Jātaka 525

Die kleine Erzählung von Sutasoma (Culla-Sutasoma-Jātaka)

„Ich teile es den Städtern mit“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Vollendung in der Selbstverleugnung.

Die Begebenheit aus der Vergangenheit gleicht der im Maha-Nārada-Kassapa-Jātaka (Jātaka 544).

Ehedem aber war Benares eine Stadt namens Sudassana; sie beherrschte ein König namens Brahmadatta. Der Bodhisattva nahm im Schoße von dessen erster Gemahlin seine Wiedergeburt. Sein Antlitz glich an Herrlichkeit dem Vollmonde; darum gab man ihm den Namen Prinz Soma. Als er zu Vernunft gekommen, war er ein Freund des gekelterten Somatrankes und verstand sich auf das Keltern; darum nannte man ihn Sutasoma.Nachdem er herangewachsen war und zu Takkasilā die Künste erlernt hatte, kehrte er zu seinem Vater zurück, erhielt von ihm den weißen Sonnenschirm und führte die Herrschaft in Gerechtigkeit. Groß war seine Macht; er besaß sechzehntausend Frauen, von denen Candadevi seine erste Gemahlin war.

In der Folgezeit, als er mit Söhnen und Töchtern gesegnet war, verlor er den Gefallen an dem Leben im Hause und wünschte, in den Wald zu ziehen und die Weltflucht zu betätigen. Eines Tages sprach er zu seinem Barbier: „Freund, wenn du auf meinem Haupte ein graues Haar sehen solltest, so teile es mir mit.“ Der Barbier stimmte seinem Worte zu; und als er in der Folgezeit ein graues Haar sah, teilte er es ihm mit. Der König sagte darauf: „Darum, Freund Barbier, ziehe es heraus und lege es auf meine Hand“; worauf dieser es mit einer goldenen Zange herauszog und es ihm auf die Hand legte.

Als dies das große Wesen sah, rief es: „Vom Alter ist mein Körper überwältigt!“ Voll Furcht nahm er das graue Haar, stieg von seinem Palaste herunter und setzte sich auf seinen hergerichteten königlichen Thron, wo ihn viel Volks aufzusuchen pflegte. Er ließ seine achtzigtausend Hofleute mit dem Heerführer an der Spitze, sechzigtausend Brahmanen unter Führung des Hauspriesters und noch viele andere Bewohner des Reiches und der Stadt rufen und sagte ihnen: „Auf meinem Haupte ist ein graues Haar gewachsen; ich bin alt geworden. Wisset, dass ich die Welt verlassen werde.“ Und er sprach folgende erste Strophe:

„Ich teile es den Städtern mit,
Freunden, Ministern und Gefolge:
Ein graues Haar wuchs mir am Kopf;
drum will ich jetzt die Welt verlassen.“

Als sie dies hörten, sprach ein jeder voll Betrübtheit folgende Strophe:

„Was sagst du da so Sonderbares?
Du stößt uns einen Speer ins Herz.
Und deine siebenhundert Frauen,
was soll denn dann aus ihnen werden?“

Darauf sprach das große Wesen folgende dritte Strophe:

„Man wird schon sehn; sie sind ja jung
und gehn zu andern Männern hin.
Ich aber strebe nach dem Himmel;
darum werd ich die Welt verlassen.“

Da die Minister dem Bodhisattva keine Antwort geben konnten, gingen sie zu seiner Mutter hin und teilten ihr die Angelegenheit mit. Diese kam, so schnell sie konnte, herbei, fragte: „Ist es wahr, mein Sohn, dass du die Weltflucht betätigen willst?“, und sprach folgende zwei Strophen:

„Ein Unglück war 's für mich,
dass ich bin deine Mutter, Sutasoma,
weil du auf meine Klagen
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt.

