Jātaka 524

Die Erzählung von Samkhapala (Samkhapala-Jātaka)

„Von edlem Aussehn bist du“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Betätigung der Uposatha-Pflichten.—Nachdem nämlich damals der Meister, um die Laienbrüder und Laienschwestern zu loben, gesagt hatte: „Die Weisen der Vorzeit gaben das Naga-Glück auf und betätigten nur das Uposatha“, erzählte er auf ihre Bitte folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem herrschte zu Rājagaha der König von Magadha. Damals nahm der Bodhisattva im Schoße der ersten Gemahlin dieses Königs seine Wiedergeburt; man gab ihm den Namen Duyyodhana. Nachdem er, zum Jüngling herangewachsen, zu Takkasilā die Künste erlernt hatte, kehrte er zurück und suchte seinen Vater auf. Darauf weihte ihn sein Vater zum König; er selbst betätigte die Weltflucht der Weisen und nahm im Parke seinen Aufenthalt. Der Bodhisattva kam täglich dreimal zu seinem Vater, so wurde diesem große Achtung und Ehrung zuteil.

Da er aber infolge dieser Verhinderung nicht einmal die Vorbereitungen zur Herbeiführung der Ekstase betätigen konnte, dachte er bei sich: „Groß ist meine Ehrung und Auszeichnung; ich bin nicht im Stande, solange ich hier weile, diese Fessel zu brechen. Ohne meinem Sohne etwas davon zu sagen, werde ich anderswohin gehen.“ Ohne jemand etwas davon wissen zu lassen, verließ er den Park, durchschritt das Königreich Magadha und erbaute sich im Königreich Mahimsaka an einer Krümmung des aus dem Samkhapala-See kommenden Kannapenna-Flusses bei dem Candaka-Berge eine Laubhütte. Dort wohnte er, betätigte die Vorbereitungen zur Herbeiführung der Ekstase und erlangte dadurch die Fähigkeit zur Ekstase und die Erkenntnisse; durch Sammeln der liegen gebliebenen Ähren und Früchte ernährte er sich. Ihn besuchte ein Naga-König namens Samkhapala manchmal, indem er mit großem Gefolge aus dem Kannapenna-Flusse herausstieg, und jener verkündete ihm die Wahrheit.

Sein Sohn aber wünschte ihn zu sehen, und da er nicht wusste, wohin er gegangen sei, ließ er Nachforschungen anstellen und erfuhr, dass er an dem und dem Orte weile. Um ihn zu besuchen, zog er mit großem Gefolge dorthin, schlug auf der Seite ein befestigtes Lager und ging, nur von einigen Ministern begleitet, nach der Einsiedelei hin.—In diesem Augenblicke saß gerade Samkhapala dort mit großem Gefolge. Als dieser den König herankommen sah, bezeigte er dem Asketen seine Ehrfurcht, stand auf und entfernte sich.

Nachdem nun der König seinen Vater ehrfurchtsvoll begrüßt und eine liebenswürdige Unterhaltung mit ihm begonnen hatte, setzte er sich nieder und fragte:

„Herr, was für ein König ist da zu Euch gekommen?“ „Mein Sohn, dies war der Naga-König Samkhapala“, war die Antwort. Da wurde jener wegen dessen Herrlichkeit von Begierde nach dem Dasein als Naga erfasst. Nachdem er noch einige Tage dort geblieben war und für seinen Vater beständig Almosenspeise ausgemacht hatte, kehrte er in seine Stadt zurück, ließ an den vier Stadttoren Almosenhallen erbauen und spendete Almosen, dass er den ganzen Jambu-Erdteil damit in Aufregung versetzte. Auch hielt er die Gebote und beobachtete die Uposatha-Bestimmungen. Weil er aber dabei nach der Existenz als Naga verlangte, wurde er nach Beendigung seines Lebens in der Naga-Welt wiedergeboren und ward der Naga-König Samkhapala. Als aber die Zeit verging, bekam er trotz seiner Herrlichkeit Gewissensbisse und beobachtete von da an, indem er dabei nach der Existenz als Mensch verlangte, das Uposatha. Während er jedoch in seiner Naga-Behausung weilte, gelang ihm das Halten der Uposatha-Bestimmungen nicht; seine Tugend ging zugrunde. Von da an verließ er immer seine Naga-Behausung und legte sich unweit des Kannapenna-Flusses zwischen der Heerstraße und dem Fußweg um einen Ameisenhaufen herum. Um das Uposatha zu halten, dachte er mit vollendeter Tugend: „Wer nach meinem Fleische verlangt, soll mein Fleisch, wer nach meiner Haut u. dgl. verlangt, meine Haut u. dgl. mitnehmen“, und gab sich so selbst zum Geschenke hin. Während er so an dem Ameisenhaufen liegend die Asketentugend betätigte, blieb er am vierzehnten und fünfzehnten des Monats dort und kehrte dann abermals in seine Naga-Behausung zurück.

Als er nun eines Tages so die Tugend betätigend da lag, waren gerade sechzehn Leute, die in einem Grenzdorfe wohnten, um sich Fleisch zu verschaffen, mit Waffen in der Hand im Walde umhergeschweift, kehrten aber wieder um, ohne etwas gefunden zu haben. Da sahen sie jenen oben auf dem Ameisenhaufen liegen und sie dachten: „Wir konnten heute nicht einmal eine junge Rieseneidechse fangen; darum wollen wir diesen Schlangenkönig töten und verzehren.“ Doch da kam ihnen der weitere Gedanke: „Er ist aber groß; auch wenn wir ihn fangen, könnte er uns entwischen. Darum wollen wir ihn, so wie er daliegt, an seiner Haube mit spitzen Pfählen durchbohren, ihn dadurch schwach machen und so ihn fangen.“ Und sie nahmen spitze Stäbe und gingen auf ihn zu. Der Körper des Bodhisattva aber war groß, von der Größe eines Lastkahnes und glich einer umgedreht aufgestellten Girlande aus Jasminblüten; er war mit Augen, die wie die Früchte eines Gunja-Strauches glänzten, und mit einem der Jayasumana-Blume gleichenden Haupte ausgeschmückt und überaus schön.

Beim Klang der Schritte jener sechzehn Männer streckte er seinen Kopf aus der Haube heraus, öffnete seine roten Augen und dachte, als er sie mit spitzen Stäben in den Händen kommen sah: „Heute wird mein Wunsch in Erfüllung gehen. Ich liege hier, indem ich mich zum Opfer hingegeben und den festen Entschluss dazu gefasst habe. Auch wenn sie meinen Körper mit ihren Speeren zerstoßen und mich durchlöchern, werde ich nicht im Zorn die Augen öffnen, um sie anzuschauen.“ So fasste er aus Furcht, die Gebote zu verletzen, einen festen Entschluss und legte sich nieder, indem er sein Haupt innerhalb der Haube verbarg.

Die andern aber gingen auf ihn zu, fassten ihn am Schwanze, zogen ihn fort und warfen ihn auf die Erde. Mit ihren spitzen Stäben verwundeten sie ihn an acht Stellen, trieben mit Dornen besetzte Kala-Stängel und Stöcke durch die Öffnungen der Wunden und machten sich auf den Weg, indem sie ihn an den acht Stellen wie mit Tragstangen trugen.—Seitdem aber das große Wesen von den spitzen Stäben verwundet war, öffnete es nicht ein einziges Mal die Augen, um sie zornig anzuschauen. Während es indes an den acht Tragstangen mitgeführt wurde, hing sein Haupt herab und schlug auf dem Boden auf. Als sie merkten, dass sein Kopf herabhing, legten sie ihn auf der Heerstraße nieder, durchbohrten mit einem dünnen Stabe seine Nasenwände, zogen einen Strick durch und hoben sein Haupt empor; und als sie die Schnur einmal hängen ließen, hoben sie abermals sein Haupt empor und setzten ihren Weg fort.

