Jātaka 421

Die Erzählung von Gangamala (Gangamala-Jātaka)

„Heiß wie 'ne Kohle ist die Erde“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Abhaltung des Uposatha. Eines Tages nämlich sprach der Meister zu Laienbrüdern, welche das Uposatha feierten: „Ihr Laienbrüder, etwas Heil Bringendes habt ihr getan. Wenn man das Uposatha begeht, muss man Almosen spenden, die Gebote halten, keinen Zorn empfinden, die Liebe betätigen und die Uposatha-Pflichten ausüben. Auch die Weisen der Vorzeit erwarben sich große Ehre, als sie nur einen Teil der Uposatha-Bestimmungen vollführten.“ Nach diesen Worten erzählte er auf ihre Bitten folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, lebte in dieser Stadt ein Großkaufmann namens Suciparivara; dieser besaß ein Vermögen von achthundert Millionen und hatte seine Freude am Almosen Spenden und anderen guten Werken. Seine Frau und Kinder, auch sein ganzes Gesinde bis zu den Kälberhirten hinab beobachtete jeden Monat an sechs Tagen die Uposatha-Gebräuche.

Damals hatte der Bodhisattva in einer armen Familie seine Wiedergeburt genommen und erwarb sich mit Mühe seinen Unterhalt durch Lohnarbeit. Einmal ging er, um sich einen Lohn zu verdienen, in das Haus des Großkaufmanns, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und blieb neben ihm stehen. Als dieser ihn fragte: „Wozu bist du gekommen?“, antwortete er: „Um in Eurem Hause Lohnarbeit zu verrichten“. Wenn nun andere Lohnarbeiter kamen, so pflegte der Großkaufmann zu sagen: „Wer in diesem Hause seine Arbeit verrichtet, der beobachtet die Gebote; wenn ihr die Gebote halten könnt, so geht an die Arbeit“; beim Bodhisattva aber machte er keine Andeutung, dass er die Gebote halten solle, sondern sagte nur: „Gut, Lieber, verrichte in diesem Hause Arbeit und verdiene dir dadurch deinen Lohn!“ Von da an war er gehorsam; er war mit seinem Herzen bei der Arbeit und vollführte, ohne an seine Ermüdung zu denken, alle Aufträge des Großkaufmanns; in der Frühe ging er an die Arbeit und kehrte am Abend zurück.

Eines Tages nun rief man in der Stadt ein Fest aus. Der Großkaufmann gab einer Sklavin folgenden Auftrag: „Heute am Uposatha-Tage koche für die Arbeiter im Hause in der Frühe das Mahl und gib es ihnen; wenn sie zur rechten Zeit dasselbe verzehren, werden sie den Festtag halten können.“ Der Bodhisattva war bei Zeit aufgestanden und an die Arbeit gegangen, aber niemand hatte ihm gemeldet, dass er heute das Uposatha halten solle. Die übrigen Arbeiter nahmen schon in der Frühe ihre Mahlzeit ein und hielten das Uposatha. Auch der Großkaufmann beobachtete mit Frau und Kindern und seinem ganzen Gesinde die Uposatha-Bestimmungen. Alle aber, die das Uposatha hielten, gingen in ihre Wohnung und setzten sich dort nieder, indem sie über die Tugend nachdachten.

Nachdem nun der Bodhisattva den ganzen Tag seine Arbeit verrichtet, kam er zur Zeit des Sonnenuntergangs heim. Die Köchin gab ihm Wasser zum Händewaschen, füllte die Schüssel mit Reisbrei und bot ihm denselben an. Doch der Bodhisattva fragte: „An anderen Tagen ist um diese Zeit ein großer Lärm; wohin sind sie heute gegangen?“ Er erhielt zur Antwort: „Sie alle halten die Uposatha-Bestimmungen und sind in ihre Wohnungen gegangen“.

