Jātaka 539

Die Erzählung von Mahajanaka (Mahajanaka-Jātaka)

„Wer ist dies, der in Meeres Mitten“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die große Weltentsagung. Eines Tages nämlich saßen die Mönche in der Lehrhalle, indem sie die große Weltentsagung des Vollendeten priesen. Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach der Meister: „Nicht nur jetzt, sondern auch früher, ihr Mönche, betätigte der Vollendete die große Weltentsagung.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem herrschte im Reiche Videha in der Stadt Mithila ein König namens Mahajanaka. Dieser hatte zwei Söhne, Aritthajanaka und Polajanaka. Von diesen gab der König dem ältesten die Stelle des Vizekönigs, dem jüngsten das Amt des Heerführers. Als in der Folgezeit der König Mahajanaka gestorben war, wurde Artthajanaka König und gab dem andern das Amt des Vizekönigs. Ein Diener von diesem ging zum Könige hin und sagte: „O Fürst, der Vizekönig beabsichtigt, Euch zu töten.“ Als der König immer wieder dessen Worte hörte, ließ er sich umstimmen; er ließ den Polajanaka mit Ketten fesseln und unweit vom königlichen Palaste in einem Hause von Wächtern bewachen. Hier machte nun der Prinz folgende Wahrheitsbekräftigung: „Wenn ich ein Feind meines Bruders bin, so sollen meine Ketten sich nicht lösen und auch die Tür soll sich nicht öffnen; im anderen Falle aber sollen meine Fesseln sich lösen und auch die Tür soll sich öffnen.“ Sogleich zerbrachen seine Ketten in kleine Stücke und die Türe war offen. Er ging hinaus und gelangte zu einem Grenzdorfe, wo er seinen Aufenthalt nahm; die Grenzbewohner erkannten ihn und dienten ihm. Der König aber konnte seiner nicht habhaft werden.

So brachte er in der Folgezeit das Volk an der Grenze in seine Gewalt und bekam ein großes Gefolge. Er dachte: „Früher war ich meinem Bruder nicht feind, jetzt aber bin ich sein Feind“; von einer großen Schar umgeben zog er gegen Mithila und lagerte vor der Stadt mit seinem Heer. Die Stadtbewohner nahmen auf die Kunde, der Prinz Polajanaka sei gekommen, immer mehr Elefanten, Reittiere u. dgl. und kamen zu ihm; auch andere Städter kamen herbei. Jetzt schickte jener seinem Bruder folgende Botschaft: „Ich war vorher nicht Euer Feind, jetzt aber bin ich Euer Feind; gebt mir entweder den Sonnenschirm oder kämpft mit mir!“ Als nun der König auszog, um mit ihm zu kämpfen, wandte er sich an seine erste Gemahlin mit folgenden Worten: „Liebe, im Kampfe gibt es Sieg und Niederlage; ich kann nicht erkennen, ob mir eine Gefahr droht. Beschütze du deine Leibesfrucht!“ Damit entfernte er sich. Im Kampfe aber töteten ihn die Streiter des Polajanaka.

„Der König ist tot!“, mit diesem Geschrei ward die ganze Stadt erfüllt. Als die Fürstin merkte, dass ihr Gatte tot war, legte sie ganz rasch Kleinodien aus Gold u. dgl. in einen Korb, breitete darüber ein Tuch und streute Reiskörner oben darauf. Sie selbst zog ein beschmutztes Gewand an, machte ihren Körper missgestaltet, nahm den Korb auf den Kopf und verließ zu ungewohnter Zeit die Stadt; niemand erkannte sie. Nachdem sie zum Nordtore herausgegangen war, wusste sie keinen Weg, weil sie vorher noch nirgendwohin gegangen war; auch konnte sie die Himmelsgegenden nicht unterscheiden. Nur weil sie gehört hatte, es gebe eine Stadt Kalacampa, fragte sie: „Gibt es jemand, der nach der Stadt Kalacampa geht?“, und setzte sich nieder. In ihrem Schoße aber weilte nicht irgendein beliebiges Wesen, sondern der die Vollendungen erfüllende Bodhisattva hatte darin seine Wiedergeburt genommen; von dessen Glanz erzitterte Gott Sakkas Palast.

Als Sakka darüber nachdachte und die Ursache davon erkannte, dachte er: „Das in ihrem Schoße weilende Wesen ist von großer Tugend; ich muss zu ihr hingehen.“ Er erschuf einen verdeckten Wagen, ließ darauf ein Bett ausbreiten und trieb, wie ein alter Mann aussehend, sein Gespann. Am Tore der Halle, wo jene saß, blieb er stehen und fragte: „Sind Leute da, die nach der Stadt Kalacampa reisen?“ „Ich, Vater, will dorthin reisen“, antwortete sie. Er fuhr fort: „Darum steige auf den Wagen, Liebe, und setze dich nieder!“ Sie aber versetzte: „Vater, ich bin hochschwanger, ich kann nicht auf den Wagen hinaufsteigen. Ich werde hinterdrein gehen; gib mir nur einen Platz für diesen Korb!“ Doch der Gott erwiderte: „Liebe, was sagst du? Es gibt niemand, der in gleicher Weise wie ich einen Wagen zu fahren versteht. Fürchte dich nicht, sondern steige hinauf und setzte dich nieder!“ Als sie hinaufstieg, bewirkte er durch seine übernatürliche Macht, dass die Erde sich hob und bis an das hintere Ende des Wagens reichte. Jene stieg also hinauf und legte sich auf das Lager; dabei merkte sie: „Es wird ein Gott sein.“ Sobald sie sich aber auf das göttliche Lager niedergelegt hatte, verfiel sie in Schlaf.

Nachdem so dreißig Meilen zurückgelegt waren, weckte sie Sakka, als er an einen Fluss gekommen war, und sprach zu ihr: „Liebe, steige herab und bade dich im Flusse; am Kopfteil des Lagers ist ein Gewand, dieses lege um. In dem Wagen ist auch Kuchen zur Speise, diesen verzehre!“ Sie tat so und legte sich dann wieder in den Wagen. Zur Abendzeit kamen sie nach Campa. Als sie die Tortürme und die Mauer sah, fragte sie: „Vater, was für eine Stadt ist dies?“ Er antwortete: „Es ist die Stadt Campa.“ „Was sagst du, Vater“, versetzte sie, „ist nicht von unsrer Stadt die Stadt Campa sechzig Meilen entfernt?“ „So ist es, Liebe“, antwortete der Gott, „ich kenne aber den geraden Weg.“ Darauf ließ er sie in der Nähe des Südtores herabsteigen und sagte zu ihr: „Liebe, unser Dorf ist weiter vorn; gehe du in die Stadt hinein.“

Nach diesen Worten ging Sakka vorwärts; dann verschwand er und kehrte an seinen Ort zurück. Die Fürstin aber setzte sich in einer Halle nieder.

In diesem Augenblick kam ein in der Stadt Campa wohnender Brahmane, der die heiligen Sprüche hersagte, umgeben von fünfhundert Brahmanenjünglingen des Weges, um zu baden. Als er von ferne hinblickte und die schöne Frau voll Liebreiz dort sitzen sah, wurde er durch die übernatürliche Macht des in ihrem Schoße Befindlichen, sobald er sie sah, von Liebe zu ihr wie zu einer jüngeren Schwester erfüllt. Er ließ die Jünglinge warten, ging allein in die Halle hinein und fragte sie: „Schwester, in welchem Dorfe wohnst du?“ Sie antwortete: „Ich bin die erste Gemahlin des Königs Aritthajanaka von Mithila.“ Er fragte weiter: „Warum bist du hierher gekommen?“ Sie erwiderte: „Von Polajanaka wurde der König getötet; daher kam ich aus Furcht hierher, um meine Leibesfrucht zu beschützen.“ „Hast du aber in dieser Stadt irgend einen Verwandten?“ „Ich habe keinen, Vater“, war die Antwort.

Darauf sprach der Brahmane: „Sei darum unbesorgt. Ich bin ein Brahmane vom Norden, sehr begütert, ein weltbekannter Lehrer. Ich werde dich als Schwester annehmen und dich pflegen. Sage Bruder zu mir, fasse mich an den Füßen und jammere laut.“ Unter lautem Klagen fiel sie ihm zu Füßen und sie klagten miteinander. Da liefen die Schüler herbei und fragten: „Meister, was ist Euch?“ Er antwortete: „Meine jüngste Schwester war so lange Zeit von mir getrennt.“ Sie erwiderten: „Nachdem Ihr sie aber gesehen habt, seid nicht mehr bekümmert, Meister!“ Darauf ließ er einen bedeckten großen Wagen herbeiholen, ließ sie sich darauf setzen und sagte ihr: „Liebe, sage meiner Gattin, dass du meine Schwester bist, und versprich ihr, alle Dienstleistungen zu tun.“ Mit diesen Worten schickte er sie in sein Haus. Die Brahmanin aber ließ sie mit warmem Wasser baden, richtete ihr ein Lager her und ließ sie sich darauf legen. Als nun der Brahmane vom Bade nachhause kam, sagte er, als es Essenszeit war: „Ruft meine Schwester herbei“; er aß mit ihr zusammen und pflegte sie in seinem Hause.