In diesem Augenblicke kam ein in der Stadt Mithila im Reiche Videha wohnender Gutsbesitzer namens Alara mit fünfhundert Lastwagen des Weges, indem er selbst auf einem schönen Wagen fuhr. Als er sah, wie diese gefräßigen Leute so den Bodhisattva gefangen hatten und daherkamen, gab er den sechzehn Leuten außer sechzehn Zugochsen jedem eine Handvoll kleiner Goldmünzen, für sie alle Ober- und Unterkleider und auch für ihre Frauen Kleider und Schmucksachen; so bewog er sie, den Bodhisattva loszulassen.

Dieser begab sich in seine Naga-Behausung, verließ sie wieder unverzüglich mit großem Gefolge und kehrte zu Alara zurück, dem er die Herrlichkeit der Naga-Behausung schilderte. Er begab sich mit ihm nach der Naga-Behausung, ließ ihm dort von dreihundert Naga-Mädchen große Ehrung zuteil werden und befriedigte ihn mit göttlichen Freuden.

Nachdem Alara in der Naga-Behausung ein Jahr lang geweilt und die göttlichen Freuden gekostet hatte, sagte er dem Naga-König: „Freund, ich wünsche, die Welt zu verlassen.“ Er erhielt von ihm die Ausrüstungsgegenstände für einen Weltflüchtling und begab sich von der Naga-Behausung nach dem Himalaya, wo er die Weltflucht betätigte.

Nachdem er dort lange geweilt, machte er sich in der Folgezeit auf die Wanderung und kam dabei nach Benares, wo er im königlichen Parke die Nacht verbrachte. Am nächsten Tage ging er, um Almosen zu sammeln, in die Stadt und kam an das Tor des Königspalastes. Befriedigt über seinen edlen Wandel ließ ihn der König von Benares zu sich rufen und wies ihm einen hergerichteten Sitz an. Nachdem er ihn mit Speise von verschiedenartigem höchstem Wohlgeschmack bewirtet hatte, setzte er sich selbst auf einen niederen Sitz, bezeigte ihm seine Verehrung und sprach, indem er ihn anredete, folgende erste Strophe:

„Von edlem Aussehn bist du, heiter blickend;
aus edlem Hause, glaub ich, wardst du Mönch.
Warum hast Geld und Gut du aufgegeben
und wurdest Mönch, das Haus verlassend, Weiser?“

Im folgenden ist der Zusammenhang der Strophen als Rede des Königs und Gegenrede des Asketen zu verstehen.

„Nachdem ich selber den Palast gesehen
der großen Schlange groß von Macht, o Fürst,
da ich gesehn den reichen Lohn der Tugend,
verließ voll Glauben, König, ich die Welt.“

„Aus Freud an Lüsten oder Furcht und Hass
reden nicht Unwahrheit die Weltflüchtlinge.
Sag mir auf meine Frage die Geschichte;
denn aus dem Hören wird mir Freud entstehen.“

„Da ich als Kaufmann reist', o Landesherrscher,
sah junge Landleute ich auf dem Wege,
die froh des Weges zogen und die trugen
'ne große Schlange mit verdrehtem Körper.

Als ich zu ihnen kam, o Landesherrscher,
sprach ich erschreckt und voller Furcht zu ihnen:
‚Wohin bringt ihr diesen furchtbaren Körper?
Was macht, Gefräßige, ihr mit der Schlange?‘

‚Zum Mahle bringen fort wir diese Schlange,
die große Schlange mit verdrehtem Körper;
ein Fleisch, so wohlschmeckend, so fett und weich,
kennt dein Geschmack noch nicht, Videha-Sohn.

