Jātaka 533

Die kleine Erzählung von dem Schwan (Culla-Hamsa-Jātaka)

„Sumukha“

Dies erzählte der Meister, da er im Veluvana verweilte, mit Beziehung auf die Lebensaufopferung des ehrwürdigen Ananda.—Als nämlich Devadatta, um den Vollendeten des Lebens zu berauben, Bogenschützen ausgesandt hatte, kam der zuerst ausgeschickte zurück und sagte: „Herr, ich bin nicht im Stande, den Erhabenen des Lebens zu berauben; von großer Wunderkraft ist der Erhabene, von großer Macht.“ Darauf erwiderte Devadatta: „Genug, mein Lieber, nimm du dem Asketen Gotama nicht das Leben; ich selbst werde dem Asketen Gotama das Leben nehmen.“ Als nun der Vollendete im hinteren Schatten des Berges Gijjhakuta umherwandelte, stieg jener den Gijjhakuta-Berg hinauf und schleuderte mit der Kraft einer Wurfmaschine einen großen Felsen hinab, indem er dachte: „Durch diesen Felsen werde ich den Asketen Gotama des Lebens berauben.“ Doch da vereinigten sich zwei Bergspitzen und hielten den Felsen auf; ein Splitter nur sprang davon ab und traf den Erhabenen am Fuße, dass das Blut hervorfloss. Jīvaka öffnete den Fuß des Vollendeten mit einer Lanzette, entfernte das schlechte Blut, beseitigte das faule Fleisch, strich eine Salbe darüber und machte ihn so wieder gesund. Der Meister aber ging, wie an den früheren Tagen, von der Mönchsgemeinde umgeben mit großer Buddha-Anmut umher.

Als ihn so Devadatta sah, dachte er bei sich: „Wenn man des Asketen Gotama vollendete Schönheit sieht, muss jeder, der ein Mensch ist, zu ihm hingehen. Der König besitzt aber einen Elefanten, Nalagiri mit Namen, grausam und wild; dieser kennt nicht die Vorzüge des Buddha, der Lehre und der Gemeinde.Dieser wird seinen Tod herbeiführen.“ Er ging hin und teilte dies dem Könige mit. Der König gab seine Zustimmung, ließ den Elefantenabrichter kommen und sagte zu ihm: „Mein Freund, mache morgen den Nalagiri berauscht und lasse ihn am Morgen in der Straße los, in der sich der Asket Gotama gerade befindet.“ Devadatta fragte ihn seinerseits: „Wie viel Branntwein trinkt an andern Tagen der Elefant?“ Als jener antwortete: „Acht Schüsseln“, befahl er: „Gib ihm morgen sechzehn Schüsseln zu trinken und lasse ihn die Straße hinabschauen, wo der Asket Gotama des Weges daherkommt.“ Jener gab seine Zustimmung.

Darauf ließ der König Folgendes mit Trommelschlag bekannt machen: „Morgen wird man den Elefanten Nalagiri berauscht machen und in der Stadt loslassen; die Stadtbewohner sollen in der Frühe alle ihre Geschäfte besorgen und dann nicht mehr auf die Straße gehen.“ Auch Devadatta stieg vom Palaste des Königs herunter, begab sich in den Elefantenstall und wandte sich hier an die Elefantenwärter mit folgenden Worten: „Wir, sag ich, sind im Stande, den an hoher Stelle Stehenden an eine niedrige Stelle zu bringen. Wenn ihr nach Ehrung verlangt, so gebt morgen früh Nalagiri sechzehn Schüsseln voll scharfen Branntweins zu trinken; zur Zeit aber, wenn der Asket Gotama kommt, verwundet ihn mit Stacheln und Spießen und versetzt ihn in Zorn. Lasst ihn seinen Elefantenstall zerbrechen, lasst ihn die Straße hinabschauen, die der Asket Gotama daherkommt, und bewirkt so, dass er den Asketen Gotama tötet.“ Jene gaben ihre Zustimmung.

Diese Begebenheit wurde in der ganzen Stadt bekannt. Als die an Buddha, der Lehre und der Gemeinde festhaltenden Laienbrüder dies hörten, gingen sie zu dem Meister hin und sprachen zu ihm: „Herr, Devadatta hat sich mit dem Könige zusammengetan und wird morgen in der Straße, in der Ihr Euch befindet, den Elefanten Nalagiri losmachen lassen. Machet morgen nicht Euren Almosengang, sondern bleibet hier; wir werden im Kloster der Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, das Almosen spenden.“ Der Meister erwiderte nicht: „Ich werde morgen zum Almosen Suchen in die Stadt gehen“, sondern er sprach: „Ich werde morgen durch die Bändigung des Elefanten Nalagiri ein Wunder tun und die Andersgläubigen vernichten. Ohne in der Stadt Rājagaha meinen Almosengang zu machen, werde ich, umgeben von der Mönchsgemeinde, die Stadt wieder verlassen und nach dem Veluvana zurückkehren. Auch die Bewohner von Rājagaha werden mit vielen Töpfen voll Speisen sich nach dem Veluvana begeben. Morgen wird es im Kloster ausgezeichnete Speise geben.“ So nahm er ihre Aufforderung an. Als jene die Zustimmung des Vollendeten gewahrten, sagten sie: „Wir wollen Speisetöpfe herbeibringen und im Kloster das Almosen spenden“, und entfernten sich wieder.

