Jātaka 537

Die große Erzählung von Sutasoma (Maha-Sutasoma-Jātaka)

„Warum tust du“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf den Thera Angulimāla. Dessen Geburt und Bekehrung ist nach der in der Schilderung des Angulimāla-Suttagegebenen Art ausführlich zu erfahren.—Nachdem er aber durch eine Wahrheitsbekräftigung einer Frau, die eine Fehlgeburt hatte, zur Gesundheit verholfen hatte, erhielt er reichliche Almosen; darauf ergab er sich immer mehr der Einsamkeit und erlangte die Heiligkeit. Er wurde berühmt und gehörte zu den achtzig großen Theras.

Zu dieser Zeit begannen einmal die Mönche in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freunde, damit dass der Erhabene diesen so grausamen Angulimāla, den großen Räuber mit blutigen Händen, ohne Stock und ohne Speer gebändigt und zur Selbstverleugnung gebracht hat, damit hat er ein schweres Werk getan. Ach, wie schwere Werke führen die Buddhas aus!“ Der Meister, der in seinem duftenden Gemache saß, hörte mit seinem göttlichen Ohre ihre Unterhaltung und erkannte: „Heute wird mein Gehen zu einer großen Wohltat werden; eine große Lehrunterweisung wird zu Stande kommen.“ Mit unvergleichlicher Buddha-Anmut begab er sich in die Lehrhalle, ließ sich auf dem hergerichteten Sitze nieder und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sagte er: „Kein Wunder ist es, ihr Mönche, dass ich jetzt, wo ich zur Vollendung in der Erkenntnis vorgedrungen bin, diesen bekehrt habe; auch als ich in einem früheren Dasein wandelte und nur eine teilweise Erkenntnis besaß, bändigte ich ihn.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Der Menschenfresser-König

Ehedem führte im Königreiche Kuru in der Stadt Indapatta ein König namens Koravya die Regierung in Gerechtigkeit. Der Bodhisattva nahm im Schoße von dessen erster Gemahlin seine Wiedergeburt; weil er aber am Keltern des Somatrankes seine Freude hatte, nannte man ihn Sutasoma. Als er herangewachsen war, schickte ihn sein Vater nach Takkasilā, damit er dort bei einem weitberühmten Lehrer die Wissenschaften erlerne. Er nahm das Lehrgeld mit, verließ die Stadt und machte sich auf den Weg. Auch zu Benares wurde Prinz Brahmadatta, der Sohn des Königs von Kasi, mit denselben Worten von seinem Vater weggeschickt; auch er verließ die Stadt und schlug denselben Weg ein.

Nachdem nun Sutasoma seinen Weg zurückgelegt hatte, setzte er sich am Tore der Stadt in einer Halle auf eine Bank. Auch der Prinz Brahmadatta kam herbei und setzte sich mit ihm auf dieselbe Bank. Sutasoma begann ein liebenswürdiges Gespräch mit ihm und fragte: „Freund, du bist vom Wege ermüdet; woher kommst du?“ Jener antwortete: „Aus Benares.“ „Wessen Sohn bist du?“ „Der Sohn des Brahmadatta.“ „Wie ist dein Name?“ „Ich heiße Prinz Brahmadatta.“ „Aus welchem Grunde bist du hierher gekommen?“ Der andere erwiderte: „Um die Wissenschaften zu erlernen“, und fragte dann auch den andern in derselben Weise: „Auch du bist von der Reise ermüdet“, usw. Jener erzählte ihm auch alles. Darauf sagten die beiden: „Wir Edlen wollen zu einem und demselben Lehrer gehen, um bei ihm die Wissenschaften zu erlernen“, und schlossen Freundschaft miteinander. Darauf gingen sie in die Stadt hinein und suchten das Haus des Lehrers auf; sie begrüßten ihn, verkündeten ihm ihre Abstammung und sagten ihm, sie seien gekommen, um die Wissenschaften zu erlernen. Der Lehrer gab seine Zustimmung. Hierauf gaben sie ihm das Lehrgeld und begannen mit dem Studium; aber nicht allein sie, sondern noch andere Königssöhne von Indien, hundert an Zahl, erlernten damals bei ihm die Wissenschaften.

Sutasoma war unter ihnen der älteste Schüler; während er die Wissenschaften erlernte, gelangte er schon bald zur Vollendung darin. Ohne zu den andern zu gehen, ging er nur zum Prinzen Brahmadatta hin, weil dieser sein Freund war, wurde sein Nebenlehrer und bewirkte, dass dieser es bald erlernte. Auch die anderen vollendeten allmählich ihre Ausbildung. Nachdem sie sich so angestrengt, verabschiedeten sie sich von ihrem Lehrer und verließen die Stadt, um Sutasoma geschart. An der Gabelung der Straße blieb Sutasoma stehen, entließ sie und sprach: „Ihr werdet, wenn ihr euren Vätern die Künste zeigt, in die Regierung eingesetzt werden. Wenn ihr aber zur Herrschaft gelangt seid, so befolgt meine Ermahnung.“ „Welche, Lehrer?“, fragten sie. Er antwortete: „An dem Tage der Monatshälfte sollt ihr das Uposatha halten und keine Tötung begehen.“ Jene gaben ihre Zustimmung. Weil aber der Bodhisattva an dem Aussehen des Körpers die Vorzeichen ablesen konnte, erkannte er: „In Zukunft wird durch den Prinzen Brahmadatta eine große Gefahr entstehen.“ Nachdem er sie daher so ermahnt, entließ er sie. Nachdem sie in ihr Land gelangt waren, zeigten sie alle ihren Vätern ihre Künste und bestiegen den Thron. Um aber den Bodhisattva erfahren zu lassen, dass sie zur Herrschaft gelangt seien und bei seiner Ermahnung beharrten, schickten sie ihm Briefe und fügten ein Geschenk bei. Als das große Wesen diesen Sachverhalt erfuhr, schickte auch es ihnen Briefe mit der Aufforderung, unablässig weiterzustreben.

Von ihnen verzehrte der König von Benares keine Mahlzeit ohne Fleisch; wegen der Uposatha-Tage aber nahm man Fleisch weg und hob es auf. Eines Tages nun fraßen das so aufgehobene Fleisch infolge der Unachtsamkeit des Kochs die Haushunde des Königs. Als der Koch kein Fleisch mehr fand, ging er mit einer Hand voll Geld umher, konnte aber kein Fleisch auftreiben. Da dachte er: „Wenn ich dem König eine Mahlzeit ohne Fleisch vorsetzen werde, so ist es um mein Leben geschehen; was soll ich jetzt tun?“ Da fiel ihm ein Mittel ein. Zur ungewohnten Zeit ging er auf das Leichenfeld und nahm das Schenkelfleisch von einem gerade erst gestorbenen Manne mit; dies briet er gut und setzte dann dem Könige die Mahlzeit vor.

Sobald der König einen Bissen Fleisch nur auf die Zungenspitze legte, durchdrang dies sogleich die siebentausend Geschmacksnerven; am ganzen Körper zitternd stand er da.—Warum? Weil er früher einmal daran gewöhnt war. In einer früheren Existenz nämlich war er ein Dämon gewesen und hatte viel Menschenfleisch verzehrt; darum war ihm dies so lieb. Er dachte aber: „Wenn ich dies hier ruhig verzehre, so wird er mir nicht sagen, was dies für Fleisch ist“; deshalb spie er es auf den Boden aus. Als der Koch darauf sagte: „Es ist fehlerlos, o Fürst; iss es“, ließ er die übrigen Leute zurücktreten und sagte: „Ich weiß, dass es fehlerlos ist; was ist dies für Fleisch?“ Der Koch erwiderte: „Es ist dasselbe Fleisch, o Fürst, das du auch an den früheren Tagen verzehrtest.“ „Hat es aber nicht sonst einen anderen Geschmack?“ „Heute ist es gut gebraten.“ „Warum hast du es denn nicht früher ebenso gebraten?“, fragte der König weiter. Als er merkte, dass jener stumm blieb, rief er: „Erzähle mir entweder die Wahrheit oder es ist um dein Leben geschehen.“

Darum bat jener um Straflosigkeit und erzählte alles, wie es sich zugetragen hatte. Der König versetzte: „Lasse nichts davon verlauten; verzehre du das Fleisch, das du wie gewöhnlich brätst, und brate für mich nur Menschenfleisch!“ „Ist dies keine schwere Tat, o Fürst?“, fragte der Koch; der König aber antwortete: „Fürchte dich nicht; es ist keine schwere Tat.“ Und als der Koch weiter fragte, woher er beständig Menschenfleisch nehmen solle, erwiderte der König: „Sind nicht in den Gefängnissen viele Leute?“

Von da an tat jener so. Als in der Folgezeit im Gefängnis die Menschen verschwunden waren, fragte der Koch wieder den König, was er jetzt tun solle. Der König antwortete ihm: „Lege auf die Straße einen Geldbeutel mit tausend Geldstücken; wer ihn nimmt, den ergreife mit dem Rufe: ‚Räuber!‘ und töte ihn.“ Jener tat so. Als er aber hierauf niemand mehr fand, der den Beutel auch nur angesehen hätte, ging er wieder zum König und fragte: „Was soll ich jetzt tun?“ Da sagte der König: „Zur Zeit, da die Tag- und Nachtwachen durch Trommelschlag verkündet werden, ist die Stadt in Unordnung; dann stelle dich an die Öffnung einer Hausmauer oder an einen Kreuzweg, erschlage einen Menschen und nimm sein Fleisch!“ Von da an nahm er sich festes Fleisch dort mit und ging davon.

An allen Orten aber sah man Leichname und hörte die Leute jammern: „Meine Mutter ist nicht mehr da, mein Vater ist nicht mehr, mein Bruder, meine Schwester ist nicht mehr da.“ Angsterfüllt sahen die Stadtbewohner nach, ob sie ein Löwe gefressen habe oder ein Tiger oder ein Dämon. Da gewahrten sie die von einem Schlag herrührende Wunde. Mit dem Rufe: „Ein Mensch frisst sie, glaube ich“, versammelte sich eine große Volksmenge im Hofe des königlichen Palastes und lärmte. Der König fragte: „Was wollt ihr, meine Kinder?“ Sie antworteten: „O Fürst, in dieser Stadt ist ein Räuber, der Menschen verzehrt; lasst ihn ergreifen.“ Der König versetzte: „Wie soll ich ihn erkennen? Soll ich beständig umhergehen und die Stadt bewachen?“

Darauf sagten die Leute: „Der König ist nicht auf das Wohl der Stadt bedacht; wir wollen es dem Heerführer Kālahatthī mitteilen.“ Sie erzählten diesem die Sache und sprachen: „Man muss nach dem Räuber suchen.“ Dieser antwortete: „Wartet sieben Tage; ich werde den Räuber suchen und ihn euch ausliefern.“ Damit entließ er die Volksmenge; seinen Leuten aber gab er die Anweisung: „Ihr Lieben, in der Stadt befindet sich ein Räuber, der Menschen verzehrt; versteckt euch allenthalben und fangt ihn.“ Die Leute waren damit einverstanden und beobachteten von da an die Stadt.

Der Koch aber hatte sich an einer Öffnung der Hausmauer versteckt, dort ein Weib getötet und begann gerade, mit lauter festem Fleisch seinen Korb zu füllen; da packten ihn die Männer, schlugen ihn zu Boden und banden ihm die Hände auf den Rücken. Hierauf riefen sie laut: „Gefangen ist der Menschen fressende Räuber.“ Eine große Volksmenge umringte sie; nachdem sie ihn gehörig geschlagen hatten, hängten sie ihm seinen Fleischkorb um den Hals und brachten ihn vor den Heerführer.

Als ihn der Heerführer sah, dachte er bei sich: „Isst nun dieser selbst das Fleisch oder vermischt er es mit anderem Fleische und verkauft es oder tötet er im Auftrag eines anderen?“ Und indem er ihn danach fragte, sprach er folgende erste Strophe:

„Warum tust du, o Koch, denn solche Dinge,
begehst du solche Taten schwer zu strafen?
Tötest du Tor die Weiber und die Männer
wegen des Fleisches oder um Geldes willen?“

Der Koch antwortete:

„Nicht für mich selbst und nicht um Geldes willen,
für Weib und Kind nicht noch Verwandte, Freunde:
Mein Herr, der hocherhabne Landeshüter,
er ist 's, o Herr, der solches Fleisch verzehrt.“

„Wenn du auf deines Herren Wohl versessen
tust diese Taten, die so schwer zu strafen,
so geh am Morgen hin nach dem Palaste
und sag mir dies in Gegenwart des Königs.“

„Also werde ich tun, du edler Herr,
so wie du es befiehlst, o Kālahatthī.
Am Morgen werd ich gehn in den Palast
und dir 's in Gegenwart des Königs sagen.“

Darauf ließ ihn der Heerführer in festen Banden die Nacht verbringen. Als dann die Morgendämmerung begann, beriet er sich mit allen Ministern; als alle einstimmig waren, legte er an alle Orte eine Wache und brachte so die Stadt in seine Hand. Hierauf ging er mit dem Koch, der seinen Fleischtopf um seinen Hals gebunden trug, nach dem königlichen Palaste hin. Die ganze Stadt war von Geschrei erfüllt.