Von hier gehn wir in unser eignes Haus
und nehmen Messer und zerschneiden sie,
dann werden fröhlich wir das Fleisch verzehren;
denn wir sind doch fürwahr der Schlangen Feinde.‘

‚Wenn ihr allein zum Mahle mit euch nehmt
die große Schlange mit verdrehtem Körper,
so gebe ich euch sechzehn starke Ochsen,
dass ihr die Schlange löst aus ihren Fesseln.‘

‚Gewiss ist dies für uns ein guter Schmaus
und viele Schlangen aßen wir schon früher.
Wir wollen folgen deinem Wort, Alara;
werde du unser Freund, Videha-Sohn.‘

Drauf machten sie fürwahr ihn frei von Banden,
die Schlinge lösten sie von seiner Nase;
befreit von Banden ging der Naga-König
ostwärts gewendet fort im Augenblick.

Als rasch er fortging nach Osten gewendet,
da blickt' er mich mit vollen Augen an;
ich aber folgte ihm von hinten nach,
die zehn Finger der Hände nach ihm faltend.

‚Geh du nur zu, du Leuchtender in Schönheit,
dass dich nicht abermals die Feinde fangen.
Schlimm ist 's, den Jägern nochmals zu begegnen;
geh, dass dich die Gefräß'gen nicht mehr sehen.‘

Drauf ging er hin zu einem klaren See,
der dunkel glänzte, lieblich, schön von Ufern,
von Jambus rings umgeben und von Rotang;
erfreut stieg er hinein ohn' alle Furcht.

Nachdem er drin verschwunden, bald erschien
der Naga mir in göttlicher Gestalt;
er diente mir so wie der Sohn dem Vater,
sprach herzbewegend, angenehm zu hören:

‚Mutter und Vater bist du mir, Alara,
mein Lebensretter, du mein engster Freund.
Die eigne Macht hab wieder ich erhalten;
meine Paläste sieh dir an, Alara,
der Speisen Fülle, der Getränke Menge,
gleich Vāsavas Palast Masakkasāra.‘

O Großkönig, nachdem so der Naga-König gesprochen, sprach er, um noch weiter seine Behausung zu preisen, folgendes Strophenpaar:

‚Mit hübschen Fleckchen ist er ausgestattet,
von Scherben frei, ganz weich und rein der Boden,
ständig mit Gras bewachsen, ohne Staub,
so lieblich, dass den Kummer man vergisst,

ganz eben, blau wie Lapislazuli;
ein schöner Mangowald ist rings umher
mit Büschen reifer, voll erblühter Früchte,
der Früchte trägt in allen Jahreszeiten.‘

Und in der Mitte dieser Wälder, Fürst,
ist ein Palast im hellen Glanze strahlend,
aus Gold gemacht, silbern die Tür, gewaltig
erglänzt er wie ein Blitzstrahl in der Luft.

Aus Edelstein und Gold gemacht, gewaltig,
bunt strahlend ist er, wohl gebaut, beständig
ist er gefüllt mit reich gezierten Mädchen,
die Schmuck aus reinem Golde tragen, König.

Drauf Samkhapala, herrlich anzuschauen,
stieg unvergleichlich schön in den Palast,
der tausend Säulen hat, unübertrefflich
an Pracht, wo seine erste Gattin wohnte.

Und eine Frau, gar herrlich anzuschauen,
in ihrer Hand aus Lapislazuli
ein wertvoll Kleinod, rein und edler Art,
unaufgefordert brachte einen Sitz.

Drauf fasste mich der Naga bei der Hand
und setzte mich zu oberst auf den Sitz:
‚Auf diesem Sitz hier lass dich nieder, Herr,
denn du giltst mir wie eines meiner Eltern.‘

Drauf eine andre Frau, schön anzuschauen,
kam zu mir her mit einem Wasserkrug;
sie wusch die Füße mir, o Völkerfürst,
wie eine Gattin ihrem lieben Gatten.

