Jātaka 454

Die Erzählung von Ghata (Gatha-Jātaka)

„Erheb dich, Kanha“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen, dessen Sohn gestorben war.

Die Begebenheit gleicht der im Matthakundali-Jātaka (Jātaka 449) erzählten.

Als aber hier der Meister den Laienbruder gefragt hatte: „Bist du traurig, Laienbruder?“, und die Antwort erhielt: „Ja, Herr“, sprach er: „O Laienbruder, als die Weisen der Vorzeit das Wort der Weisen vernahmen, trauerten sie nicht mehr um ihren gestorbenen Sohn.“ Nach diesen Worten erzählte er auf die Bitte von jenem folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem regierte im Nordlande in der Kamsa-Gegend in der Stadt Asitañjana ein König namens Mahakamsa. Dieser hatte zwei Söhne, Kamsa und Upakamsa mit Namen, sowie eine Tochter namens Devagabbha. Am Tage von deren Geburt verkündigten die der Vorzeichen kundigen Brahmanen: „Der Sohn, der in ihrem Schoße entsteht, wird das Kamsa-Land und den Kamsa-Ruhm vernichten.“ Wegen der Stärke seiner Liebe aber vermochte es der König nicht über sich, seine Tochter zu töten, sondern er beharrte zeitlebens bei der Meinung: „Ihre Brüder werden es schon sehen“; dann starb er. Nach seinem Tode wurde Kamsa König und Upakamsa wurde Vizekönig. Diese dachten bei sich: „Wenn wir unsere Schwester töten, setzen wir uns dem Tadel aus; wir werden sie niemanden geben, sondern sie unvermählt lassen und bewachen.“ Darauf ließen sie für ihre Schwester einen Palast, der auf einer einzigen Säule ruhte, erbauen und wiesen ihr diesen als Wohnung an. Sie hatte eine Dienerin namens Nandagopa und deren Gatte, der Sklave Andhakavenhu, übte die Wache aus.

Damals regierte in Uttaramadhurā der König Mahāsāgara; dieser hatte zwei Söhne, Sāgara und Upasāgara. Nachdem ihr Vater gestorben war, wurde Sāgara König und Upasāgara wurde Vizekönig. Dieser war der Jugendfreund des Upakamsa; bei einem Lehrer hatten sie zusammen die Künste erlernt. Dieser hatte sich im Harem seines Bruders verfehlt, war dabei ertappt worden und davongelaufen. Er begab sich hierauf nach dem Lande Kamsa zu Upakamsa. Dieser stellte ihn dem Könige Kamsa vor, der ihm große Ehrung zuteil werden ließ.

Als er sich nun zur Aufwartung des Königs begab und die Wohnung der Devagabbha, den auf einer Säule ruhenden Palast, sah, fragte er, wem dieser Palast gehöre. Da er aber die Begebenheit erfuhr, verliebte er sich in Devagabbha. Auch Devagabbha fragte eines Tages, als sie jenen mit Upakamsa zur Aufwartung des Königs gehen sah, wer dies sei. Als sie von Nandagopa hörte, es sei ein Sohn des Mahasāgara, Upasāgara mit Namen, verliebte auch sie sich in ihn. Darauf gab Upasāgara der Nandagopa ein Geschenk und sagte zu ihr: „Schwester, wirst du im Stande sein, mir Devagabbha zu zeigen?“ Sie erwiderte: „Herr, dies ist nicht schwer“, und erzählte die Sache der Devagabbha. Als aber diese, die schon vorher in Upasāgara verliebt war, dies hörte, gab sie ihre Zustimmung. Darauf gab Nandagopa dem Upasāgara ein Zeichen und ließ ihn zur Nachtzeit in den Palast hinein; er aber pflegte Verkehr mit Devagabbha.

Infolge ihres wiederholten Verkehrs aber empfing Devagabbha. In der Folgezeit wurde es bekannt, dass in ihrem Schoße eine Frucht entstanden sei. Ihre Brüder fragten Nandagopa. Diese bat um Straflosigkeit und erzählte ihnen, wie dies zugegangen war. Als sie es hörten, dachten sie: „Unsere Schwester können wir nicht töten. Wenn sie eine Tochter zur Welt bringt, werden wir auch diese nicht töten; wenn es aber ein Sohn wird, dann werden wir ihn umbringen“; und sie gaben Devagabbha dem Upasāgara zur Ehe. Als nun die Leibesfrucht zur Reife gediehen war, gebar jene eine Tochter. Auf die Kunde hiervon gaben ihr die Brüder hocherfreut den Namen Anjanadevi; den beiden Eheleuten aber schenkten sie ein Dorf namens Govaddhamana mit seinen Einkünften. Darauf nahm Upasāgara Devagabbha mit sich und wohnte im Dorfe Govaddhamana.

