Jātaka 513

Die Erzählung von dem Feindebesieger (Jayaddisa-Jātaka)

„Seit langer Zeit fürwahr“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch, der seine Mutter ernährte.

Die Begebenheit aus der Gegenwart gleicht der im Sāma-Jātaka (Jātaka 540) erzählten.

Damals aber sprach der Meister: „Die Weisen der Vorzeit gaben den mit goldenen Girlanden geschmückten weißen Sonnenschirm auf und ernährten ihre Eltern.“ Darauf erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem lebte im Königreiche Kampilla in der Stadt Uttarapancala ein König namens Pañcāla. Dessen erste Gemahlin empfing und gebar einen Sohn. Dieser hatte in ihrer früheren Existenz eine Nebenbuhlerin gezürnt und den Wunsch empfunden: „Ich will im Stande sein, das von dir Geborene aufzufressen“; so war sie eine Dämonin geworden. Als sie nun damals Gelegenheit dazu erhielt, erfasste sie vor den Augen der Königin den Prinzen, der das Aussehen eines frischen Stückes Fleisch hatte, fraß ihn schmatzend auf und entfernte sich dann wieder.

Beim zweiten Male tat sie wieder so. Als aber die Königin zum dritten Male in das Gebärhaus ging, umstellte man das Haus und gab ihm eine starke Wache. Am Tage des Gebärens kam wieder die Dämonin und ergriff abermals den Knaben. Die Fürstin schrie laut: „Die Dämonin!“ Darauf kamen die Männer mit Waffen herbei und verfolgten auf das von der Fürstin gegebene Zeichen die Dämonin. Da diese so keine Gelegenheit fand, das Kind aufzufressen, entfloh sie und entwich in einen Wasserabzugskanal. Der Knabe dachte, es sei seine Mutter, und fasste ihre Brust mit seinem Munde; dadurch wurde sie mit Mutterliebe zu ihm erfüllt. Sie begab sich nach einem Leichenfelde, verbrachte den Knaben in eine Steinhöhle und zog ihn dort auf.

Als er allmählich heranwuchs, brachte sie ihm Menschenfleisch und gab es ihm; so wohnten die beiden dort und nährten sich von Menschenfleisch. Der Knabe wusste nicht, dass er ein Mensch war, sondern er dachte, er sei der Sohn der Dämonin; doch konnte er seine Gestalt nicht aufgeben und zum Verschwinden bringen. Um sie verschwinden zu lassen, gab ihm die Dämonin eine Wurzel; durch die Wunderkraft der Wurzel konnte er verschwinden und er wandelte umher, indem er sich von Menschenfleisch nährte. Die Dämonin aber begab sich zum Großkönig Vessavana, um ihre Dienstleistung zu erfüllen, und starb dort.

Die Königin aber gebar zum vierten Male einen Sohn. Weil die Dämonin gestorben war, blieb dieser unbehelligt; und weil er geboren war unter Besiegung der ihm feindlichen Dämonin, gab man ihm den Namen Prinz Jayaddisa (= „Feindebesieger“). Nachdem dieser herangewachsen und zur Vollendung in allen Künsten vorgedrungen war, ließ er den weißen Sonnenschirm über sich erheben und verwaltete das Königreich.

Damals nahm der Bodhisattva im Schoße von dessen erster Gemahlin seine Wiedergeburt; man gab ihm den Namen Prinz Alīnasattu (= „der Feindbefreite“). Nachdem dieser herangewachsen war und alle Künste erlernt hatte, wurde er Vizekönig.—

