Jātaka 41

Die Erzählung von Losaka (Losaka-Jātaka)

„Wer trotz Ermahnung nicht“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf den Thera Losaka-Tissa.

Wer war aber dieser Thera Losaka-Tissa? Im Reiche Kosala ein Mönch, der seine Familie zugrunde gerichtet hatte, ein Fischerssohn, ein Mensch, der wenig bekam.

Nachdem dieser an dem Orte, wo er zuletzt wiedergeboren worden war, gestorben war, nahm er im Reiche Kosala in einem Fischerdorfe, das von tausend Familien bewohnt war, im Schoße einer Fischersfrau seine Wiedergeburt. Von dem Tage aber, da er seine Wiedergeburt genommen hatte, fingen die tausend Familien, wenn sie mit dem Netz in der Hand im Flusse oder in Seen u. dgl. Fische suchten, nicht einmal ein kleines Fischlein. Von da an ging es mit den Fischern rückwärts. Als er in den Mutterleib eingegangen war, wurde das Dorf auch siebenmal vom Feuer heimgesucht und siebenmal vom Könige mit Strafe belegt. So ging es den Bewohnern immer schlechter und schlechter. Da dachten sie: „Früher war es nicht so mit uns, jetzt aber geht es mit uns rückwärts. Unter uns muss ein Unglückswesen sein; deshalb wollen wir uns in zwei Teile teilen.“ Und sie trennten sich in zweimal fünfhundert Familien. Da ging es wieder dem Teil schlecht, bei dem die Eltern des Mönchs waren, dem anderen Teil aber ging es wieder gut. Darauf teilten sie auch diesen Teil in zwei Teile und abermals in zwei Teile und so fort, bis die eine Familie allein war; und als sie merkten, dass in ihr das Unglückswesen war, schlugen sie sie und trieben sie fort. Seine Mutter blieb mit Mühe noch am Leben; und als ihre Leibesfrucht gereift war, gebar sie an einem Orte.—

Ein Wesen, das seine letzte Existenz führt, kann man nicht zugrunde richten; wie in einem Gefäße ein Licht, so brennt in seinem Herzen die Bestimmung zur Heiligkeit.—

Sie zog den Knaben auf, bis er herumlaufen konnte; dann gab sie ihm eine Schale in die Hand, schickte ihn fort mit den Worten: „Gehe in ein Haus“, und lief davon. Von da an war er ganz allein. Wenn er sich ein Almosen gesucht hatte, schlief er irgendwo; er wusch sich nicht und pflegte seinen Körper nicht und fristete mit Mühe sein Leben wie ein Schmutzdämon.

Als er so allmählich sieben Jahre alt geworden war, aß er an einer Haustüre, wo der Abfall vom Reinigen der Schüsseln lag, indem er wie eine Krähe ein Klümpchen nach dem anderen aufpickte. Da sah ihn der Heerführer der Lehre, der auf seinem Almosengange nach Savatthi hineingegangen war, und er dachte: „In welchem Dorfe wohnt wohl dies so bemitleidenswerte Wesen?“ Und er empfand Liebe zu ihm und sprach: „He, komm her!“ Jener kam, begrüßte den Thera und stellte sich vor ihn hin. Darauf fragte ihn der Thera: „In was für einem Dorfe wohnst du, wo sind deine Eltern?“ Er antwortete: „Ich bin ganz verlassen; meine Eltern dachten, ich würde ihnen zur Last fallen; und sie trieben mich fort und sind davongelaufen.“ Sariputta fragte weiter: „Willst du aber Mönch werden?“ Jener erwiderte: „Herr, ich möchte gleich Mönch werden; aber wer wird einen Armen wie mich in den Mönchsstand aufnehmen?“ Da sagte Sariputta: „Ich will dich in den Mönchsstand aufnehmen“, und der Knabe willigte ein. Darauf gab ihm der Thera zu essen und zu trinken, führte ihn in das Kloster, wusch ihn eigenhändig und nahm ihn in den Mönchsstand auf; und als er das erforderliche Alter erreicht hatte, erteilte er ihm die Weihe.