Nach kurzer Zeit gebar sie einen Sohn; diesem gab man den Namen seines Großvaters und nannte ihn „Prinz Mahajanaka“. Als er heranwuchs und mit den anderen Knaben zusammen spielte, da schlug er diejenigen, die ihn verspotteten, stark, weil er infolge seiner Abstammung von einer ununterbrochenen Reihe von Königen große Kraft und großen Mut besaß. Laut weinten die anderen, und als man sie fragte: „Wer hat euch geschlagen?“, da sagten sie: „Der Sohn der Witwe.“

Da dachte der Prinz: „Diese sagen beständig von mir ‚der Witwensohn‘. Ich werde meine Mutter fragen“; und eines Tages fragte er sie: „Mutter, was ist mein Vater?“ Sie aber betrog ihn mit den Worten: „Mein Sohn, dein Vater ist ein Brahmane.“—Als er nun am nächsten Tage wieder die Knaben schlug und wieder mit dem Worte ‚Witwensohn‘ angeredet wurde, sagte er: „Ist nicht ein Brahmane mein Vater?“ Sie aber erwiderten: „Was ist dir der Brahmane?“ Da dachte er bei sich: „Diese sagen: ‚Was ist dir der Brahmane?‘ Meine Mutter erzählt mir die Sache nicht. Nach eigenem Willen wird sie es mir nicht sagen; gut, ich werde sie veranlassen, dass sie es sagt.“ Als er Muttermilch trank, biss er sie in die Brust und sagte: „Nenne mir meinen Vater; wenn du ihn mir nicht nennst, werde ich dir die Brust zerreißen.“ Da sie ihn nicht mehr täuschen konnte, erzählte sie ihm: „Mein Sohn, du bist der Sohn des Königs Aritthajanaka von Mithila. Dein Vater wurde von Polajanaka getötet; ich bin, um dich zu retten, in diese Stadt gekommen. Der Brahmane nahm mich als seine Schwester auf und pflegte mich.“

Von da an wurde er nicht mehr zornig, wenn zu ihm gesagt wurde ‚Witwensohn‘. Innerhalb seiner ersten sechzehn Jahre erlernte er die drei Veden und alle Künste; als er aber sechzehn Jahre alt war, war er von äußerster Schönheit. Da dachte er: „Ich werde das meinem Vater gehörige Reich einnehmen“, und er fragte seine Mutter: „Mutter, hast du etwas in deinem Besitz? Wenn nicht, so werde ich durch Handeltreiben mir Geld erwerben und das meinem Vater gehörige Reich einnehmen.“ Die Mutter antwortete: „Mein Sohn, ich bin nicht mit leeren Händen gekommen; ich habe manche Kostbarkeiten an Perlen, an Edelsteinen und an Diamanten, so viele, dass man ein Reich damit gewinnen kann. Nimm dies und gewinne dir damit das Reich; treibe aber keinen Handel!“ Der Prinz versetzte: „Mutter, auch diese Schätze gib mir; doch will ich nur die Hälfte davon nehmen, damit nach dem Goldlande fahren, von dort viel Geld holen und damit mir das Reich gewinnen.“ Er ließ die Hälfte des Schatzes holen, nahm dafür Waren und verbrachte diese Waren mit anderen Kaufleuten, die nach dem Goldlande fahren wollten, auf ein Schiff. Dann kam er zurück, grüßte seine Mutter und sagte: „Mutter, ich werde nach dem Goldlande fahren.“ Sie erwiderte: „Mein Sohn, das Meer bringt wenig Erfolg und enthält viele Gefahren. Reise nicht fort; du hast genug Schätze, um dir ein Reich zu gewinnen.“ Er aber sprach: „Ich werde gehen, Mutter“; damit verabschiedete er sich von seiner Mutter, ging fort und bestieg das Schiff. An demselben Tage aber befiel den Körper des Polajanaka eine Krankheit und er legte sich auf das Lager, von dem er nicht mehr aufstehen sollte.

Siebenhundert Beine bestiegen das Schiff; an sieben Tagen legte das Schiff siebenhundert Meilen zurück. Weil es aber zu gewaltsam fuhr, konnte es nicht mehr weiter fahren. Die Planken brachen, allenthalben kam das Wasser hervor und das Schiff versank inmitten des Meeres. Viel Volks weinte, klagte und rief die verschiedenen Gottheiten an. Der Bodhisattva aber klagte und weinte nicht und rief auch keine Gottheit an; sondern als er merkte, dass das Schiff untergehe, zerstieß er Zucker in zerlassener Butter und verzehrte dies, bis sein Leib gefüllt war. Dann bestrich er zwei reine Gewänder mit Sesamöl, zog diese fest an und stellte sich neben den Mast. Als nun das Schiff unterging, blieb der Mast gerade stehen. Viel Volks wurde der Fraß der Fische und Schildkröten, nach allen Seiten hin wurde das Meer von Blut gefärbt.

Auf der Spitze des Mastes stehend erforschte das große Wesen die Himmelsgegend und merkte: „In dieser Richtung liegt Mithila.“ Dann sprang es von der Mastspitze herab, kam über die Fische und Schildkröten hinaus und sprang infolge seiner großen Kraft ein Usabha weit.—An demselben Tage starb Polajanaka.—Von da an drehte sich das große Wesen in den edelsteinfarbenen Wogen um und schwamm durch den Ozean wie ein Haufen Gold. Es schwamm eine ganze Woche, als wäre es nur ein Tag; doch beobachtete es die Zeit und hielt das Uposatha, indem es sich mit Salzwasser den Mund ausspülte.

Damals war von den vier Welthütern eine Göttertochter namens Manimekhala als Hüterin des Meeres aufgestellt mit folgender Weisung: „Wesen, die mit der Ehrung der Mutter und ähnlichen Tugenden ausgerüstet sind, verdienen nicht, in das Meer zu fallen; gib auf diese acht!“ Diese hatte während dieser sieben Tage das Meer nicht angeschaut, sondern weil sie ihr Glück genoss, war ihr die Erinnerung daran geschwunden, einige sagen auch, sie sei zu einer Versammlung der Götter gegangen. Diese dachte: „Heute ist der siebente Tag, dass ich das Meer nicht betrachtet habe; was geht da vor?“ Als sie nun das Meer betrachtete, sah sie das große Wesen und sie dachte: „Wenn der Prinz Mahajanaka im Meer unterginge, würde ich nicht mehr den Zutritt zur Götterversammlung erhalten.“ Unweit vom Bodhisattva stellte sie sich mit reichgeschmücktem Körper in die Luft und sprach, um das große Wesen zu prüfen, folgende erste Strophe:

„Wer ist dies, der in Meeres Mitten
kein Ufer sehend vorwärts strebt?
Wen hast als Retter du erkannt,
dass du dich immer mehr bemühst?“

Da sagte das große Wesen: „Heute ist der siebente Tag, dass ich das Meer durchschwimme; kein zweites Wesen habe ich bis jetzt gesehen. Wer redet mit mir?“ Es blickte in die Luft empor und sprach, als es jene sah, folgende zweite Strophe:

„Weil ich die Pflicht der Welt erkenne,
dass man sich muss anstrengen, Göttin,
deshalb streb ich in Meeres Mitten,
obwohl kein Ufer sehend, vorwärts.“

Da die Göttin seine Unterweisung zu hören verlangte, sprach sie abermals folgende Strophe:

„In Tiefen, die unmessbar sind,
wenn da ein Mann kein Ufer sieht,
so ist vergeblich die Bemühung;
denn er erreicht es nicht und stirbt.“

Darauf entgegnete ihr das große Wesen: „Was sagst du da? Wenn ich mich angestrengt habe, so werde ich, wenn ich auch sterben muss, doch vom Tadel befreit bleiben.“ Und es sprach folgende Strophe:

„Schuldlos ist der bei den Verwandten
und bei der Götter Vater auch,
wenn er des Mannes Pflichten übt;
dies muss er später nicht bereuen.“

Darauf sprach die Gottheit folgende Strophe:

„Doch wenn ein Tun ist ohne Zweck,
fruchtlos und nur Ermattung bringt,
was ist dann der Bemühung Sinn,
wenn nur der Tod das Ende ist?“

Nach diesen Worten sprach das große Wesen, um ihr keine Widerrede zu ermöglichen, folgende weitere Strophen:

„Wenn einer selbst keinen Gewinn
und keinen Zweck für sich sieht, Gottheit,
und deshalb nicht sein Leben schützt,
wird er 's erkennen, wenn er fällt.

Um ihren Wunsch erfüllt zu sehen,
führen in dieser Welt, o Gottheit,
so manche Taten aus und diese
gelingen oder gelingen nicht.

Siehst du nicht, Gottheit, klar vor Augen
die Frucht von dem, was ich getan?
Die andern sinken und ich schwimme
und sehe dich in meiner Näh'.

Drum werde ich mich jetzt bemühen
nach meinen Kräften, meiner Macht;
zum andern Ufer werd ich kommen
und werd mannhafte Taten tun.“

Als die Gottheit dessen festes Wort vernahm, sprach sie, um ihn zu preisen, folgende Strophe:

„Der du in diesem Wogenschwalle,
im unermesslichen Ozeane
rechter Bemühung bist ergeben
und nicht ablässt von deinem Tun,
begib du dich jetzt nur dorthin,
wohin es deinem Sinn gefällt.“

Nach diesen Worten aber fragte sie: „Du Weiser, du Großes Überwindender, wohin soll ich dich führen?“ Als er antwortete: „Nach der Stadt Mithila“, hob sie das große Wesen wie ein Blumenbündel empor, umfasste es mit beiden Armen, legte es auf ihren Schoß und flog durch die Luft dahin wie eine Mutter, die ihren Sohn mitnimmt. Das große Wesen, dessen Körper sieben Tage lang durch das Salzwasser ausgedörrt war, verfiel in Schlaf, sobald es die göttliche Berührung fühlte. Die Gottheit verbrachte ihn nach Mithila und legte ihn im Mangowalde auf die königliche Steinplatte auf die rechte Seite; dann übertrug sie den Parkgottheiten seine Bewachung und kehrte an ihren Ort zurück.—Polajanaka hatte keinen Sohn, sondern es war ihm nur eine Tochter; diese mit Namen Fürstin Sivali war weise und klug. Als er nun auf dem Sterbebette lag, fragte man ihn: „O Großkönig, wenn Ihr zu den Göttern eingegangen seid, wem sollen wir dann das Reich geben?“ Er antwortete: „Dem, der meiner Tochter, der Fürstin Sivali, zu gefallen im Stande ist, oder dem, der von einem viereckigen Polster die Kopfseite erkennt, oder wer einen Bogen, der so stark ist wie tausend, zu spannen vermag, oder wer den sechzehnfachen großen Schatz zu heben im Stande ist, dem gebt die Herrschaft!“ Sie antworteten: „O Fürst, gebt uns eine Angabe von diesen Schätzen!“ Darauf sprach der König:

„Am Sonnenaufgang ist ein Schatz,
am Sonnenuntergang auch einer,
drinnen ein Schatz, draußen ein Schatz,
nicht drinnen und nicht draußen einer.

