Jātaka 489

Die Erzählung von Suruci (Suruci-Jātaka)

„Ich Fürstin war die erste Gattin“

Dies erzählte der Meister, da er bei Savatthi im Palaste der Mutter des Migara verweilte, mit Beziehung auf die von der großen Laienschwester Visakha erlangten acht Wünsche. Als diese eines Tages im Jetavana die Predigt angehört hatte, lud sie den Erhabenen mit der Mönchsgemeinde für den nächsten Tag ein und entfernte sich dann. Nachdem aber diese Nacht vergangen war, strömte ein starker Regen herab, der sich auf die vier Erdteile erstreckte. Da sprach der Erhabene zu den Mönchen: „Wie es, ihr Mönche, im Jetavana regnet, so regnet es in den vier Erdteilen. Lasst, ihr Mönche, euren Leib beregnen; dies ist der letzte große Regen, der sich über die vier Erdteile ergißt.“ Nachdem sich aber die Mönche ihren Leib hatten beregnen lassen, verschwand er durch seine Wunderkraft mit ihnen aus dem Jetavana und erschien auf dem Torerker der Visakha.

Da dachte die Laienschwester: „Etwas Wunderbares fürwahr, etwas noch nicht da Gewesenes ist die große Wunderkraft und die große Macht des Vollendeten, da, obwohl doch die Wasserfluten bis zum Knie, ja bis zur Hüfte reichen, bei keinem einzigen Mönche die Füße oder die Gewänder nass sind.“ Hocherfreut und entzückt bewirtete sie die Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupt. Nachdem der Erhabene das Mahl beendet hatte, sprach sie zu ihm: „Gewisslich, Herr, bitte ich den Erhabenen um die Erfüllung von Wünschen.“ Er antwortete: „Die Vollendeten gehen noch über die Wünsche hinaus.“ Visakha fuhr fort: „Es sind nur solche, Herr, die passend sind und nicht sündhaft.“ „So sprich, Visakha!“, versetzte er.

Darauf sprach Visakha: „Ich wünsche, Herr, der Mönchsgemeinde, solange ich lebe, Gewänder für die Regenzeit geben zu dürfen, den Ankommenden Speise, den Abreisenden Speise, den Kranken Speise, den Krankenwärtern Speise, den Kranken Medizin, beständig Reisschleim spenden zu dürfen und den Nonnen Badegewänder.“ Buddha versetzte: „Welchen Beweggrund hast du aber im Auge, Visakha, dass du den Vollendeten um die Erfüllung dieser acht Wünsche bittest?“ Als Visakha die Vorteile dieser Wünsche auseinandergesetzt hatte, sagte der Meister: „Gut, gut, Visakha! Gut ist es, Visakha, dass du diesen Vorteil im Auge hast, wenn du den Vollendeten um die Erfüllung dieser acht Wünsche bittest.“ Mit den Worten: „Ich gestehe dir, Visakha, diese acht Wünsche zu“, gewährte er ihr die acht Wünsche; dann brachte er ihr seine Danksagung dar und entfernte sich wieder.

Als nun eines Tages der Meister im Pubbarama (4) verweilte, begannen die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, die große Laienschwester Visakha hat, obwohl sie nur ein Weib ist, von dem mit den zehn Kräften Ausgestatteten acht Wünsche bewilligt erhalten; ach, ein großer Vorzug!“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, erhielt Visakha von mir Wünsche bewilligt, sondern auch früher schon erhielt sie solche bewilligt.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem regierte zu Mithila ein König namens Suruci. Als dieser einen Sohn erhielt, gab er ihm den Namen Prinz Suruci. Als der Sohn herangewachsen war, zog er nach Takkasilā, um dort die Wissenschaften zu erlernen, und setzte sich, dort angekommen, am Stadttore in einer Halle nieder. Auch der Sohn des Königs von Benares, Prinz Brahmadatta mit Namen, kam dorthin und nahm Platz auf derselben Bank, auf der auch der Prinz Suruci saß. Sie fragten einander aus und freundeten sich an. Zusammen gingen sie zu einem Lehrer, gaben diesem das Lehrgeld und erlernten bei ihm die Wissenschaften. Als sie darin die Vollendung erreicht hatten, verabschiedeten sie sich von ihrem Lehrer und zogen kurze Zeit zusammen des Weges. Als sie aber an die Kreuzung der Wege kamen, umarmten sie einander und trafen, um die Freundschaftstugend zu bewahren, folgende Verabredung: „Wenn mir ein Sohn geboren wird und dir eine Tochter, oder dir ein Sohn und mir eine Tochter, so werden wir sie miteinander vermählen.“