Nachdem aber der König nach seinem gestrigen Frühstück kein Abendmahl erhalten hatte, verbrachte er sitzend die Nacht, indem er dachte: „Jetzt wird der Koch kommen, jetzt wird er kommen.“ Da kam ihm der Gedanke: „Auch heute kommt der Koch nicht und von den Stadtbewohnern hört man großen Lärm; was ist dies?“ Er schaute zum Fenster hinaus und sah, wie jener dahergeführt wurde. Jetzt dachte er: „Jene Sache ist bekannt geworden“; doch fasste er wieder Mut und setzte sich auf seinen Thron. Kālahatthī kam auf ihn zu und fragte ihn; jener aber antwortete.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als dann die Nacht zu Ende war
so gegen Sonnenaufgang hin,
begab sich Kāla mit dem Koch
zum König Brahmadatta hin;
doch als er zu dem König kam,
da sprach er zu ihm dieses Wort:

„Ist es denn wahr, o Großkönig,
dass du den Koch hast ausgeschickt,
damit er töte Weiber, Männer
und du dann deren Fleisch verzehrest?“

„Gerade so, o Kāla, ist es;
von mir ward abgesandt der Koch.
Da er nur meinen Willen tut,
was hast du ihn darum zu schelten?“

Als dies der Heerführer hörte, dachte er: „Dieser gesteht es mit eigenem Munde zu. Ach, er ist gewalttätig; so lange Zeit schon hat er Menschen verzehrt! Ich werde ihn davon abbringen.“ Und er sprach zu ihm: „O Großkönig, tue nicht so, iss kein Menschenfleisch!“ Der König aber versetzte: „Kālahatthī, was sagst du? Ich kann nicht darauf verzichten.“ Der Heerführer fuhr fort: „O Großkönig, wenn du nicht darauf verzichten kannst, wirst du dich selbst und deine Herrschaft zugrunde richten.“ Doch der König erwiderte: „Auch wenn alles so zugrunde geht, kann ich doch nicht darauf verzichten.“

Der Ananda-Fisch

Darauf erzählte ihm der Heerführer, um ihn zur Besinnung zu bringen, folgende alte Geschichte:

Ehedem lebten im Weltmeere sechs große Fische. Von diesen waren Ananda, Timanda und Ajjhohara, diese drei, fünfhundert Meilen groß, Titimiti, Mingala und Timirapingala waren tausend Meilen groß. Sie alle verzehrten Stein-Wasserpflanzen.—Von ihnen wohnte Ananda auf einer Seite des Ozeans und viele Fische kamen zu ihm, um ihn zu besuchen. Eines Tages dachten diese: „Alle Vögel und Vierfüßler besitzen einen König, wir aber haben keinen König. Auch wir wollen einen zum König machen.“ Nachdem sie so einer Meinung geworden waren, machten sie den Ananda-Fisch zu ihrem König; und von da an kamen die Fische am Abend und am Morgen und machten ihm ihre Aufwartung.

Während nun eines Tages Ananda auf einem Felsen Stein-Wasserpflanzen aß, verzehrte er auch, ohne es zu wissen, einen Fisch, da er meinte, es sei eine Wasserpflanze. Ihm schmeckte das Fleisch; indem er dachte: „Was ist denn jetzt gar so süß?“, tat er es heraus, schaute es an und sah, dass es ein Stück Fisch war. Jetzt dachte er: „So lange Zeit aß ich dies nicht, weil ich es nicht wusste. Wenn jetzt am Abend und am Morgen die Fische kommen, um mir ihre Aufwartung zu machen, werde ich einen oder zwei Fische verzehren. Wenn es aber bekannt wird, dass sie aufgefressen werden, so wird kein einziger mehr mich aufsuchen, sondern alle werden entfliehen.“ Deshalb versteckte er sich, tötete immer die hinterdrein Ziehenden und fraß sie auf. Als nun die Fische immer weniger wurden, dachten sie: „Woher kann für unsere Verwandten dies kommen?“ Ein kluger Fisch aber dachte: „Mir gefällt die Handlungsweise des Ananda nicht; ich werde ihn beobachten.“ Als die Fische zur Aufwartung sich entfernt hatten, blieb er in der Ohrmuschel des Ananda-Fisches verborgen zurück. Als nun Ananda die Fische entlassen hatte, fraß er die hinten Ziehenden auf. Jener Fisch bemerkte dies und teilte es den andern mit; diese alle entflohen furchterfüllt.

Von da an nahm der Ananda-Fisch aus Gier nach dem Fischgeschmack keine andere Nahrung mehr zu sich; da er aber infolge seines Ekels gegen andere Speisen matt wurde, dachte er: „Wohin sind sie gegangen?“, und suchte nach den Fischen. Da sah er einen Berg und dachte: „Aus Furcht wohnen sie in dessen Nähe, glaub ich; ich werde mich um den Berg herumlegen und nachsuchen.“ Er legte seinen Schwanz und seinen Kopf um die Seiten des Berges und versuchte sie zu fangen, indem er dachte: „Wenn sie hier weilen, so werden sie zu entfliehen suchen.“ Als er aber seinen Schwanz sah, wie er sich um den Berg herumlegte, dachte er: „Dieser Fisch täuscht mich und wohnt an der Seite des Berges.“ Zornig fasste er seinen fünfzig Meilen langen Schwanz, da er meinte, es sei ein anderer Fisch, und fraß ihn schmatzend auf. Da befielen ihn schreckliche Schmerzen. Infolge des Blutgeruches versammelten sich die Fische, sie rissen ein Stück nach dem andern von ihm ab und fraßen ihn auf bis zum Kopf; dann kehrten sie wieder heim. Weil jener sich aber wegen der Größe seines Körpers nicht umdrehen konnte, fand er dortselbst seinen Tod. Der Knochenhaufen war so groß wie ein Berg. Asketen und Weltflüchtlinge aber, die in der Luft wandelten, erzählten dies den Menschen und in ganz Indien erfuhren es die Bewohner.

Nachdem aber Kālahatthī diese Begebenheit erzählt hatte, sprach er, um dies zu erklären:

„Da Ananda von allen Fischen
in seiner Gier gefressen hatte
und seine Schar zu Ende ging,
starb er, weil er sich selber fraß.

So wird der Läss'ge, der auf Wohlgeschmack versessen,
der Tor, der an die Zukunft nicht gedenkt,
die Kinder töten und verlieren die Verwandten
und dann wird umgekehrt er selbst sich fressen.

Da du dies hörtest, mög' die Lust verschwinden;
verzehr, König, nicht mehr der Menschen Fleisch,
damit du nicht, der Fische König gleich,
dein ganzes Reich leer machest, Menschenherrscher.“

Der Rosenapfel

Als dies der König hörte, antwortete er: „Kālahatthī, du kennst ein Gleichnis; ich aber kenne auch ein Gleichnis“; und infolge seiner Gier nach Menschenfleisch erzählte er auch eine Geschichte aus der Vorzeit und sprach, um sie zu erläutern:

„Sujāta hieß er; als sein Sohn,
sein eigner Sohn konnt' nicht erhalten
ein Rosenapfelstück, da starb er,
als es damit zu Ende war.

So werd auch ich, Kāla, der ich
verzehrt die wohlschmeckendste Speise,
wenn ich kein Menschenfleisch erhalte,
das Leben lassen, glaube ich.“

Ehedem nämlich wohnte zu Benares ein Gutsbesitzer namens Sujāta; dieser ließ fünfhundert Asketen, die, um sich mit Salz und Saurem zu versehen, vom Himalaya herabgestiegen waren, in seinem eigenen Parke wohnen und diente ihnen. In seinem Hause stand beständig für sie das Mahl bereit; die Asketen aber wandelten manchmal auch auf dem Lande umher, um sich Almosen zu verschaffen, und sie brachten große Rosenapfelstücke herbei und verzehrten sie. Als sie nun gerade ein Rosenapfelstück geholt hatten und aßen, dachte Sujāta: „Heute sind es schon drei oder vier Tage, dass die ehrwürdigen Herren nicht gekommen sind; wohin sind sie gegangen?“ Er ließ seinen kleinen Sohn seinen Finger ergreifen und kam an den Ort, als sie gerade ihr Mahl beendet hatten. Zu dieser Zeit verzehrte gerade der Allerjüngste, nachdem er den Älteren Wasser zum Mundausspülen gegeben, ein Rosenapfelstück. Sujāta bezeigte den Asketen seine Ehrfurcht und fragte sie, als er sich zu ihnen gesetzt hatte: „Herr, was esst Ihr da?“ „Ein großes Stück von einem Rosenapfel“, antwortete dieser. Als dies der Knabe hörte, bekam er Durst; darum ließ ihm der Älteste der Schar ein wenig geben. Als dies der Knabe gegessen, sagte er, von dem vorzüglichen Geschmack gefesselt: „Gebt mir ein Stück, gebt mir ein Stück!“ So bat er immer wieder. Der Gutsbesitzer aber, der der Predigt zuhörte, sprach: „Schreie nicht; wenn du nach Hause kommst, sollst du davon essen.“ So täuschte er ihn aus Furcht, die ehrwürdigen Herren würden um seinetwillen unzufrieden werden; nachdem er ihn aber so getröstet, verabschiedete er sich von der Asketenschar und ging nach Hause. Seitdem er aber weggegangen war, klagte immer sein Sohn: „Gebt mir ein Stück!“ Die Asketen aber dachten: „Wir haben schon lange hier verweilt“, und kehrten nach dem Himalaya zurück. Als man nun in dem Parke die Asketen nicht mehr fand, gab man ihm Stücke von Mangos, Rosenäpfeln, Brotfrüchten, Bananen und ähnlichen Früchten, die mit Zuckerkörnern bestreut waren; sobald sie aber nur auf seine Zungenspitze gelegt wurden, wurden sie wie Halahala-Gift. Sieben Tage lang blieb der Knabe ohne Nahrung und starb dann.—

So erzählte der König diese Begebenheit.

Der Branntweintrinker

Darauf dachte Kālahatthī: „Dieser König ist allzu sehr auf Wohlgeschmack versessen; ich werde ihm noch andere Beweise erbringen“; und er sagte: „Verzichte darauf, o Großkönig.“ Aber die Antwort lautete wieder: „Ich kann nicht.“ Darauf sprach Kālahatthī: „Wenn du nicht darauf verzichtest, wirst du des Kreises deiner Verwandten mitsamt des Glanzes deiner Herrschaft verlustig gehen.“

Auch in der Vorzeit war hier in Benares eine Brahmanenfamilie, welche die fünf Gebote beobachtete. Diese Familie hatte einen einzigen Sohn; der war seinen Eltern lieb und hold. Auch war er weise und kannte genau die drei Veden. Dieser lebte mit den gleichaltrigen Jünglingen zu einer Schar verbunden; während aber die übrigen Mitglieder der Schar Fische, Fleisch u. dgl. aßen und Branntwein dazu tranken, verzehrte jener junge Brahmane kein Fleisch u. dgl. und trank auch keinen Branntwein. Da dachten die anderen: „Weil dieser keinen Branntwein trinkt, gibt er uns auch kein Geld;durch eine List wollen wir ihn dazu bringen, dass er Branntwein trinkt.“ Sie versammelten sich und sagten zu ihm: „Freund, wir wollen ein Fest feiern.“ Er erwiderte: „Trinkt ihr nur Branntwein, ich trinke keinen; geht nur allein!“ Aber sie versetzten: „Freund, als dein Getränk werden wir Milch mitnehmen lassen“; darauf gab er seine Zustimmung. Jetzt gingen die Spitzbuben in den Park und banden an Lotosblätter Gefäße mit scharfem Branntwein, die sie dort hängen ließen. Als sie dann selbst tranken, setzten sie dem jungen Brahmanen Milch vor. Ein Spitzbube aber rief: „Holla, bringe mir Lotoshonig!“ Als ihm Lotos gebracht wurde, machte er in das Gefäß, das in dem Lotosblatt versteckt war, unten ein Loch, setzte es an den Mund und begann zu trinken. Ebenso ließen sich auch die andern die Lotosblätter bringen und tranken. Der junge Brahmane fragte nun, was das sei, und trank in der Meinung, es sei Lotoshonig, den Branntwein. Darauf gaben sie ihm auch Fleisch, das auf Kohlen geröstet war, und er aß es auch.

Als er aber immer von neuem trank und berauscht wurde, sagten sie ihm: „Dies ist kein Lotoshonig; dies ist Branntwein.“ Er antwortete: „So lange Zeit kannte ich nicht diesen süßen Wohlgeschmack; holla, bringt Branntwein!“ Sie brachten wieder und gaben ihm und er bekam großen Durst. Als er aber immer wieder darum bat, sagten sie: „Es ist zu Ende“; doch er versetzte: „Holla, lasst nur neuen holen“, und gab ihnen seinen Siegelring. Nachdem er darauf den ganzen Tag mit ihnen getrunken, ging er berauscht, mit geröteten Augen, wankend und lallend nach Hause und legte sich nieder. Sein Vater aber merkte, dass er Branntwein getrunken habe, und sagte zu ihm, als der Rausch verflogen war: „Mein Sohn, etwas Unpassendes hast du getan, als du, der du doch aus einer Brahmanenfamilie stammst, Branntwein trankest; tue nicht mehr so!“ Der Sohn fragte nun: „Vater, was ist meine Schuld?“ „Dass du Branntwein getrunken hast.“ „Ich habe aber einen so süßen Wohlgeschmack so lange Zeit hindurch nicht genossen.“ Immer wieder bat der Brahmane; der Sohn aber sagte nur: „Ich kann nicht darauf verzichten.“ Da dachte der Brahmane: „Wenn es sich so verhält, wird die Tradition unserer Familie vernichtet werden und auch unser Vermögen wird zugrunde gehen“; und er sprach folgende Strophe:

„O Jüngling, du bist schön und stammst
aus dem Geschlechte von Brahmanen;
darum darfst du doch nicht, mein Sohn,
das Unverzehrbare genießen.“

Nach diesen Worten aber fügte er hinzu: „Mein Sohn, verzichte darauf! Wenn du nicht verzichtest, werde entweder ich das Haus verlassen oder ich werde bewirken, dass du aus dem Reiche verbannt wirst.“ Der Jüngling aber erwiderte: „Trotzdem aber kann ich den Branntwein nicht aufgeben“, und sprach folgendes Strophenpaar:

„Er schmeckt am besten doch von allem,
weil du mich davon hältst zurück;
drum werd ich mich dorthin begeben,
wo mir dergleichen wird zuteil.

Oder ich werd das Haus verlassen
und nicht mehr bei dir wohnen bleiben,
da du an meinem Anblick dich,
Brahmane, doch nicht mehr erfreust.“

Nach diesen Worten aber fügte er hinzu: „Ich werde nicht auf das Branntwein Trinken verzichten; tue, was dir gefällt.“ Darauf erwiderte der Brahmane: „Wenn du uns aufgibst, so werden auch wir dich aufgeben“, und er sprach folgende Strophe:

„Gewiss noch andre Söhn' und Erben
werd ich bekommen können, Jüngling;
du aber, Niedriger, geh fort so weit,
dass wir nichts von dir hören.“

Darauf führte er ihn vor Gericht, erklärte, dass er nicht mehr sein Sohn sei, und verließ ihn. In der Folgezeit wurde der Jüngling hilflos und arm; mit Lumpen bekleidet und mit einer Scherbe in der Hand erbettelte er sich Almosen und starb an einer Mauer.—

Nachdem Kālahatthī dem König diese Begebenheit erzählt und erklärt hatte, fügte er hinzu: „O Großkönig, wenn du nicht nach unsern Worten tust, wird man dich aus dem Lande verbannen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Deswegen höre jetzt auf mich,
o König, du der Menschen Herrscher;
man wird dich aus dem Reich verbannen
wie den Jüngling, der Branntwein trank.“

Sujāta und das Göttermädchen

Nachdem so von Kālahatthī ein Gleichnis beigebracht war, erzählte auch der König, da er seine Lust nicht aufgeben konnte, eine weitere Begebenheit und sprach, um sie zu erläutern:

„Sujāta, dieses war sein Name,
ein Hörer voll von Heiligkeit,
verliebt' sich in ein Göttermädchen
und aß nicht mehr und trank nicht mehr.