Beim Aufsteigen ein großer Schatz,
beim Absteigen ist auch ein Schatz,
ein Schatz bei den vier großen Salas,
überall auf ein Yojana.

An den Zahnenden ist ein Schatz,
am Schwanzende, am Kebuka,
an den Baumenden ist ein Schatz:
dies sind die sechzehn großen Schätze.
Der Tausendkräft'ge und das Polster,
der Sivali Gefallende.“

So nannte er neben den Schätzen auch die Angabe der anderen Bedingungen.

Nach dem Tode des Königs erwiesen ihm die Minister die letzten Ehren; dann versammelten sie sich und überlegten: „Der König hat gesagt, man solle dem die Herrschaft übergeben, der im Stande ist, seiner Tochter zu gefallen. Wer wird ihr gefallen können?“ Da dachten sie, der Heerführer sei ihr Günstling, und schickten ihm Botschaft. Dieser stimmte bei, begab sich um des Thrones willen nach dem Tore des königlichen Palastes und ließ der Königstochter melden, er sei da. Da sie merkte, warum er gekommen sei, wollte sie ihn auf die Probe stellen, ob er Verstand genug besitze, um den Glanz der Herrschaft zu ertragen, und sagte deshalb: „Er soll kommen.“ Als jener diese Botschaft vernahm, lief er, um ihr zu gefallen, rasch vom Fuße der Treppe an hinauf und trat zu ihr hin. Darauf sagte sie, um ihn auf die Probe zu stellen: „Laufe rasch im Thronsaal umher.“ Er dachte: „Damit befriedige ich die Königstochter“, und sprang rasch davon. Dann sagte sie ihm wieder: „Komm!“ Er kam wieder rasch herbeigelaufen.

Als sie so merkte, dass er keinen Verstand besitze, sagte sie zu ihm: „Komm und umfasse meine Füße!“ Um ihr zu gefallen, kniete er nieder und umfasste ihre Füße. Da stieß sie ihn mit dem Fuße an die Brust, dass er ausgestreckt hinfiel, und gab ihren Dienerinnen den Befehl: „Schlagt diesen blinden Toren, der seinen Verstand verloren hat, fasst ihn am Halse und werft ihn hinaus.“ Diese taten so. Darauf fragte man ihn: „Was ist es, Heerführer?“ Er antwortete: „Redet nicht, das ist kein menschliches Weib.“ Darauf kam der Schatzmeister; auch diesen beschämte sie. Dann der Vorsteher der Zunft der Kaufleute, der Sonnenschirmträger, der Schwertträger: sie alle beschämte sie. Hierauf überlegte eine große Volksmenge: „Der Königstochter zu gefallen, ist jetzt niemand im Stande; gebt den Thron dem, der den tausendstarken Bogen zu spannen im Stande ist.“ Auch diesen vermochte keiner zu spannen. Dann sagten sie: „Gebt den Thron dem, der an einem viereckigen Polster das Kopfteil erkennt.“ Auch dies erkannte niemand. Darauf sagte man: „Gebt den Thron dem, der die sechzehn großen Schätze zu heben versteht.“ Aber niemand vermochte sie zu heben.

Jetzt überlegten sie: „Ein Reich ohne König kann man nicht beschützen; was sollen wir tun?“ Da sprach zu ihnen der Hauspriester: „Seid unbesorgt! Man muss den Phussa-Wagen loslassen; der durch den Phussa-Wagen erlangte König ist nämlich im Stande, über ganz Indien zu herrschen.“ Sie gaben ihre Zustimmung, ließen die Stadt schmücken und an den königlichen Wagen vier lotosfarbene Rosse spannen. Eine obere Decke breiteten sie darüber, legten die Königsinsignien darauf und umgaben ihn mit dem aus vier Teilen bestehenden Heere. Bei einem Wagen, auf dem sein Herr fährt, ertönen die Instrumente vor ihm, bei einem Wagen ohne Herrn hinter ihm; darum sagte der Hauspriester: „Lasst hinterdrein die Instrumente ertönen.“ Dann weihte er mit einem goldenen Gefäß die Wagenriemen und die Peitsche und sagte: „Für wen es recht ist, dass er den Thron besteigt, zu dem gehe hin.“

Der Wagen umfuhr den königlichen Palast von rechts und fuhr dann die Trommelstraße hinauf. Der Heerführer und die anderen dachten: „Der Phussa-Wagen kommt zu mir.“ Er aber fuhr an ihrer aller Häusern vorbei, umfuhr die Stadt von rechts, fuhr zum Osttore hinaus und eilte vorwärts nach dem Parke zu. Als sie ihn so rasch dahinfahren sahen, sagten sie: „Lasst ihn umkehren.“ Der Hauspriester aber hielt sie zurück, indem er sagte: „Lasst ihn nicht umkehren; wenn er will, so soll er selbst hundert Meilen weit fahren.“

Als nun der Wagen in den Park hineingefahren war, umfuhr er die königliche Steinplatte von rechts und blieb dann stehen, zum Besteigen bereit. Der Hauspriester sah den Bodhisattva daliegen und sprach zu den Ministern: „Holla, man sieht einen auf der Steinplatte liegen. Wir wollen sehen, ob er die zum weißen Sonnenschirm erforderliche Einsicht besitzt oder nicht. Wenn er tugendhaft ist, wird er nicht herschauen; wenn er ein Unglücksvogel ist, wird er furchterfüllt aufstehen und zitternd herschauen. Lasst rasch alle Instrumente ertönen.“ Sogleich ertönten die vielen hundert Instrumente; es war wie das Rauschen des Meeres.

Durch diesen Lärm erwachte das große Wesen; es enthüllte sein Haupt, blickte hin, sah die große Volksmenge und dachte: „Der weiße Sonnenschirm muss zu mir gekommen sein.“ Als es dies gehört hatte, verhüllte es wieder sein Haupt, drehte sich um und legte sich auf die linke Seite. Der Hauspriester enthüllte ihm nun die Füße, und als er dort die Vorzeichen gewahrte, sagte er: „Sehen wir ab von einem Erdteil, auch über die vier Erdteile ist er zu herrschen im Stande“, und er ließ wieder die Instrumente ertönen. Da enthüllte das große Wesen sein Antlitz, drehte sich um, legte sich auf die rechte Seite und betrachtete die Volksmenge. Der Hauspriester beruhigte die Versammlung, beugte sich mit gefalteten Händen vor ihm nieder und sprach: „Erhebe dich, König; das Reich kommt an dich.“ „Wo ist dein König?“ „Er ist gestorben.“ „Hat er einen Sohn oder einen Bruder?“ „Nein, o Fürst.“ „Gut, so werde ich den Thron besteigen“, versetzte der Bodhisattva, erhob sich und setzte sich auf das Polster. Darauf weihte man ihn dortselbst zum Könige; er war der König Mahajanaka.

Er bestieg den Wagen und fuhr mit großer Pracht in die Stadt ein. Während er in den Palast hinaufstieg, untersuchte er: „Dies sollen die Plätze für den Heerführer u. dgl. sein“, und stieg selbst in den Thronsaal hinauf.—Um ihn nun nach der früheren Art zu prüfen, schickte die Königstochter einen Mann zu ihm mit dem Auftrag: „Gehe, suche den König auf und sage zu ihm: ‚Die Fürstin Sivali ruft dich; komme rasch!‘“ Der König tat in seiner Weisheit, als höre er dessen Stimme nicht, und pries die Pracht des Palastes mit den Worten: „Ach, wie schön!“ Als jener ihn nicht zum Anhören veranlassen konnte, ging er hin und meldete der Königstochter: „Edle, der König hat Eure Worte gehört, aber er preist nur den Palast und achtet auf Euch nicht ein bisschen.“ Jene dachte: „Er wird ein Mann von großen Wünschen sein“, und schickte zum zweiten und zum dritten Male den Mann hin. Der König aber stieg nach seinem Gefallen seinen früheren Gang, indem er wie ein Löwe seinen Mund öffnete, in den Palast hinauf.