In Devagabbha aber entstand abermals eine Leibesfrucht; an demselben Tage empfing auch Nandagopa. Als aber ihre Zeit erfüllt war, gebar an demselben Tage Devagabbha einen Sohn, Nandagopa aber eine Tochter. Aus Furcht, ihr Sohn möchte getötet werden, schickte Devagabbha heimlich ihren Sohn der Nandagopa und ließ deren Tochter zu sich holen. Man zeigte aber ihren Brüdern an, dass jene ein Kind geboren habe. Als sie auf ihre Frage, ob sie einen Sohn geboren habe oder eine Tochter, die Antwort erhielten, es sei eine Tochter, sagten sie: „Ziehet sie also auf!“

Auf diese Weise gebar Devagabbha zehn Söhne und Nandagopa zehn Töchter. Die Söhne wuchsen bei Nandagopa auf, die Töchter bei Devagabbha; es wusste aber niemand von der Sache. Der älteste Sohn der Devagabbha hieß Vasudeva, der zweite Baladeva, der dritte Candadeva, der vierte Suriyadeva, der fünfte Aggideva, der sechste Varunadeva, der siebente Ajjuna, der achte Pajjuna, der neunte der Ghata-Weise und der zehnte Amkura. Sie waren bekannt als die zehn Sklavenbrüder, die Söhne des Sklaven Andhakavenhu. Als diese in der Folgezeit erwachsen wurden und voll Stärke und Kraft, waren sie roh und grausam und verübten beständig Räubereien; sogar wenn einer mit einem Geschenke zum König kommen wollte, beraubten sie ihn. Da versammelten sich die Leute und riefen zusammen im Hofe des Königspalastes: „Die Söhne des Sklaven Andhakavenhu, die zehn Brüder plündern das ganze Königreich aus.“ Der König ließ Andhakavenhu zu sich rufen und schüchterte ihn ein mit den Worten: „Warum lässt du deine Söhne Räubereien ausführen?“ Als so die Leute sich zum zweiten und zum dritten Male beschwerten, bedrohte jenen der König mit dem Tode. Von Todesangst ergriffen bat er den König um eine Gnade und eröffnete ihm: „O Fürst, dies sind nicht meine Söhne, sondern es sind die Söhne des Upasāgara“; und er teilte ihm die ganze Geschichte mit. Voll Furcht fragte nun der König seine Minister: „Durch welches Mittel können wir ihrer Herr werden?“ Sie antworteten: „Hier sind zwei starke Kämpfer, Canura und Mutthika mit Namen. Wir wollen in der Stadt einen Kampf veranstalten, und wenn dann jene auf den Kampfplatz kommen, sie ergreifen und töten lassen.“ Sie schickten nach den zwei Kämpfern Canura und Mutthika und ließen in der Stadt mit Trommelschlag verkünden: „Am siebenten Tage von heute an wird ein Kampf stattfinden.“ Darauf ließen sie am Tore des königlichen Palastes eine Arena (einen Kampfkreis) herrichten und einen Kampfplatz für die Ringer herstellen. Die Arena ließen sie schmücken und Siegesfahnen anbringen. Die ganze Stadt war in Aufregung; man stellte Reihen an Reihen und Bank an Bank.

Nun begaben sich Canura und Mutthika auf den Kampfplatz; beständig sprangen sie umher, schrien und klappten mit den Fingern. Auch die zehn Brüder kamen, nachdem sie die Wäschergasse geplündert, sich dort in herrliche Gewänder gehüllt, aus Salbenläden wohlriechende Substanzen und aus den Kränzebinderläden Kränze geraubt hatten. So betraten sie den Kampfplatz, den Körper gesalbt, Kränze tragend, mit Ohrgehängen, hüpfend, schreiend und mit den Fingern klappend.

