Jātaka 543

Die Erzählung von Bhuridatta (Bhuridatta-Jātaka)

„Was nur an Edelsteinen ist“

Dies erzählte der Meister, da er zu Savatthi verweilte, mit Beziehung auf Laienbrüder, die das Uposatha hielten. Diese nämlich hatten am Uposatha-Tage schon in der Frühe beschlossen, das Uposatha zu halten, und hatten Almosen gegeben; nach dem Mahle kamen sie dann mit wohlriechenden Substanzen, Kränzen u. dgl. in der Hand in das Jetavana und setzten sich zur Zeit der Predigt zusammen nieder.

Der Meister kam in die Lehrhalle, ließ sich auf dem geschmückten Buddhasitze nieder und betrachtete die Mönchsgemeinde. Wenn sich aber mit den Mönchen oder dergleichen die Predigt beschäftigt, so reden zuerst mit diesen die Vollendeten; deshalb sprach der Meister, als er merkte: „Heute wird über die Laienbrüder eine mit einer Beziehung auf den früheren Wandel versehene Predigt gehalten werden“, zuerst mit den Laienbrüdern und fragte sie: „Habt ihr das Uposatha gehalten, ihr Laienbrüder?“ Als sie antworteten: „Ja, Herr“, fuhr er fort: „Gut, ihr Laienbrüder, etwas Schönes habt ihr getan. Nicht wunderbar aber ist es, dass ihr, die ihr einen solchen Buddha wie mich zum Ermahnen habt, das Uposatha haltet; die Weisen der Vorzeit gaben, obwohl sie keinen Lehrer hatten, großen Ruhm auf und betätigten nur das Uposatha.“ Nach diesen Worten erzählte er auf ihre Bitte folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Das Kapitel von der Stadt—Nagarakaṇḍa

Ehedem regierte zu Benares Brahmadatta und hatte seinem Sohne das Amt des Vizekönigs gegeben. Als er aber dessen großen Glanz sah, stieg in ihm Furcht auf: „Er könnte mir die Herrschaft nehmen“, und er sprach deshalb zu ihm: „Mein Sohn, gehe du von hier fort, nimm deinen Aufenthalt, wo es dir gefällt, und nimm nach meinem Tode das der Familie gehörige Reich in Besitz.“ Jener antwortete: „Gut“, bezeigte seinem Vater seine Ehrfurcht und verließ die Stadt. Allmählich kam er an die Yamuna, erbaute sich zwischen der Yamuna und dem Meere eine Laubhütte und wohnte dort, indem er sich von den Wurzeln und Früchten des Waldes nährte.

Damals befand sich in der im Meere befindlichen Nāga-Stadt ein junges Nāga-Weib, dessen Gatte gestorben war. Als dies das Glück der andern betrachtete, die verheiratet waren, verließ sie aus sinnlicher Lust die Nāga-Stadt und wandelte am Ufer des Meeres. Da sah sie die Fußspur des Königssohnes; als sie der Spur nachging, gewahrte sie seine Laubhütte. Damals war gerade der Königssohn fortgegangen, um sich Waldfrüchte zu holen. Als sie die Laubhütte betreten hatte und dort die hölzerne Lagerstätte und die übrigen Ausrüstungsgegenstände sah, dachte sie: „Dies ist die Wohnung eines Weltflüchtlings. Ich will ihn auf die Probe stellen, ob er wegen seines Glaubens die Welt verlassen hat oder nicht. Denn wenn er um des Glaubens willen die Welt verlassen hat, wird er aus Freude an der Einsamkeit das von mir geschmückte Lager nicht benutzen. Wenn er aber Freude an der Sinneslust hat und nicht wegen des Glaubens die Welt verließ, wird er sich nur auf mein Lager legen. Dann werde ich ihn ergreifen, ihn zu meinem Gatten machen und hier wohnen bleiben.“