Als sie nun die Herrschaft führten, wurde dem Großkönig Suruci ein Sohn geboren, dem man den Namen Prinz Suruci gab. Dem Brahmadatta aber wurde eine Tochter geboren, die den Namen Sumedha erhielt. Als der Prinz Suruci herangewachsen war, ging er nach Takkasilā, erlernte dort die Wissenschaften und kehrte wieder nach Hause zurück. Da ihm aber sein Vater die Weihe erteilen wollte, dachte er: „Mein Freund, der König von Benares, hat eine Tochter; diese werde ich zu seiner ersten Gemahlin machen.“ Und um ihretwillen schickte er Minister nach Benares, denen er reiche Geschenke mitgab.

Als diese noch nicht dorthin gekommen waren, fragte einmal der König von Benares die Königin: „Liebe, was ist für eine Frau ein besonders großes Übel?“ Sie antwortete: „Der Hass der Nebenbuhlerin ist ein solches Übel, o Fürst.“ Darauf versetzte er: „Darum, Liebe, um unsere einzige Tochter, die Fürstin Sumedha, von diesem Übel zu befreien, werden wir sie nur dem geben, der sie allein zum Weibe nimmt.“ Als nun die Minister kamen und ihren Namen nannten, sagte der König: „Ihr Lieben, gern habe ich schon früher meinem Freunde meine Tochter zugesagt. Ich wünsche sie aber nicht in eine Menge anderer Frauen hineinzuwerfen; wer sie zur einzigen Frau nimmt, dem wollen wir sie geben.“

Darauf schickten die Gesandten ihrem Könige Botschaft. Der König sprach: „Unser Reich ist groß; sieben Yojanas umfasst die Stadt Mithila und dreihundert Yojanas umfassen die Grenzen des Reiches. Zum mindesten sechzehntausend Frauen muss er haben“; und es gefiel ihm nicht. Als aber der Prinz Suruci von Sumedhas Schönheitsfülle hörte, wurde er schon durch das bloße Anhören gefesselt und er schickte seinen Eltern folgenden Bescheid: „Ich werde sie allein zur Frau nehmen. Ich verlange nicht nach einer Menge von Frauen; sie sollen sie nur herbeibringen.“ Da seine Eltern seinen Sinn nicht ändern konnten, schickten sie ihr viele Schätze und ließen sie mit großer Pracht herbeiholen; sie machten sie zur ersten Gemahlin des Prinzen und erteilten ihnen zusammen die Weihe. So wurde er der Großkönig Suruci und führte in Gerechtigkeit die Herrschaft; mit seiner Gattin wohnte er in Liebe zusammen.

Während sie aber zehntausend Jahre in seinem Hause weilte, bekam sie keinen Sohn und auch keine Tochter. Da versammelten sich die Stadtbewohner und machten Lärm im Hofe des königlichen Palastes. Als der König sie fragte, was sie wollten, sagten sie: „Eine andere Schuld liegt nicht vor; Ihr habt aber keinen Sohn, der Euren Stamm fortpflanzt. Ihr habt nur eine einzige Gattin; eine Königsfamilie muss wenigstens sechzehntausend Frauen besitzen. Nimm eine Menge Frauen, Fürst; eine tugendhafte wird einen Sohn bekommen.“ Der König aber erwiderte: „Ihr Lieben, was redet ihr da? Ich habe meine Gattin geheiratet mit dem Zugeständnis, dass ich keine andere zur Frau nehmen würde. Ich kann doch nicht lügen; mich verlangt nicht nach einer Menge von Weibern.“ So vom Könige zurückgewiesen entfernten sie sich.