Da dachte er bei sich: „Inmitten so vieler Tugendhaften werde ich nicht allein ohne Tugend sein; gibt es für mich noch die Möglichkeit, die Uposatha-Regeln zu halten?“ Und er ging hin und fragte den Großkaufmann. Dieser antwortete: „Wenn man sich nicht vom Morgen an den Bestimmungen unterzogen hat, kommt die ganze Betätigung nicht mehr zustande; doch kann man sie noch halb betätigen.“ Der Bodhisattva erwiderte: „So soll es noch so viel sein.“ Nachdem er bei dem Großkaufmann die Pflicht zum Halten der Gebote übernommen, zog er sich, um das Uposatha zu begehen, in seine Wohnung zurück und legte sich nieder, indem er über die Tugend nachdachte.

Weil er aber den ganzen Tag nichts gegessen hatte, entstanden in ihm um die Zeit der letzten Nachtwache stechende Schmerzen. Der Großkaufmann brachte ihm mancherlei Heilmittel und sagte, er solle sie genießen; aber er sprach: „Ich werde das Fasten nicht brechen; und wenn es mein Leben kosten würde, so würde ich doch das Uposatha halten.“ Heftige Schmerzen stellten sich ein; und als die Sonne aufging, verlor er die Besinnung. Da sagten sie: „Jetzt wirst du sterben“; sie trugen ihn hinaus und legten ihn auf einem abseits liegenden Platze nieder. In diesem Augenblick kam der König an diesen Ort, der gerade auf seinem herrlichen Wagen sitzend mit großem Gefolge die Stadt umfuhr. Als der Bodhisattva dessen Glanz sah, bekam er Begierde danach und wünschte sich die Königswürde.

Nachdem er nun gestorben war, wurde er infolge seiner halben Beobachtung der Uposatha-Bestimmungen im Schoße der ersten Gemahlin des Königs wiedergeboren. Zehn Monate, nachdem sie die Frucht empfangen und dieses Fest gefeiert hatte, gebar sie einen Sohn. Man gab ihm den Namen „Prinz Udaya“ . Als er herangewachsen war, gelangte er zur Vollendung in allen Künsten. Infolge seiner Kenntnis der Erinnerung an seine früheren Existenzen aber gedachte er seiner früheren Tat und stieß wiederholt folgenden begeisterten Ausruf aus: „Von meiner geringen Tat ist dies die Frucht.“ Auch nachdem er nach dem Tode seines Vaters zur Herrschaft gelangt war, stieß er, wenn er seinen großen Glanz und seine Herrlichkeit betrachtete, diesen Ausruf aus.

Eines Tages rüstete man in der Stadt ein Fest. Viel Volks vergnügte sich dabei. Damals hatte zu Benares ein Lohnarbeiter, der am Nordtore der Stadt wohnte und Wasser zu tragen pflegte, ein halbes Masaka erhalten und dies unter einem Steine der Mauer versteckt. Er lebte zusammen mit einer Armen, die sich auch daselbst durch Wasser Tragen ihren Unterhalt verdiente. Diese sprach zu ihm: „Gebieter, in der Stadt wird ein Fest gefeiert; wenn du etwas besitzest, wollen auch wir uns dabei erfreuen.“ „Ja, ich habe etwas“, antwortete er. „Wie viel denn, Gebieter?“ „Ein halbes Masaka (Pfennig).“ „Wo ist das Geld?“ „Ich habe es am Nordtore unter einem Stein der Mauer versteckt; also ist sein Aufbewahrungsort zwölf Yojanas weit von hier entfernt. Hast aber auch du etwas zur Verfügung?“ Die Frau antwortete: „Ja, ich habe etwas.“ „Wie viel?“ „Auch ein halbes Masaka.“ „So sind dein halbes Masaka und mein halbes Masaka zusammen ein ganzes Masaka. Davon kaufen wir uns für einen Teil eine Girlande, für einen Teil wohlriechende Substanzen und für den dritten Teil Branntwein und wollen uns so am Feste erfreuen. Gehe und hole dein beiseite gelegtes halbes Masaka herbei!“

Hocherfreut, dass seine Gattin seinen Vorschlag angenommen, erwiderte er: „Liebe, habe keine Sorge; ich werde das Geldstück herbeiholen“, und entfernte sich. Der Lohnarbeiter, der Elefantenstärke besaß, durcheilte die Strecke von sechs Yojanas, indem er zur Mittagszeit über den wie mit glühenden Kohlen belegten heißen Sand dahinging aus Begierde nach dem Gelde voller Freude, mit alten gelben Gewändern bekleidet und hinter das Ohr ein Palmblatt gesteckt, ganz von seinem Vorhaben erfüllt; und er schritt durch den Hof des königlichen Palastes, indem er ein Lied sang.

