Jātaka 540

Die Erzählung von Sāma (Sāma-Jātaka)

Niraya-Kanda

„Wer hat mich mit dem Pfeil verwundet“

Dies erzählte der Meister, während er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch, der seine Eltern ernährte. Zu Sāvatthī nämlich war in einer einhundert achtzig Millionen besitzenden Großkaufmannsfamilie ein einziger Sohn; der war seinen Eltern lieb und hold. Als dieser eines Tages auf seinen Söller gegangen war, das Fenster geöffnet hatte und die Straße hinabschaute, sah er, wie eine große Volksmenge mit wohlriechenden Substanzen und Kränzen in den Händen nach dem Jetavana ging, um die Predigt anzuhören. Da dachte er: „Auch ich will hingehen“, ließ wohlriechende Substanzen, Kränze u. dgl. mitnehmen und begab sich nach dem Kloster. Er spendete Kleider und heilsame Getränke der Mönchsgemeinde, bezeigte dem Erhabenen mit wohlriechenden Substanzen, Kränzen u. dgl. seine Ehrfurcht und setzte sich ihm zur Seite. Als er die Predigt angehört, erkannte er den Nachteil, der in den Lüsten liege, und den Vorteil der Weltflucht und bat, als sich die Versammlung erhoben hatte, den Erhabenen um Aufnahme in den Mönchsstand. Doch wurde ihm der Bescheid: „Einen, der keine Erlaubnis dazu von seinen Eltern hat, nehmen die Vollendeten nicht in den Mönchsstand auf.“ Darauf ging er heim, aß sieben Tage lang nichts und erhielt dadurch von seinen Eltern die Erlaubnis; dann kehrte er zurück und bat um Aufnahme in den Orden. Der Meister gab einem Mönche den Befehl dazu und dieser nahm ihn in den Orden auf.

Nachdem er aber Mönch geworden, wurde ihm viel Ehre und Ansehen zuteil; er erwarb sich die Zufriedenheit seiner Lehrer und Unterweiser und erhielt die Weihe. Nachdem er so fünf Jahre lang die Lehre erfüllt hatte, dachte er: „Ich lebe hier in Zerstreuung; dies ist für mich nicht passend.“ Er bekam Lust, im Walde die Tätigkeit zur Erlangung der übernatürlichen Einsicht zu üben, ließ sich von seinem Unterweiser einen Betrachtungsstoff geben und nahm im Walde in der Nähe eines Grenzdorfes seinen Aufenthalt. Während er aber hier die übernatürliche Einsicht anstrebte, konnte er zwölf Jahre lang trotz allen Nachdenkens und Bemühens nicht die Unterscheidung herbeiführen.

Seine Eltern aber waren, als die Zeit so verging, arm geworden. Diejenigen, welche ein Feld von ihnen bearbeiteten oder ein Geschäft mit ihnen trieben, dachten: „In dieser Familie gibt es ja keinen Sohn oder Bruder, der eine Schuld mit Eifer eintreiben könnte“; was in ihre Hand kam, das nahmen sie und liefen damit fort. Auch im Hause nahmen die Diener und Sklaven Gold und andere Schmucksachen und liefen damit fort. In der Folgezeit wurden die beiden Leute arm und bekamen nicht einmal mehr das Wasser, um es über die Hände zu gießen; sie verkauften ihr Haus und wurden heimatlos. So waren sie ein Gegenstand des Mitleids geworden; mit Lumpen bekleidet und mit einer Muschelschale in der Hand erbettelten sie sich Almosen.

Zu dieser Zeit hatte ein Mönch das Jetavana verlassen und war zu dem Aufenthaltsort jenes Mönches gekommen. Als an ihm dieser die Pflichten für die Gäste erfüllt hatte und fröhlich neben ihm saß, fragte er ihn: „Woher seid Ihr gekommen?“ Auf seine Antwort, er komme aus dem Jetavana, erkundigte er sich nach dem Befinden des Meisters, der großen Schüler usw. und fragte dann mit folgenden Worten nach dem Befinden seiner Eltern: „Herr, wie steht es mit der Gesundheit der Großkaufmannsfamilie so und so?“ Der andere antwortete: „Lieber, frage nicht nach dem Befinden dieser Familie.“ Als der Mönch weiter fragte: „Warum, Herr?“, sprach jener weiter: „Lieber, diese Familie hat nämlich nur einen einzigen Sohn; dieser ist in unserm Orden Mönch geworden. Seitdem er aber Mönch geworden ist, ist diese Familie zurückgegangen. Jetzt sind die zwei Leute in die äußerste Armut gestürzt und sammeln Almosen.“ Als er dessen Worte vernahm, vermochte er aus eigner Kraft nicht, stehen zu bleiben; mit Augen voll von Tränen begann er zu weinen. Als der andere ihn fragte: „Freund, warum weinst du?“, erwiderte er: „Herr, dies sind meine Eltern; ich bin ihr Sohn.“ Darauf versetzte der andere: „Freund, durch dich sind deine Eltern ins Verderben gestürzt; gehe hin und ernähre sie!“

Da dachte der Mönch: „Ich habe, obwohl ich zwölf Jahre lang strebe und mich bemühe, nicht vermocht, einen Weg oder eine Frucht des Weges zu erlangen. Ich werde dazu unfähig bleiben. Was soll mir die Weltflucht? Ich will ein Laie werden, meine Eltern ernähren, Almosen spenden und dadurch den Himmel erlangen.“ Er überließ seine Waldwohnung dem Thera und verließ am nächsten Tage den Ort. So gelangte er allmählich nach dem Hinterkloster von Jetavana unweit von Sāvatthī. Dort befinden sich zwei Wege; der eine führt nach dem Jetavana, der andere nach Sāvatthī. Als er nun dort stand, dachte er: „Soll ich zuerst meine Eltern aufsuchen oder den mit den zehn Kräften Ausgestatteten?“ Dabei kam ihm folgender Gedanke: „Meine Eltern habe ich seit langer Zeit nicht gesehen; von jetzt an aber wird es mir schwer zu erreichen sein, den Buddha zu sehen. Nachdem ich heute noch den völlig Erleuchteten gesehen und seine Predigt gehört, werde ich morgen in der Frühe meine Eltern besuchen.“ Er verließ den nach Sāvatthī führenden Weg und betrat zur Abendzeit das Jetavana.