Als Sumedha diese Begebenheit erfuhr, dachte sie: „Der König nimmt sich nur aus Liebe zur Wahrheit keine anderen Frauen; ich selbst werde sie ihm zuführen.“ Und indem sie zugleich als Gattin an die Stelle seiner Mutter trat, führte sie ihm nach ihrem Gefallen tausend Mädchen von Edlen, tausend Mädchen von Hofleuten, tausend Mädchen von Hausvätern und tausend Tänzerinnen aller Art zu, im ganzen viertausend Frauen. Aber obwohl auch diese zehntausend Jahre im Hause des Königs weilten, bekamen sie weder einen Sohn noch eine Tochter. Auf dieselbe Weise führte ihm die Königin noch dreimal andere viertausend Frauen zu; aber auch diese bekamen keinen Sohn und keine Tochter. So brachte man ihm im ganzen sechzehntausend Frauen. Vierzigtausend Jahre verstrichen darüber; mit den zehntausend aber, die er mit der Königin allein verlebt hatte, waren es fünfzigtausend Jahre.

Da versammelten sich abermals die Stadtbewohner und machten Lärm. Als der König sie fragte, was sie wollten, sagten sie ihm: „O Fürst, befehlet Euren Frauen, sich einen Sohn zu wünschen.“ Der König gab mit dem Worte: „Gut“, seine Zustimmung und sagte: „Ihr Lieben, wünscht euch einen Sohn!“ Von da an verehrten sie, indem sie sich einen Sohn wünschten, mancherlei Gottheiten und führten mancherlei Gelübde aus; aber ein Sohn kam immer noch nicht. Da sprach der König auch zu Sumedha: „Liebe, wünsche dir einen Sohn!“ Sie willigte ein; am fünfzehnten Tage des Monats, dem Uposatha-Feste, betätigte sie die aus acht Teilen bestehenden Uposatha-Bestimmungen und setzte sich in ihrem fürstlichen Schlafgemach auf ein prächtiges Bett, indem sie über die Tugenden nachdachte. Von Sumedhas Tugendglanze aber erzitterte der Thron Sakkas. Sakka sann darüber nach und dachte: „Sumedha wünscht einen Sohn; wir werden ihr einen Sohn schenken. Man kann ihr aber nicht den oder jenen geben; ich werde einen zu ihr passenden Sohn heraussuchen.“ Indem er nun umhersuchte, sah er den Göttersohn Nalakara. Dieser nämlich war ein mit Tugend erfülltes Wesen, das in seiner letzten Existenz zu Benares gewohnt hatte. Als er einmal zur Saatzeit auf das Feld ging, sah er einen Paccekabuddha. Seine Sklaven und Arbeiter schickte er fort mit dem Auftrag zu säen; er selbst kehrte um, führte den Paccekabuddha in sein Haus und bewirtete ihn hier. Dann führte er ihn wieder zum Ufer des Ganges und erbaute ihm zusammen mit seinem Sohne ein Fundament von Feigenbäumen und darauf eine Laubhütte, die eine Mauer aus Rohr hatte; er brachte eine Tür daran an, errichtete einen Wandelgang und ließ den Paccekabuddha drei Monate dort wohnen. Als dieser dann dort die Regenzeit verbracht hatte, bekleideten ihn die beiden, Vater und Sohn, mit den drei Gewändern und ließen ihn so ziehen. Auf dieselbe Art ließen sie sieben Paccekabuddhas in dieser Laubhütte wohnen und gaben ihnen die drei Gewänder.—Die beiden, Vater und Sohn, waren Rohrflechter. Als sie am Gangesufer nach Rohr suchten, sahen sie einen Paccekabuddha und taten so; so erzählt man auch.—Nachdem sie gestorben waren, wurden sie im Himmel der dreiunddreißig Götter wiedergeboren und wandelten auf und nieder in den sechs Freudenhimmeln, indem sie sich großer Götterherrlichkeit erfreuten. Sie wollten aber, wenn sie dort stürben, in einer oberen Götterwelt wiedergeboren werden.

Da Sakka seine Existenz als die des Vollendeten erkannte, ging er an die Tür der Wohnung des einen von ihnen. Als dieser herbeikam und ihm seine Ehrfurcht bezeigte, sagte er zu ihm: „Ehrwürdiger, du sollst in die Menschenwelt gehen.“ Dieser aber erwiderte: „O Großkönig, die Menschenwelt ist Ekel erregend und widerwärtig. Wer dort lebt, verrichtet gute Werke wie Almosen Geben u. dgl. und strebt damit nach der Götterwelt; wenn ich dorthin komme, was soll ich da tun?“ Sakka antwortete: „Ehrwürdiger, das dir in der Götterwelt bestimmte Glück wirst du in der Menschenwelt genießen; in einem fünfundzwanzig Yojanas hohen Edelsteinpalaste wirst du wohnen. Gib deine Zustimmung!“ Und jener gab seine Zustimmung.