Darauf ging sie in die Nāga-Stadt, holte von dort göttliche Blumen und göttliche Wohlgerüche und machte ihm ein Blumenlager zurecht. In der Laubhütte verfertigte sie eine Blumenopferspende, streute wohlriechenden Staub darauf und schmückte die ganze Laubhütte; dann kehrte sie in die Nāga-Stadt zurück. Zur Abendzeit kam der Königssohn zurück. Als er beim Betreten der Laubhütte diese Zurüstungen sah, dachte er: „Von wem ist wohl dieses Lager zurechtgemacht?“ Nachdem er sodann seine Waldfrüchte verzehrt hatte, sagte er: „Ach die duftenden Blumen! Fürwahr, schön ist das Lager hergerichtet!“ Und weil er nicht um des Glaubens willen die Welt verlassen hatte, legte er sich voll Freude auf das Blumenlager und schlief ein. Am nächsten Tage erhob er sich mit Sonnenaufgang und ging, ohne die Laubhütte zu reinigen, fort, um sich Waldfrüchte zu holen.

In diesem Augenblick kam das junge Nāga-Weib wieder. Als es die verwelkten Blumen sah, merkte es: „Dieser ist ein Freund sinnlicher Lust; nicht um des Glaubens willen betätigt er die Weltflucht. Es ist also möglich, ihn zu fassen.“ Sie entfernte die alten Blumen, brachte andere Blumen u. dgl. herbei, machte ein neues Lager zurecht und schmückte die Laubhütte. Nachdem sie noch auf dem Wandelgang Blumen gestreut, kehrte sie in ihre Nāga-Stadt zurück.

Als aber jener auch an diesem Tage auf dem Blumenlager geruht, dachte er am nächsten Tage: „Wer schmückt mir denn diese Laubhütte?“ Er ging nicht fort, um sich Waldfrüchte zu holen, sondern stellte sich versteckt unweit der Laubhütte auf. Die andere aber kam wieder mit vielen wohlriechenden Substanzen und Blumen nach der Einsiedelei. Als der Königssohn das junge Nāga-Weib sah, das von höchster Schönheit war, wurde sein Herz an sie gefesselt. Er zeigte sich zuerst noch nicht, sondern erst als sie in die Laubhütte hineingegangen war und das Lager zurechtmachte, ging er hinein und fragte: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Ein Nāga-Mädchen, Herr.“ „Bist du verheiratet oder unverheiratet?“ „Herr, ich bin unverheiratet, eine Witwe; wo wohnst aber du?“ „Ich bin der Sohn des Königs von Benares, Prinz Brahmadatta mit Namen. Warum aber verlassest du die Nāga-Stadt und wandelst hier umher?“ „Herr, da ich das Glück der dort verheirateten Nāga-Mädchen betrachtete, wurde ich aus sinnlicher Lust unzufrieden, ging von dort fort und wandle nun umher, um mir einen Gatten zu suchen.“ Darauf sprach der Prinz: „Auch ich habe nicht um des Glaubens willen die Welt verlassen; sondern weil mich mein Vater vertrieb, kam ich hierher und wohne hier. Ich will dein Gatte sein; wir beide wollen hier in Eintracht zusammen leben.“ Sie stimmte zu.

Von da lebten die beiden dort einträchtig miteinander. Durch ihre übernatürliche Macht erschuf sie ein kostbares Haus, brachte ein kostbares Polster herbei und bereitete darauf das Lager. Von da an verzehrte er auch nicht mehr Wurzeln und Früchte, sondern göttlich war sein Trank und seine Speise. In der Folgezeit empfing das junge Nāga-Weib und gebar einen Sohn; diesem gaben sie den Namen Sagara-Brahmadatta (= Meer-Brahmadatta). Als dieser selbst gehen konnte, gebar das junge Nāga-Weib eine Tochter; weil diese am Ufer des Meeres geboren war, gaben sie ihr den Namen Samuddaja (= Meergeborene).—

