Jātaka 536

Die Erzählung von Kunala (Kunala-Jātaka)

„So wird erzählt“

Dies erzählte der Meister, da er am Kunala-See verweilte, mit Beziehung auf fünfhundert Mönche, die von Unzufriedenheit gequält wurden. Folgendes ist die Erzählung, wie sie sich der Reihe nach abspielte: Die Sakiyas und die Koliyas hatten zwischen der Stadt Kapilavatthu und der Stadt Koliya den Rohini-Fluss mit einem Damme gesichert und bauten so Getreide. Als nun im Monat Jetthamula das Korn anfing, weich zu werden, versammelten sich von den Bewohnern der beiden Städte die Arbeiter. Darauf sprachen die Bewohner von Koliya: „Dies Wasser, das von beiden Seiten herbeigeschafft wird, wird nicht für euch und uns zusammen genügen. Unser Korn aber wird durch eine einzige Bewässerung gedeihen; darum gebt uns dies Wasser!“ Die Bewohner von Kapilavatthu aber sagten: „Wenn ihr eure Vorratshäuser gefüllt habt, so werden wir nicht im Stande sein, rotes Gold, blaue Edelsteine und dunkle Kahapanas mitzunehmen und mit Rückenkörben u. dgl. an eurer Haustüre zu verweilen. Auch unser Getreide wird durch die eine Bewässerung gedeihen; gebt dies Wasser uns!“ Die andern erwiderten: „Wir werden es euch nicht geben.“ Die ersteren aber sagten: „Auch wir werden es nicht hergeben.“

Als so der Wortwechsel sich verstärkte, stand einer auf und gab einem andern einen Schlag; auch dieser gab dem andern einen. So schlugen sie auf einander und vermehrten den Streit, indem sie dabei die Abstammung ihrer Königsfamilien verletzten. Die Feldarbeiter von Koliya sagten: „Geht nur mit euren Bewohnern von Kapilavatthu! Die wie Hunde, Schakale und ähnliche Tiere mit ihren Schwestern beisammen wohnen, was werden deren Elefanten oder Pferde, deren Schilde oder Waffen uns machen?“ Die Feldarbeiter aus dem Sakiya-Stamme aber sagten: „Geht ihr nur jetzt mit euren aussätzigen Kindern! Die hilflos und übel geraten wie Tiere auf dem Kola-Baume (der Brustbeerenbaum) wohnten, was sollen uns deren Elefanten oder Pferde, deren Schilde und Waffen machen?“

Sie gingen hin und erzählten es den Ministern, die zu diesem Geschäft bestimmt waren, und die Minister erzählten es wieder den Angehörigen der Königsfamilie. Da sagten die Sakiyas: „Wir werden ihnen die Stärke und Kraft von denen zeigen, die mit ihren Schwestern beisammen wohnen“, und zogen kampfbereit aus ihrer Stadt. Auch die Koliyas dachten: „Wir wollen die Stärke und Kraft von denen zeigen, die auf dem Kola-Baume wohnten“, und zogen auch zum Kampfe gerüstet aus ihrer Stadt.—Andre Lehrer aber erzählen dies folgendermaßen: Als die Mägde der Sakiyas und Koliyas zum Wasser Holen an den Fluss gegangen waren, legten sie ihre Tragkissen auf die Erde und saßen in fröhlichem Gespräche bei einander. Da nahm eine das Kissen einer andern in der Meinung, es sei das ihre. Als nun deswegen mit den Rufen: „Mein Kissen, dein Kissen“, Streit entstand, zogen der Reihe nach die Bewohner der beiden Städte, die Sklaven und Arbeiter sowie die Diener, Landleute, Minister, Vizekönige alle zum Kampfe gerüstet hinaus. So erzählen sie; vor dieser Überlieferung aber ist die frühere Überlieferung in vielen Erklärungen befolgt und auch wahrscheinlicher; darum ist sie anzunehmen.—Sie aber meinten, zur Abendzeit würden sie ausziehen.

Zu dieser Zeit verweilte der Erhabene zu Savatthi. Als er zur Zeit der Morgendämmerung die Welt betrachtete, sah er, wie jene zum Kampf bereit ausziehen wollten. Da er dies bemerkte, überlegte er: „Wenn ich dorthin gehe, wird da dieser Streit zur Ruhe kommen oder nicht?“, und er erkannte: „Ich werde, wenn ich dorthin komme, um den Streit zu schlichten, drei Jātakas erzählen; dann wird der Streit aufhören. Dann werde ich zur Beleuchtung der Eintracht zwei Jātakas erzählen und das Attadanda-Suttaverkündigen. Wenn sie diese Verkündigung gehört haben, werden die Bewohner der beiden Städte je dritthalbhundert (d.h. zweihundertfünfzig) Jünglinge zu mir bringen und ich werde sie zur Aufnahme in den Orden veranlassen; es wird eine große Versammlung werden.“

Nachdem er diesen Entschluss gefasst, besorgte er seine Körperpflege und machte dann zu Savatthi seinen Almosengang. Als er von seinem Almosengang zurückgekehrt war, verließ er zur Abendzeit sein duftendes Gemach; ohne jemand etwas davon zu sagen, nahm er selbst Almosenschale und Obergewand mit und setzte sich zwischen den beiden Heeren in der Luft schwebend mit gekreuzten Beinen nieder. Und da er sah, dass dies dazu diene, sie in Bestürzung zu bringen, entsandte er, um Finsternis zu verursachen, dunkle Strahlen von seinen Haaren; dann zeigte er sich ihnen in ihrer Bestürzung und entsandte sechsfarbige Buddhastrahlen (Vgl. damit die ähnliche Schilderung im Jātaka 74).

Als die Bewohner von Kapilavatthu den Erhabenen sahen, dachten sie: „Der Meister, der älteste unserer Verwandten, ist gekommen; hat er gesehen, dass wir die Pflicht haben zu streiten?“ Da kam ihnen folgender Gedanke: „Es ist für uns nicht möglich, nachdem der Meister gekommen ist, auf den Körper eines anderen einen Speer zu schleudern; die Bewohner von Koliya sollen uns töten oder braten!“ Und sie warfen die Waffen weg. Auch die Bewohner von Koliya taten ebenso.

Darauf stieg der Erhabene herab und setzte sich an einem entzückenden Platze auf einer Sandbank auf dem hergerichteten herrlichen Buddhasitze nieder, in unvergleichlicher Buddhaherrlichkeit erstrahlend. Auch die Könige setzten sich nieder, nachdem sie ihm ihre Verehrung bezeigt. Darauf fragte sie der Meister, obwohl er es wusste: „Warum seid ihr gekommen, ihr Großkönige?“ Diese antworteten: „Ehrwürdiger Herr! Nicht um den Fluss zu sehen oder um uns darin zu ergehen, sondern wir sind gekommen, um an diesem Orte eine Schlacht auszufechten.“ Der Meister fragte weiter: „Weswegen habt ihr Streit, ihr Großkönige?“ „Wegen des Wassers, Herr.“ „Was ist das Wasser wert, ihr Großkönige?“ „Wenig, Herr.“ „Was ist denn das Land wert, ihr Großkönige?“ „Es ist unschätzbar, Herr.“ „Was sind die Edlen wert?“ „Die Edlen sind unschätzbar, Herr.“ Jetzt sprach der Meister: „Warum wollt ihr wegen des wenig wertvollen Wassers sehr wertvolle Edle vernichten?“, und fuhr fort: „Im Streit ist keine Befriedigung. Infolge eines Streites, ihr Großkönige, wurde eine Baumgottheit mit Hass gegen einen schwarzen Löwen erfüllt und dieser Hass blieb für drei ganze Weltalter.“ Und er erzählte das Phandana-Jātaka (Jātaka 475).

Dann sprach er weiter: „Ihr Großkönige, man darf einem anderen nicht folgen. So folgten der Rede eines einzigen Hasen die Scharen der Vierfüßler in dem dreitausend Meilen weit sich erstreckenden Himalaya und sprangen in den Ozean. Darum darf man einem andern nicht folgen.“ Und er erzählte ihnen das Daddabha-Jātaka (Jātaka 322). Darauf sagte er: „Ihr Großkönige, manchmal sieht auch ein Schwacher die Schwächen eines Starken, manchmal auch der Starke die des Schwachen. Selbst ein Wachtelvogel hat so einen großen Elefanten getötet.“ Und er erzählte das Latukika-Jātaka (Jātaka 357).

Nachdem er so zur Schlichtung des Streites die drei Jātakas erzählt hatte, erzählte er, um die Eintracht zu beleuchten, noch zwei Jātakas. Er sagte nämlich: „Von Einträchtigen, ihr Großkönige, vermag niemand einen Fehler zu sehen“, und erzählte das Rukkhadhamma-Jātaka (Jātaka 74); dann sprach er: „Bei den Einträchtigen, ihr Großkönige, konnte niemand einen Mangel entdecken; als sie aber miteinander stritten, brachte sie ein junger Jäger ums Leben und nahm sie mit fort; im Streit liegt keine Befriedigung.“ Und er erzählte das Vattaka-Jātaka (sonst Sammodamana-Jātaka genannt, Jātaka 33). Nachdem er so diese fünf Jātakas erzählt hatte, verkündete er zum Schlusse das Attadanda-Sutta.

Hocherfreut sprachen nun die Könige: „Wenn der Meister nicht gekommen wäre, hätten wir einander getötet und einen Strom Blutes zum Fließen gebracht. Durch den Meister wurde uns das Leben gerettet. Wenn aber der Meister das häusliche Leben beibehalten hätte, so wäre die Herrschaft über die vier Erdteile, von den zweitausend Inseln umgeben, in seine Hand gekommen. Viel tausend Söhne hätte er erhalten und er hätte eine Umgebung von Edlen. Diese Herrlichkeit jedoch gab er auf, betätigte die Weltflucht und gelangte zur völligen Erleuchtung. Auch jetzt soll er hier verweilen mit seiner Umgebung von Edlen.“ So gaben ihm die Bewohner der beiden Städte je dritthalbhundert Jünglinge. Der Erhabene nahm sie in den Orden auf und begab sich dann nach dem großen Walde; und vom nächsten Tage an machte er, von ihnen umgeben, in den beiden Städten, einmal in Kapilapura und einmal in der Stadt Koliya, seinen Almosengang. Die Bewohner der beiden Städte bereiteten ihm große Ehrung.

Weil aber die Jünglinge aus Ehrfurcht vor dem Lehrer und nicht nach ihrem eigenen Wunsche Mönche geworden waren, befiel sie Unzufriedenheit. Auch ihre früheren Frauen schickten ihnen, um Unzufriedenheit in ihnen zu erregen, Briefe mit den und den Worten; so wurden sie noch weit unzufriedener.

Als der Erhabene beim Nachdenken ihre Unzufriedenheit erkannte, überlegte er: „Diese Mönche, die mit einem Buddha, wie ich es bin, zusammen wohnen, sind unzufrieden; welch eine Art von Lehrverkündigung wäre für sie passend?“ Dabei stieg vor seinem geistigen Auge die Kunala-Unterweisung auf. Da kam ihm folgender Gedanke: „Ich werde diese Mönche nach dem Himalaya führen, ihnen dort durch die Erzählung von Kunala den Fehler des weiblichen Geschlechts verkündigen und ihnen so ihre Unzufriedenheit nehmen; dann werde ich ihnen den Weg zur Bekehrung zeigen.“ Zur Vormittagszeit kleidete er sich an und machte mit Almosenschale und Obergewand seinen Almosengang in Kapilavatthu. Nach dem Mahle, als er vom Almosengang zurückgekehrt und die Zeit des Essens vorüber war, wandte er sich an die fünfhundert Mönche und fragte sie: „Ihr Mönche, habt ihr schon das liebliche Himalaya-Gebirge gesehen?“ „Nein, noch nicht, Herr“, war die Antwort. „Wollt ihr aber im Himalaya herumwandeln?“, fragte er weiter. Sie erwiderten: „Herr, wir besitzen keine Zauberkraft; wie könnten wir dorthin kommen?“ Der Meister versetzte: „Wenn aber einer euch mit sich dorthin nähme, würdet ihr da hingehen?“ „Ja, Herr“, antworteten sie.

Darauf nahm sie der Meister alle durch seine Zauberkraft mit sich, flog in die Luft empor und begab sich nach dem Himalaya. Als ob er an der Fläche des Himmels stände, zeigte er ihnen in dem reizenden Himalaya-Gebirge die verschiedenen Berge, wie den Goldberg, den Edelsteinberg, den Scharlachberg, den schwarzen Berg, den Tafelberg und den Kristallberg; dann die fünf großen Ströme;den Kannamundika-, den Rathakara-, Sihappapata-, Chaddanta-, Tiyaggala-, Anotatta- und den Kunala-See, die sieben Seen. Der Himalaya nämlich ist groß, fünfhundert Yojanas hoch und dreitausend Yojanas lang. Diese ganze entzückende Gegend zeigte er ihnen durch seine übernatürliche Macht. Auch zeigte er ihnen die dort errichteten Wohnungen sowie die Vierfüßler, die Löwen, Tiger, Elefanten u. dgl. an einem Orte; ebendaselbst auch die Einsiedeleien und andere entzückende Plätze, mannigfache Bäume, die Blumen und Früchte trugen, verschiedenartige Vogelscharen und Blumen, die im Wasser und am Lande wuchsen. Auf der Ostseite des Himalaya zeigte er ihnen eine Goldebene, auf der Westseite eine Scharlachebene. Sobald sie aber diese reizenden Dinge gesehen hatten, hörte bei jenen Mönchen die sinnliche Lust nach ihren früheren Frauen auf.