In diesem Augenblick ging gerade Canura umher und klappte mit den Fingern. Als ihn Baladeva sah, dachte er: „Ich werde ihn nicht mit der Hand berühren.“ Er holte aus dem Elefantenstalle ein großes Elefantenseil, warf es springend und schreiend aus, schlang es um den Leib des Canura, fügte die beiden Enden des Seiles zusammen, hob ihn empor, wirbelte ihn um seinen Kopf und schlug ihn auf den Boden; dann warf er ihn aus dem Kampfplatze heraus. Als Canura tot war, ließ der König den Mutthika herbeirufen. Dieser stand auf, sprang umher, schrie und klappte mit den Fingern. Da schlug ihn Baladeva und zerschmetterte ihm die Knochen. Als dieser immer rief: „Ich bin kein Ringer, ich bin kein Ringer“, sprach er: „Ich weiß nicht, ob du ein Ringer bist oder nicht“, nahm ihn an der Hand, warf ihn zu Boden und tötete ihn so; dann warf er auch ihn zum Kampfplatze hinaus. Als aber Mutthika starb, hatte er noch den Wunsch: „Ich will ein Dämon werden und diesen auffressen dürfen“; und wirklich wurde er als ein Dämon in dem Kalamatti-Walde wiedergeboren.

Jetzt erhob sich der König und rief: „Nehmt die zehn Sklavenbrüder gefangen!“ In diesem Augenblick warf Vasudeva sein Rad und dies zerschmetterte die Köpfe der beiden Brüder. Von Furcht ergriffen rief nun die Volksmenge: „Steht uns bei!“, und sie warfen sich zu den Füßen der Brüder zu Boden. Nachdem sie so ihre beiden Oheime getötet hatten, nahmen sie die Herrschaft in der Stadt Asitanjana in Besitz und brachten auch ihre Eltern dorthin.

Hierauf dachten die zehn Brüder: „Wir wollen auf dem ganzen Jambu-Erdteil die Herrschaft an uns reißen“, und sie verließen die Stadt. Allmählich gelangten sie nach der Stadt Ayojjha. Sie umlagerten die Stadt, hieben das dort befindliche Baumdickicht um, zerstörten die Mauer und nahmen den König gefangen.

Nachdem sie so dies Reich in ihre Gewalt gebracht hatten, zogen sie weiter nach Dvaravati. Auf der einen Seite dieser Stadt aber war das Meer, auf der andern ein Berg. Auch war sie von Dämonen bewacht. Wenn der Dämon, der zur Bewachung der Stadt aufgestellt war, Feinde sah, so stieß er, der das Aussehen eines Esels hatte, das Eselsgeschrei aus. In demselben Augenblick flog die ganze Stadt durch der Dämonen Wunderkraft in die Höhe und nahm in der Mitte des Meeres auf einer Insel ihren Stand; wenn dann die Feinde wieder abgezogen waren, kehrte sie zurück und nahm wieder ihren alten Platz ein.

Auch damals stieß der Esel, als er die Ankunft der zehn Brüder bemerkte, sein Eselsgeschrei aus; die Stadt flog in die Höhe und stellte sich auf die Insel. Als aber jene die Stadt nicht mehr sahen und umgekehrt waren, kam die Stadt wieder zurück und stand an ihrem Platze. Darauf kehrten jene nochmals um, aber wieder tat der Esel wie zuvor.

Als sie nun in der Stadt Dvaravati die Herrschaft nicht erobern konnten, gingen sie zu Kanhadipayana hin, begrüßten ihn ehrfurchtsvoll und sagten zu ihm: „Herr, wir können das Königreich von Dvaravati nicht einnehmen; sagt uns ein Mittel!“ Darauf sprach der Weise: „Oben auf der Stadtmauer weilt an der und der Stelle ein Esel; wenn dieser Feinde sieht, so schreit er und in demselben Augenblicke fliegt die Stadt in die Höhe und entfernt sich. Umfasset seine Füße; dies ist das Mittel für euren Erfolg!“ Darauf grüßten die zehn Brüder den Asketen, fielen dem Esel zu Füßen und baten ihn: „Herr, außer Euch haben wir keine Hilfe; schreit nicht, wenn wir die Stadt einnehmen.“ Der Esel antwortete: „Es ist mir unmöglich, nicht zu schreien. Kommt ihr aber zuerst und lasst vier Leute große eiserne Pflüge mitnehmen und an den vier Stadttoren große eiserne Pflöcke in den Boden schlagen. Wenn dann die Stadt in die Höhe fliegen will, so nehmet die Pflüge und bindet eine an den Pflügen befestigte eiserne Kette um die eisernen Pflöcke; dann wird die Stadt nicht in die Höhe fliegen können.“

Jene antworteten: „Gut“; ohne dass der Esel schrie, nahmen sie Pflüge mit sich, schlugen an den vier Stadttoren Pflöcke in die Erde und warteten. In diesem Augenblick schrie der Esel und die Stadt begann in die Höhe zu fliegen; da nahmen die an den vier Toren Stehenden die an den eisernen Pflügen befestigten eisernen Ketten und banden sie an den Pflöcken fest; so konnte die Stadt nicht in die Luft fliegen. Darauf drangen die zehn Brüder in die Stadt ein, töteten den König und nahmen die Herrschaft in Besitz.