Damals war ein Jäger aus Benares nach diesem Orte gekommen. Als er sich freundlich mit ihm unterhielt, erkannte er den Königssohn und blieb mehrere Tage dort. Dann sagte er: „O Fürst, ich werde der Königsfamilie verkünden, dass Ihr hier weilt“, zog fort und kehrte in die Stadt zurück. Damals war gerade der König gestorben. Nachdem die Hofleute seinen Leichnam verbrannt hatten, versammelten sie sich am siebenten Tage und überlegten: „Ein Reich ohne König kann nicht bestehen. Wir wissen nicht, wo der Königssohn wohnt, ob er noch lebt oder ob er nicht mehr lebt. Wir wollen den Phussa-Wagen aussenden und so einen König bekommen.“

In diesem Augenblick kam der Jäger in die Stadt. Als er diese Rede vernahm, ging er zu den Hofleuten hin, sagte ihnen: „Ich komme, nachdem ich drei Tage bei dem Sohne des Königs geweilt“, und erzählte ihnen die ganze Begebenheit. Als dies die Hofleute hörten, erwiesen sie ihm Ehrung und gingen mit ihm als dem Wegweiser dorthin. Nachdem sie ein liebenswürdiges Gespräch begonnen, verkündeten sie dem Königssohn den Tod seines Vaters und sprachen: „O Fürst, übernimm die Herrschaft!“

Dieser dachte zunächst: „Ich will die Gesinnung meines jungen Nāga-Weibes kennen lernen“, ging zu ihr hin und sprach: „Liebe, mein Vater ist gestorben. Die Hofleute sind gekommen, um den weißen Sonnenschirm über mir zu erheben. Wir wollen gehen, Liebe! Wir beide wollen in der zwölf Meilen umfassenden Stadt Benares die Regierung führen; du sollst die erste meiner sechzehntausend Frauen werden.“ Doch sie erwiderte: „Gebieter, ich kann nicht dorthin gehen.“ Er versetzte: „Warum nicht?“ Darauf sprach sie: „Wir sind sehr giftig, rasch zum Zorn und zürnen auch bei Kleinigkeiten. Der Hass gegen die Nebenbuhlerinnen aber ist beschwerlich. Wenn ich irgend etwas sehe oder höre und sie dann zornig anblicke, so werden sie wie eine Handvoll Spreu auseinanderfliegen. Aus diesem Grunde kann ich nicht mit dir gehen.“ Am nächsten Tage bat sie der Königssohn abermals. Darauf sprach sie zu ihm: „Ich werde jetzt auf keine Weise mit dir gehen. Diese meine Kinder aber sind keine Nāga-Kinder, sondern durch das Zusammensein mit dir sind sie als menschliche Wesen geboren. Wenn du mich liebst, so achte sorgfältig auf sie. Sie sind aber solche, die ihren Ursprung im Wasser haben, und sind zart. Wenn sie auf der Straße gingen, würden sie von Wind und Hitze gequält werden und sterben. Darum lass ein Schiff aushöhlen, mit Wasser füllen und bringe sie fort, indem du sie im Wasser sich ergehen lässt. Auch in der Stadt lasse ihnen in ihrem Hause einen Lotosteich anlegen; auf diese Weise werden sie nicht ermüdet werden.“ Nachdem sie so gesprochen, bezeigte sie dem Königssohne ihre Ehrfurcht und umwandelte ihn von rechts. Dann umarmte sie ihre Kinder, legte sie auf ihren Busen und küsste sie auf ihr Haupt; hierauf übergab sie dieselben dem Königssohn unter Klagen und Weinen, verschwand dortselbst und kehrte in ihr Nāga-Reich zurück.