Ein Unglück war 's für mich,
dass ich dir, Sutasoma, gab das Leben,
weil du auf meine Klagen
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt.“

Während aber so seine Mutter jammerte, sagte der Bodhisattva nichts zu ihr. Weinend trat sie beiseite.—Darauf meldete man es seinem Vater. Dieser kam herbei und sprach nur folgende eine Strophe:

„Was ist dies für 'ne Tugend
und was für eine Weltflucht, Sutasoma,
dass du auf uns zwei Alten
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt?“

Als dies das große Wesen hörte, blieb es still. Sein Vater aber sagte zu ihm: „Mein Sohn Sutasoma, wenn du auch zu Vater und Mutter keine Liebe empfindest, so hast du doch viele Söhne und Töchter, die noch in zartem Alter stehen. Sie werden ohne dich nicht leben können; wenn sie zu Alter gelangt sind, dann kannst du die Welt verlassen.“ Und er sprach folgende siebente Strophe:

„Du hast doch viele Söhne auch
in zartem Alter, nicht erwachsen;
wenn diese Lieben dich nicht sehen,
befällt sie, glaub ich, großes Leid.“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es folgende Strophe:

„Von diesen meinen Kindern auch,
den jungen, die noch nicht erwachsen,
den schönen, und auch von euch allen
muss ich mich ja doch später trennen.“

So verkündete das große Wesen seinem Vater die Wahrheit. Als dieser aber seine Wahrheitsunterweisung vernahm, verstummte er.—Man teilte es aber auch seinen siebenhundert Gattinnen mit. Diese stiegen vom Palaste herunter, gingen zu ihm hin, umfassten seine Knöchel und sprachen jammernd folgende Strophe:

„Ist denn dein Herz dir ganz gespalten
oder hast du zu uns kein Mitleid,
dass du auf uns, die Weinenden,
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt?“

Als das große Wesen diese Klagen von ihnen, die sich jammernd zu seinen Füßen wälzten, vernahm, sprach es folgende weitere Strophe:

„Nicht ist mein Herz mir ganz gespalten
und Mitleid fühl ich gegen euch;
doch da ich nach dem Himmel strebe,
darum will ich die Welt verlassen.“

Man teilte es aber auch seiner ersten Gemahlin mit. Diese aber, die hoch schwanger war und deren Leibesfrucht schon zur Reife gelangt war, kam herbei, bezeigte dem großen Wesen ihre Ehrfurcht und sprach neben ihm stehend folgende drei Strophen:

„Ein Unglück war 's für mich,
o Sutasoma, dass ich deine Gattin,
weil du auf meine Klagen
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt.

Ein Unglück war 's für mich,
o Sutasoma, dass ich deine Gattin,
weil du auf mich, die Schwangere,
nicht Rücksicht nehmend, Fürst, die Welt verlässt.

Reif ist die Leibesfrucht
in meinem Schoß; wart, bis ich hab geboren,
damit ich einsam nicht
als Witwe Unglück muss erleben.“

Darauf sprach das große Wesen folgende Strophe:

„Reif ist die Leibesfrucht
in deinem Schoß; wohlan, bring ihn zur Welt,
den Knaben groß von Schönheit.
Ich lass ihn und betätige die Weltflucht.“

Als sie seine Worte vernahm, konnte sie ihren Schmerz nicht länger ertragen, und indem sie rief: „Von jetzt an, o Fürst, habe ich kein Glück mehr“, presste sie die beiden Hände an das Herz und jammerte laut, dass ihr die Tränen herabströmten. Um sie aber zu trösten, sprach das große Wesen folgende Strophe:

„O Canda, weine nicht,
sei nicht betrübt mit waldesdunklen Augen!
Steige in den Palast,
denn ohne Rücksicht werd ich von hier gehen.“

Da sie seine Worte vernahm, konnte sie nicht mehr stehen bleiben, sondern stieg in ihren Palast hinauf und setzte sich weinend nieder. Als sie aber der älteste Sohn des Bodhisattva sah, dachte er: „Warum sitzt meine Mutter weinend da?“ Um sie zu fragen, sprach er folgende Strophe:

„Was hat gekränkt dich, Mutter?
Was weinst du und blickst starren Aug's mich an?
Wer ist der Todeswürd'ge,
den ich soll töten unter den Verwandten?“

Darauf sprach die Fürstin folgende Strophe:

„Den Mann kann man nicht töten;
der dir das Leben gab, hat mich gekränkt.
Dein Vater sprach zu mir, mein Sohn:
‚Ohn' alle Rücksicht werd ich von hier gehen.‘“

Als er ihre Worte vernommen, rief er: „Mutter, was sagst du da? Werden wir nicht, wenn es sich so verhält, hilflos sein?“ Und jammernd sprach er folgende Strophe:

„Der früher ich zum Parke
fuhr und mit wilden Elefanten kämpfte:
wenn Sutasoma jetzt die Welt
verlässt, was soll ich dann beginnen?“

