Jātaka 506

Die Erzählung von Campeyya (Campeyya-Jātaka)

„Wer scheint hier glänzend wie der Blitz“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Beobachtung der Uposatha-Bestimmungen.—Nachdem aber damals der Meister gesagt hatte: „Gut habt ihr getan, ihr Laienbrüder, dass ihr die Uposatha-Pflichten beobachtet. In der Vorzeit gaben Weise die Macht der Nagas auf und hielten die Uposatha-Bestimmungen“, erzählte er auf ihre Bitte folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem im Königreiche Anga der König Anga und im Reiche Magadha der König Magadha regierten, befand sich zwischen den Reichen von Anga und Magadha ein Fluss namens Campa. Dort war ein Wohnort der Nagas und der Naga-König Campeyya herrschte über sie. Manchmal nahm der König von Magadha das Reich Anga ein, manchmal der König von Anga das Reich Magadha.

Eines Tages nun, nachdem der König von Magadha mit dem Könige von Anga gekämpft hatte, wurde er besiegt. Er bestieg sein Pferd und entfloh. Als er von den Kriegern des Königs von Anga verfolgt wurde, kam er an den angeschwollenen Campa-Fluss; er dachte: „Besser als der Tod von fremder Hand ist es, in den Fluss hineinzustürzen und dort zu sterben.“ Und er stieg mit seinem Pferde in den Fluss hinein. Damals hatte sich der Naga-König Campeyya im Wasser einen Edelsteinpavillon erschaffen und trank dort Wasser, von einem großen Gefolge umgeben. Das Ross aber sank mit dem Könige unter und kam vor den Naga-König zu stehen. Als der Naga-König den prächtig geschmückten König sah, wurde er von Zuneigung erfüllt; er erhob sich von seinem Sitze und sagte: „Fürchte dich nicht, o Großkönig!“ Hierauf ließ er ihn auf seinem eigenen Polster Platz nehmen und fragte ihn nach der Veranlassung seines Versinkens. Der König erzählte, wie es sich ereignet hatte. Darauf tröstete ihn jener mit den Worten: „Fürchte dich nicht, o Großkönig; ich werde dich zum Herren zweier Königreiche machen.“ Nachdem er ihm sieben Tage lang große Ehrung hatte zuteil werden lassen, verließ er am siebenten Tage mit dem Könige von Magadha die Naga-Behausung. Durch die übernatürliche Macht des Naga-Königs nahm der König von Magadha den König von Anga gefangen, beraubte ihn des Lebens und herrschte fortan in den beiden Königreichen.

Von da an bestand zwischen dem Könige und dem Naga-Fürsten innige Freundschaft; jedes Jahr ließ der König am Ufer des Campa-Flusses einen Edelsteinpavillon errichten und brachte mit großen Aufwendungen dem Naga-Könige Opfer dar. Dieser kam dann mit großem Gefolge aus der Naga-Behausung hervor und nahm die Opfergaben an; viel Volks betrachtete die Glücksfülle des Naga-Königs.

Damals hatte der Bodhisattva in einer armen Familie seine Wiedergeburt genommen und war mit dem Gefolge des Königs nach dem Flussufer gegangen. Als er diese Herrlichkeit des Naga-Königs gewahrte, bekam er Begierde danach. Da er nach ihr verlangte, gab er Almosen und beobachtete die Gebote; dafür starb er am siebenten Tage nach dem Tode des Naga-Königs Campeyya und wurde in dessen Wohnpalast auf seinem fürstlichen Bette wiedergeboren. Sein Leib war groß und hatte das Aussehen einer Jasmingirlande.

Als er dies sah, machte er sich Vorwürfe und dachte: „Infolge der Wirkung der von mir getanen guten Werke besaß ich die Herrschaft über die sechs Freudenhimmel, wie Korn, das im Speicher aufbewahrt ist; und nun habe ich in diesem Tiergeschlechte die Wiedergeburt genommen. Was soll mir das Leben?“ Und er machte sich Todesgedanken. Es sah ihn aber ein junges Naga-Mädchen und dachte: „Der großmächtige Gott Sakka wird hier seine Wiedergeburt genommen haben.“ Es gab den anderen Naga-Mädchen einen Wink; darauf kamen sie alle mit verschiedenen Instrumenten in der Hand herbei und dienten ihm. Seine Naga-Behausung aber glich dem Palaste Sakkas. Seine Todesgedanken hörten auf, er verließ den Schlangenkörper und setzte sich mit allem Schmuck geziert auf sein Lager.

