nähren
und wie die „Strahlengötter“ sein!

Wer siegt, bringt immer Haß hervor,
im Leiden wohnt stets der Besiegte,—
der Stillgewordne wohnt im Glück,
von Sieg und Niederlage frei.

Nicht gibt es Feuer gleich der Lust,
nicht gibt es Unglück gleich dem Haß,
nicht gibt es Leid den Khandhas gleich,
nicht gibt es Glück der Stille gleich.

Der Hunger höchste Krankheit ist,
und die Sankhāras höchstes Leid:
wer das, so wie es ist, erkannt,
dem ist Nibbānam höchstes Glück.

Nicht krank zu sein, ist Höchstgewinn,
Zufriedenheit ist höchster Schatz,
Vertrauen ist wie höchst Verwandter,
Nibbānam ist das höchste Glück.

Wer Einsamkeitsgeschmack getrunken
und den Geschmack der tiefen Stille,
ist frei von Furcht, ist nicht mehr schlecht,
trinkt den Geschmack der Dhammafreude.

Gut ist das Anschaun edler Menschen,
mit ihnen leben immer Glück,—
durch das Nichtanschauen von Toren
man möge immer glücklich sein.

Wer fest verbunden lebt mit Toren,
der klagt und trauert lange Zeit,—
voll Leiden ist Verkehr mit Toren,
wie der mit einem Nichtfreund immer,—
der Weise lebt in Glücksgemeinschaft,
wie bei dem Treffen von Verwandten.

Dem Weisen, Klugen, dem, der viel gehört,
dem Jochgewohnten, ganz Ergebnen, Edlen,
dem so vollendet guten, weisen Menschen,
dem folge man, wie Mond dem Sternenweg.

Das Liebe

Wer sich an das Nichtstreben hält,
nicht wird ans Streben angebunden,
hat Sinn verloren, greift nach Liebem,
beneidet die dem SELBST ergeben.

Mit Lieben nicht verbinde dich,
mit denen, die nicht lieb, jemals!
Nichtsehn der Lieben, das ist Leid
und auch das Sehn von Nichtlieben.

Darum baut euch nicht Liebes auf,
geht Liebes weg, ist es nur schlecht,—
nicht finden Fesseln sich für jene,
für die's lieb-unlieb nicht mehr gibt.

Durch Liebes Kummer wird geboren,
durch Liebes wird geboren Furcht,
für den, der frei von Liebem ist,
gibt es nicht Kummer, woher Furcht?

Durch Neigung Kummer wird geboren,
durch Neigung wird geboren Furcht,
für den, der frei von Neigung ist,
gibt es nicht Kummer, woher Furcht?

Durch Mögen Kummer wird geboren,
durch Mögen wird geboren Furcht,
für den, der frei von Mögen ist,
gibt es nicht Kummer, woher Furcht?

Durch Dränge Kummer wird geboren,
durch Dränge wird geboren Furcht,
für den, der frei von Drängen ist,
gibt es nicht Kummer, woher Furcht?

Durch Dürsten Kummer wird geboren,
durch Dürsten wird geboren Furcht,
für den, der frei von Dürsten ist,
gibt es nicht Kummer, woher Furcht?

Den, der die Tugend-Einsicht hat,
den Lehr-Sinn, Wahrheit Sprechenden,
den, der das Werk des Selbstes tut,
den haben alle Menschen gern.

Wem Wille wächst beim Unerklärten,
und ist im Geist davon berührt,
wer bei den Sinnen sich das Herz nicht bindet,
der wird genannt „stromaufwärtslebend“.

Den Mann, der lange fortgewesen,
von ferne glücklich angekommen,
Verwandte, Freunde in der Schar,
umjubeln den, der angekommen.

So eben den, der Gutes tat,
ging er von dieser Welt zur andern,
empfangen seine guten Taten,
wie die Verwandten den, der angekommen.

Der Zorn

Den Zorn gib auf, vermeide ganz den Stolz,
und über jede Fessel geh hinweg!
Dem, der nicht hängt am Körper und am Geist,
der ohne etwas, folgen keine Leiden.

Wer, wahrlich, aufgesprungnen Zorn
wie ein Gefährt, das ausbricht, hält,
den nenne einen Lenker ich,
Zaumhalter ist das andre Volk.

Durch Nichtzorn man den Zorn besiege,
Nichtgutes man besieg' mit Gutem,
den Geiz besiege man mit Geben,
durch Wahrheit den, der Falsches spricht.

Die Wahrheit sprich ! Nicht ärgre dich!
Gib, wenn um Weniges gebeten!
Mit diesen drei Verhaltensweisen
kannst gehen du den Göttern nah.

Die Munis, die gewaltfrei sind,
bei ihrem Körper stets gezügelt,
die gehen hin zum Unbewegten,
wo, hingelangt, sie nicht mehr trauern.

Bei den stets in sich Wachenden,
bei Tag und Nacht Sich-Übenden,
den zum Nibbānam Hingeneigten,
zum Guten gehn die Einflußkräfte.

Ein Altes ist es, Atula,
nicht ist es aus der Heutezeit:
sie tadeln schweigend Sitzenden,
sie tadeln den Vielsprechenden,
den maßvoll Sprechenden sie tadeln,—
in dieser Welt ist keiner ungetadelt.