Nachdem sie so auf dem ganzen Jambu-Erdteil in dreiundsechzigtausend Städten alle Könige mit dem Rade ums Leben gebracht hatten, blieben sie in Dvaravati wohnen, teilten ihr Reich in zehn Teile und verteilten sie untereinander. An ihre Schwester Anjanadevi aber dachten sie dabei nicht. Als darauf einer wieder vorschlug, sie sollten elf Teile machen, sagte Amkura: „Gebt ihr meinen Teil; ich will Handel treiben und damit meinen Unterhalt verdienen. Nur lasset mir ein jeder in seinem Lande die Steuern nach.“ Die Brüder willigten in den Vorschlag ein; sie gaben den Anteil von jenem ihrer Schwester Anjanadevi und die neun Könige blieben mit ihr in Dvaravati wohnen, Amkura aber trieb Handel. Während sie aber so allmählich mit Söhnen und Töchtern ausgestattet wurden, starben, während so die Zeit verging, ihre Eltern. Damals nämlich wurden die Menschen zwanzigtausend Jahre alt. Damals nun starb der einzige liebe Sohn des Großkönigs Vasudeva. Von Schmerz überwältigt vernachlässigte der König alle Geschäfte; er lag da, das Ende seiner Bettstelle umfasst haltend, und lallte nur vor sich hin. Da dachte der weise Ghata bei sich: „Außer mir ist niemand sonst im Stande, meinem Bruder seinen Schmerz zu nehmen; durch eine List will ich ihn von seinem Kummer befreien.“ Er zog sich an, als wenn er verrückt wäre, und ging in der ganzen Stadt umher, indem er nach dem Himmel emporschaute und immer rief: „Gebt mir einen Hasen, gebt mir einen Hasen.“ Die ganze Stadt wurde erregt bei der Kunde, der weise Ghata sei verrückt geworden. Darauf ging ein Minister namens Rohineyya zum König Vasudeva hin, und indem er das Gespräch mit ihm eröffnete, sprach er folgende erste Strophe:

„Erheb dich, Kanha, warum liegst du,
wozu bedarfst du jetzt des Schlafs?
Dein eigner Bruder, den du liebst
so wie dein Herz, dein rechtes Auge,
von dem ward irre der Verstand;
sinnlos spricht Ghata, Kesava.“

Um zu bemerken, dass jener nach diesen Worten des Ministers sich erhob, sprach der Meister, als er der völlig Erleuchtete war, folgende zweite Strophe:

Als Kesava das Wort vernommen,
das Rohineyya ihm gesagt,
da stand er voll Erregung auf,
von Schmerz bezwungen um den Bruder.

Der König stand auf, stieg rasch von seinem Palaste herab und ging zu seinem Bruder, dem weisen Ghata. Er ergriff ihn fest an beiden Händen und sprach ihn anredend folgende dritte Strophe:

„Was gehst du in ganz Dvaraka
einem Verrückten gleich umher
und lallst vor dich: ‚Ein Has', ein Hase?‘
Wer hat den Hasen dir genommen?“

Trotz dieser Worte des Königs aber sagte jener immer wieder dieselben Worte. Darauf sprach der König wieder folgende zwei Strophen:

„Aus Gold oder aus Edelsteinen,
aus Eisen oder auch aus Silber,
aus Muschelstein und aus Korallen
lass ich dir einen Hasen machen.