Von da an besaß er großen Ruhm. Während er aber die Herrschaft über die Nagas führte, machte er sich in der Folgezeit wieder Vorwürfe und er dachte: „Was soll mir diese Tierexistenz? Ich will die Uposatha-Bestimmungen betätigen, dadurch von hier loskommen und in das Bereich der Menschen gelangen; hier werde ich dann die Wahrheiten erkennen und dem Leiden ein Ziel setzen.“ Von da an betätigte er immer in seinem Palaste die Uposatha-Bestimmungen; doch kamen die reich geschmückten Naga-Mädchen zu ihm und umso mehr ging seine Tugend verloren. Von da an verließ er immer seinen Palast und ging in seinen Park; aber auch dorthin kamen jene und sein Uposatha-Gelübde wurde wieder gebrochen.

Da dachte er: „Ich muss von hier von meiner Naga-Behausung fortgehen, mich in die Menschenwelt begeben und dort die Uposatha-Bestimmungen betätigen.“ Und von da an verließ er an den Uposatha-Tagen seine Naga-Behausung und betätigte das Uposatha, indem er unweit von einem Grenzdorfe in der Nähe der Heerstraße sich oben auf einen Ameisenhaufen legte und, während er dachte: „Wer nach meiner Haut oder dergl. begehrt, soll meine Haut usw. erhalten, oder wer mich zu einer abgerichteten Schlange machen will, der soll mich nur dazu machen“, seinen Körper als Geschenk ausbreitete und die Haube einzog.

Als die Leute, die auf der Heerstraße kamen und gingen, ihn sahen, brachten sie ihm mit wohlriechenden Substanzen u. dgl. ihre Verehrung dar und gingen dann weiter; die Bewohner des Grenzdorfes aber dachten: „Es ist ein Naga-König von großer Macht“, und errichteten über ihm einen Pavillon, streuten ringsherum Sand und ehrten ihn mit wohlriechenden Substanzen u. dgl. Von da an brachten die Menschen voll Vertrauen dem Bodhisattva ihre Verehrung dar und wünschten sich dabei einen Sohn. Wenn aber das große Wesen das Uposatha betätigte, legte es sich stets am vierzehnten und fünfzehnten Tage des Monats auf den Ameisenhaufen und kehrte dann regelmäßig wieder in seine Naga-Behausung zurück. Während es so das Uposatha betätigte, verstrich eine geraume Zeit.

Eines Tages sprach seine erste Gemahlin Sumana zu ihm: „O Fürst, du gehst in die Menschenwelt und betätigst dort das Uposatha; die Menschenwelt aber ist voll Gefahren und voll Angst. Wenn du in Not kämest, an welchem Zeichen wir dies merken könnten, das verkündige mir!“ Darauf führte sie das große Wesen an das Ufer des königlichen Lotosteiches und sagte: „Liebe, wenn mich einer schlägt und verwundet, so wird in diesem Teiche das Wasser trübe werden; wenn mich die Supannas ergreifen, wird hier das Wasser verschwinden; wenn mich aber ein Schlangenbändiger fängt, so wird das Wasser blutfarbig werden.“

Nachdem es ihr so diese drei Kennzeichen mitgeteilt, verließ es, um das Uposatha am vierzehnten Monatstage zu betätigen, seine Naga-Behausung, ging dorthin und legte sich oben auf den Ameisenhaufen, indem es durch den Glanz seines Körpers den ganzen Ameisenhaufen bestrahlte. Denn sein Körper war glänzend weiß wie eine Silbergirlande, sein Haupt aber glich einem Ball roter Gewänder. In diesem Jātaka hatte der Körper des Bodhisattva etwa die Größe einer Pflugdeichsel, im Bhuridatta-Jātaka (Jātaka 543) aber die Größe eines Schenkels und im Samkhapala-Jātaka (Jātaka 524) die Größe eines Lastschiffes.—

Damals war ein zu Benares wohnender junger Brahmane nach Takkasilā gegangen und hatte dort bei einem weltberühmten Lehrer den Zauberspruch für alle Sinnesobjekte erlernt. Als er auf jenem Wege nach Hause ging, sah er das große Wesen und dachte: „Wenn ich diese Schlange fange und sie in Dörfern, Flecken und Residenzen tanzen lasse, werde ich mir viel Geld verschaffen.“ Er nahm geweihte Heilmittel und ging auf jene zu, indem er seinen göttlichen Zauberspruch dazu hersagte.

