Dīgha Nikāya 5

Kūṭadanta Sutta

Der Brahmane Kūṭadanta

Also habe ich vernommen. Einst gelangte der Erhabene, als er mit einer großen Bhikkhu-Schar—es waren fünfhundert Bhikkhu’s—durch das Land Magadha wanderte, nach Khānumata, einem Brahmanendorfe in Magadha. Dort nahm er Aufenthalt im Parke Ambalaṭṭhikā. Damals wohnte der Brahmane Kūṭadanta in Khānumata, einem Orte reich an Einwohnern und Vieh, an Weiden, Holz, Wasser und Getreide. Dieser Ort war königliche Domäne, aus königlicher Gnade vom Magadha-Könige Seniya Bimbisāra mit allen Rechten unwiderruflich ihm übertragen. Dieser Brahmane Kūṭadanta hatte gerade ein großes Opfer vorbereitet: siebenhundert Bullen, siebenhundert junge Stiere, siebenhundert Färsen, siebenhundert Ziegenböcke und siebenhundert Schöpse wurden, um geopfert zu werden, an den Opferpfahl gebunden.

Da hörten die Brahmanen und Bürger von Khānumata: „Der Samaṇa Gotama aus dem Hause der Sakya’s, der als Weltentsagender seine Familie verlassen hat, ist nun das Magadha-Land durchwandernd mit einer großen Bhikkhu-Schar—man spricht von fünfhundert Bhikkhu’s—nach Khānumata, gekommen und hat bei Khānumata im Parke Ambalaṭṭhikā Aufenthalt genommen. Ueber diesen erhabenen Gotama ergeht man sich überall in glänzenden Ruhmesworten dieser Art: ‚. . .‘ Da zogen die Brahmanen und Bürger von Khānumata in Scharen hinaus aus dem Orte und wanderten in Haufen und Trupps zusammengetan nach dem Parke Ambalaṭṭhikā.

Währenddem hielt der Brahmane Kūṭadanta Siesta auf der Plattform seines Hauses. Er sah von da aus, wie die Brahmanen und Bürger Khānumata’s in Scharen aus dem Orte hinauszogen und in Haufen und Trupps zusammengetan zum Parke Ambalaṭṭhikā wanderten, und fragte darum seinen Torwächter: „He, Torwächter . . .“ „. . . Diesen erhabenen Gotama wollen die Leute sehen, die da hinauswandern.“

Da erinnerte sich der Brahmane Kūṭadanta gehört zu haben, daß der Samaṇa Gotama sich auf die dreifache ideale Vollendung des Opfers samt den sechzehn das Opfer zierenden Dingen verstände. „Ich aber“, dachte er, „verstehe nichts von dieser idealen Vollendung und den sechzehn zierenden Dingen und möchte doch gern mein großes Opfer darbringen. Es wird das Beste sein, ich gehe hin zum Samaṇa Gotama und frage ihn danach.“ Er beauftragte also den Torwächter: „Torwächter, lauf doch zu den Brahmanen und Bürgern von Khānumata und bestelle ihnen von mir: ‚Ihr Herren, der Brahmane Kūṭadanta läßt euch sagen: ‚Wartet etwas, ihr Herren, der Brahmane Kūṭadanta möchte auch mitkommen, um den Samaṇa Gotama zu besuchen“.“ „Sehr wohl, Herr“, sprach willfährig der Torwächter zum Brahmanen Kūṭadanta, ging zu den Brahmanen und Bürgern und richtete die Bestellung aus.

Damals hielten sich gerade viele Hundert Brahmanen (von auswärts) in Khānumata auf, um des Brahmanen Kūṭadanta großes Opfer mitzumachen. Die hörten nun von der Absicht des Brahmanen Kūṭadanta, den Samaṇa Gotama zu besuchen. Da liefen sie hin zu ihm und redeten so auf ihn ein: „. . .“

„Tue das nicht, verehrter Kūṭadanta . . .“

Auf diese Worte erwiderte der Brahmane Kūṭadanta jenen Brahmanen das Folgende: „. . .“

Auf diese Rede antworteten dem Brahmanen Kūṭadanta die Brahmanen: „Wie du, verehrter Kūṭadanta, das Lob des Samaṇa Gotama verkündest, muß ja ein anständiger Gläubiger den Herrn Gotama aufsuchen, selbst wenn dieser sich hundert Meilen entfernt befände und man das Reisegepäck auf der eigenen Schulter so weit schleppen müßte. So laßt uns denn alle zusammen den Samaṇa Gotama aufsuchen!“