Als er nun älter geworden war, war er bekannt unter dem Namen Thera Losaka-Tissa; und er war im Elend und erhielt wenige Almosen. Da er so den anderen ungleiche Almosen erhielt, konnte er nie seinen Magen füllen und bekam nur soviel, dass er sein Leben fristen konnte. Wenn ihm nämlich ein einziger Löffel Reisschleim gegeben wurde, sah seine Almosenschale aus, als sei sie bis zum Rande gefüllt. Dann dachten die Leute: „Seine Almosenschale ist gefüllt“, und gaben den übrigen Reisschleim den anderen. Man sagte auch, wenn in seine Schale Reisschleim gegeben werde, so verschwinde der Reisschleim in der Schüssel der Leute. Mit fester Speise u. dgl. ging es gerade so. Und als er auch in der Folgezeit zur übernatürlichen Einsicht gekommen und zur höchsten Frucht, zur Heiligkeit gelangt war, bekam er immer noch so wenig.

Als nun allmählich das, was das Leben bedingt, in ihm vernichtet war, kam der Tag, da er zum vollkommenen Nirvana eingehen sollte. Der Heerführer der Lehre merkte bei seiner Betrachtung, dass er zum vollkommenen Nirvana eingehen werde; und da er dachte: „Heute wird der Thera Losaka-Tissa zum vollkommenen Nirvana eingehen; heute ziemt es sich für mich, ihm Speise zu geben, soviel er nötig hat“, ging er mit ihm nach Savatthi, um Almosen zu sammeln. Aber obwohl der Heerführer in dem volkreichen Savatthi seinetwegen die Hand ausstreckte, bekam er doch nicht einmal eine Begrüßung. Da schickte ihn der Thera fort mit den Worten: „Gehe, Lieber, setze dich in die Sitzhalle“; er selbst aber schickte die gesammelte Speise zu ihm hin mit der Weisung: „Gebet dies dem Losaka.“ Doch die sie nahmen, gingen hin, dachten nicht an den Thera Losaka und verzehrten sie selbst.—

Nachdem sich aber der Thera erhoben hatte und wieder ins Kloster zurückkehrte, kam der Thera Losaka-Tissa zu ihm und begrüßte ihn. Der Thera drehte sich um, blieb stehen und fragte: „Hast du die Speise erhalten, Lieber?“ Er antwortete: „Wir werden es nicht erhalten haben.“ Darüber wurde der Thera betrübt und betrachtete die Zeit. Die Zeit war schon vorüber. Da sprach Sariputta: „Gut, Lieber, bleibe hier sitzen“; und er ließ den Thera Losaka in der Sitzhalle bleiben und ging zum Palaste des Königs von Kosala. Der König ließ ihm die Schale abnehmen; und da er dachte: „Es ist keine Zeit mehr zum Mahle“, ließ er die Schale mit den vier Arten der Süßigkeiten anfüllen und ihm zurückgeben. Darauf kam der Thera damit zurück und sprach: „Komm, lieber Tissa, verzehre diese vier Arten von Süßigkeiten!“ Und er nahm die Schale und blieb vor ihm stehen. Doch der Thera schämte sich aus Ehrfurcht vor ihm und aß nicht. Darauf sprach der Thera zu ihm: „Geh, lieber Tissa, was soll ich hier mit der Schale stehen bleiben? Du setze dich nieder und iss; wenn ich die Schale fallen lasse, ist es verloren.“ Darauf verzehrte der Thera Losaka-Tissa die vier Arten der Süßigkeiten, während der großmächtige Heerführer der Lehre mit der Schale vor ihm stand. Und dieses gereichte dem Thera wegen dessen übernatürlicher, edler Kraft nicht zum Schaden. So speiste der Thera Losaka-Tissa, bis er seinen Magen soweit notwendig gefüllt hatte; und noch an diesem Tage ging er zu dem mit restloser Auflösung der Elemente des Seins verbundenen vollkommnen Nirvana ein. Der völlig Erleuchtete stand dabei und ließ seinem Leichnam die letzte Ehrung erweisen.

