Jātaka 531

Die Erzählung von Kusa (Kusa-Jātaka)

„Dieses dein Reich“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen unzufriedenen Mönch. Dieser nämlich, ein Sohn aus edler Familie zu Savatthi, hatte der Lehre sein Herz geschenkt und war Mönch geworden. Als er eines Tages in Savatthi seinen Almosengang machte, betrachtete er, um ein günstiges Vorzeichen zu erhalten, ein geschmücktes Weib. Dadurch wurde er von sinnlicher Lust überwältigt und führte ein unzufriedenes Leben. Haare und Nägel ließ er lang wachsen, sein Körper magerte ab, seine Kleider waren beschmutzt, er wurde über und über gelb und an seinem Leibe traten die Adern hervor. Und wie in der Götterwelt an den baldigem Tode ausgesetzten Göttersöhnen fünf vorausgehende Vorzeichen bemerkt werden, nämlich dass ihre Kränze verwelken, ihre Gewänder schmutzig werden, an ihrem Körper eine üble Farbe sichtbar wird, aus beiden Achselhöhlen Schweißtropfen hervorkommen und dass sie am Göttersitze keine Freude mehr haben, ebenso erkennt man auch an den unzufriedenen Mönchen, die der Lehre absterben, fünf Vorzeichen: Die Blüten des Glaubens welken, die Gewänder der Tugend werden beschmutzt, infolge ihrer Unzufriedenheit und ihres üblen Rufes bekommen sie ein schlechtes Aussehen, der Schweiß der Lüste kommt an ihnen hervor und sie haben keine Freude mehr daran, am Fuße der Bäume des Waldes oder an einsamen Plätzen sich aufzuhalten.

Auch an jenem zeigten sich diese Zeichen. Da führte man ihn zum Meister hin und zeigte ihn diesem mit den Worten: „Dieser Mönch ist unzufrieden.“ Als der Meister auf seine Frage, ob dies wahr sei, eine bejahende Antwort erhielt, sprach er zu jenem: „Bleibe nicht, o Mönch, in der Gewalt der sinnlichen Lust. Dies Weibervolk ist schlecht; bezwinge dein verliebt Sein in ein Weib, erfreue dich an der Ordenslehre! Durch ihre Verliebtheit in ein Weib wurden auch die starken Weisen der Vorzeit ihrer Stärke beraubt und stürzten in Not und Verderben.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem herrschte im Reiche Malla in der Residenz Kusāvati ein König namens Okkaka in Gerechtigkeit. Unter seinen sechzehntausend Frauen hieß die erste Silavati (= die Tugendhafte), seine erste Gemahlin. Diese aber bekam weder einen Sohn noch eine Tochter. Deshalb versammelten sich die Städter und Landbewohner am Tore des Königspalastes und murrten: „Das Reich wird zugrunde gehen, das Reich wird verloren gehen.“ Der König öffnete das Fenster und fragte: „Solange ich regiere, gibt es niemand, der Unrecht tut; warum murrt ihr?“ Die Volksmenge antwortete: „Es ist wahr, o Fürst, es gibt niemand, der Unrecht tut; es ist aber kein Sohn vorhanden, der die Dynastie fortpflanzt. Ein andrer wird das Reich an sich reißen und es zugrunde richten. Bittet daher um einen Sohn, der fähig ist, gerecht das Reich zu regieren.“ Der König fragte weiter: „Was muss ich tun, um einen Sohn zu erbitten?“ Sie antworteten: „Macht zuerst sogleich kleine Tänzerinnen auf sieben Tage zu Freimädchen und gebet sie frei; wenn sie einen Sohn erhalten werden, so ist es gut. Andernfalls lasset dann mittlere Tänzerinnen frei und dann die ältesten Tänzerinnen. Gewiss wird unter so vielen Frauen eine Tugendhafte einen Sohn erhalten.“

Der König tat nach ihren Worten. Wenn sie dann immer am siebenten Tage zurückkamen, nachdem sie sich nach Gefallen erfreut hatten, fragte er sie: „Habt ihr einen Sohn empfangen?“ Alle antworteten: „Wir haben nicht empfangen, o Fürst.“

Darauf murrten die Städter abermals. Der König sprach zu ihnen: „Was murrt ihr? Ich habe nach eurem Wort die Tänzerinnen freigelassen; aber keine einzige hat einen Sohn empfangen. Was soll ich tun?“ Sie erwiderten: „Fürst, diese werden lasterhaft sein und ohne gute Werke; sie besitzen kein gutes Werk, um dadurch einen Sohn zu erhalten. Wenn sie aber keinen Sohn erhielten, so gib dich damit nicht zufrieden. Deine erste Gemahlin, die Fürstin Silavati, ist der Tugend voll. Sie gib frei; ihr wird ein Sohn zu teil werden.“ Der König stimmte zu und ließ folgendes durch Trommelschlag verkünden: „Am siebenten Tage von heute ab wird der König die Fürstin Silavati zum Freimädchen machen und freigeben; die Männer sollen sich versammeln.“ Und am siebenten Tage ließ er die Königin prächtig schmücken, führte sie vom Palaste herunter und gab sie frei.

Von der Macht ihrer Tugend aber wurde Gott Sakkas Sitz heiß. Als Sakka überlegte: „Was ist denn dies?“, merkte er, dass die Königin nach einem Sohne verlange, und er dachte: „Einer solchen Frau muss ich einen Sohn verschaffen. Gibt es wohl in der Götterwelt einen, der als Sohn zu ihr passt?“ Während er so nachsann, sah er den Bodhisattva. Dieser hatte nämlich damals im Himmel der dreiunddreißig Götter seine Lebenszeit zu Ende gebracht und wollte in einer höheren Götterwelt wiedergeboren werden. Sakka ging an die Tür von dessen Behausung, rief ihn zu sich und sprach: „Ehrwürdiger, du musst in die Menschenwelt gehen und im Schoße der ersten Gemahlin des Königs Okkaka deine Wiedergeburt nehmen.“ Nachdem er dessen Zustimmung erhalten, sagte er noch zu einem zweiten Göttersohne: „Auch du wirst ihr Sohn werden.“

Dann dachte er: „Niemand soll ihre Tugend verletzen“, und er begab sich in der Gestalt eines alten Brahmanen nach dem Tore des königlichen Palastes. Eine große Volksmenge hatte sich gebadet und geschmückt am Palasttor versammelt, indem jeder dachte: „Ich werde die Königin erhalten.“ Als sie aber Sakka sahen, riefen sie: „Warum bist du gekommen?“, und erhoben ein Gelächter. Sakka aber antwortete: „Was tadelt ihr mich? Wenn auch mein Körper alt geworden ist, so ist doch meine sinnliche Begierde nicht gealtert. Ich bin gekommen um, wenn ich Silavati erhalte, sie mit mir zu nehmen.“ Infolge seiner übernatürlichen Macht aber stand er vor allen anderen und kein anderer vermochte wegen dessen Kraft vor ihn zu kommen. Als daher die Königin mit allem Schmucke geziert aus dem Palaste herauskam, fasste er sie an der Hand und ging mit ihr fort.

Da schalten ihn die Leute, die da und dort standen: „Holla, seht nur, der alte Brahmane geht da mit der allerschönsten Königin fort; er weiß nicht, was sich für ihn passt.“ Auch die Königin wurde bei dem Gedanken: „Ein Alter hat mich mitgenommen“, von Ärger, Zorn und Ekel erfasst. Als aber der König, der an seinem Fenster stand und sah, wer wohl die Königin mit sich nehme, dies bemerkte, wurde auch er betrübt.

Sakka ging nun mit ihr zum Stadttor hinaus und erschuf in der Nähe des Tores ein Haus, dessen Tür offen stand und in dem eine Lagerstätte aus Holz hergerichtet war. Da fragte sie ihn: „Ist dies Eure Behausung?“ Er erwiderte: „Ja, Liebe. Früher aber war ich allein, jetzt sind wir zu zweien. Ich will einen Almosengang machen und Reiskörner u. dgl. herbeibringen; du lege dich auf diese Lagerstätte aus Holz!“ Nach diesen Worten berührte er sie mit sanfter Hand. Nachdem er sie von der göttlichen Berührung hatte durchdringen lassen, ließ er sie sich dort niederlegen; durch die Durchdringung mit der göttlichen Berührung aber verlor sie die Besinnung. Darauf brachte er sie durch seine übernatürliche Macht nach dem Himmel der dreiunddreißig Götter und legte sie in seinem reich geschmückten Palaste auf ein göttliches Lager.

Am siebenten Tage erwachte sie. Als sie diese Herrlichkeit sah, merkte sie: „Dies ist kein menschlicher Brahmane, es wird Gott Sakka sein.“ Sakka aber saß in dieser Zeit am Fuße des Paricchattaka-Baumes, umgeben von göttlichen Tänzerinnen. Jetzt erhob sich jene von ihrem Lager, ging zu ihm hin, bezeigte ihm ihre Ehrfurcht und stellte sich ihm zur Seite. Darauf sprach Sakka zu ihr: „Einen Wunsch gewähre ich dir, Fürstin; wähle!“ Sie antwortete: „So gib mir also, o Gott, einen Sohn!“ Der Gott versetzte: „O Fürstin, von einem nicht zu reden, zwei Söhne werde ich dir geben. Von diesen aber wird der eine weise sein, nicht schön, der andere schön, aber nicht weise. Welchen von ihnen wünschst du als ersten zu haben?“ Sie erwiderte: „Den weisen, o Gott!“

Der Gott versetzte: „Gut“, und gab ihr ein Kusa-Gras sowie ein göttliches Gewand, himmlisches Sandelpulver, eine Blüte des Paricchattaka-Baumes und eine Laute, Kokanada genannt. Dann ging er mit ihr in das Schlafgemach des Königs hinein, legte sie auf dasselbe Bett, wo der König lag, und berührte mit seinem Daumen ihren Nabel. In demselben Augenblicke nahm der Bodhisattva in ihrem Schoße seine Wiedergeburt. Gott Sakka aber kehrte an seinen Wohnort zurück.

