Jātaka 535

Die Erzählung von der Götterspeise (Sudhabhojana-Jātaka)

„Am höchsten Berg“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen dem Almosen Spenden ergebenen Mönch. Dieser nämlich, ein Sohn aus edler Familie zu Savatthi, hatte die Predigt des Meisters angehört und war gläubigen Sinnes Mönch geworden. Er erfüllte vollständig die Gebote, betätigte die für einen Mönch verdienstlichen Handlungen und war voll Liebe zu den anderen, die mit ihm einen heiligen Wandel führten. Dreimal des Tages bezeigte er voll Eifer dem Buddha, der Lehre und der Gemeinde seine Ergebenheit; er war voll richtigen Benehmens und hatte seine Lust am Almosen Spenden. In Erfüllung der Tugend der Liebenswürdigkeit gab er das ihm selbst Geschenkte andern Empfängern, wenn solche vorhanden waren, so dass er selbst seiner Nahrung verlustig ging.

Dass er aber so auf Almosen Spenden aus war und am Almosen Spenden seine Freude hatte, wurde unter der Gemeinde der Mönche bekannt. Eines Tages begannen sie in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Mönch so und so ist sehr auf Almosen Spenden aus und hat seine Freude am Almosen Spenden. Wenn er auch nur eine Handfläche voll Wasser erhält, unterdrückt er die Begierde danach und hmückte seinen Genossen im heiligen Wandel. Dies ist die Gesinnung eines Bodhisattva!“ Der Meister vernahm diese Rede mit seinem göttlichen Gehör; er verließ sein duftendes Gemach, kam zu den andern und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er weiter: „Dieser Mönch, ihr Mönche, hatte früher nicht die Tugend des Almosen Spendens, sondern war geizig und gab nicht einmal einen Tropfen Öl her, soviel auf eine Grasspitze geht. Da bezwang ich ihn, brachte ihn zur Selbstverleugnung, schilderte ihm die Frucht des Almosen Spendens und befestigte ihn dadurch in der Freigebigkeit. Er erbat sich von mir den Wunsch, auch wenn er nur eine Handfläche voll Wasser erhielte, nicht zu trinken, ohne andern davon zu spenden. Durch die Frucht davon ist er auf Almosen aus und hat seine Freude an Almosen.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, lebte dort ein reicher Hausvater, der achthundert Millionen besaß.Ihm übertrug der König das Amt des Obersten der Kaufleute. Als nun dieser so vom König und von den Bewohnern des Landes geehrt wurde, betrachtete er eines Tages seine Glücksfülle und dachte dabei: „Diesen Ruhm habe ich nicht dadurch erlangt, dass ich in der verflossenen Existenz schlief und böse Werke des Körpers usw. ausführte, sondern dadurch, dass ich gute Werke tat. Auch für die Zukunft muss ich mir eine Hilfe verschaffen.“ Er ging zum Könige hin und sprach: „O Fürst, in meinem Hause ist ein Vermögen im Betrage von achthundert Millionen; nimm es hin!“ Doch jener entgegnete: „Ich brauche dein Geld nicht, ich habe selbst viel Geld. Nimm du davon, so viel du willst!“

Darauf sagte der andere weiter: „Darf ich denn, o Fürst, mein Geld als Almosen verschenken?“ Als der König erwiderte: „Tue nach Belieben“, ließ er an den vier Stadttoren, in der Mitte der Stadt und am Tore seines Hauses im ganzen sechs Almosenhallen errichten und spendete dort reiche Almosen, indem er täglich Sechshunderttausend dafür aufopferte. Nachdem er zeitlebens Almosen gespendet, ermahnte er seine Söhne, sie sollten diese seine Almosentradition nicht zerstören, und wurde am Ende seines Lebens als der Gott Sakka wiedergeboren. Auch sein Sohn gab ebenso Almosen und wurde als der Gott Canda wiedergeboren, dessen Sohn als der Gott Suriya, dessen Sohn als Mātali und dessen Sohn wurde als Pancasikha wiedergeboren.

Dessen Sohn aber, der sechste Oberste der Kaufleute (Großkaufmann), hieß Maccharikosiya (= der geizige Schatzbesitzer) und besaß auch achthundert Millionen. Dieser dachte: „Meine Ahnen waren töricht, sie warfen das schwer verdiente Geld fort. Ich aber werde mein Geld zurückbehalten und werde niemandem etwas geben.“ Er riss die Almosenhallen ein, verbrannte sie mit Feuer und wurde ein arger Geizhals. An seinem Haustore aber versammelten sich die Bettler und jammerten laut, indem sie die Arme ausstreckten: „Du großer Oberster der Kaufleute, zerstöre nicht die Tradition deiner Ahnen, spende Almosen!“ Als dies die Menge des Volkes hörte, tadelten sie ihn mit den Worten: „Von Maccharikosiya wurde seine Tradition zerstört!“

Beschämt stellte er nun eine Wache an seiner Türe auf, um die Bettler abzuhalten, sich dort aufzustellen. Als diese so ihre Hilfe verloren, schauten sie sein Haustor nicht mehr an. Von da an scharrte er immer Geld zusammen. Er genoss es weder selbst, noch gab er seinen Kindern, seiner Frau und anderen davon. Er verzehrte gekochten Reis mitsamt dem Reisstaub und dazu sauren Reisschleim. Er bekleidete sich mit groben Gewändern, die nur aus den Fäden von Wurzeln und Früchten gewebt waren; einen Sonnenschirm aus Blättern hielt er über sein Haupt und fuhr in einem abgenutzten Wagen, der mit alten Kühen bespannt war. So war für diesen unweisen Mann sein Vermögen wie eine Kokosnuss, die ein Hund findet.—

Als er eines Tages fortging, um dem Könige seine Aufwartung zu machen, dachte er: „Ich werde mit dem Vizegroßkaufmann gehen“, und ging in dessen Haus. In diesem Augenblick saß gerade der Vizegroßkaufmann dort, umgeben von seinen Söhnen und Töchtern, und verzehrte feinen Reisbrei, der mit frisch zerlassener Butter und mit gekochten, süßen Zuckerkörnern zubereitet war. Als dieser den Maccharikosiya sah, stand er von seinem Sitze auf und sprach: „Komm, großer Oberster, setze dich auf dieses Polster; wir wollen Reisbrei essen.“

Als der andere seinen Reisbrei sah, lief ihm im Munde der Speichel zusammen und er bekam Lust zum Essen. Er dachte aber folgendermaßen: „Wenn ich davon essen werde, so wird dem Großkaufmann, wenn er in mein Haus kommt, auch wieder eine Ehrung zu erweisen sein. So wird mein Geld zugrunde gehen. Ich werde keinen Reisbrei essen.“ Als er daher immer wieder gebeten wurde, sprach er: „Jetzt habe ich schon gespeist; ich bin satt.“ Während er aber zuschaute, wie der Großkaufmann aß, saß er immer da, den ganzen Mund voll Speichel. Dann ging er, nachdem dessen Mahl zu Ende war, mit ihm in den Palast des Königs.

