Jātaka 424

Die Erzählung von dem Brennenden (Āditta-Jātaka)

„Was aus dem Hause, wenn es brennt“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf eine unvergleichliche Gabe.

Die Geschichte von der unvergleichlichen Gabe ist in der Erklärung zum Mahagovinda-Sutta ausführlich zu erzählen.—

Am zweiten Tage aber, nachdem diese Gabe gespendet worden war, begannen die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der König von Kosala hat nach reiflicher Prüfung sein Gebiet erkannt, auf dem er sich auszeichnen kann, und der edlen Gemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, eine große Gabe gespendet.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Kein Wunder, ihr Mönche, ist es, dass der König nach reiflicher Überlegung für das unübertreffliche Gebiet seiner Verdienste diese Gaben bestimmt hat. Auch in der Vorzeit prüften sich Weise und spendeten Almosen.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem herrschte im Reiche Sovira in der Stadt Roruva der große König Bharata. Er betätigte die zehn Königspflichten, beherrschte sein Volk mit den vier Zeichen einer guten Regierung, vertrat an vielen Leuten die Stelle von Vater und Mutter und spendete große Almosen an Arme, Wanderer, Bettler, Bittende u. dgl.. Seine erste Gemahlin, Samuddavijayā mit Namen, war weise und voll Verstand.

Als er eines Tages seine Almosenhalle betrachtete, dachte er: „Meine Spenden verzehren lasterhafte und habgierige Wesen. Dies erfreut mich nicht; ich möchte lieber tugendhaften Pacceka-Buddhas, die die besten Gaben verdienen, meine Gaben spenden. Diese aber wohnen im Himalaya; wer könnte sie wohl einladen und herbeibringen? Wen könnte ich zu ihnen schicken?“ Und er erzählte die Sache seiner Gattin. Diese sprach zu ihm: „O Großkönig, bekümmert Euch nicht! Durch die Kraft der von uns zu spendenden Gaben, durch die Kraft der Tugend, durch die Kraft der Wahrheit wollen wir Blumen absenden und durch sie die Pacceka-Buddhas einladen. Wenn sie dann kommen, wollen wir ihnen ein Almosen spenden, das aus sämtlichen für sie nützlichen Hilfsmitteln besteht.“

Der König gab seine Zustimmung. Er ließ durch Trommelschlag verkündigen, dass alle Bewohner der Stadt die Gebote halten sollten; er selbst beobachtete mit seiner ganzen Umgebung die Uposatha-Bestimmungen. Dann spendete er ein reiches Almosen, ließ einen goldenen Korb nehmen, der mit Jasminblüten angefüllt war, stieg von seinem Palaste herab und trat in seinen Hof. Hier legte er sich mit den fünf Berührungsteilen auf die Erde, bezeigte nach Osten hin gewendet seine Verehrung und sprach: „Ich bringe den Heiligen im Osten meine Verehrung dar; wenn bei uns irgend etwas von Tugend vorhanden ist, so möget ihr euch unser erbarmen und unsre Gabe annehmen.“ Nach diesen Worten warf er sieben Hände voll Blumen in die Luft. Weil es aber im Osten keine Pacceka-Buddhas gab, kamen am nächsten Tage keine zu ihm.

Am zweiten Tage brachte er der Himmelsgegend des Südens seine Verehrung dar; aber auch von dort kamen keine. Am dritten Tage brachte er der Himmelsgegend des Westens seine Verehrung dar; aber auch von dort kamen keine. Am vierten Tage endlich brachte er der Himmelsgegend des Nordens seine Verehrung dar und danach sprach er: „Die im Norden im Himalaya wohnenden Pacceka-Buddhas mögen unsre Gabe annehmen“, und warf sieben Hände voll Blumen in die Luft. Die Blumen flogen davon und fielen in der Berghöhle Nandamula über die fünfhundert Paccekabuddhas. Diese dachten nach und erkannten, dass sie vom Könige eingeladen waren. Am folgenden Tage sagten sie zu sieben Pacceka-Buddhas: „Ihr Ehrwürdigen, der König lädt euch ein; erweiset ihm die Freundlichkeit.“