Da machte sich der Brahmane Kūṭadanta mit einer großen Brahmanen-Schar auf den Weg nach dem Parke Ambalaṭṭhikā zum Samaṇa Gotama. Dort angekommen, tauschte er mit ihm die üblichen freundlichen Begrüßungsworte und höflichen Fragen nach dem Befinden und setzte sich dann etwas abseits nieder. Und von den Brahmanen und Bürgern von Khānumata setzten sich die einen abseits nieder, nachdem sie sich vor dem Erhabenen einfach, respektvoll verneigt hatten, andere tauschten mit ihm erst die üblichen freundlichen Begrüßungsworte und höflichen Fragen nach dem Befinden, ehe sie sich abseits niedersetzten, wieder andere erhoben verehrend ihre flach zusammengelegten Hände in der Richtung nach dem Erhabenen hin und setzten sich dann abseits nieder, wieder andere nannten ihm ihren Personen- und Familiennamen und nahmen dann abseits Platz, einige ließen sich auch einfach schweigend abseits nieder.

Der Brahmane Kūṭadanta sprach dann zum Erhabenen: „Verehrter Gotama, soviel ich gehört habe, versteht sich der Samaṇa Gotama auf die dreifache ideale Vollendung des Opfers samt den sechzehn zierenden Akzidentien. Ich aber verstehe nichts von dem allem und möchte doch gern mein großes Opfer darbringen. Will nicht der verehrte Gotama so gut sein, mich darin zu unterweisen?“ „So höre mich an, Brahmane, und merke gut auf, ich werde es dir sagen.“ Der Brahmane drückte dem Erhabenen sein Bereitsein dazu aus, und der Erhabene begann:

„Brahmane, in der Vorzeit lebte ein König, Mahāvijita mit Namen. Er war begütert, sehr reich und genoß alle Annehmlichkeiten des Lebens. Gold und Silber hatte er in Menge und jede Art des Luxus, der den Menschen Freude macht, in großer Masse Schätze und Vorräte; seine Schatzkammern und Speicher waren voll bis obenhin. Als nun, Brahmane, dieser König Mahāvijita einmal in Zurückgezogenheit sich seinen Gedanken überließ, stellte er folgende Erwägung an: ‚Ich verfüge über alle irdischen Güter in Hülle und Fülle und beherrsche den weiten Erdkreis, den ich mir unterjocht habe. Jetzt könnte ich wohl einmal ein großes Opfer darbringen, das mir auf lange zu Heil und Segen gereichen würde. Darauf ließ er den Brahmanen, der sein Hofpriester war, rufen und sprach zu ihm: ‚Brahmane, als ich in der Zurückgezogenheit mich meinen Gedanken überließ, stellte ich die Betrachtung an, daß ich über alle irdischen Güter in Hülle und Fülle verfüge, den weiten Erdkreis beherrsche, den ich mir unterjocht habe, und daß ich wohl einmal ein großes Opfer darbringen könnte, das mir auf lange zu Heil und Segen gereichen würde. So will ich denn, Brahmane, ein solches großes Opfer darbringen. Unterweise mich, Ehrwürdiger, wie es mir auf lange zu Heil und Segen gereichen wird!‘

„Darauf antwortete der brahmanische Hofpriester dem Könige Mahāvijita: ‚Herr und König, dein Land leidet unter Schrecken und Druck; Dörfer, Flecken und Städte werden ausgeplündert und die Straßen durch Wegelagerer unsicher gemacht. Wenn du, Herr und König, aus einem so gezwickten und geschröpften Lande Steuern herausholen wolltest, so wäre das Unrecht von dir. Vielleicht fassest du, Herr und König, zwar den Entschluß, diesem Räuberunwesen ein Ende zu machen mit Todesstrafen, Kerker, Vermögenseinziehung, Entehrung und Landesverweisung, es auszurotten gelingt dir aber auf diese Weise nicht vollständig, sondern die, die mit dem Leben davon gekommen sind, fahren fort, nach wie vor des Königs Land zu brandschatzen. Die vollständige Erreichung des Zieles ist dann nur von folgendem Verfahren zu erwarten: Herr und König, du mögest denjenigen unter den Landes-Einwohnern, die es noch wagen, den Acker zu bestellen und Vieh zu halten, fortgesetzt Samengetreide und Futtervorräte verabfolgen lassen, denjenigen, die noch den Mut haben, Handel zu treiben, das nötige Kapital und denjenigen, die unternehmend genug sind, dir (gegen jene) zu dienen, Kost und Lohn anweisen. Dann werden die Menschen ihren Berufen leben, und keinem wird es mehr einfallen, des Königs Land zu brandschatzen, der königliche Schatz wird anschwellen, die Provinzen werden, von Schrecken und Druck befreit, die Segnungen des Friedens genießen, und die Untertanen werden sich ihres Lebens freuen, ihre Kinder auf den Armen tanzen lassen und, ich glaube, gar kein Bedürfnis mehr empfinden, die Türen ihrer Häuser zu verschließen.‘