Nachdem aber der Meister in der ersten Nachtwache die Lehre verkündigt und in der mittleren Nachtwache Fragen gelöst hatte, verbrachte er den ersten Teil der dritten Nachtwache in der Löwenlage; in ihrem zweiten Teile dachte er über die Erreichung der Früchte des vierfachen Weges nach. Im dritten Teile betätigte er die äußerste Vollendung im Mitleid und schaute sich um nach Verwandten, die zu bekehren waren; dabei sah er, dass durch die Bändigung des Elefanten Nalagiri vierundachtzigtausend Wesen die Lehre verstehen würden. Als nun die Morgendämmerung anbrach, vollendete er die Pflege seines Körpers und wandte sich dann an den Thera Ananda mit folgenden Worten: „Ananda, melde allen Mönchen in den achtzehn Klöstern, die um Rājagaha herum liegen, sie sollen heute mit mir nach Rājagaha hineingehen.“ Der Thera tat so. Alle Mönche versammelten sich im Veluvana.

Jetzt zog der Meister, begleitet von der großen Schar der Mönche, nach Rājagaha hinein. Die Elefantenwärter aber führten aus, was ihnen angelernt war. Es entstand ein großer Zusammenlauf des Volkes. Die Gläubigen und Bekehrten dachten: „Heute wird ein Zusammentreffen zwischen dem Buddha-Elefanten und dem Tierelefanten stattfinden; wir werden sehen, wie durch die unvergleichliche Buddha-Anmut Nalagiri gebändigt wird.“ Sie stiegen auf die Dächer ihrer Paläste, Häuser und Wohnungen und stellten sich dort auf. Die Ungläubigen aber, die Anhänger falscher Sekten, dachten: „Nalagiri ist wild und grausam, er kennt nicht den Vorzug eines Buddha u. dgl. Er wird heute den goldfarbenen Körper des Asketen Gotama zerschmettern und ihn töten. Heute werden wir den Rücken unseres Feindes sehen!“ Und sie stellten sich auch auf ihre Paläste usw.

Als nun der Elefant den Erhabenen daherkommen sah, lief er, indem er die Menschen erschreckte, die Häuser zerstörte, die Lastwagen zu Staub zermalmte, indem er den Rüssel ausstreckte und Ohren und Schwanz hochstellte, wie ein herabstürzender Berg auf den Erhabenen zu. Als ihn die Mönche sahen, sprachen sie zu dem Erhabenen: „Herr, dieser Nalagiri, der wilde, grausame Menschentöter, ist in diese Straße gekommen. Er kennt aber nicht den Vorzug eines Buddha u. dgl. Zurückgehen, Herr, möge der Erhabene, zurückgehen möge der Heilige.“ Doch der Meister antwortete: „Fürchtet euch nicht, ihr Mönche, ich bin stark genug, den Nalagiri zu bändigen.“ Darauf bat der ehrwürdige Sāriputta den Meister: „Herr, die Arbeit, die einem Vater zufällt, ist die Pflicht des ältesten Sohnes.Ich will ihn bändigen.“ Doch der Meister wies ihn zurück mit den Worten: „Sāriputta, die Kraft des Buddha ist eine andere als die Kraft eines Schülers; bleibe du nur!“

Da aber der ehrwürdige Ananda aus seiner starken Liebe zum Meister dies nicht ertragen konnte, dachte er: „Dieser Elefant soll mich zuerst töten“; und indem er für den Vollendeten sein Leben aufopferte, stellte er sich vor den Meister hin. Der Meister jedoch sprach zu ihm: „Gehe fort, Ananda, stelle dich nicht vor mich hin.“ Ananda erwiderte: „Herr, dieser Elefant ist ein wilder, grausamer Menschentöter; er ist wie das Feuer, das am Anfang eines Weltalters auflodert.Zuerst soll er mich töten und dann erst Euch töten.“ So sprach der Thera; und auch als er zum dritten Male angesprochen wurde, blieb er doch dort stehen und ging nicht zurück. Da veranlasste der Erhabene durch seine Wunderkraft, dass er zurückging und unter den Mönchen sich aufstellte.

In diesem Augenblicke warf eine Frau, die den Nalagiri erblickt hatte und von Todesangst erfasst davonlief, ihren Knaben, den sie am Busen trug, zwischen den Vollendeten und den Elefanten und lief dann weiter. Der Elefant verfolgte sie und kam dabei in die Nähe des Knaben; der Knabe aber stieß ein lautes Geschrei aus. Jetzt durchdrang der Meister den Nalagiri mit dem Gefühl besonderer Liebe und ließ folgendermaßen seine süße Brahmastimme ertönen: „Holla, Nalagiri, die Leute, die dir sechzehn Schalen Branntwein zu trinken gaben und dich dadurch berauscht machten, taten dies nur in der Absicht, du solltest keinen anderen ergreifen als mich. Laufe nicht umher und ermüde deine Schenkel nicht ohne Grund; komm hierher!“ So schalt er ihn.