Nicht war und nicht wird einer sein,
und jetzt nicht tritt er in Erscheinung:
ein Mensch, der einzig wird getadelt,
ein Mensch, der einzig wird gelobt.

Wenn einen kluge Menschen loben,
den Tag für Tag sie recht erkannt,
dann wohl den Weisen, frei von Fehlern,
geeint in Weisheit und in Tugend.

Er ist wie Schmuck aus Jambugold,
wer wollte diesen tadeln wohl?
Die Götter loben einen solchen,
von Brahma selbst wird er gelobt.

Vor Körperwut man schütze sich,
beim Körper sei gezügelt man,—
wer Körperfehlverhalten ließ,
der lebe mit dem Körper recht.

Vor Redewut man schütze sich,
beim Reden sei gezügelt man,—
wer Redefehlverhalten ließ,
der lebe mit der Rede recht.

Vor Geisteswut man schütze sich
beim Geiste sei gezügelt man,—
wer Geistesfehlverhalten ließ,
der lebe mit dem Geiste recht.

Im Körper die gezügelt Weisen,
die in der Rede auch gezügelt,
im Geiste die gezügelt Weisen,
die wahrlich sind gut durchgezügelt.

Der Schmutz

Wie ein vergilbtes Blatt jetzt bist du,
die Todesboten sind schon vor dir aufgestellt,
dicht vor der Abreise du stehst
und Reiseproviant gibts nicht für dich.

So baue dir die Insel deines Selbst!
Schnell streng dich an, ein Weiser werde,
der weggeblasen Schmutz, von Flecken frei!
Ins himmlisch' Edelreich wirst du gelangen.

Bis an das Alter bist du jetzt gelangt,
du näherst dich der Gegenwart des Yamo,
ein Aufenthalt für dich ist nicht inzwischen
und Reiseproviant gibts nicht für dich.

So baue dir die Insel deines Selbst!
Schnell streng dich an, ein Weiser werde,
der weggeblasen Schmutz, von Flecken frei!
Nicht mehr Geburt und Alter wirst erlangen.

So nach und nach der weise Mensch,
ein wenig stets von Zeit zu Zeit,
dem Silberschmiede eben gleich,
entferne sich den Schmutz des Selbst.

So wie am Eisen sich der Rost ansetzt
und, dort entstanden, dieses dann zerfrißt,
so den, der nur die Mönchsartikel liebt,
die eignen Taten führen schlechten Weg.

Nicht wiederholt, sind Schmutz die Texte,
ohn' Energie sind Schmutz die Häuser,
der Schmutz der Schönheit ist die Faulheit,
die Lässigkeit Sich-schützens Schmutz.

Schmutz ist des Weibes Fehlverhalten,
der Geiz der Schmutz des Gebenden,
Schmutz wahrlich sind die schlechten Dinge
in dieser Welt und auch der andern.

Es gibt noch schmutzigeren Schmutz:
Nichtwissen ist der größte Schmutz.
Wenn dieser Schmutz beseitigt ist,
dann seid ihr, Mönche, frei von Schmutz.

Leicht lebt man mit dem Schamlosen,
mit einem dreisten Krähenhelden,
mit einem rücksichtslosen Prahler,
mit dem Befleckten dieses Leben.

Mit dem, der schamhaft, lebt man schwer,
mit dem, der stets das Reine sucht,
mit dem, der offen, rücksichtsvoll,
mit dem, der Reinheit lebt und sieht.

Wer Lebewesen Schaden tut
und lügenhafte Worte spricht,
wer in der Welt nimmt Nichtgegebnes,
zu eines andern Weibe geht,—

Auf Alkohol und Rumgetränk,
der Mensch, der darauf sich läßt ein,
hier geradezu in dieser Welt
die Wurzel gräbt er ab dem Selbst.

So du, Freund Mensch, begreife denn:
die schlechten Dinge maßlos sind.
Nicht sollen Gier und Unrechttun
in Leid dich drücken lange Zeit.

Sie geben jeweils nach Vertrau'n,
die Leute, je nach inn'rem Glanz.
Derjenige, der ganz verwirrt
bei Trank und Speise andrer ist,
der kann bei Tag nicht, nicht bei Nacht,
in tiefe Sammlung jemals gehn.

Bei wem das völlig abgeschnitten,
zerstört die Wurzel und entfernt,
der wahrlich kann bei Tag und Nacht
in tiefe, tiefe Sammlung gehn.

Nicht ist ein Feuer Lustreiz gleich,
nicht eine Falle Abwehr gleich,
nicht ist ein Netz der Blendung gleich,
nicht ist ein Strom dem Durste gleich.

Wer Fehler leicht bei Andern sieht
und bei dem SELBSTE aber schwer,
der all die Fehler Anderer
siebt aus, als wären sie die Spreu,—
beim SELBST jedoch verbirgt er sie,
wie Falschspieler den Unglückswurf.

Bei dem, der And'rer Fehler sieht
und immerzu darüber klagt,
dem wachsen an die Einflüsse,
und fern bleibt er vom Einfluß-Ende.

Im Himmelsraum ist keine Spur,
und ein Asket ist draußen nicht,—
an Vielfalt froh ist alle Welt,
Tathāgatas sind vielfaltfrei.