Die kluge Königin erkannte, dass in ihr eine Leibesfrucht entstanden war. Als aber der König erwachte und sie sah, fragte er: „Wer hat dich hergebracht?“ „Gott Sakka!“, war die Antwort. Doch der König fuhr fort: „Ich sah mit eigenen Augen, wie du mit einem alten Brahmanen fortgingst; warum betrügst du mich?“ Die Königin versetzte: „Glaube mir, o Fürst, Sakka hat mich in die Götterwelt mitgenommen.“ Der König aber sagte: „Ich glaube es nicht, Fürstin.“ Da zeigte sie ihm das ihr von Sakka geschenkte Kusa-Gras und sprach: „Glaube mir!“ Doch der König dachte: „Das Kusa-Gras hat sie irgendwoher erhalten“, und glaubte ihr nicht. Jetzt zeigte sie ihm die göttlichen Gewänder. Als diese der König sah, glaubte er ihr und fragte: „Liebe, Sakka soll dich also fortgeführt haben; hast du aber einen Sohn empfangen?“ Sie antwortete: „Ich habe einen erhalten; eine Leibesfrucht ist in mir entstanden.“ Hocherfreut feierte er das Fest ihrer Empfängnis. Nach Ablauf von zehn Monaten gebar sie einen Sohn. Ohne ihm einen anderen Namen zu geben, legte man ihm den Namen des Kusa-Grases bei. Als der Prinz Kusa so alt war, dass er selbst gehen konnte, nahm jener andere Göttersohn in ihrem Leibe seine Wiedergeburt; diesem gab man den Namen Jayampati. Die beiden wuchsen unter großer Ehrung auf. Der Bodhisattva war sehr weise und erreichte, ohne bei einem Lehrer etwas gelernt zu haben, durch seine eigene Weisheit die Vollendung in allen Künsten.

Als er aber sechzehn Jahre alt war, wollte ihm der König die Herrschaft übergeben und er sprach zur Königin: „Liebe, wir wollen deinem Sohne die Herrschaft übertragen und ihn von Haremsfrauen bedienen lassen. Noch bei unseren Lebzeiten wollen wir ihn die Herrschaft führen sehen. Auf dem ganzen Jambu-Erdteil aber von welchem König du die Tochter wünschst, diese wollen wir für ihn herbeiholen und sie zu seiner Gemahlin machen. Erforsche seinen Sinn, an welcher Königstochter er Gefallen hat.“ Die Königin gab ihre Zustimmung und schickte eine Dienerin fort mit dem Auftrage: „Berichte dem Prinzen diese Angelegenheit und erforsche seinen Sinn.“

Die Dienerin ging hin und erzählte ihm die Sache. Als das große Wesen dies hörte, dachte es: „Ich bin nicht schön. Wenn auch eine mit Schönheit ausgestattete Königstochter mir als Gattin zugeführt wird und mich sieht, wird sie denken: ‚Was soll ich mit diesem Hässlichen?‘ und wird davonlaufen. So werden wir uns schämen müssen. Was soll mir das häusliche Leben? So lange meine Eltern leben, werde ich ihnen aufwarten; nach ihrem Tode aber werde ich von hier fortgehen und die Weltflucht betätigen.“ Und er sprach: „Ich begehre weder nach der Herrschaft noch nach Haremsfrauen. Nach dem Tode meiner Eltern werde ich die Welt verlassen.“

Jene ging hin und berichtete die Begebenheit der Königin. Der König war darüber unzufrieden und schickte nach Verlauf einiger Tage abermals eine Botschaft zu dem Prinzen; dieser wies sie aber wieder zurück. Nachdem er diese auch zum dritten Male zurückgewiesen hatte, dachte er beim vierten Male: „Mit den Eltern darf man nicht in einem feindlichen Verhältnis stehen; ich werde eine List gebrauchen.“ Er ließ den Ältesten der Schmiede zu sich rufen, gab ihm viel Gold und schickte ihn dann fort mit dem Auftrage: „Mache das Bildnis eines Weibes!“ Als dieser sich entfernt hatte, nahm er selbst anderes Gold und machte selbst ein Frauenbildnis.—Die Bestrebungen der Bodhisattvas nämlich gehen in Erfüllung. Dies Bildnis war so schön, dass es keine Zunge zu schildern vermag. Das große Wesen aber zog ihm ein leinenes Gewand an und stellte es in seinem Schlafgemache auf.

Als er nun das von dem Ältesten der Schmiede herbeigebrachte Bildnis sah, tadelte er ihn und sagte: „Gehe und hole das in unserm Schlafgemach stehende Bildnis herbei!“ Jener ging in das Schlafgemach hinein; als er dort das Bildnis sah, dachte er: „Ein Göttermädchen wird herabgekommen sein, um sich mit dem Prinzen zu erfreuen.“ Ohne im Stande zu sein, die Hand auszustrecken, kam er wieder heraus und sagte: „O Fürst, in deinem Schlafgemach steht eine edle Göttertochter; ich vermag nicht, ihr zu nahen.“ Darauf entgegnete der Prinz: „Lieber, gehe und hole mir dies goldne Bildnis“; und jener ging, als er zum zweiten Male fortgesandt wurde, und brachte es herbei.

Jetzt ließ der Prinz das von dem Schmiede gefertigte Bildnis in die Goldkammer werfen; das von ihm selbst gefertigte ließ er prächtig schmücken und auf einen Wagen stellen. Dann schickte er seiner Mutter die Botschaft: „Wenn ich eine solche bekomme, nehme ich sie.“ Jene ließ die Minister herbeirufen und sprach zu ihnen: „Ihr Lieben, mein Sohn ist sehr tugendhaft und mir von Gott Sakka gegeben; er soll eine seiner würdige Prinzessin erhalten. Stellt ihr dies Bildnis auf einen verhüllten Wagen und geht damit auf dem ganzen Jambu-Erdteil umher. Von welchem König ihr eine so aussehende Tochter gewahrt, dem gebt dies Bildnis und sagt: ‚Der König Okkaka will mit Euch eine Verschwägerung eingehen.‘ Dann setzt den Tag fest und kommt wieder hierher zurück.“

Die Minister erwiderten: „Gut.“ Sie nahmen das Bildnis mit sich und zogen mit großem Gefolge fort. Wenn immer sie auf ihrer Reise in eine Residenz gelangten, so hoben sie zur Abendzeit an einer Stelle, wo viel Volks verkehrte, das Bildnis, nachdem sie es mit Gewändern, Blumen und Schmuck geziert, in eine goldene Sänfte und stellte diese auf den Weg, der zum Ufer führte. Dann zogen sie sich zurück und stellten sich beiseite, um das Gespräch aller, die des Weges kamen, zu hören. Die Volksmenge betrachtete es, merkte aber nicht, dass es ein goldenes Bildnis sei, sondern sagte: „Diese, die doch ein menschliches Weib ist, gleicht einem Göttermädchen in ihrer übergroßen Schönheit. Warum steht sie da oder woher kommt sie? In unserer Stadt ist keine solche!“ Indem sie sie so priesen, gingen sie weiter. Wenn dies die Minister hörten, dachten sie: „Wenn hier ein so gestaltetes Mädchen wäre, würden sie sagen: ‚Sie ist wie die Königstochter so und so oder wie die Ministertochter so und so.‘ Sicherlich ist hier keine dergleichen.“ Und sie zogen mit dem Bildnis in eine andere Stadt.

Während sie so umherreisten, gelangten sie nach der Stadt Sagala im Reiche Madda. Der König von Madda hatte sieben Töchter von größter Schönheit, welche Göttermädchen glichen. Die älteste von allen war Pabhāvatī; von deren Körper gingen Strahlen aus wie von der jungen Sonne. Auch in der schwarzen Dunkelheit brauchte sie in ihrem vier Ellen breiten Gemache keine Lampe; das ganze Gemach war wie ein einziger Glanz. Sie hatte aber eine bucklige Amme. Nachdem diese Pabhāvatī zu essen gegeben hatte, ließ sie, um das Bad zu richten, acht Sklavinnen acht Töpfe nehmen und ging mit ihnen zur Abendzeit fort, um Wasser zu holen. Als sie nun das an der Straße nach dem Ufer stehende Bildnis sah, meinte sie, es sei Pabhāvatī, und dachte: „Diese Ungezogene hat uns, weil sie ihr Haupt waschen wollte, fortgeschickt, um Wasser zu holen; dabei ist sie zuerst gekommen und steht hier am Wege zum Ufer.“ Und zornig sprach sie: „Pfui, die du deiner Familie Schande machst; du bist zuerst gekommen und stehst jetzt da! Wenn der König dies erfährt, wird er uns verderben.“ Und sie schlug ihr mit der Hand auf die Wange. Da schlug sie ein Stück ab, so groß wie eine Handfläche. Jetzt merkte sie, dass es ein goldenes Bildnis war; lachend ging sie zu den Sklavinnen hin und sagte: „Da seht, was ich getan habe! Ich meinte, es sei meine Tochter, und gab ihr einen Schlag. Was ist diese neben meiner Tochter wert? Nur meiner Hand ist es schlecht gegangen.“

Jetzt nahmen sie die Gesandten des Königs zur Seite und fragten: „Als du sagtest: ‚Meine Tochter ist schöner als diese‘, wen meintest du da?“ Sie antwortete: „Pabhāvatī, die Tochter des Königs von Madda. Dies Bildnis ist auch nicht den sechzehnten Teil von ihr wert.“—

Hocherfreut gingen sie darauf zum Tore des Königs und ließen dem Könige melden: „Gesandte vom Könige Okkaka stehen an der Tür.“ Der König erhob sich von seinem Sitze und sprach stehend: „Ruft sie herbei!“ Als sie hereingekommen waren und dem Könige ihre Ehrerbietung bezeigt hatten, sagten sie: „O Großkönig, unser König lässt nach Eurer Gesundheit fragen.“ Nachdem ihnen dann die gebührende Ehrung erwiesen war, wurden sie gefragt: „Warum seid ihr gekommen?“ Darauf antworteten sie: „Unser König hat einen Sohn mit einer Löwenstimme, den Prinzen Kusa. Der König will ihm die Herrschaft übergeben und hat deshalb zu Euch geschickt. Gebt ihm Eure Tochter Pabhāvatī und nehmt dies goldene Bild als gebührendes Geschenk dafür!“ Mit diesen Worten gaben sie ihm das Bildnis. Jener dachte: „Mit einem solchen großen Könige wird es eine festliche Verschwägerung geben“; und hocherfreut willigte er ein.