Als er wieder nach Hause gekommen war, wurde er durch die Lust nach Reisbrei gequält; aber er dachte bei sich: „Wenn ich sagen werde, ich wolle Reisbrei essen, so wird eine große Menge mitessen wollen und viele Reiskörner u. dgl. werden dazu verbraucht werden; ich werde es deshalb niemandem sagen.“ Während er so Tag und Nacht nur an Reisbrei dachte und trotz seiner Gedanken aus Furcht, sein Vermögen zu verlieren, niemand etwas davon sagte, hielt er sein Verlangen danach zurück. Allmählich aber konnte er es nicht mehr zurückhalten und wurde davon über und über gelb. Weil er es aber trotzdem aus Furcht, sein Vermögen zu verlieren, niemand sagte, wurde er krank und wickelte sich in sein Bett ein.

Seine Frau ging zu ihm und fragte, indem sie mit der Hand seinen Rücken rieb: „Was fehlt dir, Herr?“ Er antwortete: „Mache dir die Krankheit an deinem eigenen Körper; ich bin nicht krank.“ Doch seine Frau fuhr fort: „Herr, du hast eine gelbe Farbe bekommen. Hast du irgendeinen Kummer oder zürnt dir der König oder haben dich deine Kinder nicht genug geehrt oder hat dich irgendeine Begierde befallen?“ „Ja, Mutter, eine Begierde hat mich befallen.“ „Sprich, Gatte.“ „Wirst du denn im Stande sein, dies bei dir zu bewahren?“ „Die Dinge, die man bewahren soll, werde ich auch bewahren.“

Trotzdem aber getraute er sich aus Furcht, sein Geld zu verlieren, nicht, es ihr zu sagen. Als er jedoch immer wieder von ihr gedrängt wurde, sprach er zu ihr: „Liebe, ich sah eines Tages, wie der Vizegroßkaufmann Reisbrei aß, der mit zerlassener Butter, Honig und Zuckerkörnern zubereitet war, und habe von da an Lust bekommen, solchen Reisbrei zu essen.“ Seine Frau erwiderte: „Du unkluger Mann, bist du denn arm? Ich werde Reisbrei kochen, der für alle Bewohner von Benares ausreicht.“ Ihm war, als hätte man ihm mit einem Stocke aufs Haupt geschlagen. Zornig sagte er ihr: „Ich kenne ja dein großes Vermögen; wenn du etwas aus dem Hause deiner Familie mitgebracht hast, so koche nur Reisbrei und gib ihn den Stadtbewohnern.“ „So will ich also soviel zubereiten, dass er für die Bewohner einer Straße ausreicht.“ „Was gehen dich diese an? Sie sollen ihr Eigentum verzehren.“ „So will ich also soviel machen, dass er für die Bewohner von sieben Häusern nach den verschiedenen Richtungen ausreicht.“ „Was gehen dich diese an?“ „Dann also für die Dienerschaft in diesem Hause.“ „Was geht dich diese an?“ „Dann koche ich also nur für die Schar der Verwandten?“ „Was tust du mit dieser?“ „Dann also koche ich nur für dich und mich, mein Gatte.“ „Wer bist du? Dir kommt dies nicht zu.“ „So koche ich also für dich allein, Gatte.“ Doch er erwiderte: „Koche auch für mich nicht. Wenn er im Hause gekocht wird,werden viele danach verlangen. Gib mir aber ein Pfund Reiskörner, ein Viertel Milch, eine Handvoll Zucker, eine Schachtel Honig und einen Kochtopf. Ich werde in den Wald gehen, dort Reisbrei kochen und ihn dort verzehren.“ Sie tat so.

Darauf gab er das Ganze einem Diener zu tragen und schickte ihn voraus mit den Worten: „Gehe und warte an dem und dem Orte.“ Er selbst machte sich einen Schleier und ging in unkenntlich machender Kleidung dorthin. Am Flussufer machte er am Fuße eines Gesträuches eine Kochgrube, ließ den Diener Holz und Wasser herbeiholen und schickte ihn dann fort mit folgenden Worten: „Gehe, stelle dich an einem Wege auf, und wenn du irgend jemand siehst, so gib mir ein Zeichen. Wenn ich dich dann rufe, so komme wieder her!“ Darauf machte er Feuer und kochte den Reisbrei.

In diesem Augenblicke betrachtete gerade Sakka, der Götterkönig, seine zehntausend Meilen umfassende reich geschmückte Götterstadt, die sechzig Meilen messende Gold-Straße, seinen tausend Meilen hohen Vejayanta-Palast, die fünfhundert Meilen umfassende Gerichtshalle Sudhammā, seinen sechzig Meilen messenden Pandukambala-Steinsitz,seinen mit goldenen Girlanden gezierten weißen Sonnenschirm, der fünf Meilen in der Runde maß, und die fünfundzwanzig Millionen zählenden Göttermädchen, die seine Person zierten und umgaben; indem er diese Glanzesfülle betrachtete, dachte er darüber nach, durch welche Tat er dieses Glück erlangt habe. Dabei sah er, wie er als Großkaufmann zu Benares Almosen gespendet hatte. Darauf betrachtete er, wo seine Söhne und weiteren Nachkommen ihre Wiedergeburt genommen hatten, und sah ihre ganze Entwicklung, wie sein Sohn zum Göttersohn Canda geworden sei, dessen Sohn zu Suriya usw.

