Jātaka 226

Die Erzählung von der Eule (Kosiya-Jātaka)

„Gut ist 's, zur rechten Zeit zu gehen“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf den König von Kosala. Der König von Kosala nämlich war zur Unzeit ausgezogen, um das Grenzland zu unterwerfen.

Die Geschichte gleicht der oben erzählten.

Nachdem der Meister aber die Begebenheit aus der Vergangenheit erzählt hatte, sprach er weiter: „O Großkönig!“

Ehedem zog der König von Benares aus und schlug in einem Parke sein Lager auf. Zu dieser Zeit drang eine Eule in ein Bambusdickicht ein und verbarg sich dort. Da kam eine Krähenschar und stellte sich ringsum, um sie zu packen, wenn sie herauskäme. Jene aber wartete den Sonnenuntergang nicht ab, sondern verließ zur Unzeit ihr Versteck und begann davonzufliegen. Da umringten sie die Krähen, stießen sie mit ihren Schnäbeln und warfen sie zu Boden.

Jetzt wendete sich der König an den Bodhisattva und fragte: „Warum, du Weiser, werfen diese Krähen die Eule zu Boden?“ Der Bodhisattva erwiderte: „O Großkönig, denen, die zur Unzeit ihren Wohnort verlassen, stößt solches Unglück zu; darum soll man nicht zur Unzeit seinen Wohnort verlassen.“ Und indem er diesen Sachverhalt verkündete, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Gut ist 's, zur rechten Zeit zu gehen,
nicht gut ist 's, wegzuziehn zur Unzeit.
Denn wenn zur Unzeit man zieht aus,
ob einzeln oder auch in Menge,
so erntet man nur Schaden,
wie die Eule durch die Krähenschar.

Der Weise aber, der die Regeln
genau kennt und der andern Fehler,
der unterwirft sich alle Feinde
und lebt im Glück so wie die Eule.“

Als der König die Worte des Bodhisattva vernahm, kehrte er wieder um.

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der König Ananda, der weise Minister aber war ich.“

Ende der Erzählung von der Eule