Darauf sprachen die Boten zu ihm: „O Großkönig, wir dürfen uns nicht aufhalten. Wir wollen fortgehen und dem Könige melden, dass wir die Prinzessin erhalten haben. Dann wird er kommen und sie mit sich fortnehmen.“ Der König antwortete: „Gut“, und entließ sie unter gebührender Ehrung. Sie gingen hin und meldeten dies dem König und der Königin.

Der König verließ mit großem Gefolge Kusāvati und gelangte allmählich nach der Stadt Sagala. Der König von Madda zog ihm entgegen, ließ ihn in die Stadt eintreten und erwies ihm große Ehrung. Infolge ihrer Klugheit aber dachte die Königin Silavati: „Wer weiß, was noch kommen wird?“ Und sie sprach nach einem oder zwei Tagen zum König von Madda: „O Großkönig, wir möchten unsere Schwiegertochter sehen.“ Er gab seine Zustimmung und ließ seine Tochter rufen. Pabhāvatī kam herbei, mit allem Schmuck geziert und von der Schar ihrer Dienerinnen umgeben, und bezeugte ihrer Schwiegermutter ihre Verehrung.

Als jene sie sah, dachte sie: „Diese Prinzessin ist sehr schön, mein Sohn aber ist hässlich. Wenn sie ihn sieht, wird sie keinen einzigen Tag bleiben und davonlaufen. Ich werde eine List anwenden.“ Sie wandte sich an den König von Madda und sprach zu ihm: „O Großkönig, meine Schwiegertochter passt zu meinem Sohn. Es besteht aber in unserer Familie nach altem Herkommen eine Sitte; wenn sie sich dieser Sitte fügt, werden wir sie ihm als Frau zuführen.“ Der König fragte: „Was ist aber eure Sitte?“ Sie antwortete: „In unserm Stamme dürfen die Frauen, bis sie empfangen haben, bei Tage ihren Gatten nicht sehen. Wenn du, Mädchen, so tun willst, werden wir dich heimführen.«

Jetzt fragte der König seine Tochter: „Meine Liebe, wirst du im Stande sein, so zu handeln?“ Sie erwiderte: „Ja, Vater.“ Darauf gab der König Okkaka dem König von Madda viel Vermögen und zog mit der Tochter fort. Der König von Madda aber entließ seine Tochter unter großer Ehrung.

Als Okkaka nach Kusāvati kam, ließ er die Stadt schmücken, befreite alle Gefangenen von ihren Banden und erteilte seinem Sohne die Königsweihe. Pabhāvatī gab er ihm zur ersten Gemahlin und ließ durch Trommelschlag verkünden: „Befehl des Königs Kusa.“ Auf dem ganzen Jambu-Erdteil schickten die Könige, die Töchter hatten, dem König Kusa ihre Töchter und die, welche Söhne hatten, schickten, weil sie nach seiner Freundschaft begehrten, ihm ihre Söhne, dass sie ihm dienten.

Der Bodhisattva hatte so ein großes Gefolge von Haremsfrauen und führte unter großer Ehrung die Herrschaft. Pabhāvatī aber durfte er bei Tage nicht sehen und auch sie durfte ihn bei Tage nicht sehen, sondern die beiden sahen sich nur bei Nacht. Damals war der Glanz von Pabhāvatīs Körper ganz außergewöhnlich; der Bodhisattva aber verließ das Schlafgemach immer noch bei Nacht.

Nach mehreren Tagen bekam er Lust, Pabhāvatī bei Tage zu sehen und teilte dies seiner Mutter mit. Diese wies ihn zurück mit den Worten: „Möge dir dies nicht gefallen; warte solange, bis sie einen Sohn bekommen hat.“ Er aber bat immer wieder darum. Darauf sprach sie zu ihm: „So gehe also in den Elefantenstall und stelle dich dort hin in der Kleidung eines Elefantenwärters. Ich werde sie dorthin führen; dann mache deine Augen auf und schaue sie an; gib dich ihr aber nicht zu erkennen.“ Er stimmte ein und begab sich in das Elefantenhaus.

Jetzt veranstaltete die Königinmutter ein Elefantenfest und sagte zu Pabhāvatī: „Komm, wir wollen die Elefanten deines Gatten anschauen.“ Sie führte sie hin und zeigte ihr die einzelnen, indem sie sagte: „Dieser Elefant heißt so und so und dieser heißt so und so.“ Während sie aber so hinter der Mutter herging, traf sie der König mit einem Stück Elefantenkot auf den Rücken. Voll Zorn rief sie: „Ich werde den König veranlassen, dass er dir die Hand abschlagen lässt“, und wollte auch die Königin aufreizen; diese aber rieb ihr den Rücken, um sie zu beschwichtigen.

Als sie der König abermals sehen wollte, schaute er sie im Pferdestall in der Kleidung eines Pferdewärters an und warf sie dort mit einem Stück Pferdemist; und auch jetzt beschwichtigte ihre Schwiegermutter die Erzürnte.

Wieder an einem andern Tage wollte Pabhāvatī das große Wesen sehen und teilte es ihrer Schwiegermutter mit. Obwohl diese sie mit den Worten: „Genug; möge dir dies nicht gefallen“, zurückwies, bat sie immer wieder darum. Darauf sprach sie zu ihr: „Es wird also morgen mein Sohn die Stadt von rechts umfahren; öffne du dann das Fenster und sieh ihn an!“

Nachdem sie so gesprochen, ließ sie am nächsten Tage, nachdem die Stadt reich geschmückt worden war, den Prinzen Jayampati die Kleidung des Königs nehmen, ließ ihn auf der Seite des Elefanten sich niedersetzen und so die Stadt von rechts umreiten. Mit Pabhāvatī stellte sie sich an das Fenster und sagte zu ihr: „Sieh den Glanz und die Herrlichkeit deines Gatten!“ Diese dachte: „Einen passenden Gatten habe ich erhalten“, und war voll Freude.

An diesem Tage aber hatte das große Wesen in der Kleidung des Elefantenwärters sich hinter Jayampati auf den Rücksitz gesetzt; nachdem er nach Wunsch Pabhāvatī angeschaut hatte, trieb er nach Herzenslust Kurzweil, indem er mit den Händen Gebärden machte u. dgl.—Als der Elefant vorüber war, fragte die Königinmutter Pabhāvatī: „Meine Tochter, hast du deinen Gatten gesehen?“ Diese antwortete: „Ja, Mutter; auf dem Rücksitz aber saß ein sehr ungezogener Elefantenwärter und hat gegen mich allerlei Gebärden mit der Hand gemacht. Warum ließ man diesen Schurken auf dem Rücksitze hinter dem Könige Platz nehmen?“ Die Mutter erwiderte: „Meine Tochter, auf dem Rücksitze des Königs sind Wächter erwünscht.“

Da dachte jene: „Dieser Elefantenwärter ist allzu furchtlos und achtet auch den König nicht als König. Vielleicht ist er selbst der König Kusa! Sicherlich wird dieser hässlich sein; darum zeigt man mir ihn nicht“ Und sie sagte der Buckligen ins Ohr: „Mutter, gehe sogleich und erforsche, ob der auf dem Vordersitz Sitzende der König ist oder der auf dem Rücksitz!“ Jene ging fort, stellte sich zur Seite und sah, wie zuerst der Bodhisattva herabstieg und dann erst der Prinz Jayampati. Während aber das große Wesen überall umherschaute, sah es die Bucklige und merkte: „Aus diesem Grunde wird sie gekommen sein.“ Er ließ sie zu sich rufen und sagte ihr mit strengem Tone: „Erzähle diese Begebenheit nicht!“, worauf er sie entließ. Sie ging hin und meldete: „Der vorn Sitzende ist zuerst heruntergestiegen.“ Pabhāvatī aber glaubte ihrem Worte.

Ein andermal wollte sie der König wieder sehen und bat seine Mutter darum. Da ihn diese nicht zurückweisen konnte, sagte sie: „So gehe also in unkenntlich machender Kleidung in den Park.“ Jener begab sich in den Park, stieg im Lotosteiche bis an den Hals ins Wasser hinein und stellte sich dort hin, indem er mit einem Lotosblatt sein Haupt verhüllte und mit einem blühenden Lotos sein Antlitz bedeckte. Seine Mutter aber führte Pabhāvatī in den Park und schickte sie, als es Abend wurde, nach dem Ufer des Lotosteiches, indem sie sie mit folgenden Worten verlockte: „Sieh diese Bäume, sieh diese Vögel, sieh die Gazellen!“

Als nun die junge Königin den von fünf verschiedenen Arten von Lotosblumen bedeckten Lotosteich erblickte, bekam sie Lust zu baden; sie stieg mit ihren Dienerinnen in den Lotosteich hinab. Bei ihrem Spiele sah sie jenen Lotos und streckte die Hand aus, um ihn zu erfassen; da entfernte der König das Lotosblatt von sich und nahm sie mit den Worten: „Ich bin König Kusa“, bei der Hand. Als sie aber sein Antlitz sah, schrie sie: „Ein Dämon fasst mich an“, und verlor die Besinnung; darauf ließ der König ihre Hand los.

