Jātaka 479

Die Erzählung von Kalinga und dem Bodhi-Baum (Kalinga-Bodhi-Jātaka)

„König Kalinga, Weltbeherrscher“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die vom Thera Ananda ausgeführte Verehrung des großen Bodhi-Baumes.Als nämlich der Vollendete, um zu Bekehrende zu gewinnen, seine Wanderung durch das Land angetreten hatte, fanden die Bewohner von Savatthi, die mit wohlriechenden Substanzen und Kränzen in der Hand nach dem Jetavana kamen, keinen andern Ort, dem sie ihre Verehrung darbringen konnten; deshalb legten sie dieselben an der Türe von Buddhas duftendem Gemache nieder und entfernten sich wieder. Darüber entstand große Freude bei ihnen.—Als Anāthapindika davon erfuhr, ging er, nachdem der Vollendete wieder nach dem Jetavana zurückgekehrt war, zu dem Thera Ananda hin und sagte zu ihm: „Herr, wenn der Vollendete seine Wanderung angetreten hat, ist dieses Kloster verlassen. Es gibt dann keinen Ort, dem die Leute mit wohlriechenden Substanzen, Kränzen u. dgl. ihre Verehrung darbringen könnten. Gut wäre es, Herr, wenn Ihr dies dem Vollendeten mitteilen wolltet und dann erfahren würdet, ob es möglich ist, einen Ort zur Verehrung zu bestimmen, oder ob dies nicht möglich ist.“ Jener gab seine Zustimmung und fragte den Vollendeten: „Wie viele Arten von Monumenten gibt es, Herr?“ „Es gibt drei, Ananda“, war die Antwort. „Welche drei, Herr?“, fragte Ananda weiter. Der Meister erwiderte: „Die Monumente zu Ehren von körperlichen Reliquien, die zu Ehren von Gebrauchsgegenständen und die zur Erinnerung.“ „Kann man aber schon zu Euren Lebzeiten ein Monument errichten?“ Der Meister antwortete: „Ananda, ein Monument zur Verehrung einer Reliquie des Körpers kann man nicht errichten, das zur Erinnerung bestimmte aber ist gegenstandslos und beruht nur auf der Einbildung. Der große Bodhi-Baum aber, von dem die Buddhas Gebrauch gemacht haben, ist ein Monument zu ihren Lebzeiten, sowohl wie auch nach ihrem Eingang zum vollständigen Nirvana.“

Darauf versetzte Ananda: „Herr, wenn Ihr Eure Wanderung unternehmt, ist das große Jetavana-Kloster ohne Zuflucht; die Leute haben dann keinen Ort, den sie verehren könnten. Ich will einen Keim vom großen Bodhi-Baume herbeiholen und am Tore des Jetavana einpflanzen, Herr.“ „Gut“, erwiderte der Meister, „pflanze ihn ein; auf diese Weise wird es sein, als wäre das Jetavana mein ständiger Aufenthalt.“

Der Thera teilte dies Anāthapindika, Visakha und dem Könige mit, ließ am Tore des Jetavana an der Stelle, wo der Bodhi-Baum eingepflanzt werden sollte, eine Grube sorgfältig ausheben und sagte hierauf zu dem großen Thera Mogallana: „Herr, ich will am Tore des Jetavana einen Bodhi-Baum einpflanzen; bringe mir eine Frucht von dem großen Bodhi-Baume.“ Der Thera gab seine Zustimmung, flog durch die Luft nach dem Bodhi-Thron und nahm eine vom Stängel herabhängende Frucht, die noch nicht zu Boden gefallen war; diese steckte er in sein Obergewand und überbrachte sie jenem.

Der Thera Ananda benachrichtigte den König von Kosala: „Heute werde ich den Bodhi-Baum einpflanzen.“ Darauf kam der König zur Abendzeit, indem er von seinem großen Gefolge alle erforderlichen Hilfsmittel mitnehmen ließ; ebenso kamen auch Anāthapindika, Visakha und die übrigen Leute. Der Thera stellte nun an der Stelle, wo der große Bodhi-Baum eingepflanzt werden sollte, einen großen, goldenen Blumentopf auf, machte unten hinein ein Loch und füllte ihn mit wohlriechendem Mist; dann reichtet er dem Könige die Frucht und sagte: „Pflanze diese Bodhifrucht ein, o Großkönig!“ Dieser aber dachte: „Das Königtum verbleibt ja nicht die ganze Zeit in unsrer Hand; ich muss sie von Anāthapindika einpflanzen lassen“, und er legte die Frucht dem Anāthapindika in die Hand. Darauf entfernte Anāthapindika von der Stelle den duftenden Mist und legte sie hinein.