Damals nun waren die Mönche in der Lehrhalle versammelt und hatten sich niedergesetzt, indem sie sagten: „Freunde, der Thera Losaka war im Elend und erhielt wenig Gaben; wie konnte von diesem Elenden, diesem wenig Erhaltenden das Edle erfasst werden?“ Da kam der Meister in die Lehrhalle und fragte: „Zu welcher Erzählung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Sie sagten: „Zu der und der, Herr.“ Darauf sprach der Meister: „Ihr Mönche, dieser Mönch hat von sich aus bewirkt, dass er keine Almosen erhielt und dass er der Heiligkeit teilhaftig wurde. Weil er nämlich in früherer Zeit andere am Empfang der Gaben hinderte, ist er ein wenig Empfangender geworden; durch die Einsicht aber, dass das Vergehen und das Leid ohne Ende seien, und durch die Frucht einer entsprechenden Existenz ist er der Heiligkeit teilhaftig geworden.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem zur Zeit, da Kassapa Buddha war, wohnte ein Mönch bei einem Gutsbesitzer in einem Dorfkloster, ein untadeliger, tugendhafter, mit übernatürlicher Einsicht reich begabter. Da kam einmal ein Thera, der die Leidenschaften getilgt hatte, der mit Gleichartigen zusammen wohnte, in das Dorf, wo der Gutsbesitzer wohnte, der diesem Mönche aufwartete. Der Gutsbesitzer war über das Verhalten des Thera befriedigt und ließ ihn mit seiner Almosenschale in das Haus hereinkommen; und nachdem er ihn ehrfurchtsvoll gespeist und ein wenig seiner Predigt zugehört hatte, grüßte er den Thera und sagte zu ihm: „Herr, geht in das mit uns verbundene Kloster; wir werden zur Abendzeit kommen, Euch zu besuchen.“

Darauf ging der Thera, grüßte den einheimischen Thera und setzte sich ihm zur Seite, nachdem er ihn um Erlaubnis gebeten hatte. Jener unterhielt sich freundlich mit ihm und fragte ihn: „Hast du, Lieber, ein Almosen bekommen?“ „Ja, ich habe bekommen“, war die Antwort. „Wo hast du es denn erhalten?“ Der andere antwortete: „In dem mit Euch verbundenen Dorfe, in dem Hause des Gutsbesitzers.“ Nach diesen Worten fragte er nach seiner Wohnung, brachte sie in Ordnung, legte Schale und Obergewand ab und setzte sich nieder, über das Glück der Ekstase und das Glück der Frucht nachdenkend.—

Der Gutsbesitzer aber ließ seine Leute zur Abendzeit wohlriechende Substanzen, Kränze, Lampen und Sesamöl nehmen, ging nach dem Kloster hin, begrüßte den dort ansässigen Mönch und fragte ihn: „Herr, ein Thera ist angekommen; ist er da?“ „Ja, er ist da“, war die Antwort. „Wo ist er jetzt?“ fragte jener weiter. „In dem und dem Gemache.“ Darauf begab sich jener zu ihm, begrüßte ihn, setzte sich ihm zur Seite und hörte seine Lehrunterweisung an; und als die Zeit der Abendkühle kam, verehrte er den Reliquienschrein und den Bodhi-Baum, zündete die Lampen an und ging, nachdem er die beiden Leute zum Mahle eingeladen hatte.—Da dachte der einheimische Mönch: „Dieser Gutsbesitzer ist jetzt gespalten; wenn jener Mönch in diesem Kloster bleiben wird, wird er mich gar nicht mehr berücksichtigen.“ Und in seinem Ärger dachte er: „Ich muss bewirken, dass er nicht in diesem Kloster bleibt.“ Als darum die Zeit der Aufwartung kam, redete er gar nichts mit ihm. Der andere Thera aber, der die Leidenschaften in sich ertötet hatte, erkannte seine Gedanken; und da er merkte: „Jener Thera weiß nicht, dass ich in der Familie und in der Gesellschaft ihn nicht hindere“, begab er sich in seine Wohnung zurück und dachte über das Glück der Ekstase und das Glück der Frucht nach.