Sie kam wieder zur Besinnung und dachte bei sich: „Der König Kusa hat mich bei der Hand gefasst. Er war es auch, der mich im Elefantenstall mit dem Elefantenkot und im Pferdestall mit dem Pferdekot warf; er hat mich auch, während er auf dem Rücksitz des Elefanten saß, verspottet. Was soll ich mit einem so unschönen, hässlichen Gatten? Wenn ich am Leben bleibe, werde ich noch einen anderen Gatten bekommen.“ Sie ließ die mit ihr gekommenen Hofleute zu sich rufen und sagte ihnen: „Bringt meinen Reisewagen in Ordnung; heute noch werde ich abreisen.“ Jene meldeten dies dem Könige. Der König dachte bei sich: „Wenn sie nicht fortgehen darf, wird ihr das Herz zerspringen. Sie soll gehen; durch meine Kraft werde ich sie wieder herbeiholen.“ Und er erlaubte ihr die Abreise. Darauf begab sie sich nach der Stadt ihres Vaters. Der Bodhisattva aber kehrte aus dem Parke in die Stadt zurück und stieg in seinen reich geschmückten Palast hinauf.—

Jene wollte aber den Bodhisattva nicht infolge eines früher getanen Wunsches und auch er war nur infolge einer früher begangenen Tat so hässlich. Ehedem wohnten nämlich in einem Dorfe vor den Toren von Benares in der oberen Straße und in der unteren Straße zwei Familien; die eine Familie hatte zwei Söhne, die andere eine Tochter. Von den beiden Söhnen war der Bodhisattva der jüngste. Das Mädchen führten sie dem ältesten Bruder zu; weil aber der jüngere keine Frau heimführte, wohnte er immer bei seinem Bruder.

Eines Tages backten sie in diesem Hause gar wohlschmeckende Kuchen. Der Bodhisattva aber war in den Wald gegangen; deshalb hob man ihm seinen Kuchen auf, während die übrigen verteilt und aufgegessen wurden. In diesem Augenblicke kam ein Paccekabuddha auf seinem Almosengang an das Haustor. Die Frau des Bruders des Bodhisattva dachte: „Meinem Schwager werde ich einen anderen Kuchen backen“, nahm jenen Kuchen und gab ihn dem Paccekabuddha. In demselben Moment kam jener aus dem Wald zurück. Darauf sagte die Frau zu ihm: „Herr, besänftige deinen Sinn; dein Teil wurde dem Paccekabuddha gegeben.“ Jener erwiderte: „Deinen Teil hast du gegessen und meinen Teil hergegeben; was kannst du mit dem andern tun?“ Und voll Zorn nahm er den Kuchen von der Almosenschale des Asketen. Jetzt ging die Frau in das Haus ihrer Mutter, brachte zerlassene Butter herbei, die frisch bereitet war und der Campaka-Blume an Farbe glich, und füllte damit die Almosenschale; diese verbreitete hellen Glanz. Als die Frau dies sah, äußerte sie folgenden Wunsch: „Ehrwürdiger Herr, wo immer ich wiedergeboren werde, soll mein Körper Glanz verbreiten. Ich möchte die höchste Schönheit erlangen und mit diesem bösen Manne möge ich nicht an einem Orte wohnen.“—So wollte sie ihn nicht infolge ihres früher geäußerten Wunsches.—Der Bodhisattva aber legte den Kuchen wieder in die Almosenschale und äußerte dabei folgenden Wunsch: „Ehrwürdiger Herr, ich möchte im Stande sein, diese Frau, auch wenn sie hundert Yojanas weit wohnt, herbeizuholen und zu meiner Dienerin zu machen.“ Weil aber damals der Bodhihattva im Zorne den Kuchen wegnahm, durch die Kraft dieser früheren Tat war er so hässlich.—

Nachdem aber Pabhāvatī fortgezogen war, war jener bekümmert; seine übrigen Frauen vermochten, obwohl sie ihm auf verschiedene Art aufwarteten, ihn nicht zu veranlassen, dass er sie ansah. Der Pabhāvatī beraubt erschien ihm sein ganzer Palast, als wäre er leer. Als er dachte: „Jetzt wird sie in die Stadt Sagala gekommen sein“, ging er zur Zeit der Morgendämmerung zu seiner Mutter hin, sagte zu ihr: „Mutter, ich werde Pabhāvatī zurückholen; verwaltet Ihr das Reich!“, und sprach folgende erste Strophe:

Dieses dein Reich voll Gold und voll Gespannen,
von Kleinoden und allen Freuden voll,
dieses dein Reich verwalte du jetzt, Mutter;
ich gehe zu Pabhāvatī, der Lieben.

Als sie seine Worte vernahm, erwiderte sie: „Mein Sohn, so lasse also nicht nach; die Weiber haben nämlich unreine Wünsche.“ Sie füllte eine goldene Schüssel mit Speisen von verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack, sagte ihm noch: „Verzehre dies unterwegs“, und entließ ihn. Er nahm die Schale, bezeigte seiner Mutter seine Verehrung, umwandelte sie dreimal von rechts und sagte: „Lebend werde ich dich wiedersehen.“ Dann ging er in sein fürstliches Schlafgemach, umgürtete sich mit den fünf Arten der Waffen, tat die Speisenschüssel und dazu tausend Kahapanas in einen Korb, nahm die Laute Kokanada mit, verließ die Stadt und machte sich auf den Weg. Weil er von großer Stärke und Kraft war, legte er bis zum Mittag fünfzig Meilen zurück und verzehrte dann sein Mahl. Im andern Teil des Tages machte er abermals fünfzig Meilen. Nachdem er so an einem einzigen Tage den Weg, der hundert Meilen lang war, zurückgelegt hatte, badete er zur Abendzeit und betrat dann die Stadt Sagala. Sobald er aber die Stadt Sagala betreten hatte, vermochte infolge seiner Tugendmacht Pabhāvatī nicht mehr auf ihrem Lager zu bleiben; sie stieg herab und legte sich auf den Boden.

Als nun der Bodhisattva ermattet aussehend die Straße daherkam, sah ihn eine Frau; sie rief ihn zu sich, wies ihm einen Sitz an, ließ ihm die Füße waschen und dann ein Lager geben. Während er schlief, bereitete sie ihm Speise, weckte ihn dann auf und gab ihm die Speise zu essen. Hocherfreut schenkte er der Frau dafür die tausend Kahapanas samt der goldenen Schüssel. Hierauf legte er bei ihr seine fünf Waffen ab und sagte: „Ich muss noch irgendwohin gehen.“ Er nahm seine Laute mit und begab sich nach dem Elefantenstall, wo er den Elefantenwärtern sagte: „Lasst mich heute hier bleiben; ich werde euch Musik machen.“ Als sie es ihm gestatteten, legte er sich beiseite; wie dann seine Ermattung aufgehört hatte, stand er auf, machte die Laute los und spielte die Laute und sang dazu, indem er dachte: „Alle Bewohner der Stadt sollen diesen Schall hören.“

Auch Pabhāvatī vernahm, als sie auf dem Boden lag, diesen Ton und merkte: „Dies ist keines andern Lautenton; ohne Zweifel ist König Kusa um meinetwillen gekommen.“ Als der König Madda gleichfalls diesen Laut hörte, dachte er: „Er spielt gar süß; morgen werde ich ihn rufen lassen und ihn zu meinem Musikanten machen.“

Der Bodhisattva aber dachte: „Wenn ich hier wohnen bleibe, kann ich Pabhāvatī nicht sehen; dies ist kein passender Ort.“ Am Morgen ging er von dort weg; in dem Hause, wo er am Abend vorher gespeist hatte, nahm er das Frühmahl ein und ließ seine Laute dort. Dann begab er sich zu dem Töpfer des Königs und trat bei ihm in die Lehre.

Nachdem er an einem Tage das ganze Haus mit Ton angefüllt hatte, sagte er: „Ich will Töpfe machen, Meister“, und dieser erwiderte: „Ja, mache sie.“ Darauf legte er ein Stück Ton auf das Rad und drehte das Rad; als es nur einmal herumgedreht war, ging es schon scharf bis zur Mittagszeit. Nachdem er so verschieden geformte kleine und große Gefäße gemacht hatte, machte er auch für Pabhāvatī ein Gefäß und bildete verschiedene Gestalten darauf. Die Absichten der Bodhisattvas nämlich gehen in Erfüllung; er beschloss aber, dass diese Gestalten nur Pabhāvatī sehen solle.

Als er so alle Gefäße getrocknet und gebrannt hatte, war das ganze Haus davon erfüllt. Der Töpfer nahm die verschiedenen Gefäße und ging an den Hof des Königs. Als der König sie sah, fragte er: „Wer hat sie gemacht?“ Jener antwortete: „Ich, o Fürst.“ Doch der König erwiderte: „Ich weiß, dass du sie nicht gemacht hast; sage, von wem sie gemacht sind.“ Der Töpfer versetzte: „Von meinem Schüler, o Fürst.“ Darauf sprach der König: „Er ist nicht dein Schüler, er ist dein Lehrer; erlerne bei ihm deine Kunst! Von jetzt an soll er für meine Töchter die Gefäße machen. Gib ihm diese tausend Geldstücke!“ Er ließ ihm tausend Geldstücke reichen und fügte hinzu: „Gib diese kleinen Gefäße meinen Töchtern!“

Jener brachte sie zu ihnen hin und sagte: „Dies sind kleine Gefäße zum Spielen.“ Darauf kamen sie alle herbei. Der Töpfer aber gab das von dem großen Wesen für Pabhāvatī gefertigte Gefäß ihr allein. Als diese das Gefäß in die Hand nahm, sah sie darauf ihr Bild und das der Buckligen und sie merkte: „Dies ist von keinem anderen gemacht, sondern nur vom König Kusa.“ Voll Zorn sagte sie: „Ich begehre nicht nach diesem; gib es solchen, die es wünschen!“ Als aber ihre Schwestern ihren Zorn wahrnahmen, sagten sie: „Du meinst, es sei vom König Kusa gefertigt. Nicht er hat es gemacht, der Töpfer hat es gemacht; nimm es!“, und sie lachten sie aus. Sie aber verriet ihnen nicht, dass er es gemacht habe und dass er gekommen sei.