Es gibt ja andre Hasen noch
im Walde, die im Haine leben;
auch sie werd ich dir bringen lassen.
Was wünschst du denn für einen Hasen?“

Als der Weise diese Worte des Königs vernahm, sprach er folgende sechste Strophe:

„Fürwahr nicht diese meine ich,
die Hasen, die auf Erden leben;
vom Monde wünsche ich den Hasen,
den hol herab mir, Kesava.“

Da aber der König diese seine Rede hörte, dachte er: „Ohne Zweifel ist mein Bruder verrückt geworden“; und voll Missmut sprach er folgende siebente Strophe:

„Da wirst du, lieber Bruder mein,
dein süßes Leben lassen müssen,
weil Unerreichbares du wünschst
und von dem Mond begehrst den Hasen.“

Als der weise Ghata diese Worte des Königs vernahm, blieb er unbeweglich stehen und erwiderte: „O mein Bruder, du erkennst, dass wer vom Monde den Hasen begehrt, dies nicht erhalten kann und deshalb sterben muss; warum betrauerst du aber so sehr deinen gestorbenen Sohn?“ Und er sprach folgende achte Strophe:

„Wenn du dies, Kanha, selbst erkennst,
wie du es einen andern lehrst,
warum betrauerst du noch heute
den Sohn, der dir schon längst gestorben?“

Inmitten der Straße stehend fügte er hinzu: „Mein Bruder, ich begehre doch etwas, das existiert; du aber bist bekümmert wegen etwas, das nicht existiert.“ Und um ihm die Wahrheit zu erklären, sprach er folgende zwei Strophen:

„Was man von einem Menschen nicht,
noch von dem Gott erlangen kann,
‚nicht sterb' der Sohn, der mir geboren‘,
wie könnt' Unmögliches man haben?

Mit Sprüchen, mit heilsamen Wurzeln,
noch auch mit Kräutern oder Schätzen
kann, Kanha, man zurück dir bringen,
den als Verstorbnen du betrauerst.“

Als dies der König vernahm, antwortete er: „Etwas Rechtes hast du beabsichtigt, um mir den Schmerz zu nehmen, hast du dies getan!“ Und um den weisen Ghata zu preisen, sprach er folgende vier Strophen:

„Wem doch dergleichen Männer dienten,
solche Minister, solche Weisen,
wie heute dieser weise Ghata
Belehrung ließ zuteil mir werden.

Da ich vor Kummer brannt' wie Feuer,
in das man flüss'ge Butter schüttet,
hat er mir allen Schmerz genommen,
wie wenn er ihn mit Wasser löschte.

Befreit hat er mich von dem Schwert,
das tief mir in dem Herzen steckte,
er, der den Vaterschmerz mir nahm,
der mich bisher so ganz erfüllte.

Jetzt bin ich frei von meinem Kummer,
der Schmerz ist fort und ich bin heiter;
nicht traure ich und weine fürder,
da dein Wort ich vernommen, Jüngling.“

Die Schlussstrophe, die der völlig Erleuchtete sprach, aber lautet folgendermaßen:

So machen es die weisen Leute,
die Mitleid haben mit den andern;
sie nehmen allen Schmerz hinweg
wie Ghata seinem ältren Bruder.

So wurde Vasudeva durch den Prinzen Ghata von seinem Kummer befreit und übte wieder die Herrschaft aus.—Als aber eine lange Zeit vergangen war, dachten die Prinzen, die Söhne der zehn Brüder: „Von Kanhadipayana sagt man, er besitze göttliche Einsicht; wir wollen ihn einmal auf die Probe stellen.“ Sie schmückten einen zarten Jüngling, gaben ihm das Aussehen einer Schwangeren und banden vor seinen Leib ein Kopfkissen. Dann führten sie ihn zu dem Weisen hin und fragten: „Herr, was wird dieses Mädchen zur Welt bringen?“ Der Asket dachte: „Für die zehn Bruderkönige ist die Zeit des Untergangs gekommen; wie lange aber währt noch meine Lebensdauer?“ Während er dies betrachtete, bemerkte er: „Noch heute wird mein Tod erfolgen.“ Er fragte darauf die Prinzen: „Ihr Prinzen, wozu wollt ihr dies wissen?“ Als sie aber beständig in ihn drangen, er solle es sagen, sprach er: „Am siebenten Tage von jetzt an wird dieser einen Akazienknorren zur Welt bringen; dadurch wird des Vasudeva Familie zugrunde gehen. Ihr aber nehmt diesen Akazienknorren, verbrennt ihn und werft ihn in den Fluss!“ Da erwiderten ihm die Prinzen: „Du falscher Asket, es gibt doch keinen Mann, der etwas gebären kann“; und sie brachten ihn mit einem aus Fäden gedrehten Stricke ums Leben.

Die Könige ließen nun die Prinzen zu sich rufen und fragten sie: „Warum habt ihr den Asketen getötet?“ Als sie die ganze Angelegenheit vernahmen, fürchteten sie sich und gaben jenem Jünglinge eine Wache. Am siebenten Tage kam aus dessen Leibe ein Akazienknorren heraus; diesen verbrannten sie und warfen die Asche in den Fluss. Während diese aber auf dem Wasser dahin trieb, blieb sie bei dem vorderen Stadttore auf einer Seite hängen; aus ihr aber wuchs ein Eraka-Strauch hervor.