Der einheimische Mönch berührte am nächsten Tage mit gekrümmtem Finger den Gong, stieß mit dem Nagel an seine Türe und begab sich dann nach dem Hause des Gutsbesitzers. Dieser nahm ihm die Almosenschale ab, ließ ihn auf einem hergerichteten Sitze sich niederlassen und fragte: „Wo ist der angekommene Thera, Herr?“ Er antwortete: „Ich weiß nicht, wie es mit deinem Freunde steht. Ich berührte den Gong, stieß an seine Türe, konnte ihn aber nicht aufwecken. Er wird das ausgezeichnete Mahl, das er gestern in deinem Hause genoss, nicht haben vertragen können und jetzt noch schlafen. Da du von ihm befriedigt bist, wirst du auch unter solchen Umständen von ihm befriedigt sein.“—Der Thera aber, der die Leidenschaften in sich ertötet hatte, besorgte, als er merkte, dass es Zeit war zum Almosengang, seinen Körper, flog mit Schale und Obergewand in die Luft hinauf und begab sich anderswohin.—

Der Gutsbesitzer ließ nun den einheimischen Thera Reisbrei trinken, der mit zerlassener Butter, Honig und Zucker zubereitet war; nachdem er dann seine Schale mit wohlriechendem Pulver abgerieben hatte, füllte er sie wieder und gab sie ihm mit den Worten: „Herr, der Thera wird vom Wege ermüdet sein, bringt ihm dieses!“ Der andere wies sie nicht zurück, sondern nahm sie und ging fort. Dabei dachte er: „Wenn jener Mönch diesen Reisbrei trinkt, wird er nicht mehr weggehen, auch wenn man ihn am Halse packt und wegstößt. Wenn ich den Reisbrei aber jemand anderem gebe, wird meine Tat bekannt; wenn ich ihn in das Wasser versenke, wird die Butter oben auf dem Wasser sichtbar sein; wenn ich ihn auf die Erde werfe, wird es verraten werden durch die Ansammlung von Krähen. Wo soll ich ihn also hintun?“ Als er so überlegte, sah er ein abgebranntes Feld; und er hob die Kohlen auf, warf den Brei dorthin und legte die Kohlen wieder darauf. Dann ging er in sein Kloster. Als er dort den Mönch nicht mehr sah, kam ihm der Gedanke: „Sicherlich hat dieser heilige Mönch meine Gedanken gemerkt und ist anderswohin gegangen. Ach, was habe ich wegen meines Bauches für ein Unrecht getan!“ Und sogleich befiel ihn große Missstimmung. Von da ab war er wie ein Gespenst und bald darauf starb er und wurde in der Hölle wiedergeboren.

Nachdem er viele hunderttausend Jahre in der Hölle gepeinigt worden war, wurde er, um den Rest seiner Schuld zur Reife zu bringen, in fünfhundert aufeinander folgenden Existenzen als Dämon wiedergeboren, konnte jedoch nicht einmal an einem Tage seinen Magen füllen. Nur einen Tag füllte er seinen Magen an und zwar mit Exkrementen. Wiederum war er in fünfhundert Existenzen ein Hund. Auch da füllte er nur an einem Tage seinen Magen und zwar mit ausgebrochener Speise. Die übrige Zeit konnte er seinen Magen nicht füllen.