Als aber an diesem Tage zur Zeit der Morgendämmerung der Meister die Welt betrachtete, sah er die Bereitheit dieses Sohnes aus edler Familie; als dieser kam, erzählte er in dem Matiposaka-Sutta den Vorzug der Eltern. Da nun jener inmitten der Versammlung der Mönche stehend diese Predigt hörte, dachte er: „Ich meinte, ich solle ein Laie werden und so im Stande sein, meine Eltern zu ernähren; der Meister aber sagt: ‚Auch ein in den Orden eingetretener Sohn ist ein Helfer.‘ Wenn ich fort gegangen wäre, ohne den Meister aufzusuchen, dann wäre ich dieser derartigen Weltflucht verlustig gegangen. Jetzt aber werde ich, ohne ein Laie zu werden, als Mönch meine Eltern ernähren.“ Er nahm einen Zettel, erhielt Zettelspeise und Zettelreisschleim und es war ihm, als habe er sich, nachdem er zwölf Jahre im Walde gelebt, einer die Ausschließung aus dem Mönchsstande zur Folge habenden Tat schuldig gemacht.—In der Frühe kam er nach Sāvatthī und überlegte: „Soll ich nun zuerst den Reisschleim in Empfang nehmen oder meine Eltern aufsuchen?“ Er dachte: „Zu armen Leuten mit leerer Hand zu kommen, ist unziemlich“; er holte den Reisschleim und ging nach der Türe ihres alten Hauses. Da sah er seine Eltern, die sich Reisschleim erbettelt hatten und an eine Wand gegangen und sich dort niedergesetzt hatten. Trauer erfüllte ihn und mit tränenerfüllten Augen blieb er unweit von ihnen stehen. Obwohl sie ihn aber sahen, erkannten sie ihn nicht, sondern seine Mutter meinte: „Er wird, um ein Almosen zu erbitten, stehen geblieben sein“, und sagte zu ihm: „Ehrwürden, wir haben nichts, was Euch zu geben geziemend wäre; gehet weiter!“ Als er ihre Worte vernahm, erfüllte ihm die Trauer das ganze Herz und mit tränenvollen Augen blieb er auf derselben Stelle stehen. Auch als er zum zweiten und zum dritten Male angesprochen wurde, blieb er stehen. Da sagte sein Vater zu seiner Mutter: „Gehe hin, ist denn dies dein leiblicher Sohn?“ Sie stand auf, ging hin, erkannte ihn, und fiel ihm weinend zu Füßen; auch sein Vater tat so; es war ein großer Jammer. Als er seine Eltern so sah, vermochte er aus eigner Kraft nicht, stehen zu bleiben, und vergoss Tränen; doch beschwichtigte er den Schmerz und sagte: „Seid unbesorgt; ich werde euch ernähren.“ Nachdem er sie so getröstet, gab er ihnen Reisschleim zu trinken und ließ sie an seiner Seite Platz nehmen; dann holte er abermals Almosenspeise und gab sie ihnen zu essen. Nachdem er hierauf für sich selbst Speise geholt, ging er wieder zu ihnen hin, fragte sie abermals nach Speise und aß darauf selbst; ihnen zur Seite nahm er seinen Aufenthalt.

Von da an ernährte er auf diese Weise seine Eltern; auch die Abteilungsspeisen u. dgl., die er erhielt, gab er ihnen, machte dann selbst seinen Almosengang und aß, was er da bekam. Auch was immer er an Speisen für die Regenzeit erhielt, gab er ganz ihnen. Ihre abgenützten alten Gewänder reinigte er hinter verriegelten Türen und trug sie selbst auf. Die Tage aber, an denen er Almosen erhielt, waren wenige, die Tage, an denen er keins erhielt, waren viele; sein Ober- und Untergewand waren allzu rau. Während er so seine Eltern pflegte, wurde er in der Folgezeit mager und über und über gelb. Deshalb fragten ihn seine Freunde und Genossen: „Freund, früher glänzte deine Hautfarbe, jetzt aber bist du über und über gelb; hat dich eine Krankheit befallen?“ Darauf erwiderte er: „Freunde, ich habe keine Krankheit, aber ein Hindernis steht mir im Wege“, und er erzählte ihnen die Begebenheit. Sie antworteten: „Freund, der Meister gestattet nicht, dass die Gaben der Gläubigen vergeudet werden; wenn du die Gaben der Gläubigen nimmst und sie an Laien verschenkst, tust du etwas Unrechtes.“ Als er ihre Worte vernahm, sank er schamerfüllt zusammen.

Aber auch damit noch unzufrieden gingen sie hin und meldeten dem Meister: „Ehrwürdiger Herr, der Mönch so und so vergeudet die Spenden der Gläubigen und ernährt damit Laien.“ Der Meister ließ den Sohn aus edler Familie zu sich rufen und fragte: „Ist es wahr, Mönch, dass du die Gaben der Gläubigen nimmst und damit die Laien ernährst?“ Er antwortete: „Es ist wahr, Herr.“ Nun wollte der Meister dessen gute Tat preisen und zugleich seinen eigenen Wandel in einer früheren Existenz verkündigen; deshalb fragte er weiter: „Mönch, wenn du Laien ernährst, wen ernährst du da?“ Er erwiderte: „Meine Eltern, Herr.“ Darauf gab ihm der Meister, um den Eifer in ihm zu wecken, dreimal mit den Worten: „Gut, gut“, seinen Beifall kund und sprach: „Du stehst auf dem Wege, den auch ich einst ging; ich habe in einem früheren Leben meine Eltern ernährt.“ Dadurch erhielt der Mönch seinen Eifer wieder. Um aber diesen früheren Wandel zu offenbaren, erzählte der Meister auf die Bitte der Mönche folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Ehedem war unweit von Benares am diesseitigen Ufer ein Jägerdorf und am jenseitigen Ufer auch eins. In jedem Dorfe wohnten je fünfhundert Jägerfamilien. In den beiden Dörfern waren auch die Ältesten der Jäger befreundet. In ihrer Jugendzeit schon trafen sie folgende Verabredung: „Wenn einer von uns eine Tochter erhält und der andere einen Sohn, so sollen sich diese feierlich vermählen.“ Im Hause des Ältesten der Jäger auf dem diesseitigen Ufer wurde darauf ein Sohn geboren. Weil er im Augenblicke seiner Geburt in einem feinen Tuche aufgefangen wurde, gab man ihm den Namen Dukūlaka (= „der mit dem feinen Tuch“). Im Hause des andern wurde eine Tochter geboren; weil diese am andern Ufer geboren war, gab man ihr den Namen Pārikā (d. h. „die Jenseitige“). Die beiden waren überaus schön und goldfarbig; obwohl sie aus Jägerfamilien stammten, verübten sie keine Tötung von lebenden Wesen.

In der Folgezeit, als er sechzehn Jahre alt geworden war, sprachen zum Jüngling Dukūlaka seine Eltern: „Mein Sohn, wir wollen dir ein Mädchen zuführen.“ Er aber, ein reines Wesen, das aus der Brahmawelt gekommen war, verschloss sich beide Ohren und sagte: „Mich verlangt nicht nach dem Leben im Hause; redet nicht derartiges!“ Und auch als sie zum dritten Male so zu ihm sprachen, war er nicht damit einverstanden. Auch zu dem Mädchen Pārikā wurde von ihren Eltern gesagt: „Liebe, unser Freund hat einen Sohn, der überaus schön ist und goldfarbig“; aber auch sie verschloss diesen Worten ihr Ohr, denn auch sie war aus der Brahmawelt gekommen. Der Jüngling Dukūlaka schickte ihr insgeheim die Botschaft: „Wenn du nach unreinem Wandel verlangst, so gehe in das Haus eines anderen; ich habe kein Gefallen an der Unkeuschheit.“ Auch sie schickte ihm dieselbe Botschaft.

Obwohl sie aber dies nicht wünschten, feierte man für sie das Hochzeitsfest. Die beiden jedoch überschritten nicht das Meer der Sinnenlust und lebten zusammen wie zwei Erzengel. Der Jüngling Dukūlaka tötete weder einen Fisch noch ein Stück Wild; ja sogar das Fleisch, das ihm gebracht wurde, verkaufte er nicht. Da sprachen seine Eltern zu ihm: „Mein Sohn, obwohl du in einer Jägerfamilie geboren bist, wünschst du weder das häusliche Leben noch betätigst du die Tiertötung; was willst du denn tun?“ Er antwortete: „Mutter, Vater, wenn Ihr Eure Zustimmung gebt, werden wir heute noch die Weltflucht betätigen.“ „So geht also“, erwiderten die Eltern und ließen die beiden Leute ziehen.

Nachdem sich diese von ihren Eltern verabschiedet, zogen sie fort und kamen am Gangesufer in den Himalaya; dort wo ein Fluss namens Migasammatā (der vom Wild geehrte), der vom Himalaya herabkommt, sich in den Ganges ergießt, dort gingen sie hin, verließen den Ganges und stiegen längs der Migasammatā in das Gebirge hinauf.