Voll Wehmut verließ der Königssohn mit tränenerfüllten Augen sein Haus; nachdem er sich dann aus den Augen die Tränen gewischt, ging er zu den Ministern hin. Diese erteilten ihm dortselbst die Weihe und sprachen: „O Fürst, wir wollen in unsere Stadt gehen.“ Er entgegnete: „Höhlt darum rasch ein Schiff aus, hebt es auf den Wagen, füllt es mit Wasser und streut auf die Oberfläche des Wassers mannigfache Blumen voll Schönheit und Duft aus. Meine Kinder haben im Wasser ihren Ursprung; wenn sie dort spielen, werden sie behaglich reisen.“ Die Minister taten so.

Als der König nach Benares gekommen war, zog er in die reichgeschmückte Stadt ein und setzte sich, umgeben von sechzehntausend Tänzerinnen sowie von seinen Ministern usw., im Thronsaale nieder; so feierte er sieben Tage lang ein großes Fest. Für seine Kinder ließ er einen Lotosteich anlegen und sie spielten beständig dort. Als nun eines Tages Wasser in den Lotosteich eingelassen wurde, kam auch eine Schildkröte mit hinein. Da sie keinen Ausgang fand, legte sie sich auf den Boden des Lotosteiches. Während dann die Kinder spielten, erhob sie sich aus dem Wasser, streckte ihren Kopf hervor und schaute sie an; hierauf tauchte sie wieder im Wasser unter. Als die Kinder sie sahen, gingen sie voll Furcht zu ihrem Vater hin und sagten: „Vater, im Lotosteich hat uns ein Dämon erschreckt.“ Darauf beauftragte der König Männer, sie sollten hingehen und ihn fangen. Diese warfen ein Netz aus, fingen die Schildkröte und zeigten sie dem Könige. Als die Prinzen sie sahen, schrien sie: „Das ist der Schmutzdämon!“ Aus Liebe zu seinen Kindern zürnte der König der Schildkröte und befahl: „Gehet und vollziehet die Hinrichtung an ihr!“

Da sagten einige: „Diese ist ein Feind des Königs; man muss sie mit Mörserkolben treffen, zerschlagen und zu Staub zermalmen“; andere meinten: „Man soll sie dreifach kochen und verzehren“; wieder andere: „Man soll sie auf glühende Kohlen legen“, und: „Man soll sie in einem Topfe braten.“ Ein Minister aber, der sich vor dem Wasser fürchtete, sagte: „Man soll sie in den Strudel der Yamuna werfen. Dann wird ihr schweres Verderben zu teil; es gibt ja keine ähnliche Strafe für sie.“ Als die Schildkröte dessen Worte vernahm, streckte sie ihren Kopf heraus und sagte: „Holla, was ist mein Verbrechen gegen dich, dass du eine solche Strafe für mich aussuchst? Die andern Strafen kann ich ja aushalten; diese ist aber zu grausam. Sage das nicht!“ Als dies der König hörte, dachte er: „Gerade dies muss man tun“, und ließ sie in den Strudel der Yamuna werfen.

Sie gelangte in eine nach der Nāga-Behausung führende Strömung und gelangte so in das Nāga-Reich. Dort sahen sie die in dieser Strömung spielenden Söhne des Nāga-Königs Dhatarattha und die jungen Nāgas riefen: „Fangt diesen als Sklaven!“ Da dachte die Schildkröte: „Nachdem ich aus der Hand des Königs von Benares befreit bin, geriet ich in die Gewalt so grausamer Nāgas. Durch welches Mittel könnte ich mich wohl befreien?“ Da merkte sie: „Dies ist ein Mittel“, und sie sprach folgende Lüge: „Ihr, die ihr bei dem Nāga-König Dhatarattha weilet, warum sprechet ihr so? Ich bin eine Schildkröte namens Cittacula (= Buntschwanz) und bin als Bote des Königs von Benares zu Dhatarattha gekommen. Unser König hat mich geschickt, da er Dhatarattha seine Tochter geben möchte; bringt mich zu ihm!“ Voll Freude gingen die Söhne mit der Schildkröte zum Könige hin und erzählten ihm die Sache.