Der Töpfer gab die tausend Geldstücke dem Bodhisattva und sprach zu ihm: „Mein Lieber, der König ist von dir befriedigt. Von jetzt an darfst du die Gefäße für die Königstöchter machen; ich werde sie ihnen bringen, mein Lieber.“ Dieser aber dachte: „Auch wenn ich hier bleibe, kann ich Pabhāvatī nicht sehen“; er schenkte dem Töpfer die tausend Geldstücke und begab sich zu einem dem König dienenden Rohrflechter, dessen Schüler er wurde. Er verfertigte für Pabhāvatī einen Fächer aus Palmblättern und zeichnete darauf verschiedene Figuren, wie einen weißen Sonnenschirm, eine Trinkhalle und Pabhāvatī, wie sie dastand mit einem Gewande in der Hand.

Der Rohrflechter ging mit diesem Fächer und mit anderer Ware, die der andere gefertigt hatte, zum Hofe des Königs. Als der König sie sah, fragte er: „Wer hat diese Dinge gemacht?“ Nachdem er ihm auf die oben angegebene Art tausend Geldstücke gegeben, sagte er zu ihm: „Gib diese Rohrflechtarbeiten meinen Töchtern.“ Jener gab den vom Bodhisattva für Pabhāvatī gefertigten Palmblattfächer nur ihr. Auch jetzt erkannte niemand anders die Figuren; Pabhāvatī aber sah sie und erkannte, dass sie vom König Kusa gefertigt seien. Voll Zorn warf sie ihn auf die Erde mit den Worten: „Wer ihn nehmen will, soll ihn nehmen.“ Die anderen aber lachten sie aus.

Der Rohrflechter brachte die tausend Geldstücke dem Bodhisattva. Dieser dachte: „Auch an diesem Orte ist meines Bleibens nicht“; er gab jenem die tausend Geldstücke und ging zu dem Kränzebinder des Königs hin, in dessen Lehre er trat. Nachdem er verschiedene Gestaltungen von Kränzen gefertigt, machte er für Pabhāvatī ein mit mannigfachen Figuren verziertes Blumenkissen. Der Kränzebinder ging mit dem allem an den Hof des Königs. Als der König die Sachen sah, fragte er: „Wer hat sie gebunden?“ „Ich, o Fürst“, war die Antwort. Doch der König fuhr fort: „Ich kenne die Kränze, die du bindest; sage, von wem sind diese gebunden?“ Der Kränzeflechter antwortete: „Von meinem Schüler.“ Darauf sprach der König: „Dies ist nicht ein Schüler, dein Lehrer ist er; lerne bei ihm deine Kunst. Von jetzt an soll er für meine Töchter die Blumen binden; gib ihm diese tausend Geldstücke.“ Mit diesen Worten gab er ihm tausend Geldstücke und fügte hinzu: „Gib diese Blumen meinen Töchtern!“

Jener gab das vom Bodhisattva für Pabhāvatī gefertigte Blumenkissen ihr allein. Als diese darin ihre Gestalt und die des Königs und noch verschiedene andere Gestalten sah, merkte sie, dass es der König gemacht habe, und warf es zornig auf den Boden. Ihre übrigen Schwestern aber lachten sie darüber aus.

Der Kränzebinder brachte die tausend Geldstücke dem Bodhisattva und erzählte ihm diese Begebenheit. Da dachte dieser: „Auch hier darf ich nicht bleiben“; er gab dem Kränzebinder die tausend Geldstücke, ging zu dem Koch des Königs hin und trat in dessen Lehre. Als nun eines Tages der Koch dem König verschiedenartige Speisen brachte, gab er dem Bodhisattva Beinfleisch, um es für ihn zu braten. Dieser aber bereitete es so zu, dass der Duft davon sich in der ganzen Stadt verbreitete. Der König roch ihn und fragte: „Brätst du in unserer Küche noch anderes Fleisch?“ Jener antwortete: „Nein, o Fürst; ich gab nur meinem Lehrling Beinfleisch zum Zubereiten; davon wird dieser Geruch kommen.“ Der König ließ es sich holen und legte ein wenig davon auf die Zungenspitze; sogleich verbreitete sich der Geschmack und erregte die siebentausend Geschmacksnerven. Von Lust nach Wohlgeschmack überwältigt, gab ihm der König tausend Geldstücke und sagte: „Von jetzt an lasse deinen Schüler die Speisen für mich und für meine Töchter zubereiten; bringe du sie mir und jener soll sie meinen Töchtern bringen!“

Der Koch ging hin und berichtete es dem andern. Als dieser es hörte, dachte er: „Jetzt ist mein Wunsch zur Erfüllung gekommen; jetzt werde ich Pabhāvatī sehen können.“ Hocherfreut gab er ihm die tausend Geldstücke. Nachdem er am nächsten Tage die Speisen zubereitet hatte, schickte er dem König die Speisentöpfe; er selbst nahm die Tragstange mit den Speisen für die Königstöchter und stieg in den Palast hinauf, wo Pabhāvatī wohnte.

Als diese ihn mit der Tragstange in den Palast hinaufsteigen sah, dachte sie: „Dieser tut, was nicht für ihn passt, sondern was die Sklaven tun müssen. Wenn ich aber ruhig bleibe, wird er meinen: ‚Jetzt findet sie Gefallen an mir‘ und wird, ohne anderswohin zu gehen, immer hier bleiben und mich anschauen. Jetzt werde ich ihn anfahren, schelten und ihn so davon treiben, ohne ihn nur einen Augenblick hier bleiben zu lassen.“ Sie machte die Tür halb auf, und indem sie die eine Hand an die Türe legte und mit der andern den Riegel vorschob, sprach sie folgende zweite Strophe:

Du bist verrückt, dass du die große Last
hier trägst bei Tag und Nacht und Mitternacht.
Kehr nach Kusāvati rasch wieder, Kusa;
ich will nicht, dass du Hässlicher hier bleibst.

Jener aber dachte: „Von Pabhāvatī bin ich angeredet worden“; und hocherfreut sprach er folgende drei Strophen:

Ich geh nicht nach Kusāvati von hier,
Pabhāvatī, verlockt durch deine Schönheit.
An Maddas lieber Wohnung freu ich mich;
gern gab mein Reich ich auf, um dich zu sehen.

Pabhāvatī, von deiner Schönheit toll
wandle verwirrt umher ich auf der Erde;
die Gegend kenne ich, woher ich kam;
berauscht bin ich von dir, Gazellenäugige.

Die du goldne Gewänder trägst
und einen Gürtel auch aus Gold,
Schlankhüftige, aus Lieb' zu dir
begehr ich nicht nach meinem Thron.“

Als er so gesprochen, dachte sie: „Ich schelte ihn, damit er die Lust verliert, er aber spricht voll Zuneigung zu mir. Wenn er jedoch sagen würde: ‚Ich bin König Kusa‘ und mich bei der Hand nähme, wer könnte ihn da abhalten, wer immer diese unsere Worte hört?“ Sie schloss die Türe und blieb drinnen stehen, indem sie den Bolzen in den Riegel schob. Jener aber nahm die Tragstange mit den Speisen wieder weg und gab den Königstöchtern das Mahl zu verzehren.

Pabhāvatī schickte nun die Bucklige fort mit dem Auftrage: „Gehe und hole die Speisen, die König Kusa bereitet hat.“ Sie brachte sie herbei und sagte: „Iss!“ Doch die Königstochter erwiderte: „Ich verzehre nicht die Speisen, die er zubereitet hat. Iss du sie; dann nimm die Nahrungsmittel, die du erhalten, bereite die Speisen zu und bringe sie mir. Verkündige aber niemand, dass der König Kusa gekommen ist.“ Von da an nahm die Bucklige den Anteil von jener und verzehrte ihn selbst; mit ihrem eigenen Teil aber bewirtete sie jene.

Als sie aber von da ab der König Kusa nicht mehr zu Gesichte bekam, dachte er bei sich: „Hat nun eigentlich Pabhāvatī Liebe zu mir oder nicht? Ich will sie prüfen.“ Nachdem er die andern Königstöchter gespeist hatte und mit der Speisentragstange hinausging, stieß er an der Türe zu ihrem Gemache mit den Füßen an den Boden der Terrasse, schüttelte die Gefäße durcheinander, fiel laut klagend gekrümmt zu Boden und verlor die Besinnung.

Bei seinem Klagelaut öffnete sie die Tür, und als sie ihn unter der Speisentragstange daliegen sah, dachte sie: „Dieser König, der erste König vom ganzen Jambu-Erdteil, erduldet um meinetwillen Tag und Nacht Leid. Infolge seiner Zartheit ist er unter der Speisentragstange zu Boden gefallen. Lebt er noch?“ Und sie ging aus ihrem Gemache heraus, streckte, um seinen Atem zu beobachten den Hals aus und schaute auf seinen Mund. Er aber nahm den Mund voll Speichel und schleuderte ihn auf ihren Körper. Scheltend ging sie in ihr Gemach hinein, und indem sie an der halb geöffneten Tür stehen blieb, sprach sie folgende Strophe:

He, unziemlich ist dies für einen,
wenn man den nicht Begehrenden begehrt;
die nicht Liebende liebst du, König;
ungeliebt wünschst du die Geliebte.

Infolge seiner Verliebtheit aber kam er, obwohl er so gescholten und getadelt wurde, doch nicht zur Vernunft, sondern sprach folgende weitere Strophe:

Ob sie nicht liebend oder liebend:
wenn seine Lieb' erhält ein Mann,
so sind wir froh, sie zu erhalten;
das Nichterhalten ist von Übel.

Während er aber dies sagte, gab jene doch nicht nach, sondern indem sie starke Worte gebrauchte, sprach sie, um ihn zum Weglaufen zu veranlassen, folgende andere Strophe:

Den festen Stein willst du aushöhlen
mit eines Kanikara Stamm;
im Netze willst den Wind du fangen,
der du die nicht Wollende willst.