Als der Elefant des Meisters Worte vernahm, öffnete er die Augen und sah die vollendete Schönheit des Erhabenen. Da kam er durch den Buddhaglanz wieder zur Besinnung und sein Rausch verflog. Mit herabhängendem Rüssel und wackelnden Ohren kam er herbei und ließ sich zu den Füßen des Vollendeten zu Boden fallen. Darauf sagte zu ihm der Meister: „Nalagiri, du bist der Elefant der Tiere, ich bin der Buddha-Elefant. Sei von jetzt an nicht mehr wild und grausam und töte keine Menschen mehr; empfange liebevollen Sinn.“ Er streckte seine rechte Hand aus, streichelte des Elefanten Stirngeschwulst und lehrte ihn die Wahrheit mit folgenden Worten:

„Verletze nicht, o Elefant, den Besten;
ein Unglück ist 's, den Besten zu verletzen.
Denn nicht wird, Elefant, dem, der den Besten verletzte,
die Seligkeit zuteil, wenn er von hinnen scheidet.
Sei nicht berauscht und auch nicht schlaff,
denn Schlaffe kommen nicht zum Himmel.
Drum handle du nur so von jetzt an,
dass du damit kommst in den Himmel.“

Davon wurde des Elefanten ganzer Körper unmittelbar von Liebe durchdrungen; wenn er kein Tier gewesen wäre, hätte er die Frucht der Bekehrung erlangt.—Als aber die Menschen dies Wunder sahen, schrien sie auf vor Freude und schnippten mit den Fingern. Voll Entzücken warfen sie verschiedenartige Schmuckstücke fort; diese bedeckten den ganzen Körper des Elefanten. Von da an erhielt Nalagiri den Namen Dhanapalaka (= „Schätzehüter“). Bei dieser Zusammenkunft mit Dhanapalaka aber tranken vierundachtzigtausend Wesen den Trank der Unsterblichkeit.

Der Meister aber befestigte den Dhanapalaka in den fünf Geboten. Darauf hob dieser mit seinem Rüssel den Staub auf, der zu den Füßen des Erhabenen lag, und streute ihn über sein Haupt. Gebeugt ging er zurück und blieb stehen, solange er den Meister sehen konnte; dann bezeigte er dem mit den zehn Kräften Ausgestatteten seine Verehrung, kehrte um und ging wieder in seinen Elefantenstall hinein. Von da an war er gebändigt und wohl gezähmt und verletzte niemanden mehr.

Als so der Wunsch des Meisters erfüllt war, bestimmte er: „Wer diese Schätze weggeworfen hat, denen sollen sie wieder gehören“, und sagte dann: „Heute habe ich ein großes Wunder getan; es passt sich nicht für mich, in dieser Stadt Almosen zu erbetteln.“ Nachdem er so die Irrgläubigen zu Boden geworfen, zog er, umgeben von der Schar der Mönche, wie ein siegreicher König aus der Stadt heraus und kehrte nach dem Veluvana zurück. Die Stadtbewohner aber begaben sich mit viel Reis, Getränken und festen Nahrungsmitteln nach dem Kloster und spendeten ein reiches Almosen.

An diesem Tage begannen zur Abendzeit die Mönche, die die ganze Lehrhalle erfüllend dasaßen, folgendes Gespräch: „Freunde, dass der ehrwürdige Ananda um des Vollendeten willen sein eigenes Leben aufopferte, damit hat er ein schweres Werk getan. Als er den Elefanten Nalagiri sah, entfernte er sich nicht, obwohl er vom Meister dreimal zurückgehalten wurde. Ach, wie schwere Dinge führt der Thera aus!“ Der Meister hatte gedacht: „Man spricht von Anandas Vorzug; ich muss dorthin gehen“; er verließ sein duftendes Gemach, kam herbei und fragte: „Welche Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr begonnen?“ Als sie antworteten: „Die und die“, sprach er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon opferte Ananda, als er in Tiergestalt wiedergeboren war, um meinetwillen sein Leben auf.“ Und er erzählte folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem führte im Reiche Mahimsaka in der Stadt Sakula ein König namens Sakula die Regierung in Gerechtigkeit. Damals war unweit von der Stadt in einem Jägerdorfe ein Jäger, der die Vögel in Schlingen fing, in der Stadt verkaufte und damit seinen Unterhalt sich erwarb. Unweit von der Stadt befand sich auch ein zwölf Meilen im Umfang messender Lotosteich, Manusiya genannt; dieser war mit fünffarbigen Lotosblumen bedeckt. Dort weilte eine aus mannigfachen Arten bestehende Schar von Vögeln und der Jäger warf dort ungehindert seine Schlingen aus. Zu dieser Zeit wohnte der König der Dhatarattha-Schwäne umgeben von sechsundneunzigtausend Schwänen auf dem Cittakuta-Berge in der Goldhöhle; ein Schwan namens Sumukha (= der Schöngesichtige) aber war sein Heerführer.