Sein jüngerer Bruder aber, der sieben Jahre alt war, sah die beiden weinen. Er ging zur Mutter hin und fragte sie: „Mutter, warum weint ihr?“ Als er die Sache erfuhr, sagte er: „Weinet darum nicht; ich, meine Lieben, werde ihn nicht die Weltflucht betätigen lassen.“ Nachdem er sie so getröstet, stieg er mit seiner Amme vom Palaste hinunter, ging zu seinem Vater hin und sagte, indem er seinen Vater fest um den Hals fasste: „Väterchen, du sagst, du wollest uns gegen unsern Willen verlassen und die Weltflucht betätigen; ich werde dich nicht die Weltflucht betätigen lassen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Auch meine Mutter, die da weint,
und meinen ältren Bruder, der voll Trauer,
will beide bei der Hand ich fassen;
du darfst nicht fortgehn gegen unsern Willen!“

Da dachte das große Wesen: „Dieser bereitet mir ein Hindernis; durch welches Mittel kann ich ihn wieder zur Ruhe bringen?“ Er blickte die Amme an und sagte: „Mutter Amme, sieh diesen aus einer Menge von Edelsteinen bestehenden Schmuck. Dir soll er gehören, aber bringe meinen Sohn weg; er soll mir kein Hindernis verursachen!“ Da er also selbst seinen Sohn, den er bei der Hand gefasst hatte, nicht entfernen konnte, gestand er jener ein Geschenk zu und sprach folgende Strophe:

„Erhebe dich, du Amme;
erfreue diesen Prinzen anderswo,
dass er kein Hindernis mir sei,
während ich nach dem Himmel strebe.“

Sie nahm das Geschenk entgegen, besänftigte den Knaben und ging mit ihm anderswohin; dabei sprach sie klagend folgende Strophe:

„O dass ich könnt' verzichten
auf diesen Schmuck; wozu bedarf ich sein?
Wenn Sutasoma jetzt die Welt
verlässt, was soll ich dann beginnen?“—

Darauf dachte der erste Heerführer: „Dieser König meint wohl, glaube ich, in seinem Hause sei wenig Geld. Ich werde ihm mitteilen, dass es in Menge da ist.“ Und indem er sich erhob und seine Ehrfurcht bezeigte, sprach er folgende Strophe:

„Gar groß sind deine Schätze
und ganz gefüllt ist deine Schatzkammer.
Die Erde hast du überwunden;
erfreu dich dran, flieh nicht die Welt, o Fürst.“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es folgende Strophe:

„Gar groß sind meine Schätze
und ganz gefüllt sind meine Schatzkammern.
Die Erde hab ich überwunden;
dies geb ich auf und ich verlass die Welt.“

Als jener, nachdem er diese Worte vernommen, fortgegangen war, erhob sich ein Großkaufmann namens Kulavaddhana, bezeigte seine Verehrung und sprach folgende Strophe:

„Auch ich besitz viel Geld,
so dass ich es nicht zählen kann, o Fürst.
Dies geb ich alles dir;
erfreu dich dran, flieh nicht die Welt, o König.“

Als dies das große Wesen vernahm, sprach es folgende Strophe:

„Ich kenn dein vieles Geld
und werd von dir verehrt, Kulavaddhana.
Doch da ich nach dem Himmel strebe,
drum werde ich die Welt verlassen.“

Als Kulavaddhana, nachdem er dies gehört, sich entfernt hatte, wandte jener sich an seinen jüngeren Bruder Somadatta und sagte zu ihm: „Mein Lieber, ich bin unzufrieden wie ein Hahn, der in einem Käfig gefangen ist. Mich überwältigt die Unlust am Leben im Hause. Heute noch werde ich die Weltflucht betätigen; nimm du dies Reich hin!“ Und indem er ihm die Herrschaft übergab, sprach er folgende Strophe:

„Ich bin sehr unzufrieden,
Unlust hat mich befallen, Somadatta.
Zwar gibt es viele Hindernisse;
doch heute werd ich noch die Welt verlassen.“

Als jener dies hörte, bekam er selbst Lust zur Weltflucht und, um dies zu verkündigen, sprach er folgende weitere Strophe:

„Dieses gefällt dir also;
verlass noch heut die Welt, o Sutasoma.
Ich werde auch die Welt verlassen;
denn ich vermag nicht, ohne dich zu leben.“

Der Bodhisattva aber wies ihn zurück und sprach dabei folgende Halbstrophe:

„Du kannst ja nicht die Welt verlassen;
sonst wird nicht mehr gekocht in Stadt und Land.“

Als dies die Volksmenge hörte, wälzte sie sich vor den Füßen des großen Wesens und sprach jammernd:

„Wenn Sutasoma flieht die Welt,
was sollen wir dann alle tun?“

Darauf sagte das große Wesen: „Genug, seid nicht betrübt! Auch wenn ich lange hier geblieben bin, muss ich euch doch einmal verlassen; denn in diesem Leben gibt es nichts Beständiges.“ Und um der Volksmenge die Wahrheit zu erklären, sprach es:

„Dies Leben geht, glaub ich, dahin
wie eine kleine Menge Wassers durch ein Sieb;
und da dies Leben ist so klein,
ist keine Zeit zum müßig Sein.

Dies Leben geht, glaub ich, dahin
wie eine kleine Menge Wassers durch ein Sieb;
und da dies Leben ist so klein,
sind nur die Toren nachlässig.

Doch sie vermehren nur die Hölle,
das Reich der Tier' und der büßenden Geister;
gefesselt durch der Lüste Bande
mehren sie das Dämonenreich.“

Nachdem so das große Wesen der Volksmenge die Wahrheit verkündigt hatte, stieg es in seinen Pupphaka (= Blumenpalast) genannten Palast hinauf, trat auf das siebente Stockwerk und schnitt sich mit seinem Schwerte seinen Haarschopf ab; indem er rief: „Ich bin für euch nichts mehr, wählt euch einen König!“, warf er den Haarschopf samt dem Diadem unter die Volksmenge hinab. Die Volksmenge ergriff es und wälzte sich immer wieder unter Klagen am Boden. Dadurch entstand an dieser Stelle eine große Staubwolke.—Die Leute, die sich zurückgezogen hatten, blieben stehen, betrachteten diese und dachten: „Der König wird seinen Haarschopf abgeschnitten und samt dem Diadem unter eine Menge Volks geworfen haben; dadurch hat sich unweit des königlichen Palastes ein Staubwirbel erhoben.“ Und sie sprachen jammernd folgende Strophe:

„Ein Staubwirbel erhebt sich
ganz nahe bei dem Pupphaka-Palaste;
ich glaube, abgeschnitten wurden
die Haare des ruhmreichen Tugendkönigs.“—

Das große Wesen aber schickte einen Diener fort und ließ sich die Ausrüstungsgegenstände für einen Weltflüchtling herbeibringen; von dem Barbier ließ er sich Haare und Bart abscheren, legte seinen Schmuck auf sein Lager und riss von seinen roten Stirnbinden die Säume ab. Darauf zog er die gelben Asketengewänder an, hängte die irdene Almosenschale oben über die linke Schulter und nahm einen Stock zur Stütze in die Hand. Nachdem er so ein paar Mal auf dem hohen Söller auf und ab gegangen war, stieg er vom Palaste herunter und begab sich auf die Straße; während er aber so dahin ging, erkannte ihn niemand.

Seine siebenhundert Frauen aus edlem Geschlechte aber stiegen in den Palast hinauf; als sie ihn dort nicht fanden, sondern nur das Bündel von seinem Schmuck sahen, stiegen sie wieder hinunter, gingen zu seinen übrigen sechzehntausend Frauen hin und sagten ihnen: „Euer lieber Gatte, der große Herrscher Sutasoma, hat die Weltflucht betätigt.“ Indem sie so mit lauter Stimme klagten, gingen sie hinaus.

In diesem Augenblicke merkte auch die Volksmenge, dass jener die Welt verlassen hatte. Die ganze Stadt geriet in Aufregung, und indem sie riefen: „Unser König hat die Welt verlassen“, versammelten sie sich am Tore des königlichen Palastes. Mit den Worten: „Der König wird hier sein, da wird er sein“, gingen sie in die Paläste und die anderen Vergnügungsorte des Königs; und als sie den König nicht fanden, sprachen sie traurig folgende Strophen:

„Dies ist doch sein Palast
aus Gold, bestreut mit Blumen und Girlanden;
in diesem wandelte der König
umgeben von den Haremsfrauen.