Als dieser nahte, vermochte die Königstochter infolge seiner Majestät aus eigener Kraft nicht, stehen zu bleiben, sondern sie kam auf ihn zu und lehnte sich auf seine Hand. Er stieg nun, sie an der Hand haltend, in den Thronsaal hinauf, setzte sich unter dem ausgespannten weißen Sonnenschirm auf das königliche Thronpolster, wandte sich dann an seine Minister und fragte: „Holla, hat euch der König bei seinem Sterben irgend einen Auftrag gegeben?“ „Ja, o Fürst“, antworteten sie. „So sprecht!“ „Er hat gesagt, wer der Fürstin Sivali zu gefallen vermöchte, dem solle man die Herrschaft geben.“ „Als die Fürstin Sivali kam, hat sie sich an meine Hand gelehnt; also hat sie an mir Gefallen gefunden. Sagt etwas anderes!“ „Fürst, er sagte auch: ‚Gebt die Herrschaft demjenigen, der an einem viereckigen Polster den Kopfteil zu erkennen im Stande ist.‘“ Da dachte der König: „Das ist schwer zu erkennen, doch durch eine List kann man dies erkennen.“ Er nahm von seinem Haupte eine goldene Nadel und gab sie der Fürstin Sivali in die Hand mit den Worten: „Lege sie auf ihren Platz!“ Sie nahm dieselbe und steckte sie in den Kopfteil des Polsters; man sagt auch, sie habe ihm ein Schwert gegeben. An diesem Zeichen merkte er, wo der Kopfteil war. Als wenn er die Worte der Minister nicht gehört hätte, sagte er: „Was sagt ihr?“ Und als sie wieder so sprachen, erwiderte er: „Das zu erkennen, ist nichts Wunderbares; hier ist der Kopfteil.“

Dann fragte er: „Ist noch etwas anderes da?“ Sie antworteten: „O Fürst, er befahl auch dem das Reich zu geben, der im Stande wäre, einen tausendkräftigen Bogen zu spannen.“ „So bringt ihn also her!“ Nachdem er mit diesen Worten den Bogen hatte herbeiholen lassen, spannte er ihn, während er dabei auf dem Polster sitzen blieb, als spanne er einen kleinen Bogen, mit dem die Frauen die Baumwolle klopfen.

„Sagt noch etwas anderes!“, sprach er weiter. Sie erwiderten: „Er hat auch gesagt: ‚Gebt das Reich dem, der die sechzehn großen Schätze zu heben versteht.‘“ Als er weiter fragte: „Gibt es dafür eine Angabe?“, antworteten sie: „Ja, es gibt eine“, und teilten ihm die Strophe mit: „Bei Sonnenaufgang ist ein Schatz“, usw. Als er dies hörte, war ihm die Sache so klar wie der Mond an der Fläche des Himmels. Darauf sagte er zu ihnen: „Heute, sag ich, ist keine Zeit; morgen werden wir den Schatz holen.“

Am folgenden Tage versammelte er die Minister und fragte: „Hat euer König Paccekabuddhas gespeist?“ „Ja, o Fürst“, war die Antwort. Da dachte der König: „Mit der Sonne ist nicht diese Sonne gemeint; wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Sonne aber heißen die Paccekabuddhas Sonnen. An der Stelle, wo sie empfangen werden, muss der Schatz sein.“ Und er fragte: „Wenn der König den Paccekabuddhas bei ihrem Kommen entgegengeht, bis zu welchem Ort geht er da?“ Als sie antworteten: „An den und den Ort“, befahl er: „Grabt an dieser Stelle und holt den Schatz heraus.“ So ließ er diesen Schatz heben. Weiter fragte er: „Wenn er sie bei ihrem Weggehen begleitet, wo bleibt er stehen und entlässt sie?“ Als sie antworteten: „An der und der Stelle“, ließ er auch dort den Schatz heben mit den Worten: „Holt dort den Schatz heraus.“ Eine große Volksmenge stieß tausend Rufe aus: „Weil man sagte, ‚beim Sonnenaufgang‘, gruben sie beständig in der Richtung des Sonnenaufgangs; weil man sagte ‚beim Sonnenuntergang‘, grub man beständig in der Richtung des Sonnenuntergangs. Hier aber ist der Schatz; ach, wie wunderbar ist dies!“ So gab sie ihrer Freude und Befriedigung Ausdruck.

„Drinnen ein Schatz“; deshalb ließ er im königlichen Palast innerhalb des Haupttores an der Schwelle den Schatz heben. „Draußen ein Schatz“, deshalb ließ er außerhalb an der Schwelle den Schatz heben. „Nicht drinnen und nicht draußen“, daher ließ er unter der Schwelle den Schatz heben. „Beim Aufsteigen“: er ließ an der Stelle, wo zur Zeit, da der König den königlichen Leibelefanten bestieg, eine goldene Leiter aufgestellt wurde, den Schatz heben. „Dann beim Absteigen“: er ließ an der Stelle, wo der König vom Rücken des Elefanten herunterstieg, den Schatz heben. „Die vier großen Salas“: auf dem Boden waren an der Stelle, da man ihm die Aufwartung machte, die vier Füße des fürstlichen Lagers aus Sala-Bäumen gefertigt; unter diesen ließ er vier Schatzkästen hervorholen. „Überall auf ein Yojana“: Yojana heißt das Wagenjoch.Darum ließ er auf allen Seiten des fürstlichen Lagers in der Entfernung eines Wagenjoches die Schatzkästen herausholen. „An den Zahnenden ist ein Schatz“: an dem Platze des königlichen Leibelefanten, da, wo dessen beide Hauer sich erstrecken, ließ er zwei Schätze heben. „An den Schwanzenden“: an dem Platze des königlichen Leibrosses ließ er die Schätze heben seinem Schweife gegenüber. „Am Kebuka“: Kebuka ist ein Name für das Wasser. Darum ließ er im königlichen Lotosteiche das Wasser entfernen und brachte so den Schatz ans Licht. „An den Baumenden ein großer Schatz“: in seinem Parke zu Füßen eines großen Sala-Baumes in dem kreisförmigen Schatten, der dort zur Mittagszeit war, ließ er Schatzkisten heben. Nachdem er so die sechzehn großen Schätze hatte heben lassen, fragte er: „Gibt es noch etwas anderes?“ „Nein, o Fürst“, war die Antwort. Die Volksmenge aber war hocherfreut.

Der König dachte nun: „Dieses Geld werde ich als Almosen ausgeben.“ Er ließ in der Mitte der Stadt und an den vier Toren im ganzen fünf Almosenhallen errichten und spendete reiche Almosen. Aus der Stadt Kalacampana ließ er seine Mutter und den Brahmanen holen und erwies ihnen große Ehrung. Als seine Herrschaft noch jung war, gehörte ihm schon das ganze Reich von Videha; der Sohn des Königs Aritthajanaka, der König Mahajanaka, führte die Regierung. „Weise ist fürwahr der König; wir wollen ihn sehen.“ So dachte man und deshalb strömte, um ihn zu besuchen, die ganze Stadt zusammen. Von allen Seiten kamen sie herbei mit vielen Geschenken. In der Stadt feierte man ein großes Fest. Sie bedeckten den königlichen Palast mit den Eindrücken ihrer Hände,breiteten duftende Kränze und Girlanden aus, machten die Luft finster von ausgestreuten Körnern, Lotosblumen, Wohlgerüchen und Weihrauch und richteten mancherlei Getränke und Speisen her. Um dem König damit ein Geschenk zu machen, nahmen sie in silbernen und goldenen Töpfen u. dgl. verschiedenartige feste und flüssige Speisen, Getränke, Früchte u. dgl. mit und stellten sich dort ringsherum auf. Auf einer Seite saß der Kreis der Hofleute, auf einer Seite die Schar der Brahmanen, auf einer Seite die Hausväter usw. und auf einer Seite die Tänzerinnen von höchster Schönheit. Brahmanische Lobredner, die Festgedichte kannten und festlicher Gesänge u. dgl. kundig waren, ließen ihre Lieder erschallen; viele hundert Instrumente erschallten. Der ganze Palast des Königs war von lauten Tönen erfüllt wie im Innern des Yugandhara-Meeres;jeder Ort, wohin man blickte, zitterte.

Als nun das große Wesen unter dem weißen Sonnenschirm auf dem königlichen Throne sitzend den der Majestät Sakkas gleichenden großen Glanz seiner Pracht betrachtete, da gedachte es an die Bemühung, die es im großen Ozean betätigt hatte. Es dachte: „Die Kraft verdient, betätigt zu werden. Wenn ich im großen Weltmeere nicht meine Kraft betätigt hätte, so wäre ich dieser Glücksfülle nicht teilhaftig geworden.“ Während es so seiner Anstrengung gedachte, wurde es mit Liebe erfüllt; aus der Kraft der Liebe heraus stieß es folgenden begeisterten Ausruf aus:

„Bemühen möge sich der Mensch,
nicht lasse nach der weise Mann.
Mich selber seh ich dabei an;
wie ich es wollte, so geschah 's.

Bemühen möge sich der Mensch,
nicht lasse nach der weise Mann.
Mich selber seh ich dabei an,
wie ich vom Wasser kam zum Land.

Anstrengen möge sich der Mensch,
nicht lasse nach der weise Mann.
Mich selber seh ich dabei an;
wie ich es wollte, so geschah 's.

Anstrengen möge sich der Mensch,
nicht lasse nach der weise Mann.
Mich selber seh ich dabei an,
wie ich vom Wasser kam ans Land.

Auch wenn ins Unglück stürzt der weise Mann,
geb er nicht auf das Streben nach dem Heil.
Viel gibt 's Berührungen, ungut' und gute;
wer nichts bedenkt, der fällt dem Tod zum Opfer.

Auch Unbedachtes tritt ja ein
und das Bedachte auch vergeht;
denn nicht vom Denken nur kommt der
Erfolg beim Weibe wie beim Mann.“—

Darauf betätigte er die zehn Königstugenden und führte in Gerechtigkeit die Herrschaft; auch ehrte er die Paccekabuddhas. In der Folgezeit gebar die Königin Sivali einen Sohn, der mit den Kennzeichen des Reichtums und der Tugend ausgestattet war; ihm gab man den Namen Prinz Dighavu (= Lebelange). Als dieser herangewachsen war, übertrug ihm der König das Amt des Vizekönigs.—

Als eines Tages der Parkwächter dem König Früchte und verschiedenartige Blumen brachte, war er bei ihrem Anblick erfreut, erwies dem Gärtner Ehrung und sprach zu ihm: „Lieber Parkwächter, ich will den Park besuchen; lass ihn schmücken!“ Dieser antwortete: „Gut“, tat so und meldete dies dem Könige. Darauf zog dieser, auf dem Rücken des besten Elefanten reitend, umgeben von einer großen Schar nach dem Parktor. Dort waren zwei dunkelgrün schimmernde Mangobäume; der eine war ohne Früchte, der andere aber war mit Früchten beladen. Diese waren aber sehr süß; weil jedoch der König noch keine Mangofrucht davon genossen hatte, getraute sich niemand, von da eine Frucht zu nehmen. Darauf nahm der König, während er noch auf dem Rücken des herrlichen Elefanten saß, eine Frucht und verzehrte sie. Sobald er sie nur auf die Zungenspitze gebracht hatte, durchdrang es ihn wie himmlischer Wohlgeschmack. Daher dachte er: „Wenn ich zurückkomme, werde ich viel davon essen.“

Als aber die anderen merkten, dass der König die schönste Frucht verzehrt habe, da nahmen alle vom Vizekönig angefangen bis hinunter zum Elefantenwärter auch davon und verzehrten Früchte. Diejenigen, die keine Frucht erhielten, hieben mit Stöcken die Zweige ab und beraubten den Baum seiner Blätter. So stand der Baum da, ganz kreuz und quer zerschlagen; der lindere aber stand da in Schönheit glänzend wie ein Edelsteinberg.