Mit Wasser auf der Grasesspitze
misst man das Wasser in dem Meer;
so sind die menschlichen Begierden,
wenn sie der Götter Lust sich nahn.

So habe, Kāla, ich genossen
das Mahl von höchstem Wohlgeschmack;
wenn ich kein Menschenfleisch erhalte,
lass ich das Leben, glaube ich.“

Die Geschichte entspricht der oben erzählten. Als nämlich Sujāta zur Zeit, da die Asketen das große Rosenapfelstück verzehrten, merkte, dass sie nicht zurückkamen, dachte er: „Aus welchem Grunde kommen sie nicht? Wenn sie anderswohin gegangen sind, werde ich es ja sehen; wenn nicht, so werde ich ihre Predigt hören.“ Er ging in den Park, hörte bei dem Ältesten der Schar die Predigt und wurde, als die Sonne untergegangen war, entlassen. Trotzdem sagte er: „Heute werde ich hier bleiben“; er verabschiedete sich von der Asketenschar, ging in eine Laubhütte hinein und legte sich hier nieder. Zur Nachtzeit kam Gott Sakka, umgeben von der Schar der Götter, zugleich mit seinen Dienerinnen, um der Asketenschar seine Verehrung zu bezeigen. Der ganze Park war ein Glanz. Sujāta dachte: „Was ist denn wohl dies?“, erhob sich und schaute durch ein Loch der Laubhütte hinaus.

Da sah er, wie Gott Sakka umgeben von der Schar der Göttermädchen herbeigekommen war, um der Asketenschar seine Verehrung darzubringen. Sobald er aber die Göttermädchen erblickte, wurde er sogleich von Sinnenlust erfüllt.—Nachdem nun Sakka sich niedergesetzt und die Predigt angehört hatte, kehrte er an seinen Ort zurück. Der Gutsbesitzer aber fragte am nächsten Tage die Asketenschar, nachdem er sie begrüßt hatte: „Ihr Herren, wer kam denn zur Nachtzeit, um euch zu verehren?“ Sie antworteten: „Gott Sakka, Freund.“ „Wer waren aber die Frauen, die um ihn herumsaßen?“ „Dies waren die Göttermädchen.“

Darauf bezeigte er den Asketen seine Verehrung und ging nach Hause; seitdem er aber fortgegangen war, lallte er beständig: „Gebt mir ein Göttermädchen, gebt mir ein Göttermädchen.“ Seine Verwandten, die um ihn herumstanden, dachten: „Ist er von einem bösen Geist besessen?“, und klappten mit den Fingern. Doch er sagte: „Ich meine nicht diese Acchara, ich meine eine Götter-Acchara.“ Darauf brachten sie ihm seine Frau reich geschmückt herbei und sagten: „Dies ist ein Göttermädchen“; aber er schaute sie nicht an und auch nicht eine Dirne, indem er lallte: „Dies ist kein Göttermädchen, eine Dämonin ist es; gebt mir ein Göttermädchen!“ Er nahm keine Nahrung mehr zu sich und musste sterben.

Die Dhatarattha-Schwäne und das Spinnennetz

Als dies Kālahatthī hörte, dachte er: „Dieser König ist allzu sehr auf Wohlgeschmack versessen; ich werde ihn belehren.“ Und indem er sagte: „Selbst Goldschwäne, die unter dem Himmel flogen, sind sogleich zugrunde gegangen, als sie das Fleisch ihrer Stammesgenossen verzehrten“, sprach er, um dies zu erklären, folgendes Strophenpaar:

„So wie die Dhatarattha-Schwäne,
die durch den Luftraum fliegen konnten,
durch unnatürlichen Genuss
alle in das Verderben stürzten,

so ist es auch bei dir, o König;
drum, Menschenherrscher, höre mich:
Unessbares hast du gegessen,
drum stößt man dich jetzt aus dem Land.“

Ehedem nämlich weilten auf dem Cittakuta-Berge in der Goldhöhle neunzigtausend Schwäne. Diese flogen während der vier Monate der Regenzeit nicht fort; wenn sie fortgeflogen wären, so hätten sie mit den vom Wasser beschwerten Flügeln nicht fliegen können und wären ins Meer gefallen. Darum flogen sie nicht fort. Wenn aber die Regenzeit herankam, so holten sie von einem natürlichen Teiche wilden Reis, füllten damit die Höhle und blieben dann dort, indem sie sich von dem Reise nährten. Wenn sich nun die Schwäne in die Höhle zurückgezogen hatten, webte eine Spinne mit wolligem Nabel, die so groß war wie ein Wagenrad, jeden Monat ein Netz; von diesem war jeder Faden so dick wie ein Kuhstrick. Die Schwäne aber gaben, damit er dies Netz zerrisse, einem jungen Schwan immer zwei Portionen. Wenn nun der Regen aufgehört hatte, ging dieser vorn hin und zerriß das Netz und auf diesem Wege flogen auch die andern hinaus. Zu einer Zeit aber dauerte die Regenzeit fünf Monate.

Als das Futter zu Ende gegangen war, überlegten die Schwäne, was zu tun sei, und beschlossen, damit sie am Leben blieben, die Eier zu nehmen. Zuerst verzehrten sie die Eier, dann die Schwanjungen und zuletzt die alten Schwäne. Nach fünf Monaten nun hörte der Regen auf; die Spinne aber hatte fünf Netze gewebt. Weil jedoch die Schwäne das Fleisch ihrer Stammesgenossen verzehrt hatten, wurden sie weniger stark. Der Schwan, der immer die doppelten Portionen genossen hatte, stieß an das Netz und zerriss vier Schichten; die fünfte aber konnte er nicht zerreißen, sondern blieb darin hängen. Da zerschmetterte ihm die Spinne das Haupt und trank sein Blut. Auch alle anderen kamen und stießen an das Netz; aber auch sie blieben nacheinander hängen und die Spinne trank ihrer aller Blut. Damals soll das ganze Geschlecht der Dhatarattha-Schwäne vernichtet worden sein.—

Der Menschenfresserkönig im Wald

Der König wollte auch noch ein weiteres Gleichnis erzählen; die Stadtbewohner aber erhoben sich und riefen: „Herr Heerführer, was tust du? Was gibst du dich beständig mit diesem räuberischen Menschenfresser ab? Wenn er nicht darauf verzichtet, so verbanne ihn aus dem Lande.“ Und sie ließen ihn nicht mehr reden. Als aber der König so viele Leute reden hörte, vermochte er vor Furcht nicht mehr zu sprechen. Abermals fragte ihn der Heerführer: „Wie, o Großkönig, wirst du im Stande sein, darauf zu verzichten?“ Er aber antwortete wieder: „Ich kann nicht.“ Darauf stellte ihm Kālahatthī alle Frauen seines Harems, seine Söhne und Töchter mit allem Schmuck geziert zur Seite und sagte: „O Großkönig, betrachte diesen Kreis deiner Verwandten, diese Schar deiner Minister und den Glanz deines Königtums. Gib dies nicht preis, sondern verzichte auf das Menschenfleisch!“ Der König aber erwiderte: „Dies alles ist mir nicht lieber als Menschenfleisch.“ Darauf sprach Kālahatthī: „Darum, o Großkönig, verlasst diese Stadt und dies Land.“ Der König antwortete: „Kālahatthī, mich verlangt nicht nach der Herrschaft; ich gehe fort. Gib mir aber ein Schwert und meinen Koch mit!“ Der Heerführer ließ ihn ein Schwert nehmen sowie einen Kochtopf zum Kochen von Menschenfleisch und einen Korb und gab ihm außerdem seinen Koch mit. Dann verbannte man ihn aus dem Reiche.

Der König verließ mit dem Koch die Stadt, zog in den Wald und nahm dort am Fuße eines Nigrodha-Baumes seinen Aufenthalt. Während er dort wohnte, stellte er sich auf die Straße, die durch den Wald führte, tötete die Menschen, brachte sie nach Hause und gab sie dem Koch, der das Fleisch briet und dem König vorsetzte. So lebten die beiden. Wenn jener aber mit dem Rufe: „Holla, ich bin der Räuber, der Menschen frisst“, auf einen losging, vermochte keiner aus eigner Kraft stehen zu bleiben; alle fielen zu Boden. Von diesen nahm er dann, wen er wollte, packte ihn kopfüber oder kopfunter und gab ihn dem Koch.

Als er eines Tages zurückkehrte, ohne im Walde einen Menschen gefangen zu haben, und der Koch ihn fragte: „Was, Fürst?“, sagte er: „Stelle den Kochtopf auf den Herd!“ Der Koch fragte weiter: „Wo ist denn das Fleisch, o Fürst?“ Doch jener erwiderte: „Ich werde schon Fleisch bekommen.“ „Jetzt ist es um mein Leben geschehen“, dachte der Koch; zitternd machte er Feuer im Herde an und stellte den Kochtopf darauf. Darauf schlug ihn der Menschenfresser mit dem Schwerte, tötete ihn, kochte sein Fleisch und aß es. Von da an war er allein und kochte sich selbst das Mahl, das er verzehrte. In ganz Indien aber wurde bekannt, dass ein Menschenfresser die des Weges Kommenden töte.

Damals zog ein wohlhabender Brahmane, der mit fünfhundert Wagen Handel trieb, von Osten nach Westen. Dieser dachte: „Der räuberische Menschenfresser tötet die Menschen auf dem Wege; wenn ich Geld zahle, werde ich durch den Wald hindurchkommen.“ Er gab den Leuten, die am Rande des Waldes wohnten, tausend Geldstücke mit dem Auftrage: „Bringt mich durch den Wald hindurch“, und machte sich mit ihnen auf den Weg. Bei seiner Reise aber ließ er die ganze Karawane vor sich herziehen und zog ganz hinten nach, sauber gewaschen und mit wohlriechenden Substanzen besprengt, mit allem Schmuck geziert, auf einem mit weißen Rindern bespannten bequemen Wagen sitzend und umgeben von seinen Begleitern. Der Menschenfresser, der auf einen Baum gestiegen war und die Leute musterte, dachte: „Was brauche ich die übrigen Menschen zu fressen?“, und verlor die Lust an ihnen. Sobald er aber den Brahmanen erblickte, bekam er solche Lust, ihn zu verzehren, dass ihm der Speichel aus dem Munde lief. Als der Brahmane in seine Nähe kam, rief er seinen Namen: „Holla, ich bin der Menschen fressende Räuber.“ Er schwang sein Schwert und stürzte auf die Leute los, als wollte er ihre Augen mit Sand füllen. Da war keiner, der noch hätte stehen bleiben können; alle legten sich mit der Brust auf den Boden. Darauf packte er den auf dem bequemen Wagen sitzenden Brahmanen am Fuße und ließ ihn an seinem Rücken kopfüber herunterhängen; indem er dessen Haupt mit seinen Knöcheln traf, trug er ihn fort.

Da standen die Männer wieder auf und sagten: „He, Mann, gehe weiter! Wir haben doch von dem Brahmanen tausend Geldstücke erhalten. Wer von uns sieht wie ein Mann aus? Mag er eine Kraft dazu haben oder nicht, wir wollen jenen ein wenig verfolgen!“ Und sie verfolgten ihn. Der Menschenfresser aber drehte sich um und sah nach ihnen hin; als er niemand sah, ging er sacht weiter. In diesem Augenblick kam ein kühner Mann rasch auf ihn zu. Als jener ihn sah, sprang er über einen Zaun und trat dabei auf den Stumpf eines Akazienbaumes, so dass ihm der Baumstumpf hinten am Fuße herauskam. Stark blutend hinkte er weiter. Als dies jener Mann bemerkte, rief er: „Jetzt habe ich ihn verwundet; geht ihr nur hinterdrein, ich werde ihn fangen.“ Als so die andern merkten, dass jener geschwächt war, verfolgten sie ihn; da er aber wahrnahm, dass sie ihn verfolgten, ließ er den Brahmanen los und brachte sich in Sicherheit. Sobald jedoch die Begleiter den Brahmanen wieder hatten, dachten sie: „Was tun wir mit dem Räuber?“, und kehrten wieder um.

Der Menschenfresser aber kehrte zu seinem Nigrodha-Baume zurück, legte sich zwischen die Zweige hinein und tat folgendes Gelübde: „Du edle Baumgottheit, wenn du innerhalb sieben Tagen meine Wunde wieder heilen kannst, so werde ich mit dem Halsblut von den hundertundeins Königen in ganz Indien deinen Stamm abwaschen, werde dich mit ihren Eingeweiden umhängen und dir von ihrem fünffach süßen Fleische ein Opfer darbringen.“ Weil er jedoch keinen Trank und keine Speise mehr erhielt, trocknete sein Körper aus. Innerhalb sieben Tagen aber war seine Wunde geheilt und durch die Macht der Gottheit merkte er, dass sie geheilt war. Nachdem er einige Tage lang wieder Menschenfleisch verzehrt hatte, kam er wieder zu Kräften und dachte nun: „Eine große Wohltäterin war mir die Gottheit; ich werde mich von meinem Gelübde lösen.“ Er nahm sein Schwert mit und zog von der Wurzel seines Baumes fort, um die Könige herbeizuholen.