Als Sakka seine Einwilligung erhalten, ging er, einem Asketen gleichend, in den Park des Königs, zeigte sich dort den Frauen, wie er über ihnen in der Luft dahinwandelte, und sagte: „Welcher soll ich ihren Wunsch nach einem Sohne gewähren, welche soll ihren Wunsch nach einem Sohne erfüllt bekommen?“ Sie riefen alle: „Herr, gib ihn mir, gib ihn mir“, und erhoben tausend Hände. Darauf sprach er weiter: „Ich gebe nur Tugendhaften einen Sohn; wer unter euch hat Tugend und reinen Wandel?“ Da senkten sie ihre erhobenen Hände und sagten: „Wenn du ihn einer Tugendhaften geben willst, so gehe zu Sumedha hin!“

Darauf flog er durch die Luft nach ihrer Wohnung und stellte sich in das Fenster. Man meldete ihr aber: „Geht, Fürstin, ein Götterkönig ist durch die Luft herangekommen, um Euch den Wunsch nach einem Sohne zu erfüllen, und steht bei Eurem Fenster!“

Die Königin kam mit großer Ehrfurcht herbei, öffnete das Fenster und fragte: „Ist es wahr, Herr, dass Ihr einer Tugendhaften ihren Wunsch nach einem Sohne erfüllt?“ „Ja, ich erfülle ihn“, war die Antwort. „Darum erfüllt mir diesen Wunsch“, fuhr die Königin fort. Der Gott fragte hierauf: „Was ist aber deine Tugend? Verkündige sie! Wenn sie mir gefällt, werde ich dir deinen Wunsch gewähren.“ Als sie diese seine Worte vernahm, sagte sie: „Höre also“; und um den Vorzug ihrer Tugend zu schildern, sprach sie die folgenden fünfzehn Strophen:

„Ich Fürstin war die erste Gattin,
die König Ruci heimgeführt;
zehntausend Jahre waren es,
dass ich Surucis Gattin war.

Doch ich gedenke nicht, Brahmane,
dass ich den König von Videha,
der die Stadt Mithila besitzt,
den Suruci betrogen habe
mit Taten, Worten und Gedanken,
sei 's öffentlich, sei 's im Geheimen.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.

Der Vater meines lieben Gatten,
die Mutter auch meines Gemahls,
von ihnen ließ ich leiten mich,
solang sie lebten, o Brahmane.

Am Nichtverletzen hab ich Freude
und gern betät'ge ich die Tugend;
mit großem Eifer dient' ich ihnen
bei Nacht und Tage unermüdlich.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.

Von Frauen volle sechzehntausend
sind mit mir Gattinnen, Brahmane;
doch niemals habe ich empfunden
Hass oder Eifersucht für sie.

An ihrem Glück erfreu ich mich
und keine ist mir unbeliebt;
wie mit mir selbst so hab ich Mitleid
mit allen meinen Nebenfrauen.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.

Die Sklaven, Diener und Aufwärter,
die andern auch, die um mich leben,
behandle ich in rechter Weise
und zeige immer Freundlichkeit.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.

Asketen und Brahmanen auch
sowie die andern armen Bettler
sättige ich mit Trank und Speise,
die Hände immer wohl gereinigt.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.

Den vierzehnten, den fünfzehnten,
den achten Tag der Monatshälfte,
auch das außergewöhnliche,
mit acht Vorschriften wohl versehne
Uposatha begehe ich;
immer halt ich die fünf Gebote.

Durch dieses Wort der Wahrheit, Weiser,
mög' mir ein Sohn geboren werden;
doch wenn ich unwahr hab gesprochen,
zerspring' mein Haupt in sieben Teile.“

Wenn sie so auch mit hundert oder mit tausend Strophen ihre Tugenden geschildert hätte, wäre noch kein Ende da gewesen; aber als sie mit diesen fünfzehn Strophen ihre Tugend geschildert hatte, unterbrach Sakka, weil er noch viel zu tun hatte, ihre Rede, und indem er sie lobte: „Zahlreich und noch nicht da gewesen sind deine Tugenden“, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Die Vorzüge der Tugend alle,
du ruhmerfüllte Königstochter,
sind ja bei dir vorhanden, Liebe,
die du selbst hast an dir gerühmt.