Als er aber dann betrachtete, wie beschaffen der Sohn des Pancasikha sei, gewahrte er, wie von diesem seine Almosentradition zerstört worden war. Da kam ihm folgender Gedanke: „Dieser unkluge Mann ist ein Geizhals geworden und genießt weder für sich selbst, noch gibt er anderen. Meine Tradition ist von ihm zerstört worden. Wenn er stirbt, wird er in der Hölle wiedergeboren werden. Ich werde ihm eine Ermahnung geben, ihn veranlassen, meine Tradition wiederherzustellen und so bewirken, dass auch er die Fähigkeit erhält, in dieser Götterstadt wiedergeboren zu werden.“ Er rief Canda und die andern zu sich und sprach zu ihnen: „Kommt, wir wollen in das Bereich der Menschen gehen. Von Maccharikosiya wurde unsere Tradition zerstört; er hat die Almosenhallen verbrannt und genießt weder selbst etwas, noch gibt er anderen. Jetzt aber hat er Lust bekommen, Reisbrei zu essen; weil er jedoch denkt, wenn dieser im Hause gekocht werde, müsse er auch anderen davon geben, ist er in den Wald gegangen und kocht ihn allein. Wir wollen ihn bändigen, ihn zur Einsicht der Frucht des Almosen Gebens bringen und dann zurückkehren. Wenn er aber von uns allen zusammen gebeten würde, so würde er auf der Stelle sterben. Ich will zuerst hingehen und ihn um Reisbrei bitten; wenn ich dann dasitze, so kommt alle der Reihe nach, wie Brahmanen aussehend, und bittet ihn!“

Nachdem er so gesprochen, ging er selbst in Brahmanenkleidung zu jenem hin und fragte: „He, welches ist der Weg nach Benares?“ Darauf sagte Maccharikosiya zu ihm: „Bist du verrückt? Kennst du nicht einmal den Weg nach Benares? Was kommst du hierher? Gehe dorthin!“ Sakka aber stellte sich, als höre er seine Worte nicht, und ging auf ihn zu mit den Worten: „Was sagst du?“ Jener schrie nun: „Verflucht, du tauber Brahmane, was kommst du hierher? Gehe anderswohin!“ Darauf sprach Gott Sakka: „He, warum schreist du? Man sieht Rauch, man sieht Feuer, es wird Reisbrei gekocht: dies muss ein Einladungsort für Brahmanen sein. Auch ich werde zur Zeit, wenn die Brahmanen essen, ein wenig erhalten; warum treibst du mich fort?“ Als der andere versetzte: „Hier ist keine Einladung für Brahmanen; gehe anderswohin!“, erwiderte Sakka: „Warum bist du also zornig? Wenn du speisest, werde ich ein wenig erhalten.“ Darauf sprach jener zu ihm: „Ich werde dir kein einziges Klümpchen geben. Dies wenige reicht nur zu meiner Mahlzeit aus; auch ich erhielt dies nur auf meine Bitte. Hole du dir anderswoher deine Nahrung!“ Und er sprach mit Bezug darauf, dass er seine Gattin darum gebeten und es so erhalten habe, folgende Strophe:

„Ich kaufe nicht und ich verkauf auch nicht
und nicht besitz ich davon eine Menge.
Dies wenige ist mühevoll erworben;
die Schüssel Reisbrei reicht nicht für uns beide.“

Als dies Sakka hörte, entgegnete er: „Auch ich werde dir mit süßer Stimme einen Vers sagen.“ Und obwohl jener immer wieder abwehrte: „Ich brauche deinen Vers nicht“, sagte er ihm doch folgendes Strophenpaar:

„Von wen'gem soll man wenig geben,
von mittlerem nur mittelmäßig,
von vielem aber geb' man vieles;
gar nichts zu geben, gibt es nicht.

Dies sage ich dir, Kosiya:
Gib Almosen und iss dann selbst.
Den edlen Weg betrete du;
nicht findet Glück, wer isst allein.“

Als jener diese Worte hörte, antwortete er: „Schön hast du gesprochen, Brahmane. Wenn der Reisbrei gekocht ist, wirst du ein wenig erhalten; setze dich!“ Sakka setzte sich zur Seite.

Als er sich niedergesetzt hatte, kam Canda auf dieselbe Weise herbei und wechselte ebenso mit ihm Worte. Trotzdem jener ihn immer wieder abhielt, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Umsonst hat Feuer der entzündet,
umsonst hat der auch Rauch gemacht,
der, während bei ihm sitzt ein Gast,
allein für sich sein Mahl verzehrt.

Dies sage ich dir, Kosiya:
Gib erst Almosen, dann iss selbst.
Den edlen Weg betrete du;
nicht findet Glück, wer isst allein.“

Als jener dessen Worte vernommen, sagte er mit Mühe und Not: „Setze dich also hin; du wirst ein wenig erhalten.“ Canda ging hin und setzte sich neben Sakka.

Darauf kam Suriya auf dieselbe Weise herbei und wechselte dieselben Worte mit ihm. Trotzdem jener ihn immer wieder abhielt, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Richtig hat Feuer der entzündet,
richtig hat der auch Rauch gemacht,
der, während bei ihm sitzt ein Gast,
nicht ganz allein sein Mahl verzehrt.

Dies sage ich dir, Kosiya:
Gib erst Almosen, dann iss selbst.
Den edlen Weg betrete du;
nicht findet Glück, wer isst allein.“

Auch nachdem er dessen Worte vernommen, sagte er mit Mühe und Not: „Setze dich also nieder; du wirst ein wenig erhalten.“ Jener ging hin und setzte sich neben Canda.

Darauf kam Mātali auf die nämliche Art zu ihm hin, wechselte mit ihm dieselben Worte und sprach, obwohl ihn der andere immer wieder abzuhalten suchte, folgende Strophen:

„Wer bei dem Teiche Opfer bringt
oder bei Gayas Wasserfülle,
am Dona- und Timbaru-Ufer,
am raschen Strom, der mächtig wogt—

dann erst hat Feuer er entzündet,
dann erst hat er auch Rauch gemacht,
wenn er, da bei ihm sitzt ein Gast,
nicht ganz allein sein Mahl verzehrt.

Dies sage ich dir, Kosiya:
Gib erst Almosen, dann iss selbst.
Den edlen Weg betrete du;
nicht findet Glück, wer isst allein.“

Auch als jener dessen Wort vernommen, sagte er mühsam, wie wenn er von einer Bergspitze erdrückt würde: „So setze dich also nieder; du wirst ein wenig erhalten.“ Mātali ging hin und setzte sich neben Suriya.