„‚Du hast Recht‘, sprach König Mahāvijita zustimmend zu seinem brahmanischen Hofpriester, und er ließ denen, die in seinem Lande es noch wagten, den Acker zu bestellen und Vieh zu halten, Samengetreide und Futtervorräte verabfolgen, denen, die noch den Mut hatten, Handel zu treiben, das nötige Kapital, denen, die unternehmend genug waren, dem Könige (gegen die Räuber) zu dienen, wies er Lohn und Kost an. So lebten die Menschen fortan ihren Berufen, und es fiel ihnen nicht ein, des Königs Land zu brandschatzen; des Königs Schatz schwoll an, seine Provinzen genossen, von Schrecken und Druck befreit, die Segnungen des Friedens, und seine Untertanen freuten sich ihres Lebens, ließen ihre Kinder auf den Armen tanzen und empfanden nicht einmal mehr das Bedürfnis, ihre Häuser zu verschließen.

„Da ließ, Brahmane, König Mahāvijita den brahmanischen Hofpriester rufen und sprach zu ihm: ‚Verehrter, dem Räuberunwesen ist ein Ende gemacht, und dank dem Umstande, daß ich das von dir, Verehrter, empfohlene Verfahren befolgte, ist mein Schatz jetzt gefüllt, meine Provinzen, befreit von Schrecken und Druck, genießen die Segnungen des Friedens, . . . Brahmane, ich möchte jetzt ein großes Opfer darbringen. Lehre mich, Verehrungswürdiger, was mir auf lange Zeit zu Heil und Segen gereichen wird.‘

„‚Wohlan, Herr und König, du mögest zu den Adligen in Stadt und Land, die von dir abhängig sind, sprechen: ‚Ihr Herren, ich beabsichtige, ein großes Opfer darzubringen, bitte, wollen mir die Herren raten, was mir für lange zu Heil und Segen gereichen wird‘. Ebenso, Herr und König, zu deinem Anhang und deiner Beamtenschaft in Stadt und Land . . ., zu vornehmen Brahmanen in Stadt und Land . . . zu wohlhabenden Bürgern in Stadt und Land . . .‘.

„‚Das werde ich tun‘, sprach König Mahāvijita zustimmend zu seinem brahmanischen Hofpriester, und er richtete jene Worte an alle genannten Kategorieen von Leuten.

„‚Möge eure königliche Majestät nur ruhig das Opfer darbringen, es ist ganz an der Zeit, Mahārāja!‘ „So waren diese vier Kategorieen, die das Opfer guthießen, eine vierfache Zierde desselben.

„König Mahāvijita war durch acht Vorzüge ausgezeichnet: Er war von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite, . . .; er war hübsch . . .; begütert . . .; mächtig, weil er über ein aus allen vier Truppengattungen bestehendes, ihm ergebenes, botmäßiges Heer verfügte, er brannte gewissermaßen seine Feinde mit (dem Feuer) seines Ansehens; er war ein gläubiger Spender, ein hochherziger Geber, der offenes Haus hielt und, geradezu eine Tränke für Samaṇa’s, Brahmanen, Arme, Landfahrende, Bettler und Bittsteller, fromme Werke tat; er war wohl unterrichtet auf allen Wissensgebieten; er verstand den Sinn jedes (überlieferten) Satzes und wußte zu erklären: ‚Das ist der Sinn dieses und das der Sinn jenes Satzes‘; er war klug, gelehrt, weise und geschickt, das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige zu bedenken. Durch diese acht Vorzüge war König Mahāvijita ausgezeichnet. Auch diese acht Vorzüge waren ebensoviele Zierden seines Opfers.

„Der brahmanische Purohita war durch vier Vorzüge ausgezeichnet: Er war von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite . . .; er war den Studien ergeben . . .; sittenstreng, von hoher sittlicher Zucht; klug, gelehrt, weise, der Erste oder (höchstens) der Zweite unter denen, die den Opferlöffel in der Hand halten. Durch diese vier Vorzüge war der brahmanische Hofpriester ausgezeichnet, und auch diese vier waren ebensoviele Zierden dieses Opfers.