Im Himmelsraum ist keine Spur,
und ein Asket ist draußen nicht,—
nicht gibt es ewige Sankhāras,
der Buddhas Wanken gibt es nicht.

Lehre und Sinn

Nicht dadurch ist man Lehr-Sinn-kundig,
daß man den Sinn versteh'n will schnell,—
doch wer da Sinn und Gegensinn,
wer beides recht erforscht, der Weise,

mit Sanftmut, mit der guten Lehre,
mit tiefer Ruhe andre leitet,
im Schutz der Lehre, er, der Kluge,—
der „Lehr-Sinn-kundig“ wird genannt.

Nicht dadurch ist man Weiser schon,
sofern man viel und reichlich spricht,—
wer friedvoll, haßlos, ohne Furcht,
der wird „ein Weiser“ wohl genannt.

Nicht dadurch ist man Dhamma-Kenner,
sofern man viel und reichlich spricht,—
hat einer wenig nur gehört
und sieht die Lehre mit dem Leib:
der wahrlich ist ein Dhamma-Kenner,
ist bei der Lehre niemals lässig.

Nicht dadurch ist man schon ein Thero,
daß auf dem Kopf das Haar ergraut,—
das Alter ist herangereift,
doch wird's genannt „umsonst gealtert.“

In wem die Lehre lebt, die Wahrheit,
die Sanftmut, Zügelung und Zähmung,
der ist wohl weise, frei von Schmutz,
der „Thero“ wird mit Recht genannt.

Nicht durch das Maß an schönen Worten,
auch nicht durch lotusgleiche Pracht,
ist wohlgestaltet schon ein Mann,
der neidisch, geizig, böse ist.

Bei wem das abgeschnitten ist,
samt Wurzel ist zerstört, entfernt,
der Weise, der da frei von Haß,
der „wohlgestaltet“ wird genannt.

Nicht durch den Kahlkopf ist Asket man,
wenn haltlos man nur Lüge spricht,—
wer voller Wünsche, voller Gier,
wie wird der ein Asket wohl sein?

Wer alles Schlechte recht erkennt,
das feine, grobe, ganz und gar,
das Schlechte brachte ganz zur Ruh',
der wird mit Recht „Asket“ genannt.

Nicht dadurch ist man Bhikkhu schon,
daß man bei andern betteln geht,—
die ganze Lehre auf sich nehmend,
ist Bhikkhu man und nicht durch jenes.

Wer Gutes hier und Schlechtes auch
fernhält im reinen Brahmaleben,
bedacht sich in der Welt bewegt,
der, wahrlich, „Bhikkhu“ wird genannt.

Nicht durch das Schweigen ist man Muni,
dabei verwirrt und garnicht weise,—
doch wer, wie von gehaltner Waage,
das Beste an sich nimmt, der Weise,

sich fernhält von den schlechten Dingen,
der ist ein Muni, dadurch Muni.
Wer beide Welten tief erkennt,
der dadurch „Muni“ wird genannt.

Nicht dadurch ist ein Edler man,
daß man die Lebewesen quält,—
durch Schonung aller Lebewesen
wird man „ein Edler“ wohl genannt.

Nicht durch das Maß der Tugendregel,
und wieder nicht durch Viel an Wahrheit,
dann nicht durch den Gewinn der Sammlung,
nicht durch das abgeschiedne Lager

berühre ich Entsagungsglück,
vom Massenmenschen nicht verfolgt.
Du Mönch, vertrau dir nicht zu sehr,
ist Einfluß-Ende nicht erlangt!

Der Weg

Der Wege bester Achtpfad ist,
der Wahrheiten der Viererschritt,
Entreizung beste aller Lehren,
von Zweifüßern der Sehende.

Dies ist der Weg, nicht gibt es andern
zur klaren Reinheit tiefen Schauens,
den wahrlich solltet ihr verfolgen,
der führt allein zu Māros Täuschung.

Und habt ihr eingeschlagen den,
des Leidens Ende werdet machen,—
erklärt wohl ist von mir der Weg,
ich weiß, wie man den Pfeilschmerz stillt.

Ihr solltet selber euch bemühn,
Erklärer sind Tathāgatas,—
die Wegverfolger werden frei,
Vertiefer lösen Māros Fesseln.

„Sankhāras alle sind vergänglich.“
Wenn man mit Weisheit das durchschaut,
dann wird verdrossen man am Leiden.
Das ist der Weg zur Reinigung.

„Sankhāras alle leidvoll sind.“
Wenn man mit Weisheit das durchschaut,
dann wird verdrossen man am Leiden.
Das ist der Weg zur Reinigung.

„Die Dhammas all' sind nicht das SELBST.“
Wenn man mit Weisheit das durchschaut,
dann wird verdrossen man am Leiden.
Das ist der Weg zur Reinigung.

Zur Aufstehzeit, wer da sich nicht erhebt,
noch jung, voll Kraft, zur Faulheit nur gelangt,
erschöpft der Geist und die Gesinnung, träge,—
der Weisheit Weg ein Fauler findet nicht.

Das Wort bewache man, im Geiste recht gezügelt,
und mit dem Körper sollte man nicht heillos handeln,—
man sollte gründlich klären die drei Tatengänge,
den Weg vollenden, der von Weisen gut erklärt.