Der König Udaya stand gerade an seinem geöffneten Fenster; da sah er jenen daherkommen. Er dachte bei sich: „Wer ist dies, der, ohne den Gluthauch zu beachten, voller Freude singend daherkommt? Ich will ihn fragen!“ Und er schickte einen Mann zu ihm, um ihn herbeirufen zu lassen. Als aber dieser zu dem Lohnarbeiter kam und ihm sagte, der König lasse ihn zu sich rufen, entgegnete er: „Was geht mich der König an? Ich kenne den König nicht.“ Da wurde er mit Gewalt zum Könige geführt und blieb ihm zur Seite stehen. Darauf sprach der König, um ihn zu fragen, folgende zwei Strophen:

„Heiß wie 'ne Kohle ist die Erde,
wie glüh'nde Asche ist der Boden,
und während du dahineilst, singst du;
belästigt dich die Hitze nicht?

Von oben her brennt dich die Sonne,
von unten her brennt dich der Sand,
und während du dahineilst, singst du;
belästigt dich die Hitze nicht?“

Als dieser des Königs Worte vernahm, sprach er folgende dritte Strophe:

„Die Hitze nicht belästigt mich,
mich quälen der Begierde Gluten.
Verschieden, König, sind die Wünsche;
die quälen mich und nicht die Hitze.“

Darauf fragte ihn der König: „Was ist denn dein Wunsch?“ Der Mann antwortete: „Ich, o Fürst, lebte am Südtore zusammen mit einer armen Frau. Diese fragte mich: ‚Wir wollen das Fest begehen, Gebieter; hast du etwas in deinem Besitze?‘ Darauf sagte ich: ‚Ich habe meinen Schatz am Nordtore in der Mauer verborgen.‘ Sie schickte mich fort mit den Worten: ‚Gehe und hole ihn; wir wollen uns beide erfreuen.‘ Diese ihre Rede verlässt nicht mein Herz; wenn ich daran gedenke, brennt mich die Glut der Begierde. Dies ist mein Zweck, o König.“ Dieser fuhr fort: „Was ist aber die Ursache deiner Freude, dass du, ohne auf den Gluthauch zu achten, singend daherkommst?“ Er antwortete: „O Fürst, ich denke, wenn ich diesen Schatz geholt habe, werde ich mich mit ihr vergnügen, und deshalb bin ich voll Freude und singe.“

Nun fragte der König weiter: „Wie aber, du Mann, beträgt der Schatz, den du am Nordtore verborgen hast, hunderttausend Kahapanas?“ „Nein, o Fürst.“ „Beträgt er fünfzigtausend, vierzig, dreißig, zwanzig, zehn, fünf, vier, drei, zwei, ein Kahapana, ein halbes Pada, vier Masakas, drei, zwei, ein Masaka?“ Doch jener verneinte alle diese Fragen. Auf die weitere Frage, ob es ein halbes Masaka sei, antwortete er: „Ja, o Fürst, soviel beträgt mein Geld; ich bin auf dem Wege, dies zu holen und mich dann mit meiner Frau zu vergnügen. Wegen meiner Freude und meines Vergnügens darüber belästigt mich auch nicht dieser Gluthauch.“