Jener Sohn der Dämonin aber verlor in der Folgezeit aus Nachlässigkeit seine Wurzel, und da er jetzt nicht mehr verschwinden konnte, verzehrte er in sichtbarer Gestalt auf dem Leichenfelde Menschenfleisch. Als die Leute ihn sahen, bekamen sie Furcht; sie gingen zum Könige hin und sprachen laut zu ihm: „O Fürst, ein Dämon verzehrt in sichtbarer Gestalt auf dem Leichenfelde Menschenfleisch. Dieser wird allmählich auch in die Stadt hereinkommen und die Menschen töten und verzehren. Man muss ihn gefangen nehmen lassen!“ Der König erwiderte: „Gut“, und gab den Befehl, ihn zu fangen. Ein großes Heer zog aus und umstellte das Leichenfeld. Der Sohn der Dämonin, nackt und schrecklich anzuschauen, schrie laut aus Todesfurcht und sprang unter die Menschen hinein. Die Leute aber riefen: „Der Dämon“, und spalteten sich aus Todesangst in zwei Teile. Der Dämon entfloh in den Wald und kehrte nicht mehr in das Bereich der Menschen zurück. In der Nähe eines großen Waldes an der Straße packte er, wenn Leute auf diese Straße kamen, die einzelnen, ging in den Wald hinein, tötete sie und fraß sie auf; dabei nahm er seinen Aufenthalt am Fuße eines Feigenbaumes.

Ein Brahmane aber, der eine Karawane führte, hatte den Waldwächtern tausend Geldstücke gegeben und war mit fünfhundert Wagen auf diesen Weg gekommen. Da sprang der menschliche Dämon schreiend hervor. Voll Furcht legten sich die Menschen auf die Brust. Jener ergriff den Brahmanen; während er aber entfloh, wurde er von einem Baumstumpf verwundet und warf, während ihn die Waldwächter verfolgten, den Brahmanen wieder von sich. Dann entfernte er sich und legte sich am Fuße des Baumes nieder, wo er wohnte.

Am siebenten Tage, nachdem er sich dort niedergelegt hatte, befahl der König Jayaddisa, eine Jagd abzuhalten, und zog aus der Stadt aus. Sobald er aber die Stadt verlassen, kam ein zu Takkasilā wohnender Brahmane, namens Nanda, der seine Eltern ernährte und vier Strophen kannte, die hundert Geldstücke wert waren, und sah ihn an. Der König drehte sich um, sagte: „Ich will sie anhören“, und ließ ihm ein Haus zur Wohnung anweisen; dann ging er auf die Jagd und sprach: „Auf wessen Seite eine Gazelle entflieht, dem gehört die Schuld!“

Es erhob sich aber eine gesprenkelte Gazelle, sprang auf den König zu und lief davon. Die Hofleute brachen in ein Gelächter aus. Da zog der König sein Schwert, verfolgte die Gazelle und holte sie erst nach einer Entfernung von drei Yojanas ein; er hieb sie mit seinem Schwert auseinander, tat die beiden Teile auf eine Tragstange und kehrte zurück. Dabei kam er an den Ort, wo der Menschendämon ruhte. Er setzte sich auf die Gräser, ruhte sich ein wenig aus und wollte dann weitergehen. Da stand der Dämon auf, packte ihn an der Hand mit den Worten: „Bleibe, wohin gehst du? Du bist meine Speise!“, und sprach folgende erste Strophe:

„Seit langer Zeit fürwahr kam zu mir heute
ein reiches Mahl am siebten Tag des Fastens.
Woher kommst du, wer bist du? Holla, sag dies;
nenne mir dein Geschlecht nach bestem Wissen!“

Als der König den Dämon sah, wurde er erstarrt vor Furcht und konnte nicht davonlaufen; doch kam er wieder zur Vernunft und sprach folgende zweite Strophe:

„Ich, der Pañcāla-König, zog zur Jagd;
Jayaddisa heiß ich, wenn du 's gehört schon.
Durch Berg' und Wälder streife ich umher;
iss die Gazelle; mich lass heute frei!“

Als dies der Dämon hörte, sprach er folgende dritte Strophe:

„Mit fremdem Gut in deiner Not du handelst;
du sagst, die Antilope sei mein Mahl.
Dich will ich fressen und die Antilope
nachher verspeisen; 's nicht Zeit zum Schwatzen.“

Da dies der König vernahm, erinnerte er sich an den Brahmanen Nanda und sprach folgende vierte Strophe:

„Wenn es für mich keine Befreiung gibt,
so will ich gehn, um wieder dann zu kommen;
was dem Brahmanen ich versprach, das halt ich
und kehre dann zurück, die Wahrheit achtend.“

Als dies der Dämon hörte, sprach er folgende fünfte Strophe:

„Welch ernste Pflicht beunruhigt dich, König,
nachdem du in des Todes Nähe kamest?
Erzähl es mir; vielleicht sind wir im Stande,
dir 's zu erlauben, wenn du wiederkehrst.“

Um die Veranlassung davon mitzuteilen, sprach der König folgende sechste Strophe:

„Einem Brahmanen hab ich Geld verheißen
und nicht komme ich los von dem Versprechen;
was dem Brahmanen ich versprach, das halt ich
und kehre dann zurück, die Wahrheit achtend.“

Als dies der Dämon hörte, sprach er folgende siebente Strophe:

„Das Geld, das du verhießest dem Brahmanen,
von dem Versprechen gibt es keine Lösung;
nachdem du das Versprechen dem Brahmanen
erfüllt, kehre zurück, die Wahrheit achtend.“

Nachdem er aber so gesprochen, ließ er den König los. Als dieser befreit war, sagte er zu ihm: „Sei unbekümmert; in der Frühe werde ich zurückkehren.“ Er merkte sich die Zeichen des Weges und suchte sein Heer wieder auf; von seinem Heere umgeben kehrte er in die Stadt zurück. Hier ließ er den Brahmanen Nanda zu sich rufen, auf einem sehr wertvollen Sitze Platz nehmen und hörte die vier Strophen an. Hierauf gab er ihm viertausend Geldstücke dafür, ließ ihn einen Wagen besteigen und entließ den Brahmanen, indem er Leute mitschickte, denen er den Auftrag gab, ihn nach Takkasilā zu bringen. Als er dann am nächsten Tage Lust bekam zurückzukehren, wandte er sich an seinen Sohn und belehrte ihn.

Um diesen Sachverhalt auseinander zu setzen, sprach der Meister folgende zwei Strophen:

Als er befreit war von dem Menschenfresser,
ging voll Begierd' er in seinen Palast;
nachdem er dem Brahmanen sein Versprechen
erfüllt, sprach er zu seinem Sohn Alīnasattu:

„Noch heute lasse dich zum König weihen,
zeig dich gerecht bei Eignen und bei Fremden;
kein Unrechttuer sei in deinem Reiche!
Ich gehe jetzt zum Menschenfresser hin.“

Als dies der Prinz hörte, sprach er folgende zehnte Strophe:

„Was ich getan, o Fürst, dass ich verloren
hab deiner Füße Gunst, wünsch ich zu hören,
weil du mich heut zum König weihen willst;
doch nicht wünsch ich den Thron mir ohne dich.“

Da dies der König hörte, sprach er folgende weitere Strophe:

„Weder in Tat noch Wort, mein Sohn, gedenk ich,
dass du dich jemals gegen mich vergangen;
doch da ich dies versprach dem Menschenfresser,
werd ich zurückkehren, die Wahrheit achtend.“

Als dies der Prinz hörte, sprach er folgende Strophe:

„Ich werde gehen, bleibe du nur hier;
nicht kann man lebend loskommen von diesem.
Und wenn du selber dorthin gehst, o König,
so geh ich mit; dann sind wir zwei verloren.“

Da dies der König vernahm, sprach er folgende Strophe:

„Gewiss ist dies der Weisen Art, mein Lieber;
doch schlimmer als der Tod wär' es für mich,
wenn der Buntfüßige dich dort gewaltsam
auf spitzen Pfählen briete und verzehrte.“

Als dies der Prinz hörte, sprach er folgende Strophe:

„Mein Leben tausche ich mit deinem Leben;
geh du nicht in des Menschenfressers Nähe.
Und so vertausche ich mit dir das Leben;
drum preise ich den Tod, wenn du nur lebst.“

Als dies der König hörte, erkannte er die Stärke seines Sohnes und gab seine Zustimmung mit den Worten: „Gut, mein Sohn, gehe!“ Jener verabschiedete sich ehrfurchtsvoll von seinen Eltern und verließ die Stadt.

Um diesen Sachverhalt zu erläutern, sprach der Meister folgende Halbstrophe:

Darauf fürwahr der weise Königssohn
der Mutter und des Vaters Füß' verehrte.