Sobald das große Wesen den göttlichen Zauberspruch vernahm, war es ihm, als wären glühende Splitter in sein Ohr eingedrungen und als würde ihm sein Haupt mit einem Dolche geritzt. Indem es dachte: „Wer ist denn dies?“, hob es sein Haupt aus seinen Windungen hervor und schaute auf; da sah es den Schlangenbändiger und dachte bei sich: „Mein Gift ist gewaltig. Wenn ich voll Zorn den Hauch meiner Nase gegen ihn entsenden werde, so wird sein Körper wie eine Handvoll Spreu zerstreut werden. Damit aber würde ich mein Uposatha-Gelübde brechen; darum werde ich ihn nicht anschauen.“ Es drückte die Augen zu und steckte seinen Kopf wieder zwischen die Windungen seines Körpers hinein.

Nachdem aber der Schlangenbändiger-Brahmane sein Gift gekaut und seinen Zauberspruch hergesagt hatte, spie er seinen Speichel auf den Körper des großen Wesens. Durch die Kraft des Giftes aber und des Zauberspruches erhoben sich an allen Stellen, die der Speichel berührte, Geschwüre. Darauf packte er es am Schwanze, zog es aus und legte es der Länge nach hin; mit einem Stocke aus Ziegenfuß presste er es nieder. Nachdem er es so schwach gemacht hatte, fasste er es am Kopfe und drückte diesen nieder. Das große Wesen öffnete seinen Mund; da spie jener Speichel in seinen Mund, indem er das Gift und den Zauberspruch anwandte, und zerbrach ihm dadurch die Zähne. Der Mund aber füllte sich mit Blut. Aus Furcht, seine Gebote zu brechen, jedoch hielt das große Wesen auch diesen Schmerz aus, drückte die Augen zu und schaute jenen nicht einmal an.

Jener aber dachte: „Ich werde den Naga-König schwach machen“; und er presste vom Schwanze an seinen ganzen Körper zusammen, als wollte er ihm die Knochen zu Staub zerschmettern. Hierauf rollte er es wie ein Kleid zusammen, rieb es wie einen Faden, packte es am Schwanze und walkte es, wie man ein Kleid walkt.—Der ganze Körper des großen Wesens war mit Blut befleckt; es hielt aber auch diesen großen Schmerz aus.

Als nun jener merkte, dass die Schlange schwach geworden war, machte er einen Korb aus Schlingpflanzen, warf sie da hinein und nahm sie so mit in das Grenzdorf, wo er sie inmitten einer großen Volksmenge tanzen ließ. In blauer und in anderen Farben, in runden, viereckigen und anderen Formen, in kleinen und großen Maßen: wie es immer der Brahmane wünschte, so tat das große Wesen und tanzte; hundert- und tausendmal streckte es seine Haube aus. Die Volksmenge war darüber hocherfreut und gab jenem viel Geld dafür; an einem einzigen Tage erhielt er tausend Kahapanas und dazu noch Gegenstände im Werte von weiteren tausend.

Nun hatte der Brahmane im Anfang gedacht: „Wenn ich tausend Geldstücke erhalten habe, werde ich sie loslassen.“ Als er aber soviel Geld bekommen hatte, dachte er: „Nachdem ich schon in diesem Grenzdorfe soviel Geld erhielt, werde ich beim Könige und seinen Großen und Ministern erst recht viel bekommen.“ Er nahm einen Lastwagen und einen bequemen Reisewagen, legte die erhaltenen Gegenstände auf den Lastwagen, setzte sich selbst auf den bequemen Reisewagen und fuhr mit großem Gefolge weiter, indem er das große Wesen in den Dörfern und Flecken tanzen ließ und dabei dachte: „Wenn ich es zu Benares bei dem König Uggasena habe tanzen lassen, werde ich es loslassen.“—Er tötete auch Frösche und gab sie dem Naga-Könige. Dieser aber wies sie immer zurück, indem er dachte: „Er soll sie nicht um meinetwillen töten.“ Darauf gab ihm jener Honigkörner. Aber das große Wesen dachte: „Wenn ich das Futter annehme, werde ich in diesem Korbe sterben müssen“, und es verzehrte auch diese nicht.