Als dies der König hörte, sprach er folgende drei Strophen:

„Ein Stein ist jetzt in deinem Herzen
befestigt, du Sanftblickende,
weil ich nicht deine Liebe finde,
der ich von fern hierher gereist.

Wenn du mit hochgezognen Brauen
mich anschauest, du Königstochter,
so bin ich jetzt der Koch des Königs
von Madda in dem Weiberhause.

Doch wenn mit fröhlichem Gesichte
du mich anschaust, o Königstochter,
dann bin ich nicht der Koch des Königs,
dann bin ich König selbst, bin Kusa.“

Als sie diese seine Worte vernahm, dachte sie bei sich: „Dieser redet aus allzu großer Anhänglichkeit. Ich werde eine Unwahrheit sagen und ihn durch eine List zum Weggehen veranlassen.“ Und sie sprach folgende Strophe:

Doch wenn der Zeichendeuter Worte
als Wahrheit sich bewähren werden,
so kannst du nicht mein Gatte werden;
sonst schlägt man mich in sieben Teile.

Da dies der König hörte, antwortete er, um sie zurückzuweisen: „Liebe, auch ich habe in meinem Reiche die Zeichendeuter befragt; diese gaben mir den Bescheid, außer dem löwenstimmigen König Kusa gibt es keinen Gatten für dich. Auch ich sage so, weil ich mich selbst auf die Vorzeichen verstehe.“ Und er sprach folgende weitere Strophe:

Wenn aber Wahrheit ist das Wort
von andren oder auch von mir,
so gibt es für dich keinen Gatten
als Kusa mit der Löwenstimme.

Als sie dessen Worte vernahm, dachte sie: „Ich kann ihn nicht beschämen; mag er fortgehen oder nicht, was liegt mir an ihm?“ Sie schloss die Türe und zeigte sich nicht mehr. Jener aber nahm seine Tragstange und stieg wieder aus dem Palast hinab.

Von da an durfte er sie nicht mehr sehen; während er aber das Geschäft des Kochs verrichtete, wurde er gar sehr müde. Wenn er sein Frühstück verzehrt hatte, spaltete er Holz, wusch die Gefäße aus und trug mit der Tragstange Wasser herbei. Wenn er sich ausruhte, legte er sich auf einen Haufen Korn. In der Frühe stand er auf, kochte Reisschleim und andere Speisen, brachte sie fort und setzte sie vor. So duldete er um seiner Begierde nach Lust willen gar großes Leid.

Eines Tages sah er die Bucklige an der Türe der Küche vorbeigehen und rief sie zu sich. Diese aber getraute sich aus Furcht vor Pabhāvatī nicht, zu ihm hineinzugehen, sondern ging weiter, als ob sie es eilig hätte. Er jedoch holte sie rasch ein und sagte: „Bucklige!“ Sie drehte sich um, blieb stehen und sagte: „Wer ist da? Ich höre Eure Stimme nicht.“ Darauf sprach er zu ihr: „Bucklige, du und deine Herrin, ihr seid allzu hartnäckig. Obwohl ich so lange Zeit in eurer Nähe wohne, erhalte ich nicht einmal auch nur eine Botschaft wegen der Gesundheit.“ Sie versetzte: „Werdet Ihr mir aber auch ein Geschenk geben?“ Er antwortete: „Gut. Wirst du aber auch im Stande sein, sogleich Pabhāvatī mild gegen mich zu machen und sie mich sehen zu lassen?“ Sie gab ihre Zustimmung. Darauf sagte er zu ihr: „Wenn du sie mir zu Gesicht bringen kannst, werde ich deine Krummheit gerade machen und dir einen Halsschmuck geben.“ Und um sie zu verlocken, sprach er folgende fünf Strophen:

Gold werd ich um den Hals dir hängen,
wenn nach Kusāvati ich komme,
o Bucklige, sobald mich anschaut
die schlankhüft'ge Pabhāvatī.

Gold werd ich um den Hals dir hängen,
wenn nach Kusāvati ich komme,
o Bucklige, wenn mich anredet
die schlankhüft'ge Pabhāvatī.

Gold werd ich um den Hals dir hängen,
wenn nach Kusāvati ich komme,
o Bucklige, wenn mich anlächelt
die schlankhüft'ge Pabhāvatī.

Gold werd ich um den Hals dir hängen,
wenn nach Kusāvati ich komme,
o Bucklige, wenn mich anblinzelt
die schlankhüft'ge Pabhāvatī.

Gold werd ich um den Hals dir hängen,
wenn nach Kusāvati ich komme,
o Bucklige, wenn mit den Händen
die Schlankhüftige mich berührt.

Als sie dessen Worte vernommen, antwortete sie: „Geht nur, o Fürst; in wenigen Tagen werde ich sie Euch zu willen machen. Lohnt meine Bemühung!“ Indem sie sich entschied, was zu tun sei, ging sie zu Pabhāvatī hin. Sie stellte sich, als wollte sie ihr Wohnzimmer reinigen, ließ nicht soviel Schmutz zurück, dass man damit werfen konnte, stellte drinnen auch die Schuhe beiseite und fegte das ganze Gemach aus, nachdem sie an der Zimmertür die Schwelle nach innen gedreht hatte. Dann richtete sie einen hohen Sitz her, stellte für Pabhāvatī einen niederen Sitz auf und ließ sie dort Platz nehmen, indem sie ihr sagte: „Komm, meine Tochter, ich will auf deinem Kopf die Läuse suchen.“ Sie nahm deren Kopf zwischen ihre Schenkel und kratzte sie ein wenig; dann nahm sie mit den Worten: „Ach, viele Läuse hat sie auf dem Kopfe!“, von ihrem eigenen Kopfe Läuse, legte sie auf deren Haupt und sagte ihr mit lieben Worten: „Sieh, welcher Art die Läuse auf deinem Kopfe sind.“ Darauf sprach sie, um den Vorzug des großen Wesens zu verkünden, folgende Strophe:

„Jetzt findet diese Königstochter
an König Kusa kein Gefallen,
dem großen, der ihr Mann geworden
und der nach keinem Lohn begehrt.“

Jene aber ward zornig auf die Bucklige. Da nahm sie die Bucklige am Halse, warf sie in ihr Gemach hinein, blieb selbst draußen, schloss die Tür und blieb stehen, indem sie sich an dem Riemen zum Aufziehen der Tür festhielt. Als Pabhāvatī sie nicht fassen konnte, sprach sie, hart an der Türe stehend, scheltend folgende weitere Strophe:

„Dass dieser Buckligen jetzt nicht
die Zunge gar zerspalten wird
mit einem wohlgeschärften Schwert,
weil sie so Böses hat gesagt!“

Die Bucklige aber, die den Riemen zum Aufziehen der Tür gefasst hielt und so dastand, erwiderte: „Du Lasterhafte, Zügellose, wem wird deine Schönheit etwas machen? Sollen wir deine Schönheit verzehren und uns damit ernähren?“ Und indem sie in dreizehn Strophen den Vorzug des Bodhisattva verkündigte, ließ sie den sogenannten Ruf der Buckligen, wie folgt, vernehmen:

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚von großem Ruhm ist er‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚großen Reichtum hat er‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚von großer Kraft ist er‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚ein großes Reich hat er‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚ein großer König ist er‘, denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚'ne Löwenstimme hat er‘, denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚lieblich ist seine Stimme‘, denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚wie Tropfenfall klingt seine Stimme‘,
so denk und fasse zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚mild klingt die Stimme sein‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚süß klingt die Stimme sein‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚hundert Künste versteht er‘, denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge;
‚ein edler Fürst ist er‘, so denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Nicht nach der Schönheit ihn bemesse,
Pabhāvatī, und nach der Länge:
‚der König Kusa ist er‘, denke
und fasse, Schöne, zu ihm Liebe.

Als jene ihre Stimme hörte, rief sie: „Bucklige, allzu sehr schreist du; wenn ich dich mit der Hand erreiche, werde ich es dir zeigen, dass ich einen Gatten habe.“ Damit jagte sie ihr Furcht ein. Die andere aber rief laut: „Ich habe aus Rücksicht gegen dich deinem Vater noch nicht gemeldet, dass der König Kusa gekommen ist; gut, heute werde ich es dem Könige melden!“, und versetzte sie damit in Schrecken. Daher besänftigte sie die Bucklige, indem sie dachte: „Niemand soll es hören.“

Als sie aber der Bodhisattva nicht zu Gesicht bekam und sieben Monate lang durch die schlechte Nahrung und das schlechte Lager gequält wurde, da dachte er bei sich: „Was bedarf ich ihrer? Auch da ich sieben Monate lang hier bleibe, kann ich sie nicht einmal sehen. Sie ist allzu grausam und gewalttätig. Ich will fortgehen und meine Eltern wieder sehen.“—

In diesem Augenblicke dachte Gott Sakka gerade nach und bemerkte die Unzufriedenheit von jenem; da dachte er: „Dieser König kann sieben Monate lang Pabhāvatī nicht einmal zu Gesicht bekommen; ich werde für ihn eine Gelegenheit herbeiführen, dass er sie erhält.“ Er schuf Boten des Königs Madda und schickte an sieben Könige die Botschaft: „Pabhāvatī hat den König Kusa verlassen und ist zurückgekehrt; man soll kommen und Pabhāvatī holen.“ Dabei schickte er aber diese Nachricht einem jeden getrennt.

Sie kamen mit großem Gefolge an; und als sie an die Stadt gelangten, wussten sie von einander nicht, warum die anderen gekommen seien. Als sie sich aber fragten: „Warum bist du gekommen?“, und den Sachverhalt erkannten, da wurden sie zornig und sprachen: „Die eine Tochter will er uns sieben Leuten geben. Seht seine Lasterhaftigkeit! Er verhöhnt uns; fasst ihn!“ Und sie schickten ihm die Botschaft: „Er soll uns allen Pabhāvatī geben oder mit uns kämpfen“, und umlagerten die Stadt.