Es zogen aber seine Eltern, seine Schwester, seine Gattin und seine Hofleute mit ihm zusammen fort. Als er die Stadt verlassen, fragte er seinen Vater nach dem Wege. Nachdem er sie gut aufgehoben und den andern noch eine Ermahnung gegeben hatte, stieg er furchtlos wie ein Mähnenlöwe den Weg hinan und schritt zu der Behausung des Dämons hin. Als ihn jedoch seine Mutter so fortgehen sah, konnte sie aus eigner Kraft nicht mehr stehen bleiben und fiel zu Boden. Sein Vater aber streckte die Arme aus und weinte laut.

Um auch dies zu erläutern, sprach der Meister folgende Halbstrophe:

Die unglückliche Mutter fiel zu Boden,
sein Vater streckt' die Arme aus und weinte.

Indem er dann verkündete, wie sein Vater sein Gebet anfügte und wie seine Mutter, seine Schwester und seine Gattin eine Wahrheitsbekräftigung betätigten, sprach er auch noch die weiteren vier Strophen:

Als nun der Vater diesen weggehn sah,
ehrfürchtig abgewandten Blicks verehrt' er ihn:
„Der König Soma, Varuna der König,
Pajāpatī, der Mond und auch die Sonne:
beschützt durch diese vor dem Menschenfresser,
kehr, Lieber, heil zurück, von ihm entlassen.“

„Die Rettung, die die schöngliedrige Mutter
dem Rāma bracht', da er in Dandakas Reich,
dieselbe Rettung möchte ich dir bringen.
Bei dieser Wahrheit mögen Götter sich erinnern;
mein Sohn, kehr heil zurück, von ihm entlassen.“

„Geheim wie öffentlich an einen Fehler
erinnr' ich mich nicht bei Alīnasattu.
Bei dieser Wahrheit mögen Götter sich erinnern;
Bruder, kehr heil zurück, von ihm entlassen.“

„Weil du von mir bist unbefriedigt, Gatte,
deshalb bist du doch meinem Geist nicht unlieb.
Bei dieser Wahrheit mögen Götter sich erinnern;
Gemahl, kehr heil zurück, von ihm entlassen.“

Der Prinz aber ging in der von seinem Vater ihm angegebenen Art den Weg nach der Wohnung des Dämons. Der Dämon seinerseits hatte gedacht: „Die Edlen kennen viele Listen; wer weiß, was geschehen wird?“, war auf einen Baum gestiegen und hatte sich dort niedergesetzt, indem er auf die Ankunft des Königs wartete. Als er nun den Prinzen kommen sah, dachte er: „Der Sohn wird seinen Vater zurückgehalten haben und selbst gekommen sein; ich fürchte mich nicht.“ Er stieg herab und setzte sich nieder, indem er jenem den Rücken wandte. Der andere kam heran und blieb vor ihm stehen. Darauf sprach der Dämon folgende Strophe:

„Woher kommst du groß, grade, mit heitrem Antlitz?
Kennst du mich nicht, der ich im Walde wohne?
Da mich, den Jäger, man kennt als Menschenfresser,
wer, der sein Heil wünscht, möchte hierher kommen?“

Als dies der Prinz hörte, sprach er folgende Strophe:

„Ich weiß, o Jäger, du bist ein Menschenfresser;
gar wohl kenn ich dich, der du wohnst im Walde.
Ich aber bin der Sohn des Jayaddisa;
verzehre heute mich zu des Vaters Befreiung.“

Darauf sprach der Dämon folgende Strophe:

„Ich weiß, du bist der Sohn des Jayaddisa,
denn gleich ist ja das Antlitz bei euch beiden.
Doch etwas Schweres hast du da getan,
der du den Tod wünschst zu des Vaters Befreiung.“

Darauf sprach der Prinz folgende Strophe:

„Nicht halte ich dies allzu schwer für mich,
dass ich den Tod will für des Vaters Befreiung;
auch wenn ich um der Mutter willen sterbe,
so geh ich ein zum Himmel und zum Glück.“

Als dies der Dämon hörte, fragte er: „O Prinz, es gibt ja doch kein Wesen, das den Tod nicht fürchtet; warum hast du keine Furcht?“ Um es ihm zu verkünden, sprach der Prinz folgende zwei Strophen:

„Ich kann mich keiner bösen Tat von mir
jemals erinnern offen wie geheim.
Verbunden ist in mir Geburt und Tod;
wie 's hier bei mir, so in der andern Welt.