Der König ließ sie mit den Worten: „Bringt sie herbei!“, zu sich rufen; als er sie aber sah, wurde er missmutig und sagte: „Wesen mit so niedrigem Körper können doch kein Botenamt ausüben!“ Als dies die Schildkröte hörte, sprach sie: „Was soll aber ein König tun mit Königsboten, die so groß sind wie eine Palme? Ob der Körper klein ist oder groß, das bildet nicht den Maßstab; sondern ob sie da, wohin sie gehen, ihr Geschäft erledigen, das ist der Maßstab. O Großkönig, unser König hat viele Boten. Die Geschäfte auf dem festen Lande besorgen Menschen, die in der Luft die Vögel, die im Wasser ich; denn ich, Buntschwanz mit Namen, bin ein Günstling des Königs und habe ein ganz besonderes Amt. Scheltet mich nicht!“ So schilderte sie ihren Vorzug.

Darauf fragte sie Dhatarattha: „Zu welchem Zwecke aber hat dich der König geschickt?“ Sie antwortete: „O Großkönig, der König sprach folgendermaßen zu mir: ‚Ich habe mit allen Königen in ganz Indien Freundschaft geschlossen; um sie jetzt auch mit dem Nāga-König Dhatarattha zu schließen, gebe ich ihm meine Tochter Samuddaja.‘ Mit diesem Auftrage schickte er mich fort. Entsendet ohne Zögern mit mir eine Gesandtschaft, setzt den Tag fest und nehmt das Mädchen in Empfang!“ Hochbefriedigt erwies ihr der König Ehrung und schickte mit ihr vier Nāga-Jünglinge, indem er sagte: „Gehet, und wenn ihr des Königs Wort vernommen, so setzt einen Tag fest und kommt wieder!“ Sie antworteten: „Gut“, und verließen mit der Schildkröte die Nāga-Behausung.

Als aber die Schildkröte zwischen der Yamuna und Benares einen Lotosteich sah, wollte sie durch eine List entkommen und sprach deshalb: „Holla, ihr Nāga-Jünglinge, wenn unser König und seine Weiber und Kinder mich aus dem Wasser herauskommen und nach dem königlichen Palast gehen sehen, bitten sie mich: ‚Gib uns Lotosblumen, gib uns Lotosstängel.‘ Ich will für sie solche holen. Lasst mich jetzt los und geht, auch wenn ihr mich zuvor nicht seht, zum Könige hin; ich werde euch dort sehen.“ Sie glaubten ihr und ließen sie los; die Schildkröte aber versteckte sich dort abseits.

Als die anderen sie nicht mehr sahen, dachten sie: „Sie wird zum Könige gegangen sein“, und gingen, jungen Brahmanen an Aussehen gleichend, zum Könige hin. Der König begann eine liebenswürdige Unterhaltung mit ihnen und fragte: „Woher seid ihr gekommen?“ „Von Dhatarattha, o Großkönig“, war ihre Antwort. „Warum?“, fragte der König weiter. Darauf erwiderten sie: „O Großkönig, wir sind dessen Boten. Dhatarattha lässt nach Eurem Wohlbefinden fragen. Was Ihr wünscht, das gibt er Euch. Macht also Eure Tochter Samuddaja zur Dienerin unsers Königs und gebt sie ihm!“ Und um dies zu verkünden, sprachen sie folgende erste Strophe:

„Was irgend ist an Edelsteinen
in dem Palast des Dhatarattha,
das alles wird zuteil dir werden;
gib deine Tochter unserm König!“

Als dies der König hörte, sprach er folgende zweite Strophe:

„Noch niemals haben wir bisher
mit Nāgas eine Eh' geschlossen.
Unziemlich ist solch eine Ehe;
wie sollten wir dergleichen tun?“