Ein Khattiya von edler Abkunft,
reinen Geschlechts, mit Ruhm erfüllt,
ein Tugendkönig von Videha:
das wird dein Sohn, den du erhältst.“

Als die Königin seine Worte vernommen, sprach sie voll Entzücken, um ihn zu fragen, folgende zwei Strophen:

„Schmierig, mit Staub und Schmutz bedeckt
stehst du hoch oben in der Luft;
doch angenehm sind deine Worte,
sie dringen mir ins Herz hinein.

Bist eine Gottheit du vom Himmel
oder ein wundermächt'ger Weiser?
Wer bist du, der zu mir gekommen?
Lasse mich wissen, wer du bist!“

Um es ihr mitzuteilen, sprach der Gott folgende sechs Strophen:

„Den alle Götterscharen preisen,
wenn sie in Sudhammā versammelt,
Sakka der Tausendäugige
bin ich, der ich zu dir gekommen.

Wenn eine Frau hier auf der Erde
gerechten Wandel immer führt,
verständig ist und tugendhaft,
die Pflicht erfüllt der Schwiegermutter,

zu einer solchen wohlverständ'gen,
in Reinheit nur lebenden Frau
die Götter kommen sie zu schauen,
zum ird'schen Weib die Überird'schen.

Du, Liebe, bist durch guten Wandel,
durch deine frühren guten Taten
im Königshause hier geboren,
hast die Vollendung aller Freuden.

Einen Gewinn hast du errungen
nach beiden Seiten, Königstochter;
du kommst einst in die Götterwelt
und bist geehrt in diesem Leben.

Noch lange mögest du, du Weise,
im Glück die Tugend dir bewahren.
Jetzt gehe ich nach Tidiva
zurück; lieb war mir 's, dich zu schauen.“

Nachdem er hinzugefügt: „In der Götterwelt habe ich etwas zu tun, darum gehe ich fort. Strebe du ohne Unterlass!“, und ihr so noch eine Ermahnung gegeben hatte, entfernte er sich.—

Der Gott Najakara aber verschwand zur Zeit der Morgendämmerung aus dem Himmel und nahm in ihrem Schoße seine Wiedergeburt. Sie merkte es und teilte es dem Könige mit. Der König ließ ihr die Feier der Empfängnis zuteil werden. Nach Ablauf von zehn Monaten gebar sie einen Sohn, dem man den Namen Mahapanada gab. Da warfen die Bewohner der beiden Reiche mit den Worten: „Gebieter, dies ist Milchgeld für den Sohn“, jeder ein Kahapana in den Hof des Königspalastes und es entstand ein großer Haufen Geld. Und obwohl sie vom Könige zurückgewiesen wurden, sagten sie: „Gebieter, wenn dein Sohn herangewachsen ist, wird es ein Lohn für ihn sein“, und sie gingen fort, ohne das Geld wieder mitzunehmen.

Nachdem der Prinz mit großer Ehrung aufgezogen und herangewachsen war, gelangte er im Alter von sechzehn Jahren zur Vollendung in allen Künsten. Der König aber betrachtete das Alter seines Sohnes und sprach zu seiner Gemahlin: „Liebe, wenn ich meinen Sohn zum Könige weihen will, wollen wir ihm einen Palast erbauen und ihm dann die Weihe erteilen.“ Sie stimmte zu. Darauf ließ der König die Lehrer der Geheimnisse der Baukunst zu sich rufen und sagte zu ihnen: „Ihr Lieben, nehmt einen Baumeister und lasst unweit von unserer Wohnung einen Palast für meinen Sohn erbauen; wir wollen ihn zum König weihen.“ Jene erwiderten „Gut“, und untersuchten den Platz.

In diesem Augenblicke wurde Sakkas Sitz heiß. Als er die Ursache davon bemerkte, sprach er zu Vissakamma: „Gehe, Lieber, und errichte für den Prinzen Mahapanada einen Edelsteinpalast, ein halbes Yojana lang und breit und fünfundzwanzig Yojanas hoch.“ Mit diesen Worten schickte er ihn fort. Jener ging wie ein Zimmermann gekleidet zu den Zimmerleuten hin und sagte ihnen: „Gehet und verzehret das Frühmahl!“ Nachdem er sie so weggeschickt, schlug er mit seinem Stabe auf die Erde und sofort erhob sich ein Palast von den obengenannten Eigenschaften mit sieben Stockwerken.