In diesem Augenblicke wurde Sakkas Palast heiß. Als Sakka den Grund davon erkannte, sprach er zu Vissakamma: „Lieber Vissakamma, zwei Helden haben die Welt verlassen und sind in den Himalaya gezogen. Sie müssen eine Wohnung erhalten. Erschaffe ein halbes Kosa von dem Fluss Migasammatā entfernt für sie eine Laubhütte und die Ausrüstungsgegenstände für Weltflüchtlinge und gehe dann!“ Jener stimmte zu und ordnete dann alles nach der im Mugapakkha-Jātaka angegebenen Weise an. Die wilden Tiere mit unschöner Stimme vertrieb er, er erschuf einen Fußpfad, der einen Fuß breit war, und kehrte dann wieder an seinen Ort zurück.

Als jene den Weg sahen, gelangten sie auf ihm zur Einsiedelei. Da der weise Dukūla die Laubhütte betrat und die Ausrüstungsgegenstände für Weltflüchtlinge darin sah, dachte er: „Dies ist mir von Sakka geschenkt“, und erkannte so, dass es Gott Sakkas Gabe sei. Er zog sein Gewand aus, nahm ein Gewand aus rotem Bast als Unter- und Oberkleid, legte das Fell auf die Schultern, band seine Flechten zu einem Kreise zusammen und nahm so das Aussehen eines Asketen an. Auch Pāri nahm er unter die Weltflüchtlinge auf und so wohnten die beiden dort, indem sie die Liebe der Sinnenwelten betätigten. Durch die Macht ihrer Liebe erhielten auch alle Tiere und Vögel die Liebe zueinander wieder; keines verletzte irgendein anderes. Pāri holte Wasser zum Genießen herbei, fegte die Einsiedelei und erfüllte alle ihre Pflichten; zu zweit holten sie die Waldfrüchte und verzehrten sie; dann ging ein jedes in seine Laubhütte und so weilten sie bei einander, indem sie die Asketen-Tugenden betätigten.

Gott Sakka kam herbei um ihnen zu dienen. Als er eines Tages in die Zukunft schaute, sah er ein Hindernis: „Sie werden ihre Augen verlieren.“ Darum begab er sich zu dem weisen Dukūlaka, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll, setzte sich ihm zur Seite und sprach zu ihm: „Herr, es ist eine Gefahr für Euch vorhanden. Ihr müsst einen Sohn bekommen, der Euch ernährt; betätigt die Weltlichkeit!“ Der Asket erwiderte: „Sakka, was sagst du da? Wir haben, auch als wir noch im Hause wohnten, diese Weltlichkeit aufgegeben und uns davor geekelt wie vor einem Haufen stinkenden Mistes. Jetzt, wo wir in den Wald gezogen sind und der Weisen Weltflucht betätigen, wie sollten wir da derartiges tun?“ Sakka versetzte: „Herr, wenn Ihr nicht so tun wollt, so berührt zur Menstruationszeit der Asketin Pāri ihren Nabel mit der Hand.“ Das große Wesen gab seine Zustimmung, indem es sagte: „Dies kann man tun.“ Darauf grüßte Gott Sakka ehrfurchtsvoll und kehrte an seinen Ort zurück.

Das große Wesen erzählte dies Pāri und berührte zur Zeit der Menstruation ihren Nabel. Damals verließ der Bodhisattva die Götterwelt und nahm in ihrem Schoße seine Wiedergeburt. Nach Ablauf von zehn Monaten gebar sie einen goldfarbenen Sohn; darum gaben sie ihm den Namen Suvannasāma (= Gold-Sāma). Der Pāri aber erwiesen Feenweibchen im Innern des Berges die Ammendienste. Wenn sie beide den Bodhisattva gebadet hatten, legten sie ihn in der Laubhütte nieder und gingen fort, um Waldfrüchte zu sammeln. In diesem Augenblicke nahmen Feenmännchen den Knaben, badeten ihn in einer Höhle und ähnlichen Orten, stiegen dann auf den Berg hinauf, schmückten ihn mit mannigfaltigen Blumen und brachten an ihm mit Auripigment, rotem Arsenik u. ä. die Unterscheidungszeichen an; hierauf brachten sie ihn wieder zurück und legten ihn in der Laubhütte nieder. Dann kam Pāri zurück und stillte ihren Knaben. Auch in der Folgezeit, als er herangewachsen war und das Alter von sechzehn Jahren erreicht hatte, behüteten ihn noch seine Eltern, ließen ihn in der Laubhütte bleiben und gingen selbst fort, um die Waldfrüchte zu holen. Der Bodhisattva aber dachte: „Vielleicht könnte ihnen einmal eine Gefahr zustoßen“, und merkte sich den Weg, den sie gegangen.

Als sie nun eines Tages mit Waldfrüchten beladen zur Abendzeit zurückkehrten, erhob sich unweit von ihrer Einsiedelei ein schweres Unwetter. Sie gingen an die Wurzel eines Baumes und stellten sich auf einen Ameisenhaufen. In dessen Innern hauste eine Giftschlange. Von dem Körper der beiden aber floss Wasser herab vermischt mit stark riechendem Schweiße und kam der Schlange in ihre Nasenöffnung. In ihrem Zorn traf sie die beiden mit dem Hauch ihrer Nase; die beiden erblindeten und sahen einander nicht mehr. Der weise Dukūlaka sagte zu Pāri: „Pāri, meine Augen sind zugrunde gegangen; ich sehe dich nicht.“ Auch sie sagte ebenso. Darauf dachten sie: „Jetzt ist es um unser Leben geschehen“, weil sie den Weg nicht sahen, und klagend blieben sie stehen.

Was war aber ihre Tat in einer früheren Existenz? Sie bildeten ehedem eine Ärztefamilie. Dieser Arzt behandelte die Augenkrankheit eines sehr reichen Mannes; dieser ließ ihm aber nichts dafür geben. Voll Zorn sagte es der Arzt seiner Frau und fragte: „Was sollen wir tun?“ Auch diese war darüber erzürnt und sagte: „Wir brauchen kein Geld von ihm; mache ihm ein Mittel zurecht, sage, es sei ein Heilmittel, und mache ihn dadurch einäugig.“ Jener stimmte ihrem Worte zu und tat so; und bei beiden wurden infolge dieser früheren Tat ihre Augen blind.—

Da dachte der Bodhisattwa: „Meine Eltern kommen an den anderen Tagen um diese Zeit; jetzt weiß ich nicht, was ihnen begegnet ist. Ich will ihnen entgegengehen.“ Er ging ihnen entgegen und rief nach ihnen. Sie vernahmen seine Stimme, riefen zurück und sagten in ihrer Liebe: „Lieber Sāma, hier ist eine Gefahr; komme nicht!“ Darauf reichte er ihnen mit den Worten: „Fasst ihn also und kommt“, einen langen Zweig; sie ergriffen das Ende des Zweiges und kamen so zu ihm. Darauf fragte er sie: „Aus welchem Grunde habt ihr eure Augen verloren?“ Sie antworteten: „Mein Sohn, wir stellten uns, als es regnete, am Fuße eines Baumes auf einen Ameisenhaufen; dies war die Veranlassung.“ Als er dies hörte, merkte er: „Dort muss eine Giftschlange sein; diese wird in ihrem Zorne den Hauch ihrer Nase ausgehaucht haben.“