Darauf sprach zu ihm der König: „He, Mann, bei dieser Hitze gehe nicht dorthin; ich will dir das halbe Masaka geben.“ Doch jener entgegnete: „O Fürst, bei Eurer Rede beharrend werde ich dies annehmen und doch das andere nicht zugrunde gehen lassen; ich werde meinen Gang nicht unterlassen und auch dies annehmen.“ Der König fuhr fort: „He, Mann, kehre um, ich werde dir ein Masaka geben, zwei Masakas usw.“ Er steigerte die Summe weiter, bis er sagte: „Ich werde dir zehn Millionen, tausend Millionen, unermesslich viel Geld geben; kehre um.“ Aber immer antwortete der Mann: „O Fürst, ich nehme dies an und werde mir auch jenes andere holen.“ Nachdem er dann mit der Verleihung der Großkaufmannswürde und anderer Stellungen derart bis zu der eines Vizekönigs versucht worden war, sagte der König: „Ich werde dir die Hälfte meines Königreichs geben; kehre um.“ Da gab jener seine Zustimmung.

Darauf befahl der König seinen Ministern: „Gehet, ordnet meinem Freunde den Bart, lasst ihn ein Bad nehmen, schmückt ihn und führt ihn dann wieder hierher!“ Die Minister taten so. Der König teilte jetzt sein Reich in zwei Teile und gab jenem die Hälfte des Reiches. Man sagte von ihm: „Aus Liebe zu seinem halben Masaka hat er die Nordseite genommen“, obwohl er soviel erhalten hatte. Er hieß aber „der König Halbmasaka“ .

Während sie nun einmütig und einträchtig die Regierung führten, gingen sie eines Tages in den Park. Nachdem sie sich dort am Spiel erfreut, legte sich der König Udaya nieder und tat dabei sein Haupt in den Schoß des Königs Halbmasaka. Als er aber in Schlaf gesunken war, zerstreuten sich allenthalben die Leute seiner Umgebung, um auch dem Spiele sich hinzugeben. Da dachte der König Halbmasaka: „Was soll ich beständig mit der Hälfte der Herrschaft? Ich werde ihn töten und allein die Herrschaft führen.“ Er zog sein Schwert und dachte: „Jetzt werde ich ihn treffen“; doch da kam ihm folgender Gedanke: „Dieser König hat mich, den armen, elenden Menschen zu seinesgleichen gemacht und mit großer Macht ausgestattet. Jetzt ist in mir der Wunsch aufgestiegen, einen solchen Ruhmverleiher zu töten. Etwas Unziemliches fürwahr habe ich getan.“ So kam er wieder zur Besinnung und steckte sein Schwert wieder ein. Aber noch ein zweites und ein drittes Mal kam ihm dieser Gedanke.

Da dachte er: „Wenn dieser Gedanke immer wieder in mir aufsteigt, so kann er mich zu bösen Taten veranlassen.“ Er warf sein Schwert zu Boden, weckte den König auf und fiel ihm zu Füßen mit den Worten: „Verzeihe mir, Fürst!“ Dieser versetzte: „Lieber, du hast doch nichts gegen mich begangen?“ „Doch, o Großkönig“, war die Antwort, „ich tat das und das“. Der König erwiderte: „Darum verzeihe ich dir, mein Lieber. Wenn du es aber wünschest, so führe die Regierung; ich werde dann der Vizekönig und werde dir dienen.“ Doch jener antwortete: „O Fürst, mich verlangt nicht nach dem Throne; behalte du ihn. Ich aber will die Welt verlassen. Gesehen habe ich die Wurzel des Verlangens und dieses wächst, wenn man es pflegt; von jetzt an aber will ich es nicht mehr pflegen.“ Und einen begeisterten Ausruf ausstoßend, sprach er folgende vierte Strophe:

„Ich sah, o Lust, die Wurzel dein;
wenn man dich pflegt, so wächst du an.
Ich aber werde dich nicht pflegen;
bei mir, Lust, wirst du nicht gedeihen.“

Nach diesen Worten aber sprach er wiederum, um der Menge, die in Lüste verstrickt war, die Wahrheit zu verkündigen, folgende fünfte Strophe:

„Die kleine Lust befriedigt nicht,
mit vielem wird sie nicht ersättigt.
Weh über eure dummen Reden;
erkennet es, so lang ihr wachet.“

Nachdem er so viel Volks die Wahrheit verkündigt hatte, gab er dem Könige Udaya seine Herrschaft zurück und verließ die Menge, die Tränen vergoss und weinte. Er begab sich nach dem Himalaya, wurde Asket und erlangte die Fähigkeit zur Ekstase und die Erkenntnisse.