Darauf kam Pancasikha auf die nämliche Art zu jenem hin, wechselte mit ihm dieselben Worte und sprach, obwohl ihn jener immer wieder abzuhalten suchte, folgendes Strophenpaar:

„Den Angelhaken der verschlingt,
der an der langen Schnur befestigt,
wer, während bei ihm sitzt ein Gast,
für sich allein sein Mahl verzehrt.

Dies sage ich dir, Kosiya:
Gib erst Almosen, dann iss selbst.
Den edlen Weg betrete du;
nicht findet Glück, wer isst allein.“

Als dies Maccharikosiya hörte, sagte er mit schmerzlicher Anstrengung stöhnend: „Setze dich also nieder; du wirst ein wenig erhalten.“ Pancasikha ging hin und setzte sich neben Mātali.

So wurde, während die fünf Brahmanen dabeisaßen, der Reisbrei gekocht. Darauf nahm ihn Kosiya vom Ofen weg und sagte zu den anderen: „Bringet für euch Blätter herbei!“ Wie sie dasaßen, streckten sie die Hände aus und holten sich aus dem Himalaya Schlingpflanzenblätter. Als Kosiya diese sah, sagte er: „Ich habe nicht genug Reisbrei, um ihn euch auf diese Blätter zu geben; bringt Akazienblätter oder dergleichen!“ Darauf brachten sie solche Blätter herbei, aber ein jedes war so groß wie eines Kriegers Schild. Nun gab er allen mit einem Löffel; aber auch als er dem allerletzten gegeben hatte, war der Brei in seinem Topfe nicht weniger geworden. Nachdem er aber den fünf Brahmanen gegeben, nahm er selbst seinen Topf und setzte sich.

In diesem Augenblick stand Pancasikha auf, veränderte seine Gestalt und wurde ein Hund. Er kam herbei und machte vor ihnen seinen Urin. Die Brahmanen deckten ihren Reisbrei mit einem Blatte zu; auf den Handrücken des Kosiya aber fiel ein Tropfen Urin. Darauf nahmen die Brahmanen Wasser aus ihren Wassertöpfen, besprengten damit den Reisbrei und stellten sich, als äßen sie. Kosiya sagte: „Gebt auch mir Wasser; ich will mir die Hand waschen und dann essen.“ Doch sie antworteten: „Hole dir selbst Wasser und wasche dir damit die Hand!“ Kosiya erwiderte: „Ich habe euch Reisbrei gegeben; gebt mir ein wenig Wasser!“ Sie aber sagten: „Wir betreiben nicht den Austausch von Almosen.“

Darauf sprach Kosiya: „So gebt also auf meine Schüssel Acht; ich werde meine Hand waschen und dann zurückkommen.“ Und er stieg zum Flusse hinunter. In diesem Augenblicke machte der Hund die Schüssel mit seinem Urin voll. Als jener ihn Urin machen sah, kam er mit einem Stecken zurück, um ihn zu verscheuchen; der Hund aber verwandelte sich in ein edles, wildes Pferd und verfolgte ihn. Dabei veränderte es immer sein Aussehen. Einmal war es schwarz, einmal weiß, einmal goldfarbig, einmal gefleckt, einmal hoch, einmal niedrig. So verfolgte es mit seinem verschiedenen Aussehen den Maccharikosiya. Von Todesfurcht erfüllt ging dieser zu den Brahmanen hin; diese aber flogen in die Höhe und schwebten in der Luft. Als jener diese ihre Wunderkraft bemerkte, sagte er:

„Gewaltig sind fürwahr diese Brahmanen;
doch dieser euer Hund, aus welchem Grunde
verändert er abwechselnd stets sein Aussehn?
Verkündet uns, Brahmanen: Wer seid ihr?“

Als dies der Götterkönig Sakka vernahm, sprach er:

„Canda und Suriya kamen beide hierher,
dies ist der Götter Wagenlenker Mātali;
Sakka bin ich, der Herr der (Dreiund)dreißig,
und dieser wird Pancasikha genannt.“

Nachdem er diese Strophe gesprochen, sagte er noch, um dessen Ruhm zu preisen, folgende Strophe:

„Die Instrumente und die Pauken,
die Tamburine und die Trommeln
erwecken diesen, wenn er schläft;
wenn er erwacht ist, freut er sich.“

Als Kosiya diese seine Worte vernommen, fragte er: „Durch was für Taten haben sie diese göttliche Herrlichkeit erlangt?“ Darauf belehrte ihn der Gott: „Diejenigen, die nicht die Tugend der Freigebigkeit besitzen, die Bösewichte und die Geizhälse kommen nicht in die Götterwelt, sondern sie werden in der Hölle wiedergeboren“, und sprach folgende Strophe:

„Wer immer hier ist habsüchtig und geizig
und wer Asketen und Brahmanen tadelt,
die werden, wenn sie hier den Leib verlassen,
nach ihrem Tode in die Hölle kommen.“

Dann sprach er, um darzulegen, dass die in der Tugend Beharrenden die Götterwelt erlangen, noch folgende Strophe:

„Wer aber hier nach Heiligkeit bestrebt,
im Recht beharrt, in Mäßigung, im Spenden,
die werden, wenn sie hier den Leib verlassen,
nach ihrem Tode in den Himmel kommen.“

Nach diesen Worten fügte er hinzu: „Kosiya, wir sind zu dir nicht des Reisbreies wegen gekommen, sondern wir kamen aus Mitleid, weil wir uns deiner erbarmten.“ Und um dies zu verkündigen, sprach er:

„Du bist mit uns verwandt aus früh'rem Leben
und bist jetzt geizig, zornerfüllt und böse;
um deinetwillen sind wir hergekommen,
damit du Böser nicht zur Hölle kämest.“

Als dies Kosiya hörte, dachte er: „Sie sind fürwahr mir wohlgesinnt; sie wollen mich der Hölle entreißen und in den Himmel bringen.“ Und erfreuten Sinnes sprach er:

„Gewisslich wollt ihr nur mein Heil,
die ihr mich unterwiesen habt;
ich aber werd in allem tun,
wie meine Wohltäter gesagt.

Noch heute werde ich mein Leben ändern
und will in Zukunft nicht mehr Böses tun;
von allem will ich fortan andern geben,
selbst Wasser trink ich nicht mehr ohne Spenden.