Eines Tages nun kam eine Schar Schwäne, bestehend aus einigen Goldschwänen, zu dem Manusiya-See. Nachdem sie sich in dem reichlichen Futter dort nach Wunsch ergangen hatten, kehrten sie nach dem glänzenden Cittakuta-Berge zurück und meldeten dem Dhatarattha: „O Großkönig, im Bereiche der Menschen ist ein Lotosteich namens Manusiya, dicht angefüllt mit Nahrung. Wir wollen hingehen, um Futter zu holen.“ Jener antwortete: „Das Bereich der Menschen ist voll Gefahren; möge dies euch nicht gefallen.“ Obwohl er sie aber so zurückwies, sagten sie es immer wieder zu ihm, bis er sprach: „Wenn es euch gefällt, wollen wir hingehen“, und mit seinem Gefolge nach dem See zog.

Als er aber aus der Luft herab flog, kam er beim Betreten der Erde mit seinem Fuße in eine Schlinge; die Schlinge aber umfasste seinen Fuß, als hielte sie ihn mit einer eisernen Spitze fest. Jetzt dachte er: „Ich will sie zerreißen“, und zog an. Beim ersten Male aber durchschnitt sie ihm die Haut, beim zweiten Male das Fleisch und beim dritten Male die Sehnen; fest auf dem Knochen blieb die Schlinge haften, Blut floss und es entstanden heftige Schmerzen.

Da dachte er: „Wenn ich den Gefangenenschrei ausstoße, werden meine Verwandten erschrecken; ohne Nahrung zu nehmen, werden sie von Hunger gequält davonfliegen und infolge ihrer Schwäche ins Meer fallen.“ Er hielt den Schmerz zurück; erst als seine Verwandten nach Bedürfnis sich Nahrung gesucht hatten und anfingen, sich mit dem Schwänespiel zu erlustigen, stieß er mit lauter Stimme den Gefangenenschrei aus. Als sie dies hörten, flogen die Schwäne von Todesangst ergriffen fort nach dem Cittakuta-Berge hingewendet.

Als sich diese entfernt hatten, dachte der Schwanheerführer Sumukha: „Ist diese Gefahr jetzt dem Großkönig zugestoßen? Ich werde es untersuchen.“ Schnell flog er fort. Als er das große Wesen in der vorne fliegenden Schwäneschar nicht sah, untersuchte er die mittlere Schwäneschar. Als er es aber auch dort nicht fand, dachte er: „Unzweifelhaft ist ihm diese Gefahr zugestoßen.“ Er kehrte um und kam zurück; da sah er das große Wesen, wie es mit der Schlinge gefesselt, blutbesprengt und schwer leidend auf dem Sande lag. Er rief: „Fürchte dicht nicht, o Großkönig; ich werde mein Leben aufopfern und dich aus der Schlinge befreien.“ Mit diesen Worten ließ er sich auf die Erde nieder und setzte sich auf den Sand, indem er das große Wesen tröstete. Um ihn aber auf die Probe zu stellen, sprach das große Wesen folgende erste Strophe:

„Sumukha, ohne nachzusuchen,
sind diese Vögel fortgeflogen.
Geh du auch, zögre nicht; denn nicht
gibt 's zum Gefangnen eine Freundschaft.“

Dann kommen folgende weitere Strophen:

„Ob ich jetzt gehe oder nicht,
damit werd ich nicht unsterblich.
Da ich im Glück bei dir geweilt,
wie könnt' ich dich im Leid verlassen?

Entweder sterbe ich mit dir
oder ich lebe ohne dich;
da ist der Tod doch besser wohl
als wie zu leben ohne dich.

Das ist nicht Tugend, großer König,
dass ich dich jetzt im Stiche lasse;
was deine Zukunft ist, dieselbe
gefällt auch mir, du Vogelfürst.“

„Was bleibt dem in der Schling' Gefangnen
noch andres übrig als die Küche?
Wie kann dir dieses denn gefallen,
solang du frei bist und verständig?

Oder welch einen Nutzen siehst du
für dich und mich, du guter Vogel,
und für die übrigen Verwandten,
wenn wir das Leben lassen beide?

Dass du, o Goldbeflügelter,
was doch im tiefen Dunkel bleibt,
für mich dein Leben willst aufgeben,
welch einen Zweck suchst du dadurch?“

„Wie kannst du denn, der Vögel Bester,
im Rechte keinen Zweck erkennen?
Das Recht, das hoch in Ehren steht,
es zeigt, was nützlich ist, den Wesen.

Wenn ich also das Recht betrachte
und, dass mit Recht Nutzen verbunden,
und sehe, dass ich dir verpflichtet,
begehr ich weiter nicht zu leben.

Gewiss ist dies der Weisen Lehre,
dass seinen Freund man in der Not
nicht aufgibt selbst um 's eigne Leben,
indem der Tugend man gedenkt.“

„Und diese Tugend übtest du,
die Dienstbereitschaft nahm ich wahr.
Drum handle jetzt nach meinem Willen;
geh fort, denn ich erlaub es dir.

Vielleicht geht mit der Zeit das Band,
das mich an die Verwandten fesselt,
auf dich über voll der Erkenntnis
in höchster Unterwürfigkeit.“

Doch während sie sich so besprachen,
die Edlen mit den edlen Worten,
erschien vor ihnen jetzt der Jäger,
wie Antaka sich zeigt den Kranken.

Und es betrachteten den Feind
gar lange Zeit die klugen Vögel;
sie blieben beide ruhig sitzen
und rührten sich nicht von dem Platz.