Durchs Joch entsteht das Wissen wahrlich,
durchs Nichtjoch kommts zum Wissens-Ende.
Wer diesen Zweifachweg erkannt,
zum Werden, zum Nichtwerden hin,
der möge dort das Selbst nur gründen,
wo erdeweites Wissen wächst.

Den Wunschwald rodet, nicht den Baum,
im Wunschwald wird geboren Furcht,
sind Wald und Unterholz gerodet,
seid, Mönche, ganz verloschen ihr.

Solange Triebholz man nicht rodet,
das feinste noch des Mann's zu Frauen,
solange bleibt man geistgebunden,
wie'n Kalb, das Milch saugt bei der Mutter.

Brich ab die Liebe zu dem Selbst,
wie weißen Herbstes-Lotus mit der Hand,
den Weg der Stille nur entfalte,
Nibbānam, aufgezeigt vom Sugato.

Hier werd zur Regenzeit ich sein,
in Wintern und in Sommern hier,—
so grübelt sich der Tor zurecht,
erkennt nicht wach den Zwischenfall.

Den, der sich sehnt nach Kind und Vieh,
den Mann mit einem Haftensgeist,—
wie hohe Flut ein schlafend Dorf,
nimmt den der Tod wohl mit sich fort.

Nicht sind die Söhne Zuflucht hier,
der Vater nicht, noch sonst Verbundne,—
für den, der vorm Beender steht,
ist Zuflucht bei Verwandten nicht.

Hat er erkannt, was das bedeutet,
der Weise, tugendhaft, gezügelt,—
den Weg, der zum Nibbānam führt,
den möge schnell er reinigen.

Verschiedenes

Durch Lassen des bemess'nen Glücks,
wenn weites Glück er sehen kann,
der Weise lass' bemess'nes Glück,
betrachtend nur das weite Glück.

Wer durch das Leidenlassen andrer
das Glück des eignen Selbst ersehnt,
der mit dem Haßband Festgebundne,
der wird vom Hasse niemals frei.

Was da zu tun, wird abgelehnt,
was nicht zu tun, das wird gemacht,—
den Aufgeblas'nen, Lässigen,
die Einflußmächte wachsen an.

Bei welchen aber, recht begonnen,
die Sati stets zum Körper geht:
was nicht zu tun, wird nicht verfolgt,
ausdauernd tun sie, was zu tun.
Bei denen, die bewußt und achtsam,
gehn Einflüsse zum Guten hin.

Hat er getötet Mutter, Vater
und auch zwei Könige, die Krieger,
hat Reichsgefolgschaft er getötet,
geht der Brahmane ungestört.

Hat er getötet Mutter, Vater
und auch zwei Könige, Gelehrte,
hat er den Tiger fünft getötet,
geht der Brahmane ungestört.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
die Sati hin zum Buddho geht.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
die Sati hin zum Dhammo geht.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
die Sati hin zum Sangho geht.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
die Sati hin zum Körper geht.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
an Sanftmut sich der Geist erfreut.

Zum Wachsein rufen sie sich wach,
die Jünger Gotamas wohl stets,
bei denen ständig, Tag und Nacht,
am inn'ren Werk der Geist sich freut.

Das falsche Hauslossein ist freudlos,—
in Häusern voller Leiden wohnt sich's schwer,—
leidvoll mit Fremden ist's zu sein,—
von Leid befallen ist, wer reist,
darum sei man nicht Reisender,
sei nicht von Leid befallen so.

Vertrauensvoll, an Tugend reich
und im Besitz von Ruhm und Geld:
an welchem Ort er immer weilt,
da wird er eben hochverehrt.

Von fern sind Gute zu erkennen,
wie das Gebirg Himālaya,—
die Schlechten werden nicht gesehen,
wie Pfeile, in der Nacht geworfen.

Einsam der Sitz, einsam das Lager,
einsam das Gehen, unnachgiebig,—
einsam nur zähmend stets das Selbst,
im tiefen Wald man sei erfreut.

Die Hölle

Wer unwahr spricht, gelangt ins Höllenreich
und auch, wer was getan, sagt: „Tat es nicht!“
Gestorben, sind sie beide völlig gleich
in andrer Welt, die Menschen schlechten Wirkens.

Gelbnacken gibt es viele wohl,
die schlechter Art und ungezügelt,—
die Schlechten durch die schlechten Taten
erzeugen in sich Höllenreich.

Besser gegessen Eisenkugel,
die glühend, feuerspitzengleich,
als daß man äße tugendlos
des Reichs Almosen, ungezügelt.

Vier Fälle treffen den, der lässig lebt,
der hinter eines andern Frau her ist:
nur Pechgewinn, ein unbequemes Lager,
zum dritten Tadel, Höllenreich zum vierten.

Nichts Gutes man gewinnt und geht auf schlechter Fährte,
und dem und der Erschrocknen ist die Freude kurz,
der König schwere Stockbestrafung dann erläßt:
darum ein Mann nicht folge eines Andern Frau.

Wie Kusagras, falsch angefaßt,
schlitzt auf die unverletzte Hand,
Asketentum, schlecht ausgeübt,
zieht nieder in das Höllenreich.

Jedwede Tat, die lasch getan,
und jede Regel, die beschmutzt,
ein Brahmaleben, zweifelhaft,
nicht bringt das jemals große Frucht.

