Jātaka 213

Die Erzählung von Bharu (Bharu-Jātaka)

„Nachdem, so hört' ich, unter Weisen“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf den König von Kosala.—Damals war nämlich die Ehrung und die Huldigung für den Erhabenen und die Mönchsgemeinde groß. So heißt es: „Zu der Zeit aber war der Erhabene geehrt, geachtet, hochgeschätzt, verehrt, bewundert und empfing Gewänder, Almosen, Wohnung, Heilmittel gegen die Krankheiten und die anderen Hilfsmittel; und auch die Mönchsgemeinde war geehrt, geachtet, hochgeschätzt, verehrt, bewundert und empfing Gewänder, Almosen, Wohnung, Heilmittel gegen die Krankheiten und die anderen Hilfsmittel. Die Mönche aber, die Anhänger der anderen Sekten waren, waren nicht geehrt, geachtet, hochgeschätzt, verehrt, bewundert und empfingen nicht Gewänder, Almosen, Wohnung, Heilmittel gegen die Krankheiten und die anderen Hilfsmittel.“

Als diese nun in ihrer Ehrung so zurückgingen, hielten sie einen Tag und eine Nacht eine geheime Versammlung und überlegten: „Seitdem der Asket Gotama erschienen ist, sind wir in Ehrungen und Huldigungen zurückgegangen und der Asket Gotama hat die höchste Ehrung und den höchsten Ruhm erlangt. Woher kommt ihm wohl dieser Erfolg?“ Da sprach einer folgendermaßen: „Der Asket Gotama wohnt auf der höchsten Stelle des ganzen Jambu-Erdteils, auf dem Gipfel des Landes; darum kommt er zu Ruhm und Ehre.“ Die übrigen erwiderten: „Dies ist der Grund. Auch wir wollen auf dem Jetavana ein Sektiererkloster bauen; auf diese Weise werden wir geehrt werden.“ Sie alle fassten den Beschluss: „So soll es sein.“ Dann überlegten sie: „Wenn wir aber, ohne vom Könige die Erlaubnis dazu zu haben, das Kloster bauen, werden uns die Mönche daran hindern. Wenn aber einer eine Gabe bekommt, so ist er nicht unzugänglich. Darum wollen wir dem Könige ein Geschenk geben und dafür den Ort für unser Kloster erhalten.“ Und sie baten ihre Gönner um Geld, schenkten dem Könige hunderttausend und sprachen dazu: „O Großkönig, wir möchten oben auf dem Jetavana ein Kloster erbauen. Wenn die Mönche Euch sagen: ‚Wir werden sie es nicht bauen lassen‘, so gebt ihnen keine Antwort.“ Aus Begierde nach dem Geschenk gab der König mit dem Worte: „Gut“, seine Zustimmung.

Nachdem so die Andersgläubigen den König für sich gewonnen hatten, ließen sie einen Baumeister rufen und begannen das Werk. Es entstand ein großes Getöse.—

Da fragte der Meister: „Was ist dies, Ananda, für ein Lärm und Tumult?“ Als er zur Antwort erhielt: „Herr, die Andersgläubigen erbauen oben auf dem Jetavana ein Sektiererkloster; daher kommt dieser Lärm“, sprach er: „Ananda, dieser Ort passt nicht für ein Kloster der Andersgläubigen. Die Andersgläubigen machen viel Lärm; man kann nicht mit ihnen zusammen wohnen.“ Er ließ die Mönchsgemeinde sich versammeln und sagte: „Geht, ihr Mönche, meldet es dem Könige und hindert die Erbauung des Klosters der Andersgläubigen.“

Die Gemeinde der Mönche ging hin und stellte sich an das Tor des königlichen Palastes. Als aber der König hörte, dass die Mönchsgemeinde gekommen sei, dachte er: „Sie werden wegen des Klosters der Andersgläubigen gekommen sein“; und weil er das Geschenk erhalten hatte, ließ er sagen: „Der König ist nicht zu Hause.“—Die Mönche kehrten zurück und teilten es dem Meister mit. Der Meister merkte, dass jener wegen des Geschenkes so handle, und schickte seine zwei ersten Schüler hin. Obwohl aber der König hörte, dass sie gekommen seien, ließ er ebenso sagen. Auch sie gingen heim und teilten es dem Meister mit. Der Meister erwiderte: „Sāriputta, der König wird jetzt nicht zu Hause bleiben können, er wird fort gegangen sein.“

Am nächsten Tage kleidete er sich am Vormittage an, nahm Almosenschale und Obergewand und begab sich mit fünfhundert Mönchen nach dem Tore des königlichen Palastes. Als dies der König hörte, stieg er von seinem Palaste herunter, nahm dem Meister die Almosenschale ab und ließ ihn eintreten. Er spendete der Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, Reisschleim und Kuchen, bezeigte dem Meister seine Verehrung und setzte sich ihm zur Seite. Der Meister begann hierauf eine Unterweisung zur Belehrung des Königs und sagte: „O Großkönig, Könige der Vorzeit verloren dadurch, dass sie ein Geschenk annahmen und Tugendhafte untereinander in Streit brachten, ihr Königreich und stürzten in großes Verderben.“ Darauf erzählte er, von jenem gebeten, folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem herrschte im Reiche Bharu der König Bharu. Damals war der Bodhisattva ein Asket, der die fünf Erkenntnisse und die acht Vollkommenheiten erlangt hatte, der Meister einer Schar. Als er lange im Himalaya verweilt hatte, stieg er einmal, um sich mit Salz und Saurem zu versehen, umgeben von fünfhundert Asketen vom Himalaya herab und gelangte nach und nach in die Stadt Bharu. Nachdem er dort seinen Almosengang vollendet hatte, ging er aus der Stadt heraus und setzte sich am Nordtore am Fuße eines mit breitem Laubdach versehenen Bananenbaumes nieder. Nachdem er sein Mahl beendet, schlug er dort am Fuße des Baumes seine Wohnung auf.