So wird, wenn ich die ganze Zeit verschenke,
dieser mein Reichtum, Vasava, vergehen:
dann werde ich die Welt verlassen, Sakka,
die Lüste aufgeben in allen Teilen.“

Nachdem Sakka so den Maccharikosiya gebändigt, zur Selbstverleugnung gebracht und ihn die Frucht des Almosen Spendens hatte erkennen lassen, befestigte er ihn noch durch seine Wahrheitsverkündigung in den fünf Tugenden und kehrte dann mit den anderen in seine Götterstadt zurück. Maccharikosiya aber kehrte in die Stadt zurück und spendete mit Erlaubnis des Königs den Bittenden Almosen, wobei er verkündete, sie sollten alle Gefäße, die sie gerade hätten, voll machen und mitnehmen. Dann verließ er sogleich die Stadt und errichtete sich an der Südseite des Himalaya zwischen dem Ganges und einem natürlichen Teiche eine Laubhütte. Hier betätigte er die Weltflucht, und indem er sich von den Wurzeln und Früchten des Waldes ernährte, weilte er lange daselbst und gelangte zu hohem Alter.—

Damals hatte Gott Sakka vier Töchter, Asa,Saddha, Siri und Hiri. Diese nahmen einmal viel göttliche Wohlgerüche und Girlanden mit und begaben sich, um sich im Wasser zu ergehen, nach dem Anotatta-See. Nachdem sie dort gespielt, setzten sie sich in der Manosila-Ebene nieder. In diesem Augenblick kam gerade der Brahmanen-Asket Narada des Weges. Dieser war nach dem Himmel der dreiunddreißig Götter gegangen, um dort den Tag zu verbringen, hatte im Nandavana- und im Cittakutalata-Walde den Tag zugebracht und begab sich nun, indem er ein Paricchattaka-Blatt wie einen Sonnenschirm, um sich Schatten zu verschaffen, über das Haupt hielt, über die Manosila-Ebene nach seinem Wohnorte, der Goldhöhle. Als aber die Mädchen in seiner Hand jene Blume sahen, baten sie ihn darum.

Um diesen Sachverhalt zu erklären, sprach der Meister:

Am höchsten Berg, dem schönen Gandhamadana
ergingen sie sich, treu beschützt vom höchsten Gott;
da kam des Wegs der alle Welten besuchende Weise
mit einem herrlich blühenden Zweig des schönsten Baumes,

der hell und duftend und geehrt von den (Dreiund)dreißig
die schönsten Blumen trägt, verehrt von den ersten Göttern,
nicht zu erlangen von den Menschen oder Dämonen,
nur für die Götter ist geziemend dieser.

Darauf die vier, deren Haut dem Golde glich,
die Mädchen erhoben sich, die Fürstinnen der Lust,
Asa und Saddha, Siri auch und Hiri
und sprachen zu Narada, dem göttlichen Brahmanen:

„Wenn du 's noch nicht bestimmt hast, großer Weiser,
so gib uns diese Korallenbaumesblume.
All deine Wünsche sollen erfüllt dir werden;
sei du auch gegen uns wie Vasava.“

Als sie drum baten, schaute Narada sie an
und sprach, indem er dadurch Streit erregte:
„Ich brauche diese Blume durchaus nicht;
wer unter euch die Beste ist, schmück' sich damit.“

Als die vier dessen Worte vernahmen, sprachen sie folgende Strophe:

„Du als der Beste prüf uns, Narada,
und gib ihn der, der du den Vorzug gibst;
und welcher, Narada, du geben wirst die Blume,
die soll von uns als beste sein geehrt.“

Als Narada diese ihre Worte vernahm, redete er sie an und sprach dabei folgende Strophe:

„Unausführbar ist dieses Wort, ihr Schönen,
denn ein Brahmane würd' den Streit nur mehren.
Geht hin zum Herrn der Wesen und fragt ihn,
wenn ihr nicht wisst, wer hier die erst' und letzte.“

Darauf sprach der Meister folgende Strophe:

Von Narada, auf den sie zornig waren,
veranlasst und berauscht von ihrer Schönheit
gingen sie durch die Luft zum Tausendäugigen;
den Herrn der Wesen fragten sie: „Wer ist die Beste?“

Als sie so fragten und dastanden,

Als sie gespannt so sah Purindada,
da sprach verehrungsvoll der höchste Gott:
„Ihr seid euch all, ihr Schöngliedrigen, gleich;
wer hat, ihr Lieben, diesen Streit entfacht?“

Darauf sprachen sie, um es ihm zu erzählen, folgende Strophe:

„Der große Weise, der alle Welten durchwandert,
der Recht liebende Narada, der Wahrheit Freund,
der sprach zu uns beim Berge Gandhamadana:
‚˜Geht hin zum Herrn der Welten und fragt ihn,
wenn ihr nicht wisst, wer hier die erst' und letzte.‘“

Als dies Sakka hörte, dachte er bei sich: „Diese vier sind meine Töchter. Wenn ich sagen werde, unter ihnen habe eine den Vorzug und sei die erste, werden die anderen mir zürnen. Ich kann diesen Streit nicht entscheiden. Ich werde sie in den Himalaya zu dem Asketen Kosiya schicken; dieser wird ihren Streit entscheiden.“ Und er sprach: „Ich entscheide euren Streit nicht. Im Himalaya aber wohnt der Asket Kosiya. Diesem werde ich meine eigene Götterspeise schicken. Er isst nicht ohne einem anderen davon zu geben; bei seinem Spenden aber stellt er eine Untersuchung an und gibt nur dem Tugendhaften. Diejenige unter euch, die aus seiner Hand die Speise erhalten wird, die wird die erste sein.“ Und indem er dies verkündigte, sprach er folgende Strophe:

„Es ist ein großer Heil'ger, der im Walde wohnt,
und er isst nicht, ohne zu spenden, ihr Schönen.
Nach Untersuchung gibt Almosen Kosiya;
und wem er geben wird, die ist von euch die erste.“

Um nun zu dem Asketen zu schicken, ließ er Mātali zu sich rufen und sprach, um diesen zu ihm hinzusenden, folgende weitere Strophe:

„Es gibt einen, der wohnt von hier nach Süden
an der Gariga Gestade am Himalaya;
und dieser Kosiya erhält schwer Trank und Speise,
bring ihm die Götterspeise, Wagenlenker!“

Darauf sprach der Meister:

Drauf Mātali geschickt vom Götterkönig
bestieg den Wagen, bespannt mit tausend Rossen;
rasch kam er hin zu der Einsiedelei,
unsichtbar gab dem Heil'gen er die Götterspeise.