Sobald er sie aber mit seiner Hand losgelassen hatte, wuchs vor aller Augen ein Bodhi-Baum hervor, so dick wie ein Pflugkopf, fünfzig Ellen lang; von allen vier Seiten und von oben kamen fünf große Äste hervor, die auch fünfzig Ellen lang waren. So stand der Baum in einem Augenblicke da, als wäre er der älteste Baum im Walde geworden; es war ein großes Wunder.—Der König ließ mit achthundert goldenen und silbernen Töpfen, die mit duftendem Wasser gefüllt waren und je eine Handvoll blauen Lotos und ähnliche Blumen enthielten, den großen Bodhi-Baum umgeben. So stellte er diese Reihe gefüllter Wassertöpfe auf, ließ eine aus den sieben Arten der Kostbarkeiten bestehende Bank verfertigen, bestreute den Grund mit goldgemischtem Sande, umgab das Ganze mit einer Mauer und ließ daran einen aus den sieben Arten der Kostbarkeiten bestehenden Torerker errichten. Groß war die Ehrung.

Darauf ging der Thera zu dem Vollendeten hin und sagte zu ihm: „Herr, setzet Euch zu Füßen des von mir bepflanzten Bodhi-Baumes nieder und betätigt zum Nutz und Heil vieler Menschen die Vollendung, die Ihr auf dem Thron am großen Bodhi-Baume erreichtet.“ Der Meister antwortete: „Ananda, was sagst du da? Wenn ich die auf dem Throne am großen Bodhi-Baume erreichte Vollendung betätigen will und mich niedersetze, so kann mich kein anderer Ort tragen.“ Darauf versetzte Ananda: „Herr, so benützet zum Nutz und Heil vieler Menschen die Wurzel dieses Bodhi-Baumes zur Erreichung des Glückes der Vollendung, so weit es dieser Fleck Erde zu ertragen im Stande ist.“ Und der Meister benützte den Ort eine Nacht zur Erreichung des Glückes der Vollendung. Der Thera meldete dies dem König von Kosala und den anderen und veranstaltete das Bodhi-Fest. Der Baum aber wurde, weil er vom Thera Ananda gepflanzt war, der Ananda-Bodhi-Baum genannt.

Damals begannen die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der ehrwürdige Ananda hat noch bei Lebzeiten des Vollendeten den Bodhi-Baum einpflanzen lassen und ihm große Ehrung erwiesen. Ach, wie groß ist der Vorzug des Thera!“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch schon früher hat Ananda, von den Bewohnern der vier Erdteile umgeben, mit Leuten, die er viel wohlriechende Substanzen und Girlanden mitnehmen ließ, auf dem großen Bodhi-Thron ein Bodhi-Fest veranstaltet.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem führte im Königreiche Kalinga in der Stadt Dantapura der König Kalinga die Regierung. Er hatte zwei Söhne, der große Kalinga und der kleine Kalinga mit Namen. Von dem ältesten von ihnen sagten die Zeichendeuter aus, er werde nach seines Vaters Tode die Herrschaft führen, von dem jüngeren aber prophezeiten sie: „Dieser wird die Weltflucht der Weisen betätigen und sich Almosen suchen; sein Sohn aber wird ein weltbeherrschender König werden.“

In der Folgezeit wurde der ältere Sohn nach seines Vaters Tode König, der jüngere wurde Vizekönig. Dieser wurde wegen seines Sohnes sehr stolz, weil er dachte: „Mein Sohn wird ein Weltherrscher werden.“ Der König konnte dies nicht ertragen und schickte einen seiner Hofleute aus, er solle den kleinen Kalinga gefangen nehmen. Der Mann ging zu ihm hin und sagte: „Prinz, der König will dich gefangen nehmen lassen; schütze dein Leben.“ Darauf zeigte der Prinz seinen Siegelring, ein feines Gewand und sein Schwert, diese drei Dinge dem Minister, der im Auftrage des Königs gekommen war, und sagte zu ihm: „Auf diese Zeichen übertragt einst meinem Sohne die Herrschaft!“ Dann zog er in den Wald, erbaute sich an einem anmutigen Fleckchen Erde eine Einsiedelei und betätigte hier die Weltflucht der Weisen; seine Wohnung befand sich am Ufer eines Flusses.