Da sah ihn ein umherwandelnder Dämon, der in seiner früheren Existenz, wo jener auch Dämon war, sein Freund gewesen war und mit ihm zusammen Menschenfleisch gefressen hatte. Er erkannte, dass dies sein ehemaliger Freund war, und fragte ihn: „Lieber, erkennst du mich?“ Jener antwortete: „Ich erkenne dich nicht.“ Darauf erzählte ihm der andere, was er in seiner früheren Existenz getan. Jetzt erkannte ihn der König und begann eine liebenswürdige Unterhaltung mit ihm. Als ihn der andere fragte, wo er seine Wiedergeburt genommen habe, erzählte er ihm alles von der Stellung, in der er wiedergeboren worden sei, wie er dann aus seinem Reiche verbannt worden sei und jetzt hier lebe, ferner wie er durch den Stumpf des Akazienbaumes verwundet worden sei und jetzt fortziehe, um sein der Gottheit gemachtes Gelübde zu erfüllen. Er fügte hinzu: „Auch du musst mir behilflich sein, dies Werk auszuführen; wollen wir zu zweien gehen, Freund!“ Der andere erwiderte: „Freund, wir könnten ja zusammen gehen; aber ich habe noch ein Geschäft zu besorgen. Ich kenne jedoch einen Zauberspruch, der aus kostbaren Worten zusammengesetzt ist. Dieser verleiht Stärke, Schnelligkeit und Erhöhung des Ruhmes; erlerne diesen Zauberspruch!“ Jener gab seine Zustimmung; darauf teilte ihm der Dämon denselben mit und entfernte sich wieder.

Der Menschenfresser aber erlernte den Zauberspruch und war von da an schnell wie der Wind und überaus stark. Innerhalb von sieben Tagen fing er hundert und einen König. Wenn er sie in ihrem Parke u. dgl. umherwandeln sah, sprang er mit Windeseile herzu, rief seinen Namen und versetzte sie durch Springen und Schreien in Furcht; dann packte er sie am Fuße, ließ ihren Kopf zum Boden herabhängen und brachte sie, während er ihr Haupt mit seiner Ferse traf, herbei. Dann bohrte er ihnen Löcher durch die Handflächen und hängte sie mit einem Strick an den Nigrodha-Baum; während sie aber so mit den Spitzen der Zehen den Boden berührten, drehten sie sich, wenn sie der Wind traf, bei ihrem Herabhängen wie vertrocknete Blumenkörbe. Den Sutasoma aber holte er nicht herbei, da er dachte: „Er war mein Nebenlehrer“, und fürchtete, Indien möchte sonst leer werden. Um aber sein Opfer darzubringen, machte er Feuer und setzte sich nieder, indem er einen spitzen Pfahl sich anfertigte.

Sutasoma

Als dies die Baumgottheit sah, dachte sie: „Für mich richtet er das Opfer her; ich aber habe ihm seine Wunde nicht geheilt. Jetzt wird er ein großes Unglück verursachen; was ist da zu tun?“ Und sie ging zu den vier Großkönigen, erzählte es ihnen und sagte: „Haltet ihn davon ab!“ Als diese erwiderten: „Wir werden dazu nicht im Stande sein“, ging sie zu Gott Sakka hin, erzählte ihm auch die Sache und sagte: „Halte ihn ab.“ Der Gott antwortete: „Ich kann ihn nicht davon abhalten; aber ich werde dir sagen, wer dazu im Stande ist.“ Auf die Frage der Baumgottheit, wie dieser heiße, sprach Sakka: „In der Welt der Götter und Menschen ist sonst niemand da; aber im Lande Kuru in der Stadt Indapatta lebt der Sohn des Königs Koravya, Sutasoma mit Namen. Dieser wird den Menschenfresser bändigen und zur Selbstverleugnung bringen und er wird den Königen das Leben retten. Er wird bewirken, dass jener auf das Verzehren von Menschenfleisch verzichtet; über ganz Indien wird er Nektar herabströmen lassen. Wenn du den Königen das Leben retten willst, so sage jenem, er solle Sutasoma herbeiholen, um das Opfer darzubringen.“

Die Gottheit stimmte zu, kam rasch herbei und ging im Gewande eines Bettelmönches unweit von dem Menschenfresser vorüber. Bei dem Geräusch der Schritte schaute er nach, ob nicht irgend einer der Könige davongelaufen sei; dabei sah er den Mönch und dachte: „Die Weltflüchtlinge sind ja auch Edle; ich will ihn fangen, damit die Zahl hunderteins voll machen und so das Opfer darbringen.“ Er erhob sich und verfolgte ihn mit dem Schwerte in der Hand; obwohl er ihn aber drei Meilen weit verfolgte, konnte er ihn nicht einholen. Aus seinen Gliedern strömte der Schweiß hervor. Da dachte er bei sich: „Sonst fing ich auch einen Elefanten, ein Ross und einen Wagen, wenn ich ihn verfolgte; heute aber kann ich diesen Bettelmönch, der mit seinem gewöhnlichen Schritte geht, nicht einholen, obwohl ich mit aller Kraft laufe; was ist daran schuld?“ Dann aber kam ihm der Gedanke: „Die Bettelmönche tun nach den Worten anderer. Wenn ich ihm sage: ‚Bleibe stehen‘, wird er stehen bleiben und ich werde ihn so fangen.“ Und er rief ihm zu: „Bleib stehen, Asket!“ Dieser antwortete: „Ich stehe schon; bemühe aber du dich, stehen zu bleiben.“

Darauf sagte der andere: „Holla, die Weltflüchtlinge sagen doch sonst, um sich das Leben zu retten, keine Lüge; du aber hast unwahr geredet.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Da ich dir sagte: ‚Bleibe stehen‘,
gehst du noch immer weiter fort;
nicht stehend sagst du, dass du stehest.
Dies passt für dich nicht, heiliger Asket,
und für ein Schwert hältst du mein Muschelblatt.“

Darauf sprach die Gottheit folgendes Strophenpaar:

„Ich steh in meinen Tugenden, o König,
und nicht verändr' ich Name noch Geschlecht;
den Räuber nennt nicht ständig man auf Erden,
weil er von hier zur Strafe kommt zur Hölle.

Wenn du es dich getraust, o König,
so fange Suta, edler Fürst;
wenn der für dich das Opfer ausführt,
so wirst du in den Himmel kommen.“

Nach diesen Worten ließ die Gottheit die Asketenkleidung verschwinden und stand in ihrem eigenen Glanze in der Luft, leuchtend wie die Sonne. Als jener ihre Rede vernahm und ihre Gestalt betrachtete, fragte er sie: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Die in diesem Baume wohnende Gottheit.“ Erfreut, dass er seine eigene Baumgottheit gesehen, sagte jener nun: „Herr Götterkönig, sei unbesorgt wegen Sutasoma; gehe nur wieder in deinen Baum hinein.“ Vor seinen Augen kehrte die Gottheit in ihren Baum zurück.

In diesem Augenblick ging die Sonne unter und der Mond ging auf. Der Menschenfresser, der die Veden und die Vedangas kannte, verstand sich auch auf das Eintreten der Konstellation. Er sah zum Himmel empor und dachte: „Morgen wird die Phussa-Konstellation stattfinden. Sutasoma wird in seinen Park gehen und dort baden; dort werde ich ihn ergreifen. Es wird aber eine starke Wache dort sein; auf allen Seiten werden drei Meilen weit die sämtlichen Bewohner Indiens umherwandeln, um ihn zu bewachen. Solange die Wache noch nicht aufgestellt ist, werde ich noch in der ersten Nachtwache in den Migacira-Park gehen, werde dort in den königlichen Lotosteich hinabsteigen und daselbst warten.“ Er ging also hin, stieg in den Lotosteich hinein und blieb darin stehen, indem er mit einem Lotosblatt sein Haupt verdeckte. Infolge seines Glanzes aber wichen die Fische, Schildkröten und andere Tiere zurück und blieben scharenweise am Rande des Wassers.

Woher kam ihm aber dieser Glanz? Durch eine frühere Bemühung. Zu der Zeit nämlich, da Kassapa der mit den zehn Kräften Ausgestattete war, setzte er eine Milchverteilung durch Zettel fest. Dadurch wurde er sehr mächtig. Auch erbaute er ein Feuerhaus und gab der Mönchsgemeinde, um die Kälte vertreiben zu können, Feuer und Hölzer sowie eine Axt und ein Beil, um das Holz damit zu spalten. Darum besaß er solchen Glanz.

Nachdem er aber so in den Park gekommen war und der Morgen schon stark dämmerte, besetzte man auf allen Seiten drei Meilen mit Wachen. Der König verließ in der Frühe, nachdem er das Frühmahl zu sich genommen, auf der Schulter eines reich geschmückten Elefanten sitzend und von einem aus vier Teilen bestehenden Heere umgeben die Stadt. Zu dieser Zeit war von Takkasilā her ein Brahmane namens Nanda, der vier Strophen kannte, die hundert Geldstücke wert waren, und der einen Weg von hundertzwanzig Meilen zurückgelegt hatte, in die Stadt gekommen, hatte in einem Dorf am Tore der Stadt die Nacht verbracht und ging, als gerade die Sonne aufging, in diesem Augenblick in die Stadt hinein. Da sah er den König, wie er zum Osttore hinauszog; er streckte die Hand aus und wünschte ihm Sieg. Der König, der bei seinem Ritte nach allen Himmelsrichtungen ausschaute, sah die ausgestreckte Hand des an einer erhöhten Stelle stehenden Brahmanen; er kam mit seinem Elefanten auf ihn zu und sprach:

„In welchem Reiche liegt dein Heimatort,
aus welchem Grund bist du hierher gekommen?
Verkünde mir, Brahmane, diese Sache.
Was wünschst du? Heut gewähr ich deinen Wunsch.“

Darauf sprach jener zu ihm:

„Vier Strophen hab ich, großer Erdbeherrscher,
von tiefem Inhalt, gleich dem Ozeane.
Um deinetwillen bin ich hergekommen;
höre die Strophen voll von höchstem Inhalt.“

Nach diesen Worten fügte er hinzu: „O Großkönig, diese vier Strophen, die hundert Geldstücke wert sind, wurden vom Buddha Kassapa gelehrt; da ich hörte, Ihr seiet auf Wissenschaft versessen, kam ich her um sie Euch zu lehren.“ Hocherfreuten Herzens erwiderte der König: „Lehrer, gut hast du getan. Ich kann aber nicht umkehren; heute ist der Tag, da ich bei der Phussa-Konstellation mein Haupt baden muss. Wenn ich zurückkehre, werde ich sie anhören; sei nicht unzufrieden!“ Dann befahl er seinen Hofleuten: „Gehet, lasset dem Brahmanen in dem und dem Hause ein Lager bereiten und richtet eine Mahlzeit und Kleidung für ihn her!“, und zog hierauf in den Park ein.

Dieser war mit einer achtzehn Ellen hohen Mauer umgeben und diese war wieder von Elefanten umstellt, die sich gegenseitig rieben. Dann kamen die Rosse, dann die Wagen, dann die Bogenschützen und das andere Fußvolk: kurz es war ein gewaltiges Heer, so ausgedehnt wie der erregte große Ozean. Der König legte nun seine großen Schmuckstücke ab, ließ sich Haare und Bart richten und badete mit seinem mit Wohlgerüchen besprengten Körper in dem Lotosteiche mit königlicher Macht. Dann stieg er wieder heraus, zog Gewänder zum Trocknen des Körpers an und stellte sich hin. Darauf brachten sie ihm wohlriechende Substanzen, Girlanden und Schmucksachen.

Da dachte der Menschenfresser: „Wenn der König seinen Schmuck angelegt hat, wird er schwer sein; solange er noch leicht ist, werde ich ihn packen.“ Schreiend und springend schwang er blitzschnell sein Schwert über seinem Haupte, nannte seinen Namen, indem er rief: „Holla, ich bin der räuberische Menschenfresser“, legte die Finger auf die Stirne und kam so aus dem Wasser hervor. Als sie seine Stimme hörten, stürzten die Elefantenkämpfer von den Elefanten, die Reiter von ihren Pferden und die Wagenkämpfer von ihren Wagen herab. Das ganze Heer warf die Waffen, die sie genommen hatten, weg und legte sich auf den Bauch. Darauf hob der Menschenfresser den Sutusoma empor und fasste ihn. Die übrigen Könige hatte er am Fuße gefasst, ließ ihr Haupt nach unten hängen und ging mit ihnen fort, indem er ihren Kopf mit seiner Ferse trat. Als er aber zum Bodhisattva kam, beugte er sich nieder, hob ihn empor und setzte ihn auf seine Schulter. Weil er dachte, durch das Tor zu gehen bringe Verzögerung, sprang er gerade an der ihm gegenüber liegenden Stelle über den achtzehn Ellen hohen Wall nach vorwärts, trat auf die von Brunstsaft rinnenden Stirngeschwülste der wütenden Elefanten, wie wenn er Bergspitzen zu Boden würfe, trat ferner den windschnellen, edlen Rossen auf den Rücken, dass sie zu Boden fielen, und trat auf den Kopf der besten Wagen, als drehte er einen Topf mit Birnen herum oder als zerträte er Nigrodha-Blätter mit ihren grünen Flächen.

Nachdem er so in einem Lauf drei Meilen zurückgelegt hatte, schaute er sich um, ob niemand um Sutasomas willen hinter ihm drein käme; als er niemanden sah, ging er langsamer. Da sah er, wie von Sutasomas Haaren Wassertropfen auf ihn selbst herunterfielen; er dachte: „Es gibt niemand, der den Tod nicht fürchtet; auch Sutasoma weint aus Todesfurcht, glaub ich“, und sprach:

„Es weinen nicht die Einsichtsvollen, Weisen,
die Hochgelehrten, die gar viel ersinnen;
die höchste Zuflucht ist ja für die Menschen,
dass von dem Leide frei die Weisen werden.

Tust du dir leid, Verwandte, Weib und Kinder,
Getreide, Schätze, Silber oder Gold?
Was macht dir Kummer jetzt, o Sutasoma?
Koravya-König, dein Wort will ich hören.“

Sutasoma antwortete:

„Nicht über mich selbst bin ich jetzt betrübt
noch über Weib und Kind und Geld und Reich.
Der Weisen alte Art hab ich betätigt;
was dem Brahmanen ich versprach, das schmerzt mich.

Einem Brahmanen gab ich ein Versprechen,
da ich in meinem Reich die Herrschaft hatte;
was dem Brahmanen ich versprach, das halt ich
und kehre dann zurück, die Wahrheit achtend.“

Darauf sprach der Menschenfresser:

„Nicht kann ich fürwahr diesem Worte glauben,
dass ein glücklicher Mann vom Tod befreit
möcht' wieder kommen in die Hand des Feindes;
Koravya-Fürst, du kommst zu mir nicht wieder.