„Dann, Brahmane, belehrte der brahmanische Hofpriester vor dem Opfer den König Mahāvijita über die drei Arten (der idealen Vollendung des Opfers): ‚Es wäre denkbar, daß deine königliche Majestät, von dem Wunsche beseelt, das große Opfer darzubringen, doch ein Bedenken des Inhalts verspürte: ‚Es wird mich einen großen Teil meines Besitzes kosten‘. Diesem Bedenken darf deine königliche Majestät nicht Raum geben. Es wäre auch denkbar, daß im Verlaufe des großen Opfers deiner königlichen Majestät ein Bedenken dieser Art käme: ‚Es kostet mich einen großen Teil meines Besitzes‘. Diesem Bedenken darf deine Majestät nicht Raum geben. Es wäre auch denkbar, daß deiner königlichen Majestät nach der Darbringung des großen Opfers der bedauernde Gedanke aufstiege: ‚Es hat mich einen großen Teil meines Besitzes, gekostet‘. Auch diesem Gedanken darf deine Majestät nicht Raum geben.‘

„Das, Brahmane, sind die drei Arten (der idealen Vollendung des Opfers), in denen der brahmanische Hofpriester den König Mahāvijita vor dem Opfer unterwies.

„Dann, Brahmane, sprach der brahmanische Hofpriester des König Mahāvijita, um noch vor dem Opfer die Bedenken, die demselben mit Bezug auf die Empfänger (der Opferanteile) in zehnerlei Richtung kommen könnten, zu beseitigen: ‚Es werden zu deiner Majestät Opfer sowohl solche kommen, die lebende Wesen töten, wie solche, die das nicht mehr tun. Was die Ersteren anbetrifft, so verdienen sie gar nicht, daß du dir ihretwegen Bedenken machst, im Interesse derer aber, die es nicht mehr tun, möge deine Majestät opfern, an ihnen sich freuen, ihnen Herz und Seele gnädig zuwenden. Es werden zu deiner Majestät Opfer sowohl solche kommen, die etwas nehmen, was ihnen nicht gegeben ist, wie solche, die das nicht mehr tun . . .; sowohl solche die den falschen Weg der Lüste gehen, wie solche, die es nicht mehr tun . . .; sowohl solche, die die Unwahrheit sprechen, wie solche, die es nicht mehr tun . . .; sowohl solche, die verleumden, wie solche, die es nicht mehr tun . . .; sowohl solche, die harte Worte gebrauchen, wie solche, die es nicht mehr tun . . .; sowohl solche, die leeres Geschwätz im Munde führen, wie solche, die es nicht mehr tun . . .; sowohl Begehrende wie solche, die frei von Begehren sind . . .; sowohl solche mit bösen wie solche mit arglosen Herzen . . .; sowohl solche mit falscher wie solche mit rechter Weltanschauung. Was die Ersteren anbetrifft, so verdienen sie gar nicht, daß du dir ihretwegen Bedenken machst; im Interesse der Letzteren aber möge deine Majestät opfern, an ihnen sich freuen, ihnen Herz und Seele gnädig zuwenden.‘

„Brahmane, das waren die zehn Möglichkeiten von Bedenken des Königs Mahāvijita mit Bezug auf die Empfänger von Opferanteilen, die dessen brahmanischer Hofpriester noch vor dem Opfer zu beseitigen suchte.

„Und der brahmanische Hofpriester belehrte, ermunterte, erhob und erfreute ferner das Herz des Königs Mahāvijita im Hinblick auf das geplante große Opfer in sechzehn Beziehungen: ‚Es könnte vielleicht geschehen, daß irgend jemand mit Bezug auf das geplante große Opfer deiner königlichen Majestät spräche: ‚Der König Mahāvijita will ein großes Opfer darbringen, ohne sich mit den von ihm abhängigen Adligen in Stadt und Land besprochen zu haben. Wer aber so von deiner königlichen Majestät spricht, ist nicht im Recht, du, Herr und König, hast dich ja doch tatsächlich mit ihnen besprochen. Und darum sollst du, Herr und König, nicht im Zweifel darüber sein, daß du das Opfer darbringen, (über die Empfänger von Opferanteilen) dich freuen und ihnen Herz und Seele in Gnaden zuwenden sollst. Oder es könnte sein, daß jemand . . . spräche: ‚Der König Mahāvijita will ein großes Opfer darbringen, ohne mit seinem Anhang und seiner Beamtenschaft in Stadt und Land sich besprochen zu haben‘ . . .. Oder . . .:‘..., ohne mit den vornehmen Brahmanen in Stadt und Land sich besprochen zu haben‘ . . . Oder ...:‘..., ohne mit den wohlhabenden Bürgern in Stadt und Land sich besprochen zu haben.‘ Auch wer so von deiner Majestät spricht, ist nicht im Recht, du, Herr und König, hast dich ja doch tatsächlich mit ihnen besprochen. Und darum sollst du, Herr und König, nicht im Zweifel darüber sein, daß du das Opfer darbringen, dich (über die Empfänger von Opferanteilen) freuen und ihnen Herz und Seele in Gnaden zuwenden sollst.