Kosiya nahm sie entgegen und sprach, während er so dastand, folgendes Strophenpaar:

„Während das Feueropfer ich besorge,
den Glanz, der Weltenfinsternis vertreibt,
legt Vasava, das erste aller Wesen,
wer sonst, in meine Hand die Götterspeise.

Der Muschel gleichend, weiß und unvergleichlich,
rein, duftend, lieb aussehend, nie gewesen,
noch nie geschaut mit meines Körpers Augen—
wer gab in meine Hand die Götterspeise?“

Darauf sprach Mātali:

„Gesendet von Mahinda, großer Weiser,
bracht' ich dir, Heil'ger, eilig Götterspeise.
Als Wagenlenker Mātali erkenne mich;
verzehr die beste Speise, zög're nicht.

Denn es vernichtet dieses Mahl zwölf Ãœbel:
Hunger und Durst, Missmut, Not und Ermüdung,
Hass und Feindseligkeit, Streit und Verleumdung,
Kälte und Hitze, Trägheit nimmt die Speise.“

Als dies Kosiya hörte, sprach er, um die Betätigung seines Gelübdes zu offenbaren, folgende Strophe:

„Es passt für mich nicht, Mātali, zu essen,
ohne zuvor zu spenden; dies gelobt' ich.
Nicht loben Edle es, allein zu essen;
wer andren nicht austeilt, findet nicht Glück.“

Und als Mātali ihn fragte: „Ehrwürdiger, welchen Fehler seht Ihr darin, zu essen ohne anderen zu geben, dass Ihr dieses Gelübde auf Euch nahmt?“, sprach er weiter:

„Die Frauentöter und dazu die Ehebrecher,
die ihren Freund verraten und die Heil'gen schelten,
die alle und die Geizigen sind die fünf Schlimmsten;
drum trink ich selbst kein Wasser, ohn' davon zu spenden.

Deshalb werd einem Weibe oder einem Manne
ich ein Almosen geben, wie es Weise priesen;
denn alle Freigebigen, die den Geiz aufgeben,
sind rein hienieden und geehrt in Wahrheit.“

Als dies Mātali hörte, stellte er sich in sichtbarer Gestalt hin. In demselben Augenblicke stellten sich auch die vier Göttermädchen nach den vier Himmelsrichtungen auf: Siri stand im Osten, Asa im Süden, Saddha im Westen und Hiri im Norden.

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:

Gesandt mit der Genehmigung des Götterfürsten,
diese vier Mädchen, deren Haut dem Golde glich,
Asa und Saddha, Siri und dazu noch Hiri
begaben sich zu Kosiyas Einsiedelei.

Als er sie sah in ihrer lichten Schönheit,
wie sie gleich Feuerflammen hell erstrahlten,
der Mädchen vier in den vier Richtungen,
sprach er entzückt im Beisein Mātalis:

„Wer bist du, Gottheit, die du strahlst im Osten hell
wie der Morgenstern, der Sterne Fürst?
Dich frag ich, deren Leib wie Goldgewinde,
verkünde mir, wer du wohl bist, o Göttin.“

„Das Glück bin ich, verehrt unter den Menschen,
ich diene immer nur den guten Wesen.
Wegen des Streits um Götterspeise kam ich zu dir;
drum mir gib von der Götterspeise, großer Weiser.

Für wen ich Glück begehre, großer Heil'ger,
der Mann erfreut sich aller seiner Wünsche.
Als Glück erkenne mich, du höchster Opf'rer;
drum gib mir von der Götterspeise, Weiser!“

Als dies Kosiya hörte, antwortete er:

„Mit Kunst, mit Wissen und Verstand versehen
erlangen viele Männer trotz Bemühung,
wenn du im Stich sie lässt, nicht das geringste.
Dies ist von dir nicht gut, was du da tatest.

Ich sehe, wie ein träger und gefräß'ger Mann
aus schlechtem Hause stammend, hässlich von Gestalt,
wenn du ihn schützest, Glück, auch den Edelgebor'nen
als Sklaven fortschickt wie ein reicher Eigentümer.

Daran erkenn ich, dass du ohne Unterscheidung
und unwahr bist, töricht verfolgst die Weisen.
Ein solches Wesen nicht verdienet Sitz noch Wasser,
geschweige Götterspeise. Geh, du passt mir nicht!“

Jene verschwand sogleich. Darauf wandte sich Kosiya an Asa und sprach:

„Wer bist du mit den weißen Zähnen, Perlohrringen,
mit buntem Halsschmuck, schön polierte Ketten tragend?
Mit deinem buntgefleckten Kleid erglänzest du
und einen Zweig hast du im Ohr so rot wie Feuer.

Wie ein verirrtes Reh, das der mit Pfeil und Bogen
verseh'ne Jäger fehlte, blickst du scheu umher.
Wer ist hier dein Genosse, Sanftäugige?
Hast du nicht Furcht allein im tiefen Walde?“

Darauf sprach sie:

„Ich habe hier keinen Genossen, Kosiya;
Göttin bin ich und stamme aus Masakkasāra.
Ich, das Verlangen, kam aus Lust nach Götterspeise;
drum gib mir von der Götterspeise, großer Weiser!

Als dies Kosiya hörte, antwortete er: „Wer dir gefällt, dem gibst du Lust durch die Gewährung der Frucht seines Verlangens; wer dir nicht gefällt, dem gibst du sie nicht. Durch dich gibt es keine Vollendung, sondern du verursachst nur Zerstörung.“ Und um dies zu erläutern, sprach er:

„Ihrem Verlangen folgend Kaufleute besteigen
ein Schiff aus Geldgier und sie fahren übers Meer;
doch dort versinken sie und so mit einem Male
verlieren sie ihr ganzes Geld und ihr Vermögen.

Verlangens voll die Landleute pflügen die Äcker,
sie werfen Samen aus und müh'n sich mannigfach;
durch Unglück aber, oder wenn der Regen ausbleibt,
erhalten sie davon nicht die geringste Frucht.

Verlangens voll treten die Männer mutig ein
für ihre Herren und nach ihrem Glück sie streben;
da sie sich um des Herren willen schwer geplagt,
gehn sie zugrunde und nichts haben sie erreicht.