Wenn du befreit bist von dem Menschenfresser,
wirst du voll Freude gehn ins eigne Haus;
wenn du erlangt das süße, liebe Leben,
warum wirst du zu mir dann kommen, König?“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es unerschrocken wie ein Löwe:

„Den Tod soll vorziehn, wer von reinem Wandel,
und nicht das Leben der gescholt'ne Böse;
denn dies beschützt den Mann nicht vor dem Leiden,
um dessentwillen er die Lüge sagt.

Wenn auch der Wind den Berg könnt' mit sich reißen
und Mond und Sonne auf die Erde fielen,
wenn alle Flüsse auch stromaufwärts flössen,
würd ich doch, König, keine Lüge sagen.“

Trotz dieser Worte aber glaubte der andere noch nicht. Da dachte der Bodhisattva: „Dieser glaubt mir nicht; durch einen Eid werde ich ihn dazu bringen, dass er mir glaubt.“ Und er sagte zu ihm: „Lieber Menschenfresser, lasse mich jetzt von deiner Schulter herabsteigen; ich will einen Eid schwören und dich dadurch veranlassen, dass du mir glaubst.“ Als jener ihn darauf herunterließ und auf den Boden stellte, sprach er, um den Eid zu leisten:

„Das Schwert hier und die Lanze ich berühre
und diesen Eid schwöre ich dir, o Freund:
Von dir befreit bleibe ich frei von Schuld,
die Wahrheit achtend werd ich wiederkommen.“

Da dachte der Menschenfresser: „Dieser Sutasoma schwört einen Eid, den Fürsten nicht schwören dürfen. Was soll ich mit ihm? Auch ich bin ein Edler, ein König. Von meinem Arme werde ich das Blut nehmen und der Gottheit das Opfer darbringen; dieser wird zu sehr dadurch geplagt.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Was du versprochen hattest dem Brahmanen,
da du in deinem Reich die Herrschaft hattest,
dieses Versprechen halte dem Brahmanen
und kehre dann zurück, die Wahrheit achtend.“

Darauf sagte zu ihm das große Wesen: „Freund, sei unbekümmert; wenn ich die vier Strophen, die hundert Geldstücke wert sind, vernommen und dem Prediger Ehrung erwiesen habe, werde ich noch am Morgen wiederkommen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Was ich versprochen habe dem Brahmanen,
da ich in meinem Reich die Herrschaft hatte,
dieses Versprechen halt ich dem Brahmanen
und kehre dann zurück, die Wahrheit achtend.“

Hierauf sagte zu ihm der Menschenfresser: „O Großkönig, Ihr schwöret einen Eid, den Fürsten nicht schwören dürfen; denket an ihn.“ Der Bodhisattva aber erwiderte: „Lieber Menschenfresser, du kennst mich seit meiner Jugend; auch im Scherz habe ich noch nie eine Unwahrheit gesagt. Wie sollte ich da heute, wo ich die Herrschaft führe und weiß, was Recht und Unrecht ist, eine Lüge sagen? Glaube mir. Ich werde bewirken, dass du dein Opfer vollbringst.“ Dadurch wurde jener veranlasst, ihm zu glauben und er sprach: „So gehe also, o Großkönig. Wenn Ihr nicht zurückkommt, wird das Opfer nicht stattfinden; auch die Gottheit nimmt es ohne Eure Mitwirkung nicht entgegen. Bereitet mir kein Hindernis beim Opfer!“ Mit diesen Worten entließ er das große Wesen.

Dieser gelangte wie der Mond, wenn er aus Rahus Mund befreit ist, mit Elefantenkraft und Stärke ausgerüstet rasch in die Stadt zurück. Sein Heer aber hatte gedacht: „Wenn der weise König Sutasoma, der süße Verkündiger der Wahrheit, nur ein oder zwei Gespräche mit ihm führen darf, wird er den Menschenfresser bändigen und zurückkehren wie ein wütender Elefant, der aus des Löwen Rachen befreit ist; weil wir ihn aber dem Menschenfresser ausgeliefert haben und umgekehrt sind, wird er uns tadeln.“ Und sie lagerten außerhalb der Stadt. Als sie ihn von ferne kommen sahen, gingen sie ihm entgegen, bezeigten ihm ihre Verehrung und fragten liebevoll: „O Großkönig, seid Ihr von dem Menschenfresser nicht belästigt worden?“ Er antwortete: „Der Menschenfresser hat an mir eine schwerere Tat getan als Vater und Mutter; ein solch grausamer und gewalttätiger Mensch hat, als er meine Unterweisung vernommen, mich freigelassen.“

Darauf schmückten sie den König, hoben ihn auf die Schultern des Elefanten und zogen, indem sie ihn umringten, in die Stadt ein. Alle Stadtbewohner waren hocherfreut, als sie ihn sahen. Wegen seiner Begierde nach der Wahrheit aber besuchte er seine Eltern nicht, sondern indem er dachte: „Ich kann sie auch nachher sehen“, zog er in seinen Palast ein. Hier setzte er sich auf seinen Thron, ließ den Brahmanen zu sich rufen und befahl, ihm Haare und Bart in Ordnung zu bringen. Als dies geschehen war, ließ er ihn baden, salben, mit Kleidern und Schmuck zieren und so herbeibringen. Als er sich ihm zeigte, badete der König selbst nach ihm, ließ ihm dann sein eigenes Mahl vorsetzen und verzehrte selbst die für jenen bestimmte Speise. Darauf ließ er ihn auf einem wertvollen Polster Platz nehmen, erwies ihm, um der Wahrheit seine Ehrfurcht zu bezeigen, durch Kränze und wohlriechende Substanzen Ehrung und setzte sich selbst auf einen niederen Sitz. Dann bat er ihn: „Wir möchten die von Euch gebrachten Verse hören, Lehrer.“

Um dies zu veranschaulichen, sprach der Meister:

Als er befreit war von dem Menschenfresser,
da ging er zum Brahmanen hin und sprach:
„Ich will die Verse hören, die hundert wert sind,
die angehört zum Heil mir sollen dienen.“

Als ihn aber der Bodhisattva bat, besprengte sich der Brahmane die Hände mit wohlriechenden Substanzen, holte aus seinem Korbe ein schönes Buch hervor, fasste es mit beiden Händen und sprach: „So vernimm also, o Großkönig, die vier vom Buddha Kassapa gelehrten Strophen, die die Sinnenlust, den Rausch u. dgl. zerstören, die zum Zweck der Vernichtung der Anhänglichkeit an das Irdische, der Beseitigung der Wiedergeburt, der Vertilgung der Begierde, zum Freisein von Lust, zum Aufhören, zur Ewigkeit, zum großen Nirvana führen und die hundert Geldstücke wert sind.“ Und indem er in das Buch schaute, sprach er:

„Einmal nur gibt es, Sutasoma,
eine Zusammenkunft mit Guten;
diese Verein'gung rettet uns,
nicht viel Zusammensein mit Bösen.

Mit Guten nur soll man verkehren,
mit Guten soll man Freundschaft pflegen;
wenn man erkennt der Guten Tugend,
so wird man besser und nicht schlechter.

Es altern selbst des Königs bunte Wagen
und auch der Leib verfallen ist dem Altern.
Des Guten Tugend aber altert niemals;
die Guten ja verkünd'gen sie den Guten.

Weit ist der Himmel, weit auch ist die Erde,
des Meeres andres Ufer nennt man weit;
doch weiter noch entfernt ist, wie man sagt,
der Guten und der Bösen Art, o König.“

Nachdem so der Brahmane die vier Strophen, die hundert Geldstücke wert waren, in der Art, wie sie der Buddha Kassapa gelehrt, vorgetragen hatte, verstummte er. Als aber das große Wesen sie vernommen hatte, dachte es hocherfreut: „Erfolgreich ist meine Rückkehr. Diese Strophen sind nicht von einem Schüler gesprochen oder von einem Weisen, noch sind sie von einem Dichter verfasst: von einem Allwissenden sind sie gesprochen. Was sind sie wohl wert?“ Da kam ihm folgender Gedanke: „Auch wenn ich dies ganze Weltsystem bis zur Brahmawelt mit den sieben Arten der Kleinodien anfüllen würde und ihm gäbe, könnte ich ihm nichts Entsprechendes vergelten. Ich kann ihm aber die Herrschaft über das dreihundert Meilen umfassende Königreich Kuru und über die sieben Meilen umfassende Stadt Indapatta geben. Ist es ihm aber auch bestimmt, die Herrschaft auszuüben?“ Er schaute ihn an mit seiner übernatürlichen Macht, aus der Körperbeschaffenheit die Zukunft vorauszusehen, sah aber kein Zeichen. Dann dachte er an das Heerführeramt und ähnliche Stellen, merkte aber, dass nicht einmal der Steuergenuss von einem einzigen Dorfe jenem bestimmt sei. Hierauf betrachtete er ihn in Bezug auf das Erhalten von Schätzen von einem Vermögen von zehn Millionen an; da merkte er, dass ihm viertausend Kahapanas vom Schicksal bestimmt seien. Jetzt dachte er: „Mit soviel werde ich ihn ehren“; er ließ sich vier Geldbörsen mit je tausend Kahapanas geben und fragte: „Lehrer, wenn Ihr andern Fürsten diese Strophen verkündet, was bekommt Ihr da?“ Der Brahmane antwortete: „Für eine jede hundert Kahapanas; darum haben sie den Namen ‚die Hundertwerten‘ erhalten.“ Darauf sagte zu ihm das große Wesen: „Lehrer, du kennst nicht den unermesslichen Wert der Ware, die du herumträgst. Von jetzt an sollen sie den Namen ‚die Tausendwerten‘ erhalten.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Tausend sind diese Strophen wert
und nicht nur hundert sind sie wert;
diese viertausend Geldstücke
nimm darum, o Brahmane, rasch.“

Darauf schenkte er ihm noch einen bequemen Wagen, gab seinen Leuten den Befehl, sie sollten den Brahmanen unversehrt nach Hause geleiten, und entließ ihn. So ehrte in diesem Augenblick König Sutasoma die Strophen, die hundert wert waren, als wären sie tausend wert. „Gut, gut“, erscholl laut der Beifall.

Als seine Eltern dies Geräusch hörten, fragten sie: „Was ist dies für ein Klang?“ Da sie erfuhren, was es damit für eine Bewandtnis habe, wurden sie infolge ihrer Geldgier zornig auf das große Wesen. Nachdem dies aber den Brahmanen entlassen hatte, ging es zu ihnen hin, bezeigte ihnen seine Ehrfurcht und blieb vor ihnen stehen. Sein Vater sagte: „Mein Sohn, aus der Hand eines solch gewalttätigen Räubers bist du befreit“; doch begann er keine liebenswürdige Unterhaltung mit ihm, sondern infolge seiner Geldgier fragte er nur: „Ist es wahr, mein Sohn, dass du, weil du drei oder vier Strophen hörtest, viertausend Kahapanas dafür gabst?“ Auf die bejahende Antwort seines Sohnes sprach er dann folgende Strophe:

„Achtzig und Neunzig sind die Verse wert,
auch hundert können sie vielleicht noch gelten;
doch sage selbst, o Sutasoma, weißt du,
wo es die Strophen gibt, die tausend wert sind?“

Das große Wesen aber belehrte ihn: „Mein Vater, ich wünsche nicht Mehrung für mein Geld, sondern Mehrung an Wissen.“ Und es sprach:

„Für mich begehr ich nur des Wissens Mehrung
und heil'ge Weise sollen mich begleiten;
gleichwie das Weltmeer durch die Ströme, Vater,
werd ich ersättigt nicht durch gute Worte.

Wie Feuer, wenn es Holz und Gras verzehrt,
davon nicht satt wird, noch das Meer durch Flüsse,
so werden auch die Weisen, bester König,
nicht satt der guten Worte, die sie hören.

Wenn ich von meinem eignen Sklaven höre
nützliche Verse, dann, o Völkerfürst,
höre ich diesem auch mit Ehrfurcht zu;
denn nicht werd ich der Wahrheit satt, o Vater.“

Nach diesen Worten aber fügte der Bodhisattva hinzu: „Vater, schilt nicht um des Geldes willen; erst nachdem ich geschworen: ‚Wenn ich die Wahrheit gehört, werde ich zurückkehren‘, bin ich wieder hierher gekommen. Jetzt werde ich wieder zu dem Menschenfresser hingehen; übernehmt Ihr dieses Reich.“ Und um ihm dies zu übertragen, sprach er folgende Strophe:

„Dies ist dein Reich voll Gold und voll Gespannen,
von Kleinoden und allen Freuden voll.
Was tadelst du mich um der Lüste willen?
Ich gehe wieder hin zum Menschenfresser.“

In diesem Augenblick wurde das Herz des Vaters des Königs heiß; er sagte: „Mein Sohn Sutasoma, was sagst du da? Durch ein aus den vier Teilen bestehendes Heer werde ich den Räuber fangen lassen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Zu unserm eignen Schutze dienen doch
die Elefantenkämpfer und die Wagenkämpfer,
die Fußsoldaten, Reiter, Bogenschützen;
lass rüsten uns das Heer, den Feind erlegen!“

Darauf baten ihn seine Eltern, die Augen mit Tränen erfüllt: „Mein Sohn, du darfst nicht gehen.“ Auch seine sechzehntausend Tänzerinnen und sein übriges Gefolge jammerten: „Wohin gehst du, Fürst, und machst uns hilflos?“ In der ganzen Stadt vermochte sich keiner aus eigner Kraft auf den Füßen zu erhalten. Die ganze Stadt war erfüllt von Geschrei: „Nachdem er dem Menschenfresser sein Wort gegeben, ist er zurückgekommen; jetzt, nachdem er die vier Strophen, die hundert Geldstücke wert sind, gehört und dem Wahrheitsverkündiger Ehrung erwiesen hat, nachdem er ferner noch seinen Eltern seine Ehrfurcht bezeigt hat, wird er wieder zu dem Räuber hingehen!“ Als aber der Bodhisattva seiner Eltern Wort vernommen, sprach er folgende Strophe:

„Etwas gar Schweres tat der Menschenfresser;
da er mich lebend fing, ließ er mich frei.
Da ich an diesen früheren Dienst gedenke,
wie könnt' ich ihn verraten, Völkerfürst?“

Er tröstete seine Eltern mit folgenden Worten: „Mutter, Vater, seid unbekümmert um mich. Ein gutes Werk habe ich getan; nicht schwer zu erlangen ist die Herrschaft über das Feuer der sechs Arten der Lüste.“ Nachdem er sich von seinen Eltern verabschiedet, gab er der übrigen Volksmenge noch eine Belehrung und entfernte sich.