„‚Oder es könnte sein, daß irgend jemand mit Bezug auf das geplante große Opfer deiner königlichen Majestät spräche: ‚Der König Mahāvijita will ein großes Opfer darbringen, obwohl er nicht von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite, von einwandfreier Abkunft . . .‘ Auch wer so von deiner königlichen Majestät spricht, ist nicht im Recht, bist du ja doch, Herr und König, tatsächlich von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite, von einwandfreier Abkunft . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht hübsch . . .‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht begütert . . .‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht mächtig ist und nicht über ein aus allen vier Truppengattungen bestehendes Heer . . .‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er kein gläubiger Spender . . .‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obgleich er nicht wohl unterrichtet auf allen Wissensgebieten ist‘ . . . Oder . . .:‚. . ., obwohl er nicht den Sinn jedes (überlieferten) Satzes versteht und zu erklären weiß: »Das ist der Sinn dieses Satzes und das der Sinn jenes Satzes«‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht klug, gelehrt, weise und geschickt ist, das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige zu bedenken‘. Auch wer so von deiner königlichen Majestät spricht, ist nicht im Recht, bist du, Herr und König, ja doch tatsächlich klug, gelehrt, weise und geschickt . . . Und darum sollst du, Herr und König, nicht im Zweifel darüber sein, daß du das Opfer darbringen, dich (über die Empfänger von Opferanteilen) freuen und Herz und Seele ihnen in Gnaden zuwenden sollst.

„‚Es könnte aber auch sein, daß irgend jemand mit Beziehung auf das große Opfer von deiner königlichen Majestät sagte: ‚Der König Mahāvijita will ein großes Opfer darbringen, obwohl sein brahmanischer Hofpriester nicht von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite, von einwandfreier Abkunft . . .‘ Auch wer so von deiner königlichen Majestät spricht, ist nicht im Recht, ist ja doch deiner königlichen Majestät brahmanischer Hofpriester tatsächlich von beiden Seiten, von Vater- wie Mutter-Seite, von einwandfreier Abkunft . . . Und darum sollst du, Herr und König . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl sein brahmanischer Hofpriester nicht den Studien ergeben . . .‘ . . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht sittenstreng, . . .‚. . . Oder . . .: ‘. . ., obwohl er nicht klug, gelehrt, weise und nicht der Erste oder (höchstens) der Zweite von denen ist, die den Opferlöffel in der Hand halten‘. Auch wer so von deiner königlichen Majestät spricht, ist nicht im Recht, ist ja doch deiner königlichen Majestät brahmanischer Hofpriester in der Tat klug, gelehrt, weise und der Erste oder (höchstens) der Zweite von denen, die den Opferlöffel in der Hand halten. Und darum sollst du, Herr und König, nicht im Zweifel darüber sein, daß du das Opfer darbringen, dich (über die Empfänger von Opferanteilen) freuen und Herz und Seele in Gnaden ihnen zuwenden sollst.‘

„In diesen sechzehn Beziehungen, Brahmane, belehrte, ermunterte, erhob und erfreute der brahmanische Hofpriester das Herz des Königs Mahāvijita im Hinblick auf sein geplantes großes Opfer.

„Bei jenem Opfer aber, Brahmane, wurden keine Rinder geschlachtet, keine Ziegen und Schafe, keine Hühner und Schweine und überhaupt nicht lebende Wesen mannigfacher Art hingemordet, es wurden keine Bäume gefällt, um als Opferpfähle zu dienen, es wurde kein Dabbha-Gras geschnitten, um als Opferstreu Verwendung zu finden; und die dabei mit tätig waren, mochten sie Sklaven, Diener oder Arbeiter heißen, wurden nicht mit Stockhieben und hochnotpeinlichen Strafen bedroht und taten ihre Arbeit nicht weinend mit tränenschwerem Angesicht: wer vielmehr Lust hatte, der machte sich zu schaffen, wer keine Lust hatte, ließ es, jeder tat, was ihm zusagte, und ließ das, was ihm nicht zusagte. Und ausschließlich aus geklärter und frischer Butter, aus Öl, Quark, Honig und Zucker-Melasse bestand die Opferdarbringung.