Als er aber so seine Eltern sah, weinte er und lachte zugleich. Da fragten sie ihn: „Mein Sohn, warum weinst du und warum lachst du?“ Er erwiderte: „Mutter, Vater, weil ihr noch in eurer Jugend eure Augen verloren habt, darüber weinte ich; weil ich euch aber jetzt pflegen werde, darüber lachte ich. Seid unbekümmert; ich werde euch pflegen.“ Er führte seine Eltern in die Einsiedelei zurück und band für sie an den Stellen für Tag und Nacht, beim Wandelgang, in der Laubhütte, an dem Platze, wo sie Kot und Urin ließen, kurz überall Stricke fest. Von da an ließ er sie in der Einsiedelei und holte die Wurzeln und Früchte des Waldes. In der Frühe reinigte er ihre Wohnung, er ging nach dem Migasammata-Fluss und brachte Wasser herbei, er stellte es ihnen zum Genusse bereit, er machte ihnen Zahnstocher und Mundwasser zurecht und gab ihnen süße Waldfrüchte; wenn die beiden den Mund ausgespült hatten, dann genoss er selbst davon. Wenn er selbst gegessen hatte, grüßte er ehrfurchtsvoll seine Eltern und ging, umgeben von einer Schar wilder Tiere, in den Wald, um Waldfrüchte zu holen. Inmitten des Gebirges nahm er umgeben von Feen die Waldfrüchte mit und kehrte zur Abendzeit zurück. Dann brachte er in einem Topf Wasser herbei, erhitzte es und bereitete ihnen aus dem heißen Wasser nach Wunsch ein Bad oder eine Fußwaschung, brachte eine Kohlenpfanne herbei und erwärmte ihren Körper. Wenn sie dann saßen, gab er ihnen Waldfrüchte, aß zum Schlusse selbst und hob das Übriggebliebene auf. Auf diese Weise ernährte er seine Eltern.—

Zu dieser Zeit herrschte zu Benares ein König namens Piliyakkha. Dieser übertrug infolge seiner Gier nach Wildfleisch seiner Mutter die Herrschaft und zog, umgürtet mit den fünf Waffen, in den Himalaya. Hier gelangte er, während er Wild tötete und dessen Fleisch verzehrte, nach dem Migasammata-Fluss. Allmählich kam er bis an die Furt, wo Sāma Wasser zu holen pflegte, und sah hier eine Wildspur. Aus edelsteinfarbigen Zweigen machte er sich ein Verhau und setzte sich dort nieder gebückt hin mit seinem Bogen, einen vergifteten Pfeil bereithaltend.

Nachdem nun der Bodhisattwa zur Abendmahlzeit Waldfrüchte herbeigeholt und in der Einsiedelei niedergelegt hatte, grüßte er ehrfurchtsvoll seine Eltern und sagte: „Ich will baden, Wasser holen und dann zurückkommen.“ Er nahm einen Topf und ging, umringt von einer Schar Wildes, nach der Furt des Flusses, indem er zwei Gazellen zusammentat, auf ihren Rücken den Wassertopf stellte und ihn mit der Hand festhielt.

Als der König in seinem Versteck stehend ihn sah, dachte er: „Ich habe während der ganzen Zeit, da ich umherwandle, noch keinen Menschen zu Gesicht bekommen. Ist dies wohl ein Gott? Oder ist es ein Naga? Wenn ich aber zu ihm hingehe und ihn frage, so wird er, wenn er ein Gott ist, in die Luft empor fliegen, wenn er ein Nāga ist, wird er sich in die Erde verkriechen. Ich werde aber doch nicht beständig im Himalaya bleiben; ich werde auch wieder nach Benares gehen. Dort werden mich meine Minister fragen: ‚Hast du, o Großkönig, während du im Himalaya weiltest, nicht auch etwas Wunderbares gesehen?‘ Wenn ich dann antworte: ‚Dort habe ich ein derartiges Wesen gesehen‘, werden sie weiter fragen: ‚Was ist dies für ein Wesen‘, und wenn ich dann sage: ‚Ich weiß es nicht‘, so werden sie mich tadeln. Darum werde ich es verwunden, es dadurch kraftlos machen und es dann fragen.“

Nachdem nun die Gazellen zuerst hinab gestiegen und, nachdem sie Wasser getrunken, wieder heraufgekommen waren, stieg der Bodhisattwa wie ein großer Thera, der seine Pflichten wohl kennt, langsam in das Wasser hinab; dann stieg er voll Freude über seine Seelenruhe wieder herauf, zog sein Bastgewand an und legte sein Antilopenfell auf die eine Schulter. Hierauf hob er seinen Wasserkrug empor, füllte Wasser hinein und stellte ihn oben auf seine linke Schulter. In diesem Augenblick dachte der König: „Jetzt ist es Zeit, ihn zu verwunden“; er schoss seinen vergifteten Pfeil ab und traf das große Wesen an der rechten Seite. Der Pfeil kam auf der linken Seite wieder heraus. Als die Gazellenschar merkte, dass jener getroffen sei, floh sie furchtsam davon.

Der getroffene weise Sāma schwankte zuerst mit seinem Krug nach allen Seiten; dann kam ihm das Bewusstsein wieder; er stieg langsam in das Wasser hinab, entfernte den Sand und stellte sich hin. Er orientierte sich über die Himmelsrichtungen und neigte sein Haupt in der Richtung, wo die Wohnung seiner Eltern war. Dann legte er sich in den Sand, der die Farbe eines Silberblattes hatte, nieder, einer goldenen Platte gleichend. Indem er seinen Verstand betätigte, sagte er: „In diesem Himalaya-Gebirge gibt es doch keine Feinde von mir; auch von mir aus besteht keine Feindschaft zu irgend einem anderen.“ Nachdem er das Blut aus dem Munde entfernt, sprach er, ohne den König zu sehen, folgende Strophe:

„Wer hat mich mit dem Pfeil verwundet,
mich, diesen müden Wasserholer;
Krieger, Brahmane oder Vessa,
wer sitzt da und hat mich verwundet?“

Nachdem er aber so gesprochen, sprach er, um zu beweisen, dass das Fleisch seines Körpers nicht zum Essen geeignet sei, folgende weitere Strophe:

„Nicht ist mein Fleisch gut zu verzehren,
auch meine Haut hat keinen Nutzen;
aus welchem Grunde also hast du
gedacht, du wolltest mich verletzen?“

Nachdem er diese zweite Strophe gesprochen, sprach er weiter, um ihn nach seinem Namen u. dgl. zu fragen:

„Wer bist du oder wessen Sohn?
Wie sollen wir dich kennen lernen?
Auf meine Frage sag mir, Lieber,
wo sitzt du, der du mich verletzt?“

Als dies der König hörte, dachte er: „Obwohl dieser von mir mit einem giftgetränkten Pfeil verwundet und gefällt wurde, schilt er mich nicht noch tadelt er mich. Mit lieben Worten behandelt er mich, als wolle er mein Herz reiben; ich will zu ihm hingehen.“ Und nahe zu ihm herantretend sprach er:

„Vom Lande Kasi bin ich König,
Piliyakkha, so nennt man mich;
nachdem aus Gier mein Reich ich aufgab,
wandl' ich umher und such nach Wild.

In der Schießkunst bin ich erfahren,
als starker Mann bin ich bekannt.
Kein Nāga auch kann mir entfliehen,
kommt er in Schussweite von mir.“

Nachdem er so seine Kraft gepriesen, sprach er, um jenen nach Namen und Geschlecht zu fragen:

„Wer bist du oder wessen Sohn?
Wie sollen wir dich kennen lernen?
Mach du mir deine Eltern kund
und deinen Namen, dein Geschlecht.“

Als dies das große Wesen hörte, dachte es: „Wenn ich sagen würde, ich sei einer der Götter, der Nagas, der Feenmännchen u. dgl. oder ich sei einer der Krieger u. dgl., so würde er es mir glauben. Ich muss ihm die Wahrheit sagen.“ Und es sprach:

„Ein Jägersohn bin ich, Heil dir;
Sāma, so nannten die Verwandten
mich, da ich noch am Leben war;
doch heut bin ich zur Ruh gegangen.