Manche verlassen Geld und Gut und die Verwandten,
verlangend nach dem Himmel, strebend nach dem Glück
betätigen sie strenge Buße lange Zeit;
doch falschen Weg einschlagend stürzen sie ins Unglück.

Sie huld'gen dem Verlangen, das sie all betrügt.
Bezähme dich, Verlangen, bei der Götterspeise.
Ein solches Wesen nicht verdienet Sitz noch Wasser,
geschweige Götterspeise; geh, du passt mir nicht!“

Auch sie verschwand, von ihm zurückgewiesen, auf der Stelle. Darauf wandte sich Kosiya an Saddha und sprach folgende Strophe:

„In Glanz erstrahlst du hell, du Ruhm erfüllte,
nach der Weltgegend mit dem niedern Namen.
Dich frag ich, deren Leib voll Goldgewinden,
verkündige mir, wer du seist, o Göttin!“

Darauf sprach diese folgende Strophe:

„Ich bin der Glaube, hochverehrt unter den Menschen,
ich diene immer nur den guten Wesen.
Wegen des Streits um Götterspeise kam ich zu dir;
drum gib mir von der Götterspeise, großer Weiser!“

Kosiya antwortete ihr: „Diese Wesen hier glauben dem Worte von jedem Beliebigen, und wenn sie dann dies und das tun, so tun sie mehr solches, was man nicht tun darf, als solches, was man tun soll. Dies ist alles von dir so veranlasst.“ Und er sprach folgendermaßen:

„Almosen, Selbstbezähmung, Aufopferung, Bezwingung
betätigt manchmal man, veranlasst durch den Glauben;
doch Diebstahl, spitze Lüge und Verleumdung
üben auch wieder manche, von dir aufgestachelt.

Ein Mann voll Liebe zu den ebenbürt'gen Frauen
die reich an Tugend sind und ihm auch treu ergeben,
er unterdrückt die Lust nach Töchtern edlen Stammes
und einer niedern Dirne nur schenkt er Vertrauen.

Du dienst, o Glaube, nur den Ehebrechern,
du tust das Böse und verfolgst das Gute.
Ein solches Wesen nicht verdienet Sitz noch Wasser,
geschweige Götterspeise; geh, du passt mir nicht!“

Sie verschwand auf der Stelle. Kosiya aber wandte sich auch zu der im Norden stehenden Hiri und sprach folgendes Strophenpaar:

„Der Dämm'rung gleich, wenn sie die böse Nacht vertrieben,
du, die du hier erscheinst in höchster Schönheit strahlend,
die jener du vergleichbar bist, sag' mir, o Göttin,
verkünde mir, wer du wohl bist, du Göttermädchen!

Wie eine Kala in der feuergleichen Hitze
vom Wind bewegt die roten Blattgirlanden trägt,
wer bist du, die du dastehst und herüberblickst?
Obwohl du reden willst, sprichst du doch keinen Laut.“

Darauf sprach sie folgende Strophe:

„Die Göttin Scham bin ich, verehrt unter den Menschen,
ich diene immer nur den guten Wesen;
wegen des Streits um Götterspeise kam ich zu dir.
Doch kann ich dich nicht um die Götterspeise bitten;
wie Selbstentblößung ist für eine Frau das Bitten.“

Als dies der Asket hörte, sprach er folgende zwei Strophen:

„Mit Fug und Recht bist du von Scham erfüllt, du Schöne;
so ist es recht: man bittet nicht um Götterspeise.
Darum, weil du nicht bittest, lade ich dich ein;
was du von Götterspeise willst, das geb ich dir.

Von mir wirst heute in meiner Einsiedelei
du eingeladen, deren Leib voll Goldgewinden.
Werde von mir geehrt mit allen Leckerbissen;
nachdem ich dich verehrt, ess ich die Götterspeise.“

Die nun folgenden Strophen sprach der völlig Erleuchtete:

Veranlasst von dem hehren Kosiya fürwahr
Hiri ging in die liebliche Einsiedelei,
die reich an Wasser und versehn mit edlen Früchten
und immer aufgesucht nur war von guten Wesen.

Bäume und Sträucher blühten dort in großer Zahl,
Mangos, Piyalas, Panasas und Kimsukas,
Sobhanjanas, Loddas dazu und Padma-Bäume,
Kekas und Bhangas und auch Tilakas voll Blüten.

Salas, Kareris, viele Rosenapfelbäume,
Feigen-, Bananenbäume, Madhukas, Vedisas,
Uddalakas, Patalis, Sindhuvaritas
und süß duftende Ketakas und Mucalindas.

Harenu-Gräser, Bambusrohre, Tindukas,
Hirse und wilder Reis, dazu Cinaka-Gräser,
Bananenbäume und dabei viel Reispflanzen,
noch andre Reisarten und Bhurja-Bäume.

Und auf der Nordseite davon
ein ganz reizender Lotosteich
ohn' Ungeheuer, ohne Steine,
süß, ohne widerlichen Duft.

Drinnen erfreuten sich viel Fische,
ruhige, die viel Futter hatten,
gehörnte Savamkas, Sakulas
und rote Satavamka-Fische,
Alis, Gaggarakas in Menge,
Pathinas und auch Krähenfische.

Daselbst erfreuten sich auch Vögel,
ruhige, die viel Futter hatten;
Schwäne und Reiher sowie Pfauen,
Wildgänse und auch Seeadler,
Kuckucke mit gar bunten Farben,
geschwänzte Pfauen, Jīvakas.

Auch kommen dort zum Trinken hin
viel Scharen mannigfacher Tiere:
Löwen und Tiger, wilde Eber,
Bären und Wölfe und Hyänen.

Von Grasfressern die Gayal-Ochsen,
Büffel, Rotwild und Antilopen,
Gazellenhirsche, wilde Eber,
Elchhirsche und auch wilde Schweine,
viele Kadali-Antilopen,
Katzen und langohrige Hasen.

Erde und Felsen sind bedeckt mit bunten Blumen,
umtönt von Vögeln und umschwärmt von Vogelscharen.

So pries der Erhabene die Einsiedelei des Kosiya. Darauf sprach er, um zu erzählen, wie die Göttin Hiri dort hineinging usw., folgendes:

Die Schönhäutige, an den grünen Baum gelehnt,
nahte sich wie ein Blitz aus schwerer Wolke;
für sie richtet' er her aus Kusa-Gras ein Lager
mit wohl gefügtem Kopfteil, rein und duftend,
mit Antilopenfell bedeckt, und sprach zu Hiri:
„Du Schöne, setze dich mit Glück auf dieses Polster.“

Als sie sich auf das Polster hingesetzt, da brachte
ihr Kosiya, der Flechten-Fellträger, nach Wunsch
auf frischen Blättern selbst die Götterspeise
zugleich mit Wasser rasch, der große Weise.