„Brahmane, da kamen die ihm untergebenen Adligen, die Hofleute und Beamten, die vornehmen Brahmanen und die wohlhabenden Bürger aus Stadt und Land mit großen Schätzen zum Könige Mahāvijita und sprachen so zu ihm: ‚Herr, diese vielen Schätze haben wir für eure Majestät gebracht, möge der Herr sie (huldvoll) annehmen!‘

„‚Ihr Herren, ich habe genug an meinem eigenen großen Reich tume, der durch gerechte Steuern zusammengebracht ist. Behaltet das Eure und nehmt hier von dem Meinen noch dazu!‘

„Sie aber, vom Könige abgewiesen, gingen abseits und besprachen sich so: ‚Es schickt sich nicht für uns, diese Schätze wieder mit nach Hause zu nehmen. Da der König Mahāvijita ein großes Opfer darbringt, wollen wir, ihn zum Vorbilde nehmend, ebenfalls opfern.‘

„Und die von ihm abhängigen Adligen aus Stadt und Land setzten an der Ostseite der Opferstätte (des Königs) ein Almosenspenden ins Werk, seine Hofleute und Beamten aus Stadt und Land an der Südseite, die vornehmen Brahmanen aus Stadt und Land an der Westseite und die wohlhabenden Bürger aus Stadt und Land an der Nordseite. Auch bei diesen Opfern wurden keine Rinder geschlachtet, keine Ziegen und Schafe, keine Hühner und Schweine, und überhaupt nicht lebende Wesen mannigfacher Art hingemordet, keine Bäume gefällt, um als Opferpfähle zu dienen, und es wurde kein Dabbha-Gras geschnitten, um als Opferstreu Verwendung zu finden; und die dabei mit tätig waren, mochten sie Sklaven, Diener oder Arbeiter heißen, wurden nicht mit Stockschlägen und hochnotpeinlichen Strafen bedroht und taten ihre Arbeit nicht weinend mit tränenschwerem Angesicht: wer vielmehr Lust hatte, machte sich zu schaffen, wer keine Lust hatte, ließ es; jeder tat, was ihm zusagte, und ließ das, was ihm nicht zusagte. Und auch hier bestanden die Opferdarbringungen ausschließlich aus geklärter und frischer Butter, aus Öl, Quark, Honig und Zucker-Melasse.

„So gab es vier Kategorieen solcher, die das Opfer guthießen, König Mahāvijita war mit 8 Vorzügen ausgezeichnet, der brahmanische Hofpriester mit vier, dazu kamen die drei Arten (der idealen Vollendung des Opfers). Das, Brahmane, ist gemeint, wenn von der dreifachen idealen Vollendung des Opfers samt den sechzehn Zierden die Rede ist.“

Und als der Erhabene geendet hatte, da jubelten die Brahmanen mit hoher und lauter Stimme los: „O was für ein Opfer, welche ideale Vollendung des Opfers.“ Der Brahmane Kūṭadanta aber saß ganz schweigsam da. Die übrigen Brahmanen fragten ihn: „Verehrter Kūṭadanta, warum erkennst nicht auch du die vortreffliche Darlegung des Samaṇa Gotama als vortrefflich an?“ „Verehrteste, es ist nicht an dem, daß ich die vortrefflichen Worte des Samaṇa Gotama nicht als vortrefflich anerkannte,—der Schädel müßte dem ja springen, der es nicht täte. Was mich aber beschäftigt, ist der Gedanke: ‚Der Samaṇa Gotama hat nicht gesagt: ‚Das habe ich gehört‘ oder: ‚So muß es sich verhalten‘, sondern er sagte: ‚So war es damals, in dieser Weise trug es sich damals zu‘. Darum ist das meine Überzeugung: Sicher war der Samaṇa Gotama damals entweder König Mahāvijita, der Opferherr, selbst oder der brahmanische Hofpriester, der das Opfer leitete. Verehrter Gotama, erinnerst du dich vielleicht, ein solches Opfer dargebracht oder als Opferpriester geleitet zu haben und (zum Lohn dafür), nachdem du beim Sterben den irdischen Körper abgelegt hattest, der himmlischen Seligkeit teilhaftig geworden zu sein?“ „Ja, Brahmane, ich erinnere mich. Und zwar war ich damals der brahmanische Hofpriester und der Leiter jenes Opfers.“