Nun wurden drei Feste für Mahapanada zusammen gefeiert, das Palastfest, das Sonnenschirmfest und das Hochzeitsfest. An dem Festorte versammelten sich die Bewohner der beiden Reiche und verbrachten mit der Festfeier sieben Jahre. Der König schickte sie nicht nach Hause; alle ihre Gewänder und Schmucksachen, alle feste und flüssige Speise wurde aus dem Eigentum der Königsfamilie bestritten.

Nachdem sieben Jahre verflossen waren, murrten sie, und als sie der Großkönig Suruci fragte, was der Grund sei, sagten sie: „O Großkönig, sieben Jahre sind vergangen, während wir das Fest begehen; wann wird das Fest sein Ende erreichen?“ Der König erwiderte: „Ihr Lieben, mein Sohn hat die ganze Zeit über noch nicht gelacht; wenn er lacht, dann könnt ihr gehen.“ Darauf ließ eine große Volksmenge die Trommel in der Stadt herumgehen, dass die Gaukler sich versammeln sollen. Tausend Gaukler kamen zusammen; sie trieben ihr Spiel in sieben Abteilungen geteilt. Den König aber konnten sie nicht zum Lachen bringen; denn weil dieser die himmlischen Gaukler gesehen hatte, gefiel ihm ihr Spiel nicht.

Darauf versprachen zwei geschickte Gaukler, Bhandukanna und Pandukanna mit Namen, sie würden den König zum Lachen bringen. Zuerst machte Bhandukanna am Tore des königlichen Palastes einen großen Mangobaum mit Namen Atula (= „unvergleichlich“), warf ein Knäuel Schnur hinauf, dass es an einem Aste hängen blieb, und erkletterte an der Schnur den Atula-Mangobaum. Der Atula-Mangobaum war aber auch der Vessavana-Mangobaum. Daher ergriffen ihn die Diener des Vessavana, zerhieben ihn in große und kleine Stücke und warfen ihn herunter. Die übrigen Gaukler legten diese Stücke wieder zusammen und besprengten sie. Darauf kam er wieder zum Leben, oben und unten mit einem Blumengewande bekleidet, und trieb sein Spiel weiter. Aber auch als dies Mahapanada sah, lachte er nicht darüber.—Jetzt ließ der Gaukler Pandukanna im Hofe des königlichen Palastes einen Scheiterhaufen errichten und ging mit seinem Gefolge in das Feuer hinein. Als dieses ausgebrannt war, besprengte man den Haufen mit Wasser. Darauf kam jener mit seinem Gefolge wieder daraus hervor, mit einem Blumenkleid als Ober- und Untergewand, und trieb sein Spiel weiter. Aber auch als dies der König sah, lachte er nicht.

Da aber die Leute ihn so nicht zum Lachen bringen konnten, wurden sie betrübt. Als Sakka dies wahrnahm, schickte er einen göttlichen Gaukler fort mit dem Auftrage: „Gehe, Lieber, bringe den Mahapanada zum Lachen und komme dann wieder!“ Jener kam herbei und zeigte in der Luft stehend das sogenannte Halbschauspiel; eine Hand, ein Fuß, ein Auge, eine Zahnreihe war es, womit er tanzte, die er bewegte und rollte; das übrige war unbeweglich. Als dies Mahapanada sah, lächelte er ein wenig. Die Volksmenge aber konnte vor lauter Lachen dies lächerliche Schauspiel nicht ertragen; sie verlor die Besinnung und die Herrschaft über ihre Glieder und fiel im Königshofe zu Boden. Jetzt war das Fest zu Ende.

Das übrige

„Panada, so hieß dieser König,
von reinem Gold war sein Palast“,

ist im Mahapanada-Jātaka zu schildern.—Nachdem aber der König Mahapanada gute Werke geübt hatte wie Almosen Geben u. dgl., gelangte er am Ende seines Lebens in die Götterwelt.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, hat Visakha auch früher schon einen Wunsch von mir erfüllt erhalten“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Mahapanada Bhaddaji, die Königin Sumedha war Visakha, Vissakamma war Ananda, Gott Sakka aber war ich.“

Ende der Erzählung von Suruci