Jātaka 298

Die Erzählung von dem Feigenbaum (Udumbara-Jātaka)

„Vom Feigenbaum sind diese Früchte“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch. Dieser hatte sich nämlich bei einem Grenzdorfe ein Kloster gebaut und wohnte dort. Dies Kloster war entzückend auf einem großen Felsen gelegen. Ein kleiner Waschplatz war dabei mit bequem zu erreichendem Wasser, ein Dorf, um Nahrung zu holen, war nicht weit und liebevoll spendeten dessen Bewohner Almosen.

Es kam aber ein Mönch auf seiner Almosenwanderung auch in dieses Kloster. Der dort ansässige Mönch erwies ihm die Ehren, die einem Ankömmling zustehen. Am nächsten Tage ging er mit ihm in das Dorf hinein, um Almosen zu sammeln. Die Leute spendeten ihm Almosen und luden ihn für den nächsten Tag ein.—Nachdem der angekommene Mönch ein paar Tage dort gelebt hatte, dachte er: „Ich werde durch eine List den Mönch betrügen, ihn von hier vertreiben und dies Kloster für mich selbst in Besitz nehmen.“ Als jener daher kam, um dem Thera seine Aufwartung zu machen, fragte ihn dieser: „Lieber, hast du schon die Buddha-Aufwartung ausgeführt?“ Der andre erwiderte: „Herr, es ist niemand da, der dies Kloster bewacht; darum bin ich bis jetzt noch nicht gegangen.“ Darauf versetzte der Angekommene: „Ich werde es solange bewachen, bis du von der Buddha-Aufwartung zurückkehrst.“ „Gut, Herr“, erwiderte der ansässige Mönch. „Lasst nicht nach in eurem Eifer, bis ich zurückkomme“, sagte er noch den Leuten und zog fort.

Von da an sagte immer der neu angekommene Mönch: „Den und jenen Fehler hat der hier ansässige Mönch“, und machte ihm so die Leute abwendig. Nachdem der andre aber dem Meister seine Huldigung dargebracht, kehrte er zurück. Jener aber gab ihm keine Wohnung. Nachdem er an irgendeinem Orte die Nacht verbracht hatte, ging er am nächsten Tage in das Dorf, um Almosen zu sammeln. Die Leute aber erwiesen ihm nicht einmal die schuldige Ehrung. Voll Kummer kehrte er nun in das Jetavana zurück und teilte diese Begebenheit den Mönchen mit.

Diese begannen in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Mönch so und so hat den Mönch so und so aus seinem Kloster vertrieben und selbst dort Wohnung genommen.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon vertrieb ihn dieser aus seiner Wohnung.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva seine Wiedergeburt als eine Baumgottheit in einem Walde. Dort regnete es während der Regenzeit immer sieben Tage lang. Ein kleiner Affe aber mit rotem Gesicht wohnte dort in einer Felsenhöhle, die dem Regen nicht ausgesetzt war. Eines Tages saß er behaglich am Eingang zu seiner Höhle an einer trocknen Stelle. Da kam ein großer Affe mit schwarzem Gesicht daher, der durchnässt war und unter der Kälte litt. Als er jenen dort sitzen sah, dachte er: „Ich werde ihn durch eine List vertreiben und selbst hier Wohnung nehmen.“ Indem er seinen Leib aufblies und sich ein vergnügtes Aussehen gab, sprach er, vor dem anderen stehend, folgende erste Strophe:

„Vom Feigenbaum sind diese Früchte,
Bananen auch, gut für die Affen.
Komm doch heraus, verzehre sie;
warum begnügst du dich mit Ekligem?“

Jener glaubte seinen Worten und verließ seine Höhle, um die Waldfrüchte zu verzehren. Nachdem er aber überall herumgegangen war und nichts gefunden hatte, kam er wieder zurück. Als er den anderen im Innern der Höhle sitzen sah, dachte er: „Ich will ihn betrügen“, und sprach vor ihn hintretend folgende zweite Strophe:

„So beglückt sein möge jeder,
der dem Alter Ehr' erweist,
wie ich heute glücklich bin,
da ich aß der Bäume Früchte.“

Als dies der große Affe hörte, sprach er folgende dritte Strophe:

„Wenn einen waldgebornen Affen
ein andrer Affe will betrügen,
so glaubt dies selbst ein junger nicht,
viel weniger, wer reif an Jahren.“

Darauf entfernte sich jener von dem Orte.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der kleine Affe der ansässige Mönch, der große schwarze Affe war der Ankömmling, die Baumgottheit aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Feigenbaum