Als der König den Park verließ und dies sah, fragte er die Minister: „Was ist dies?“ Sie antworteten: „Weil der Fürst die schönste Frucht verzehrt hatte, hat die Volksmenge den Baum geplündert, o Fürst.“ „Von diesem aber ist weder ein Blatt zerstört noch die Schönheit vernichtet.“ „Weil er keine Früchte hat, deshalb wurde er nicht zerstört, o Fürst.“

Da bekam der König Gewissensbisse und er dachte: „Dieser Baum steht, weil er keine Früchte hat, dunkelgrün glänzend da; jener aber steht, weil er Früchte hatte, vollständig zerstört da. Auch diese meine Herrschaft gleicht einem fruchtbringenden Baum, die Weltflucht aller gleicht einem Baume, der keine Früchte hat. Nur für den, der etwas hat, besteht Gefahr, nicht für den, der nichts hat. Ich will kein Fruchtbaum mehr sein, sondern einem unfruchtbaren Baume ähnlich werden. Meine Herrlichkeit will ich aufgeben, fortziehen und die Weltflucht betätigen.“ Nachdem er diesen festen Entschluss gefasst, zog er in die Stadt ein und ließ, während er noch am Tore seines Palastes stand, den Heerführer zu sich rufen. Zu diesem sprach er: „Du großer Heerführer, von heute an sollen außer einem Speisenträger und einem Diener, der mir Waschwasser und Zahnstocher bringt, keine anderen mehr mich sehen dürfen. Nimm du die früheren Richter und verwalte das Reich; ich werde von jetzt an in meinem Thronsaale die Asketentugend betätigen.“ Nach diesen Worten stieg er in den Palast hinauf und betätigte allein das Asketenleben.

Als so eine Zeit vergangen war, versammelte sich eine Volksmenge im Hofe des Palastes; und als sie das große Wesen nicht sahen, sagten sie: „Unser König ist nicht wie früher“, und sprachen folgendes Strophenpaar:

„Nicht so wie sonst fürwahr der König,
der Völkerfürst, der Weltbeherrscher,
hört heute weder auf die Tänze
noch gibt er acht auf die Gesänge.

Nach Tieren nicht noch nach dem Parke,
auch nach den Schwänen schaut er nicht.
Gleich einem Stummen sitzt er still
und keine Sache er entscheidet.“

Auch fragten sie den Speisenträger und den Diener: „Redet denn der König etwas mit euch?“ Sie antworteten: „Er redet nicht.“ Darum sprachen sie folgendermaßen: „Der König hat sich mit seinem nicht mehr an den Lüsten hängenden, der tiefen Einsamkeit ergebenen Sinn an die zu seiner Familie gehörigen Paccekabuddhas erinnert und denkt: ‚Wer wird mir den Aufenthaltsort dieser Nichtbesitzenden, mit Tugend und anderen Vorzügen Versehenen verkünden?‘ Deshalb hat er folgenden begeisterten Ausruf in drei Strophen ausgestoßen:

‚Die heimlichfrommen Glücksbegehrer,
befreit von Tötung und von Banden,
in welcher Einsiedelei heute
weilen die Jungen und die Alten?

Die Helden, die die Lust besiegten,
Verehrung diesen großen Weisen,
die in der Welt voll von Begierden
verweilen von Begierden frei.

Der Todes Schlinge sie zerbrachen,
das dichte Netz des Listenreichen,
und wandeln frei von Lust dahin;
wer bringt mich dorthin, wo sie weilen?‘“—

Während er aber in seinem Palaste die Asketentugenden betätigte, vergingen vier Monate. Sein Sinn aber neigte sich immer mehr zur Weltflucht und das Leben im Hause kam ihm vor wie die Lokantarika-Hölle.Die drei Existenzen erschienen ihm wie Feuerflammen. Da dachte er in seinem Sinne, der der Weltflucht zugewendet war: „Wann werde ich wohl diese Stadt Mithila, die wie Sakkas Palast geschmückt ist, verlassen, in den Himalaya ziehen und dort den Augenblick erleben, da ich die Gewänder der Weltflüchtlinge erhalte?“ Und er begann folgendermaßen Mithila zu preisen:

„Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das große, strahlend überall,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das eingeteilte, abgegrenzte,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das reich an Mauern ist und Bögen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
mit starken Türmen und Torerkern,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
wohl eingeteilt mit großen Straßen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
wohl eingeteilt mit vielen Läden,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das reich an Rindern, Rossen, Wagen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das Lustgärten hat reihenweise,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das Parke hat in ganzen Reihen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
das Reihen von Palästen hat,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Mithila, das blühnde,
dreistädtig,voll von Königsfreunden,
das von Somanassa erbaut,
dem ruhmreichen Vedehakönig,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich 's blühnde Reich Vedeha,
das reich versehn, gerecht bewahrt wird,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich 's blühnde Reich Vedeha,
das unbesiegt gerecht bewahrt wird,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich den Palast, den schönen,
wohl abgegrenzt, gut eingeteilt,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich den Palast, den schönen,
der mit Zement und Ton bestrichen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich den Palast, den schönen,
voll Wohlgerüchen, herzerfreuend,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die flachen Dächer,
wohl abgegrenzt, schön eingeteilt,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die flachen Dächer,
die mit Zement und Ton bestrichen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die flachen Dächer,
voll Wohlgerüchen, herzerfreuend,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die flachen Dächer,
die dicht bestreut mit Sandelpulver,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die goldnen Polster,
mit bunten Tüchern überdeckt,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich Baumwolle und Seide
und meine leinenen Gewänder
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die schönen Teiche,
die wilde Gänse rings umfliegen,
die mit Korallenblumen und
mit Lotosblumen sind bedeckt,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich der Elefanten
mit allem Schmuck gezierte Scharen,
die Tiere mit den goldnen Leibern,
die Kopfschmuck tragen auch von Gold,

welche bestiegen sind von Wärtern
mit Speer und Haken in der Hand,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich der Rosse Scharen,
die reich geziert mit allem Schmuck,
die edel sind von Abstammung,
die Sindhu-Rosse windesschnell,

welche bestiegen sind von Kriegern
mit Schwert und Bogen in der Hand,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich der Wagen Scharen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die goldnen Wagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich die silbernen Wagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Pferdewagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panzer- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich die Kamelwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Rinderwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Ziegenwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Widderwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich die Gazellenwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich die Elefantenreiter,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
Speere und Haken in der Hand,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Pferdereiter,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
mit Schwertern in der Hand und Bogen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Bogenschützen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
mit Bogen in der Hand und Köchern,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich die Königssöhne,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den bunten Panzern,
die goldne Kopfgirlanden tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich der Edlen Scharen,
mit schönen Kleidern, reich geschmückt,
den Leib besprengt mit gelbem Sandel,
die schöne Kasi-Kleider tragen,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich siebenhundert Frauen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich siebenhundert Frauen
mit edlem Namen, schlank von Taille,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich siebenhundert Frauen,
gehorsame, die Liebes reden,
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich meine hundertfält'ge Schüssel
aus Gold mit hundert Strichen
aufgeben und die Welt verlassen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden Elefantenscharen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Tiere mit den goldnen Leibern,
die Kopfschmuck tragen auch von Gold,

welche bestiegen sind von Wärtern
mit Speer und Haken in der Hand,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich der Rosse Scharen,
die reich geziert mit allem Schmuck,
die edel sind von Abstammung,
die Sindhu-Rosse windesschnell,

welche bestiegen sind von Kriegern
mit Schwert und Bogen in den Händen,
bei meinem Gehen nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich der Wagen Scharen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehen nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die goldnen Wagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehen nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden die silbernen Wagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Pferdewagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden die Kamelwagen
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Rinderwagen
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen haben,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Ziegenwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Widderwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden die Gazellenwagen,
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panther- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
die Bogen in den Händen tragen,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden Elefantenreiter,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
Speere und Haken in der Hand,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Pferdereiter,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
mit Schwertern in der Hand und Bogen,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Bogenschützen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den dunklen Panzern,
mit Bogen in der Hand und Köchern,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich die Königssöhne,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
die Helden mit den bunten Panzern,
die goldne Kopfgirlanden tragen,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden mich der Edlen Scharen,
mit schönen Kleidern reich geschmückt,
den Leib besprengt mit gelbem Sandel,
die schöne Kasi-Kleider tragen,
bei meinem Gehn nicht mehr geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden siebenhundert Frauen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden siebenhundert Frauen,
mit edlem Namen, schlank von Taille
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werden siebenhundert Frauen,
gehorsame, die Liebes reden,
bei meinem Gehn mich nicht geleiten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich, in der Hand die Schale,
geschoren, mit dem Mönchsgewand
Almosen mir erbetteln gehen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich aus schmutz'gen Lumpen,
die auf der Straße weggeworfen,
gemachte Kleider tragen dürfen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich, das Gewand durchnässt
von sieben Tage langem Regen,
Almosen mir erbetteln gehen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werde ich den ganzen Tag
unter den Bäumen, tief im Walde,
frei von Begierde weilen können?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich in der Berge Wildnis,
frei von der Furcht vor Schrecklichem,
ohn' einen andern weilen dürfen?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich, wie ein Lautenspieler
die Laute mit den sieben Saiten,
mein Herz grade nach oben halten?
Wann wird mir dies beschieden sein?