Darauf stieg der Meister mit diesen Mönchen aus der Luft herab. Auf der Westseite des Himalaya, auf einer felsigen Fläche von sechzig Yojanas unter einem sieben Yojanas überschattenden Sala-Baum, der ein ganzes Weltalter dort stand, auf der drei Yojanas umfassenden Manosila-Ebene setzte er sich nieder, umgeben von den Mönchen, indem er sechsfarbige Buddhastrahlen aussandte wie die glänzende Sonne, wenn sie aus dem Schoße des Meeres hervorbricht. Indem er seine süße Stimme erhob, sprach er zu den Mönchen: „Ihr Mönche, fragt nach etwas, das ihr in diesem Himalaya noch nicht gesehen habt.“ In diesem Augenblicke kamen zwei bunte Kuckucke, die einen Stab an beiden Enden in ihrem Schnabel trugen und in der Mitte ihren Herrn sich hatten niedersetzen lassen, durch die Luft geflogen; acht bunte Kuckucke flogen vor ihnen her, acht hinter ihnen, acht zur rechten, acht zur linken Seite, acht darunter, acht darüber, die ihnen Schatten machten. So flogen sie durch die Luft, indem sie den bunten Kuckuck umringten. Als die Mönche diese Vogelschar sahen, fragten sie den Meister: „Was sind dies denn für Vögel, Herr?“ Der Meister antwortete: „Ihr Mönche, das ist eine alte Tradition von mir. Nach der von mir aufgestellten Überlieferung umringten sie früher so mich. Damals jedoch war diese Vogelschar groß, dreieinhalb-tausend Vogelmädchen umringten mich. Allmählich aber verringerte sich die Schar und ist jetzt so klein geworden.“ Darauf fragten die Mönche: „In einem wie gestalteten Walde aber, Herr, umringten Euch diese Vogelmädchen?“ Der Meister antwortete ihnen: „Höret also zu, ihr Mönche!“ Er betätigte die Erinnerungskraft und sprach, um es zu erklären, indem er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit erzählte.

Das Kapitel von Punnamukha

So wird erzählt, so wird vernommen: In einer Gegend, wo der Boden alle Kräuter trug, die mit den Kränzen mannigfacher Blumen bestreut war, die belebt war von Elefanten, Gayal-Ochsen, Büffeln, Ruru-Gazellen, Yakochsen, Pasada-Gazellen, Rhinozerossen, Elch-Hirschen, Löwen, Tigern, Pantern, Bären, Wölfen, Hyänen, Ottern, Kadali-Antilopen, Katzen und langohrigen Hasen, bewohnt von dichtgedrängten Mengen großer Elefantenfamilien und Elefantenscharen, besucht von Issa-Gazellen, Sakha-Gazellen, Sarabha-Gazellen, Eni-Hirschen, Windgazellen und Pasada-Gazellen, von Feen und verschiedenartigen Dämonen, bedeckt mit zarte Sprossen tragenden, hoch ragenden, Blüten an den Spitzen habenden, viele Fuß weit ausgebreiteten Pflanzen, durchtönt von hundert fröhlichen Vogelarten, wie Seeadlern, Wachteln, Elefantenvögeln,Pfauen, Parabhotas, Fasanen, Celavakas, Bhimkaras und Kuckucken, geschmückt und bedeckt von hundert Arten von Mineralien, wie Collyrium, rotem Arsenik, gelbem Auripigment, Scharlach, Gold und Silber:

In einem solch lieblichen Walde wohnte ein Vogel namens Kunala, überaus bunt, mit überaus bunten Federn bedeckt; dieser Kunala-Vogel aber hatte dreieinhalbtausend Frauen, dienende Vogelmädchen. Zwei Vogelmädchen nun nahmen ein Stück Holz in den Schnabel, ließen den Kunala-Vogel sich darauf setzen und flogen mit ihm in die Höhe, indem sie dachten: „Dass nur nicht diesen Kunala-Vogel bei der Länge des Weges die Ermüdung überwältige!“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer unter ihm her, indem sie dachten: „Wenn dieser Kunala-Vogel von seinem Sitze herunterfällt, so werden wir ihn mit den Flügeln auffangen.“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer über ihm her, damit den Kunala-Vogel nicht die Hitze versenge. Fünfhundert Vogelmädchen flogen auf seinen beiden Seiten, damit den Kunala-Vogel nicht die Kälte oder die Hitze oder Gras oder Staub oder Wind oder Urin berühre. Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer vor ihm, indem sie dachten: „Dass diesem Kunala-Vogel nicht Rinderhirten oder Viehhirten oder Grassammler oder Holzsammler oder Waldarbeiter mit einem Stück Holz oder einer Scherbe oder mit der Hand oder mit einem Erdklumpen oder mit einem Stocke oder mit einem Speer oder mit Sand einen Streich versetzen, dass nicht dieser Kunala-Vogel mit Gestrüpp oder Schlingpflanzen oder Bäumen oder Säulen oder starken anderen Vögeln zusammengerate.“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen hinter ihm drein, die mit milden, sanften, lieblichen, süßen Worten mit ihm sprachen, damit nicht dieser Kunala-Vogel auf seinem Sitze unzufrieden werde. Fünfhundert Vogelmädchen flogen hierhin und dorthin und brachten verschiedenartige Früchte von mannigfachen Bäumen herbei, damit nicht der Kunala-Vogel durch Hunger bedrückt werde. So brachten die Vogelmädchen diesen Kunala-Vogel von Park zu Park, von Garten zu Garten, von einem Flussufer zum andern, von einer Bergspitze zur andern, von einem Mangowald zum andern, von einem Rosenapfelbaumwald zum andern, von einem Brotfruchtbaumwald zum andern, von einer Kokosnusspflanzung zur andern mit großer Schnelligkeit, damit er sich daran erfreue. Wenn aber so der Kunala-Vogel von diesen Vogelmädchen den Tag über umgeben gewesen war, so zeigte er doch seine Unzufriedenheit mit folgenden Worten: „Geht zugrunde, ihr Niedrigen, vergeht, ihr Niedrigen, ihr Verräterinnen, ihr Undankbaren, ihr Leichtsinnigen, die ihr das an euch Getane nicht vergeltet, die ihr wie der Wind hingeht, wohin ihr wollt!“

Nach diesen Worten aber fügte er hinzu: „So, ihr Mönche, kannte ich auch als Tier der Weiber Undankbarkeit, ihren Reichtum an Listen, ihren schlechten Wandel, ihr übles Benehmen. Auch damals blieb ich nicht in ihrer Gewalt, sondern brachte sie im Gegenteil in meine Gewalt.“ Nachdem der Meister mit diesen Worten jenen Mönchen ihre Unzufriedenheit genommen, schwieg er still.

In demselben Augenblick kamen zwei schwarze Kuckucke, die ihren Herrn auf einem Stabe trugen, sowie je vier andere unten und auf der andern Seite fliegend an diesen Ort. Auch als die Mönche diese sahen, fragten sie den Meister danach. Der Meister antwortete: „Früher, ihr Mönche, war mein Freund, Punnamukha mit Namen, ein königlicher Kuckuck; dies ist die von ihm begründete Tradition.“ Und da ihn die Mönche auf dieselbe Weise wie oben fragten, sprach er:

Im Osten dieses Himalaya, des Königs der Gebirge, sind Flüsse, die auf einem sehr hübschen und anmutigen Berge entspringen und die grün dahin fließen. Dort an einer Stelle, wo blauer Lotos, weißer Lotos, Wasserlilien, hundertblättriger Lotos duftig im Kreise emporgewachsen war, wo feiner Duft herrschte und es hübsch und hell war; in einem Walde, der aus einer Menge von Kuravakas,Mucalindas, Ketakas, Cetasas, Vajulas, Punnagas, Vakulas, Tilakas, Piyakas, Hasanas, Sala-Bäumen, Salalas, Campakas, Asokas, Schlangenbäumen, Tiritis, Bhujapattas, Loddas und Sandelholzbäumen bestand, in einem Dickicht, das aus Kala-Pflanzen, Galus, Lotos, Piyangus, Götterbäumen und Cocas zusammengesetzt war, das Kränze und Girlanden von Kakudhas, Kutajas, Amkolas, Kaccikaras, Kannikaras, Kanaveras, Korandas, Kovilaras, Kimsukas, Yodhivanas, Mallikas, Manariganas, Manavajjas, Bhandis, Suruciras und Bhaginis trug, an einem Orte, der geschmückt und ausgestattet war mit wildem Jasmin, mit nach Honig duftenden Dhanukarikas, Talis, Satagaras, Usiras, Kotthakacchas, der bedeckt war mit den Stämmen und den wohl abgemessenen Zweigen von Atimuttaka-Schlingpflanzen, der durchtönt war von Schwänen, Enten, Gänsen und Wildenten; an einem Orte, der bewohnt war von Scharen von Asketen und Büßern, die die übernatürlichen Kräfte in Vollendung besaßen, der belebt war von hohen Göttern, Halbgöttern, Dämonen, Geistern, himmlischen Musikanten, Feenwesen und großen Schlangenwesen:

In einem solchen lieblichen Walde also wohnte einst ein königlicher Kuckuck, Punnamukha mit Namen; dieser besaß eine überaus süße Stimme und sein Auge war heiter wie das Auge von einem, der vor Freude trunken ist. Auch dieser königliche Kuckuck Punnamukha hatte dreieinhalbtausend Frauen, dienende Vogelmädchen. Zwei Vogelmädchen nahmen ein Stück Holz in den Schnabel, ließen den königlichen Kuckuck sich darauf setzen und flogen mit ihm in die Höhe, indem sie dachten: „Dass nur nicht diesen königlichen Kuckuck Punnamukha bei der Länge des Weges die Ermüdung überwältige!“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer unter ihm her, indem sie dabei dachten: „Wenn dieser königliche Kuckuck Punnamukha von seinem Sitze herunterfällt, so werden wir ihn mit den Flügeln auffangen.“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer über ihm her, damit den königlichen Kuckuck Punnamukha nicht die Hitze versenge. Fünfhundert Vogelmädchen flogen auf seinen beiden Seiten, damit den königlichen Kuckuck Punnamukha nicht die Kälte oder die Hitze oder Gras oder Staub oder Wind oder Urin berühre. Fünfhundert Vogelmädchen flogen immer vor ihm her, indem sie dabei dachten: „Dass diesen königlichen Kuckuck Punnamukha nicht Rinderhirten oder Viehhirten oder Grassammler oder Holzsammler oder Waldarbeiter mit einem Stück Holz oder einer Scherbe oder mit der Hand oder mit einem Erdklumpen oder mit einem Stocke oder mit einem Speere oder mit Sand einen Streich versetzen, dass nicht dieser königliche Kuckuck Punnamukha mit Gestrüpp oder Schlingpflanzen oder Bäumen oder Säulen oder mit anderen starken Vögeln zusammengerate.“ Fünfhundert Vogelmädchen flogen hinter ihm drein, die mit milden, sanften, lieblichen, süßen Worten zu ihm redeten, damit nicht der königliche Kuckuck Punnamukha auf seinem Sitze unzufrieden werde. Fünfhundert Vogelmädchen flogen hierhin und dorthin und brachten mannigfache Früchte von verschiedenartigen Bäumen herbei, damit nicht der königliche Kuckuck Punnamukha durch Hunger gequält werde. So brachten die Vogelmädchen diesen königlichen Kuckuck Punnamukha von Park zu Park, von Garten zu Garten, von einem Flussufer zum andern, von einer Bergspitze zur andern, von einem Mangowald zum andern, von einem Rosenapfelbaumwald zum andern, von einem Brotfruchtbaumwald zum andern, von einer Kokosnusspflanzung zur andern mit großer Schnelligkeit, damit er sich daran erfreue. Wenn aber so der königliche Kuckuck Punnamukha von diesen Vogelmädchen den Tag über umgeben gewesen war, da lobte er sie mit folgenden Worten: „Gut, gut, ihr Schwestern! So, ihr Schwestern, passt es sich für euch Töchter aus edlen Familien, dass ihr eurem Gemahl dient!“

Es kam aber der königliche Kuckuck Punnamukha zu dem Kunala-Vogel hin und es sahen die dem Kunala-Vogel dienenden Vogelmädchen den königlichen Kuckuck Punnamukha. Als sie ihn von ferne herankommen sahen, gingen sie zu dem königlichen Kuckuck Punnamukha hin und sprachen darauf zum königlichen Kuckuck Punnamukha: „Lieber Punnamukha, dieser Kunala-Vogel ist allzu streng und gebraucht zu strenge Worte; vielleicht könnten wir durch deine Bemühung von ihm ein liebes Wort erhalten.“ Er erwiderte: „Vielleicht, ihr Schwestern“, und begab sich zu dem Kunala-Vogel.