Das, was zu tun, das tue man,
man führe es entschlossen aus,—
ist einer lasch als Pilger nur,
so wirbelt er mehr Staub nur auf.

Das Schlechte nicht zu tun, ist besser,
denn später brennt, was schlecht getan,—
zu tun das Gute nur, ist besser,
das, ist's getan, nicht später brennt.

Gleichwie die Stadt, dicht an der Grenze,
bewacht von innen und von außen,
so hüte dir das eigne Selbst,
die kleinste Zeit verschwende nicht,—
die rechte Zeit verpaßt, die klagen,
sind ausgeliefert Höllenreich.

Wo Scham nicht not, sie schämen sich,
wo Scham gewünscht, sie nicht sich schämen,—
die falsche Ansicht übernehmend,
die Wesen gehen schlechten Weg.

Wenn nichts zu fürchten, sehn sie Furcht,
ist Grund zur Furcht, sehn Furcht sie nicht,—
die falsche Ansicht übernehmend,
die Wesen gehen schlechten Weg.

Was fehlerfrei, für falsch sie halten,
beim Fehler sehn sie Fehler nicht,—
die falsche Ansicht übernehmend,
die Wesen gehen schlechten Weg.

Hat Fehler man als falsch erkannt,
was fehlerfrei als fehlerfrei,—
die rechte Ansicht übernehmend,
die Wesen gehen guten Weg.

Der Elefant

Ich bin wie'n Elefant im Kampf,
spür nicht den bogenschnellen Pfeil,—
so halte ich Beschimpfung aus,
denn schlecht verhält sich Massenvolk.

Gezähmten führen sie zur Menge,
auf den Gezähmten steigt der König,—
Gezähmter ist bei Menschen bester,
der die Beschimpfung gut erträgt.

Wohl edel sind gezähmte Pferde
aus reinrassiger Sindherzucht,
Dickhäuter, große Elefanten,—
der Selbstgezähmte ist am besten.

Nicht wohl mit diesen Fahrzeugen
man kommt zum unerreichten Punkt,
wie durch das wohlgezähmte Selbst
Gezähmter mit Gezähmtem kommt.

„Schatzhüter“ ist der Elefant genannt,
nur hart zu brechen ist er, schwer zu hemmen,
gefesselt frißt er nicht das kleinste Bißchen,
erinnert sich an seinen Elefantenwald.

Wenn einer träge ist, ein großer Esser,
ein Schläfer, der nur liegt, sich hin und her wälzt,
gleichwie ein großer Eber, voll gemästet,—
stets wieder in den Schoß geht solch ein Dummkopf.

Dies Herz ging früher immer nur auf Wanderschaft,
wohin es wollte, wo es Lust fand, wie sein Glück,—
das werd' ich gründlich zügeln mir von heute an,
wie Elefanten bricht der Stachelstockdompteur.

Nichtlässigkeitserfreute seid!
Das eigne Herz beschützt euch gut!
Von schlechtem Weg hebt hoch das SELBST,
wie schlammgesunkner Elefant!

Wenn man gewinnen möchte klugen Freund,
mit ihm zu gehn, der gut das Stete lebt,—
wohl meisternd alle Arten von Gefahren,
so gehe man mit dem erhoben, achtsam.

Wer nicht gewinnen möchte klugen Freund,
mit ihm zu gehn, der gut das Stete lebt,—
wie sein besiegtes Reich ein König läßt,
geh man allein, ein Elefant im Wald.

Der Einzelgang wohl besser ist,
beim Toren gibt es Freundschaft nicht,—
man sollte einsam gehen und nichts Schlechtes tun,
ganz unbekümmert, wie der Elefant im Wald.

Ist Not entstanden, ist ein Glück die Freundschaft,
die Freude ist ein Glück, von welcher Art auch,
Verdienst ist Glück am Ende unsres Lebens,
das Lassen alles Leidens ist ein Glück.

Glück in der Welt die Mutterschaft,
gleichwie die Vaterschaft ist Glück,
Glück in der Welt Asketenschaft,
gleichwie die Priesterschaft ist Glück.

Glück bis ins Alter ist die Tugend,
Glück ist Vertrauen, fest gegründet,
Glück ist der Weisheit Zugewinn,
das Schlechte nicht zu tun, ist Glück.

Der Durst

Dem Menschenwesen, das da lässig lebt,
der Durst wächst wie ein langes Rankenkraut,—
das treibt von einer Welt zur andern hin
und sucht sich Frucht wie in dem Wald der Affe.

Wen dieser üble Durst besiegt,
das feste Haften in der Welt,
dem wachsen alle Sorgen an,
wie aufschießt langes Wiesengras.

Wer diesen üblen Durst besiegt,
so schwer zu zwingen in der Welt,
dem fallen alle Sorgen ab,
wie Wasser perlt vom Lotusblatt.

Das sag ich euch: zum Glück für euch!
Euch, die ihr hier versammelt seid:
Dem Durste grabt die Wurzel aus,
dem Wiesengras geht auf den Grund,
damit nicht, wie der Strom das Schilf,
der Tod euch breche immer wieder.

Gleichwie bei unverletzter, fester Wurzel
gefällter Baum grad wieder weiterwächst,
so auch bei Durstgeneigtsein, nicht entwurzelt,
kommt dieses Leiden immer neu hervor.