Als er die Dhataratthas sah,
wie sie manchmal aufflatterten,
da kam mit Eile nun heran
der Vogelfeind zum Vogelfürsten.

Doch als er rasch herangekommen
und sich den schönsten Vögeln nahte,
da fing der Jäger an zu zittern
und dachte: „Sind sie wohl gefangen?“

Da sah er, einer war gefangen,
der andre aber, nicht gefangen,
saß in der Nähe des Gefangnen
und blickte nach dem Leidenden.

Darob ward er verwirrt und wandte
sich an die weißen Vögel jetzt,
die da mit starkem Körper saßen,
die Anführer der Vogelscharen:

„Dass der, der mit der großen Schlinge
gefesselt ist, nicht fliegt davon—
doch warum eilst du Ungebundner,
du dummer Vogel, nicht hinweg?

Was ist denn dieser Vogel dir?
Frei sitzest du bei dem Gefangnen.
Die andern haben ihn verlassen;
was gibst du ihn allein nicht auf?“

„König ist er mir, Vogelfeind,
ein Freund, so lieb mir wie mein Leben;
drum werde ich ihn nicht verlassen
bis an das Ende meiner Tage.“

„Weshalb jedoch sah dieser Vogel
nicht die ihm ausgelegte Schlinge?
Dies ist die Sache großer Leute;
sie müssen die Gefahr erkennen.“

„Sobald des Todes Nähe fühlt
ein Mann am Ende seines Lebens,
dann kann das Netz er nicht mehr sehen,
die Schlinge nicht trotz ihrer Nähe.

Es sind ja auch, du großer Edler,
gelegt gar mannigfache Schlingen;
man naht sich der verborgnen Falle
und fängt sich drin am Lebensende.“

Nachdem er dem Jäger so durch diese liebreiche Unterhaltung das Herz weich gemacht hatte, sprach er, um für das Leben des großen Wesens zu bitten, folgende Strophe:

„Vielleicht ist, wenn du mit ihm sprichst,
für dich ein Glück damit verbunden.
Vielleicht erlaubst du uns zu gehn,
vielleicht schenkest du uns das Leben!“

Gefesselt von dessen süßer Rede sprach der Jäger:

„Von mir bist du ja nicht gefangen
und deinen Tod verlang ich nicht.
Geh rasch von hier, wohin du willst,
und leb noch lange ungeschädigt!“

Darauf sprach Sumukha folgende vier Strophen:

„Für mich allein will ich dies nicht,
ohne dass auch der andre lebt;
wenn du mit einem bist zufrieden,
so mach ihn los, verzehre mich.

An Höhe und an Breite sind
wir beide gleich und auch an Alter.
An deinem Nutzen nichts verlierst du,
drum nehme diesen Tausch jetzt vor.

Wohlan, beherzige auch dieses:
du magst ja Gier nach uns empfinden;
drum binde mich erst mit der Schlinge,
dann mache los den Vogelfürsten.

Sogleich soll dir dein Vorteil werden
und die Erfüllung meiner Bitte;
und mit den Dhatarattha-Schwänen
mögst du zeitlebens Freundschaft halten.“

Da durch diese Unterweisung das Herz von jenem so weich geworden war wie ein in Sesamöl getauchtes Baumwollflöckchen, schenkte er ihm das große Wesen, indem er es zu seinem Sklaven machte, und sprach:

„Es sollen uns die Scharen sehen,
wie er fortgeht, von dir befreit,
Freunde, Minister und die Diener,
Weiber und Kinder und Verwandte.

Denn nicht gibt es von solchen Freunden
recht viele hier auf dieser Erde,
wie du dem Dhatarattha-Schwane
als Freund das Leben hast gerettet.

Drum geb ich deinen Freund dir los;
gehorchen möge dir der König.
Gehet rasch fort, wohin ihr wollt;
freut euch in der Verwandten Mitte!“

Nachdem er aber so gesprochen, ging der junge Jäger mit liebevoller Gesinnung zu dem großen Wesen hin, zerschnitt die Schlinge, nahm ihn in seine Arme und führte ihn vom Teiche fort. Am Ufer des Teiches setzte er ihn auf junges Darbha-Gras, machte von seinem Fuße die Schlinge, mit der er gefesselt war, sanften Sinnes rasch los und warf sie weit weg. Indem er dann in seinem Herzen eine gewaltige Liebe zu dem großen Wesen erweckte, wusch er freundlich mit Wasser das Blut ab und rieb immer wieder die Stelle. Durch die übernatürliche Macht seiner liebevollen Gesinnung aber fügte sich am Fuße des Bodhisattva wieder Sehne an Sehne, Fleisch an Fleisch und Haut an Haut. Sogleich streckte sich wieder der Fuß aus und erhielt seine natürliche Haut und seine natürliche Behaarung zurück. Ohne dass ein Unterschied mit dem nicht gefesselten Fuße bestand, setzte sich in voller Gesundheit der Bodhisattva auf die gewohnte Art nieder.