Nachdem er sich mit ihm begrüßt hatte und neben ihm saß, da sagte der königliche Papagei Punnamukha so zu dem Kunala-Vogel: „Warum hast du, Freund Kunala, gegen deine Edelgeborenen, aus guter Familie stammenden Frauen, die gegen dich so freundlich sind, ein so unfreundliches Benehmen? Auch wenn die Frauen unlieb reden, Freund Kunala, muss man liebenswürdig mit ihnen sprechen; wie viel mehr aber, wenn sie selbst lieb reden?“ Nach diesen Worten aber schalt der Kunala-Vogel folgendermaßen den königlichen Kuckuck Punnamukha: „Gehe zugrunde, Freund, du Niedriger, Gemeiner; vergehe, Freund, du Niedriger, Gemeiner! Wer ist so klar wie du, dass du von den Weibern darum gebeten wurdest?“ Als aber der königliche Kuckuck Punnamukha diesen Tadel erfuhr, zog er sich wieder von diesem Orte zurück.

In der Folgezeit aber befiel bald darauf den königlichen Kuckuck Punnamukha eine schwere Krankheit, die rote Ruhr. Es entstanden lästige Schmerzen, die ihn dem Tode nahe brachten. Da kam nun den Vogelmädchen, die dem Kuckuck Punnamukha dienten, folgender Gedanke: „Krank ist dieser königliche Kuckuck Punnamukha; vielleicht kann er wieder von dieser Krankheit genesen“; sie ließen ihn allein ohne Gefährten zurück und begaben sich zu dem Kunala-Vogel.

Es sah aber der Kunala-Vogel die Vogelmädchen von ferne kommen, und da er sie sah, sprach er folgendermaßen zu den Vogelmädchen: „Wo ist aber euer Gemahl, ihr Niedrigen?“ Sie antworteten: „Krank, lieber Kunala, ist der königliche Kuckuck Punnamukha; vielleicht kann er von dieser Krankheit wieder genesen.“ Nach diesen Worten schalt der Kunala-Vogel folgendermaßen die Vogelmädchen: „Geht zugrunde, ihr Niedrigen; vergeht, ihr Niedrigen, ihr Verräterinnen, ihr Undankbaren, ihr Leichtsinnigen, die ihr das an euch Getane nicht vergeltet, die ihr wie der Wind hingeht, wohin ihr wollt!“ Er begab sich selbst zu dem königlichen Kuckuck Punnamukha und sprach, als er zu ihm gekommen war: „He, Freund Punnamukha?“ Dieser erwiderte: „He, Freund Kunala?“ Darauf umfasste der Kunala-Vogel den königlichen Kuckuck Punnamukha mit seinen Flügeln und mit seinem Schnabel, hob ihn empor und gab ihm mannigfache Heilmittel zu trinken; dadurch hörte bei dem königlichen Kuckuck Punnamukha die Krankheit wieder auf.

Als er aber gesund geworden war, kamen auch die Vogelmädchen wieder herbei. Nachdem der Kunala den Punnamukha einige Tage lang Waldfrüchte hatte verzehren lassen und dieser wieder zu Kräften gekommen war, sprach er zu ihm: „Freund, du bist jetzt wieder gesund. Wohne du wieder mit deinen Dienerinnen zusammen; auch ich werde an meinen Wohnort zurückkehren.“ Doch jener erwiderte ihm: „Diese haben mich, als ich schwer krank war, verlassen und sind davongelaufen; mich verlangt nicht nach diesen Verräterinnen.“ Als dies das große Wesen hörte, sagte es: „Darum, Lieber, werde ich dir die Schlechtigkeit der Weiber verkündigen“; es nahm den Punnamukha mit sich, führte ihn auf der Seite des Himalaya nach der Manosila-Ebene und setzte sich am Fuße eines sieben Meilen überschattenden Sala-Baumes auf einen Sitz von rotem Arsenik. Zu seiner Seite setzte sich Punnamukha mit seinem Gefolge.

Im ganzen Himalaya erscholl jetzt der Ruf der Götter: „Heute wird der Vogelkönig Kunala im Himalaya auf einem Sitze aus rotem Arsenik mit Buddha-Anmut die Wahrheit verkündigen; höret auf ihn.“ Als dies durch die gegenseitige Verkündigung die Götter der sechs Kama-Welten erfahren hatten, versammelten sie sich in noch größerer Anzahl; auch viele Nagas, Suppannas und Geier sowie die Götter im Walde riefen diese Begebenheit aus. Damals wohnte ein Geierkönig namens Ananda umgeben von zehntausend Geiern auf dem Geiersberg; als auch dieser den Lärm hörte, dachte er: „Ich will die Wahrheit hören“, kam mit seinem Gefolge herbei und setzte sich zur Seite. Auch Narada, ein die fünf Erkenntnisse besitzender Asket, der von zehntausend Büßern umgeben im Himalaya-Gebirge wohnte, hörte diese Verkündigung der Götter. Er dachte: „Mein Freund Kunala wird die Untugend der Frauen verkündigen; auch mir kommt es zu, diese Unterweisung anzuhören“; mit tausend Asketen begab er sich durch seine Wunderkraft dorthin und setzte sich ihm zur Seite nieder. Es war eine große Versammlung wie eine Versammlung zum Anhören der Predigt des Buddha. Darauf erzählte das große Wesen eine durch die Einsicht der Erinnerung an seine früheren Existenzen von ihm gesehene, die Schuld der Weiber erklärende Geschichte aus einem früheren Leben, indem er dabei den Punnamukha zum persönlichen Zeugen nahm.

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:

Darauf also sprach der Kunala-Vogel zu dem königlichen Kuckuck Punnamukha, als dieser von der Krankheit wieder genesen und noch nicht lange wieder gesund war, folgendermaßen:

„Gesehen wurde von mir, Freund Punnamukha, Kanha, die zwei Väter hatte und fünf Gatten, deren Herz aber in einen sechsten Mann verliebt war und zwar in einen verstümmelten Krüppel. Es gibt aber dafür noch folgenden Vers:

Doch Ajjuna, Nakula, Bhimasena,
Yudhitthila und König Sahadeva,
diese fünf Gatten hat die Frau betrogen
und trieb mit dem verwachsnen Zwerge Böses.

Gesehen ward von mir, Freund Punnamukha, die Asketin Saccatapāvī, die inmitten eines Leichenfeldes wohnte und immer nur das vierte Mahl zu sich nahm; sie trieb mit einem jungen Juwelier Unzucht.

Gesehen ward von mir, Freund Punnamukha, Kakati (Jātaka 327, vgl. auch Jātaka 360), die Fürstin, die inmitten des Ozeans wohnte, die Gemahlin des Venateyya; sie trieb mit Natakuvera Unzucht.

Ich sah auch, Freund Punnamukha, die schönhaarige Kurangavi, die den Elakamara liebte und dabei mit Chalangakumara und Dhanantevasi Unzucht trieb.

Auch das habe ich erkannt: die Mutter Brahmadattas verließ den König von Kosala und trieb mit Pancalacanda Unzucht.

Diese und andere trieben Unzucht; darum vertraue ich den Weibern nicht, noch lobe ich sie. Wie die Erde, die sich an allem gleichmäßig erfreut, die allen Schätze gibt, die dem einen wie dem andern eine Zuflucht bietet, die alles erträgt, nicht zitternd, unbeweglich, so sind auch die Frauen; ihnen darf ein Mann nicht vertrauen.

Gleich wie der Löwe, der sich nährt von Blut und Fleisch,
das wilde Raubgetier mit den fünf Tatzen,
das verzehrt sein Opfer und sich andre zu verletzen
freut, so sind die Weiber; nicht vertrau' ihnen der Mann.

Fürwahr, Freund Punnamukha, dies sind keine Huren, Dirnen und Straßenläuferinnen, dies sind keine leichtfertigen Weiber, sondern Mörderinnen sind diese ebenso wie Huren, Dirnen und Straßenläuferinnen. Wie Räuber sind sie mit ihren geflochtenen Locken, wie vergifteter Branntwein, wie Kaufleute, die sich selbst anpreisen, sie sind gewunden wie ein Antilopenhorn, falschzüngig wie eine Schlange, verschlossen wie eine Höhle, schwer zu füllen wie die Hölle, schwer zu befriedigen wie eine Dämonin, alles mit sich reißend wie der Todesgott Yama, alles verzehrend wie eine Flamme, alles mit sich treibend wie ein Fluss, nach Belieben überall hingehend wie der Wind, keinen Unterschied machend wie der Neru, immer Frucht tragend wie ein Giftbaum. Es gibt aber darüber auch noch folgende Verse:

So wie ein Dieb, wie gift'ger Branntwein,
so wie ein Kaufmann, welcher prahlt,
gewunden wie Gazellenhörner
und doppelzüngig wie die Schlange,

verschlossen wie die tiefe Höhle,
schwer auszufüllen wie die Hölle,
unbefriedigt wie die Dämonin,
wie Yama alles mit sich ziehend,

wie eine Flamm', ein Fluss, ein Wind,
wie Neru, ein gemeinsam Schiff,
wie ein Giftbaum: auf fünffach' Art
vernichten sie im Haus das Gut,
die Schätze bringen durch die Weiber.“—

Das Kapitel von Kanha

Ehedem nämlich nahm Brahmadatta, der König von Kasi, mit Heer und Wagen das Königreich Kosala ein und tötete den König von Kosala. Dessen erste Gemahlin, die schwanger war, nahm er mit sich nach Benares und machte sie zu seiner ersten Gemahlin. In der Folgezeit gebar sie eine Tochter; der König selbst aber hatte von sich aus weder eine Tochter noch einen Sohn. Darum sagte er erfreut: „Liebe, äußere einen Wunsch!“ Sie nahm dies an, hob aber ihren Wunsch auf. Der jungen Prinzessin aber gab man den Namen Kanha (= die Schwarze).

Als sie herangewachsen war, sagte ihre Mutter zu ihr: „Meine Tochter, dein Vater hat dir einen Wunsch gewährt. Ich nahm ihn an und hob ihn auf; wähle du dir etwas, das dir gefällt.“ Die Tochter erwiderte: „Es gibt nichts, was ich nicht habe. Um mir einen Gatten zu wählen, lasse mich selbst die Wahl treffen.“ So sagte sie zu ihrer Mutter unter Preisgebung des Schamgefühls, da sie voll sinnlicher Lust war. Die Mutter meldete dies dem Könige; dieser versetzte: „Nach Gefallen soll sie es erhalten“, und ließ ausrufen, dass sie sich selbst einen Gatten wählen wolle. Da versammelten sich im Hofe des Königspalastes viele Männer mit allem Schmuck geziert. Kanha stellte sich mit einem Blumenkorbe in der Hand an das obere Fenster und schaute hinaus, fand aber an keinem einzigen Gefallen.

Damals hatten aus dem Stamme des Königs Pandu die fünf Söhne des Königs Pandu, Ajjuna, Nakula, Bhimasena, Yudhitthila und Sahadeva mit Namen, zu Takkasilā bei einem weitberühmten Lehrer die Künste erlernt und wandelten, um das Wandern im Lande kennen zu lernen, umher. Dabei kamen sie auch nach Benares, hörten in der Stadt den Lärm und fragten nach seiner Ursache. Als sie die Sache erfuhren, sagten sie: „Auch wir wollen hingehen.“ So gingen die fünf, an Schönheit goldenen Bildsäulen gleichend, hin und stellten sich der Reihe nach auf. Als Kanha sie sah, verliebte sie sich in die fünf, wie sie dastanden; sie warf Blumenkränze den fünfen auf ihre Häupter und sagte zu ihrer Mutter: „Mutter, diese fünf Leute erwähle ich.“ Diese meldete es dem Könige; weil er ihr aber den Wunsch gewährt hatte, antwortete er nicht: „Du wirst sie nicht bekommen.“ Missmutig fragte er die fünf, von welcher Abkunft und wessen Söhne sie seien. Als er erfuhr, sie seien die Söhne des Königs Pandu, erwies er ihnen Ehrung und gab seine Tochter ihnen zur Dienerin.