Als der König Madda diese Botschaft vernahm, wandte er sich, von Furcht und Schrecken erfüllt, an seine Minister und fragte sie: „Was sollen wir tun?“ Seine Minister antworteten ihm: „O Fürst, diese sieben sind wegen Pabhāvatī gekommen und sagen: ‚Wenn du sie uns nicht gibst, werden wir die Mauer einreißen, in die Stadt eindringen, den König ums Leben bringen und sein Reich einnehmen.‘ Solange die Mauer noch nicht eingerissen ist, wollen wir ihnen Pabhāvatī schicken.“ Und sie sprachen folgende Strophe:

Voll Hartnäckigkeit diese Fürsten
stehn alle da in ihrer Rüstung;
bevor die Mauer sie zerstören,
geb' man ihnen Pabhāvatī.

Als der König dies hörte, erwiderte er: „Wenn ich einem einzigen Pabhāvatī schicke, werden die übrigen kämpfen. Ich kann sie nicht einem geben. Nachdem sie den ersten König auf dem Jambu-Erdteil verlassen hat und zurückgekehrt ist, soll sie jetzt dafür ihren Lohn erhalten. Ich werde sie töten, in sieben Stücke zerhauen und so den sieben Königen zuschicken.“ Und er sprach folgende weitere Strophe:

In sieben Teile werde ich
diese Pabhāvatī zerhauen
und sie so an die Fürsten schicken,
die hierher kamen, mich zu töten.

Diese seine Rede wurde im ganzen Palaste bekannt; die Dienerinnen gingen fort und meldeten der Pabhāvatī: „Der König will sieben Teile aus dir machen und dich so den Königen schicken.“ Voll Todesfurcht erhob sich diese von ihrem Sitze und ging, umgeben von ihren Schwestern, in das fürstliche Gemach ihrer Mutter.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:

Und es stand auf die Königstochter,
die dunkle, mit dem Seidenkleid;
die Augen angefüllt mit Tränen,
geleitet von der Mägde Schar.

Als sie zu ihrer Mutter kam, begrüßte sie ehrfurchtsvoll ihre Mutter und sprach jammernd:

Dies Antlitz, das mit Puder ist bestreut,
das ich im Spiegel schau mit Elfenbeingriff,
das schönäugige, reine, fleckenlose,
im Wald wird weggeworfen von den Fürsten.

Und diese meine sichelförm'gen Haare
schwankend und weich, mit Sandelstaub besprengt,
verwirrt in einem Leichenfelde zerren
die Geier sie umher mit ihren Füßen.

Und diese Arme mein mit roten Nägeln,
mit schönen Haaren, weich, sandelbestreut,
die abgeschlagnen werfen fort die Fürsten
im Wald; ein Wolf schleppt sie, wohin er will.

Und diese Brüste, die wie Palmenblätter
erglänzen, dicht besprengt mit Kasi-Sandel,
an diese wird ein Schakal sich anlehnen,
wie an der Mutter Brust der junge Sohn.

Und diese breite Hüfte schön gerundet,
von goldnem Gürtel rings umgeben, werfen
die Fürsten fort im Walde unbekleidet;
ein Wolf schleppt sie mit sich, wohin er will.

Die Hunde, Wölfe und Schakale
und auch die übrigen Raubtiere
sind nicht dem Altern mehr verfallen,
da sie Pabhāvatī verzehren.

Doch wenn die Fürsten mit sich nehmen
mein Fleisch auf ihrem weitern Zuge,
erbittet, Mutter, die Gebeine
und an der Straße sie verbrennet.

Und leget Felder an, o Mutter,
und pflanzet Kanikaras drauf;
wenn diese Blüten dann bekommen,
nachdem des Winters Schnee vergangen,
so denket meiner, teure Mutter:
‚So schön war auch Pabhāvatī.‘“

So jammerte sie von Todesfurcht erfasst bei ihrer Mutter. Der König Madda aber befahl: „Der Henker soll mit seiner Axt und dem Richtblock hierher kommen.“ Dessen Kommen wurde im ganzen Hause des Königs bekannt. Als aber Pabhāvatīs Mutter von seiner Ankunft hörte, erhob sie sich von ihrem Sitze und ging von Schmerz überwältigt zum Könige hin.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister;

Doch es erhob sich ihre Mutter,
die edle, göttergleiche Frau,
da sie das Schwert sah und den Block
im Frauenhaus des Königs Madda.

Die Königin sprach folgende Strophe:

Mit diesem Schwert wird nun der König
Madda seine gut aussehende
schöngestaltige Töchter umbringen
und (ihre Körper dann) den Fürsten geben.

Darauf sprach der König, um sie trösten: „Fürstin, was sagst du da? Deine Tochter hat den ersten König auf dem ganzen Jambu-Erdteil, weil er hässlich sei, verlassen und ist, als die Spuren auf dem Wege, den sie gegangen, noch nicht verwischt waren, zurückgekehrt, den Tod auf der Stirne tragend. Jetzt soll sie die Frucht ihres Hochmutes auf ihre Schönheit erhalten.“ Als jene diese seine Worte vernommen, ging sie wieder zu ihrer Tochter hin und sprach jammernd:

„Er tat nicht nach den Worten mein,
die ich dein Heil erstrebte, Tochter;
noch heute wirst du blutbedeckt
eingehen in Yamas Behausung.

Zu solchem Ende kommt der Mensch,
so stürzt ins Unglück er hinein,
wenn er nicht achtet auf das Wort
der Weisen, die ihm Gutes raten.

Wenn du dir heute einen Prinzen
auswähltest, schön von Angesicht,
von Kusa stammend, einen Fürsten
mit gold- und edelsteinbesetztem Gürtel:
von der Verwandten Schar geehrt,
würdst du nicht gehn in Yamas Reich.

Doch, wo erschallt der Trommel Klang,
wo Elefanten laut trompeten,
im Hause edler Fürsten, Liebe,—
was ist ein größres Glück als dies?

Wo an der Tür die Rosse wiehern
und wo der Sänger rührend singt,
im Hause edler Fürsten, Liebe,—
was ist ein größres Glück als dies?

Dort wo der Pfauen Stimm' erschallt,
wo die Kuckucke lieblich singen,
im Hause edler Fürsten, Liebe,—
was ist ein größres Glück als dies?“

Nachdem sie so in diesen vielen Strophen mit ihr gesprochen hatte, kam ihr der Gedanke: „Wenn heute der Männerfürst Kusa hier wäre, würde er diese sieben Könige in die Flucht jagen, meine Tochter vom Leide befreien und mit ihr fortziehen.“ Und sie sprach folgende Strophe:

Wo ist er, der die Feinde bändigt,
der fremde Reiche niederwirft,
wo ist Kusa, so groß an Weisheit?
Er könnt' befreien uns vom Leid.

Jetzt dachte Pabhāvatī: „Meiner Mutter Mund reicht nicht aus, den Ruhm von Kusa zu preisen. Ich will ihr sogleich melden, dass er hier weilt und die Arbeit eines Kochs verrichtet.“ Und sie sprach folgende Strophe:

Hier ist er, der die Feinde bändigt,
der andre Reiche niederwirft,
der König Kusa, groß an Weisheit;
er wird uns töten jeden Feind.

Ihre Mutter aber dachte: „Sie schwatzt dummes Zeug in ihrer Todesfurcht“, und sprach folgende Strophe:

Sprichst du, als wärest du berauscht,
oder redest du wie 'ne Törin?
Wenn König Kusa wär' gekommen,
wie sollten wir dies nicht erfahren?

Als so die Mutter sprach, dachte die Tochter: „Meine Mutter glaubt mir nicht; sie weiß nicht, dass er hierher kam und sieben Monate schon hier weilt. Ich werde ihn ihr zeigen.“ Sie nahm ihre Mutter bei der Hand und öffnete das Fenster. Dann streckte sie die Hand aus, zeigte hin und sprach dabei folgende Strophe:

Hier dieser Koch ist es, den du
im Mädchenhause hier erblickst;
er hat sich fest geschürzt die Hüfte
und wäscht gebückt die Schüsseln ab.

Jener nämlich hatte damals gedacht: „Heute wird mein Wunsch zu seiner Erfüllung gelangen. Sicherlich wird Pabhāvatī von Todesfurcht erfüllt erzählen, dass ich gekommen bin. Ich will meine Schüsseln waschen und aufräumen.“ Er holte Wasser herbei und begann, seine Gefäße abzuwaschen.

Ihre Mutter aber sprach zu ihr scheltend folgende Strophe:

Bist du ein Mischling, niedern Stammes
oder Verderb'rin der Familie?
Wie wirst du, König Maddas Tochter,
den Sklaven zum Geliebten machen?

Darauf dachte Pabhāvatī: „Meine Mutter weiß nicht, dass jener um meinetwillen in diesem Zustande lebt, glaube ich.“ Und sie sprach folgende weitere Strophe:

„Nicht bin ich Mischling, niedern Stamms
und nicht verderb ich die Familie;
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du jetzt für einen Sklaven.“

Jetzt sprach sie, um dessen Ruhm zu preisen, noch folgende Strophen:

„Der von Brahmanen zwanzigtausend
immer an seinem Hofe speist,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du jetzt für einen Sklaven.

Für den man Elefanten anschirrt
beständig volle zwanzigtausend,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du wohl für einen Sklaven.

Für den man edle Rosse anschirrt
beständig volle zwanzigtausend,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du wohl für einen Sklaven.

Für den man Kriegeswagen anspannt
beständig volle zwanzigtausend,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du wohl für einen Sklaven.

Für den man starke Stiere anspannt
beständig volle zwanzigtausend,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du wohl für einen Sklaven.