„Verehrter Gotama, gibt es nun wohl ein anderes Opfer, das, obgleich weniger umständlich und mühsam, doch lohnender und segensreicher ist als ein solches dreifach ideal vollendetes und sechzehnfach geziertes Opfer?“ „Ja, Brahmane, es gibt ein solches.“ „Welches ist das, verehrter Gotama?“ „Es sind die in einzelnen Familien traditionellen Opfer ständiger Almosenspenden, die sittenstrengen Weltentflohenen verabreicht werden.“

„Und was ist der Grund und die Ursache, daß ein solches in einer Familie traditionelles ständiges Almosenopfer, obwohl weniger umständlich und mühsam, doch lohnender und segensreicher ist?“ „Brahmane, zu einem Opfer von der Art jenes (des Mahāvijita) kommen weder Vollendete, noch solche, die auf dem Wege sind, es zu werden, und zwar deshalb nicht, weil man bei einem solchen Zeuge von Stockschlägen und Griffen an die Kehle wird. Wohl aber kommen Vollendete und solche, die auf dem Wege sind, es zu werden, zu derartigen in einer Familie traditionellen ständigen Almosenopfern, die zu Gunsten sittenstrenger Weltentflohener dargebracht werden, und zwar deshalb, weil sie dabei nicht mit anzusehen brauchen, wie man Leute mit Stockschlägen traktiert und an der Kehle packt. Das ist der Grund und die Ursache, daß solche in einer Familie traditionellen ständigen Almosenopfer, obwohl weniger umständlich und mühsam, doch lohnender und segensreicher sind als Opfer jener Art.“

„Verehrter Gotama, gibt es nun noch ein anderes Opfer, das, weniger umständlich und mühsam, doch lohnender und segensreicher ist als jene beiden genannten Arten?“ „Ja, Brahmane, es gibt noch ein anderes.“ „Welches ist das, verehrter Gotama?“ „Brahmane, wenn jemand für die Gemeinde der vier Weltgegenden Wohnungen baut, so ist das ein Opfer, das weniger umständlich und mühevoll und doch lohnender und segensreicher ist als jene zwei genannten Opfer-Arten.“

„Verehrter Gotama, gibt es noch ein anderes Opfer, das weniger umständlich und mühsam und doch lohnender und segensreicher ist als die genannten drei Arten?“ „Ja, Brahmane, es gibt ein solches.“ „Welches ist das, verehrter Gotama?“ „Wenn jemand mit gläubigem Herzen seine Zuflucht bei Buddha, seiner Lehre und seiner Gemeinde nimmt.“

„Verehrter Gotama, gibt es noch ein anderes Opfer, das weniger umständlich . . . ist als die genannten vier?“ „Ja, Brahmane, es gibt ein solches.“ „Welches ist das?“ „Wenn jemand gläubigen Herzens die Befolgung der Gebote auf sich nimmt und also hinfort vermeidet: das Töten lebender Wesen, das Nehmen von Nicht-Gegebenem, das Wandeln auf dem unrechten Pfade der Lüste, die Lüge, berauschende geistige Getränke, so ist das ein Opfer weniger umständlich . . . als die genannten vier.“

„Verehrter Gotama, gibt es noch ein anderes Opfer, das weniger umständlich . . . ist als die genannten fünf?“ „Ja, Brahmane, es gibt ein solches.“ „Welches ist das?“

„Brahmane, (es kommt) dabei zunächst darauf an, daß ein Tathāgata in der Welt ersteht, ein vollendeter vollkommen Erleuchteter, . . . So, Brahmane, ist der Bhikkhu im Besitz der sittlichen Zucht . . . erreicht die erste Stufe der Versenkung und hält sie fest. Auch das, Brahmane, ist ein Opfer, das weniger umständlich und mühsam und doch lohnender und segensreicher als die früher genannten ist . . . erreicht die zweite Stufe der Versenkung . . . die dritte . . . die vierte und hält sie fest. Auch das, Brahmane, ist ein Opfer, das weniger umständlich und mühsam und doch lohnender und segensreicher als die früher genannten ist . . . wendet seinen Geist hin und richtet ihn auf das erkennende Schauen. Auch das, Brahmane, ist ein Opfer, das weniger umständlich und mühsam und doch lohnender und segensreicher als die früher genannten ist . . . erkennt: ‚Es gibt keine Wiederkehr‘. Auch das, Brahmane ist ein Opfer, das weniger umständlich und mühsam und doch lohnender und segensreicher als die früher genannten ist. Und, Brahmane, über diese vollkommenste Art des Opfers hinaus gibt es keine andere höhere oder vollendetere.“