Nach Ablauf eines Monats kam der Brahmane nach Benares, ließ die Schlange in den Dörfern vor den Toren der Stadt tanzen und bekam dafür viel Geld. Auch der König ließ ihn rufen und sagte zu ihm: „Lass sie vor uns tanzen.“ „Gut, o Fürst“, erwiderte der Brahmane, „morgen am fünfzehnten werde ich sie vor Euch tanzen lassen.“ Darauf ließ der König durch Trommelschlag bekannt machen: „Morgen wird der Schlangenkönig im Hofe des königlichen Palastes tanzen; viel Volk soll sich versammeln und zuschauen.“ Am nächsten Tage ließ er den Hof des Palastes reich schmücken und rief den Brahmanen herbei. Dieser brachte in einem Edelsteinkorb das große Wesen herbei, stellte den Korb auf eine bunte Decke und setzte sich nieder. Der König stieg von seinem Palaste herab und ließ sich, von einer großen Menge umgeben, auf seinem Königssitze nieder. Darauf holte der Brahmane das große Wesen hervor und ließ es tanzen. Da konnten die vielen Leute nicht ihre Fassung bewahren; Tausende von Gewändern flogen in der Luft umher und auf den Bodhisattva ergoss sich ein Regen, bestehend aus den sieben Arten der Kostbarkeiten.—Es war aber gerade ein Monat voll geworden, seitdem er gefangen worden war; diese ganze Zeit hindurch war er ohne Nahrung geblieben.

Da dachte Sumana: „Allzu lange bleibt mein lieber Gemahl aus; jetzt ist, seitdem er nicht zurückkehrte, ein ganzer Monat verflossen. Was ist daran schuld?“ Sie ging nach dem Lotosteich und blickte ihn an; da sah sie, dass das Wasser blutfarbig war, und sie erkannte: „Er wird von einem Schlangenbändiger gefangen worden sein.“ Sie verließ ihre Naga-Behausung, ging in die Nähe jenes Ameisenhaufens hin und sah die Stelle, wo das große Wesen gefangen und wo es verwundet worden war. Da weinte sie, ging nach dem Grenzdorfe und erfuhr auf ihre Frage die Begebenheit. Darauf begab sie sich nach Benares und stellte sich im Hofe des königlichen Palastes inmitten der Versammlung weinend in die Luft.

Als das große Wesen beim Tanzen in die Luft emporblickte, sah es sie, schlüpfte voll Scham in seinen Korb und legte sich dort nieder. Als es in den Korb geschlüpft war, dachte der König: „Was ist wohl daran schuld?“, und blickte überall umher. Da sah er jene in der Luft stehen und sprach folgende erste Strophe:

„Wer scheint hier glänzend wie der Blitz
und wie der helle Morgenstern?
Ist 's eine Göttin oder Fee?
Nicht scheint sie mir ein menschlich Weib.“

Jetzt folgen die Strophen ihrer Rede und Gegenrede:

„Nicht Göttin bin ich oder Fee,
auch nicht ein menschlich Weib, o König;
ein Naga-Mädchen bin ich, Herr,
aus gutem Grund hierher gekommen.“

„Verwirrt ist dir der Geist, ängstlich der Sinn,
aus deinen Augen strömen Tränen nieder.
Was hast verloren du und was begehrst du,
dass du hierher kommst, Weib? Das sage mir.“

„Den man die furchtbar feur'ge Schlange nennt,
den Naga nennet ihn das Volk, o Fürst,
den fing ein Mann, um Geld sich zu erwerben.
Mach ihn von Banden frei; er ist mein Gatte.“

„Wie konnte aber dieser stark an Kraft
sich in die Hand von diesem Bettler geben?
Verkündige mir dies, du Naga-Mädchen,
dass wir erkennen, wie er fing den Naga.“