Im Reiche Madda, in der Stadt Sagala, wurde dem König Madda eine Tochter geboren; auch von dieser weissagten die Zeichendeuter: „Diese wird sich Almosen sammeln und davon leben; ihr Sohn aber wird ein Weltherrscher werden.“ Als die Könige von ganz Indien diese Begebenheit vernahmen, kamen sie auf einen Schlag herbei und belagerten die Stadt. Da dachte der König Madda: „Wenn ich diese meine Tochter einem von ihnen gebe, werden die übrigen darüber zornig werden; ich werde meine Tochter behüten.“ Er nahm seine Tochter und seine Gattin mit sich und entfloh in unkenntlich machender Kleidung. Er zog in den Wald und erbaute sich flussaufwärts von der Einsiedelei des Prinzen Kalinga eine Einsiedelei. Hier betätigte er der Weisen Weltflucht und wohnte dort, indem er sich durch das Sammeln liegen gebliebener Ähren das Leben fristete. Um ihre Tochter zu beschützen, ließen sie die Eltern in der Einsiedelei und gingen selbst fort, um Waldfrüchte zu sammeln. Wenn aber diese sich entfernt hatten, nahm sie verschiedenartige Blumen und machte sich ein Blumengewinde daraus. Am Gangesufer stand ein schön blühender Mangobaum, der gewachsen war wie eine Reihe von aufeinander stehenden Stufen; diesen bestieg sie und warf im Spiel ihr Blumengewinde in das Wasser.

Eines Tages blieben die Blumen, als sie so dahin schwammen, am Haupte des Prinzen Kalinga hängen, als dieser gerade im Ganges badete. Er betrachtete das Gewinde und dachte: „Dies ist von einem Weibe gefertigt, und zwar nicht von einer alten Frau, sondern von einem jungen Mädchen. Ich werde sogleich nach ihm suchen.“ Und in Liebeslust ging er stromaufwärts. Da hörte er ihre Stimme, wie sie auf jenem Mangobäume sitzend mit süßer Stimme sang; er kam an den Fuß des Baumes heran, bemerkte sie und fragte: „Liebe, was bist du denn?“ Sie antwortete: „Ich bin ein Menschenweib, Herr.“ „So steige also herab!“ „Das kann ich nicht, Herr, ich bin eine Edle.“ „Liebe, auch ich bin ein Edler; steige herab!“ „Ich kann nicht, Herr. Nicht nur durch das Wort ist einer ein Edler; sondern wenn du ein Edler bist, so sage mir die mystischen Formeln der Edlen.“ Darauf sagten sie einander die mystischen Formeln der Edlen. Die Königstochter stieg herunter und sie vereinigten sich miteinander.

Als ihre Eltern zurückkamen, erzählte sie ihnen ausführlich, dass jener der Sohn des Königs von Kalinga und warum er in den Wald gegangen sei. Sie erteilten ihre Zustimmung und gaben ihm ihre Tochter. Als sie so in Liebe zusammen verkehrten, empfing die Königstochter und sie gebar nach Ablauf von zehn Monaten einen Sohn, der die Kennzeichen des Glückes und der Tugend an sich trug. Sie gaben ihm den Namen Kalinga. Als er herangewachsen war, gelangte er bei seinem Vater und seinem Großvater zur Vollendung in allen Künsten.

Es erkannte aber sein Vater aus der Konstellation, dass sein Bruder gestorben sei, und er sprach zu seinem Sohne: „Mein Sohn, bleibe nicht im Walde wohnen! Dein Oheim, der große Kalinga, ist gestorben; gehe nach Dantapura und nimm das deiner Familie gehörige Reich in Besitz!“ Sodann übergab er ihm den von ihm mitgebrachten Siegelring, das Gewand und das Schwert und fuhr fort: „Mein Sohn, in der Stadt Dantapura wohnt in der und der Straße ein uns wohl gesinnter Minister. Steige in dessen Hause in der Mitte seines Lagers herab, zeige ihm diese drei Dinge und verkünde ihm, dass du mein Sohn bist; er wird dich den Thron besteigen lassen.“ Mit diesen Worten entließ er ihn.