Als aber Sumukha sah, wie durch ihn das große Wesen wieder gesund geworden war, brachte er freudeerfüllt dem Jäger seine Lobpreisung dar.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Über des Herrn Befreiung froh,
voll Ehrfurcht gegen den Gebieter
sprach nun der wilde Schwan die Worte,
die angenehm zu hören waren:

„So mögst du, Jäger, dich erfreuen
mit allen deinen Anverwandten,
wie heute ich voll Freude bin,
da frei ich seh den Vogelfürsten.“

Nachdem er mit diesen Worten: „So mögst du, Jäger“, ihn gepriesen hatte, sprach Sumukha zum Bodhisattva: „O Großkönig, dieser hat uns einen großen Beistand erwiesen. Denn wenn er nicht nach unseren Worten getan, sondern uns zu Spielschwänen gemacht und uns den Fürsten gegeben hätte, so würde er viel Geld dafür erhalten haben. Auch wenn er uns getötet und unser Fleisch verkauft hätte, würde er viel Geld dafür bekommen haben. Ohne aber an sein eigenes Leben zu denken, hat er nach unsern Worten getan. Wir wollen ihn zum Könige führen und ihm dort ein glückliches Leben verschaffen.“ Das große Wesen gab seine Zustimmung.

Nachdem so Sumukha in seiner Sprache mit dem großen Wesen geredet hatte, wandte er sich wieder in menschlicher Sprache an den jungen Jäger und fragte ihn: „Freund, zu welchem Zwecke legtest du die Schlinge aus?“ „Um des Geldes willen“, war die Antwort. Darauf sagte der Vogel weiter: „Wenn es sich so verhält, so gehe mit uns in die Stadt und zeige uns dem Könige; ich werde bewirken, dass er dir viel Geld gibt.“ Und er sprach folgende Strophen:

„Komm her, ich werde dich belehren,
wie du trotzdem erhalten kannst
reiche Belohnung, ohne dass
Dhatarattha Leid widerfährt.

Führ uns rasch zum Palast des Königs
und stelle ihm uns beide vor
auf einer Tragstang' ungefesselt,
auf beiden Seiten frei dastehend.

‚Dies sind Dhataratthas, o König,
Gebieter über wilde Schwäne;
dies ist nämlich der Schwäne König,
sein Heerführer ist dieser zweite.‘

Wenn er den Schwanenkönig sieht,
der Männer König ohne Zweifel
wird hocherfreut, vergnügt und fröhlich
dir viele Schätze dafür geben.“

Nach diesen Worten sprach der Jäger: „Herr, möge es Euch nicht gefallen, den König zu sehen. Die Könige sind nämlich wankelmütig; sie könnten euch entweder zu Spielschwänen machen oder euch töten.“ Sumukha aber erwiderte: „Freund, fürchte dich nicht! Ich habe einen grausamen Jäger mit blutiger Hand, wie du es bist, durch meine Unterweisung weich gemacht, dass du mir zu Füßen fielest. Die Könige sind doch tugendreich, weisheitsvoll und kennen gute Rede und böse Rede. Bringe uns rasch zum Könige!“ Der Jäger versetzte: „Zürnt mir also nicht; ich, ihr Freunde, führe euch fort nach eurem Wohlgefallen.“ Er ließ sie auf seine Tragstange steigen, begab sich nach dem Hofe des Königs, zeigte sie dort dem Könige und erzählte auf die Frage des Königs alles, wie es geschehen war.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als er dies Wort von ihm vernommen,
machte er rasch sich an das Werk;
er ging geschwind nach dem Palast
und zeigt' dem Könige die Schwäne
auf seiner Tragstang' ungefesselt,
auf beiden Seiten frei dastehend.

„Dies sind Dhataratthas, o König,
Gebieter über wilde Schwäne;
dies ist nämlich der Schwäne König,
sein Heerführer ist dieser zweite.“

„Wie aber sind denn diese Vögel
in die Gewalt von dir gekommen?
Wie kamst, o Jäger, du zu ihnen,
die über große Vögel herrschen?“

„Ich legte diese Schlingen aus
in jenen Teichen, Völkerfürst,
so dass, wenn sie hinabgestiegen,
die Vögel dort ihr Leben lassen.

Und einer solchen Schlinge nahte
der Schwankönig und fing sich drin;
doch ungefesselt saß bei ihm
der andere und sprach mit mir.

Schwer von Unedlen auszuführen
ist dieser letzte Wunsch, den äußert'
der Vogel, der dem Recht ergeben,
der sich um seinen Herrn bemühte.

Er opferte sein eignes Leben,
er, der des Lebens war so wert;
indem er traurig saß daneben,
bat er ums Leben seines Herrn.

Als ich dies Wort von ihm vernommen,
ward mit Befried'gung ich erfüllt;
ich löste ihn aus seiner Schlinge
und ließ ihn seines Glücks sich freu'n.

Über des Herrn Befreiung froh,
voll Ehrfurcht gegen den Gebieter
sprach nun der wilde Schwan die Worte,
die angenehm zu hören waren:

‚So mögst du, Jäger, dich erfreuen
mit allen deinen Anverwandten,
wie heute ich voll Freude bin,
da frei ich seh den Vogelfürsten.

Komm her, ich werde dich belehren,
wie du trotzdem erhalten kannst
reiche Belohnung, ohne dass
Dhatarattha Leid widerfährt.

Führ uns rasch zum Palast des Königs
und stelle ihm uns beide vor
auf einer Tragstang' ungefesselt,
auf beiden Seiten frei dastehend.