Diese fesselte sie in ihrem sieben Stockwerke enthaltenden Palaste durch sinnliche Lust. Einen Diener aber hatte sie, einen buckligen Krüppel. Wenn sie nun die fünf Königssöhne durch sinnliche Lust befriedigt hatte und diese hinausgegangen waren und sie Gelegenheit hatte, so trieb sie von Lust entflammt mit dem Krüppel Unzucht, wobei sie diesem immer sagte: „Ich habe keinen andern so lieb wie dich; ich werde die Königssöhne töten und mit ihrem Blute deine Füße bestreichen.“ Wenn sie aber mit dem ältesten Bruder von den anderen Verkehr hatte, sagte sie zu ihm: „Du allein bist mir lieber als die vier anderen Leute. Mein Leben opfere ich für dich auf; nach meines Vaters Tode werde ich dir allein das Reich übergeben lassen.“ Wenn sie jedoch mit den anderen verkehrte, so machte sie es auf dieselbe Art. Sie alle waren gar sehr von ihr befriedigt in dem Gedanken: „Sie liebt uns und die Herrschaft haben wir durch sie erhalten.“

Eines Tages aber wurde sie krank. Da umringten sie die anderen; einer setzte sich nieder, indem er ihr Haupt umfasste, die übrigen umfassten je eine Hand oder einen Fuß; der Krüppel aber saß zu ihren Füßen. Jetzt gab sie dem ihr Haupt umfassenden ältesten Bruder, dem Prinzen Ajjuna, mit dem Kopfe ein Zeichen: „Du bist mir der liebste; wenn ich am Leben bleibe, werde ich für dich allein leben und nach dem Tode meines Vaters dir die Herrschaft übergeben lassen.“ Dadurch fesselte sie ihn. Den anderen aber gab sie mit ihren Händen und Füßen ebenso ein Zeichen; dem Krüppel jedoch gab sie mit der Zunge das Zeichen, dass er allein ihr lieb sei und dass sie nur für ihn leben werde. Sie alle erkannten infolge des früher von ihr Gesagten den Sinn des Zeichens. Während aber die anderen von ihnen nur das ihnen selbst gegebene Zeichen bemerkten, sah der Prinz Ajjuna die Bewegungen, die sie mit den Händen, den Füßen und der Zunge machte, und er dachte: „Ebenso wie mir wird auch den anderen mit diesem Zeichen etwas gegeben sein; auch mit dem Krüppel muss sie ein vertrautes Verhältnis haben.“ Er nahm seine Brüder mit sich, ging hinaus und fragte sie: „Habt ihr gesehen, wie die Frau mit den fünf Gatten zu mir eine Bewegung mit dem Kopfe machte?“ Sie antworteten: „Ja, wir haben es gesehen.“ „Wisst ihr auch den Grund?“ „Nein, wir wissen ihn nicht.“ Darauf sprach er: „Folgendes ist der Grund. Wisst ihr, was das euch mit den Händen und den Füßen gegebene Zeichen bedeutete?“ Sie antworteten: „Ja, wir wissen es.“ Er fuhr fort: „Auch mir hat sie mit derselben Bedeutung ein Zeichen gegeben. Wisst ihr aber auch, warum sie dem Krüppel mit der Zunge ein Zeichen gab?“ Auf ihre verneinende Antwort verkündete er ihnen, dass sie auch mit diesem Unzucht getrieben habe; und als sie es nicht glaubten, rief er den Krüppel herbei und fragte ihn. Dieser erzählte die ganze Begebenheit. Als sie nun dessen Worte vernahmen, hörte ihr sinnliches Wohlgefallen an Kanha auf: „Ach, das weibliche Geschlecht ist schlecht und lasterhaft. Leute wie wir von edler Abkunft und von Schönheit strahlend gab sie auf und treibt mit einem solchen ekelhaften, widerwärtigen Krüppel Unzucht. Welcher Mann, der weise geboren ist, wird sich noch mit schamlosen, lasterhaften Weibern erfreuen?“ Nachdem sie so auf mancherlei Art das weibliche Geschlecht getadelt hatten, sagten die fünf Leute: „Genug für uns mit dem Leben im Hause“, und zogen nach dem Himalaya. Hier betätigten sie die Mittel zur Herbeiführung der Ekstase und gelangten am Ende ihres Lebens an den Ort ihrer Verdienste.

Der Vogelkönig Kunala war damals der Prinz Ajjuna; deshalb sagte er, als er das von ihm erlebte Ereignis schilderte: „Ich sah“, usw.

Das Kapitel von Saccatapāvī

Indem er noch andere frühere Erlebnisse schilderte, sagte er noch weiter: „Ich sah“, usw.; so ist folgendes die Erläuterung bei der ersten Begebenheit:

Ehedem hatte in der Nähe von Benares eine weiße Asketin namens Saccatapāvī auf dem Leichenfelde sich eine Laubhütte erbaut, und während sie dort wohnte, überschlug sie beim Essen immer vier Mahlzeiten. In der ganzen Stadt war sie gefeiert wie der Mond oder die Sonne. Auch wenn die Bewohner von Benares niesten oder strauchelten, sagten sie: „Verehrung der Saccatapāvī.“ Zu einer Festzeit hatten am ersten Tage Goldschmiede in einer gemeinsamen Schar an einem Orte einen Pavillon errichtet, hatten Fische, Fleisch, Branntwein, wohlriechende Substanzen, Kränze herbeigebracht und begannen, vom Branntwein zu trinken. Da sagte ein dem Branntwein ergebener Goldschmied, als er sich erbrach: „Verehrung der Saccatapāvī.“ Ein Weiser entgegnete ihm:“ Holla, du blinder Tor, du erweisest einem wankelmütigen Weibe Verehrung! Ach, wie töricht bist du.“ Doch ersterer erwiderte: „Freund, rede nicht so; tue nicht etwas, das dich in die Hölle bringt.“ Darauf sagte der andere: „Du Einsichtsarmer, sei still! Mache mit mir eine Wette um tausend Geldstücke! Ich werde am siebenten Tage von heute an deine Saccatapāvī schön geschmückt, auf diesem Platze sitzend, das Branntweingefäß nehmen lassen und Branntwein trinken. Das weibliche Geschlecht ist nicht beständig.“ Der andere versetzte: „Das wirst du nicht können“, und machte mit ihm eine Wette um tausend Geldstücke. Jener meldete dies den anderen Goldschmieden.—Am nächsten Tage betrat er in Asketenkleidung das Leichenfeld und blieb unweit von ihrer Wohnung stehen, indem er die Sonne verehrte. Als sie ihren Almosengang begann und ihn sah, dachte sie: „Er wird ein Büßer von großer Wunderkraft sein. Ich wohne nur an der Seite des Leichenfeldes; er aber muss in der Mitte des Leichenfeldes wohnen. Inzwischen werde ich ihm nach der einem Heiligen zukommenden Art meine Verehrung bezeigen.“ Sie ging zu ihm hin und bezeigte ihm ihre Verehrung; er aber schaute sie nicht an, noch redete er sie an. Am zweiten Tage machte er es ebenso; am dritten Tage aber, als sie ihm wieder ihre Verehrung bezeigte, sagte er, das Gesicht nach unten gewendet: „Gehe!“ Am vierten Tage fragte er sie liebevoll: „Wirst du nicht durch dein Almosen Sammeln ermüdet?“ Sie ging froh weg, weil sie von ihm liebevoll angeredet worden war. Am fünften Tage erhielt sie noch mehr Worte von ihm, setzte sich ein wenig nieder und entfernte sich wieder. Als sie aber am sechsten Tage zu ihm kam, ihm ihre Verehrung bezeigte und sich neben ihn setzte, fragte er: „Schwester, was ist heute zu Benares für ein lauter Schall von Gesang und Musik?“ Sie antwortete: „Edler, wisst Ihr es nicht? In der Stadt ist ein Fest ausgerufen; dies ist der Lärm der das Fest Feiernden.“ „Ja, dies ist das Geräusch davon“, versetzte er, als ob er es nicht wüsste; dann fragte er weiter: „Schwester, wie viele Mahlzeiten übergehst du?“ Sie antwortete: „Vier; wie viel übergeht aber Ihr?“ Da log er: „Sieben“; denn jeden Tag aß er zur Nachtzeit. Weiter fragte er: „Wie viel Jahre sind es, seit du die Welt verließest?“ Sie erwiderte: „Zwölf Jahre; wie viel sind es aber bei Euch?“ Er antwortete: „Das sechste Jahr.“ Dann fragte er weiter: „Hast du, aber Schwester, die Tugend der Heiligen erreicht?“ Sie antwortete: „Nein; habt Ihr sie aber erreicht?“ Er erwiderte: „Auch ich nicht.“ Darauf sagte er: „Schwester, wir erlangen nicht das Glück der Liebe, noch das Glück der Weltentsagung. Was, ist nur für uns die Hölle heiß? Wir wollen tun wie die große Menge. Ich werde Laie werden; ich habe Vermögen, das meiner Mutter gehört; ich kann nicht in Leiden leben.“ Als sie dessen Worte vernahm, verliebte sie sich infolge ihres Wankelmutes in ihn und sie sagte: „Edler, auch ich bin unzufrieden. Wenn Ihr mich nicht zurückstoßt, will auch ich eine Laienfrau werden.“ Darauf sprach er zu ihr: „Komm, ich werde dich nicht verstoßen; du sollst meine Gattin werden.“ Er brachte sie in die Stadt und wohnte mit ihr zusammen; dann ging er nach der Branntweinbude, ließ sie ein Gefäß mit Branntwein nehmen und trank daraus Branntwein. Der andere hatte die tausend Geldstücke verloren; sie aber bekam von jenem Söhne und Töchter. Damals war der Kunala ein Sohn von ihnen; und als er diese Begebenheit erzählte, sagte er: „Gesehen habe ich“, usw.

Das Kapitel von Kakati

Bei der zweiten Geschichte ist die Begebenheit aus der Vergangenheit in dem Kakati-Jātaka (Jātaka 327, vgl. auch Jātaka 360) erzählt.—Damals aber war der Kunala der Garula, und als er deshalb das von ihm selbst Erlebte schilderte, sagte er: „Gesehen habe ich“, usw.

Das Kapitel von Kurangavi

Bei der dritten Begebenheit tötete ehedem Brahmadatta den König von Kosiya, eroberte sein Reich und kehrte mit dessen erster Gemahlin, die schwanger war, nach Benares zurück. Obwohl er wusste, dass sie schwanger war, machte er sie zu seiner ersten Gemahlin. Als ihre Leibesfrucht zur Reife gelangt war, gebar sie einen Sohn, der an Schönheit einem goldenen Bilde glich. Da dachte sie: „Wenn er herangewachsen ist, wird ihn der König von Benares töten lassen, weil er denkt: ‚Er ist der Sohn meines Feindes; was soll ich mit ihm.‘ Mein Sohn soll aber nicht von fremder Hand sterben.“ Und sie sprach zu der Amme: „Mutter, bedecke meinen Knaben mit einem Tuche und trage ihn auf das Leichenfeld.“ Die Amme tat so, wusch sich dann und kehrte zurück. Der König von Kosala aber war nach seinem Tode als eine Schutzgottheit seines Sohnes wiedergeboren worden. Durch dessen Macht kam eine Ziege, die einem an diesem Orte Ziegen hütenden Ziegenhirten gehörte, herbei, und als sie den Knaben sah, wurde sie mit Liebe zu ihm erfüllt und säugte ihn. Nachdem sie ein wenig umhergewandelt war, kam sie wieder und säugte ihn zwei, drei und vier Mal. Als der Ziegenhirt sah, was sie tat, ging er an diesen Ort und sah den Knaben. Er fasste Vaterliebe zu ihm und gab ihn seiner Frau. Diese aber war kinderlos, darum hatte sie keine Milch; deshalb säugte ihn immer eine Ziege. Von da an aber starben täglich zwei oder drei Ziegen; darum dachte der Ziegenhirt: „Wenn dieser aufgezogen wird, werden noch alle Ziegen sterben; was sollen wir mit ihm?“ Er legte ihn in ein irdenes Gefäß und deckte dies mit einem zweiten zu; dann bestrich er das Antlitz des Kindes mit Bohnenmehl, dass keine Öffnung blieb, und übergab ihn so dem Flusse. Während er nun so dahingetrieben wurde, sah ihn an der unteren Furt am Königspalaste ein Candala, der alte Sachen ausbesserte, während er sich gerade mit seiner Frau das Gesicht wusch. Rasch ging er hin, holte das Gefäß aus dem Wasser, legte es ans Ufer und öffnete es um zu sehen, was darin wäre. Da gewahrte er den Knaben. Seine Frau aber war auch kinderlos und wurde von Mutterliebe zu dem Knaben erfüllt; deshalb nahm sie ihn mit nach Hause und zog ihn auf. Als er sieben oder acht Jahre alt geworden war, nahmen ihn seine Eltern immer mit, wenn sie in den Palast des Königs gingen; und vom sechzehnten Jahre ab ging er selbst oft dorthin und betrieb das Geschäft, die alten Sachen auszubessern.

Die erste Gemahlin des Königs aber hatte eine Tochter von höchster Schönheit, Kurangavi mit Namen. Seitdem sie jenen gesehen, war sie in ihn verliebt; ohne an etwas anderem Freude zu finden, kam sie immer an den Ort, wo er seine Arbeit verrichtete. Weil sie sich aber durch das unaufhörliche Sehen in einander sehr verliebten, kam es im Palaste des Königs an einem verborgenen Orte zu einem Liebesverkehr zwischen ihnen. Im Laufe der Zeit meldeten dies ihre Dienerinnen dem König. Dieser versammelte voll Zorn seine Minister und sprach: „Seht zu, was dieser Candala-Sohn getan hat und was man ihm dafür tun soll!“ Die Minister antworteten: „Dies ist ein schweres Verbrechen. Man soll ihn mit verschiedenen Martern quälen und nachher ihn töten.“ In diesem Augenblick ging der Vater des Jünglings, der seine Schutzgottheit war, in den Körper der Mutter des Jünglings ein. Unter dem Einfluss des Gottes ging sie zum Könige hin und sprach zu ihm: „O Großkönig, dieser Jüngling ist kein Candala, er ist der aus meinem Schoße geborene Sohn des Königs von Kosala. Ich sagte Euch die Unwahrheit, dass mein Sohn gestorben sei; sondern weil ich dachte, er ist der Sohn Eures Feindes, gab ich ihn der Amme und ließ ihn auf dem Leichenfelde aussetzen. Darauf zog ihn ein Ziegenhirte auf; als aber dessen Ziegen starben, übergab er ihn dem Strome. Während er so auf dem Flusse hingetrieben wurde, sah ihn bei Eurem Hause ein Candala, der alte Sachen ausbessert, und zog ihn auf. Wenn Ihr dies nicht glaubt, so lasst sie alle rufen und fragt sie!“ Der König ließ alle von der Amme angefangen zu sich rufen und fragte sie aus. Als er erfuhr, dass es sich gerade so zugetragen hatte, dachte er voll Freude: „Von edler Abkunft ist der Jüngling“; er ließ ihn sich baden und schmücken und gab ihm seine Tochter zur Frau. Weil er aber die Ziegen getötet hatte, gab man ihm den Namen Elakamara (= Ziegentöter). Der König gab ihm Wagen und Heer und schickte ihn fort, damit er das seinem Vater gehörige Reich in Besitz nehme; er aber ging mit Kurangavi fort und bestieg den Thron.