Dieses ist sein Palast
aus Gold, bestreut mit Blumen und Girlanden,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Dachgemach
aus Gold, bestreut mit Blumen und Girlanden,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Dachgemach
aus Gold, bestreut mit Blumen und Girlanden,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Freudenwäldchen
voll Blumen, die beständig blühen, lieblich,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Freudenwäldchen
voll Blumen, die beständig blühen, lieblich,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Und dieses ist sein Park
voll Blumen, die beständig blühen, lieblich,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Und dieses ist sein Garten
von Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Kanikara-Wald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Kanikara-Wald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Patali-Wald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Patali-Wald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Mangowald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Mangowald
voll Blumen, die beständig blüh'n, entzückend,
in dem zu wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.

Dies ist sein Lotosteich
belebt von Vögeln und bestreut mit Blumen,
an dem zu wandeln pflegt' der König,
umgeben von den Haremsfrauen.

Dies ist sein Lotosteich,
belebt von Vögeln und bestreut mit Blumen,
an dem wandeln pflegt' der König,
von der Verwandten Schar umgeben.“

So klagend gingen sie umher.

Nachdem sie aber so an all diesen Orten geklagt hatten, kehrte die Volksmenge wieder in den Hof des königlichen Palastes zurück und sprach folgende Strophe:

„Die Welt verließ der König
Sutasoma und gab auf dieses Reich;
mit gelben Kleidern angetan
wandelt er einsam wie ein Elefant.“

Sie ließen ihr Haus und Vermögen im Stich, nahmen ihre Frauen und Kinder an der Hand, zogen fort und begaben sich zum Bodhisattva hin; ebenso auch die Mütter und Väter, die kleinen Kinder und die sechzehntausend Tänzerinnen des Königs:die Stadt war wie leer. Auch die Landbewohner gingen hinter ihnen drein. Der Bodhisattva aber nahm die zwölf Yojanas bedeckende Versammlung mit sich und zog fort in der Richtung nach dem Himalaya.

Als Gott Sakka seine Weltentsagung wahrnahm, sprach er zu Vissakamma:„Freund Vissakamma, der König Sutasoma hat die Weltflucht betätigt. Er muss eine Wohnung erhalten; es wird eine große Versammlung werden. Gehe fort und erbaue im Himalaya-Gebirge am Ufer des Ganges eine dreißig Yojanas lange und fünf Yojanas breite Einsiedelei!“ Jener tat so; dann richtete er in der Einsiedelei die Ausrüstungsgegenstände für Weltflüchtlinge her, machte noch einen Fußpfad und kehrte in die Götterwelt zurück. Das große Wesen ging auf diesem Pfade in die Einsiedelei hinein, betätigte zuerst selbst die Weltflucht und nahm dann auch die übrigen als Weltflüchtlinge auf. In der Folgezeit betätigten noch viele die Weltflucht; ein Platz von dreißig Yojanas im Umfang wurde mit ihnen angefüllt.—Die Art aber, wie Vissakamma die Einsiedelei erbaute, wie die vielen Leute die Weltflucht betätigten und wie der Bodhisattva die Einsiedelei unter sie verteilte, ist der schon im Hatthipala-Jātaka (Jātaka 509) gegebenen Schilderung zu entnehmen.

Jedesmal wenn dort einen ein Lustgedanke oder ein Unzuchtgelüste u. dgl. befiel, so kam das große Wesen durch die Luft zu ihm hin, setzte sich in der Luft mit gekreuzten Beinen nieder und sprach, um ihn zu ermahnen, folgendes Strophenpaar:

„Gedenket nicht der alten Freuden,
der früheren Ergötzungen,
damit euch nicht die Lüste töten;
denn lieblich war Sudassana.

Betätigt Nachdenken und Liebe
unablässig bei Tag und Nacht;
so kommt ihr zu der Götterstadt,
wo guter Werke Täter weilen.“

Die Asketenschar aber beharrte bei seiner Ermahnung und gelangte dadurch in die Brahmawelt; dies ist alles, wie schon im Hatthipala-Jātaka ausgeführt.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon betätigte der Vollendete die große Weltentsagung.“

Hierauf verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals waren die Eltern Angehörige der Großkönigsfamilie, Canda war Rāhulas Mutter, der älteste Sohn war Sariputta, der jüngste Sohn war Rāhula, die Amme war Khujjuttara, der Großkaufmann Kulavaddhana war Kassapa, der Haupt-Heerführer war Mogallana, der Prinz Somadatta war Ananda, der König Sutasoma aber war ich.“

Ende der kleinen Erzählung von Sutasoma