„Die ganze Stadt könnt' er zu Asche machen,
so ist von Kraft und Stärke voll der Naga.
Doch nur nach Tugend strebt der Naga-König;
drum übt Askese er voll ernsten Eifers.“

Der König fragte nun: „Wie hat ihn aber dieser gefangen?“ Darauf sprach jene, um ihm dies zu verkündigen, folgende Strophe:

„Den vierzehnten und fünfzehnten, o König,
verbringt der Naga-Fürst am Kreuzweg fastend;
da fing der Mann ihn, nach dem Geld begierig.
Mach ihn von Banden frei; er ist mein Gatte.“

Nach diesen Worten aber sprach sie mit erneuter Bitte folgende zwei Strophen:

„Von Weibern volle sechzehntausend,
geschmückt mit Perlenohrgehängen,
die in des Wassers Tiefe wohnen,
auch sie nehmen zu dir die Zuflucht.

Gerecht befreie ihn, ohne Gewalt,
mit einem Dorf, mit Gold und hundert Kühen.
Mit freiem Körper gehe fort die Schlange;
wer Gutes tun will, mach sie frei von Banden.“

Darauf sprach der König zu ihr folgende drei Strophen:

„Gerecht befrei ich ihn, ohne Gewalt,
mit einem Dorf und Gold und hundert Kühen.
Mit freiem Körper gehe fort die Schlange;
wer Gutes tun will, mach sie frei von Banden.

Ich geb dir hundert Nikkhas, Jäger,
und große Edelsteinohrringe
und einen Diwan mit vier Sitzen,
der wie des Flachses Blüten glänzt,

auch zwei entsprechende Gattinnen
und einen Stier und hundert Kühe.
Mit freiem Körper gehe fort die Schlange;
wer Gutes tun will, mach sie frei von Banden.“

Der Jäger entgegnete ihm:

„Nach deinem Wort, o Fürst, auch ohne Gaben
will ich die Schlange hier befrei'n von Banden.
Mit freiem Körper gehe fort die Schlange;
wer Gutes tun will, mach sie frei von Banden.“

Nachdem er aber so gesprochen hatte, holte er das große Wesen aus dem Korbe hervor. Der Naga-König kam daraus hervor und schlüpfte in die Blumen hinein; hier veränderte er sein Aussehen und stand da, einem jungen Brahmanen gleichend, mit reich geschmücktem Körper, als hätte er die Erde durchbrochen und wäre daraus hervorgekommen. Sumana stieg aus der Luft herab und stellte sich neben ihn. Der Naga-König aber stand da, indem er mit gefalteten Händen dem Könige seine Verehrung bezeigte.

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister folgende zwei Strophen:

Befreit sprach nun Campeyyaka
der Naga so den König an:
„Verehrung dir, du Kasi-König,
Verehrung dir, du Mehrer Kasis!
Die Hände falte ich zu dir;
ich möcht' dir meine Wohnung zeigen.“

„Mit Recht nennt dieses man ein schlecht Vertrauen,
wenn einem Dämonwesen traut ein Mensch;
doch wenn du mich um diese Gnade bittest,
so will ich, Naga, deine Wohnung sehen.“

Um ihn zum Vertrauen zu veranlassen, schwor das große Wesen einen Eid und sprach dabei folgende zwei Strophen:

„Wenn auch der Wind den Berg könnt' mit sich reißen
und Mond und Sonne auf die Erde fielen,
wenn alle Flüsse auch stromaufwärts flössen,
würd' ich doch, König, keine Lüge sagen.

Einstürzt der Himmel und das Meer vertrocknet,
die Mutter Erde könnt' herum sich drehen,
der hohe Meru sich vom Grund erheben,
doch ich kann, König, keine Lüge sagen.“

Trotz dieser Worte des großen Wesens aber sprach ungläubig der König:

„Mit Recht nennt dieses man ein schlecht Vertrauen,
wenn einem Dämonwesen traut der Mensch.
Und wenn du mich um diese Gnade bittest,
so will ich, Naga, deine Wohnung sehen.“

Nachdem er jedoch abermals diese Strophe gesprochen, fügte der König bei: „Du darfst dich erkenntlich zeigen wegen der von mir erwiesenen Wohltat; ob es aber recht von mir ist, dir zu vertrauen oder nicht, das werde ich allein erkennen.“ Und indem er dies verkündete, sprach er folgende weitere Strophe:

„Ihr seid dort groß an Kraft, habt starkes Gift,
hell glänzt ihr und seid rasch bereit zum Zorn;
der du durch uns von Banden wurdest frei,
du darfst für unser Tun erkenntlich sein.“

Um ihn aber zum Vertrauen zu bewegen, schwor das große Wesen noch einen Eid und sprach folgende Strophe:

„Schrecklich zu sehn soll in der Hölle braten
und keine körperliche Freud empfinden,
im Korb gefesselt soll den Tod erleiden,
wer eine solche Wohltat nicht erkennt.“

Jetzt glaubte ihm der König und pries ihn folgendermaßen:

„Dies sei von dir ein wahres Zugeständnis,
sei frei von Zorn, vom Hasse halt dich fern;
und deine ganze Naga-Sippe sollen
Supannas fliehn wie Feuer in der Hitze.“

Auch das große Wesen brachte dem König seine Lobpreisung dar und sprach folgende weitere Strophe:

„Des Naga-Stamms erbarmst du dich, o Fürst,
wie eine Mutter ihres lieben Sohnes.
Auch ich werde mit meinem Naga-Stamm
dir große Dienste dafür dann erweisen.“

Als dies der König hörte, bekam er Lust, die Naga-Behausung zu sehen, und indem er befahl, sein Heer reisefertig zu machen, sprach er folgende Strophe:

„An meinen schönsten Königswagen
soll man Kambodscha-Pferde schirren, wohl gezähmte,
die Elefanten auch mit goldnem Halfter;
aufsuchen wollen wir des Naga Wohnung.“

Die folgende Strophe sprach der völlig Erleuchtete:

Pauken und Trommeln, Tamburins und Muscheln
nahm man für König Uggasena mit.
Und es zog fort der König hell erglänzend,
umgeben von der Frauen schönster Schar.

Sobald aber dieser die Stadt verlassen hatte, machte das große Wesen durch seine Wunderkraft in der Naga-Behausung eine aus allen Arten der Kostbarkeiten bestehende Mauer und sehenswerte Tortürme; den Weg zur Naga-Behausung aber stattete er mit allem Schmuck aus. Nachdem der König mit seinem Gefolge auf diesem Wege in die Naga-Behausung eingezogen war, sah er den reizenden Platz und die Paläste.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister;

Den Boden dicht mit Gold bestreut
sah hier der Kasi-Reichsvermehrer,
auch die Paläste ganz von Gold,
bedeckt mit Platten von Korallen.

Und den Palast betrat der König,
des Naga Campeyya Behausung,
die wie der Sonne Pracht erglänzte
und die von Goldesblitzen strahlte.

Bestanden mit verschiednen Bäumen,
besprengt mit manchen Wohlgerüchen
die Wohnung des Campeyya war,
die jetzt betrat der Kasi-König.

Doch als in Campeyyas Behausung
der Kasi-König eingetreten,
ertönte himmlische Musik
und es tanzten die Naga-Mädchen.

Befriedigt stieg der König zum Palaste
hinan, der von der Mädchen Schar belebt war;
er setzt' sich nieder auf die goldne Bank
mit Lehnen, die mit Sandel war beträufelt.

Sobald er sich dort niedergelassen hatte, legte man ihm göttliche Speise von verschiedenartigem höchstem Wohlgeschmacke vor, ebenso auch seinen sechzehntausend Frauen und der übrigen Versammlung. Nachdem er sieben Tage lang mit seinem Gefolge göttliche Speise und göttlichen Trank genossen und sich an den göttlichen Freuden ergötzt hatte, pries er, behaglich auf seinem Sitze lagernd, die Herrlichkeit des großen Wesens und fragte: „O Naga-König, warum hast du eine solche Glücksfülle verlassen und in der Menschenwelt das Uposatha gehalten, indem du dich oben auf einen Ameisenhaufen legtest?“ Jener aber erzählte es ihm.

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:

Nachdem er hier gegessen und genossen,
da sprach der Kasi-König zu Campeyya:
„Wie herrlich ist doch hier die Wohnung dein;
sie leuchtet wie der Sonne helle Strahlen.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus welchem Grund, Naga, treibst du Askese?