Nun dachte der König von Benares: „Er hat die Wissenschaften noch nicht erlernt“, und schickte ihm den Chalangakumara als Lehrer, damit dieser ihn die Wissenschaften lehre. Der junge König dachte: „Es ist mein Lehrer“, und übertrug ihm die Stelle des Heerführers. In der Folgezeit aber trieb Kurangavi mit diesem Unzucht. Der Heerführer hatte auch einen Diener namens Dhanantevasi und schickte durch ihn an Kurangavi Gewänder, Schmuck u. dgl.; aber sie trieb auch mit diesem Unzucht.

Der Kunala war damals Chalangakumara; als er darum diese Begebenheit erzählte, sagte er: „Gesehen habe ich.“

Das Kapitel von der Königin von Kosala

In der fünften Geschichte hatte ehedem der König von Kosala das Reich von Benares erobert, hatte die erste Gemahlin des Königs von Benares, obwohl sie schwanger war, zu seiner ersten Gemahlin gemacht und war dann nach seiner eigenen Stadt zurückgekehrt. In der Folgezeit gebar sie einen Sohn; weil aber der König keine Kinder hatte, zog er ihn mit Vaterliebe auf und ließ ihn alle Wissenschaften erlernen. Als er herangewachsen war, schickte er ihn fort mit dem Auftrage: „Nimm das deinem Vater gehörige Königreich in Besitz!“ Jener ging dorthin und führte dort die Regierung. Seine Mutter aber nahm Abschied von dem König von Kosala, weil sie ihren Sohn zu besuchen wünschte, und zog mit großem Gefolge nach Benares. Zwischen den beiden Reichen nahm sie in einem Flecken Aufenthalt. Dort wohnte ein Brahmanenjüngling, namens Pancalacanda; der war sehr schön. Dieser überbrachte ihr ein Geschenk. Als sie ihn sah, verliebte sie sich in ihn und trieb mit ihm Unzucht. Nachdem sie sich einige Tage dort aufgehalten hatte, zog sie nach Benares und besuchte ihren Sohn; dann kehrte sie rasch um, nahm wieder in demselben Flecken Aufenthalt und verkehrte wieder mehrere Tage mit jenem. Hierauf kehrte sie nach der Stadt Kosala zurück. Von da an bat sie immer nach kurzer Zeit, indem sie unter dem und jenem Vorwand ihren Sohn besuchen wollte, den König um Erlaubnis hierzu; bei ihrem Gehen aber und bei ihrem Kommen trieb sie in jenem Flecken immer einen halben Monat lang mit ihrem Buhlen Unzucht. Die Weiber, o Punnamukha, sind nämlich lasterhaft und lügenhaft.“ Auch bei dieser Erzählung aus der Vergangenheit sagte er: „So habe ich gesehen“, usw.

Die ersten Strophen des Kunala

Noch weiteres sagte er, indem er dabei auf mancherlei Art den Reiz seiner Unterweisung zeigte.

„Folgende vier Dinge, Freund Punnamukha, schlagen, wenn es darauf ankommt, zum Schaden aus; diese darf man nicht in einem andern Hause sich aufhalten lassen:

(1.) einen Ochsen,
(2.) eine Kuh,
(3.) einen Wagen und
(4.) eine Frau.

Dies sind die vier Dinge, die der Weise nicht aus dem Hause gehen lässt.

Den Ochs, die Kuh, den Wagen und die Frau
lass' man in der Verwandten Haus nicht bleiben.

Den Wagen Unverständige zerbrechen,
durch zu viel Fahren tötet man den Stier,
durch zu viel Melken tötet man die Kuh,
die Frau in fremdem Hause wird verdorben.

Folgende sechs Dinge, Freund Punnamukha, sind nutzlos, wenn ein Bedürfnis danach eintritt:

(1.) Ein Bogen ohne Sehne,
(2.) eine Gattin, die in der Verwandten Hause weilt,
(3.) ein Schiff,
(4.) ein Wagen, dessen Achse gebrochen ist,
(5.) ein in der Ferne weilender Freund und
(6.) ein schlechter Gefährte

sind nutzlos, wenn es darauf ankommt.

Aus acht Gründen aber, Freund Punnamukha, verachtet eine Frau ihren Gatten:

(1.) wegen Armut,
(2.) wegen Krankheit,
(3.) wegen Alters,
(4.) wegen Trunkenheit,
(5.) wegen Dummheit,
(6.) wegen Nachlässigkeit,
(7.) wenn er sich um alle Geschäfte kümmert,
(8.) wenn er nicht allen Verpflichtungen nachkommt;

aus diesen acht Gründen, Freund Punnamukha, verachtet ein Weib seinen Gatten. Dafür gibt es noch folgendes Wort:

Den armen und den kranken Mann,
den alten und den trunkenen,
den nachlässigen und den dummen,
der sich erfreut an allen Dingen
und der nachlässt in allen Lüsten,
solch einen Mann verachten sie.

In neun Punkten, Freund Punnamukha, zieht sich ein Weib Tadel zu:

(1.) sie hat die Gewohnheit, in den Park zu gehen,
(2.) sie hat die Gewohnheit, in den Garten zu gehen,
(3.) sie hat die Gewohnheit, an die Furt des Flusses zu gehen,
(4.) sie hat die Gewohnheit, in der Verwandten Haus zu gehen,
(5.) sie hat die Gewohnheit, in ein fremdes Haus zu gehen,
(6.) sie pflegt, sich vor dem Spiegel mit schönen Kleidern zu schmücken,
(7.) sie trinkt berauschende Getränke,
(8.) sie hat die Gewohnheit, immer umzublicken,
(9.) und sie pflegt, vor ihrer Tür zu stehen.

Durch diese neun Punkte zieht sie, Freund Punnamukha, sich Tadel zu. Darüber gibt es noch folgenden Vers:

Sie geht zum Garten, in den Park,
zum Fluss, zu der Verwandten Haus,
dem Kleiderschmuck ist sie ergeben
und auch den Branntwein trinkt sie gern,

sie pflegt, immer um sich zu schauen,
und stellt sich hin vor ihre Tür:
durch diese Punkte, neun an Zahl,
zieht eine Frau sich Tadel zu.

In folgenden vierzig Punkten aber, Freund Punnamukha, betört eine Frau den Mann, erhebt sie sich über ihn, beugt ihn zu sich herab, erfreut ihn und beschämt ihn:

(1.) Sie kratzt mit ihrem Nagel seinen Nagel,
(2.) sie tritt mit ihrem Fuß auf seinen Fuß,
(3.) sie schreibt mit einem Stück Holz auf die Erde,
(4.) sie hebt ihren Knaben in die Höhe und lässt ihn wieder herunter,
(5.) sie spielt mit ihm und
(6.) lässt ihn spielen,
(7.) sie küsst ihn und
(8.) lässt sich von ihm küssen,
(9.) sie isst und
(10.) gibt ihm zu essen,
(11.) sie gibt,
(12.) sie bittet,
(13.) sie macht das Getane nach,
(14.) sie spricht hoch,
(15.) sie spricht tief,
(16.) sie spricht undeutlich,
(17.) sie spricht deutlich,
(18.) durch Tanz,
(19.) durch Gesang,
(20.) durch Musik,
(21.) durch Weinen,
(22.) durch Anmut,
(23.) durch Putz besticht sie ihn,
(24.) sie schaut auf ihn,
(25.) sie erschüttert ihn,
(26.) sie bewegt das, was zu verbergen ist,
(27.) sie öffnet ihre Hüfte,
(28.) sie verdeckt ihre Hüfte,
(29.) sie zeigt ihre Brust,
(30.) sie zeigt ihre Achselhöhle,
(31.) sie zeigt ihren Nabel,
(32.) sie schließt ihr Auge,
(33.) sie runzelt ihre Augenbraue,
(34.) sie nagt an ihrer Lippe,
(35.) sie nagt an ihrer Zunge,
(36.) sie spielt mit ihrer Zunge,
(37.) sie löst ihr Gewand,
(38.) sie schürzt ihr Gewand,
(39.) sie löst ihre Kopfbinde,
(40.) sie befestigt ihre Kopfbinde:

auf diese vierzig Arten, Freund Punnamukha, betört eine Frau den Mann.

In fünfundzwanzig Punkten aber, Freund Punnamukha, ist eine Frau als verdorben zu erkennen:

(1.) sie preist die Abwesenheit ihres Mannes,
(2.) sie gedenkt nicht an ihn in seiner Abwesenheit,
(3.) sie freut sich nicht über seine Ankunft,
(4.) sie spricht von seiner Unehre und
(5.) spricht nicht von seiner Ehre,
(6.) sie tut ihm Schaden an und
(7.) handelt nicht zu seinem Nutzen,
(8.) sie tut, was für ihn sich nicht gehört, und
(9.) tut nicht das ihm Zukommende,
(10.) sie legt sich mit den Kleidern zu Bett und
(11.) liegt mit dem Antlitz von ihm abgewendet,
(12.) dann aber dreht sie sich beständig herum und
(13.) ist voll Unruhe,
(14.) sie zieht lange den Atem ein,
(15.) sie empfindet immer Schmerz,
(16.) beständig geht sie, um Urin und Kot zu machen,
(17.) sie handelt gegen den Strich,
(18.) wenn sie die Stimme eines fremden Mannes hört, lauscht sie aufmerksam und spitzt das Ohr,
(19.) sie bringt das Besitztum durch,
(20.) mit den Nachbarn pflegt sie Umgang,
(21.) sie geht gern aus,
(22.) sie wandelt auf den Straßen umher und
(23.) übertritt auch die Ehe,
(24.) vor ihrem Gatten hat sie keine Ehrfurcht und
(25.) ist voll verdorbener Gedanken:

in diesen fünfundzwanzig Punkten, Freund Punnamukha, ist ein Weib als verdorben zu erkennen.

Dafür gibt es auch noch folgende Verse:

Sie freut sich, wenn er abwesend,
und ist nicht traurig, wenn er fern;
wenn sie den Gatten kommen sieht, freut sie sich nicht;
des Gatten Ruhm und Ehre sie niemals verkündet:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Zu seinem Schaden handelt sie, die Unbezähmte,
und was ihm nützt, vereitelt sie, die Schädliche;
sie legt sich angekleidet nieder, abgewendet:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Sie dreht sich ständig um und ist voll Unruhe,
sie seufzet lang und fühlt sich immer krank,
beständig geht sie, um Urin und Kot zu lassen:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Gegen den Strich sie handelt und bringt dadurch Schaden,
sie hört genau die Stimme, wenn ein Fremder spricht;
die Güter bringt sie durch und pflegt mit andern Umgang:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Das schwer erlangte und mühsam verdiente Geld,
den mühevoll erworbenen Besitz zerstört sie
und mit den Nachbarn sie den Umgang pflegt:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Sie geht gern fort und wandelt in den Straßen,
immer vom eignen Gatten Schlechtes denkend,
die Ehe übertritt sie, ist nicht ehrfurchtsvoll:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

An ihrer Türe steht sie immer wieder
und zeigt die Brüste und die Achselhöhlen,
überallhin sie schaut schwankenden Sinnes:
dies sind die Zeichen eines schlechten Weibes.

Die Flüsse all gewunden fließen,
die Wälder alle sind aus Holz
und alle Weiber tuen Böses,
wenn sie Gelegenheit erlangt.

Wenn den Moment sie oder ein Versteck
oder gute Gelegenheit je fänden,
so würden alle Weiber Unzucht treiben,
wenn keiner sonst da ist, mit einem Krüppel.