Wann werd ich, wie ein Wagenbauer
den umgetretnen Schuh aufreißt,
die Fesseln der Begierd' zerreißen,
die göttlichen und menschlichen?“—

Dieser war geboren in einer Zeit, wo das Leben zehntausend Jahre dauerte. Nachdem er siebentausend Jahre lang regiert hatte, betätigte er die Weltflucht, als noch dreitausend Jahre von seinem Leben übrig waren. Nachdem er aber bei seiner Betätigung der Weltflucht, seitdem er am Parktore den Mangobaum gesehen, vier Monate in seinem Hause geblieben war, dachte er: „Besser als dieses Gewand ist das Gewand der Weltflüchtlinge; ich werde die Welt verlassen.“ Und er gab seinem Diener folgenden geheimen Befehl: „Lieber, ohne jemand etwas davon wissen zu lassen, hole mir aus einem Laden gelbe Gewänder und eine irdene Schale.“ Jener tat so. Darauf ließ der König den Barbier rufen und ließ sich Haare und Bart abscheren; dann schickte er den Barbier fort und zog das eine gelbe Gewand als Untergewand, das andere als Obergewand an und legte das dritte auf die Schulter.Die irdene Schale steckte er in eine Schlinge und hängte diese über die Schulter. Darauf ergriff er den Bettlerstab und ging im Thronsaale einige Male mit der Anmut eines Paccekabuddha auf und ab. An diesem Tage blieb er noch dort; am nächsten Tage aber schickte er sich zur Zeit des Sonnenaufgangs an, vom Palaste herabzusteigen.

Damals hatte die Königin Sivali die siebenhundert Favoritinnen des Königs zu sich gerufen und gesagt: „Schon lange haben wir den König nicht gesehen; schon vier Monate sind seitdem vergangen. Heute wollen wir ihn besuchen. Schmückt euch alle und bemüht euch, ihn nach Kräften durch Zeigen unsrer Reize und Koketterie mit den Banden der sinnlichen Lust zu fesseln.“ Während sie nun so mit jenen reichgeschmückten Frauen, um den König zu besuchen, in den Palast hinaufstieg, sah sie ihn, wie er herabstieg, erkannte ihn aber trotzdem nicht; sondern da sie meinte: „Es wird ein Paccekabuddha sein, der gekommen ist, um dem Könige eine Ermahnung zu geben“, bezeigte sie ihm ihre Verehrung und blieb abseits stehen. Das große Wesen aber stieg aus dem Palaste hinab.

Als nun die andere in den Palast hinaufgestiegen war und oben auf dem königlichen Lager des Königs bienenfarbige Haare und das Bündel mit seinem Schmuck sah, da dachte sie: „Das ist kein Paccekabuddha, es wird unser lieber Gatte sein. Geht; ich will ihn durch meine Bitten zur Rückkehr veranlassen.“ Sie stieg vom Thronsaale herab und erreichte ihn im Hofe des Palastes. Da löste sie zusammen mit allen anderen ihre Haare, warf sie über den Rücken, schlug sich mit den Händen die Brust und rief: „Warum tut Ihr derartiges, großer König?“ Indem sie so gar sehr mitleiderregend klagte, folgte sie dem König nach. Die ganze Stadt wurde bewegt; auch die Städter jammerten: „Unser König ist ein Weltflüchtling geworden; woher werden wir wieder einen solchen gerechten König erhalten?“, und folgten weinend dem Könige nach.

Um zu offenbaren, wie damals diese Frauen jammerten und wie der König sie trotz ihrer Klagen verließ und fortging, sprach der Meister:

Doch diese siebenhundert Frauen
mit allem Schmucke reich geziert,
streckten die Arme aus und klagten:
„Warum willst du uns jetzt verlassen?“

Und diese siebenhundert Frauen
mit edlem Namen, schlank von Taille,
streckten die Arme aus und klagten:
„Warum willst du uns jetzt verlassen?“

Und diese siebenhundert Frauen,
gehorsame, die Liebes sprachen,
streckten die Arme aus und klagten:
„Warum willst du uns jetzt verlassen?“

Und diese siebenhundert Frauen,
mit edlem Schmucke reich geziert,
gab auf und stieß zurück der König,
nach Weltflucht seinen Sinn gerichtet.

Und diese siebenhundert Frauen
mit edlem Namen, schlank von Taille,
gab auf und stieß zurück der König,
nach Weltflucht seinen Sinn gerichtet.

Und diese siebenhundert Frauen,
gehorsame, die Liebes sprachen,
gab auf und stieß zurück der König,
nach Weltflucht seinen Sinn gerichtet.

Er ließ die hundertfält'ge Schüssel,
die goldne mit den hundert Streifen,
und er ergriff aus Ton die Schale
für den Empfang der zweiten Weihe.

Als die Königin Sivali mit ihren Klagen den König nicht zur Umkehr veranlassen konnte, dachte sie: „Es gibt ein Mittel“, ließ den Oberheerführer rufen und gab ihm folgenden Befehl: „Lieber, in der Richtung, wo der König hingeht, lege Feuer an alle Häuser und alle Hallen; trage Gras und Blätter zusammen und mache allenthalben Rauch!“ Jener tat so. Darauf ging sie zum Könige hin, fiel ihm zu Füßen und sprach, um ihm zu melden, dass Mithila brenne, folgendes Strophenpaar:

„Furchtbar entbrennen Feuerflammen,
die Schatzkammern gehn auf in Feuer
mit ihren Schätzen, Gold und Silber,
Perlen und viele Edelsteine.

Edle Juwelen, Muschelperlen,
auch gelber Sandel für die Kleider,
Gazellenfelle, Elfenbein,
Eisen und Kupfer auch in Menge.
Komm her, o König, kehre um,
dass nicht dein Schatz dir geh' zugrunde.“

Darauf erwiderte das große Wesen: „Fürstin, was sagst du? Wer etwas besitzt, dem verbrennt es; ich aber habe kein Eigentum.“ Um dies zu erläutern, sprach er folgende Strophe:

„Ganz glücklich leben wir fürwahr,
die wir kein Eigentum besitzen.
Wenn auch Mithila steht in Flammen,
wird doch von mir nichts mitverbrannt.“

Nach diesen Worten aber zog das große Wesen zum Nordtore hinaus und auch seine Gattinnen zogen mit ihm. Abermals erdachte die Königin Sivali eine List und befahl: „Macht es so, als ob ein Dorf verheert und das Reich geplündert würde!“ In demselben Augenblicke zeigte man dem König, wie Leute allenthalben umherliefen und plünderten; anderen bestrich man ihren Körper mit Lacksaft, als ob sie Wunden erhalten hätten, man legte sie auf Bretter und trug sie davon, als wären sie tot, und zeigte auch dies dem Könige. Da schalt die Volksmenge: „O Großkönig, während Euren Lebzeiten noch beraubt man das Land und tötet die Leute.“ Darauf grüßte auch die Fürstin den König ehrfurchtsvoll und, um ihn zur Rückkehr zu veranlassen, sprach sie folgende Strophe:

„Die Waldbewohner sind gekommen
und plündern aus dein Königreich.
Komm, König, kehre doch zurück;
dies Reich soll nicht zugrunde gehen.“

Da dachte der König: „Es ist ja doch nicht möglich, dass zu meinen Lebzeiten noch Räuber sich erheben und das Land ausplündern; dies wird eine Tat der Königin Sivali sein.“ Und um ihr die Widerrede unmöglich zu machen, sprach er:

„Ganz glücklich leben wir fürwahr,
die wir kein Eigentum besitzen.
Wenn auch das Reich geplündert wird,
geht dabei nichts von mir zugrunde.

Ganz glücklich leben wir fürwahr,
die wir kein Eigentum besitzen.
Von Freude wollen wir uns nähren
den Göttern gleich im Brahma-Himmel.“

Trotz dieser Worte aber begleitete noch immer die Volksmenge den König. Da kam ihm folgender Gedanke: „Dieses Volk wünscht nicht umzukehren; ich werde es zur Umkehr veranlassen.“ Als er ein halbes Gavuta weit gegangen war, drehte er sich um und fragte auf der Heerstraße stehend die Minister: „Wem gehört dies Reich?“ „Euch, o Fürst“, antworteten sie. Er fuhr fort: „Wer darum diesen Strich überschreitet, an dem vollziehet die Königsstrafe“, und grub mit seinem Bettlerstab einen Strich quer über den Weg. Diesen von dem so erhabenen König gegrabenen Strich vermochte niemand zu überschreiten. Die Volksmenge stellte sich unmittelbar an den Strich und jammerte laut.

Auch die Königin getraute sich nicht, den Strich zu überschreiten. Als sie aber den König ihr den Rücken kehren und fortgehen sah, vermochte sie ihren Schmerz nicht zu ertragen; sie schlug sich die Brust, fiel quer über die Straße und wälzte sich darauf fort. Da rief die Volksmenge: „Von denen, die über den Strich Herr waren, ist der Strich zerstört worden“, und sie folgte auf dem von der Königin beschrittenen Wege nach. Das große Wesen ging fort nach dem nördlichen Himalaya; die Königin aber ging mit dem ganzen Heereszuge immer mit ihm. Da der König die Volksmenge nicht zur Umkehr veranlassen konnte, legte er auf diese Weise einen Weg von sechzig Yojanas zurück.