Eines Tages aber begaben sich die Könige, um sich im Meere zu erlustigen, nach dem vorderen Tore; sie ließen einen großen Pavillon errichten und aßen und tranken unter diesem geschmückten Pavillon. Beim Spiel aber entzweiten sie sich durch Stoßen mit Händen und Füßen und es entstand ein großer Streit. Da nun einer keine andere Hiebwaffe fand, nahm er von dem Eraka-Dickicht ein Eraka-Blatt; sobald er dies aber anfasste, verwandelte es sich in eine Keule aus Akazienholz und er schlug damit viele Leute. Auch all das, was die anderen erfassten, wurde zur Keule; sie schlugen einander damit und brachten sich so ums Leben.

Während diese so umkamen, bestiegen Vasudeva, Baladeva, ihre Schwester Anjanadevi und der Hauspriester, diese vier, einen Wagen und entflohen; die übrigen gingen alle zugrunde. Als aber diese vier aus dem Lande flohen, kamen sie in den Kalamattika-Wald. Der Ringer Mutthika, der jenen Wunsch geäußert hatte, war ein Dämon geworden und wohnte dort. Als er den Baladeva herankommen sah, erschuf er dort ein Dorf, nahm das Aussehen eines Ringers an, und indem er rief: „Wer wünscht zu kämpfen?“, ging er schreiend, springend und mit den Händen klappend umher. Als ihn Baladeva sah, sagte er: „Bruder, ich werde mit ihm kämpfen“; trotz der wiederholten Warnung von Seiten des Vasudeva stieg er vom Wagen herab, begab sich in die Nähe des Dämons und klappte auch mit den Fingern. Da erfasste ihn jener an der ausgestreckten Hand und fraß ihn auf wie eine Zwiebel.

Als Vasudeva den Tod seines Bruders bemerkte, fuhr er mit seiner Schwester und dem Hauspriester die ganze Nacht hindurch weiter und kam bei Sonnenaufgang an ein Grenzdorf. Mit den Worten: „Kochet Speise und bringt sie herbei“, schickte er seine Schwester und den Hauspriester in das Dorf hinein; er selbst legte sich in einem Gebüsch versteckt nieder. Es sah aber ein Jäger, Jara (= Alter) mit Namen, wie sich das Gebüsch bewegte; er dachte, es sei wohl ein Eber dort, und schleuderte seinen Speer, mit dem er ihn am Fuße verwundete. Als Vasudeva rief: „Wer hat mich verwundet?“, merkte jener, dass er einen Menschen getroffen habe, und fing aus Furcht an davonzulaufen. Der König aber kam wieder zur Besinnung, stand auf und rief ihm nach: „Onkel, fürchte dich nicht; komme her!“ Als jener herankam und vom König gefragt wurde, wie er heiße, antwortete er: „Herr, ich heiße Jara.“ Da dachte der König: „In früherer Zeit weissagte man mir: ‚Er wird von Jara getroffen sterben‘; ohne Zweifel muss ich heute sterben.“ Er sagte zu dem Jäger: „Onkel, fürchte dich nicht; komme her und verbinde mir die Wunde“; und nachdem ihm dieser die Öffnung der Wunde verbunden hatte, schickte er ihn fort. Da entstanden heftige Schmerzen und er konnte die von den anderen gebrachte Speise nicht verzehren. Darum sprach er zu ihnen: „Heute noch werde ich sterben. Ihr aber seid zart und könnt euch mit keiner andern Arbeit den Lebensunterhalt verdienen; lernet darum folgenden Spruch!“ Er ließ sie einen Zauberspruch lernen, dann entließ er sie und starb dort selbst. So stürzten alle ins Verderben außer Anjanadevi.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und noch hinzugefügt hatte: „O Laienbruder, so befreiten sie, nachdem sie die Worte von Weisen der Vorzeit vernommen, sich vom Kummer um ihren Sohn; sei unbekümmert!“, verkündigte er die Wahrheiten und verband (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener Laienbruder zur Frucht der Bekehrung) das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Rohineyya Ananda, Vasudeva war Sāriputta, die übrigen waren die Buddhaschar, der weise Ghata aber war ich.“

Ende der Erzählung von Ghata