Vom Hundegeschlecht weg starb er und nahm im Reiche Kosala in einem Dorfe in einer Familie, die im Elend war, seine Wiedergeburt. Seit seiner Wiedergeburt aber kam seine Familie in das äußerste Elend. Über den Nabel hinauf bekam er nicht einmal saure Wassersuppe. Er hieß Mittavindaka. Da seine Eltern das Elend des Hungers nicht ertragen konnten, stießen sie ihn von sich mit den Worten: „Gehe weg, du Unglücksvogel“, und verließen ihn.—

Als er nun so schutzlos herumschweifte, kam er nach Benares. Damals war der Bodhisattva zu Benares ein weitbekannter Lehrer und unterrichtete fünfhundert junge Leute in den Künsten. Damals aber gaben die Bewohner von Benares denen, die im Elend waren, ihren Unterhalt und ließen sie in den edlen Künsten unterrichten. So lernte auch Mittavindaka bei dem Bodhisattva die edlen Künste. Er war aber unfreundlich und ungehorsam und schlug den und jenen; und obwohl vom Bodhisattva ermahnt, nahm er seine Ermahnungen nicht an. So wurden durch ihn seine Einkünfte gering.—Nachdem er sich aber mit den anderen jungen Leuten gezankt hatte und die Ermahnungen nicht annahm, lief er von dort weg; und auf seinem Herumstreifen kam er in ein benachbartes Dorf und lebte dort als Lohnarbeiter.

Mit einem im Elend lebenden Weibe tat er sich zusammen. Sie gebar ihm zwei Söhne. Nun gaben die Dorfbewohner Mittavindaka Sold, damit er ihnen sage, was gut und was nicht gut sei, und ließen ihnen am Dorftor in einer Hütte wohnen. Durch Mittavindaka aber wurden die Bewohner des nahen Dorfes siebenmal vom Könige mit Strafe belegt, siebenmal brannten ihre Häuser ab, siebenmal durchbrach der See den Damm. Da dachten sie: „So etwas geschah uns früher, bevor Mittavindaka zu uns kam, nicht; jetzt aber, seitdem er zu uns gekommen ist, kommen wir so zurück“; und sie stießen ihn fort und vertrieben ihn. Er nahm seine Kinder mit sich und ging anderswohin. Da kam er in einen Wald, der von Dämonen bewohnt war. Dort töteten die Dämonen seine Frau und seine Kinder und fraßen ihr Fleisch.

Er aber entkam von dort; und indem er dahin und dorthin wanderte, gelangte er in ein Hafendorf namens Gambhira an dem Tage, wo ein Schiff ausgesendet wurde. Er wurde dort ein Arbeiter und ging auf das Schiff. Nachdem aber das Schiff sieben Tage lang gefahren war, blieb es am siebenten Tage unbeweglich inmitten des Meeres stehen, als ob es durch einen Stoß (auf einen Felsen) zum Stehen gebracht worden wäre. Darauf warfen die Schiffsleute das Los, wer daran schuld sei. Und siebenmal traf es immer den Mittavindaka. Da gaben ihm die Schiffsleute ein Floß aus Rohr, ergriffen ihn und warfen ihn ins Meer. Sobald er aber hineingeworfen war, bewegte sich wieder das Schiff.