Die Pacceka-Buddhas kamen durch die Luft herbei und stiegen am Tore des Palastes auf die Erde herab. Als sie der König sah, bezeigte er ihnen voll Freude seine Ehrfurcht, ließ sie in seinen Palast hinaufsteigen und spendete ihnen unter großer Ehrung ein reiches Almosen. Als das Mahl beendigt war, lud er sie für den nächsten Tag ein und wieder für den nächsten Tag. So tat er es fünf Tage lang für sechs Mahlzeiten. Am siebenten Tage richtete er ein aus sämtlichen Hilfsmitteln bestehendes Almosen her, ließ Stühle und Bänke, die mit Gold eingelegt waren, aufstellen, legte die dreifachen Gewänder und alle anderen Ausrüstungsgegenstände für Asketen neben die sieben Pacceka-Buddhas, bezeigte ihnen seine Ehrfurcht und sagte: „Diese Ausrüstungsgegenstände geben wir euch.“ Als sie das Mahl beendet hatten, bezeigten ihnen der König wie auch die Königin ihre Verehrung und standen ehrfurchtsvoll neben ihnen.

Da sprach der älteste von ihnen, um seinen Dank auszusprechen, folgende zwei Strophen:

{69)„Was aus dem Hause, wenn es brennt,
man an Gefäßen trägt heraus,
das nur kann nachher Nutzen bringen
und nicht das, was im Haus verbrennt.

So steht die ganze Welt im Feuer,
vom Alter brennt sie und vom Tod.
Durch milde Gaben rettet euch;
denn was geschenkt ist, ist gerettet.“

Nachdem so der älteste der Gesellschaft seine Danksagung dargebracht, ermahnte er noch den König: „Strebe ohne Unterlass, o Großkönig“ und flog dann in die Luft empor. Durch die Spitze des Palastes hindurch flog er und stieg bei der Berghöhle Nandamula wieder auf die Erde hinab. Die Ausrüstungsgegenstände aber, die er erhalten, flogen zugleich mit ihm empor und kamen auch bei der Berghöhle auf die Erde herab. Dem König und der Königin aber ward der ganze Körper mit Wonne erfüllt.

Nachdem dieser sich so entfernt hatte, brachten auch die übrigen mit je einer Strophe ihre Danksagung dar wie folgt:

„Wer einem Tugendhaften gibt Geschenke,
der seine Kraft mit Energie betätigt,
der überwindet Yamas Vetaranī
und kommt nach seinem Tode zu den Göttern.“

„Das Leben ist dem Kampf vergleichbar, sagt man;
auch klein an Zahl besiegt man oft die Mehrheit.
Wenn man auch wenig nur gibt gläub'gen Herzens,
so wird man glücklich doch dadurch im Jenseits.“

„Verständ'ges Spenden ist dem Heil'gen lieb;
wenn denen, die 's verdienen hier auf Erden,
man Gaben schenkt, so bringen sie viel Frucht
wie Samen, die gepflanzt in guten Boden.“

„Wer andre Wesen stets lässt unverletzt,
mit grober Rede keinem Unrecht tut,
den nennt man furchtsam, aber keinen Helden;
doch tut aus Furcht der Heilige nichts Böses.“

„Durch den geringsten heil'gen Wandel
wird man als Fürst wiedergeboren,
durch mittelmäßigen als Gottheit;
der höchste aber führt zur Reinheit.“

„Gewiss wird oft Freigebigkeit gepriesen,
doch höher als Almosen steht die Lehre;
schon ehedem und in noch frührer Zeit
nur Weise gingen zum Nirvana ein.“

Darauf entfernten auch sie sich samt ihren Ausrüstungsgegenständen.

Nachdem so der siebente Pacceka-Buddha durch seine Danksagung dem König das unsterbliche, große Nirvana gepriesen hatte, ermahnte er den König zur Standhaftigkeit und begab sich auch auf die angegebene Art nach seinem Wohnort zurück. Der König aber spendete samt seiner Gattin zeitlebens Almosen und gelangte danach in den Himmel.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So gaben auch in früherer Zeit die Weisen nach reiflicher Prüfung ihre Almosen.“ Hierauf verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Die damaligen Paccekabuddhas gingen zum völligen Nirvana ein; Samuddavijaya war die Mutter Rāhulas, der König Bharata aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Brennenden