Verletzt bin ich vom starken Pfeil,
vom giftigen, wie die Gazelle;
im eignen Blute liege ich,
sieh her, o König, rings umflossen.

Sieh, wie der Pfeil mich hat durchbohrt;
das Blut spei ich aus meinem Munde.
Schwer leidend frage ich dich drum:
Was liegst du und hast mich verwundet?

Wegen des Felles stirbt der Panther,
der Elefant wegen der Zähne;
aus welchem Grunde aber hast du
gedacht: Ich will diesen verwunden?“

Als der König dessen Worte vernommen, verkündete er nicht, wie es wirklich gewesen war, sondern er sprach, indem er log:

„Eine Gazell' war aufgestanden
und in mein Pfeilbereich gekommen;
als sie dich sah, entfloh sie, Sāma.
Kein Zorn befiel mich deinetwillen.“

Darauf antwortete ihm das große Wesen: „Was sagst du, o Großkönig? In diesem Himalaya gibt es kein Wild, das davonliefe, nachdem es mich gesehen.“ Und es sprach:

„Seit ich mich an mich selbst erinnre,
seit ich bin zu Verstand gekommen,
wird nicht erschreckt von mir das Wild
noch auch im Wald die wilden Tiere.

Seitdem ich meinen Schatz gewann,
seitdem zur Jugend ich gekommen,
wird nicht erschreckt von mir das Wild
noch auch im Wald die wilden Tiere.

Auch scheue Feenmännchen, König,
am Gandhamadana-Berg wohnend,
wandeln in Eintracht mir vereint
durch die Gebirge, durch die Wälder.
Aus welchem Grunde also könnte
vor mir sich die Gazelle fürchten?“

Als dies der König hörte, dachte er: „Nachdem ich diesen Schuldlosen verwundet, habe ich die Unwahrheit gesagt. Ich werde ihm die reine Wahrheit verkünden.“ Und er sprach.

„Nicht sah ich ein Stück Wild, o Sāma;
was soll ich zu dir Lügen sagen?
Von Zorn und Gier ward ich befallen,
darum schoss ich den Pfeil auf dich.“

Nachdem er aber so gesprochen, dachte er: „Dieser Gold-Sāma wird nicht allein in diesem Walde wohnen; er muss auch Verwandte haben. Ich werde ihn danach fragen“; und er sprach folgende weitere Strophe:

„Woher, o Freund, bist du gekommen
oder von wem bist du gesandt
als Wasserholer hergekommen
an den Fluss Migasammata?“

Als jener dessen Worte vernahm, unterdrückte er seinen tiefen Schmerz, entfernte von seinem Munde das Blut und sprach folgende Strophe:

„Blind sind die beiden Eltern mein,
sie pflege ich im großen Walde;
für sie Wasser zu holen kam ich
zum Flusse Migasammata.“

Nach diesen Worten aber sprach er, indem er um seiner Eltern willen klagte:

„Ihr Leben ist wie eine Flamme,
es dauert nur sechs Tage noch;
wenn sie kein Wasser mehr erhalten,
glaub ich, die Blinden werden sterben.

Nicht dies ist mir so unliebsam,
auch dieses muss ein Mann ertragen;
dass ich die Mutter nicht mehr sehe,
ist mir viel härter noch als dies.

Nicht dies ist mir so unliebsam,
auch dieses muss ein Mann ertragen;
dass ich den Vater nicht mehr sehe,
ist mir viel härter noch als dies.

Und diese arme Mutter wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen
zur Mitternacht und gegen Morgen;
sie trocknet aus gleich einem Fluss.

Und dieser arme Vater wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen
zur Mitternacht und gegen Morgen;
er trocknet aus gleich einem Fluss.

Zum Aufstehen und zum Bedienen,
zum Reiben auch der Händ' und Füße:
‚Sāma, mein Sohn‘ werden sie lallen,
herumirren im großen Walde.

Und dieses ist der zweite Pfeil,
der mir das Herz erzittern macht,
dass ich die Blinden nicht mehr sehe
und dass mein Leben ich verliere.“

Als der König dessen Klagen vernommen, dachte er: „Dieser gar heilig Lebende, der im Rechte feststeht, ernährt seine Eltern. Jetzt, obwohl er so ins Unglück gestürzt ist, jammert er nur um sie. An einem so Tugendhaften habe ich eine Sünde getan; wie könnte ich ihn wohl trösten?“ Und er fasste folgenden Entschluss: „Wenn ich in die Hölle gekommen bin, was wird mir dann die Herrschaft nützen? Auf dieselbe Art, wie er sie erhält, werde ich seine Eltern pflegen; auf diese Weise wird sein Tod sein als wäre es kein Tod.“ Und er sprach:

„O jammere nicht mehr so sehr,
o Sāma mit den schönen Augen;
ich will ihnen ein Diener werden
und sie im großen Walde pflegen.

Der Bogenkunst bin ich erfahren
und als ein starker Mann bekannt;
ich will ihnen ein Diener werden
und sie im großen Walde pflegen.

Des Wildes Reste will ich suchen,
die Wurzeln und des Waldes Früchte;
so will ich ihnen Diener werden
und sie im großen Walde pflegen.

Was ist das, Sāma, für ein Wald,
wo deine Eltern jetzt verweilen?
Ich werde sie dortselbst verpflegen,
so wie du sie verpfleget hast.“

Darauf erwiderte ihm das große Wesen: „Gut, o Großkönig, ernähre also du meine Eltern“, und um ihm den Weg anzuzeigen, sprach es:

„Den Pfad hier, einen Fuß nur breit,
o König, hier zu meinen Häupten,
den geh von hier ein halbes Kosa,
dann wirst du ihre Hütte finden.
Dort wohnen beide Eltern mein;
geh von hier fort und pflege sie!“

Nachdem es ihm so den Weg gezeigt, unterdrückte es aus Liebe zu seinen Eltern seinen so großen Schmerz; es bat ihn mit gefalteten Händen, sie zu ernähren, und sprach dazu abermals:

„Verehrung sei dir, Kasi-König,
Verehrung dir, du Reichsvermehrer.
Blind sind die beiden Eltern mein;
ernähre sie im großen Walde.

Die Hände falte ich zu dir,
o Kasi-König, Ehr' sei dir;
der Mutter und dem Vater mein
bestell den Gruß, den ich dir sage.“

Der König gab mit dem Worte „Gut“, seine Zustimmung. Nachdem aber das große Wesen seinen Eltern den Gruß geschickt hatte, fiel es in Bewusstlosigkeit.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Nachdem er so gesprochen hatte,
jung Sāma mit den schönen Augen,
fiel plötzlich er bewusstlos nieder,
ohnmächtig durch des Giftes Kraft.

Während er nämlich oben so viel redete, sprach er dies gewissermaßen atemlos; jetzt aber wurde seine gewohnte Rede infolge der durch die Kraft des Giftes hervorgerufenen Schwächung seiner Lebenskraft, seiner Denkfähigkeit und seines Herzschlages unterbrochen. Sein Mund schloss sich, seine Augen wurden niedergedrückt, seine Hände und Füße wurden steif; sein ganzer Körper wurde mit Blut benetzt. Der König dachte: „Dieser hat eben noch mit mir geredet, was ist jetzt dies?“, und er beobachtete sein Ein- und Ausatmen. „Dies aber hat aufgehört; sein ganzer Körper ist steif geworden; jetzt ist Sāma zugrunde gegangen.“ Und da er seinen Schmerz nicht zu tragen vermochte, legte er beide Hände auf sein Haupt und jammerte laut.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Doch dieser König klagte laut,
was aller Mitleid muss erregen:
„Vom Tod und Altern war ich frei,
so glaubt' ich, doch jetzt weiß ich 's besser.

