Jātaka 246

Die Erzählung von der Öl-Ermahnung (Telovada-Jātaka)

„Mit Tötung, Mord und mit Verletzung“

Dies erzählte der Meister, da er bei Vesali in der Pagodenhalle verweilte, mit Beziehung auf den Heerführer Siha. Als dieser nämlich seine Zuflucht zum Erhabenen genommen hatte, lud er ihn ein und spendete ihm am nächsten Tage ein Mahl, bei dem es auch Fleisch gab. Als dies die Niganthas hörten, wurden sie zornig und erregt und sie schalten, um den Vollendeten zu schädigen: „Der Asket Gotama verzehrt, obwohl er es weiß, Fleisch, das zu diesem Zwecke geschlachtet wurde.“

Die Mönche begannen nun in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Niganthā Nathaputta wandert mit seinem Gefolge umher, indem er auf den Meister schilt, dass der Asket Gotama, obwohl er es weiß, Fleisch verzehrt, das zu diesem Zwecke geschlachtet wurde.“ Da dies der Meister hörte, sprach er: „Ihr Mönche, nicht nur jetzt tadelt mich der Niganthā Nathaputta, weil ich zu diesem Zwecke geschlachtetes Fleisch verzehrt habe, sondern auch früher schon tadelte er mich darum.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einer Brahmanenfamilie seine Wiedergeburt und betätigte, nachdem er herangewachsen war, die Weltflucht der Weisen. Einmal begab er sich, um sich mit Salz und Saurem zu versehen, vom Himalaya nach Benares und ging am folgenden Tage, um Almosen zu sammeln, in die Stadt.

Ein Gutsbesitzer aber dachte: „Ich will den Asketen schädigen.“ Er ließ ihn in sein Haus eintreten, auf einem hergerichteten Sitze Platz nehmen und bewirtete ihn mit Fisch und Fleisch. Nachdem das Mahl zu Ende war, setzte er sich ihm zur Seite und sagte: „Dies Fleisch ist nur um Euretwillen bereitet worden, indem lebende Wesen getötet wurden. Dies Unpassende kommt nicht allein mir zu, sondern auch Euch.“ Und er sprach folgende erste Strophe:

„Mit Tötung, Mord und mit Verletzung
gibt der Unkluge sein Geschenk.
Wenn einer dieses Mahl verzehrt,
so wird er selbst befleckt vom Bösen.“

Als dies der Bodhisattva hörte, sprach er folgende zweite Strophe:

„Selbst wenn mit Tötung seiner Kinder
der Unweise die Mahlzeit spendet,
so wird, auch wenn 's verzehrt der Weise,
er doch vom Bösen nicht befleckt.“

Nachdem ihm der Bodhisattva so die Wahrheit gesagt hatte, erhob er sich von seinem Sitze und ging fort.

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der Gutsbesitzer der Niganthā Nathaputta, der Asket aber war ich.“

Ende der Erzählung von der Ölermahnung