Während so diese Asketenschar dort weilte, kam nach Ablauf eines halben Monats ein anderer Meister einer Schar, umgeben von fünfhundert Asketen, dorthin. Nachdem er in der Stadt Almosen gesammelt, ging er aus der Stadt heraus und setzte sich am Südtore am Fuße eines ähnlichen Bananenbaumes nieder. Nach beendigter Mahlzeit schlug er dort seine Wohnung auf.—Nachdem diese beiden Asketenscharen dort, so lange es ihnen beliebte, verweilt hatten, kehrten sie nach dem Himalaya zurück.

Als sie aber weggezogen waren, vertrocknete der Bananenbaum am Südtore. Da sie nun wiederkehrten, kamen diejenigen, die an dem Bananenbaume am Südtore gewohnt hatten, zuerst; und als sie merkten, dass der Bananenbaum vertrocknet war, gingen sie nach ihrem Almosengang zur Stadt hinaus, begaben sich nach dem Bananenbaum am Nordtore und nahmen nach beendetem Mahle dort ihre Wohnung.—Die anderen Asketen aber kamen später. Nachdem sie in der Stadt Almosen gesammelt, begaben sie sich nach dem Fuße ihres Baumes, wo sie nach beendeter Mahlzeit auch ihre Wohnung aufschlugen.

Nun gerieten sie wegen des Baumes gegenseitig in Streit, indem sie sagten: „Dies ist nicht euer Baum, dies ist unser Baum.“ Der Streit wuchs. Die einen sagten: „Ihr werdet nicht den Ort erhalten, an dem wir zuerst gewohnt“, die andern erwiderten: „Wir sind in diesem Jahre zuerst hierher gekommen; ihr werdet ihn nicht erhalten.“ Indem sie so stritten: „Wir sind die Herren, wir sind die Herren“, gingen sie um des Baumes willen zum Hofe des Königs hin. Der König erklärte die Asketenschar, die zuerst dort gewohnt hatte, zum Herrn des Baumes. Die andern aber dachten: „Wir werden uns nicht sagen lassen, dass wir von jenen besiegt sind.“ Und sie hielten Umschau mit ihrem übernatürlichen Auge; da sahen sie ein einem weltbeherrschenden König zukommendes Wagengestell. Sie holten es herbei, gaben es dem Könige zum Geschenk und sprachen: „O Großkönig, lasse auch uns die Herren sein.“

Der König nahm das Geschenk an, sagte: „Die beiden Asketenscharen sollen dort wohnen“, und machte so die beiden zu Herren des Baumes. Darauf holten die anderen Asketen die Edelsteinräder zu jenem Wagengestell herbei, machten sie dem Könige zum Geschenk und sagten: „O Großkönig, mache nur uns zu Besitzern des Baumes.“ Der König tat so.

Da dachten die Asketenscharen: „Wir haben die Freuden der sinnlichen Empfindungen und die Freuden der Lust aufgegeben und die Welt verlassen. Und nun streiten wir wegen einer Baumwurzel und geben Geschenke! Etwas Unpassendes haben wir getan.“ Sie bekamen Gewissensbisse, zogen rasch fort und kehrten nach dem Himalaya zurück.

Darauf vereinten sich sämtliche Gottheiten, die im Reiche Bharu wohnten, und zürnten dem Könige Bharu, indem sie sagten: „Unrecht hat der König getan, weil er unter den Tugendhaften Streit stiftete.“ Und sie ließen den Ozean sich über das dreihundert Yojanas große Reich Bharu ergießen und vertilgten es. So stürzten wegen des einen Königs Bharu alle Bewohner des Reiches ins Verderben.

Nachdem der Meister diese Begebenheit aus der Vergangenheit erzählt hatte, sprach er, der völlig Erleuchtete, folgende Strophen:

„Nachdem, so hört' ich, unter Weisen
der König Bharu Streit gestiftet,
ging er zugrund. Mit seinem Reiche
der König selber ward vernichtet.

Darum gefällt den Weisen nicht,
wer sich Parteilichkeit ergibt;
nur wessen Herz ist unverdorben,
kann, wie es recht ist, Urteil sprechen.“

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beendigt hatte, sprach er: „O Großkönig, der Parteilichkeit darf man sich nicht hingeben. Es ziemt sich nicht, zwischen zwei Mönchsscharen Streit zu stiften.“

Dann verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Ich war zu der Zeit der Führer der Asketen.“

Nachdem aber der Vollendete sein Mahl beendet hatte und fort gegangen war, schickte der König Leute aus und ließ das Kloster der Andersgläubigen zerstören. So waren die Andersgläubigen ohne Heim.

Ende der Erzählung von Bharu