'ne andre Frau, gar herrlich anzuschauen,
brachte herbei auf einer goldnen Schüssel
verschiedne Saucen, mannigfache Würzen
und bot mir Speise an, lieblich zu sehen.

Da ich gespeist, Bharata, sie erfreuten mich
mit Musik nach ihres Gatten Willen;
und größ're Wonne noch ward mir zuteil
durch mannigfache himmlische Ergötzung.

So kam er zu mir her und sprach folgende Strophe:

‚Dreihundert Frauen hab ich hier, Alara,
schönhüftig alle, schön wie Lotos glänzend.
Um dir, Alara, Freude zu bereiten,
schenk ich sie dir, mache sie dir zu eigen.‘“

Darauf fuhr jener fort:

„Da ich ein Jahr göttliches Glück genossen,
redet' ich ihn zum Schlusse also an:
‚Wie ward dir dieses Naga-Los zuteil
und wie kamst du zum herrlichsten Palaste?

Erhieltst du 's ohne Grund oder als Lohn,
ist 's selbst verdient oder der Götter Gabe?
Ich frage dich danach, o Naga-König;
wie kommst du zu dem herrlichsten Palaste?‘“

Die folgenden Strophen enthalten die Rede und die Gegenrede der beiden:

„‚Nicht ohne Grund erhielt ich 's, noch als Lohn,
nicht selbst verdient, noch als der Götter Gabe;
durch meine eignen Taten frei von Bosheit,
durch meine guten Werke ward mir dies zuteil.‘

‚Was war dein Vorsatz, wie dein heil'ger Wandel,
von welchem guten Werk ist dies die Frucht?
Verkündige mir dies, o Naga-König:
Wie kamst du zu dem herrlichsten Palaste?‘

‚Ein König war ich, Herr von Magadha,
Duyyodhana mit Namen, groß von Macht.
Da ich des Lebens Niedrigkeit erkannte,
die Unbeständigkeit, Veränderung,

gab Trank und Speis' ich gläubigen Gemütes,
voll Eifer spendete ich viel Almosen.
Dem offnen Laden glich damals mein Haus,
befriedigt war'n Asketen und Brahmanen.

Dies war mein Vorsatz, dies mein heil'ger Wandel,
von diesem guten Werk ist dies die Frucht;
so nur hab ich erhalten dieses Haus,
das voll von Speise, an Getränken reich

und das belebt ist von Gesang und Tanz
für lange Zeit; denn nicht ist dies beständig.
Schwache verletzen den Großmächtigen,
den Glanzerfüllten die Glanzesberaubten.‘

‚Warum jedoch, aus welchem Grunde begabst du
dich, Zahnbewehrter, in die Hand der Jäger?
Warst du in eine große Furcht verfallen,
ging nicht aus dir heraus der Zähne Kraft?
Warum wohl und aus welchem Grund gerietest
du, Zahnbewehrter, in die Hand der Jäger?‘

‚Mich hatte keine große Furcht befallen,
noch konnten jene meine Kraft besiegen.
Die hoch gepriesnen Tugenden der Weisen
sind wie des Meeres Strand schwer übersteigbar.

Am vierzehnten und fünfzehnten, Alara,
halte ich immer das Uposatha.
Da kamen die sechzehn gefräß'gen Leute
mit einem Strick und einer festen Schlinge.

Die Jäger, die mich fingen, mir durchbohrten
die Nas' und zogen durch den Schlitz den Strick;
doch solche Schmerzen voll Geduld ertrug ich,
da ich 's Uposatha nicht brechen wollte.‘

‚Auf dem einsamen Wege sah ich dich,
wie du mit Kraft und Schönheit ausgestattet.
Mit Macht und Weisheit bist du wohl versehen;
warum, o Naga, treibst du denn Askese?‘

‚Nicht um des Lohnes, nicht um Geldes willen,
auch nicht, Alara, wegen langen Lebens:
weil ich nach menschlicher Geburt verlange,
darum betreib ich dies mit solchem Eifer.‘

‚Die Augen rot, zerteilte Strahlen sendend,
geschmückt und wohl geordnet Haar und Bart,
mit rotem Sandelpulver wohl beträufelt,
glänzt du weithin wie der Gandharva-König.