Sie tragen Gold und Erz und schöne Kleider,
die Finger rund, rosig die Füß' und Hände,
so bieten sie den Trank, in Schönheit strahlend.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus weichem Grund, Naga, treibst du Askese?

Still sind die Flüsse mit vielschupp'gen Fischen,
belebt von wilden Vögeln, reich an Furten.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus welchem Grund, Naga, treibst du Askese?

Reiher und Pfauen und himmlisch schöne Schwäne,
schön singende Kuckucke fliegen hier.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus welchem Grund, Naga, treibst du Askese?

Mangos und Salas, Tilakas und Jambus,
Uddalakas, Patalis blühen hier.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus welchem Grund, Naga, treibst du Askese?

Und auf den Lotosteichen überall
beständig wehen da himmlische Düfte.
Nichts Ähnliches gibt 's in der Welt der Menschen;
aus welchem Grund, Naga, treibst du Askese?“

„Nicht um des Sohns, nicht um des Geldes willen,
auch hohen Alters wegen nicht, o Fürst;
da ich nach menschlicher Geburt mich sehne,
darum betreib voll Eifer ich Askese.“

Nach diesen Worten sprach der König:

„Mit roten Augen, Strahlen von dir sendend,
geschmückt und wohl geordnet Haar und Bart
und wohl besprengt mit rotem Sandelpulver
erstrahlst du weithin wie ein Götterkönig.

Göttliche Wunderkraft hast du, bist groß von Macht,
von allen Lüsten bist du rings umgeben.
Ich muss dich dieses fragen, Naga-König:
warum ist Menschenwelt besser als dies?“

Indem er es ihm verkündete, sprach der Naga-König:

„O Völkerfürst, nur in der Menschenwelt
findet man Reinheit und die Selbstbezähmung;
und wenn ich die Geburt als Mensch erhalten,
werd' ich Geburt und Tod zu Ende bringen.“

Als dies der König hörte, sprach er:

„Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren,
die Hochgelehrten, die gar viel ersinnen.
Da ich die Frauen sah und dich, o Naga,
will ich auch gute Werke tun in Menge.“

Der Naga-König aber erwiderte ihm:

„Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren,
die Hochgelehrten, die gar viel ersinnen.
Da du die Frauen sahst und mich, o König,
so tue gute Werke auch in Menge.“—

Nach diesen Worten bekam Uggasena Lust fortzugehen und er verabschiedete sich, indem er sagte: „O Naga-König, schon lange haben wir hier geweilt; wir wollen gehen.“ Da sagte zu ihm das große Wesen: „Darum, o Großkönig, nimm dir hier Schätze, so viel du willst“; und indem es ihm die Schätze zeigte, sprach es:

„Hier dieses viele Gold ist mein Besitz,
ein Haufen groß wie eine Fächerpalme;
nimm dir davon und mach ein Haus voll Gold
und mache dir von Silber eine Mauer.

Fünftausend Wagen voll von Perlen soll man
von hier mitnehmen, vermischt mit Korallen;
in dem Palaste soll man damit decken
den Boden, dass er frei vom Schmutze werde.

Und diesen herrlichen Palast bewohne,
du bester König, der weithin erstrahlt,
die Stadt Benares auch, die glücklich aufblüht,
und herrsche weiter, Mann von hoher Weisheit.“

Als der König dessen Worte vernommen hatte, nahm er das Geschenk an. Darauf ließ das große Wesen in der Naga-Behausung durch Trommelschlag verkünden: „Alle Leute des Königs sollen nach Herzenslust sich Gold und andere Schätze nehmen“, und schickte auch dem König viele hundert Wagen voll von Schätzen. Sodann verließ der König unter großer Ehrung die Naga-Behausung und kehrte nach Benares zurück. Von da an aber wurde die Fläche des Jambu-Erdteils reich an Gold.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So gaben die Weisen der Vorzeit ihre Naga-Herrlichkeit auf und beobachteten das Uposatha“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der Schlangenbändiger Devadatta, Sumana war die Mutter Rāhulas, Uggasena war Sāriputta, der Naga-König Campeyya aber war ich.“

Ende der Erzählung von Campeyya