Als dieser aber die Welt verlassen hatte, machte der König Udaya seinen Ausruf vollständig und ihn singend sprach er folgende sechste Strophe:

„Von einer kleinen Tat ist dies für mich die Frucht,
zu großer Herrlichkeit ist Udaya gekommen.
Doch hat fürwahr den bessern Teil erwählt der Jüngling,
der aufgab die Begierde und die Welt verließ.“

Von dieser Strophe aber verstand niemand den Sinn. Eines Tages fragte ihn seine erste Gemahlin nach der Bedeutung des Verses; aber er sagte es nicht. Er hatte aber einen Hofbader namens Gangamala. Wenn dieser seinen Bart behandelte, so nahm er zuerst das Rasiermesser zur Hand und dann entfernte er die Haare mit seiner Haarzange. Wenn nun das Rasiermesser in Tätigkeit war, war es dem Könige wohl; wenn ihm aber die Haare ausgerissen wurden, war es ihm unangenehm. Zuerst wollte er ihm immer einen Wunsch gewähren, dann aber wünschte er, ihm den Kopf zu spalten.

Eines Tages sprach er zur Königin: „Liebe, unser Hofbader ist ein Tor“, und erzählte ihr die Sache. Als sie dann fragte, was da zu tun sei, sagte er: „Zuerst soll er die Haare wegnehmen und dann erst das Rasiermesser gebrauchen.“ Jene ließ den Barbier zu sich rufen und sagte zu ihm: „Lieber, wenn du jetzt dem König den Bart behandelst, so fasse zuerst die Haare und dann wende das Rasiermesser an. Wenn dann der König sagt, du sollest einen Wunsch äußern, so sprich: ‚O Fürst, etwas anderes wünsche ich nicht, sondern erklärt mir nur den Sinn der Strophe, die Ihr begeistert singt.‘ Ich aber werde dir dafür viel Geld geben.“

Jener gab seine Zustimmung. An dem Tage, da er den Bart des Königs zu behandeln hatte, nahm er zuerst die Zange zur Hand. Als der König rief: „Wie, sag ich, Gangamala, du tust es ja nicht der Reihe nach?“, antwortete er: „O Fürst, die Barbiere tun auch manchmal nicht der Reihe nach“; er zog zuerst die Haare aus und dann rasierte er ihn. Da sprach der König: „Äußere einen Wunsch!“ Der Barbier erwiderte: „O Fürst, etwas anderes begehre ich nicht, sondern erklärt mir nur den Sinn Eures begeisterten Ausrufes!“ Da sich der König schämte zu erzählen, was er in der Zeit seiner Armut getan, sagte er: „Lieber, was hat dieser Wunsch für dich für einen Sinn? Äußere einen anderen!“ Doch der Barbier wiederholte: „Gewähre mir nur diesen, o Fürst.“

Aus Furcht, die Unwahrheit zu sagen, willigte der König ein.

Nachdem er in der Art, wie im Kummasapinda-Jātaka (Jātaka 415) auseinandergesetzt ist, alles angeordnet und sich auf seinem Thronsessel niedergelassen hatte, sprach er: „Ich, o Gangamala, war in meiner früheren Existenz in dieser Stadt“, usw. Nachdem er diese ganze frühere Begebenheit erzählt hatte, fügte er hinzu: „Dies ist die Veranlassung zu der ersten Halbstrophe. Mein Freund aber hat die Welt verlassen und ich muss ermüdet die Herrschaft weiter führen; aus diesem Grunde sage ich die letzte Halbstrophe.“ So erklärte er die Bedeutung seines begeisterten Gesanges.