Damals wohnte ein Asket namens Narada im Himalaya in der Goldhöhle; dieser besaß die fünf Erkenntnisse.Als er in Ekstase versunken sieben Tage zugebracht hatte, erhob er sich wieder aus der Ekstase und stieß den begeisterten Ausruf aus: „Ach dies Glück, ach dies Glück!“ Als er dann mit seinem göttlichen Auge betrachtete, ob jemand auf dem Jambu-Erdteil nach diesem Glück suche, bemerkte er, dass Mahajanaka ein künftiger Buddha sei, und er dachte: „Der König kann, während er seine große Weltflucht betätigt, die von der Königin Sivali geführte Volksmenge nicht zur Umkehr veranlassen; sie könnten ihm ein großes Hindernis bereiten. Ich will ihm eine Ermahnung geben, um ihn noch stärker zu befestigen.“ Durch seine Wunderkraft kam er herbei, stellte sich vor den König in die Luft und sprach, um eine Anstrengung bei ihm hervorzurufen:

„Woher kommt dieser laute Schall,
was für ein Spiel gibt 's wie im Dorf?
Den Büßer hier wollen wir fragen:
Warum ist dieses Volk versammelt?”

Der König antwortete:

„Versammelt ist dies Volk um mich,
der ich fortgehe es verlassend,
der ich die Grenze überschritten,
um die Mönchsreinheit zu erlangen,
und weiter wandle voll von Freuden.
Was fragst du mich, da du dies weißt?“

Um ihn aber noch mehr zu festigen, sprach jener abermals eine Strophe:

„Glaub nicht, dass du schon drüben bist,
so lang du diesen Körper trägst.
Nicht überschreitbar ist dies Tun,
denn viel sind Hindernisse da.“

Darauf sprach das große Wesen:

„Was für ein Hindernis gibt es
für mich, wenn ich mich so verhalte,
wenn nicht im Diesseits noch im Jenseits
ich nach den Lüsten trag Verlangen?“

Um ihm aber diese Hindernisse zu zeigen, sprach jener folgende Strophe:

„Schläfrigkeit, Trägheit, Überhebung,
die Unzufriedenheit, die Essgier,
sie bleiben dir im Körper haften;
denn viele Hindernisse gibt es.“

Darauf sprach das große Wesen, um ihn zu preisen, folgende Strophe:

„Gar Schönes hast du mir fürwahr
geraten, würdiger Brahmane;
drum den Brahmanen frage ich:
Wer bist du denn, Ehrwürdiger?“

Darauf sprach Narada zu ihm:

„Narada, so bin ich genannt,
auch als Kassapa kennt man mich.
Zum Herren bin ich hergekommen;
gut ist Vereinigung mit Weisen.

Drum möge volle Freude auch
und Heiligkeit zuteil dir werden;
was dir noch fehlt, das mache voll
durch Seelenruhe und Geduld.

Was tief hinabgebeugt, gib auf
und auf das Hohe auch verzichte.
Das rechte Tun, Wissen und Tugend
betätigend verlass die Welt.“

Nachdem er so das große Wesen ermahnt, kehrte er durch die Luft an seinen Wohnort zurück. Als er sich entfernt hatte, erhob sich noch ein anderer Asket, Migajina mit Namen, aus seiner Vollendung, schaute in der Welt umher und gewahrte das große Wesen. Deshalb dachte er: „Damit die Volksmenge umkehrt, will ich ihm eine Ermahnung geben“; er ging dorthin, zeigte sich ihm in der Luft und sprach:

„Viel Elefanten, Pferde, Städte
und Länder hast du aufgegeben,
die Welt verlassen, Janaka,
und an der Muschel Freud empfunden.

Taten denn deine Landbewohner,
Freunde, Minister und Verwandten
dir etwas Böses, Janaka?
Warum gefiel dir 's so zu tun?“

Darauf sprach das große Wesen:

„Gewiss nicht, o Migajina,
habe ich jemals irgendeinen
Verwandten durch Unrecht besiegt
noch auch meine Verwandten mich.“

Nachdem es so die Frage von jenem zurückgewiesen, sprach es nun, um ihm zu zeigen, aus welcher Ursache es die Welt verlassen habe:

„Da ich der Welt Ergehen sah,
wie sie verzehrt wird und voll Schmutz,—
getötet und gefesselt werden
sie da, wo herrscht das dumme Volk,—
daraus zog ich mir dann die Lehre
und ward ein Mönch, Migajina.“

Der Asket, der diesen Grund ausführlich hören wollte, sprach folgende Strophe:

„Wer ist denn dein erhabner Lehrer,
von wem stammt dieses reine Wort!
Denn nicht darf man Asketenklugheit
und Weisheit, Völkerfürst, verschmähen,
so sagt man, wenn man will erreichen,
dass man das Leiden überschreitet.“

Darauf erwiderte das große Wesen:

„Gewiss nicht, o Migajina,
habe ich je einen Asketen
oder Brahmanen angehört,
bis ich jetzt hierher bin gelangt.“

Nach diesen Worten aber sprach es, um von Anfang an zu zeigen, aus welcher Veranlassung es die Welt verlassen habe:

„Als ich mit großer Macht einherzog
und hell erstrahlt' in meinem Glanz,
als überall man Lieder sang
und alle Instrumente tönten,
als alles ganz erfüllet war
vom Ton der schönen Instrumente,

da sah ich einen Mangobaum,
Migajina, gleich an der Mauer,
der ganz zerschmettert war von Menschen,
von niedrigen, die Früchte wollten.

Drum gab ich auf die Herrlichkeit
und stieg herab, Migajina;
zum Fuß des Mango ging ich hin,
des fruchtbaren, der Frucht beraubten.

Als ich den Fruchtbaum sah vernichtet,
zerstört, beraubt all seiner Blätter,
da blickt' ich auf den andern Mango,
den dunkel schimmernden, den schönen.

Gerade so werden auch uns,
uns Herrscher, die viel Gegner haben,
jetzt unsre Feinde töten, wie
der fruchtbare Mango zerstört ward.

Des Felles wegen stirbt der Panther,
der Elefant der Zähne wegen,
wegen des Gelds der Reiche; doch wer
tötet den Freund- und Heimatlosen?
Der Fruchtbaum und der unfruchtbare,
sie beiden waren meine Lehrer.“

Als Migajina dies vernommen, ermahnte er den König: „Strebe ohne Unterlass“, und kehrte an seinen Ort zurück. Als er gegangen war, fiel die Fürstin Sivali dem König zu Füßen und sprach:

„Das ganze Volk ist krank vor Trauer:
‚Der König hat die Welt verlassen‘,
die Elefantenkämpfer, Reiter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten.

Gib doch zuerst den Leuten Trost,
stell ihnen eine Schutzwehr auf,
setz deinen Sohn zum König ein;
dann kannst du nachher Weltflucht üben.“

Darauf erwiderte der Bodhisattva:

„Auf gab ich meine Untertanen,
Freunde, Minister und Verwandten.
Es gibt ja Söhne der Videhas;
Dighavu sei der Reichsverweser.
Sie werden die Regierung führen
zu Mithila, du meine Gattin.“

Die Königin antwortete: „O Fürst, Ihr habt jetzt die Welt verlassen; was soll ich tun?“ Darauf entgegnete er: „Ich will es dich lehren; tue nach unsern Worten“, und er sprach:

„Komm her, ich werde dich belehren,
was für ein Wort mir wohlgefällt:
Wenn du die Herrschaft üben wirst,
wirst du viel üblen Wandel führen
mit Taten, Worten und Gedanken,
wodurch du in die Hölle kommst.

Von Gaben andrer, von Almosen,
die andre spenden, nähre dich;
dieses nur ist der Weisen Brauch.“

So gab ihr das große Wesen eine Ermahnung. Während sie aber im gegenseitigen Gespräch weiter wandelten, ging die Sonne unter. Die Königin ließ an einer geeigneten Stelle ein befestigtes Lager schlagen. Das große Wesen aber begab sich nach der Wurzel eines Baumes und brachte hier die Nacht zu. Nachdem es am nächsten Tage die Reinigung seines Körpers besorgt, machte es sich wieder auf den Weg. Die Königin sagte: „Das Heer soll hinterdrein kommen“, und ging selbst hinter ihm her. Zur Zeit des Almosen Sammelns gelangten sie an eine Stadt namens Thūna.

In diesem Augenblicke hatte in der Stadt ein Mann, der in einem Metzgerladen ein großes Stück Fleisch gekauft hatte, dies an einem Spieß über Kohlen gebraten und es, um es auszukühlen, auf das Ende eines Brettes gelegt und stand nun da. Während er mit etwas anderem beschäftigt war, nahm es ein Hund weg und lief damit fort. Als jener es merkte, verfolgte er ihn und kam dabei bis vor das Südtor; dann kehrte er ermattet um. Der König und die Königin kamen getrennt dem Hunde entgegen; aus Furcht ließ dieser das Fleisch fallen und entfloh. Als dies das große Wesen sah, dachte es: „Dieser hat es weggeworfen und ist davongelaufen, ohne sich umzusehen; ein anderer aber, der der Besitzer davon wäre, ist nicht bekannt. Eine solche nicht zu tadelnde Almosenspeise, die im Staub gelegen hat, gibt es nicht mehr; wir wollen sie verzehren.“ Er nahm seine irdene Almosenschale hervor, hob das Fleischstück auf, reinigte es, legte es in seine Schale, ging damit an einen Ort, wo Wasser leicht zu haben war, und verzehrte es.