Der Jüngling grüßte seine Eltern und seine Großeltern; infolge seiner durch seine Tugend bewirkten Wunderkraft flog er durch die Luft dahin, stieg über dem Lager jenes Ministers aus der Luft herab, und als dieser ihn fragte, wer er sei, verkündete er ihm: „Ich bin der Sohn des kleinen Kalinga“, und zeigte ihm die drei Kostbarkeiten. Der Minister meldete es der Umgebung des Königs; die Minister ließen die Stadt schmücken und erhoben über ihn den Sonnenschirm. Darauf verkündete ihm der Hauspriester des Königs, Kalingabharadvaja mit Namen, die zehn Pflichten für einen Weltherrscher; jener aber erfüllte diese Pflichten. Am fünfzehnten Tage, dem Uposatha-Tage, kam hierauf zu ihm:

  • von Cakkadaha das kostbare Rad,
  • von der Uposatha-Familie der kostbare Elefant,
  • von der königlichen Familie der Valaha-Pferde das kostbare Ross,
  • von Vepulla die königlichen Kleinodien;

auch erschienen noch die weiteren königlichen Insignien:

  • die Gattin,
  • die Versammlung der Hausväter und
  • der Kronprinz.

Nachdem er so in dem gesamten Weltsystem die Herrschaft erlangt hatte, bestieg er eines Tages, umgeben von seinem Gefolge, das sich über zweiunddreißig Yojanas der Länge nach erstreckte, seinen ganz weißen Elefanten, der der Spitze des Kelasa-Berges glich, und zog im großen Glück seiner Herrlichkeit zu seinen Eltern. Sein Elefant aber war nicht im Stande, über den großen Bodhi-Thron hinwegzugehen, der für alle Buddhas der Siegersitz ist und der so zum Nabel der Erde wurde. Der König stachelte ihn immer wieder an, aber der Elefant konnte es nicht.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende erste Strophe:

König Kalinga, Weltbeherrscher,
welcher gerecht die Welt regierte,
der kam zum Bodhi-Baume hin
mit einem starken Elefanten.“

Da dachte der Hauspriester des Königs, der bei dem Könige war: „In der Luft ist kein Hindernis; warum kann also der König den Elefanten nicht vorwärts bringen? Ich will es untersuchen.“ Er stieg von oben herab und sah den großen Bodhi-Thron, den Siegersitz aller Buddhas, den Nabel der Erde. Damals nämlich befand sich dort auf der Stelle, die ein königliches Karisa maß, von Gras nicht so viel wie ein Hasenschnurrbart; sie war mit Sand von der Farbe einer silbernen Platte bedeckt. Auf allen Seiten umgaben die Gräser, die Sträucher und die Bäume sie nach rechts gedreht und standen dem Bodhi-Throne zugewendet.

Als der Brahmane diesen Fleck Erde betrachtete, dachte er bei sich: „Dies ist der Ort, wo alle Buddhas sämtliche Befleckung zerstört haben; auf seiner Oberfläche kann niemand gehen, von Gott Sakka selbst angefangen.“ Er ging zum Könige Kalinga hin, schilderte ihm die Herrlichkeit des Bodhi-Thrones und sagte zum König: „Steige herab vom Elefanten.“

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende Strophen:

Kalingabharadvaja sprach zum König
Kalinga, dem Asketensohne, vor dem
das Rad sich drehte, seine Hände faltend,
nachdem er es geprüft, folgende Worte:

„Großkönig, steig herunter, denn der Ort,
auf dem du stehst, von allen wird gepriesen;
denn hier erglänzten die Erleuchteten,
die Buddhas, denen nichts vergleichbar ist.

Nach rechts gewendet sind die Gräser alle
und auch die Sträucher hier an diesem Orte;
von unsrer großen Erd' ist dies die Mitte,
so haben wir gehört, du großer König.