Als er so geredet hatte, sprach der Brahmane Kūṭadanta zum Erhabenen: „Vortrefflich, ganz vortrefflich, verehrter Gotama! Wie man etwas Umgestürztes aufrichtet, etwas Verschleiertes enthüllt, einem Verirrten den Weg weist oder eine Öl-Lampe bringt, wenn es finster ist, damit Menschen mit Sehvermögen die Dinge sehen können, geradeso hat der verehrte Gotama auf alle Weise seine Lehre verkündet. Daher nehme ich meine Zuflucht bei dem erhabenen Gotama, bei seiner Lehre und seiner Bhikkhu-Gemeinde, als einen Laiengläubigen, der heute für sein ganzes Leben seine Zuflucht bei ihm genommen hat, wolle der Erhabene mich gelten lassen. Und die siebenhundert Bullen, verehrter Gotama, die siebenhundert jungen Stiere, die siebenhundert Färsen, die siebenhundert Ziegenböcke und siebenhundert Schöpse (die ich opfern wollte) lasse ich frei und schenke ihnen das Leben, sie mögen grünes Gras fressen und kühles Wasser trinken, und kühlende Winde mögen sie umwehen.“

Da begann der Erhabene die schrittweise vorschreitende Belehrung des Brahmanen Kūṭadanta, d.h. er predigte erst Freigebigkeit, sittliche Zucht und das Trachten nach dem Himmel, wies dann das Leidenvolle, Verächtlich-Eitle und Befleckende der irdischen Lust nach und zeigte, daß Heil nur in der Entsagung zu finden sei. Als der Erhabene erkannte, daß der Brahmane Kūṭadanta im Geiste vorbereitet, empfänglich, der Hemmnisse ledig, freudig und dem Glauben zugeneigt sei, da predigte er ihm die Lehre, die der Buddha’s besonderes Eigentum ist: vom Leiden, von der Entstehung des Leidens, von seiner Beendigung und von dem Wege, der zu dieser Beendigung führt. Wie nur reines Zeug, das frei ist von Schmutz, die Farbe ordentlich annimmt, so war es mit dem Brahmanen Kūṭadanta: noch während er so saß, tat sich ihm das reine, ungetrübte Auge der Wahrheit auf: „Alles was entsteht, muß notwendig auch wieder vergehen“.

Als der Brahmane Kūṭadanta so die Wahrheit geschaut, gewonnen, erkannt und mit seinem Geiste durchdrungen, die Zweifel überwunden, die Skrupel abgetan, festes Vertrauen gewonnen hatte und zu dem Gefühle durchgedrungen war, daß er zur Erkenntnis von des Meisters Lehre keiner anderen Hilfe mehr bedürfe, sprach er zum Erhabenen: „Wolle der Herr Gotama samt der Schar seiner Bhikkhu’s für morgen meine Einladung zum Essen annehmen.“ Der Erhabene gab seine Zustimmung zu erkennen, indem er schwieg. Als der Brahmane Kūṭadanta der Zustimmung des Erhabenen sicher war, stand er von seinem Sitze auf, verneigte sich ehrfurchtsvoll vor dem Erhabenen, ging nach rechts hin um ihn herum und entfernte sich. Als die Nacht vorüber war, ließ er auf seinem Opferplatze erlesene sowohl feste wie flüssige Speisen zurüsten und dann dem Erhabenen melden, daß das Mahl beginnen könne, mit den Worten: „Verehrter Gotama, es ist Zeit, das Mahl steht bereit.“ Da nahm der Erhabene, nachdem er frühmorgens sich angekleidet hatte, Almosenschale und Obergewand und machte sich auf den Weg nach dem Opferplatze des Brahmanen Kūṭadanta. Dort angekommen setzte er sich auf den für ihn zubereiteten Sitz.

Da tat der Brahmane Kūṭadanta der Bhikkhu-Schar, Buddha an ihrer Spitze, eigenhändig die erlesene feste und weiche Speise auf und regte fleißig zum Essen an, bis sie satt waren. Als der Erhabene fertig gegessen und Almosenschale und Hände gewaschen hatte, nahm der Brahmane Kūṭadanta einen niedrigen Sitz und setzte sich etwas abseits von ihm. Und nachdem er Platz genommen, belehrte, ermahnte, erhob und beglückte ihn der Erhabene durch seine Lehr-Predigt. Dann erhob sich der Erhabene und ging von dannen.

Ende des Kūṭadanta-Sutta.