Sie nahm entgegen sie mit beiden Händen
und sprach erfreut so zu dem Flechtenträger:
„Wohlan, nachdem ich so von dir geehrt, Brahmane,
will siegreich wieder ich zur Götterwelt hingehen.“

Mit des erhabnen Kosiya Genehmigung
ging sie erhobnen Sinns, berauscht von ihrem Ruhme
hin zu dem Tausendäugigen und sprach zu ihm:
„Hier ist die Götterspeise, Vasava; gib mir den Sieg!“

Darauf brachte Gott Sakka selbst die Ehrung dar
und auch die andern Götter ihr, der höchsten Göttin,
nachdem sie, die von Gott und Menschen war verehrt,
die Hände faltend auf ihr neues Polster sich gesetzt.

Nachdem Sakka sie so geehrt hatte, dachte er bei sich: „Aus welchem Grunde hat Kosiya nicht den andern, sondern ihr die Götterspeise gegeben?“ Um den Grund davon kennen zu lernen, schickte er abermals den Mātali zu jenem.

Um dies zu offenbaren, sprach der Meister:

Und abermals an Mātali sich wandte
der Tausendäugige, der Herr der (Dreiund)dreißig:
„Geh hin und frage Kosiya in meinem Namen,
aus welchem Grund erhielt Hiri die Götterspeise?“

Als jener dessen Worte vernommen hatte, bestieg er den Vejayanta-Wagen und fuhr fort.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Um gut zu fahren, zog den Wagen er hervor,
der hell erglänzt' und künstlerischer Arbeit glich,
aus Gold bestehend, glänzend wie die Sonne,
herrlich geschmückt, mit Goldwerk bunt geziert.

Viel goldne Pfauenaugen waren angebracht
und Elefanten, Rinder, Pferde, Häher, Tiger,
Panter, Hirsche und Vögel dargestellt erhaben,
Gazellenherden dort aus Lapislazuli.

Dort schirrt' man gelbe königliche Rosse an
zehnhundert, welche jungen Elefanten glichen,
geschmückt, mit goldnem Panzer auf der Brust bedeckt,
gekrönt, dem bloßen Ruf gehorchend, hurtig laufend.

Als Mātali bestiegen diesen schönsten Wagen,
ließ die zehn Richtungen des Himmels er erklingen:
die Luft und die Gebirge und die großen Wälder,
die Erde samt dem Meere brachte er zum Zittern.

Rasch ging er darauf hin zu der Einsiedelei;
das Kleid auf einer Schulter, beide Hände faltend
sprach Mātali zu dem gelehrten, alten, tugendhaften,
dem göttlichen Brahmanen folgendes:

„Vernimm des Indra Worte, Kosiya;
ich bin sein Bote, fragen lässt Purindada:
Vor Asa, Saddha, Siri, Kosiya,
warum erhielt Hiri die Götterspeise?“

Als jener dessen Worte vernommen, sprach er folgende Strophe:

„Halb nur erschien mir Siri, Mātali,
und Saddha unbeständig, Wagenlenker;
Asa wird von den Lügnern nur geehrt,
Hiri jedoch steht fest in edler Tugend.“

Darauf sprach er weiter, um deren Vorzug zu preisen:

„Die jungen Mädchen, die in der Familie Hut,
die alten Frauen und die einen Gatten haben,
halten, wenn nach den Männern Lust entsteht in ihnen,
durch Scham diese zurück in ihrem Herzen.

Wenn in der Schlacht Pfeile und Speere fliegen
und die Besiegten fallen und entfliehen,
kehren aus Scham sie um, das Leben opfernd,
und nehmen wieder auf den Kampf aus Scham.

So wie das Ufer bricht des Meeres Macht,
so hält die Scham zurück die bösen Leute;
dass in der ganzen Welt die Scham die Edlen ehren,
das teile Indra mit, du Götterwagenlenker.“

Als dies Mātali hörte, sprach er folgende Strophe:

„Wer hat dir, Kosiya, diese Lehre mitgeteilt,
Brahma, der große Indra oder Pajapati?
Auch bei den Göttern wird Hiri verehrt am meisten
unter des großen Indra Töchtern, großer Weiser.“—

Während er aber noch so sprach, kam in demselben Augenblick für Kosiya die Zeit des Hinscheidens. Da dachte Mātali: „O Kosiya, deine Lebensbedingungen sind zu Ende,die Tugend des Almosen Gebens hast du in Vollendung betätigt. Was sollst du in der Menschenwelt? Wir wollen in die Götterwelt gehen.“ Und da er ihn dorthin führen wollte, sprach er folgende Strophe:

„Komm her und fahr empor zum Götterhimmel,
besteige diesen meinen eignen Wagen.
Indra verlangt nach dir, seinem Verwandten;
komm heute noch in die Gesellschaft Indras!“

Während er so mit Kosiya sprach, starb Kosiya und wurde ein wunderbar erzeugter Göttersohn; er bestieg den Götterwagen und stellte sich darauf. Mātali aber brachte ihn zu Sakka hin. Als ihn Sakka sah, gab er ihm hocherfreut seine eigene Tochter, die Göttin Hiri, zu seiner ersten Gemahlin; unermesslich war seine Majestät.

Da der Meister diesen Sachverhalt einsah, sagte er: „Die Taten hervorragender Wesen werden so geläutert“, und sprach darauf folgende Schlussstrophe:

So kommen zur Vollendung, die das Gute tun,
so geht die Frucht des guten Wandels nicht zugrunde;
wer immer Götterspeise sah verzehren,
die kamen alle zur Gesellschaft Indras.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon bezwang ich ihn, der nicht am Almosen Spenden seine Freude hatte, sondern ein hartnäckiger Geizhals war.“

Darauf verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war die Göttin Hiri Uppalavanna, Kosiya war der Almosen spendende Mönch, Pancasikha war Anuruddha, Mātali war Ananda, Canda war Mogallana, Narada war Sāriputta, Gott Sakka aber war ich.“

Ende der Erzählung von der Götterspeise