Wer auf die sechsunddreißig Ströme,
die mächtigen, verzaubert hört,
den tragen weg, der falsch erkannt,
Gedankenwagen, Lust-gebunden.

Es fließen immerzu die Ströme,
das Schlingkraut steht, ist es erst da,—
habt ihr gesehn, daß Schlingkraut wächst,
die Wurzel schneidet weise ab.

Stets in Bewegung, von Begehren voll
und froh gestimmt sind alle Menschenwesen,
an Lust gebunden sind sie, voller Glück,—
doch, wahrlich, in Geburt und Alter sie geraten.

Vom Durste stets wird dieses Menschenvolk verehrt,
so rennen sie herum, wie ein gefangner Hase,—
an starkem Fesselhalt sie hängen fest,
in Leid geraten sie für lange immer wieder.

Vom Durste stets wird dieses Menschenvolk verehrt,
so rennen sie herum, wie ein gefangner Hase,—
darum mag diesen Durst vertreiben
ein Mönch, der wartet auf das rāgafreie Selbst.

Wer frei von Lust, der Lust sich wieder hingibt,
gelöst von Lust, zur Lust von neuem rennt,
ach, diesen Menschen seht so an:
befreit rennt in die Fessel er zurück.

Nicht das ist feste Fessel, sagen Weise,
was ist aus Eisen, was aus Holz, aus Schilf,—
die Leidenschaft für Ringe und Juwelen,
was da nach Kindern, Frauen Sehnsucht ist,—

Nur das ist feste Fessel, sagen Weise,
nimmt weg, gibt locker nach, ist schwer zu lösen,—
wenn die gekappt, gehn sie auf Wanderschaft,
von Sehnsucht frei, sie lassen Sinnenglück.

Die Trieberregten folgen nur dem Strom,
der Spinne gleich im selbstgebauten Netze,—
ist das zerschnitten, gehen fort die Weisen,
von Sehnsucht frei, sie lassen alles Leiden.

Das Früher löse, lös' das Später,
die Mitte löse, Werdens Jenseitsgänger!
Allüberall in deinem Geiste frei,
nicht wieder in Geburt und Alter wirst du gehen.

Dem Menschen, den Gedanken ständig pressen,
den Reize stechen, der nur Schönes sieht,
dem wächst der Durst nur mehr und mehr,
der zieht nur fester immer seine Fessel.

Wer an Gedankenstille sich erfreut,
was unschön, achtsam stets betrachtet,
der wahrlich wird ein Ende machen,
der schneidet durch die Māro-Fessel.

Zum Ziel gelangt, ganz ohne Furcht,
befreit vom Durst und makellos,
zerbrach er alle Werdenspfeile:
dies ist der letzte Körperhaufen.

Befreit vom Durst, ganz ohne Greifen,
Ursprachespuren weiser Kenner,—
die rechte Stellung aller Wörter,
die weiß er, was zuerst, was dann:
der wahrlich ist ein Letztleibträger,
wird „großer Weiser“ so genannt.

Allüberwinder, Allerkenner bin ich,
von allen Dingen bleib ich unbefleckt,—
all-lassend bin vom Durst ich ganz befreit,
hab selbst erkannt, auf wen wohl sollt' ich mich berufen.

Ach, über jede Gabe Dhammagabe siegt,—
ach, über jedes Schmecken Dhammaschmecken siegt,—
ach, über jede Freude Dhammafreude siegt,—
ach, dieses Durstversiegen alles Leid besiegt.

Zerstören kann den Toren Reichtum,
wenn er nicht strebt zum andern Ufer,—
im Durst nach Reichtum steckt der Tor,
er tötet and're wie sich selbst.

Durchsetzt von Unkraut sind die Felder,
von Gier durchsetzt die Menschenwelt,—
darum wohl bei den Gierbefreiten
Gegebnes ist von großer Frucht.

Durchsetzt von Unkraut sind die Felder,
von Haß durchsetzt die Menschenwelt,—
darum wohl bei den Haßbefreiten
Gegebnes ist von großer Frucht.

Durchsetzt von Unkraut sind die Felder,
von Wahn durchsetzt die Menschenwelt,—
darum wohl bei den Wahnbefreiten
Gegebnes ist von großer Frucht.

Durchsetzt von Unkraut sind die Felder,
von Wunsch durchsetzt die Menschenwelt,—
darum wohl bei den Wunschbefreiten
Gegebnes ist von großer Frucht.

Der Mönch

Beim Auge Zügelung ist gut,
gut ist beim Ohr die Zügelung,
der Nase Zügelung ist gut,
gut ist der Zunge Zügelung.

Beim Körper Zügelung ist gut,
gut ist der Rede Zügelung,
des Geistes Zügelung ist gut,
gut überall die Zügelung.
Ein Mönch, der überall gezügelt,
der wird von allem Leid befreit.

Der Handbeherrschte, Fußbeherrschte,
der Wortbeherrschte, Höchstbeherrschte,
der Innenfrohe, der Gesammelte,
allein zufrieden,—den nennt Mönch man.

Der mundbeherrschte gute Mönch,
der Texte spricht ganz ohne Eifern,
den Sinn, die Lehre recht erhellt,
wie Honig süß ist dessen Rede.