Als dies der Barbier hörte, dachte er: „Durch die halbe Erfüllung der Uposatha-Bestimmungen ist der König zu solchem Glanze gelangt. Das Gute muss man üben; wie, wenn ich jetzt die Welt verließe und mir selbst dadurch Rettung verschaffte?“ Als er dies bedacht hatte, verließ er die Gemeinschaft mit allen seinen Verwandten und Besitztümern, bat den König um Erlaubnis, die Welt zu verlassen, und zog in den Himalaya, wo er der Weisen Weltflucht betätigte . Er erhob sich zu den drei Einsichten, stärkte seinen übernatürlichen Blick und gelangte zur Würde eines Paccekabuddha. Er erhielt Almosenschale und Obergewand durch seine Wunderkraft und weilte fünf oder sechs Jahre an dem Berge Gandhamadana.

Da dachte er: „Ich will den König von Benares besuchen.“ Er kam durch die Luft dorthin und ließ sich im Parke auf dem königlichen Steinsitze nieder. Der Parkwächter erkannte ihn und meldete dem König: „O Fürst, Gangamala ist ein Paccekabuddha geworden; er ist durch die Luft herbeigekommen und sitzt im Parke.“ Als dies der König hörte, brach er eiligst auf, um den Paccekabuddha zu begrüßen. Auch die Mutter des Königs ging mit ihrem Sohne.

Als nun der König in den Park kam, begrüßte er ihn ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite samt seinem Gefolge. Indem der Asket eine liebenswürdige Unterhaltung mit dem Könige begann, fragte er: „Nun, Brahmadatta, bist du voll Eifer, führst du in Gerechtigkeit deine Regierung, spendest du Almosen und tust du noch andere gute Werke?“ So führte er, indem er den König mit seinem Familiennamen benannte, mit ihm eine liebenswürdige Unterhaltung.

Da dies des Königs Mutter hörte, dachte sie: „Dieser niedrig geborene Fleckenreiber, dieser Barbierssohn kennt sich selbst nicht; meinen Sohn, den Herrn der Erde, der aus fürstlicher Familie stammt, redet er mit seinem Namen Brahmadatta an!“ Und zornig sprach sie folgende siebente Strophe:

„Asketen geben böse Taten auf;
sie hören auf, Barbier zu sein und Töpfer.
Asketen sind voll Stolz, o Gangamala,
und reden auch den König an mit Namen.“

Um seine Mutter zurechtzuweisen und den Vorzug des Paccekabuddha zu verkündigen, sprach aber der König folgende achte Strophe:

„Da könnt ihr nun mit eignen Augen sehen,
was der Erfolg von Liebe und Geduld;
doch den, der sich vor jedermann verneigte,
den lasst uns ehren, König wie Minister.“

Als so der König seine Mutter zurechtgewiesen, erhob sich die übrige Volksmenge und sagte: „Und doch ist es für einen so niedrig Geborenen unpassend, Euch mit Namen anzureden.“ Aber der König sprach, um die Volksmenge zu tadeln und den Vorzug von jenem zu schildern, folgende Schlussstrophe:

„O saget nichts vom weisen Gangamala,
der auf dem Pfad der Wahrheit wohl bewandert;
denn dieser überschritt den Ozean,
jenseits von dem man ohne Kummer lebt.“

Nach diesen Worten bezeigte der König dem Paccekabuddha seine Ehrfurcht und sprach: „Herr, verzeihet meiner Mutter.“ „Wir verzeihen ihr, o Großkönig“, antwortete dieser. Auch das Gefolge des Königs bat ihn um Verzeihung. Darauf bat ihn der König um seine Zustimmung, dass er bei ihm wohnen bleiben wolle. Der Paccekabuddha aber gab diese Einwilligung nicht, sondern unter den Augen des Königs und seines Gefolges erteilte er in der Luft stehend dem Könige noch eine Ermahnung und kehrte nach dem Berge Gandhamadana zurück.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Laienbrüder, ist es geziemend, die Uposatha-Regeln zu beobachten.“

Dann verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Der damalige Paccekabuddha ging zum völligen Nirvana ein; der König Halbmasaka war Ananda, die Königin war die Mutter Rāhulas, der König Udaya aber war ich.“

Ende der Erzählung von Gangamala