Mittavindaka legte sich auf das Rohrfloß und fuhr auf dem Meere. Durch die Frucht seines Festhaltens an den Geboten zur Zeit des Buddha Kassapa aber traf er auf dem Meere in einem Kristallpalast vier Göttertöchter; bei diesen lebte er sieben Tage lang glücklich. Diese weiblichen Palastgeister aber genossen sieben Tage lang Glück. Als sie weggingen, um sieben Tage in Leid zu verbringen, sagten sie ihm: „Bleibe hier solange, bis wir wiederkommen“, und entfernten sich. Mittavindaka aber bestieg, als sie fort waren, wieder sein Rohrfloß und traf auf seiner Weiterfahrt in einem Silberpalaste acht Göttertöchter. Als er von da weiter fuhr, traf er in einem Edelsteinpalaste sechzehn und dann in einem goldenen Palaste zweiunddreißig Göttertöchter. Auch deren Worte befolgte er nicht, sondern fuhr weiter. Da sah er auf einer Insel eine Dämonenstadt. Dort weilte ein weiblicher Dämon in Gestalt einer Ziege. Weil nun Mittavindaka nicht wusste, dass es ein weiblicher Dämon sei, dachte er: „Ich will Ziegenfleisch essen“, und fasste sie am Fuße. Sie aber hob ihn mit ihrer Dämonenkraft auf und schleuderte ihn von sich. Als er so von ihr weggeschleudert wurde, flog er über das Meer nach Benares in einen Graben und fiel dort in ein Dornengestrüpp; und er drehte sich um und stellte sich auf die Erde.—

Zu dieser Zeit aber stahlen Diebe die Ziegen des Königs, die in diesem Graben sich aufhielten. Die Ziegenhirten lauerten abseits stehend, um die Diebe zu fangen. Als nun Mittavindaka sich umgedreht und auf den Boden gestellt hatte, sah er die Ziegen und dachte: „Ich bin, als ich im Meere auf einer Insel eine Ziege am Fuße fasste, von ihr weggeschleudert worden und hierher geflogen; wenn ich aber jetzt eine Ziege am Fuße fasse, wird sie mich über den Ozean zu den Palastgottheiten schleudern.“ Und nach dieser unweisen Erwägung fasste er eine Ziege am Fuße. Sobald er sie aber anfasste, schrie sie. Da kamen die Ziegenhirten von hier und da her, ergriffen ihn und sagten: „Das ist der Dieb, der die ganze Zeit die dem Könige gehörenden Ziegen verzehrt.“ Und sie schlugen ihn, banden ihn und führten ihn zum Könige hin.—

In diesem Augenblick sah der Bodhisattva, der von fünfhundert jungen Brahmanen umgeben die Stadt verlassen hatte, um zum Baden zu gehen, den Mittavindaka, erkannte ihn und sprach zu den Leuten: „Freunde, das ist ein Schüler von uns; warum habt ihr ihn ergriffen?“ Sie antworteten: „Dieser Ziegendieb hat eine Ziege am Fuße gefasst; deshalb haben wir ihn ergriffen.“ Da sprach der Bodhisattva: „Gebt ihn darum uns zum Sklaven; unsertwegen soll er leben.“ Sie sagten: „Gut, Herr“, ließen ihn los und gingen. Darauf fragte der Bodhisattva: „Mittavindaka, wo bist du die ganze Zeit gewesen?“ Dieser erzählte alles, was ihm begegnet war. Da sagte der Bodhisattva: „Wer nicht nach den Worten dessen handelt, der auf sein Wohl bedacht ist, kommt zu solchem Leid.“ Und nach diesen Worten sprach er folgende Strophe:

„Wer trotz Ermahnung nicht nach dessen Worten tut,
der, auf sein Wohl bedacht, sich seiner recht erbarmt,
dem geht es schlecht wie Mittaka,
da er der Ziege Fuß gepackt.“

Zu der Zeit aber gelangten der Lehrer wie auch Mittavindaka an den Ort ihrer Verdienste.

Nachdem der Meister mit den Worten: „So, ihr Mönche, hat dieser selbst bewirkt, dass er wenig erhielt und auch dass er der Heiligkeit teilhaftig wurde“, diese Lehrunterweisung beendigt hatte, stellte er die gegenseitigen Beziehungen klar und verband das Jātaka mit den Worten: „Damals war Mittavindaka der Thera Losaka-Tissa, der weitberühmte Lehrer aber war ich.“

Ende der Erzählung von Losaka