Jātaka 347

Die Erzählung von dem eisernen Schmiedehammer (Ayakūta-Jātaka)

„Den Hammer ganz von Eisen“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Vorschrift, der Welt Gutes zu tun.

Die Begebenheit wird im Mahakanha-Jātaka (Jātaka 469) erzählt werden.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva im Schoße von dessen erster Gemahlin seine Wiedergeburt. Nachdem er herangewachsen war und alle Künste erlernt hatte, bestieg er nach dem Tode seines Vaters den Thron und führte die Regierung in Gerechtigkeit.—Damals waren die Menschen Verehrer der Götter; sie töteten viele Ziegen, Schafe u. dgl. und brachten damit den Gottheiten Opfer dar. Der Bodhisattva aber ließ mit Trommelschlag verkünden, man solle keine lebenden Wesen töten.

Als nun die Dämonen keine Opfergaben mehr erhielten, wurden sie zornig auf den Bodhisattva; sie veranstalteten im Himalaya eine Dämonenzusammenkunft und schickten einen furchtbaren Dämon aus, um den Bodhisattva zu töten. Dieser nahm einen glühenden Schmiedehammer, so groß wie ein Dachgiebel, und sagte: „Damit werde ich ihn treffen und töten.“ Um die mittlere Nachtwache kam er herbei und stellte sich zu Häupten des Lagers des Bodhisattva.

In diesem Augenblick wurde der Sitz des Sakka heiß. Als dieser darüber nachsann und die Ursache entdeckte, kam er mit Indras Donnerkeil herbei und stellte sich über den Dämon. Als der Bodhisattva den Dämon sah, dachte er: „Steht jetzt dieser da, um mich zu beschützen oder um mich zu töten?“ Und indem er ihn anredete, sprach er folgende erste Strophe:

„Den Hammer ganz von Eisen, riesig groß
in Händen schwingend steht er in der Luft;
bist du beauftragt, jetzt mich zu beschützen,
oder bist du bedacht, mich umzubringen?“

Der Bodhisattva aber sah nur den Dämon und nicht auch den Gott Sakka; der Dämon jedoch getraute sich aus Furcht vor Sakka nicht, den Bodhisattva zu erschlagen.

Als er nun die Worte des Bodhisattva vernahm, sagte er: „O Großkönig, ich stehe nicht hier, um dich zu beschützen, sondern ich bin gekommen, um dich mit diesem glühenden eisernen Schmiedehammer zu treffen und zu töten. Aus Furcht vor Sakka aber getraue ich mich nicht, dich zu erschlagen.“ Und indem er dies erklärte, sprach er folgende zweite Strophe:

„Ein Bote bin ich, König, der Dämonen;
dich zu ermorden, bin ich ausgesendet.
Doch Indra schützet dich, der Götterkönig;
darum zerschmettre ich dir nicht das Haupt.“

Als dies der Bodhisattva hörte, sprach er die folgenden beiden übrigen Strophen:

„Wenn mich der Götterkönig selbst behütet,
Maghavan, Herr der Götter, Sujas Gatte,
dann mögen gern alle Dämonen schreien;
nicht fürcht ich mich vor der Dämonenbrut.

Gern mögen schreien die Kumbhandas
und alle schmutzigen Dämonen;
sie können doch mit mir nicht kämpfen,
gar groß ist meine Furcht vor ihnen!“

Sakka aber jagte den Dämon fort und ermahnte das große Wesen: „Fürchte dich nicht, großer König; von jetzt an will ich dich behüten. Fürchte dich nicht!“ Nach diesen Worten kehrte er an seinen Aufenthaltsort zurück.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Sakka Anuruddha, der König von Benares aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem eisernen Schmiedehammer