Dies sind Dhataratthas, o König,
Gebieter über wilde Schwäne;
dies ist nämlich der Schwäne König,
sein Heerführer ist dieser zweite.

Wenn er der Schwäne König sieht,
der Männer König ohne Zweifel
wird hocherfreut, vergnügt und fröhlich
dir viele Schätze dafür geben.‘

So habe ich auf seine Worte
die beiden jetzt hierher gebracht;
hier mögest du sie beide haben
mit der Genehmigung von mir.

Der so hierher gekommne Vogel
ein Tier ist von besondrer Tugend;
von einem Jäger meinesgleichen
kennet ihr ja die Weichheit wohl.

Dir sei dies ein Geschenk, o König;
kein andres kenne ich derartig
in allen Vogelfängerdörfern;
sieh es dir an, o Menschenherrscher.“

So pries er, während er so dastand, die Vorzüge Sumukhas. Darauf ließ der König dem Schwanenkönig einen sehr wertvollen Sitz und Sumukha eine goldene, behagliche Bank geben. Als sie dort saßen, ließ er ihnen auf goldenen Schüsseln geröstete Körner, Honig, Zuckersaft u. dgl. vorsetzen. Als sie dann ihr Mahl beendet hatten, bat er mit gefalteten Händen das große Wesen um eine Unterweisung in der Wahrheit und setzte sich selbst auf eine goldene Bank. Auf seine Bitte hin begann dies zunächst ein liebenswürdiges Gespräch mit ihm.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als er den König sitzen sah
auf einer Bank von reinem Golde,
da sprach zu ihm der wilde Schwan
dem Ohre wohlgefäll'ge Worte:

„Geht es denn auch dem Herren wohl,
ist auch des Herrn Gesundheit gut?
Steht auch in Blüte dies sein Reich,
wird 's mit Gerechtigkeit regiert?“

„Gewiss geht es mir gut, o Schwan,
und auch gesund, o Schwan, bin ich.
In Blüte steht dieses mein Reich,
regiert wird 's mit Gerechtigkeit.“

„Ist auch unter den Herrn Ministern
nicht irgend eine Schuld vorhanden?
Und denken sie bei deinem Nutzen
nicht zu sehr an ihr eignes Leben?“

Es ist unter meinen Ministern
kein Fehler irgendwie vorhanden;
sie sind bereit zu meinem Nutzen
ihr eignes Leben hinzugeben.“

Hast du 'ne ebenbürt'ge Gattin,
aufmerksam, die nur Liebes spricht,
mit Söhnen, Schönheit, Ruhm gezieret,
die dir ganz zu Gefallen lebt?“

Ich hab' ne ebenbürt'ge Gattin,
aufmerksam, die nur Liebes spricht,
mit Söhnen, Schönheit, Ruhm gezieret,
die mir ganz zu Gefallen lebt.“

Als so der Bodhisattva eine liebenswürdige Unterhaltung begonnen hatte, sprach abermals der König, indem er ihn anredete:

„Bist etwa du, o Herr, gekommen
in eines großen Feinds Gewalt
und littest du gar großes Leid,
als du zuerst in Not geraten?

Ist er über dich hergefallen
und hat dich mit dem Stock geschlagen?
Dies ist von so niedrigen Leuten
ihre Gewohnheit immer noch.“

„Ich war ganz sicher, großer König,
wie er mir tat und mit mir sprach;
in keiner Weise hat sich dieser
als einen Feind zu uns gezeigt.

Zu zittern fing der Jäger an
und vorher redet' er zu uns;
darauf hat Sumukha der Weise
für uns die Antwort ihm gegeben.

Als er von ihm das Wort vernommen,
ward mit Befried'gung er erfüllt;
drauf löste er mich von der Schlinge
und stellt' uns frei, im Glück zu leben.

Auch dieses ward von Sumukha
um seinetwillen ausgedacht,
dass wir hingingen zu dem Herrn,
weil dieser so nach Geld verlangt.“

„So seid mir beide denn willkommen;
befriedigt bin ich, euch zu sehen.
Auch dieser möge reiche Schätze
erhalten, soviel er sich wünscht.“

Nach diesen Worten blickte der König einen Minister an. Als dieser fragte: „Was soll ich tun, o Fürst?“, sagte er: „Lasse diesem Jäger Haare und Bart scheren, lasse ihn sich baden und mit Wohlgerüchen besprengen und bringe ihn dann mit allem Schmuck geziert hierher.“ Als jener, nachdem so mit ihm getan war, zurückgebracht wurde, schenkte ihm der König ein Dorf, das jährlich hunderttausend Geldstücke einbrachte, ferner ein Haus, das zwei Straßen beherrschte, einen herrlichen Wagen und dazu noch viel edles Gold.

Um dies zu offenbaren, sprach der Meister folgende Strophe:

„Nachdem den Jäger so befriedigt
mit Reichtümern der Männerfürst,
da sprach er zu dem wilden Schwane
folgende Worte, lieb zu hören.“

Darauf verkündigte das große Wesen dem Könige die Wahrheit. Als dieser die Wahrheitsverkündigung vernommen, dachte er voll Befriedigung: „Ich werde dem Wahrheitsverkündiger Ehrung erweisen“; er gab ihm den weißen Sonnenschirm und sprach, um ihm das Reich zu übergeben:

„Was irgendwie in meiner Macht
und was mir unterwürfig ist,
die ganze Herrschaft Ihr erhaltet;
verwaltet sie, wie Ihr 's begehrt.