Für den sie Mutterkühe melken
beständig volle zwanzigtausend,
den Sohn Okkakas, Heil sei dir,
den hältst du wohl für einen Sklaven.“

So pries sie mit diesen sechs Strophen den Ruhm des großen Wesens. Da dachte ihre Mutter: „Diese spricht ganz unerschrocken; sicherlich ist dies so!“ Sie schenkte ihr Glauben, ging zum Könige hin und erzählte ihm die Sache. Dieser kam rasch zu Pabhāvatī hin und fragte sie: „Ist es wahr, meine Tochter, dass der König Kusa hierher gekommen ist?“ Sie antwortete: „Ja, Vater; heute sind es sieben Monate, dass er für Eure Töchter die Dienste des Kochs verrichtet.“ Er glaubte ihr nicht, sondern fragte die Bucklige. Als er von dieser den Sachverhalt erfuhr, sprach er, um seine Tochter zu tadeln, folgende Strophe:

Fürwahr, du tatest übel, Törin,
dass du den Fürsten groß von Macht,
den Elefanten wie 'nen Frosch
nicht meldetest, dass er gekommen.

Nachdem er so seine Tochter getadelt, ging er rasch zu jenem hin, begann ein liebenswürdiges Gespräch mit ihm, faltete nach ihm die Hände und sprach, um sein Vergehen zu schildern, folgende Strophe:

O diese Sünde, großer König,
verzeihe uns, o Landesherrscher,
dass wir dich, da du hierher kamest,
in der Verkleidung nicht erkannten.

Als dies das große Wesen vernahm, dachte es: „Wenn ich etwas Raues sagen würde, so wird ihm auf der Stelle das Herz brechen. Ich will ihn trösten.“ Und während er so zwischen seinen Töpfen stand, sprach er folgende weitere Strophe:

Für meinesgleichen passt es nicht,
dass ich ein Koch geworden bin.
Sei du nur günstig mir gesinnt;
nichts Böses tatest du, o Fürst.

Nachdem der König von ihm diese lieben Worte erhalten, stieg er in den Palast hinauf, rief Pabhāvatī zu sich herbei, und indem er sie fortschickte, um jenen um Verzeihung zu bitten, sprach er folgende Strophe:

Geh, Törin, bitte um Verzeihung
den König Kusa groß an Macht.
Wenn dir verziehen König Kusa,
so wird er dir das Leben retten.

Als sie diese Worte ihres Vaters hörte, ging sie, von ihren Schwestern und ihren Dienerinnen umgeben, zu Kusa hin. Dieser merkte, während er noch in seinem Arbeitsgewande dastand, wie sie auf ihn zukam, und er dachte: „Heute werde ich Pabhāvatīs Stolz brechen und bewirken, dass sie sich zu meinen Füßen in den Schmutz legt.“ Er goss das ganze Wasser aus, das er herbeigebracht hatte, zerstampfte einen Raum so groß wie eine Dreschtenne und machte alles zu einem Schmutz. Die Königstochter aber ging zu ihm hin, fiel ihm zu Füßen und bat ihn, im Schmutze liegend, um Verzeihung.

Um dies zu offenbaren, sprach der Meister folgende Strophe:

Nachdem des Vaters Wort vernommen
Pabhāvatī, die Göttergleiche,
beugt' sie das Haupt und fasst' die Füße
des Königs Kusa groß von Macht.“

Nachdem sie seine Füße umfasst hatte, sprach sie, um ihn um Verzeihung zu bitten, folgende drei Strophen:

„O diese Nächte, die, o König,
getrennt von dir ich hab verbracht,—
gebeugt verehr ich deine Füße;
zürne mir nicht, du Landesherr.

Die Wahrheit will ich dir gestehen,
o großer König, höre mich;
und ich will niemals gegen dich
Unliebes noch einmal begehen.

Doch wenn du, während ich so bitte,
nicht willst nach meinen Worten tun,
so wird er mich sogleich jetzt töten
und ausliefern den Königen.“

Als dies der König hörte, dachte er bei sich: „Wenn ich ihr sagen würde: ‚Du wirst ja sehen‘, würde ihr das Herz brechen. Ich will sie trösten.“ Und er sprach:

Da du doch so mich hast gebeten,
wie tät' ich nicht nach deinem Wort?
Ich zürne dir nicht mehr, du Schöne;
fürchte dich nicht, Pabhāvatī.

Die Wahrheit will ich dir gestehen,
o Königstochter, höre mich;
und ich will niemals gegen dich
Unliebes noch einmal begehen.

Aus Lieb' zu dir, Schönhüftige,
viel Unglück musste ich erleiden;
viel Madda-Leute würd' ich töten,
um dich, Pabhāvatī, zu holen.“

Als er aber sie, die einer Gefährtin des Götterkönigs Sakka glich, als seine Dienerin sah, da regte sich in ihm der Fürstenstolz. Indem er dachte: „Solange ich am Leben bin, wollen andere meine Gemahlin mit sich fortnehmen?“, erhob er sich wie ein Löwe im Königshofe und rief: „Alle Bewohner der Stadt sollen wissen, dass ich angekommen bin!“ Während er so schrie, herum sprang und mit den Fingern schnippte,sagte er: „Jetzt werd ich jene lebendig gefangen nehmen; man schirre den Wagen an usw.“; und er sprach folgende weitere Strophe:

Man schirre Wagen an und Rosse
mit buntem Schmuck, wohl abgerichtet!
Jetzt werdet ihr mich sehen, wie ich
rasch meine Feinde hier zerstreue!

Mit den Worten: „Die Gefangennahme der Feinde ist meine Aufgabe; gehe du, bade, schmücke dich und steige in den Palast hinauf!“, entließ er sie. Der König Madda aber schickte seine Minister zu ihm, um ihm Ehrung zu erweisen. Sie stellten an der Tür seiner Küche ein Zelt herum und ließen ihn durch Barbiere bedienen. Nachdem sein Haar und Bart geordnet war, badete er sein Haupt und sagte dann, mit allem Schmuck geziert und von den Ministern und anderen umgeben: „Ich will in den Palast hinaufsteigen.“ Hier schaute er nach den verschiedenen Himmelsrichtungen aus und schnippte mit den Fingern; wohin er aber jedes Mal blickte, dieser Ort erzitterte. Da sagte er: „Seht meine Bemühung!“

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister folgende weitere Strophe:

Und diesen sahen dort die Leute
im Frauenhaus des Königs Madda,
wie er umhersprang wie ein Löwe
und mit den beiden Armen schlug.

Es schickte ihm aber der König Madda einen reich geschmückten Elefanten, der so abgerichtet war, dass er im Kampfe unbeweglich stehen blieb. Jener bestieg darauf den Rücken des Elefanten, ließ den weißen Sonnenschirm über sich aufspannen und befahl: „Bringt Pabhāvatī her!“ Diese ließ er hinter sich Platz nehmen und zog dann, von dem aus vier Teilen bestehenden Heere umgeben, zum Osttore heraus. Er schaute nach dem Heere der Feinde hin und rief dreimal mit Löwenstimme: „Ich bin König Kusa; wem sein Leben lieb ist, die sollen sich auf den Bauch legen.“ So bewirkte er eine völlige Bestürzung der Feinde.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als er den Elefant bestiegen,
hob er hinauf Pabhāvatī;
und Kusa zog hinaus zum Kampfe
und stieß dann aus den Löwenruf.

Als sie ihn aber rufen hörten,
so wie die Tiere bei dem Löwen,
da flüchteten davon die Fürsten,
von Furcht erfüllt ob Kusas Schrei.

Die Reiter und die Leibgardisten,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten,
einander traten sie zu Boden
von Furcht erfüllt ob Kusas Schrei.

Als ihn der Götterkönig sah
vorn in der Schlacht, mit frohem Herzen,
dem König Kusa schenkte er
den Edelstein Verocana.

Nachdem er in der Schlacht gesiegt
und den Verocana erhalten,
auf Elefantenrücken sitzend
der König in die Stadt einzog.

Nachdem er sie lebend gefangen,
er fesselte die Feindesfürsten
und gab sie seinem Schwiegervater:
„Hier sind die Feinde dein, o König.

In deiner Hand sind sie jetzt alle,
geschlagen sind die Feinde dein.
Tue daran nach deinem Willen;
befreie oder töte sie!“

Der König sprach:

Von dir sind diese nur die Feinde,
denn meine Feinde sind es nicht;
du nur bist über sie der Herrscher,
befreie oder töte sie!

Nach diesen Worten dachte das große Wesen: „Was nützt es mir, wenn sie getötet sind? Ihr Kommen soll nicht zwecklos sein. Der König Madda hat sieben Töchter, die jünger sind als Pabhāvatī. Diese werde ich ihnen geben lassen.“ Und es sprach:

Hier diese deine sieben Töchter,
an Schönheit Göttermädchen gleichend,
gib eine jede diesen Fürsten;
sie seien deine Schwiegersöhne.

Darauf sprach zu ihm der König:

Über diese wie über uns,
über uns alle bist du Herrscher.
Du nur bist unser großer König;
gib ihnen, was du immer willst.

Der König ließ sie darauf alle schmücken und gab jedem König eine davon.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende fünf Strophen:

So jedem einzelnen gab eine
der löwenstimm'ge König Kusa;
den Königen gab damals er
die Töchter des Königs von Madda.

Beglückt durch diese Gabe und
erfreut über den König Kusa
kehrten zurück in ihre Reiche
die sieben Könige sogleich.

Darauf zog mit Pabhāvatī
und mit dem Stein Verocana
nach seiner Stadt Kusāvati
der König Kusa groß von Macht.

Auf einem Wagen fahrend kamen
die beiden nach Kusāvati;
von gleicher Schönheit waren beide,
nicht übertrafen sie einander.

Die Mutter kam dem Sohn entgegen;
die beiden Eheleute aber blieben
einträchtig dort zusammen
und wohnten in dem blühenden Land.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, erklärte er die Wahrheiten und verband hierauf das Jātaka (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener unzufriedene Mönch zur Frucht der Bekehrung) mit folgenden Worten: „Damals waren die Eltern die Großkönigsfamilie, der jüngere Bruder war Ananda, die Bucklige war Khujjuttara, Pabhāvatī war die Mutter Rāhulas, das Gefolge war die Buddhaschar, der König Kusa aber war ich.“

Ende der Erzählung von Kusa