Wer dhammafreudig, dhammafroh
den Dhammo immer nur bedenkt,
der Mönch, den Dhammo in sich tragend,
nie fällt er vom Saddhammo ab.

Was er bekommt, veracht' er nicht,
er lebe, andre nicht beneidend,—
ein Mönch, der andere beneidet,
geht nicht in den Samādhi ein.

Wenn wenig nur bekommt ein Mönch,
was er bekommt, verachtet nicht,
den wahrlich loben alle Götter,
den rein nur Lebenden, nicht Matten.

Wer ganz und gar bei Geist und Körper
nicht länger denkt: „das ist mein Eigen“,
und was nicht ist auch nicht beklagt,
der, wahrlich, wird wohl „Mönch“ genannt.

Ein Mönch, der in der Mettā bleibt,
ganz klar steht in der Buddha-Lehre,
der kann den Stillepfad erreichen,
Sankhāras Ruhe, reines Glück.

Mach leer, Mönch, dieses ganze Schiff,
was leer gemacht, wird leicht dir sein,—
hast abgespalten Gier und Haß,
wirst hin du zum Nibbānam gehn.

Fünf spalte ab, fünf lasse los,
fünf weitere entfalte dir,—
ein Mönch, der die fünf Fährten sieht,
wird „Flut-Entkommner“ wohl genannt.

O Mönch, vertiefe dich, nicht lässig sei!
Nicht solln die Sinne dir das Herz verwirbeln!
Nicht schlucke sorglos eine Bronzekugel!
Nicht schreie „Leiden ist das!“, wenn du brennst!

Nicht ist Vertiefung dem, der ohne Weisheit,
nicht Weisheit dem, der nicht Vertiefung übt,—
bei wem Vertiefung ist, bei wem auch Weisheit,
der wahrlich ist ganz nahe am Nibbānam.

Wer in die Häuser-Leere eingetreten,
der Mönch, der still im Herzen ist,
nicht menschlich mehr ist seine Freude,
der recht die Gute Lehre schaut.

Hat er nur stets die rechte Sati
bei dem Entstehn-Vergehn der Khandhas,
gewinnt er tiefe Freude, Glück,
erkennt ganz klar das Todesfreie.

Nur das ist wahrer Einsatzpunkt
des weisen Mönchs in dieser Welt:
bewacht die Sinne, stets zufrieden
und Zügelung in Ordenszucht,—
er möge folgen guten Freunden,
die rein nur leben, niemals lasch.

Er lebe freundlich zugewandt,
und sei im Umgang stets geschickt,
daraus gewinnt er hohe Freude
und wird dem Leid ein Ende machen.

Wie der Jasmin die weißen Blüten,
sind sie verwelkt, vom Stamme löst,
genau so auch von Gier und Haß
mögt ihr euch lösen, Mönche, ihr!

Der Körper still und still die Rede,
nur still und ganz und gar gesammelt,—
wer Weltenköder ausgespien,
der Mönch „ein Stiller“ wird genannt.

Vom Selbst her sporn' das Selbst nur an,
halt' durch das Selbst das Selbst zurück!
Das Selbst bewacht und achtsam stets,
wirst Mönch, du, nur das Glück noch leben.

Das Selbst nur ist des Selbstes Hüter,
das Selbst nur ist des Selbstes Gang,—
darum zusammen halt' das Selbst,
wie gutes Pferd der Handelsmann.

Ein Mönch, der voller tiefer Freude,
ganz klar steht in der Buddha-Weisung,
der kann den Stille-Pfad erreichen,
Sankhāra-Ruhe, weites Glück.

Wer in der Tat als junger Mönch
sich bindet an die Buddha-Weisung,
der diese ganze Welt durchstrahlt,
gleichwie, von Wolken frei, der Mond.

Der Brahmane

Den Strom durchschneide, geh voran,
die Lüste stoße weg, Brahmane!
Kennst du Sankhāra-Untergang,
kennst du, was nicht gemacht, Brahmane!

Wenn bei den zwiegespaltnen Dingen
hinüberkreuzte der Brahmane,
dann alle seine festen Fesseln
verschwinden ihm, dem Wissenden.

Für wen es andre Welt und diese Welt,
für wen es keine Welt mehr gibt,
den Furchtlosen, den Fesselfreien:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer sitzend sich vertieft, ganz ohne Schmutz,
getan hat, was zu tun, von Einfluß frei,
bis hin zu allerhöchstem Gut gelangt:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Tagsüber strahlt die Sonnenglut
und in der Nacht, da scheint der Mond,
gerüstet auch der Krieger strahlt,
vertiefend sich, strahlt der Brahmane,—
doch ganzen Tag und ganze Nacht
der Buddho strahlt mit seinem Glanz.

„Entfernt das Schlechte“, heißt Brahmane,
in Stille leben, heißt „Asket“,—
er treibt des Selbstes Schmutz hinaus,
darum heißt er „Hinausgetriebner“.

Nicht den Brahmanen schlage man,
nicht reiße los sich der Brahmane,—
weh dem, der schlägt auf den Brahmanen,
der ihn aus seiner Sammlung reißt.

Nicht dadurch geht es dem Brahmanen besser,
daß er den Geist von lieben Dingen trennt,
erst wenn Gewalttatgeist verschwunden ist,
kommt alles Leiden ganz zur Ruhe endlich.