Verzehr mich heute nur, Großmächtiger,
erweise diesem Leib die letzten Ehren;
oder ich stürze mich herab vom Baume,
dann kannst mein Fleisch du essen, wie du es wünschest.“

Als der Dämon dessen Worte vernommen, wurde er ängstlich und er dachte: „Man darf nicht sein Fleisch essen; durch eine List werde ich ihn zum Weglaufen veranlassen.“ Und er sprach:

„Dieses gefällt dir also, Königssohn;
dein Leben opferst du zu des Vaters Befreiung.
Drum brich mir jetzt in großer Eile Hölzer
ab von den Bäumen und entzünd ein Feuer!“

Jener tat so und kam dann wieder zu ihm.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister folgende andere Strophe:

Nachdem darauf der Königssohn, der weise,
Hölzer gesammelt und ein großes Feuer
hatt' angezündet, meldet' er dem andern:
„Entzündet hab ich jetzt ein großes Feuer.“

Als der Dämon den Prinzen betrachtete, wie er zurückkam, nachdem er Feuer gemacht hatte, dachte er: „Dies ist ein löwenhafter Mann; auch vor dem Tode kennt er keine Furcht. Ich habe die ganze Zeit über noch nie einen so Furchtlosen gesehen.“ Mit gesträubten Haaren saß er da, indem er immer wieder den Prinzen betrachtete. Als der Prinz sein Gebaren sah, sprach er folgende Strophe:

„Verzehre mich doch jetzt, Gewalttuer!
Was blickst du oft mich an gesträubten Haares?
Genau so will ich handeln gegen dich,
damit du mich nach Wunsch verzehren kannst.“

Als der Dämon dessen Worte vernahm, sprach er folgende Strophe:

„Nicht darf man einen solchen Mann auffressen,
der tugendhaft, wahrheitsliebend, verständig;
in sieben Teile würd das Haupt zerspringen
von dem, der solchen Wahrheitsfreund verzehrte.“

Da dies der Prinz hörte, entgegnete er: „Wenn du mich nicht auffressen willst, warum hast du mich dann Hölzer abbrechen und Feuer machen lassen?“

Als der Dämon antwortete: „Um zu erproben, ob du davonlaufen würdest oder nicht“, fuhr der Prinz fort:“ Du willst jetzt meine Worte erproben? Als ich im Reich der Tiere meine Wiedergeburt genommen, gestattete ich es dem Götterkönig Sakka nicht, mich auf dir Probe zu stellen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Gott Indra für einen Brahmanen haltend,
bewirtet ihn der Has mit eignem Leibe;
drum ist der Mond, der Göttersohn, gepriesen
als Hase, jetzt als liebenswerter Dämon.“

Als dies der Dämon hörte, gab er den Prinzen frei mit folgenden Worten:

„So wie der Mond, aus Rahus Mund befreit,
am Vollmondstage glänzet wie die Sonne,
so glänze du, befreit vom Menschenfresser,
im Reiche Kampilla, Großmächtiger.
Erfreue deinen Vater, deine Mutter;
an dir vergnüg' sich der Verwandten Schar.“

Mit den Worten: „Gehe, du Held!“, entließ er das große Wesen. Als dies ihn zur Selbstbezwingung gebracht und ihm die fünf Gebote gegeben hatte, überlegte es: „Ist dies ein Dämon oder nicht?“ Dabei dachte es: „Die Dämonen haben rote Augen, die nicht blinzeln; sie haben keinen Schatten, sie fürchten sich nicht. Dies ist kein Dämon, es ist ein Mensch. Von meinem Vater aber wurden drei Brüder durch eine Dämonin mit fortgenommen; von diesen wird sie zwei aufgefressen haben, einen wird sie aus Mutterliebe aufgezogen haben. Dieses muss er sein. Ich werde ihn mit mir nehmen, meinem Vater die Sache erzählen und ihn auf den Thron setzen lassen.“ Und er sprach zu ihm: „He du, du bist kein Dämon; du bist der älteste Bruder meines Vaters. Komm, gehe mit mir und lasse in dem deiner Familie gehörigen Reiche den weißen Sonnenschirm über dich ausbreiten.“ Als der andere erwiderte: „Ich bin kein Mensch“, fuhr der Prinz fort: „Du glaubst mir nicht; gibt es aber jemand, dem du glaubst?“ Der Dämon antwortete auf diese Frage: „Es gibt an dem und dem Orte einen mit göttlichem Auge begabten Asketen.“ Darauf ging er mit ihm dorthin.