Von unsrer Erde, die vom Meer umgeben,
die alle Lebewesen unterhält,
von dieser Erde ist dies hier die Mitte;
steige herab, bezeige ihr Verehrung.

Die Elefanten alle, die du hast,
sind edel von der Mutter und vom Vater,
und trotzdem alle deine Elefanten,
auf diese Stelle dürfen sie nicht treten.

Edel geboren ist dein Elefant;
du kannst ihn anstacheln, so viel du willst,
und trotzdem dieses Fleckchen Erde kann
von einem Elefanten nicht betreten werden.“

Da dies König Kalinga hörte, prüft' er
das Wort des Mannes, der die Zeichen kannte,
und trieb den Elefanten an: „Wir wollen
gleich sehen, ob das Wort ist wahr gesprochen.“

Vom König angetrieben tat 'nen Schrei
der Elefant gleich einem Muschelbläser;
doch konnte er nicht weiter und er setzte
sich nieder, nicht ertragend seine Last.

Als er aber immer wieder vom Könige gestachelt wurde, konnte er den Schmerz nicht ertragen und verendete. Der König jedoch merkte nicht, dass der Elefant tot war, und blieb auf ihm sitzen. Darauf sagte zu ihm Kalingabharadvaja: „O Großkönig, dein Elefant ist tot; besteige einen andern Elefanten.“

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende zehnte Strophe:

Als Kalingabharadvaja
sah, dass der Elefant verendet,
da redet' er König Kalinga
zitternd vor Schrecken also an:
„Besteig 'nen andern Elefanten,
tot ist dein Reittier, großer König.“

Durch die Wunderkraft der Tugend des Königs kam ein anderer Elefant aus der Uposatha-Familie herbei und bot ihm seinen Rücken dar. Der König setzte sich auf dessen Rücken. In demselben Augenblicke fiel der tote Elefant zur Erde.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende andere Strophe:

Als dies Kalinga hörte, er bestieg
voll Furcht ein andres Tier. Da dies geschehen,
der Elefant fiel tot zur Erde nieder;
wie jener klar gesprochen, so geschah 's.“

Darauf stieg der König aus der Luft herunter und betrachtete den Bodhisattva. Da er die wunderbare Erscheinung bemerkte, sprach er, um Bharadvaja zu preisen:

Kalinga sprach zu dem Brahmanen
Kalingabharadvaja dieses:
„Du nur allein bist ganz erleuchtet,
alles erkennend, alles sehend.“

Der Brahmane aber nahm dies Lob nicht an, sondern setzte sich auf eine niedrigere Stelle und erhob nur die Buddhas und pries sie.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende Strophen:

Aber Kalinga der Brahmane
nahm dieses Wort nicht an und sagte:
„Wir wissen nur, was gut zu deuten,
die Buddhas aber sind allwissend.

Allwissend und allsehend sind sie,
nicht deuten sie es aus den Zeichen.
Ich bin nur ein gelehrter Mann,
die Buddhas aber wissen alles.“

Als der König diese Buddhavorzüge vernahm, wurde er mit Freude erfüllt; er ließ von allen Bewohnern des ganzen Weltsystems viel wohlriechende Substanzen und Girlanden herbeibringen und brachte an dem großen Bodhi-Thron sieben Tage lang die Bodhi-Verehrung dar.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgendes Strophenpaar:

Ein Fest er feierte am Bodhi-Baume;
die Instrumente ließ er all ertönen,
Kränze, Parfüms und Salbe ließ er bringen,
den Ort umgab er dann mit einer Mauer;
dann zog der König seines Weges weiter.

An Blumen ließ herbei er bringen
der Wagen volle sechzigtausend.
So feierte König Kalinga
den allerhöchsten Bodhi-Thron.“

Nachdem er so dem großen Bodhi-Baume seine Verehrung erwiesen, zog er fort, nahm seine Eltern mit sich und kehrte nach Dantapura zurück. Hier verrichtete er gute Werke, wie Almosen Spenden u. dgl. und wurde darauf im Himmel der Dreiunddreißig wiedergeboren.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon vollzog Ananda die Verehrung des Bodhi-Baumes“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Kalinga Ananda, Kalingabharadvaja aber war ich.“

Ende der Erzählung von Kalinga und dem Bodhi-Baum