Um dies zu offenbaren, sprach der Meister folgende Strophe:

Nachdem er seine Eltern noch gegrüßt,
die Städter und das Heer hatt' unterwiesen,
da ging er, der nur Wahrheit redete,
die Wahrheit achtend zu dem Menschenfresser.—

Damals dachte gerade der Menschenfresser: „Wenn mein Freund Sutasoma Lust hat zu kommen, so soll er kommen oder nicht; was meine Baumgottheit tun will, soll sie tun. Ich werde jetzt diese Könige töten und mit ihrem fünffach süßen Fleische ein Opfer darbringen.“ Er machte einen Scheiterhaufen, zündete ein Feuer an, und indem er dachte: „Die Kohle soll inzwischen gebrannt werden“, setzte er sich nieder und schnitzte sich einen Pfahl zurecht. Da kam der Bodhisattva. Als ihn der Menschenfresser sah, fragte er ihn hocherfreut: „Freund, bist du hingegangen und hast getan, was du tun musstest?“ Das große Wesen antwortete: „Ja, o Großkönig, ich habe die Strophen gehört, die der Buddha Kassapa gelehrt, und habe dem Prediger der Wahrheit die schuldige Ehrung erwiesen; so ist also geschehen, warum ich hingehen und das Notwendige tun wollte.“ Und um dies zu erklären, sprach er folgende Strophe:

„Einem Brahmanen macht' ich ein Versprechen,
da ich in meinem Reich die Herrschaft hatte;
was dem Brahmanen ich versprach, das hielt ich
und kehre nun zurück, die Wahrheit achtend.
Drum bring das Opfer dar und töte mich
oder verzehr mein Fleisch, Freund Menschenfresser!“

Als dies der Menschenfresser hörte, dachte er bei sich: „Dieser König fürchtet sich nicht; er redet, weil ihm die Furcht vergangen ist. Wovon ist wohl nun dies die Kraft?“ Da kam ihm die Einsicht: „Etwas anderes gibt es nicht. Er sagt, er habe die von dem Buddha Kassapa gelehrten Strophen gehört; durch die übernatürliche Macht von diesen muss es so gekommen sein. Auch ich will die Strophen mir sagen lassen und sie anhören; auch ich will von der Furcht frei werden.“ Nachdem er diesen Entschluss gefasst, sprach er folgende Strophe:

„Nicht ist 's verwehrt mir, später dich zu fressen,
der Scheiterhaufen ist jetzt noch voll Rauch;
wenn rauchfrei er geworden, ist 's gut kochen.
Hören will ich die Verse, die hundert wert sind.“

Als dies das große Wesen hörte, dachte es: „Dieser Menschenfresser ist ein Bösewicht; ich werde ihn ein wenig zurückhalten, ihn beschämen und sie ihm dann erst sagen.“ Und es sprach:

„Ein Unrechttuer bist du, Menschenfresser,
vertrieben aus dem Reich ob deines Bauches.
Von Recht und Tugend sprechen diese Strophen;
wo kommt das Recht und Unrecht je zusammen?

Bei einem Ungerechten, Wilden,
der immer hat die Hand voll Blut,
gibt 's Wahrheit nicht, woher erst Tugend?
Was willst du mit dem Spruche machen?“

Auf diese Worte hin zürnte jener nicht; warum? Infolge der großen übernatürlichen Macht der Liebe des großen Wesens. Darauf redete er ihn an: „Warum aber, Freund Sutasoma, bin ich ein Unrechttuer?“ Und er sprach folgende Strophe:

„Wer um des Fleisches willen geht zur Jagd
und wer für sich selbst einen Mann erschlägt:
nach ihrem Tode werden beide gleich;
warum nennst du mich also ungerecht?“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es, um seinen Irrglauben zu widerlegen, folgende Strophe:

„Fünf Fünfzehige darf verzehren
ein Edler, der sich drauf versteht.
Nicht zu Verzehrendes verzehrst du;
drum bist du ungerecht, o König.“

Nachdem jener so zurückgeschlagen war und keinen andern Ausweg fand, sprach er, um seine Sünde zu verdecken:

„Da du von eines Menschenfressers Hand
befreit ins eigne Haus voll Freuden gingest,
kehrst du zurück in deines Feindes Hand;
kennst du die Konstellationen, König?“

Das große Wesen aber antwortete ihm: „Freund, ein Mann wie ich muss doch der Kenntnisse der Kriegerkaste kundig sein. Ich weiß dies; aber ich richte mich nicht nach den Verhältnissen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Die auf der Fürsten Art sich wohl verstehen,
die kommen um so mehr noch in die Hölle.
Darum gebe ich auf der Fürsten Art
und kam die Wahrheit achtend wieder hierher;
opfre und iß mich nur, du Menschenfresser.“

Der Menschenfresser versetzte:

„Das Wohnen im Palast, Land, Rinder, Pferde,
Weiber der Lust, feine Gewänder, Sandel,
all dies erhält man dort, weil man ist Herrscher.
Welch einen Vorteil siehst du in der Wahrheit?“

Der Bodhisattva antwortete:

„Alle Genüsse, die es gibt auf Erden,
viel heilsamer als sie ist doch die Wahrheit;
der Wahrheit treu Asketen und Brahmanen
zum Ende kommen von Geburt und Tod.“

So erklärte ihm das große Wesen den Vorteil der Wahrheit. Darauf dachte der Menschenfresser, während er immer dessen Antlitz betrachtete, das einer blühenden Lotosblume oder dem Vollmond an Schönheit glich: „Dieser Sutasoma sieht, wie der Kohlenhaufen brennt und wie ich mir den Pfahl schnitze, und dabei zeigt er gar keine Aufregung. Ist dies die Macht der Strophen, die hundert Geldstücke wert sind, oder die Macht der Wahrheit oder von irgend etwas anderem? Ich will ihn fragen.“ Und um ihn zu fragen, sprach er folgende Strophe:

„Da du von eines Menschenfressers Hand befreit
ins eigne Haus voll Freuden gingest,
bist du zurückgekehrt in Feindes Hand.
Fürwahr, du kennst nicht Todesfurcht, o Fürst;
nicht ist dein Sinn gebunden, Wahrheitskünder.“

Um ihm dies zu verkünden, sprach das große Wesen:

„Getan hab ich gar manche Tugendwerke,
die Opfer, die ich bracht', sind viel gepriesen,
gereinigt ist mein Weg zur andern Welt.
Wer, der dem Rechte treu, fürchtet den Tod?

Getan hab ich gar manche Tugendwerke,
die Opfer, die ich bracht', sind viel gepriesen;
nicht traurig werd ich gehn zum andern Leben.
Vollend das Opfer; iss mich, Menschenfresser!

Dem Vater und der Mutter mein ich diente,
ob meines Rechtssinns preist man meine Herrschaft,
gereinigt ist der Weg zur andern Welt;
wer, der dem Rechte treu, fürchtet den Tod?

Dem Vater und der Mutter mein ich diente,
ob meines Rechtssinns preist man meine Herrschaft;
nicht traurig werd ich gehn zum andern Leben.
Vollend das Opfer; iss mich, Menschenfresser!

Verwandten, Freunden Dienste ich erwies,
ob meines Rechtssinns preist man meine Herrschaft;
gereinigt ist der Weg zur andern Welt;
wer, der dem Rechte treu, fürchtet den Tod?

Verwandten, Freunden Dienste ich erwies,
ob meines Rechtssinns preist man meine Herrschaft;
nicht traurig werd ich gehn zum andern Leben.
Vollend das Opfer; iss mich, Menschenfresser!

Oftmals gab ich Almosen vielen Leuten,
befriedigt wurden Asketen und Brahmanen,
gereinigt ist der Weg zur andern Welt;
wer, der dem Rechte treu, fürchtet den Tod?

Oftmals gab ich Almosen vielen Leuten,
befriedigt wurden Asketen und Brahmanen,
nicht traurig werd ich gehn zum andern Leben.
Vollend das Opfer; iss mich, Menschenfresser!“

Als dies der Menschenfresser hörte, dachte er: „Dieser König Sutasoma ist ein weiser Mann voll Einsicht. Wenn ich ihn verzehrte, würde mein Haupt in sieben Teile zerspringen und die Erde würde sich für mich öffnen.“ Zitternd vor Furcht sagte er: „Freund, es ziemt sich nicht für mich, dass ich dich aufesse.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Mit Wissen würde Gift der Mann verzehren,
glühendes Schlangengift von starker Wirkung,
in sieben Teile ihm zerspräng' das Haupt,
der einen solchen Wahrheitsfreund verzehrte.“

Nachdem er dem großen Wesen noch gesagt: „Du gleichst für mich dem Halahala-Gift; wer könnte dich verzehren?“, bekam er Lust, jene Strophen zu hören und bat es darum. Als dieses ihn, um Ehrfurcht vor der Wahrheit in ihm zu erzeugen, zurückwies mit den Worten: „Solche sündenfreie Wahrheiten kommen dir nicht zu“, dachte jener: „In ganz Indien gibt es keinen Weisen, der diesem gleicht. Denn als dieser aus meiner Hand befreit nach Hause zurückkehrte und die Strophen vernommen hatte, bezeigte er dem Wahrheitsverkündiger seine Ehrfurcht und kam dann, den Tod auf der Stirne tragend, hierher zurück. Gar herrlich werden diese Strophen sein!“ Und da er noch viel mehr Neigung bekam, sie zu hören, sprach er flehend folgende Strophe:

„Wenn sie gehört die Wahrheit, kennen
die Männer, was gut ist oder böse;
vielleicht, wenn ich die Strophen höre,
erfreut mein Sinn sich auch am Rechten.“

Da dachte das große Wesen: „Lust zu hören hat jetzt der Menschenfresser; ich werde sie ihm mitteilen.“ Nachdem er ihn durch die Worte: „So höre also gut zu, Freund“, veranlasst hatte, die Ohren zu spitzen, pries er zuerst in der Art, wie der Brahmane Nanda es ihm gesagt hatte, die Strophen; während dann die Götter aus den sechs Freudenhimmeln laute Freudenrufe ausstießen und auch die Erdgottheiten ihren Beifall zu erkennen gaben, erklärte das große Wesen dem Menschenfresser folgendermaßen die Wahrheit:

„Einmal nur gibt es, Sutasoma,
eine Zusammenkunft mit Guten;
diese Verein'gung rettet uns,
nicht viel Zusammensein mit Bösen.

Mit Guten nur soll man verkehren,
mit Guten soll man Freundschaft pflegen;
wenn man erkennt der Guten Tugend,
so wird man besser und nicht schlechter.

Es altern selbst des Königs bunte Wagen
und auch der Leib dem Altern ist verfallen.
Der Guten Tugend aber altert niemals;
die Guten ja verkünd'gen sie den Guten.

Weit ist der Himmel, weit auch ist die Erde,
des Meeres andres Ufer nennt man weit:
doch weiter noch entfernt ist, wie man sagt,
der Guten und der Bösen Art, o König.“

Weil der Bodhisattva dies so gut vortrug und weil jener selbst weise war, dachte er: „Diese Strophen sind wie von einem allwissenden Buddha gesagt.“ Sein ganzer Körper wurde mit den fünf Arten der Freude durchdrungen und er wurde weich gestimmt gegen den Bodhisattva; er ehrte ihn wie seinen Vater, als er ihm den weißen Sonnenschirm übergab. Da dachte er: „Ich sehe kein Gold und keine Schätze, die ich Sutasoma geben könnte; für eine jede Strophe aber werde ich ihm einen Wunsch gewähren.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Da ich die Strophen nützlich, gut von Worten
und gut von dir gesprochen hörte, König,
bin ich voll Freude, Lust und Fröhlichkeit
und will vier Wünsche dir gewähren, Freund.“

Das große Wesen aber schalt ihn: „Was wirst du mir wohl für einen Wunsch gewähren!“, und sprach:

„Der du nicht weißt, dass du dem Tod verfallen,
was gut und schädlich, Hölle oder Himmel,
auf Wohlgeschmack versessen, übel wandelnd,
was wirst du, Bösewicht, für Wünsche kennen?