Für wen beim Körper und beim Wort,
beim Geist nichts ist, was schlecht getan,
den dreifach so Gezügelten:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wodurch die Lehre man begreifen kann,
die aufgezeigt vom ganz und gar Erwachten,
das möge man in tiefem Ernst verehren,
wie der Brahmane ehrt das Feueropfer.

Durch wirres Haar nicht, durch Familie nicht,
nicht durch Geburt ist ein Brahmane man,—
in wem die Wahrheit und die Lehre lebt,
der lebt im Glück, der ist Brahmane.

Was ist dir wirres Haar, du Tor!
Was dir ein Kleid aus Ziegenfell!
Tief innen hast ein Dickicht du!
Nur Äußeres berührst du leicht!

Den Mann, der Müllplatzfetzen trägt,
den hageren, bedeckt von Adern,
der einsam sich im Wald vertieft:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Nicht nenn' ich den Brahmanen wohl,
der Schoß-geboren, Muttersproß,—
mit „Herr“ spricht stolz er andre an,
ist im Besitz von mancherlei.
Wer nichts mehr hat, wer nichts mehr nimmt:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer jede Fessel hat zerschnitten,
wer wirklich nicht erzittert mehr,
wer frei von Haften, abgelöst:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer abgeschnitten Band und Riemen,
das Halteseil mit Zaum und Zügel,
wer Riegel lichtet, wer erwacht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer die Beschimpfung, Schläge, Fessel
als Unverdorbener erträgt,
wer Duldenskraft zur Kampf-Front hat:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Den Zornlosen, Ergebenen,
den Tugendhaften, Drangbefreiten,
Gezähmten, letzten Körperträger:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wie Wasser auf dem Lotusblatt,
wie Senfkorn auf der Ahlenspitze,—
wer unbefleckt von Sinnesdrängen:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer bei dem Leiden wohl versteht:
nur hier allein ist Selbstes Ende,—
den Lastentledigten, den Fesselfreien:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Den Klugen, voller tiefer Weisheit,
den Weges- und den Abwegskenner,
den, der das höchste Ziel erreicht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Den nicht mit Hausleuten Verbundenen,
und nicht mit denen ohne Haus,
den hauslos Wandernden, den Wenigwünscher:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer abgelegt den Stock bei allen Wesen,
bei Zitternden und unerregbar Starken,
wer nicht mehr tötet und nicht schlachten läßt:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer nicht gehindert bei Gehinderten,
wer bei Gewalttat bleibt bewegungslos,
wer bei Ergreifenden nicht mehr ergreift:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Bei wem der Lustreiz und der Haß,
Stolz, Heuchelei zu Fall gebracht,
wie Senfkorn von der Ahlenspitze:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Nicht hartes, nur erklärendes,
nur wahres Wort noch mag er sprechen,
durch das er keinem Unglück wünscht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer hier das Lange oder Kurze,
das Feine, Grobe, Schöne, Unschöne,
das Nichtgegeb'ne in der Welt nicht nimmt:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Für wen es Wünsche nicht mehr gibt
in dieser Welt und in der andern,
den Wunschesfreien, den Entfesselten:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Für wen es Siedeln nicht mehr gibt,
aus tiefem Wissen nicht mehr fragt: Warum?—
wer es erreicht, ins Todlose zu tauchen:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer hier dem Guten und dem Schlechten auch,
dem Haftensdrang zu beidem ist entkommen,
den Kummerlosen, frei von Staub, den Reinen:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer, wie der Mond, von Flecken frei und rein,
in sich vollkommen klar, nicht aufgerührt,
wer Lebensfreude in sich ausgelöscht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer diesen Rundweg, schwer zu gehn,
Samsāro-Blendung überkam,
durchkreuzt', hinüberging, vertieft,
ganz unbewegt, nicht fragt: warum?—
nicht haftend mehr, erloschen schon:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer Sinnenlust hat aufgegeben,
wer hauslos frei auf Wanderschaft,
hat Sinnesdrängen ausgelöscht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer hier den Durst hat aufgegeben,
wer hauslos frei auf Wanderschaft,
hat Durstentstehen ausgelöscht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer hat das Menschenjoch verlassen
und auch dem Himmelsjoch entkam,
wer allen Jochen sich entjocht:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer ließ die Zu- und Abneigung,
den Kühlgewordnen, Haftensfreien,
den Allwelt-Meisterer und Helden:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer da erkannt der Wesen Schwinden,
ihr Neu-Erscheinen überall,
den Freien, Rechtgegangnen, den Erwachten:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Den, dessen Weg nicht mehr erkennen
die Götter, Halbgötter und Menschen,
den Einflußfreien, Arahat:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Für wen beim Früher und beim Später
und mitten drin nicht etwas ist,
den Etwaslosen, Nichtaufgreifer:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Den Stier, den Allerbesten, Helden,
den großen Weisen, Siegreichen,
den Unbewegten, Bademeister, Buddho:
den nenne ich Brahmanen wohl.

Wer altes Leben hat erkannt
und Himmel-Zwischenreiche sieht
und zum Geburten-Ende kommt,
der tief-erkenntnisreiche Muni,
den, der Vollendung ganz vollendet:
den nenne ich Brahmanen wohl.