Da dachte die Königin: „Wenn dieser nach dem Königtum Gefallen trüge, würde er etwas so Ekelhaftes, mit Staub Beschmutztes, von einem Hunde Weggeworfenes nicht essen; er gehört jetzt nicht mehr zu uns.“ Und sie sprach: „O Großkönig, du issest etwas so Ekelhaftes?“ Der König versetzte: „O Fürstin, infolge deiner blinden Torheit erkennst du nicht den Vorzug dieser Almosenspeise“; indem er die Stelle, wo es hingefallen war, genau betrachtete, verzehrte er es, als sei es Ambrosia, spülte dann seinen Mund aus und wusch sich Hände und Füße.

In diesem Augenblick sprach die Königin tadelnd:

„Wer selbst zur vierten Essenszeit nicht isst,
der wird als ein Halbtoter Hungers sterben;
doch sollst du den gemeinen, schmutz'gen Bissen
als edler Mann, als Weiser nicht verzehren.
Das ist für dich nicht heilsam und nicht gut,
dass du verzehrst, was ein Hund weggeworfen.“

Das große Wesen antwortete:

„Nicht ist mir dies, Sivali, nicht zu essen,
das von sich warf ein Laie oder Hund;
die Güter alle, die rechtlich erworben,
darf ohne Tadel man genießen, sagt man.“—

Während sie so miteinander redeten, kamen sie an das Stadttor. Während dort Kinder spielten, schwenkte ein Mädchen in einem kleinen Worfelkorb Sand hin und her. An ihrer einen Hand war ein Armband, an der anderen zwei. Diese stießen aneinander; das andere aber machte keinen Lärm. Als der König die Ursache davon merkte, dachte er: „Sivali geht hinter mir drein; ein Weib aber ist eine Befleckung für einen, der die Welt verlässt. Man könnte mich tadeln: ‚Dieser kann, obwohl er ein Weltflüchtling ist, doch nicht seine Gattin verlassen.‘ Wenn dies Mädchen weise ist, wird sie der Königin Sivali verkünden, warum sie umkehren muss. Wenn ich ihre Worte gehört habe, werde ich Sivali fortschicken.“ Und er sprach:

„O Kind, das bei der Mutter ruht,
das stets mit Ketten ist geschmückt,
warum ertönt dein einer Arm,
der andre Arm ertönet nicht?“

Das Mädchen antwortete:

„An dieser meiner Hand, Asket,
sind zwei Armbänder angehängt.
Durch die Verein'gung kommt der Schall;
wenn man zu zweit ist, geht dies so.

An dieser andern Hand, Asket,
ist nur ein Armband angemacht.
Weil es allein ist, tönt es nicht,
wie ein Einsiedler steht es da.

Zum Streite gibt der Zweite Anlass;
mit wem wird auch ein einz'ger streiten?
Wenn du drum nach dem Himmel strebst,
gefalle dir die Einsamkeit.“

Als jener die Worte dieses kleinen Mädchens vernommen, nahm er sie zu Hilfe und sprach, indem er sich an die Königin wandte:

„Hast du gehört, o Sivali,
die Verse, die das Mädchen sprach?
Die Sklavin hat mich tadeln wollen:
‚Wenn man zu zweit ist, geht dies so.‘

Dieser getrennte Weg, du Liebe,
wird von den Wanderern betreten;
wähl du den einen dir davon,
ich werde dann den andern gehen.
Nenne mich nicht mehr deinen Gatten
und ich will nicht mehr Frau dich heißen.“

Als sie seine Worte vernommen, erwiderte sie: „O Fürst, wählt Ihr den besten, rechten Weg; ich nehme den linken.“ Nachdem sie ihm ihre Verehrung bezeugt, ging sie ein wenig weiter; da sie aber ihren Schmerz nicht zu ertragen vermochte, kehrte sie wieder um und ging zusammen mit dem König in die Stadt hinein.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister folgende Halbstrophe:

„Während sie miteinander sprachen,
kamen sie zur Stadt Thūna hin.“

Als aber das große Wesen hineingekommen war, gelangte es, während es seinen Almosengang machte, zum Haustore eines Bogenmachers; Sivali aber blieb ihm zur Seite stehen. Zu dieser Zeit hatte der Bogenmacher in einer Kohlenpfanne einen Bogen erhitzt, ihn dann mit saurem Reisschleim benetzt und machte ihn nun gerade, indem er ein Auge zudrückte und mit dem andern schaute. Als dies das große Wesen sah, dachte es: „Wenn dieser weise ist, wird er mir den Grund davon sagen; ich will ihn fragen“, und es ging zu ihm hin.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:

Am Laden eines Bogenmachers,
nachdem die Zeit zum Mahl gekommen,
drückte damals der Bogenmacher das eine Auge zu
und blickte zum krummen Bogen mit dem andern.

Da sprach zu ihm das große Wesen:

„Siehst du denn gut auf diese Weise,
o Bogenmacher, höre mich,
dass du das eine Auge zudrückst
und nur mit einem schaust zum Bogen?“

Darauf sprach der andere, um es ihm zu erklären:

„Mit beiden Augen, o Asket,
erscheint es, als wär' es zu weit;
man findet nicht den zweiten Strich
und so kommt es nicht richtig vor.

Wenn man das eine Auge schließt
und nur mit einem sieht die Krümme,
dann sieht man auch den zweiten Strich
und es erscheint in Richtigkeit.

Zum Streite nur der zweite dient;
mit wem kann denn ein einz'ger streiten?
Wenn du drum nach dem Himmel strebst,
gefalle dir die Einsamkeit.“

Nachdem er ihm so diese Ermahnung gegeben, schwieg er still.

Als darauf das große Wesen seinen Almosengang beendet und das Speisengemisch gesammelt hatte, ging es wieder zur Stadt hinaus und setzte sich an einer Stelle nieder, wo das Wasser bequem zu erreichen war. Nachdem es seine Mahlzeit beendet, hängte es seine Almosenschale wieder an seine Tragstange, wendete sich an Sivali und sprach:

„Du hörtest, Sivali, die Verse,
die uns der Bogenmacher sagte,
und eine Sklavin musst' mich tadeln;
wenn man zu zweit ist, geht es so.

Dieser geteilte Weg, du Liebe,
wird von den Wanderern begangen;
von diesen wähle du den einen,
ich aber will den andern nehmen.
Nicht mehr sollst du mich Gatte nennen
und ich will nicht mehr Frau dich heißen.“

Obwohl ihr aber von ihm gesagt wurde: „Nicht mehr sollst du mich Gatte nennen“, folgte sie immer noch dem großen Wesen; doch konnte sie den König nicht zur Umkehr bewegen und eine große Menge folgte ihr nach. Von da aber war der Wald nicht weit. Als das große Wesen den Rand des dunklen Waldes sah, bekam es Lust, sie zur Umkehr zu veranlassen. Wahrend es so dahinging, sah es in der Nähe der Straße Munja-Gras.Davon riss es einen Halm ab und sagte: „Sieh, Sivali, dieses kann man nicht wieder mit dem andern verbinden; ebenso kann man auch mein Zusammensein mit dir nicht mehr wiederherstellen.“ Und es sprach folgende Halbstrophe:

„Wie dieser Halm vom Gras gerissen,
lebe allein, o Sivali!“

Als sie dies hörte, dachte sie: „Von jetzt an gibt es kein Zusammensein mehr für mich mit dem Völkerfürsten Mahajanaka!“ Da sie ihren Schmerz nicht mehr ertragen konnte, schlug sie ihre Brust mit beiden Händen, wurde bewusstlos und fiel auf die Heerstraße nieder. Als das große Wesen merkte, dass sie bewusstlos geworden war, ging es in den Wald hinein, wobei es seine Fußspuren verwischte. Die Minister kamen herbei, besprengten den Körper der Königin mit Wasser, rieben ihre Hände und Füße und bewirkten, dass sie wieder das Bewusstsein erhielt. Darauf fragte sie: „Ihr Lieben, wo ist der König?“ „Wisst Ihr es nicht?“, fragten die andern. „Suchet ihn, Freunde!“, befahl sie. Obwohl sie aber hierhin und dorthin liefen, sahen sie ihn nicht.

Darauf hielt sie eine laute Klage; dann ließ sie an der Stelle, wo der König gestanden hatte, eine Pagode errichten, bezeigte ihr mit wohlriechenden Substanzen, Girlanden u. dgl. ihre Verehrung und kehrte hierauf wieder um. Das große Wesen aber zog nach dem Himalaya, erlangte die Erkenntnisse und die Vollkommenheiten und kehrte nicht wieder in das Bereich der Menschen zurück. Die Königin aber ließ an dem Orte, wo der König mit dem Bogenmacher gesprochen hatte, wo er mit dem Mädchen gesprochen hatte, wo er das Fleisch verzehrt hatte, wo er mit Migajina gesprochen hatte und wo er mit Narada gesprochen hatte, an all diesen Orten Monumente errichten und verehrte sie mit wohlriechenden Substanzen, Girlanden u. dgl. Dann kehrte sie von ihrem Heere umgeben nach Mithila zurück, erteilte im Mangowalde ihrem Sohne die Weihe und schickte ihn vom Heere umgeben in die Stadt. Sie selbst betätigte der Weisen Weltflucht, indem sie dortselbst im Parke wohnen blieb. Indem sie die Mittel zur Erlangung der Askese anwandte, wurde sie der Fähigkeit der Ekstase teilhaftig und gelangte darauf in die Brahmawelt.

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon betätigte der Vollendete die große Weltentsagung“, und verband hierauf das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war die Meeresgottheit Uppalavannu, Narada war Sāriputta, Migajina war Mogallana, das Mädchen war die Nonne Khema, der Bogenmacher war Ananda, Sivali war die Mutter Rāhulas, der Prinz Dighavu war Rāhula, die Eltern waren Angehörige der Großkönigsfamilie, der Völkerfürst Mahajanaka aber war ich.“

Ende der Erzählung von Mahajanaka