Jātaka 329

Die Erzählung von Kalabahu (Kalabahu-Jātaka)

„Was wir an Trank und Speise“

Dies erzählte der Meister, da er im Veluvana verweilte, mit Beziehung auf Devadatta, da dieser seinen Ruhm und sein Ansehen verloren hatte. Als nämlich Devadatta gegen den Vollendeten grundlos einen Hass gefasst und die Bogenschützen gegen ihn abgesandt hatte, wurde durch die Loslassung des Elefanten Nalagiri seine Schuld offenbar. Die Leute verweigerten ihm daraufhin die Dienste und die Speisen u.dgl., die sie ihm sonst gewährt hatten; auch der König schaute ihn nicht mehr an. Nachdem sein Ruhm und seine Ehre vernichtet waren, ging er umher und erbettelte sich in den Familien seine Nahrung.

Die Mönche begannen nun in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, Devadatta wollte zu Ehre und Ruhm kommen, konnte sie aber, nachdem er sie erlangt, nicht auf die Dauer behaupten.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch schon früher ging dieser seines Ruhmes und seiner Ehre verlustig.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Dhananjaya regierte, war der Bodhisattva ein Papagei namens Radha, groß von Körper und voll entwickelt; sein jüngerer Bruder aber hieß Potthapada. Ein Jäger fing die beiden, brachte sie nach Benares und gab sie dem Könige. Der König tat die beiden in einen goldenen Käfig, ließ sie auf einer goldenen Platte Honigkörner verzehren, gab ihnen Zuckerwasser zu trinken und pflegte sie so. Sie waren hochgeehrt und zu größtem Ansehen und Ruhm gelangt.

Es brachte aber ein Waldarbeiter einen großen, schwarzen Affen namens Kalabahu herbei und gab ihn dem Könige. Weil dieser später gekommen war, wurde er mehr geehrt und gefeiert; die Ehrung der Papageien aber nahm ab. Weil der Bodhisattva schon die hohen Kennzeichen (eines künftigen Buddha) besaß, sagte er nichts dazu; sein jüngerer Bruder aber, der diese Kennzeichen nicht besaß, konnte die Ehrung des Affen nicht ertragen und sagte: „Bruder, früher gab man uns in dieser Königsfamilie süß schmeckende Kuchen u. dgl.; jetzt aber erhalten wir nichts mehr. Da wir vom Könige Dhananjaya nicht mehr geehrt und ausgezeichnet werden, was sollen wir da noch an diesem Orte tun? Wir wollen in den Wald fliegen und dort wohnen.“ Und indem er ihn anredete, sprach er folgende erste Strophe:

„Was wir an Trank und Speise früher hatten,
das kommt jetzt alles zu dem Klettertier.
Komm, lass uns, Radha, in den Wald jetzt fliegen;
denn nicht mehr achtet uns Dhananjaya.“

Da dies Radha hörte, sprach er folgende zweite Strophe:

„Der Ruhm, die Schande, Ehre und Unehre,
der Tadel und das Lob, das Glück und Unglück
sind unbeständ'ge Dinge bei den Menschen.
Sei still; was bist du traurig, Potthapada?“

Als dies Potthapada hörte, sprach er, da er sich von dem Neide gegen den Affen nicht freimachen konnte, folgende dritte Strophe:

„Ja sicherlich, du bist ein Weiser, Radha;
du weißt, was in der Zukunft erst geschieht.
Doch wie wohl könnten wir den Klettrer sehen,
dass ihn, den Niedrigen, der König fortjagt?“

Als dies Radha hörte, sprach er folgende vierte Strophe:

„Er wackelt mit dem Ohr, er schneidet Fratzen,
durch sein ‚muhu‘ setzt er in Furcht die Prinzen.
Von selbst wird es bewirken Kalabahu,
dass ihm hier Trank und Speise wird entzogen.“—

Nach einigen Tagen wackelte Kalabahu vor den Söhnen des Königs mit den Ohren und schnitt Fratzen; dadurch versetzte er die Prinzen in Furcht. Aus Angst schrien sie auf. Der König fragte, was das sei; und als er den Sachverhalt erfuhr, sagte er: „Treibt den Affen fort“, und ließ den Affen fortjagen. Die Papageien aber wurden wieder geehrt und geachtet wie früher.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Kalabahu Devadatta, Potthapada war Ananda, Radha aber war ich.“

Ende der Erzählung von Kalabahu