Zum Spenden oder zum Genießen
oder was sonst Ihr damit macht,
ich gebe Euch diesen Besitz,
die Herrschaft überlass ich Euch.“

Darauf gab das große Wesen den ihm gegebenen weißen Sonnenschirm wieder dem Könige zurück. Der König aber dachte: „Jetzt habe ich die Unterweisung des Schwanenkönigs vernommen; der junge Jäger aber hat gar sehr gepriesen, wie süß dieser Sumukha geredet habe. Auch von ihm will ich eine Unterweisung hören.“ Und indem er ihn anredete, sprach er folgende weitere Strophe:

„Wenn mich jetzt dieser Sumukha,
der Weise, gern anreden würde,
der so ist der Erkenntnis voll,
so wäre mir dies äußerst lieb.“

Darauf sprach Sumukha:

„Ich kann fürwahr, du großer König,
als wäre ich ein Naga-Fürst,
dich nicht anreden unter diesen;
dies dürfte mir nicht zukommen.

Jener ist unter uns der Erste,
du bist das höchste aller Wesen,
der Landeshüter, Männerfürst,
verehrenswert aus vielen Gründen.

Wenn diese beiden sich besprechen,
wenn die Verhandlung wird geführt,
darf nicht zwischen den beiden
reden ein Untertan, o Völkerfürst.“

Als der König dessen Worte vernommen, wurde er hocherfreut im Herzen; er sagte: „Der Jäger pries dich, dass es keinen andern deinesgleichen mehr geben kann, der so süß redet“, und sprach folgende Strophen:

„Mit Recht fürwahr der Jäger sagte:
‚Der Weisheit voll ist dieser Vogel‘;
denn nicht ist einem Unbezähmten
ein solches Vorgehen zu eigen.

So bist du von edelster Art,
so bist du aller Wesen Bestes;
soweit ich sie bis jetzt gesehen,
kenne ich niemanden der Art.

Erfreut bin ich von deinem Wesen
wie auch von deinen süßen Worten;
dieses nur ist mein heißer Wunsch:
Möge ich lange euch noch sehen.“

Darauf sprach das große Wesen, um den König zu preisen:

„Was man je an dem besten Freund,
das hast du jetzt an uns getan
und ohne Zweifel schulden wir
den Dienst dir, den du uns geleistet.

Doch ist in der Verwandten Schar
bei uns jetzt eine große Lücke;
weil sie uns nicht mehr sehen, sind
jetzt viele Vögel unglücklich.

Um ihnen ihren Schmerz zu nehmen,
möchten mit deiner Zustimmung
wir unsre Ehrfurcht dir bezeigen
und dann unsre Verwandten sehn.

Gewiss, große Befriedigung
empfind ich, wenn ich dich erblicke;
doch groß dürft' auch der Nutzen sein
aus der Freundschaft mit den Verwandten.“

Auf diese Worte hin erlaubte ihnen der König das Weggehen. Nachdem sodann das große Wesen den Nachteil, der in den fünf Lastern, und den Vorzug, der in den fünf Tugenden liege, auseinandergesetzt hatte, ermahnte er ihn noch: „Beobachte diese Gebote, führe in Gerechtigkeit die Regierung, gewinne dir die Leute durch die vier Arten liebenswürdigen Benehmens.“ Darauf kehrte er nach dem Cittakuta-Berge zurück.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

„Da er zum König so gesprochen,
der Dhatarattha-Schwanenkönig,
flog er zu der Verwandten Schar
mit äußerster Geschwindigkeit.

Als sie die Vögel kommen sahen,
die Hohen, in bester Gesundheit,
da schrieen: „keka“, alle Schwäne
und es entstand ein großer Lärm.

Erfreut ob des befreiten Herren,
von Ehrfurcht zu dem Herrn erfüllt,
umringten ihn von allen Seiten
die Vögel drauf vertrauensvoll.“

Indem sie ihn aber so umringten, fragten die Schwäne: „Wie bist du befreit worden, o Großkönig?“ Darauf erzählte das große Wesen, wie es durch Sumukha befreit wurde und was der König Sakuja und der junge Jäger an ihm getan hatten. Als dies der Schwäne Schar hörte, priesen sie dieselben hocherfreut mit den Worten: „Der Heerführer Sumukha und der König und der junge Jäger mögen glücklich und leidlos lange leben.“

Um dies zu verkünden, sprach der Meister folgende Schlussstrophe:

„So gehen alle guten Pläne
der wahren Freunde in Erfüllung,
so wie die Dhatarattha-Schwäne
zu der Verwandten Schar gelangten.“—

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, hat nicht nur jetzt, sondern auch früher schon Ananda um meinetwillen sein Leben aufgeopfert“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der Jäger Channa, der König war Sariputta, Sumukha war Ananda, die neunzigtausend Schwäne waren die Buddhaschar, der Schwanenkönig aber war ich.“

Ende der kleinen Erzählung von dem Schwan