Da ich den toten Sāma sah,
gibt es kein Fernbleiben des Todes;
er hat mich davon überzeugt,
da er durchs Gift getötet wurde.

Und heute, wie die Zeit vergeht,
spricht er zu mir kein einzig Wort.
Zur Hölle werde ich jetzt gehn,
daran gibt 's keinen Zweifel mehr.

Jetzt hab das Böse ich getan,
für lange Zeit die üble Tat.
Es werden Leute davon sprechen
im Dorfe von dem Übeltäter;
doch in dem menschenleeren Walde
wer könnte da von mir erzählen?

Der Taten in dem Dorf gedenken
die Knaben beim Zusammenkommen;
doch in dem menschenleeren Walde
wer wird da meiner sich erinnern?“—

Damals beobachtete eine Göttertochter namens Bahusodari, die auf dem Berge Gandhamadana wohnte, weil sie bei der siebenten vorhergehenden Existenz des Bodhisattwa seine Mutter gewesen war, aus Mutterliebe beständig den Bodhisattwa. An diesem Tage aber hatte sie, weil sie göttliches Glück genoss, ihn nicht beobachtet; man erzählt auch, sie sei zu einer Götterversammlung gegangen. Als jener nun bewusstlos geworden war, überlegte sie gerade: „Was ist jetzt wohl mit meinem Sohne?“ Da bemerkte sie: „Der König Piliyakkha hat meinen Sohn mit einem vergifteten Pfeile verwundet, ihn am Ufer der Migasammata auf einer Sandbank zu Fall gebracht und klagt jetzt laut. Wenn ich nicht dorthin gehen werde, wird mein Sohn Suvannasāma ebendort zugrunde gehen und auch dem Könige wird dortselbst das Herz brechen. Die Eltern des Sāma aber werden ohne Nahrung und dazu auch des Wassers beraubt austrocknen und sterben. Wenn ich aber dorthin gehe, wird der König mit dem Wassertopf zu dessen Eltern hingehen und auf ihr Wort hin sie zu ihrem Sohne hinführen. Dann werden sie sowohl wie ich eine Wahrheitsbekräftigung betätigen; bei Sāma wird daraufhin das Gift seine Kraft verlieren. So wird mein Sohn sein Leben gerettet erhalten, die Eltern werden ihre Augen wieder bekommen, der König aber wird, nachdem er des Sāma Unterweisung vernommen, hingehen, große Almosen spenden und dadurch in den Himmel kommen. Darum will ich dorthin gehen.“ Sie begab sich dorthin, stellte sich am Ufer der Migasammata unsichtbar in die Luft und begann, mit dem Könige zu reden.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Doch diese Gottheit jetzt verschwand
vom Berge Gandhamadana;
vom Mitleid nur zum Könige
erfüllt sie diese Strophen sprach:

„Du tatest eine Sünde, König,
du hast ein böses Werk begangen;
die Eltern schuldlos und den Sohn,
die drei, tötet' ein einziger Pfeil.

Komm her, ich werde dich belehren,
wie es dir kann zur Rettung dienen.
Ernähre fromm im Wald die Blinden;
dies halte ich für deine Rettung.“

Als jener der Gottheit Worte vernommen, glaubte er fest: „Ja, wenn ich seine Eltern ernähre, werde ich in den Himmel kommen.“ Er fasste den festen Entschluss: „Was soll ich mit dem Königtum; sie nur will ich ernähren.“ Während er eine laute Klage ausstieß, machte er seinen Schmerz klein. Indem er sodann dachte: „Suvannasāma wird gestorben sein“, verehrte er dessen Leichnam mit mannigfachen Blumen, beträufelte ihn mit Wasser, umwandelte ihn dreimal von rechts und verehrte ihn an den vier Stellen. Dann machte er sich betrübten Herzens mit dem von jenem benützten Wasserkruge auf, nach Süden hin gewendet.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Nachdem der König laut geklagt,
was aller Mitleid musst' erregen,
da zog er mit dem Wasserkrug
nach Süden das Gesicht gewendet.“

Der König, der von Natur große Kraft besaß, kam mit dem Wasserkrüge herein, als wollte er den Pfad zur Einsiedelei zertreten, und gelangte an die Tür zur Hütte des Dukūla. Als der drinnen sitzende Weise den Laut seiner Füße vernahm, dachte er: „Das ist nicht der Laut von Sāmas Füßen; von wem kommt er?“ Und indem er danach fragte, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Von wem ist dieser Füße Laut,
von welchem Menschen kommt er her?
Dies ist doch nicht des Sāma Ton;
wer bist du denn, Ehrwürdiger?

Denn Sāma kommt ruhig daher,
ganz ruhig setzt er seinen Fuß.
Dies ist doch nicht des Sāma Ton;
wer bist du denn, Ehrwürdiger?“

Als dies der König hörte, dachte er: „Wenn ich, ohne zu verkünden, dass ich ein König bin, nur sage: ‚Ich habe euren Sohn getötet‘, so werden diese zornig werden und mir raue Worte sagen. Auf diese Weise wird in mir Zorn gegen sie aufsteigen und ich könnte sie verletzen; das wäre für mich unheilvoll. Wenn man aber sagt, man ist der König, so gibt es niemand, der sich nicht fürchtet; darum werde ich zuerst erzählen, dass ich ein König bin.“ Indem er auf die Wassererhöhung den Wasserkrug stellte, sprach er an der Tür der Laubhütte stehend:

„Vom Lande Kasi bin ich König,
Piliyakkha, so nennt man mich.
Nachdem aus Gier mein Reich ich aufgab,
wandl' ich umher und such nach Wild.

In der Schießkunst bin ich erfahren,
als starker Mann bin ich bekannt.
Kein Nāga auch kann mir entfliehen,
kommt er in Schussweite von mir.“

Der Weise erwiderte, indem er ein liebenswürdiges Gespräch mit ihm begann:

„Willkommen dir, du großer König,
nicht unlieb bist du hergekommen.
Als Herrscher kamest du hierher;
was hier vorhanden, teil mit uns.

Tinduka- und Piyala-Blätter
und süße Kasumari-Früchte;
klein sind die Früchte nur und wenig,
doch iss, o König, nur nach Wunsch.

Hier ist auch kühles Wasser da,
geholt aus einer Bergeshöhle;
trinke davon, du großer König,
wenn du danach Verlangen hast.“

Als dieser so liebenswürdig mit ihm sprach, dachte der König: „Es ist unziemlich, zuerst zu sagen: ‚Ich habe Euren Sohn getötet‘. Als ob ich ihn nicht kennte, will ich die Rede darauf bringen und es dann erzählen.“ Und er sprach:

„Ihr Blinden könnt im Wald nicht sehn;
wer hat euch denn das Obst gebracht?
Von einem, der nicht blind, scheint mir,
mein Lieber, dies der Aufenthalt.“

Als dies der Weise hörte, sprach er um zu zeigen: „O Großkönig, nicht wir bringen die Waldfrüchte herbei, sondern unser Sohn holt sie uns“, folgende Strophen:

„Ein zarter Jüngling, nicht sehr groß,
ist Sāma mit den schönen Augen;
lang sind die Haare sein und schwarz,
gekrümmt wie eines Hundes Schweif.

Der hat fürwahr gebracht die Früchte;
er nahm von hier den Wasserkrug
und ging zum Fluss, Wasser zu holen;
ich glaub, er wird bald wiederkommen.“

Als dies der König hörte, sprach er:

„Ich habe den Sāma getötet,
der euer treuer Diener ist,
den Jüngling, von dem ihr erzählt,
den Sāma mit den schönen Augen.