Ich könnte sagen: ‚Gib mir diesen Wunsch‘,
du würdest trotz Versprechens ihn versagen.
Wer möchte einen offenkund'gen Kampf
eingehen, wenn er weise und verständig?“

Darauf dachte der Menschenfresser: „Dieser glaubt mir nicht; ich werde ihn veranlassen, dass er mir glaubt.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Nicht darf der Niedrige den Wunsch gewähren,
den trotz Versprechens er verweigern würde.
Wähle nur aus, mein Lieber, ohne Zagen;
selbst um mein Leben werd ich ihn erfüllen.“

Da dachte das große Wesen: „Dieser spricht mit gar großem Mute. Er wird mein Wort erfüllen und ich werde es annehmen. Wenn ich aber als ersten Wunsch äußern würde, er solle kein Menschenfleisch mehr essen, so würde er allzu sehr dadurch bedrückt werden. Zuerst werde ich drei andere Wünsche wählen und dann erst diesen bestimmen.“ Und er sprach:

„Der Edle findet Freundschaft bei dem Edlen,
der Weise findet sie bei dem Verständigen.
Gesund möcht ich dich hundert Jahre sehen;
dies ist der erste Wunsch, den ich begehre.“

Als jener dies hörte, dachte er: „Dieser wünscht mir langes Leben, der ich ihn seiner Herrschaft beraubt habe und sein Fleisch essen will, mir, seinem großen Schädiger, dem großen Räuber. Ach, er ist auf mein Heil aus!“ In seiner Freude merkte er nicht, dass jener nur, um ihn zu täuschen, diesen Wunsch gewählt habe. Und er sprach:

„Der Edle findet Freundschaft bei dem Edlen,
der Weise findet sie bei dem Verständigen.
Du darfst gesund mich sehen hundert Jahre;
diesen den ersten Wunsch ich dir gewähre.“

Darauf sprach der Bodhisattva:

„Die Fürsten, die hier sind, die Landeshüter,
gesalbten Hauptes, nach dem Land benannt,
diese verzehre nicht, die Landesherren;
dies ist der zweite Wunsch, den ich begehre.“

Während er diesen zweiten Wunsch äußerte, wünschte er damit das Leben von den mehr als hundert Königen. Auch diesen gestand ihm der Menschenfresser zu, indem er sprach:

„Die Fürsten, die hier sind, die Landeshüter,
gesalbten Hauptes, nach dem Land benannt,
diese verzehr ich nicht, die Landesherren;
diesen, den zweiten Wunsch ich dir gewähre.“

Hörten aber diese Könige diese ihre Worte oder hörten sie sie nicht? Sie hörten nicht alles. Aus Furcht nämlich, der Baum möchte durch Rauch und die Flammen beschädigt werden, hatte der Menschenfresser in einiger Entfernung das Feuer gemacht; in der Mitte aber zwischen dem Feuer und dem Baume saß das große Wesen, während es so mit ihm sprach. Darum hörten sie nicht alles, sondern vernahmen immer nur die Hälfte. Sie trösteten aber einander mit den Worten: „Jetzt wird Sutasoma den Menschenfresser bändigen; habt keine Furcht!“ In diesem Augenblick sprach das große Wesen folgende weitere Strophe:

„Die mehr als hundert Fürsten, die du fingest,
durchbohrt die Hände, Tränen in den Augen,
gib ihren eignen Reichen sie zurück;
dies ist der dritte Wunsch, den ich begehre.“

Mit diesem dritten Wunsche erlangte das große Wesen die Gewährung, dass diese Könige in ihr eignes Land zurückkehren durften. Warum? Auch wenn sie jener nicht aufgezehrt hätte, konnte er sie aus Furcht vor ihrer Feindschaft zu Sklaven machen und im Walde wohnen lassen oder er konnte sie töten und fortwerfen oder auch sie in das Grenzland führen und sie dort verkaufen. Darum wünschte er, dass sie in ihr eignes Reich zurückkehren durften. Der andere aber sprach, um auch dies ihm zu gewähren, folgende Strophe:

„Die mehr als hundert Fürsten, die ich fing,
durchbohrt die Hände, Tränen in den Augen,
sie geb ich ihrem eignen Land zurück;
diesen, den dritten Wunsch gewähr ich dir.“

Um aber den vierten Wunsch zu äußern, sprach der Bodhisattva folgende Strophe:

„Verwundet ist dein Land, an Furcht es leidet,
gar viele Leute flüchteten in Höhlen.
Verzichte doch auf Menschenfleisch, o König;
dies ist der vierte Wunsch, den ich begehre.“

Nach diesen Worten schlug sich der Menschenfresser auf die Hand und sagte lachend: „Freund Sutasoma, was sagst du denn da? Wie könnte ich dir diesen Wunsch gewähren? Wenn du noch einen erhalten willst, so wähle einen anderen.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Wahrhaftig, lieb ist mir doch diese Speise;
um ihretwillen zog ich in den Wald.
Wie könnt' ich also jetzt auf sie verzichten?
Wähl etwas andres dir als vierten Wunsch!“

Darauf sagte zu ihm das große Wesen: „Aus Liebe zum Menschenfleisch sagst du, du könntest nicht darauf verzichten; wer aber um etwas Lieben willen etwas Böses tut, ist ein Tor.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Nicht gut tut, Völkerfürst, ein Mann wie du,
der, weil er denkt: ‚Es ist mir lieb‘, sich selbst verdirbt.
Mehr wert ist doch das Selbst und die Vollendung;
der Fromme kann das Liebe später haben.“

Auf diese Worte hin bekam der Menschenfresser Furcht und dachte: „Ich kann weder den von Sutasoma geäußerten Wunsch erfüllen, noch kann ich auf Menschenfleisch verzichten; was soll ich da tun?“ Mit tränenerfüllten Augen sprach er folgende Strophe:

„Gar lieb ist mir das Menschenfleisch;
erkenne dies, o Sutasoma.
Nicht kann ich damit aufhören;
wähl einen andern Wunsch, mein Lieber!“

Darauf sprach der Bodhisattva:

„Wer denkt: ‚Es ist mir lieb‘ und liebegierig
nach Liebem trachtet und sich selber schadet,
der wird, dem Trinker gleich, der Gift getrunken,
dadurch unglücklich in der andern Welt.

Doch wer aus Einsicht hier das Liebe lässt
und, wenn auch mühevoll, nach Edlem trachtet,
der wird, dem Kranken gleich, der Heilsaft trinkt,
nur dadurch glücklich in der andern Welt.“

Darauf sprach der Menschenfresser kläglich jammernd folgende Strophe:

„Vater und Mutter gab ich darum auf,
auch der fünf Sinne reizende Begierden,
um seinetwillen zog ich in den Wald:
wie könnt' ich diesen deinen Wunsch erfüllen?“

Darauf sprach das große Wesen folgende Strophe:

„Nicht zweideutig nennen ein Wort die Weisen,
die Heiligen gestehn die Wahrheit zu.
‚Wähle, mein Freund‘, so sagtest du zu mir;
was du da sprachest, passt doch nicht für dich.“

Abermals weinend sprach jener folgende Strophe:

„Ein schlechtes Werk, Unehre und auch Schande,
viel Übel, schlechter Wandel und Befleckung
ward mir zuteil wegen des Menschenfleisches;
wie könnte ich dir diesen Wunsch erfüllen?“

Darauf entgegnete das große Wesen:

„‚Nicht darf der Niedrige den Wunsch gewähren,
den trotz Versprechens er verweigern würde.
Wähle nur aus, mein Lieber, ohne Zagen;
selbst um mein Leben werd ich ihn erfüllen.‘“

Nachdem es so diese vorher gesprochene Strophe zur Erläuterung angeführt hatte, sprach es, um in dem andern die Kraft zur Bewilligung des Wunsches zu erzeugen, folgende weitere Strophe:

„Das Leben opfern Weise, nicht das Recht,
die Heiligen gestehn die Wahrheit zu;
gewähr mir darum rasch den Wunsch,
damit die Wahrheit du erhaltest, bester König.

Man opfre Geld um eines Gliedes willen;
das Glied man opfre, will man 's Leben retten.
Doch Geld und Glieder und das ganze Leben
opfre der Mann, wenn er gedenkt der Wahrheit.“

Indem ihn so das große Wesen durch diese Erwägungen in der Wahrheit zu befestigen suchte, sprach es nun, um auf seine Eigenschaft als Lehrer hinzuweisen, folgende Strophe:

„Von wem ein Mann das Recht lernt unterscheiden,
die Weisen, die ihm seine Zweifel lösen,
die sind ein Licht ihm und die höchste Hilfe;
nicht lass dazu die Lieb' altern der Weise.“

Nach diesen Worten aber fügte er hinzu: „Freund Menschenfresser, es ziemt sich nicht, das Wort eines tugendreichen Lehrers zu zerstören; ich aber war in der Zeit deiner Jugend dein Nebenlehrer und unterrichtete dich in vielem. Jetzt habe ich dir mit Buddha-Anmut Verse vorgetragen, die hundert Geldstücke wert sind; darum musst du nach meinen Worten tun.“ Als dies der Menschenfresser hörte, antwortete er: „Sutasoma ist mein Lehrer und ist zugleich ein Weiser. Ich habe ihm einen Wunsch gewährt; was kann ich tun? In einer Existenz ist doch der Tod bestimmt; ich werde kein Menschenfleisch mehr verzehren.“ Indem er Ströme von Tränen vergoss, erhob er sich, fiel dem Männerfürsten Sutasoma zu Füßen und sprach, um ihm seinen Wunsch zu gewähren, folgende Strophe:

„Gewiss ist dieses Mahl mir angenehm,
um seinetwillen zog ich in den Wald;
doch wenn du mich um diese Sache bittest,
gewähre ich auch diesen Wunsch dir, Lieber.“

Darauf sprach zu ihm das große Wesen: „So soll es sein, Freund; für einen, der in der Tugend befestigt ist, ist ja selbst der Tod ein Wunsch. Ich nehme, Großkönig, den von dir gewährten Wunsch an. Von heute an bist du auf dem Pfade des Lehrers befestigt. Trotzdem aber bitte ich dich: Wenn du Liebe zu mir empfindest, so nimm die fünf Gebote an, o Großkönig.“ „Gut, Freund, gib mir die fünf Gebote“, versetzte der andere. „So nimm sie also hin, Großkönig“, erwiderte der Bodhisattva. Nachdem ihm jener mit den fünf Stützpunkten seine Verehrung bezeigt, setzte er sich ihm zur Seite und das große Wesen befestigte ihn in den fünf Geboten.

In diesem Augenblick sagten die Erdgottheiten, die dortselbst versammelt waren: „Außer dem großen Wesen ist von der Avici-Hölle bis zum höchsten Himmel niemand anderer im Stande, Liebe zu erzeugen und den Menschenfresser vom Menschenfleisch abzuhalten. Ach, welch schweres Werk hat Sutasoma vollbracht!“ So erfüllten sie mit lauter Stimme den ganzen Wald und riefen Beifall. Als dies die vier Großkönige hörten, taten auch sie so; kurz bis zur Brahmawelt war ein Lärm. Auch die Könige, die an dem Baume hingen, hörten das Beifallsgeschrei der Gottheiten; auch die Baumgottheit selbst rief Beifall, indem sie dabei in ihrer Wohnung blieb. So hörte man das Beifallsrufen der Gottheiten, sah aber ihre Gestalten nicht. Als so die Könige das Beifallsgeschrei der Gottheiten hörten, dachten sie: „Durch Sutasoma wurde uns das Leben gerettet; etwas Schweres hat Sutasoma getan, indem er den Menschenfresser bezwang“; und sie priesen den Bodhisattva.

Nachdem der Menschenfresser aber die Füße des großen Wesens verehrt, stellte er sich ihm zur Seite. Darauf sprach das große Wesen zu ihm: „Freund, befreie die Fürsten.“ Jener dachte: „Ich bin ihr Feind; wenn ich sie freilasse, so könnten sie sagen: ‚Fangt unsern Feind‘ und mich verletzen. Ich kann aber, auch wenn ich mein Leben aufgeben müsste, das Gebot, das ich von Sutasoma empfangen, nicht wieder brechen. Doch werde ich mit ihm zusammen hingehen und sie freimachen; auf diese Weise wird keine Gefahr für mich daraus entstehen.“ Darauf bezeigte er dem Bodhisattva seine Verehrung, sagte zu ihm: „Sutasoma, wir beide wollen hingehen und die Edlen befreien“, und sprach folgende Strophe:

„Mein Lehrer bist du und mein Freund dazu,
nach deinem Worte auch tat ich, mein Lieber.
Drum tu auch du nach meinen Worten, Freund;
wir beide wollen gehn und sie befreien.“

Der Bodhisattva erwiderte ihm:

„Dein Lehrer bin ich und dazu dein Freund,
nach meinem Wort auch tatest du, mein Lieber.
Drum tu auch ich nach deinen Worten, Freund;
wir beide wollen gehn und sie befreien.“

Er ging zu den Königen hin und sprach:

„Vom Fleckfüßigen waret ihr verwundet,
durchbohrt die Hände, tränenvoll die Augen.
Verratet doch gewiss nicht diesen König;
versprechet mir dieses Wahrheitsgeständnis.“

Darauf sprachen jene:

„Vom Fleckfüßigen waren wir verwundet,
durchbohrt die Hände, tränenvoll die Augen.
Gewiss verraten wir nicht diesen König;
wir drum versprechen dies Wahrheitsgeständnis.“

Nunmehr sagte zu ihnen der Bodhisattva: „So gebt mir also dies Versprechen“, und sprach:

„So wie der Vater oder auch die Mutter
mitleidig und aufs Wohl bedacht der Kinder,
so soll für uns auch dieser König sein;
und ihr sollt zu ihm sein wie seine Söhne.“

Dies zugestehend sprachen die Könige folgende Strophe:

„So wie der Vater oder auch die Mutter
mitleidig und aufs Wohl bedacht der Kinder,
so soll für uns sein dieser König;
wir wollen zu ihm sein wie seine Söhne.“

Nachdem so das große Wesen deren Versprechen erhalten, rief er den Menschenfresser herbei und sagte zu ihm: „Komm, mache die Edlen los.“ Darauf nahm dieser ein Schwert und zerhieb damit die Fessel eines Königs. Der König, der sieben Tage lang ohne Nahrung geblieben und von Schmerzen überwältigt war, fiel, sobald seine Fessel durchgeschnitten wurde, zu Boden. Als dies das große Wesen sah, sagte es mitleidsvoll: „Freund Menschenfresser, zerhaue nicht so die Bande.“ Dann nahm es einen König fest mit beiden Händen, drückte ihn an seine Brust und sagte: „Jetzt zerhaue die Fessel.“ Darauf zerhieb der Menschenfresser diese mit dem Schwerte. Das große Wesen aber legte den König, weil er so krank war, auf seine Brust, ließ ihn, als wäre dieser sein eigener Sohn, mit Sanftmut hinab und legte ihn auf die Erde.

Nachdem es sie so alle auf die Erde gelegt, wusch es ihnen ihre Wunden aus und zog ihnen, wie den Knaben die Schnur aus ihrem Ohr, sanft die Riemen heraus; es wusch das alte Blut ab und machte die Wunden ungefährlich. Dann sagte es zu dem Menschenfresser: „Freund Menschenfresser, reibe eine Baumrinde an einem Stein ab und bringe sie her.“ Nachdem es diese hatte bringen lassen, betätigte es eine Wahrheitsbeteuerung und bestrich mit der Rinde die Handflächen der Könige; in demselben Augenblick waren die Wunden heil. Darauf kochte der Menschenfresser aus Reiskörnern ein Vorbeugemittel und die beiden Leute gaben den mehr als hundert Königen das Vorbeugemittel zu trinken. So wurden sie alle befriedigt; dabei ging die Sonne unter. Nachdem sie ihnen am nächsten Tage am Morgen, am Mittag und am Abend wieder nur das Vorbeugemittel zu trinken gegeben hatten, gaben sie ihnen am dritten Tage sauren Schleim mit Klumpen gekochten Reises und davon wurden jene allmählich gesund.