Da dies die Nāga-Jünglinge vernahmen, antworteten sie: „Wenn für dich eine Verbindung mit Dhatarattha unpassend ist, warum hast du dann deinen Diener, die Schildkröte Cittacula mit dem Auftrage: ‚Meine Tochter Samuddaja will ich dir geben‘ zu unserm König gesandt? Wir wollen sehen, ob es recht und geziemend ist, erst einen solchen Auftrag zu übersenden und dann unsern König zu beschimpfen! Wir sind ja doch Nāgas!“ Indem sie so dem Könige Furcht einflößten, sprachen sie folgende zwei Strophen:

„Dein Leben hast du jetzt verloren
oder dein Reich, du Menschenfürst;
denn wenn ein Nāga zornig ist,
leben nicht lange deinesgleichen.

Der du, o Fürst, ein Mensch nur bist,
der Schwächliche den Wunderstarken,
des Varuna eigenen Sohn,
den Yamuna verachtest du.“

Darauf sprach der König folgende zwei Strophen:

„Ich unterschätze nicht den König
Dhatarattha, den ruhmgekrönten;
denn Dhatarattha ist ja auch
der Herrscher über viele Nāgas.

Doch auch von großer Macht die Schlange
ist doch nicht meiner Tochter wert;
der König bin ich der Videhas,
Samuddaja ist hochgeboren.“

Obwohl nun die Nāga-Jünglinge ihn auf der Stelle mit dem Hauche ihrer Nase töten wollten, dachten sie doch: „Da wir gesandt sind, um einen Tag festzusetzen, ist es unziemlich, ihn zu töten und dann zu gehen. Wir wollen fortgehen, es dem Könige melden und dann weiter sehen.“ Sie verschwanden von dort und kehrten zurück. Als sie der König fragte: „Ihr Lieben, habt ihr die Königstochter erhalten?“, antworteten sie voll Zorn: „Warum, o Fürst, schickst du uns ohne Grund hierhin und dorthin? Wenn du Lust zum Töten hast, so töte uns hier auf der Stelle. Jener schilt und beschimpft Euch und verweigert Euch seine Tochter, weil er berauscht ist von seiner edlen Abstammung.“ So berichteten sie Gesagtes und auch Ungesagtes und versetzten den König in Zorn. Dieser befahl, sein Gefolge zu versammeln und sprach:

Erheben sollen sich Kambalas und Assataras
und allen Nāgas teile man mit:
‚Sie sollen nach Benares ziehen,
doch sollen sie dort nichts verletzen.‘

Darauf erwiderten die Nāgas: „Wenn kein Mensch verletzt werden soll, was sollen wir denn tun, wenn wir dorthin kommen?“ Doch er sprach, um ihnen zu melden: „Dieses tut, ich aber werde das tun“, folgendes Strophenpaar:

„An den Wohnungen, an den Gruben,
auch auf der Straße und auf Märkten,
an Baumspitzen sollen sie hängen
lang ausgestreckt und an den Bögen.

Ich werd mit meinem weißen Leibe,
dem großen, diese große Stadt
mit meinen Ringen rings umschließen,
Kasis Bewohnern Furcht erregend.“

Die Nāgas taten so.

Um diesen Sachverhalt zu verkündigen, sprach der Meister:

Als sie dies Wort von ihm vernommen,
die Schlangen, mannigfach von Farben,
machten sich auf gegen Benares,
doch niemand sie verletzten dort.

An den Palästen, an den Gruben,
auch auf der Straße, auf den Märkten,
an Baumesspitzen sie hängten sich
lang ausgestreckt und an den Bögen.