Lang sind die Haare sein und schwarz,
gekrümmt wie eines Hundes Schweif;
doch diese sind mit Blut benetzt
und Sāma liegt von mir erschlagen.“

Unweit von dem Weisen aber war die Laubhütte der Pārikā. Als diese dort sitzend des Königs Stimme vernahm, kam sie, um die Begebenheit kennen zu lernen, heraus, ging an dem Strick sich führend zu dem weisen Dukūlaka hin und sprach:

„Mit wem, Dukūla, sprichst du da,
der sagt, er hab' Sāma getötet?
Als ich vernahm, Sāma ist tot,
da fing mein Herz an zu erbeben.

Wie des Assattha junger Spross,
wenn ihn ein starker Sturm getroffen,
so fing mein Herz zu zittern an,
da ich vernahm, Sāma sei tot.“

Um ihr eine Ermahnung zu geben, sprach darauf der Weise zu ihr:

„Pārikā, dieser Kasi-König
hat Sāma unten an dem Flusse
im Zorn mit seinem Pfeil getroffen;
wünschen wir ihm darob nichts Böses!“

Pāri antwortete:

„Der schwer erlangte liebe Sohn
ernährt' uns Blinde in dem Walde.
Gegen des einz'gen Sohnes Mörder
wie sollt' mein Herz nicht zornig werden?“

Der weise Dukūla aber erwiderte:

„Der schwer erlangte liebe Sohn
ernährt' uns Blinde in dem Walde.
Gegen des einz'gen Sohnes Mörder
sei man vom Zorn frei, sagen Weise.“

Nach diesen Worten drückten die beiden die Hände auf die Brust, priesen die Vorzüge des großen Wesens und jammerten sehr. Darauf sprach zu ihnen der König, um sie zu trösten:

„O jammert nicht so sehr, weil ich
gesagt, dass Sāma ist erschlagen.
Ich will ja euer Diener werden
und euch im tiefen Wald ernähren.

Der Schießkunst bin ich wohl erfahren
und als ein starker Mann bekannt;
jetzt will ich euer Diener werden
und pflegen euch im tiefen Wald.

Des Wildes Reste will ich suchen,
des Waldes Wurzeln und die Früchte;
denn ich will euer Diener werden
und pflegen euch im tiefen Walde.“

Die anderen sprachen, mit ihm redend, folgendes:

„So ist es nicht recht, großer König,
nicht passt sich dieses auch für uns.
Du bist der König von uns beiden,
die Füße dein wollen wir ehren.“

Als dies der König hörte, dachte er gar sehr erfreut: „Ach wunderbar, gegen einen solchen Übeltäter, wie ich es bin, gibt es nicht einmal ein rauhes Wort; sie suchen mich nur zu gewinnen.“ Und er sprach:

„Gar rechtlich sprecht ihr Jägersleute;
die Achtung hast du mir bezeugt.
Du sollst der Vater von uns sein
und du die Mutter, Pārika.“

Doch die beiden baten mit gefalteten Händen: „O Großkönig, es gibt keinen Aufwärterdienst für dich gegen uns; lasse uns aber das Ende des Strickes erfassen und führe uns so zu Sāma hin.“ Und sie sprachen folgendes Strophenpaar:

„Verehrung sei dir, Kasi-König,
Verehrung dir, du Reichsvermehrer!
Die Hände falten wir zu dir;
führ uns dorthin, wo Sāma ist.

Lass seine Füße uns umkehren
und auch sein Antlitz, schön zu schauen;
dann wollen zitternd wir erwarten,
bis unser letztes Stündlein kommt.“

Während sie noch so sprachen, ging die Sonne unter. Da dachte der König: „Wenn ich sie jetzt noch dorthin führen werde, wird bei seinem Anblick ihr Herz brechen. Wenn aber so die drei gestorben sind, werde ich sogleich der Hölle verfallen sein. Darum werde ich sie nicht dorthin gehen lassen.“ Und er sprach folgende vier Strophen:

„Von großen Raubtieren erfüllt,
weit wie der Himmel ist der Ort,
wo Sāma hingemordet liegt
wie Canda, der zur Erde fiel.

Von großen Raubtieren erfüllt,
weit wie der Himmel ist der Ort,
wo Sāma hingemordet liegt
wie Suriya, der zur Erde fiel.

Von großen Raubtieren erfüllt,
weit wie der Himmel ist der Ort,
wo Sāma hingemordet liegt
von Staub und Unrat überdeckt.

Von großen Raubtieren erfüllt,
weit wie der Himmel ist der Ort,
wo Sāma hingemordet liegt;
bleibt hier in der Einsiedelei!“

Darauf sprachen sie, um ihm zu zeigen, dass sie vor wilden Tieren u. dgl. keine Furcht hätten, folgende Strophe:

„Wenn es auch dort von Raubtieren
hunderttausend Millionen gäbe,
gibt es bei uns doch keine Furcht
im Walde vor den wilden Tieren.“

Da der König sie nicht zurückzuhalten vermochte, nahm er sie bei den Händen und führte sie dorthin.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Darauf ergriff der Blinden Hände
der König in dem großen Walde,
nahm sie mit sich und ging dorthin,
wo Sāma hingemordet lag.

Nachdem er sie aber dorthin geführt, stellte er sie neben Sāma und verkündete ihnen: „Dies ist euer Sohn.“ Darauf legte sein Vater dessen Haupt, seine Mutter dessen Füße in ihren Schoß, sie setzten sich nieder und jammerten.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als sie den Sāma liegen sahen,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
dahingerafft im tiefsten Walde
wie Canda, der zur Erde fiel,—

als sie den Sāma liegen sahen,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
dahingerafft im tiefen Walde
wie Suriya, der zur Erde fiel,—

als sie den Sāma liegen sahen,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
dahingerafft im tiefen Walde,
fingen sie kläglich an zu jammern.

Als sie den Sāma liegen sahen,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
mit ausgestrecktem Arm sie klagten:
„Ein Unrecht fürwahr ist geschehn.

Gar tief bist du in Schlaf versunken,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Gar tief bist du in Rausch versunken,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Gar tief bist du jetzt matt geworden,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Gar tief bist du erzürnet worden,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Gar sehr bist du jetzt stolz geworden,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Gar sehr bist du verwirrt geworden,
o Sāma mit den schönen Augen,
der heute du die ganze Zeit
kein einz'ges Wort mehr mit uns sprichst.

Diese verwirrten, schmutz'gen Flechten,
wer wird sie wieder ordnen jetzt?
Ach, dieser Sāma ist gestorben,
der uns, den Blinden, Diener war.

Wer wird fürwahr jetzt mit dem Besen
rein machen die Einsiedelei?
Ach, dieser Sāma ist gestorben,
der uns, den Blinden, Diener war.

Wer wird uns heute baden lassen
in kühlem oder heißem Wasser?
Ach, dieser Sāma ist gestorben,
der uns, den Blinden, Diener war.