Die Frauen, die den Männern Freud' verschaffen,
sind unbeständig und nicht zu bezähmen,
sie schaffen alle selbst sich Lust, die Dirnen;
vertraue nicht; den Furten gleichen Weiber.“

Das Kapitel von Kinnara

Dann noch folgendes: Ehedem lebte zu Benares ein König namens Kandari, der von höchster Schönheit war. Täglich brachten ihm seine Hofleute tausend Schachteln mit wohlriechenden Substanzen; wenn sie dann seine Wohnung gereinigt hatten, zerspalteten sie die Schachteln mit den wohlriechenden Substanzen, machten damit das Holz duftend und kochten mit diesem die Speisen. Auch seine Frau war sehr schön; sie hieß Kinnara. Sein Hauspriester, Pancalacanda mit Namen, war ebenso alt wie der König und voll Weisheit. Bei dem Palaste des Königs aber innerhalb der Mauer wuchs ein Rosenapfelbaum; dessen Zweige hingen oben über die Mauer herab. In dessen Schatten wohnte ein Ekel erregender, hässlicher Krüppel. Als eines Tages die Fürstin Kinnara aus dem Fenster hinausschaute, sah sie diesen und verliebte sich in ihn. Nachdem sie bei Nacht den König durch Lust befriedigt hatte und dieser eingeschlafen war, stand sie leise auf, legte Speisen von verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack in ein goldenes Gefäß und tat dieses in den Bausch ihres Gewandes. Dann stieg sie an einem aus einem Gewande gedrehten Strick zum Fenster hinaus und ließ sich auf den Rosenapfelbaum hinunter, an dessen Zweigen sie hinab stieg. Nachdem sie sodann den Krüppel gespeist, trieb sie Unzucht mit ihm und stieg hierauf auf demselben Wege, den sie gekommen, wieder in den Palast hinauf. Hier besprengte sie ihren Leib mit wohlriechenden Substanzen und legte sich wieder zum König. Auf diese Weise trieb sie beständig Unzucht mit jenem; der König aber merkte nichts davon.

Als dieser nun eines Tages die Stadt von rechts umfuhr und in seinen Palast zurückkehrte, sah er den das äußerste Mitleid erregenden Krüppel im Schatten des Rosenapfelbaumes liegen und sagte zu dem Hauspriester: „Sieh dieses Menschengespenst!“ „Ja, o Fürst“, antwortete dieser. Der König fuhr fort: „Könnte wohl, o Freund, einen so widerwärtigen Menschen irgendein Weib in Liebesverlangen aufsuchen?“ Diese Worte hörte der Krüppel; er wurde zornig und dachte: „Was sagt dieser König? Er weiß, glaub ich, nicht, dass seine eigne Gattin zu mir kommt.“ Er faltete nach dem Rosenapfelbaum die Hände und sagte: „Höre, du Herr Gott, der du in diesem Rosenapfelbaum lebst; außer dir kennt niemand anders diese Geschichte.“ Als der Hauspriester sah, wie jener tat, dachte er: „Sicherlich kommt die erste Gemahlin des Königs auf diesem Rosenapfelbaum herbei und treibt mit ihm Unzucht.“ Und er fragte den König: „O Großkönig, wie fühlt sich zur Nachtzeit der Körper deiner Gemahlin an?“ Der König antwortete: „Freund, etwas anderes sehe ich nicht; zur Zeit der mittleren Nachtwache aber ist ihr Körper kalt.“ Jetzt sprach der Hauspriester: „Darum, o Fürst, sehen wir ab von einem andern Weibe: deine erste Gemahlin, die Königin Kinnara, treibt mit diesem Krüppel Unzucht.“ Der König versetzte: „Freund, was sagst du da? Eine mit höchstem Liebreiz ausgestattete Frau wird sich mit diesem höchst Ekel erregenden Menschen erfreuen!“ Doch der Hauspriester sagte: „Darum, o Fürst, stelle sie auf die Probe!“

„Gut“, versetzte der König. Zur Nachtzeit nach dem Abendmahle legte er sich mit ihr nieder; und um sie auf die Probe zu stellen, tat er zur Zeit, wo er gewöhnlich einzuschlafen pflegte, als sei er eingeschlafen. Sie erhob sich und tat wieder wie sonst; der König aber ging ihr nach und stellte sich in den Schatten des Rosenapfelbaumes. Zornig sprach jetzt der Krüppel: „Allzu spät bist du gekommen“, und schlug nach ihr; dabei traf er ihren Ohrschmuck. Sie aber sagte: „Sei nicht zornig, Gebieter; ich wartete, bis der König eingeschlafen war“, und war dann in seinem Hause wie seine Dienerin. Durch seinen Schlag aber war ein Ohrring, geformt wie ein Löwenmaul, aus ihrem Ohre abgesprungen und zu den Füßen des Königs gefallen. Der König dachte: „Das wird genügen“, und nahm ihn mit sich. Auch jene kehrte, nachdem sie sich mit dem Krüppel erfreut, auf die frühere Weise zurück und begann, sich wieder zum König zu legen. Der König stieß sie zurück und befahl am nächsten Tage: „Die Königin Kinnara soll mit dem ganzen Schmuck, den sie von mir erhielt, geschmückt zu mir kommen.“ Sie sagte: „Mein Löwenohrring ist beim Goldschmied“, und kam nicht; als er abermals nach ihr schickte, kam sie mit einem Ohrring angetan herbei. Der König fragte: „Wo ist dein Ohrring?“, und sie antwortete: „Beim Goldschmied.“ Darauf ließ er den Goldschmied rufen und fragte: „Warum gibst du der Königin nicht ihren Ohrring?“ Er antwortete: „Ich habe ihn nicht bekommen.“ Jetzt sagte der König zornig: „Du schlechtes, niedriges Weib, einer wie ich muss dein Goldschmied werden.“ Er warf den Ohrring vor sie hin und sprach zu seinem Hauspriester: „Freund, du hast wahr gesprochen! Gehe und lasse ihr das Haupt abschlagen.“ Dieser verbarg sie an einem Ort im Hause des Königs, ging dann zum König hin und sprach: „O Fürst, zürne nicht der Königin Kinnara! Alle Weiber sind ja derart. Wenn du die Lasterhaftigkeit der Weiber kennen lernen willst, werde ich dir ihre Schlechtigkeit und ihren Reichtum an Listen zeigen. Komm, wir wollen in Verkleidung durch das Land reisen!“

Der König stimmte zu, übergab seiner Mutter die Regierung und begann mit jenem seine Wanderung. Als sie ein Yojana Wegs zurückgelegt hatten und an der Heerstraße saßen, kam ein Gutsbesitzer mit großem Gefolge des Weges daher, der für seinen Sohn die Hochzeit veranstaltet hatte und ein Mädchen in einem bedeckten Wagen mit sich führte. Als dies der Hauspriester sah, sagte er: „Wenn du wünschest, kann ich bewirken, dass dies Mädchen mit dir Unzucht treibt.“ Der König versetzte: „Was sagst du da? Bei dem großen Gefolge kannst du dies nicht, Freund.“ Der Hauspriester jedoch erwiderte: „Sieh also nur zu, o Fürst.“ Er ging weiter vorwärts, stellte unweit der Straße ein Zelt auf und ließ den König in das Zelt hineingehen. Er selbst setzte sich an der Seite der Straße nieder und weinte. Als ihn der Gutsbesitzer sah, fragte er: „Mein Lieber, warum weinst du?“ Jener antwortete: „Meine Gattin ist hoch in Umständen; ich habe mich auf den Weg gemacht, um sie in das Haus ihrer Familie zu führen. Unterwegs aber fing sich ihre Leibesfrucht an zu bewegen und jetzt ist sie im Zelt in Nöten. Ist nicht eine Frau in ihrer Nähe? Auch ich kann nicht hineingehen; ich weiß nicht, was das werden soll.“ Der Gutsbesitzer antwortete: „Du musst eine Frau dafür bekommen; weine nicht, es sind viele Frauen hier; eine wird hingehen.“ Darauf sprach der andere: „So soll gerade dieses Mädchen hingehen; für sie wird dies Glück bringen.“ Der Gutsbesitzer dachte: „Er sagt die Wahrheit, meine Schwiegertochter wird Glück haben durch diese Vorbedeutung; sie wird mit Söhnen und Töchtern gesegnet werden“, und er schickte sie hinein. Als sie in das Zelt kam und den König sah, verliebte sie sich in ihn und trieb Unzucht mit ihm; der König aber gab ihr seinen Siegelring. Als sie nach geschehener Tat wieder herauskam, fragten sie ihre Leute: „Was hat sie geboren?“ Sie antwortete: „Einen goldfarbigen Knaben“; der Gutsbesitzer aber zog mit ihr weiter.

Darauf ging der Hauspriester zum König hin und sprach zu ihm: „Du sahest, o Fürst, dass auch dies Mädchen so schlecht war; um wie viel mehr aber die anderen? Hast du ihr aber vielleicht etwas gegeben?“ „Ja, ich gab ihr meinen Siegelring.“ „Ich werde ihn ihr nicht lassen“, versetzte der Hauspriester, ging rasch fort und holte den Wagen ein. Als man ihn fragte, was er wolle, sagte er: „Sie hat den Siegelring, der auf dem Kissen meiner Gattin lag, mitgenommen.“ Darauf sprachen die anderen: „Gib den Siegelring her, Tochter.“ Sie gab ihm denselben; dabei aber kratzte sie den Brahmanen mit ihrem Nagel in die Hand und sagte zu ihm: „Nimm ihn, du Dieb.“

Nachdem so der Brahmane durch mannigfache Mittel dem König noch viele andere Ehebrecherinnen gezeigt hatte, sagte er: „Damit jetzt genug, wollen wir anderswohin gehen, o Fürst.“ So wandelte der König in ganz Indien umher; dann sagte er: „Alle Weiber werden derart sein; was sollen wir mit ihnen? Lass uns umkehren“, und sie kehrten nach Benares zurück. Hier sprach zu ihm der Hauspriester: „So, o Großkönig, sind also die Weiber; so schlecht ist ihre Natur. Verzeihe, o Fürst, der Königin Kinnara.“ Auf diese Bitte des Hauspriesters verzieh er ihr, ließ sie aber aus dem königlichen Palaste hinaustreiben. Nachdem er sie so von ihrer Stelle entfernt, machte er eine andere zu seiner ersten Gemahlin; den Krüppel aber ließ er hinauswerfen und den Zweig des Rosenapfelbaumes abschlagen.

Damals war der Kunala Pancalacanda, und als er dies von ihm selbst erlebte Ereignis erzählte, sprach er folgende Strophe:

„Wie man an Kandari und Kinnara sah,
erfreun die Weiber all sich nicht im Hause;
denn einen solchen Mann verließ die Gattin,
da einen andern sie gesehn, 'nen Krüppel.“

Das Kapitel von Pancapapa

Ein anderes: Ehedem führte zu Benares ein König namens Baka in Gerechtigkeit die Herrschaft. Damals hatte zu Benares ein armer Mann, der am Osttore wohnte, eine Tochter namens Pancapapa. Diese war nämlich auch in einer früheren Existenz die Tochter eines Armen; sie knetete Lehm und bestrich damit in ihrem Hause die Wand. Ein Paccekabuddha aber hatte, um seine Berghöhle rein zu machen, gedacht: „Wo werde ich Lehm erhalten?“, und dabei gemerkt: „Zu Benares kann ich ihn erhalten.“ Nachdem er sich angekleidet hatte, nahm er die Almosenschale in die Hand, ging in die Stadt hinein und blieb unweit von jener stehen. Zornig blickte sie ihn an und sagte: „In seinem verdorbenen Sinn bettelt er selbst um Lehm.“ Der Paccekabuddha aber blieb unbeweglich stehen. Als sie sah, wie er unbeweglich stehen blieb, ward ihr Herz wieder befriedigt; sie blickte ihn an und sagte: „Du Asket, nicht einmal Lehm erhältst du.“ Mit diesen Worten nahm sie einen großen Klumpen Lehm und legte ihn auf seine Almosenschale; mit diesem Lehm machte er in seiner Berghöhle sauber. Durch die Frucht dieses Lehmklumpens wurde ihr Körper angenehm zu berühren; weil sie ihn aber zornig angesehen hatte, waren ihre Hände, Füße, ihr Mund, ihr Auge und ihre Nase schlecht und hässlich. Darum kannte man sie unter dem Namen Pancapapa.

Als nun eines Tages der König von Benares zur Nachtzeit in Verkleidung die Stadt untersuchte, kam er an diesen Ort. Jene, die gerade mit den Dorfmädchen spielte, fasste den König, ohne ihn zu kennen, bei der Hand. Durch die Macht ihrer Handberührung konnte er nicht mehr stehen; es war ihm, als habe er eine göttliche Berührung empfangen. Entzückt vom Reiz der Berührung nahm er sie trotz ihrer Hässlichkeit bei der Hand und fragte sie, wessen Tochter sie sei. Als er hörte, sie sei die Tochter eines Mannes, der am Tore wohne, fragte er weiter, ob sie unverheiratet sei, und sprach dann zu ihr: „Ich will dein Gatte werden; gehe und lasse dir von deinen Eltern die Erlaubnis dazu geben.“ Sie ging zu ihren Eltern hin und sagte ihnen: „Ein Mann wünscht mich zur Frau.“ Sie erwiderten: „Er wird auch arm sein, wenn er ein solches Mädchen zur Frau begehrt; gut.“ Darauf ging sie hin und meldete ihm, dass sie von ihren Eltern die Erlaubnis erhalten habe. Er verbrachte mit ihr die Nacht in ihrem Hause und kehrte am Morgen in seinen königlichen Palast zurück. Von da an ging er beständig in Verkleidung dorthin und wünschte kein anderes Weib anzuschauen.

