Jātaka 49

Die Erzählung von der Konstellation (Nakkhatta-Jātaka)

„Wer nach dem Stand der Sterne“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen nackten Asketen. Eine Tochter von guter Familie zu Savatthi nämlich hatte ein Mann von guter Familie auf dem Lande für seinen Sohn zur Gattin erwählt und mit den Worten: „An dem und dem Tage werden wir sie heimführen“, den Tag bestimmt. Als nun dieser Tag kam, fragte er einen zu seiner Familie gehörigen nackten Asketen: „Herr, heute werden wir ein Fest feiern; ist die Konstellation Glück bringend?“ Dieser aber dachte: „Dieser hat mich zuerst nicht gefragt und den Tag festgesetzt; jetzt aber fragt er mich. Gut, ich will ihn lehren.“ Und zornig sprach er: „Heute ist die Konstellation nicht Glück bringend. Feiert heute nicht das Fest; wenn ihr es feiern werdet, wird ein großes Unglück entstehen.“

Die Leute in dieser Familie glaubten ihm und gingen an diesem Tage nicht in die Stadt. Die Stadtbewohner aber hatten alle Vorbereitungen zum Feste getroffen; und als sie merkten, dass jene nicht kamen, dachten sie: „Sie haben für heute den Tag bestimmt und kommen nicht, wir aber haben uns viel Ausgaben und Arbeit gemacht. Was gehen sie uns an? Wir werden unsere Tochter einem andern geben.“ Und sie gaben mit dem vorbereiteten Prunke die Tochter einem anderen.—Am nächsten Tage kamen die anderen und sagten: „Gebt uns das Mädchen.“ Da zankten sie die Bewohner von Savatthi mit folgenden Worten: „Ihr Hausväter vom Lande seid schlechte Menschen: ihr habt den Tag für die Wegführung festgesetzt und seid nicht gekommen. Kehret nur zurück auf dem Wege, den ihr gekommen seid; wir haben das Mädchen anderen gegeben.“ Da stritten sich jene mit ihnen herum und kehrten dann zurück, wie sie gekommen waren.

Unter den Mönchen wurde es aber bekannt, dass dieser nackte Asket jene in ihrer Festfeier gehindert hatte. Als nun die Mönche sich in der Lehrhalle versammelt hatten, setzten sie sich nieder, indem sie sich erzählten: „Freund, von dem nackten Asketen ist die Festfeier der Familie gehindert worden.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Erzählung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Sie sagten: „Zu der und der“, und erzählten es. Darauf sprach der Meister: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, hat dieser nackte Asket die Familie an der Festfeier gehindert, sondern auch schon früher hat er aus Zorn ihre Festfeier verhindert“; und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, wählten die Stadtbewohner eine Tochter der Landbewohner aus, bestimmten den Tag (der Vermählung) und fragten dann einen zu ihrer Familie gehörigen nackten Asketen: „Herr, heute haben wir ein großes Fest; ist die Konstellation Glück bringend?“ Er aber dachte: „Diese haben nach ihrem Gefallen den Tag festgesetzt und fragen mich jetzt erst“; und zornig überlegte er: „Ich will ihnen heute ein Hindernis für ihr Fest bereiten“, und sprach: „Heute ist die Konstellation nicht Glück bringend; wenn ihr es tut, kommt ihr in großes Unglück.“ Sie glaubten ihm und gingen nicht hin. Als aber die Landbewohner ihr Nichtkommen merkten, dachten sie: „Obwohl diese den heutigen Tag bestimmt haben, kommen sie doch nicht; was gehen sie uns an?“ Und sie gaben ihre Tochter einem anderen.—Am nächsten Tage kamen die Stadtbewohner und verlangten das Mädchen. Da sprachen die Landbewohner: „Ihr Stadtbewohner seid Hausväter, die die Scham ganz abgelegt haben; ihr habt einen Tag festgesetzt und das Mädchen doch nicht geholt. Darum haben wir es einem anderen gegeben, weil ihr nicht kamet.“ Die anderen erwiderten: „Wir haben einen nackten Asketen gefragt; und weil er sagte, die Konstellation sei nicht Glück bringend, sind wir nicht gekommen. Gebt uns das Mädchen.“ Doch jene versetzten: „Weil ihr nicht kamet, haben wir sie einem anderen gegeben; nachdem aber das Mädchen hergegeben ist, wie können wir es jetzt zurückholen?“—

Während sie so miteinander stritten, kam ein weiser Mann, der in der Stadt wohnte, wegen eines Geschäftes auf das Land. Als dieser nun hörte, wie die Stadtbewohner sagten: „Wir haben einen nackten Asketen gefragt und sind wegen der Ungunst der Konstellation nicht gekommen“, sprach er: „Was braucht es eine Konstellation? Ist nicht das Erhalten des Mädchens selbst eine günstige Konstellation?“ Und darauf sagte er folgende Strophe:

„Wer nach dem Stand der Sterne schaut,
den Toren lässt das Glück im Stich.
Das Glück ist selbst des Glückes Stern;
was können die Gestirne tun?“

Nachdem aber die Stadtbewohner gestritten und doch das Mädchen nicht erhalten hatten, gingen sie fort.

Nachdem der Meister mit den Worten: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, hat dieser nackte Asket die Familie an der Festfeier gehindert, sondern auch schon früher tat er so“, diese Lehrunterweisung beendigt hatte, stellte er die gegenseitigen Beziehungen klar und verband das Jātaka mit folgenden Worten: „Der damalige nackte Asket war auch der jetzige nackte Asket, die Familien von damals waren dieselben wie jetzt; der weise Mann aber, der die Strophe sagte, war ich.“

Ende der Erzählung von der Konstellation