Als der Asket ihn sah, sagte er: „Was wandelt ihr da Vater und Sohn im Walde?“, und verkündete so ihre Verwandtschaft. Der Menschenfresser glaubte ihm und sprach: „Mein Lieber, gehe du fort. Ich bin in einer einzigen Existenz zweimal geboren worden; mich verlangt nicht nach dem Throne, sondern ich werde die Welt verlassen.“ Und er betätigte bei dem Asketen die Weltflucht der Weisen. Der Prinz aber bezeigte ihm seine Verehrung und kehrte nach der Stadt zurück.

Um diesen Sachverhalt zu erklären, sprach der Meister folgende Strophe:

Darauf fürwahr begrüßt' der Königssohn,
der weise, Hände faltend jenen Menschenfresser;
mit dessen Willen, heil, gesund und glücklich
kehrt' wieder nach Kampilla Alīnasattu.

Um dann zu verkünden, was an jenem, als er in die Stadt zurückgekehrt, die Stadtbewohner usw. taten, sprach er folgende Schlussstrophe:

Die Städter und die Landbewohner alle
auf Elefanten, Wagen und zu Fuß
kamen zu ihm verehrend die Hände faltend:
„Verehrung dir! Gar Schweres tatest du.“

Als der König hörte: „Der Prinz ist ja zurückgekommen!“, zog er ihm feierlich entgegen. Von einer großen Menschenmenge umgeben ging der Prinz hin und begrüßte ehrfurchtsvoll den König. Darauf fragte ihn dieser: „Mein Sohn, wie bist du von einem solchen Menschenfresser losgekommen?“ Der Prinz antwortete: „Mein Vater, dies war kein Dämon; dein ältester Bruder ist es und mein Oheim.“ Nachdem er ihm die ganze Begebenheit erzählt hatte, fügte er hinzu: „Ihr müsst meinen Oheim besuchen.“ Noch in demselben Augenblicke ließ dies der König durch Trommelschlag überall verkünden und zog von großem Gefolge umgeben zu den beiden Asketen hin.

Der große Asket erzählte ihm nun, wie er von der Dämonin fortgeschleppt, aber nicht aufgefressen, sondern aufgezogen worden sei, wie er zum Dämon geworden und wie sie miteinander verwandt seien, alles mit Ausführlichkeit. Darauf sprach der König: „Komm, Bruder, führe du die Regierung!“ „Es ist genug, o Großkönig“, war die Antwort. Der König fuhr fort: „Kommt also ihr beide und wohnt in meinem Parke; ich werde euch mit den vier Arten der Hilfsmittel versehen.“ Doch jener erwiderte: „Ich komme nicht, o Großkönig.“ Darauf schlug der König unweit von ihrer Einsiedelei auf einem Berge ein befestigtes Lager, ließ einen großen Teich graben und bewässerte Felder anlegen; dann führte er tausend reich begüterte Familien herbei, erbaute ein großes Dorf und setzte fest, dass dort die Asketen sich ihre Nahrung holen sollten. Dies Dorf wurde zum Flecken Cullakammāsadamma.—Der Ort aber, wo der Menschenfresser von dem Bodhisattva Sutasoma gebändigt wurde, ist unter dem Namen Mahakammāsadamma zu kennen.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte der seine Mutter ernährende Mönch zur Frucht der Bekehrung): „Damals gehörten die Eltern zu großen Königsfamilien, der Asket war Sāriputta, der Menschenfresser war Angulimāla, die jüngere Schwester war Uppalavanna, die erste Gemahlin war die Mutter Rāhulas, der Prinz Alīnasattu aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Feindebesieger