Eines Tages aber bekam ihr Vater die rote Ruhr; beständiges Einnehmen von Reisbrei, der mit Milch, zerlassener Butter, Honig und Zucker bereitet ist, ist dafür das Heilmittel. Diesen konnten die Leute wegen ihrer Armut nicht beschaffen. Deshalb sprach Pancapapas Mutter zu ihrer Tochter: „Liebe, wird dein Gatte im Stande sein, Reisbrei zu beschaffen?“ Sie erwiderte: „Mutter, mein Gatte muss noch ärmer sein als wir. Trotzdem aber will ich ihn fragen; sei unbesorgt!“ Zur Zeit, da er zu kommen pflegte, saß sie missmutig da. Als der König kam, fragte er sie: „Warum bist du missmutig?“ Da er die Sache vernahm, sagte er: „Liebe, woher soll ich dies allzu vornehme Heilmittel nehmen?“ Dabei dachte er bei sich: „Ich kann doch nicht beständig dorthin gehen; unterwegs kann mir auch eine Gefahr zustoßen. Wenn ich sie aber in meinen Harem führe, werden die Leute, die den Reiz ihrer Berührung nicht kennen, mich verspotten und sagen: ‚Unser König hat eine Dämonin mitgebracht.‘ Ich werde alle Bewohner der Stadt den Reiz ihrer Berührung kennen lernen lassen und mich dadurch von dem Tadel befreien.“

Darauf sprach er zu ihr: „Liebe, sei unbesorgt; ich werde Reisbrei für deinen Vater herbeibringen.“ Nachdem er sich mit ihr erfreut, kehrte er in den Königspalast zurück. Am nächsten Tage ließ er solchen Reisbrei kochen, nahm dann Blätter und machte daraus zwei Körbe. In den einen legte er den Reisbrei hinein, in den anderen tat er ein Kronjuwel und band sie zu. Dann ging er zur Nachtzeit hin und sagte zu seiner Frau: „Liebe, wir sind arm; nur mit Mühe habe ich dies bekommen. Sage deinem Vater, er solle heute aus diesem Korbe den Reisbrei schlürfen und morgen aus dem anderen.“ Sie tat so. Weil aber der Reisbrei so kräftig war, wurde ihr Vater schon satt, als er nur ein wenig davon genossen hatte; den Rest gab sie ihrer Mutter und aß auch selbst davon. So waren die drei befriedigt und hoben den Korb mit dem Kronjuwel für den nächsten Tag auf.

Der König kehrte in den Palast zurück, wusch sein Antlitz und befahl dann: „Bringt mir mein Kronjuwel!“ Man antwortete ihm: „Wir finden es nicht, o Fürst.“ Er fuhr fort: „So durchsucht die ganze Stadt!“ Trotz ihres Suchens fanden sie es nicht. Darauf befahl er: „So sucht außerhalb der Stadt in den Häusern der Armen bei den Speisenblätterkörben nach.“ Als sie dort suchten, fanden sie in jenem Hause das Kronjuwel; mit den Worten: „Ihre Eltern sind Diebe“, banden sie sie und führten sie mit sich fort. Da sagte der Vater: „Herr, wir sind keine Diebe; von einem andern wurde uns das Kleinod gebracht.“ Als er gefragt wurde, von wem, antwortete er: „Von meinem Schwiegersohn.“ Darauf fragte man ihn, wo dieser sei, und er erwiderte: „Meine Tochter weiß, wo er ist.“ Er wandte sich nun an diese und fragte: „Tochter, kennst du deinen Gatten?“ „Nein, ich kenne ihn nicht.“ „Dann ist es um unser Leben geschehen.“ Darauf sprach die Tochter: „Vater, er kam immer in der Dunkelheit und ging auch wieder in der Dunkelheit fort; darum kenne ich nicht sein Aussehen. An der Berührung seiner Hand aber vermag ich ihn zu erkennen.“ Ihr Vater meldete dies den Leuten des Königs und diese teilten es dem Könige selbst mit. Der König erwiderte, als wenn er von nichts wüsste: „So verbringt also dies Weib im Hofe des Palastes in ein Zelt, macht in das Zelt ein Loch so groß wie eine Hand; dann lasst die Stadtbewohner sich versammeln und nehmt nach der Berührung der Hand den Dieb fest!“

Um so zu tun, gingen die Leute des Königs zu ihr hin; als sie aber ihr Aussehen gewahrten, reute es sie und sie sagten: „Dies ist ein weibliches Gespenst“; sie wurden mit Abscheu gegen sie erfüllt und konnten sich nicht überwinden, sie anzurühren. Sie führten sie aber herbei, brachten sie in das Zelt und versammelten dort alle Stadtbewohner. Jene fasste von einem jeden, der kam, die durch das Loch hinein gestreckte Hand und sagte: „Der ist es nicht.“

Von ihrer göttergleichen Berührung gefesselt vermochten aber die Männer nicht mehr fortzugehen und dachten: „Wenn sie auch Strafe verdient, so wollen wir die Strafe zahlen, auch wenn wir dafür Sklaven und Arbeiter werden müssten, und wollen sie in unser Haus führen.“ Die Leute des Königs aber trieben sie mit Stockschlägen fort. Vom Vizekönig angefangen waren alle wie berauscht.

Darauf sagte der König: „Bin ich es etwa?“, und streckte seine Hand aus. Als sie ihn bei der Hand fasste, schrie sie laut: „Ich habe den Dieb gefangen.“ Jetzt fragte der König die Männer: „Was dachtet ihr, als sie euch an der Hand nahm?“ Sie erzählten es, wie es gewesen war. Darauf sprach zu ihnen der König: „Ich tat so, um sie in mein Haus zu führen; doch fürchtete ich, diejenigen, die ihre Berührung nicht kannten, würden mich tadeln.“ Und er fuhr fort: „Darum habe ich euch alle dies erkennen lassen; saget jetzt, in wessen Hause ist es für sie geziemend zu weilen?“ Sie antworteten: „In dem Eurigen, o Fürst!“ Darauf erteilte er ihr die Weihe und machte sie zu seiner ersten Gemahlin und auch ihren Eltern ließ er Macht zuteil werden. Von da an aber ward er nachlässig und saß nicht mehr zu Gericht und schaute auch kein anderes Weib mehr an; die andern aber suchten nach einem Hindernis für sie.

Eines Tages sah sie im Traum ein Gesicht, dass sie die erste Gemahlin von zwei Königen sei, und erzählte dies dem Könige. Dieser ließ die Traumdeuter zu sich kommen und fragte sie: „Was wird daraus, wenn man einen solchen Traum gehabt hat?“ Die Traumdeuter aber hatten von den anderen Frauen ein Geschenk erhalten; darum sagten sie: „O Großkönig, dass die Königin auf dem Rücken eines ganz weißen Elefanten saß, ist ein Vorzeichen für Euren Tod; dass sie aber auf dem Rücken des Elefanten sitzend den Mond berührte, ist ein Vorzeichen dafür, dass sie einen Euch feindlichen König herführen wird.“ Als er darauf fragte, was da zu tun sei, antworteten sie: „O Fürst, man darf sie nicht töten, aber man soll sie auf ein Schiff setzen und sie auf dem Flusse der Strömung preisgeben.“ Der König verbrachte sie zur Nachtzeit auf ein Schiff, tat Nahrung, Kleider und Schmuck dazu und überließ sie der Strömung des Flusses.

Als dies so stromabwärts getrieben wurde, kam es dem Könige Pavariya vor Augen, der weiter unten am Flusse auf einem Schiffe sich im Wasser erging. Als dessen Heerführer das Schiff sah, sagte er: „Dieses Schiff gehört mir“, und der König versetzte: „Was aber auf dem Schiffe ist, ist mein Eigentum.“ Als nun das Schiff herankam und er die Frau sah, fragte er: „Wer bist denn du, die du aussiehst wie ein weibliches Gespenst?“ Sie sagte ihm lächelnd, sie sei die erste Gemahlin des Königs Baka, und erzählte ihm diese ganze Begebenheit; dass dies sich aber so mit Pancapapa verhielt, war in ganz Indien bekannt. Darauf nahm sie der König bei der Hand und hob sie auf; sobald er sie aber anfasste, wurde er von der Lust der Berührung erfüllt und merkte bei anderen Frauen gar nicht mehr, dass es Frauen waren. Er erhob sie zur Stelle seiner ersten Gemahlin und sie war ihm so lieb wie sein Leben.

Als Baka diese Begebenheit erfuhr, sagte er: „Ich werde nicht zulassen, dass er sie zu seiner ersten Gemahlin macht“; er zog ein Heer zusammen, schlug auf dem Ufer gegenüber jenem sein Lager auf und schickte ihm die Botschaft: „Er soll mir meine Gattin geben oder mit mir kämpfen.“ Auch der andere war kampfbereit. Doch die Minister der beiden dachten: „Wegen eines Weibes braucht man nicht zu sterben. Dem Baka gehört sie, weil er zuerst ihr Gatte war, dem Pavariya aber, weil er sie auf dem Schiffe fand; darum soll sie je sieben Tage in eines jeden Hause weilen.“ Von diesem Plane benachrichtigten sie auch die beiden Könige; diese waren beide darüber erfreut und erbauten sich an dem einen und dem gegenüberliegenden Ufer Städte. Jene aber bekleidete bei beiden die Stelle der ersten Gemahlin; die beiden aber waren verrückt in sie. Wenn sie in des einen Hause sieben Tage geweilt hatte, begab sie sich zu Schiff nach dem Hause des anderen; mit einem lahmen, krummen Alten aber, der das Schiff antrieb und sie hinüberbrachte, trieb sie inmitten des Stromes Unzucht.

Damals war der Vogelkönig Kunala König Baka; darum sprach er, als er dies als selbst erlebt erzählt hatte, um es zu erklären:

„Die Gattin Bakas und Pavarikas,
die beide sich zu sehr der Lust ergeben,
verging sich noch mit einem ihrer Diener.
Mit welchem Mann vergeht sich nicht ein Weib?“

Das Kapitel von Pingiyani

Noch etwas anderes: Ehedem öffnete einmal die Gattin des Brahmadatta, Pingiyani mit Namen, ihr Fenster und schaute hinaus; da sah sie einen königlichen Pferdewärter. Als der König eingeschlafen war, stieg sie zum Fenster hinaus und verging sich mit jenem. Dann stieg sie wieder in den Palast hinauf, besprengte ihren Körper mit wohlriechenden Substanzen und legte sich zum König. Eines Tages aber dachte der König: „Warum ist wohl zur Mitternachtszeit der Körper der Königin beständig kalt? Ich werde es untersuchen.“ Eines Tages stellte er sich, als sei er eingeschlafen, folgte ihr, als sie sich erhob, und sah, wie sie sich mit dem Pferdeknecht verging. Dann kehrte er um und bestieg sein Lager; nachdem seine Gattin sich aber vergangen hatte, kehrte auch sie zurück und legte sich auf ein kleines Bett. Am nächsten Tage ließ er sie inmitten der Minister herbeirufen und offenbarte ihre Tat; weil er aber dachte: „Alle Weiber sind schlecht“, verzieh er ihr ihre Schuld, die Tod und Bande, Zerhauen und Zerbrechen verdient hätte. Von ihrer Stelle jedoch verstieß er sie und machte eine andere zu seiner ersten Gemahlin.

Damals war der Kunala König Brahmadatta; darum sprach er, als er dies als selbst erlebt erzählt hatte, um es zu erklären, folgende Strophe:

„Pingiyani, des Königs Brahmadatta,
des weltbeherrschenden, geliebte Gattin,
verging sich doch mit einem ihrer Diener:
zu wem ging sie nicht hin in ihrer Lust?“

Die mittleren Strophen des Kunala

Nachdem er in dieser Begebenheit aus der Vergangenheit die Schuld der Weiber dargelegt hatte, sprach er, um noch auf andere Weise ihren Fehler zu offenbaren, folgende Strophen:

„Ja, diesen kleinen, leichtsinnigen,
undankbaren, verräterischen Weibern
darf nicht ein Mann vertrauen,
der nicht vom Dämon ist besessen.

Nicht das Getane, nicht das, was zu tun ist,
erkennen sie, nicht Mutter, Vater, Bruder;
die Unedlen, die 's Gute übertreten,
begeben sich in ihres Sinns Gewalt.

Den langgewohnten Gatten lieb und hold,
der mitleidsvoll so lieb ist wie ihr Leben,
den lassen sie im Stich, wenn Not hereinbricht;
drum werde ich den Weibern nicht vertrauen.

Der Weiber Sinn ist wie bei einem Affen,
auf und ab gehend wie des Baumes Schatten;
beständig sich bewegt das Herz der Frauen,
es dreht sich wie der Augapfel im Auge.

Sobald sie bei dem Umschauen bemerken,
dass eines Mannes Gut sie nehmen können,
verführen diesen sie mit sanften Worten
wie Kambojas ein Pferd mit Wasserpflanzen.

Wenn sie jedoch beim Umschauen bemerken,
dass nicht des Mannes Gut sie nehmen können,
so stoßen sie ihn überall weit von sich
wie der das Floß, der überschritt den Fluss.

Umschlingend wie die Flamme allverzehrend,
mit scharfer List, rasch fließend wie ein Strom
bedienen sie den Lieben und Unlieben
so wie ein Schiff das ein' und andre Ufer.