Wer wird uns heut zu essen geben
die Wurzeln und die Frücht' des Waldes?
Ach, dieser Sāma ist gestorben,
der uns, den Blinden, Diener war.“

Nachdem aber seine Mutter viel geklagt hatte, legte sie die Hand auf seine Brust und untersuchte die Wärme. Da dachte sie: „Mein Sohn besitzt noch Wärme. Er wird durch die Kraft des Giftes bewusstlos geworden sein. Um ihn vom Gifte frei zu machen, werde ich eine Wahrheitsbekräftigung betätigen.“ Und sie betätigte eine Wahrheitsbekräftigung.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Als sie den Sāma liegen sah,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
da sprach gebeugt vom Mutterschmerz
die Mutter dieses Wahrheitswort:

„So wahr es ist, dass dieser Sāma
in Tugend früher stets gewandelt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
in Heiligkeit ist stets gewandelt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
die Wahrheit bisher stets gesprochen,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
die Eltern sein hat stets ernährt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
im Hause stets die Alten ehrte,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
mir lieber ist wie 's eigne Leben,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

Was irgend Gutes ist geschehn
von mir und deinem Vater auch,
durch all die guten Werke möge
das Gift in Sāma kraftlos werden!“

Als so seine Mutter in sieben Strophen ihre Wahrheitsbekräftigung betätigt hatte, drehte sich Sāma um und legte sich nieder. Da sprach sein Vater: „Mein Sohn lebt; auch ich werde für ihn eine Wahrheitsbekräftigung betätigen“, und sogleich betätigte auch er eine Wahrheitsbekräftigung.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Als er den Sāma liegen sah,
den lieben Sohn mit Schmutz bedeckt,
da sprach gebeugt vom Vaterschmerz
der Vater dieses Wahrheitswort:

„So wahr es ist, dass dieser Sāma
in Tugend früher stets gewandelt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
in Heiligkeit ist stets gewandelt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
die Wahrheit bisher stets gesprochen,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
die Eltern sein hat stets ernährt,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
im Hause stets die Alten ehrte,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

So wahr es ist, dass dieser Sāma
mir lieber ist wie 's eigne Leben,
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

Was irgend Gutes ist geschehen
von mir und deiner Mutter auch,
durch all die guten Werke möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.“

Während dieser diese Wahrheitsbekräftigung betätigte, drehte sich das große Wesen um und legte sich auf die andere Seite. Darauf betätigte für es auch die Gottheit eine Wahrheitsbekräftigung.

Um dies zu erläutern, sprach der Meister:

Da diese Gottheit war verschwunden
am Berge Gandhamadana,
sprach sie aus Mitleid gegen Sāma
diese Wahrheitsbekräftigung:

„Am Berge Gandhamadana
da wohne ich schon lange Zeit;
nicht ist mir irgend einer teurer
als dieser Sāma, den ich kenne.
Durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.

Alle die Wälder sind voll Duft
am Berge Gandhamadana;
durch dieses Wort der Wahrheit möge
das Gift in Sāma kraftlos werden.“

Als diese so zusammen sprachen
Worte, vom Mitleid eingegeben,
erhob sich plötzlich Sāma rasch,
der junge mit den schönen Augen.

So war das Gesundwerden des Bodhisattva, das Wiedererlangen der Augen durch seine Eltern, der Sonnenaufgang und durch die übernatürliche Kraft der Gottheit auch das Erscheinen dieser vier in der Einsiedelei alles in einem Augenblicke geschehen. Die Eltern dachten: „Unser Auge ist uns wiedergegeben und Sāma ist gesund geworden“, und waren noch weit mehr erfreut. Darauf sprach Sāma zu ihnen folgende Strophen:

„Sāma bin ich, Heil sei mit euch,
zum Heile bin ich aufgestanden.
Drum klaget länger nicht, vielmehr
begrüßet mich mit froher Stimme.“

Als er dann den König sah, sprach er, ein liebenswürdiges Gespräch beginnend:

„Willkommen dir, du großer König,
nicht unlieb bist du hergekommen.
Als Herrscher kamest du hierher;
was hier vorhanden, teil mit uns.

Tinduka- und Piyala-Blätter
und süße Kasumari-Früchte;
klein sind die Früchte nur und wenig,
doch iss, o König, nur nach Wunsch.

Hier ist auch kühles Wasser bei mir,
geholt aus einer Bergeshöhle;
trinke davon, du großer König,
wenn du danach Verlangen hast.“

Als der König aber dieses Wunder sah, sprach er:

„Ich bin verblüfft, ich bin erstaunt
und alle sind erstaunt wie ich.
Als Toten sah ich, Sāma, dich;
wie bist du jetzt am Leben wieder?“

Sāma dachte: „Dieser König meinte, ich sei tot; will ihm verkünden, dass ich nicht gestorben war.“ Und er sprach:

„Wenn auch ein Mann, o großer König,
noch lebt, erfüllt von großen Schmerzen,
wenn er der Sinne ist beraubt,
hält man den Lebenden für tot.

Wenn auch ein Mann, o großer König,
noch lebt, erfüllt von großen Schmerzen,
wenn er bewusstlos ist geworden,
hält man den Lebenden für tot.“

Nachdem er so gesagt: „Die Welt hielt mich, der ich noch lebe, für tot“, wollte er den König auf seinen Nutzen hinlenken und sprach, um ihm die Wahrheit zu verkünden, abermals folgende zwei Strophen:

„Der Mensch, der Mutter oder Vater
nach der Gerechtigkeit ernährt,
dem bringen selbst die Götter Heilung,
dem Mann, der seine Eltern pflegt.

Der Mensch, der Mutter oder Vater
nach der Gerechtigkeit ernährt,
den preist man hier auf Erden glücklich;
gestorben freut er sich im Himmel.“

Als dies der König hörte, dachte er: „Ach, wunderbar fürwahr! Die Krankheit, die einen befallen, der seine Eltern ernährt, heilen die Götter selbst. Gar sehr leuchtet Sāma hervor!“ Und mit gefalteten Händen sprach er:

„Jetzt bin ich noch weit mehr betroffen,
alle sind auch erstaunt gleich mir.
Zu dir nehme ich Zuflucht, Sāma;
du sei mir meine Zuflucht jetzt.“

Darauf sagte das große Wesen zu ihm: „Wenn du, o Großkönig, in die Götterwelt eingehen und große Götterherrlichkeit genießen willst, so bewege dich in folgenden zehn Arten des tugendhaften Wandels.“ Und es verkündete ihm die zehn Strophen über den tugendhaften Wandel:

„Übe Gerechtigkeit, o König,
bei deinen Eltern, edler Fürst;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
bei Weib und Kindern, edler Fürst;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
unter den Freunden und Ministern;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
bei deinen Reitern, deinen Heeren;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
in deinen Dörfern, deinen Flecken;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
in deinen Ländern, deinen Völkern;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
gegen Asketen und Brahmanen;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
gegen die Tiere und die Vögel;
wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König,
gerechter Wandel bringt das Glück.
Wenn du Gerechtigkeit hier übst,
so gehst du in den Himmel ein.

Übe Gerechtigkeit, o König;
Indra, die Götter und die Brahmas
wurden durch rechten Wandel Götter;
lasse nicht nach, gerecht zu sein.“

Nachdem ihm so das große Wesen die zehn Königstugenden gezeigt und ihn zum Schlusse noch ermahnt hatte, gab er ihm die fünf Gebote. Jener nahm seine Ermahnung mit gebeugtem Haupte entgegen und bezeigte ihm seine Verehrung; hierauf kehrte er nach Benares zurück, tat gute Werke wie Almosen Spenden u. dgl. und gelangte dann samt seinem Gefolge in den Himmel. Der Bodhisattva aber erlangte mit seinen Eltern zusammen die Erkenntnisse und die Vollkommenheiten und wurde dann ein Bewohner der Brahmawelt.

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen hatte, fügte er hinzu: „Ihr Mönche, die Unterhaltung der Eltern ist eine alte Tradition der Weisen.“

Hierauf verkündete er die Wahrheiten und verband sodann das Jātaka (am Ende der Wahrheitsverkündigung aber gelangte jener Mönch zur Frucht der Bekehrung) mit folgenden Worten: „Damals war der König Ānanda, die Göttertochter war Uppalavanna, Sakka war Anuruddha, der Vater war Kassapa, die Mutter Bhaddakapilani, der weise Suvannasāma aber war ich.“

Ende der Erzählung von Sāma