Der Götter Macht hast du, bist groß von Kraft,
mit allen Freuden bist du ausgestattet.
Ich frage dich darnach, o Naga-König:
Wodurch ist besser denn die Menschenwelt?‘

‚Alara, außerhalb der Menschenwelt
gibt 's keine Reinheit oder Selbstbezähmung.
Wenn ich erlange die Geburt als Mensch,
dann bring zu Ende ich Geburt und Tod.‘

‚Ein ganzes Jahr hab ich bei dir verweilt,
mit Trank und Speise ward mir aufgewartet.
Jetzt nehm ich Abschied, Naga, und ich scheide;
schon lange bin ich ausgeblieben, Fürst.‘

‚Die Frauen und die Kinder und Verwandten
sind angewiesen, stets dir aufzuwarten.
Hat etwa einer dich nicht lieb behandelt?
Denn lieb ist mir dein Anblick, o Alara.‘

‚So wie die Eltern angenehm im Hause,
noch schöner, wenn ein lieber Sohn dort aufwächst,
gefällt mir 's hier noch besser als dies alles,
dass dein Herz, Naga, mir ist zugewandt.‘

‚Ich habe ein Juwel mit rotem Flecken,
das Schätze bringt, ein gar gewaltig Kleinod.
Nimm es und kehr damit zurück nach Hause;
wenn du den Schatz hast, schick zurück das Kleinod!‘“

Nachdem so Alara gesprochen, fügte er hinzu: „Darauf sagte ich, o Großkönig, zu dem Naga-König: ‚Lieber, mich verlangt nicht nach Schätzen, sondern ich wünsche, die Welt zu verlassen.‘ Ich bat ihn um die Ausrüstungsgegenstände für Weltflüchtlinge, verließ mit ihm die Naga-Behausung, ließ ihn umkehren und zog in den Himalaya, wo ich die Weltflucht betätigte.“ Darauf sprach er, um dem König die Wahrheit zu verkünden, folgendes Strophenpaar:

„Gesehen hab ich, dass der Menschen Lüste
sind unbeständig, ausgesetzt dem Wechsel.
Da ich der Sinnenlust Nachteil erkannte,
verließ die Welt ich gläub'gen Sinnes, König.

Gleich Baumesfrüchten fallen ab die Menschen,
bei jung und alt der Körper wird zerstört.
Da ich dies sah, hab ich die Welt verlassen;
die Wahrheit und die Einheit ist das Beste.“

Da dies der König hörte, sprach er folgende weitere Strophe:

„Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren,
die hoch Gelehrten, die vieles ersinnen.
Da ich den Naga hört' und dich, Alara,
werd ich gar viele gute Werke tun.“

Um aber in ihm den Eifer dazu zu stärken, sprach der Asket folgende Schlussstrophe:

„Gewiss, fürwahr, die Weisen sind zu ehren,
die hoch Gelehrten, die vieles ersinnen.
Da du den Naga und mich hörtest, König,
so übe gute Werke du in Menge!“

Nachdem er so den König in der Wahrheit unterwiesen, blieb er die vier Monate der Regenzeit dort und kehrte dann in den Himalaya zurück. Hier betätigte er zeitlebens die vier Vollkommenheiten und gelangte danach in die Brahmawelt.—Samkhapala über beobachtete auch, solange er lebte, die Uposatha-Bestimmungen; der König endlich verrichtete gute Werke wie Almosen Geben u. dgl. und gelangte hierauf an den Ort seiner Verdienste.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der Vater, der Asket wurde, Kassapa, der König von Benares war Ananda, Alara war Sariputta, Samkhapala aber war ich.“

Ende der Erzählung von Samkhapala