Sie sind für einen nicht noch zwei,
geöffnet sind sie wie ein Laden;
und wer da meinte: ‚Sie sind mein‘,
der fesselt wohl den Wind im Netze.

So wie ein Fluss und wie ein Weg,
ein Wirtshaus, Halle oder Tränke,
so sind die Weiber auf der Welt
und eine Zeit kennen sie nicht.

Der Feuerflamme sind sie gleich,
den schwarzen Schlangen auch vergleichbar;
wie Rinder ungewohntes Gras,
so mögen immer sie den Besten.

Feuer und Elefanten, schwarze Schlangen,
den, dessen Haupt gesalbt, und alle Weiber:
diese verehret nicht mit stetem Eifer;
denn schwer erkennbar ist ihr ganzes Wesen.

Nicht das zu schöne, nicht das viel geliebte,
nicht das gewandte Weib ist zu verehren,
nicht eines andern Weib, nicht die für Geld liebt:
diese fünf Weiber sind nicht zu verehren.“—

Nach diesen Worten gab die versammelte Menge dem großen Wesen ihren Beifall zu erkennen mit den Worten: „Ach, wie schön ist dies gesagt.“ Nachdem es aber durch diese Begebenheiten den Unwert der Frauen geschildert hatte, schwieg es stille.

Die Strophen des Ananda

Als dies der Geierkönig Ananda gehört hatte, sagte er: „Lieber Kunala-König, auch ich werde durch meiner Erkenntnis Kraft den Unwert der Weiber schildern“; und er begann, ihren Unwert zu schildern.

Um dies zu erklären, sprach der Erhabene:

Als nun aber der Geierkönig Ananda den Anfang, die Mitte und das Ende der Erzählung des Kunala-Vogels vernommen hatte, sprach er zu dieser Zeit folgende Strophen:

„Auch wenn die Erde ganz mit Geld gefüllt
ein Mann würd' geben dem geliebten Weibe,
betrög' es ihn doch bei Gelegenheit;
drum nicht ergib dich diesen Undankbaren.

Auch wenn ein Held er ist, von treuer Art
der junge Gatte, ihnen lieb und hold,
verlassen sie ihn doch in Müh und Nöten;
darum werd ich den Weibern nicht vertrauen.

Nicht trau' der Mann und denke: ‚Sie begehrt mich‘,
nicht trau' er, weil sie weint in seiner Nähe;
dem Lieben dienen sie wie dem Unlieben,
so wie ein Schiff den beiden Ufern dient.

Trau nicht dem Lager, das mit alten Zweigen ist bedeckt,
trau nicht dem Dieb, weil er ein alter Freund,
nicht traue, weil dein Freund der König ist,
trau nicht dem Weib, das zehnmal Mutter ist.

Trau nicht den Weibern, welche Lust verschaffen,
den unbezähmten Tugendüberschreitern;
auch wessen Frau ist übervoll von Liebe,
der trau' ihr nicht; den Furten gleichen Weiber.

Sie würden töten, schlagen, schlagen lassen,
den Hals zerschneidend würden Blut sie trinken;
die niedrer Lust Ergeb'nen, Unbezähmten,
lieb sie nicht, die des Ganges Furten gleichen.

Wie Wahrheit lautet ihre Lüge,
wie Lüge lautet ihre Wahrheit;
wie Rinder ungewohnte Gräser,
erwählen immer sie den Besten.

Mit ihrem Gang verführen sie,
mit ihrem Blick, mit ihrem Lächeln,
dann auch durch lockere Bekleidung
und endlich durch die lieben Worte.

Grausame Räuberinnen sind sie,
Schlangen mit zuckersüßen Worten
und nichts ist ihnen unbekannt,
was unter Menschen heißt Betrug.

Schlecht sind die Weiber auf der Welt
und eine Zeit kennen sie nicht,
voll Leidenschaft und Ungestüm,
der Flamme gleich, die alles frisst.

Nicht gibt 's für Frauen einen Lieben
und auch unlieb ist ihnen keiner;
dem Lieben dienen sie wie dem Unlieben,
so wie das Schiff den beiden Ufern dient.

Nicht gibt 's für Frauen einen Lieben
und auch unlieb ist ihnen keiner;
für Geld umschlingen sie den Mann
wie eine Schlingpflanze den Baum.

Dem Pferd- und Elefantenknecht,
dem Kuhhirten von niedrem Stamme,
dem, der die Leichname verbrennt,
dem, der die welken Blumen fortwirft,
die Frauen folgen, wenn er Geld hat.

Den edlen Mann auch sie verlassen,
den Armen, als wär' er ein Leichnam;
zu einem andern gehn sie hin,
die Weiber, um des Geldes willen.“

Nachdem so auf seiner Erkenntnis fußend der Geierkönig Ananda den Unwert der Weiber dargelegt hatte, schwieg er stille.

Die Strophen des Narada

Als aber Narada dessen Worte vernommen, schilderte auch er auf seiner eigenen Einsicht fußend den Unwert der Frauen.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem aber so der göttliche Brahmane Narada den Anfang, die Mitte und das Ende der Erzählung des Geierkönigs Ananda vernommen, sprach er zu dieser Zeit folgende Strophen:

„Vier Dinge werden nie gesättigt;
höret auf mich, wenn ich es sage:
das Meer, der König, der Brahmane
und auch das Weib, o Vogelkönig.

Die Flüsse fließen in das Meer,
so viele auf der Erd' entspringen;
doch nicht erfüllen sie das Meer,
durch ihren Mangel wird 's nicht voll.

Auch der Brahmane lernt den Veda
mit seinen fünf verschiednen Teilen;
doch mehr begehrt er noch zu lernen,
nicht satt wird er durch diesen Mangel.

Ein König mag die ganze Erde
mitsamt den Meeren und den Bergen
beherrschen, da er sie erobert,
die voll von Schätzen ohne Ende,
und strebt noch nach dem andern Ufer;
nicht satt wird er durch diesen Mangel.

Und wenn auch einer jeden Frau
acht Ehemänner zugehörten,
die alle stark und kräftig wären
und alle Lust ihr bringen könnten,
würd' nach dem neunten sie begehren;
nicht satt wird sie durch diesen Mangel.

Die Weiber all sind wie die Flamm', die alles frisst,
die Weiber all sind wie der Fluss, der alles mitreißt,
die Weiber alle sind wie Zweige voll von Dornen,
die Weiber alle gehen fort um Geldes willen.

Den Wind mag einer mit dem Netze fangen,
das ganze Meer mit einer Hand ausschöpfen,
mit eigner Hand die Stimme sich verschließen,
wer vollen Glauben diesen Weibern schenkt.

Bei diebischen, listigen Frauen,
wo man die Wahrheit schwer erfährt,
ist schwer das Rechte zu erkennen
wie eines Fisches Pfad im Wasser.

Nicht zu befried'gen, Sanftes redend,
den Flüssen gleich schwer auszufüllen
versinken sie, und wer sie kennt,
der sucht, sie von sich fern zu halten.

Sie drehen sich, sind voll von Listen,
den heil'gen Wandel sie zerstören;
so sinken sie; und wer sie kennt,
der sucht, sie von sich fern zu halten.

Doch wem die Weiber sind ergeben
aus Lust oder um Geldes willen,
den zehren sie geschwinde auf,
so wie den Brennstoff frisst das Feuer.“

Die abschließenden Strophen des Kunala

Nachdem so Narada den Unwert der Frauen geschildert hatte, verkündete abermals das große Wesen mit Unterscheidung ihre Untugend.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem nunmehr der Kunala den Anfang, die Mitte und das Ende der Erzählung des göttlichen Brahmanen Narada vernommen, sprach er zu dieser Zeit folgende Strophen:

„Anreden mag den, der ein Schwert in Händen hält,
der Weise und den Dämon auch, der ihm ist feind;
zur gift'gen Schlange möge er sich setzen,
mit einem Weibe aber rede keiner.

Den Geist der Welt zerstören ja die Weiber,
mit Tanz, Gesang, Red' und Lächeln gewaffnet;
die Unachtsamen nehmen sie gefangen
wie auf der Insel Kaufleute Dämonen.

Nicht gibt 's bei ihnen Zucht und Selbstbezwingung,
Branntwein und Fleisch sie lieben unbezähmt;
das von dem Mann Gebrachte sie verschlingen
wie der Timingala den Makara im Meer.

An den fünf Lustarten sie sich erfreuen,
voll Hochmuts, schwankend sind sie, unbezähmt;
die Weiber stürzen auf den Unachtsamen
so wie die Flüsse in die salz'ge Flut.

An welchem Mann die Weiber sich erfreuen
aus Wohlgefallen, Lust oder um Geld,
diesen, wenn er auch leuchtete wie Feuer,
verbrennen sie voll Sinnesgier und Sünde.

Wenn sie 'nen Mann erkannt als reich begütert,
so stürzen sie auf ihn sich und sein Geld;
wenn er von Lust berückt, sie ihn umschlingen
wie eine Schlingpflanze den Sala-Baum.

Mit mannigfacher Lust nahen sie sich geschmückt,
den Mund so rot wie Bimba-Frucht;
mit ihrem Lächeln sie den Mann verführen,
wie Samvara sind sie des Zaubers kundig.

Mit Gold, Juwelen, Perlen reich geschmückt
sind in des Gatten Haus geehrt die Frauen;
obwohl bewacht, betrügen sie den Gatten
wie den Dämon, in seinem Herzen wohnend.

Wenn auch ein Mann voll Glanz und einsichtsvoll,
geehrt und hochgeachtet bei der Menge,
wenn er dem Weib erliegt, glänzt er nicht mehr,
wie wenn der Mond in Rahus Rachen kommt.

Was ein erzürnter Feind dem Feinde täte
voll Falschheit, der in seine Macht gekommen,
noch größerem Verderben geht entgegen,
wer unachtsam kam in der Weiber Hände.

Die Haare ausgerissen und zerkratzt,
auf Fuß und Hand mit Peitsch' und Stock geschlagen,
zu dem so Niedrigen gehn hin die Weiber,
erfreuen sich wie Fliegen an dem Aas.

Es halt' sie fern in Häusern oder Straßen,
in Königsresidenzen oder Flecken
wie die von Namuci gelegte Schlinge
der Einsichtsvolle, auf sein Heil Bedachte.

Wer die edle Asketentugend aufgibt
und sich ergibt dem unehrbaren Wandel,
tauscht ein die Hölle mit dem Götterhimmel
wie einen schlechten Edelstein der Kaufmann.

Getadelt hier auf Erden wie im Jenseits
der Unverständ'ge geht durch seine Taten
schwankend dahin und immer wieder fällt er
wie mit falschen Eseln ein Wagen auf schlechter Straße.

Er stürzet in die Höll' Patapana
und in den Seidenwald aus eh'rnen Speeren;
nachdem im Tiergeschlecht er hat gelebt,
wird er nicht frei vom Reich des Peta-Königs.

Die sich am Götterspiel in Nandana erfreuen,
die die Menschenwelt beherrschen,
die Achtlosen richten zugrund die Weiber
und lassen in die Hölle sie gelangen.

Nicht schwer sind Götterfreuden zu erlangen
und auch die Weltherrschaft nicht bei den Menschen,
noch Nymphen, die in Goldpalästen wohnen,
wenn man sich um die Weiber nicht bekümmert.

Der Weg, der wegführt von der Sinnenwelt
zum höh'ren Leben, ist nicht schwer zu finden
durch die Geburt in lustbefreitem Dasein
für den, der sich um Weiber nicht bekümmert.

Das Glück, das alle Leiden übersteigt,
unendlich, unerschüttert, unerschaffen,
nicht schwer zu finden ist 's für Heil'ge, Reine,
wenn sie sich um die Weiber nicht gekümmert.“

So beendigte das große Wesen seine Unterweisung, nachdem es sie bis zum Nirvana hatte gelangen lassen. Die Gottheiten aber, die im Himalaya in der Luft schwebten, wie Feen, große Schlangenwesen u. dgl., gaben ihrem Beifall Ausdruck mit den Worten: „Ach, dies ist mit Buddha-Anmut dargestellt.“ Darauf begaben sich der Geierkönig Ananda, der göttliche Brahmane Narada sowie der königliche Kuckuck Punnamukha ein jeder mit seinem Gefolge nach ihren Wohnorten. Das große Wesen aber kehrte auch an seinen Ort zurück. Die anderen aber kamen immer wieder dorthin und erhielten von dem großen Wesen ihre Ermahnungen; bei diesen Ermahnungen beharrten sie und gelangten dadurch in den Himmel.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, sprach er, um das Jātaka zu verbinden, folgende Schlussstrophe:

„Ich selbst war damals der Kunala,
Udayi war der Königskuckuck,
Ananda war der Geierkönig
und Sariputta Narada;
so kennt ihr dieses Jātaka.“

Während aber die Mönche, als sie kamen, durch die Wunderkraft des Meisters gekommen waren, kehrten sie, als sie zurückkehrten, durch ihre eigene übernatürliche Macht zurück. Ihnen gab der Meister im großen Parke einen Betrachtungsstoff und sie gelangten noch am selben Tage zur Heiligkeit. Es war eine große Versammlung von Gottheiten; darauf verkündete der Meister das Mahasamaya-Sutta.

Ende der Erzählung von dem Kunala