Darauf fragte sie das große Wesen: „Werdet ihr im Stande sein zu gehen?“ Als sie antworteten: „Lass uns gehen“, fuhr er fort: „Komm, Freund Menschenfresser, wir wollen in unser eigenes Reich gehen.“ Da fiel ihm dieser weinend zu Füßen und sprach: „Du, Freund, gehe nur mit den Königen fort; ich aber werde hier bleiben und mich von Wurzeln und Früchten ernähren.“ Der Bodhisattva warf ein: „Freund, was willst du da tun? Entzückend ist dein Reich; übe zu Benares die Herrschaft aus.“ Doch jener versetzte: „Freund, was sagst du? Ich kann doch nicht dorthin gehen. Alle Bewohner der Stadt sind ja meine Feinde. Sie werden mich schelten mit den Worten: ‚Meine Mutter hat er aufgefressen, meinen Vater‘; sie werden rufen: ‚Fangt diesen Räuber‘ und mich mit einem Hagel von Erdklumpen des Lebens berauben. Ich aber bin von Euch in den Geboten befestigt worden und kann selbst um meines Lebens willen keinen andern töten. Ich gehe nicht fort; nachdem ich auf Menschenfleisch verzichtet habe, wie lange soll ich da noch leben? Jetzt sehe ich Euch nicht mehr.“ Und weinend fügte er hinzu: „Geht nur!“

Da antwortete ihm das große Wesen, indem es ihm den Rücken rieb: „Mein Freund, ich bin doch Sutasoma! Ich habe einen so Grausamen, wie du es bist, bekehrt; was brauche ich da zu den Bewohnern von Benares viel zu sagen? Ich werde dich dort in der Herrschaft befestigen oder ich werde mein eigenes Reich in zwei Teile teilen und dir die Hälfte geben.“ Als jener erwiderte: „Auch in Eurer Stadt sind nur Feinde von mir“, dachte der Bodhisattva: „Als jener nach meinen Worten tat, hat er ein schweres Werk vollbracht; durch welches Mittel auch immer muss ich ihn in seinen früheren Glanz einsetzen.“ Und um ihn zu verlocken, sprach er, um die Schönheit der Stadt zu preisen:

„Das Fleisch der Vierfüßler und das der Vögel,
von Köchen wohl gekocht und wohl bereitet,
wie Indra Götterspeis', hast du genossen;
wie lässt du dies und bleibst allein im Walde?

Die Fürstinnen mit gertenschlanken Taillen
umringten dich mit reichem Schmuck geziert,
wie Indra bei den Göttern sie dich entzückten;
wie lässt du dies und bleibst allein im Wald?

Auf roten Kissen, langhaarigen Fellen,
auf reinem, breitem Lager wohl begrenzt,
in Lagers Mitten ruhtest du einst glücklich;
wie lässt du dies und bleibst allein im Wald?

Der Instrumente Ton, der Pauken Klang,
Musik, die überirdisch schien, bei Nacht,
viel schöne Lieder, viele schöne Töne:
wie lässt du dies und bleibst allein im Walde?

Die Stadt mit schönem Park voll vieler Blumen,
mit dem entzückenden Migacira-Park,
erfüllt mit Rossen, Elefanten, Wagen:
wie lässt du dies und bleibst allein im Walde?“

Weil so das große Wesen dachte: „Vielleicht gedenkt dieser an den Wohlgeschmack der Genüsse, die er früher genossen, und bekommt dadurch Lust zu gehen“, suchte er ihn zuerst zu verlocken durch die Speise, zum zweiten durch die sinnliche Lust, zum dritten durch das Lager, zum vierten durch Tanz, Gesang und Musik und zum fünften durch den Park und die Stadt. Nachdem er ihn so durch diese vielen Dinge verlockt hatte, fuhr er fort: „Gehe, o Großkönig; ich werde mit dir gehen, dich in Benares in deine Herrschaft einsetzen und mich dann in mein eigenes Reich begeben. Wenn wir nicht das Reich von Benares bekommen, werde ich dir die Hälfte meines Reiches geben. Was soll dir der Aufenthalt im Walde? Tue nach meinem Wort!“

Als jener dessen Worte vernommen, bekam er Lust, dorthin zu gehen, und er dachte bei sich: „Sutasoma ist auf meinen Nutzen bedacht und von Mitleid gegen mich erfüllt. Nachdem er mich zuerst im Guten befestigt hat, sagt er, er wolle mich jetzt wieder in meinen früheren Glanz einsetzen. Er wird im Stande sein, mich in meine Herrschaft einzusetzen. Mit ihm nur muss ich gehen. Was soll mir das Leben im Walde?“ Voll Freude sagte er, da er wegen seiner Tugend seinen Ruhm preisen wollte: „Freund Sutasoma, etwas Besseres als die Vereinigung mit einem tugendhaften Freunde und etwas Schlechteres als die Vereinigung mit einem schlimmen Freunde gibt es ja nicht.“ Und er sprach:

„Wie in der dunklen Monatshälfte
der Mond abnimmt von Tag zu Tag,
der dunklen Monatshälft' vergleichbar
ist der Verkehr mit Bösen, König.

So, als ich mit dem Koch vereint,
dem Koch, dem niedrigsten der Menschen,
vollführt' ich eine böse Tat,
durch die ich in die Hölle komme.

Wie in der hellen Monatshälfte
der Mond zunimmt von Tag zu Tag,
der hellen Monatshälft' vergleichbar
ist der Verkehr mit Weisen, König.

So jetzt, nachdem zu dir ich kam,
erkenne dies, o Sutasoma,
vollführe ich nur gute Taten,
durch die ich in den Himmel komme.

Wie auf dem Festland große Wasserfluten
nicht weiter dauern und nicht lang bestehen,
so ist auch die Verein'gung mit Unweisen
von kurzer Dauer wie am Land das Wasser.

Doch wie in einem See die Wasserfluten
beständig bleiben und gar lang bestehen,
so ist auch die Vereinigung mit Weisen
beständig dauernd wie im See das Wasser.

Nicht wechselnd ist der Heiligen Verbindung;
solange sie besteht, bleibt sie sich gleich.
Kurz dauert die Vereinigung der Bösen;
drum ist der Guten Art den Schlechten fern.“

So verkündete dieser Menschenfresser mit diesen sieben Strophen nur den Ruhm des großen Wesens. Dies zog mit dem Menschenfresser und den Königen in ein Grenzdorf. Als die Grenzbewohner das große Wesen sahen, gingen sie in die Stadt hinein und verkündigten es. Darauf kamen die Minister mit dem Heere herbei und umringten sie; von ihnen umgeben zog das große Wesen in das Reich von Benares. Unterwegs begleiteten es die Landbewohner und reichten ihm Geschenke; es war ein großes Geleite. Mit diesen gelangte es nach Benares.

Damals war dort des Menschenfressers Sohn König und sein Heerführer war immer noch Kālahatthī. Es meldeten aber die Stadtbewohner dem Könige: „O Großkönig, Sutasoma hat den Menschenfresser gebändigt und kommt mit ihm hierher; wir werden nicht zulassen, dass er die Stadt betritt.“ Schnell schlossen sie die Stadttore und stellten sich auf, die Waffen in der Hand. Als aber das große Wesen bemerkte, dass das Tor verschlossen war, ließ es den Menschenfresser und die mehr als hundert Könige zurück, kam mit wenigen Ministern herbei und sprach: „Ich bin König Sutasoma, öffnet das Tor!“ Die Leute gingen hin und meldeten dies dem Könige; dieser befahl, es zu öffnen, mit den Worten: „Öffnet es rasch!“ So zog das große Wesen in die Stadt ein. Der König sowohl wie Kālahatthī kamen ihm zur Begrüßung entgegen und ließen ihn mit ihnen in den Palast hinaufsteigen.

Darauf setzte sich der Bodhisattva auf den Sitz des Königs, ließ des Menschenfressers erste Gemahlin und die übrigen Minister herbeirufen und fragte dann den Kālahatthī: „Kālahatthī, warum lasst ihr den König nicht in die Stadt einziehen?“ Jener antwortete: „Während er hier herrschte, hat er in dieser Stadt viele Menschen gefressen; er tat etwas, was Fürsten nicht tun dürfen. Durch ganz Indien hat der Bösewicht einen Riß gemacht. Aus diesem Grunde tun wir so; jetzt wird er noch ebenso handeln.“ Doch der Bodhisattva versetzte: „Seid unbekümmert! Ich habe ihn gebändigt und in den Tugenden befestigt; selbst um seines Lebens willen wird er niemand mehr verletzen. Für euch besteht von ihm aus keine Gefahr; tut nicht so! Die Söhne müssen doch die Eltern ernähren und pflegen; diejenigen, die ihre Eltern ernähren, kommen in den Himmel, die anderen aber in die Hölle.“

Nachdem er so dem auf einem niedrigen Sitze sitzenden Sohne des Königs eine Ermahnung gegeben, fuhr er fort: „Kālahatthī, du bist der Gefährte des Königs und sein Untertan; von dem König wurdest du in ein hohes Amt eingesetzt. Auch du musst zum Heile des Königs wirken.“ Nachdem er so den Heerführer belehrt, ermahnte er auch noch die Königin mit den Worten: „O Fürstin, da du aus dem Hause deiner Familie gekommen warst, gelangtest du bei ihm zur Stelle seiner ersten Gemahlin und wurdest durch Söhne und Töchter gestärkt; auch du musst zu seinem Heile wirken.“ Darauf sprach er, um diese Angelegenheit zu ihrer Spitze zu bringen und um die Wahrheit zu lehren:

„Nicht ist der König, der den nicht Besiegbaren besiegt,
nicht ist der Freund, der seinen Freund verrät,
nicht ist die Gattin, die den Gatten fürchtet,
nicht sind das Söhne, die den Alten nicht erhalten.

Keine Versammlung ist es, wo nicht Weise sind,
nicht sind die Weise, die nicht Wahrheit reden;
wenn sie die Lust, den Hass, den Irrtum aufgegeben,
so sind sie weise, weil sie Wahrheit reden.

Wenn er nicht spricht, erkennt man nicht
den Weisen in der Toren Mitte;
doch wenn er spricht, erkennt man ihn,
wenn er den Weg zum Ewigen lehrt.

Reden und preisen soll man Wahrheit,
der Weisen Fahne man ergreife;
der Weisen Fahn' ist gute Rede,
die Wahrheit ist der Weisen Flagge.“—

Als der König und der Heerführer seine Lehrunterweisung vernahmen, sagten sie voll Freude: „Wir wollen hingehen und den Großkönig herbeiholen.“ Sie ließen in der Stadt die Trommel herumgehen, damit sich die Stadtbewohner versammelten, und sprachen zu diesen: „Fürchtet euch nicht; der König ist nämlich in der Tugend befestigt. Kommt, wir wollen ihn herführen.“ So zogen sie mit einer großen Volksmenge, indem sie das große Wesen vornhin nahmen, zum König hin und bezeigten ihm ihre Verehrung. Dann besorgten sie ihm Barbiere. Als nun der König Haare und Bart in Ordnung gebracht hatte, gebadet und reich geschmückt war, stellten sie ihn auf einen Haufen Kleinodien und salbten ihn. Hierauf ließen sie ihn in die Stadt einziehen.

Der König Menschenfresser aber erwies den mehr als hundert Königen sowie dem großen Wesen große Ehre. In ganz Indien verbreitete sich mit großem Lärm die Kunde: „Der Herrscher Sutasoma hat den Menschenfresser gebändigt und ihn wieder in seine Herrschaft eingesetzt.“ Darauf schickten die Bewohner von Indapatta einen Boten mit dem Auftrag: „Die Könige sollen kommen.“ Nachdem der Bodhisattva in Benares die Zeit von einem Monat geblieben war, ermahnte er den Menschenfresser: „Freund, wir wollen gehen. Lasse du nicht nach; errichte an den Stadttoren und an dem Tore deines Palastes zusammen fünf Almosenhallen, betätige eifrig die zehn Königstugenden und verhindere, dass du an einen der Straforte gelangst.“

Aus den mehr als hundert Residenzen der Könige aber versammelte sich ein immer größeres Heer. Umgeben von diesem Heere verließ der Bodhisattva Benares; auch der Menschenfresser zog aus Benares fort und kehrte erst an der Hälfte des Weges um. Das große Wesen aber gab den Königen, die unberitten waren, Reittiere und entließ sie dann alle. Sie aber bedankten sich noch bei ihm, betätigten noch, wie es recht war, Grüße und Umarmungen u. dgl. und kehrten dann jeder in seine Stadt zurück.

Als aber das große Wesen in seine Stadt kam, zog es mit großer Pracht in die von den Bewohnern von Indapatta so schön wie eine Götterstadt geschmückte Stadt ein. Nachdem es seinen Eltern seine Verehrung bezeigt und ein liebevolles Gespräch mit ihnen geführt hatte, stieg es in den Thronsaal hinauf.—Während es so in Gerechtigkeit regierte, dachte es bei sich: „Die Baumgottheit war mir eine große Hilfe; ich werde bewirken, dass sie Opfergaben erhält.“ Unweit von jenem Bananenbaum ließ er einen großen Teich anlegen, schickte viele Familien dorthin und gründete dort ein Dorf. Das Dorf wurde groß und war mit Läden ausgestattet, achtzigtausend an Zahl. Den Boden unter dem Baume machte er von der Spitze der Zweige angefangen ganz eben und errichtete eine Umzäunung darum, die mit Torbogen und Türen versehen war. Darüber war die Gottheit befriedigt. Weil aber der Buntfüßige dort gebändigt worden war, wo das Dorf errichtet wurde, erhielt das Dorf den Namen Kammasadamma-Flecken.

Alle Könige aber beharrten bei der Ermahnung des großen Wesens, taten gute Werke wie Almosen Geben u. dgl. und gelangten dann in den Himmel.

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, habe ich den Angulimala gebändigt, sondern auch früher schon bändigte ich ihn.“

Hierauf verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der Menschen fressende König Angulimala, Kālahatthī war Sāriputta, der Brahmane Nanda war Ananda, die Baumgottheit war Kassapa, Gott Sakka war Anuruddha, die übrigen Könige waren die Buddhaschar, die Eltern waren Angehörige der Großkönigsfamilie, der König Sutasoma aber war ich.“

Ende der großen Erzählung von Sutasoma