Als diese nun so hängen sahen
die Frauen, weinten sie gar laut,
da sie der Schlangen Kämme sahen,
indem sie immer wieder seufzten:

„Zugrund gerichtet ist Benares,
die Pest kam über diese Stadt.“
Sie weinten, hoch die Arme hebend:
„Gib deine Tochter ihrem König!“

Als der König von Benares, während er dalag, die Klagen der Stadtbewohner und seiner eigenen Frauen hörte, wurde er auch deshalb, weil ihn die Nāga-Jünglinge erschreckt hatten, von Todesfurcht erfüllt und er sagte dreimal: „Meine Tochter Samuddaja gebe ich dem Dhatarattha.“ Als sie dies vernahmen, zogen sich alle Nāga-Jünglinge ein Gavuta weit zurück und erschufen eine Stadt so schön wie eine Götterstadt. Während sie dort blieben, schickten sie dem Könige ein Geschenk mit dem Auftrage: „Er soll seine Tochter schicken.“ Der König nahm das von ihnen gebrachte Geschenk an und entließ sie dann mit den Worten: „Geht ihr; ich werde meine Tochter durch meine Minister dorthin schicken.“ Darauf ließ er seine Tochter zu sich rufen, stieg mit ihr auf den obersten Söller, öffnete das Fenster und sprach zu ihr: „Meine Liebe, du siehst diese reich geschmückte Stadt. Du wirst nämlich dort die erste Gemahlin eines Königs werden. Die Stadt ist nicht weit; wenn du unzufrieden bist, kannst du immer kommen. Dorthin musst du jetzt gehen.“ Nachdem er sie so belehrt, ließ er sie ihr Haupt baden, sie mit allem Schmuck zieren und sich in einen verdeckten Wagen setzen. Hierauf übergab er sie seinen Ministern und schickte sie fort. Die Nāga-Könige zogen ihr feierlich entgegen und erwiesen ihr große Ehrung. Die Minister gingen in die Stadt hinein, übergaben sie dem Nāga-König und kehrten mit ihren Schätzen zurück.

Die Königstochter aber führte man in den Palast hinauf und bettete sie auf einem reichgeschmückten, göttlichen Lager. In diesem Augenblicke nahmen die Nāga-Mädchen das Aussehen von Buckligen u. dgl. an und umringten sie wie menschliche Dienerinnen. Sobald sie sich aber auf das göttliche Lager gelegt hatte, empfand sie die göttliche Berührung und verfiel in Schlaf. Darauf nahm sie Dhatarattha mit, verschwand mitsamt dem Nāga-Gefolge dortselbst und erschien wieder in seinem Nāga-Reiche. Als die Königstochter erwachte und ihr reichgeschmücktes, göttliches Lager sowie andere aus Gold und Edelsteinen gefertigte Paläste u. dgl., Gärten und Lotosteiche und die ganze Nāga-Behausung sah, die einer reichgeschmückten Götterstadt glich, da fragte sie die buckligen Dienerinnen und die anderen: „Diese Stadt ist überaus schön geschmückt, sie ist nicht wie unsere Stadt. Wem gehört sie?“ Sie antworteten: „Deinem Gatten, o Fürstin. Nicht solche, die wenig gute Werke haben, erhalten ein solches Glück; weil du viel Tugenden besitzt, hast du dies erlangt.“ Dhatarattha aber ließ in dem fünfhundert Meilen umfassenden Nāga-Reiche durch Trommelschlag verkünden: „Wer Samuddaja seine Schlangengestalt zeigt, über den wird die Königsstrafe verhängt werden.“ Deshalb getraute sich kein einziger, vor ihr in Schlangengestalt zu erscheinen. So lebte sie in der Meinung, sie sei in der Menschenwelt, dort mit ihm in Eintracht und Liebe zusammen.

Ende des Kapitels von der Stadt

Das Kapitel von dem Uposatha—Uposathakaṇḍa

In der Folgezeit empfing sie von Dhatarattha und gebar einen Sohn; weil dieser so lieb aussah, gab man ihm den Namen Sudassana (= der Wohlaussehende). Abermals gebar sie einen zweiten Sohn; diesem gaben sie den Namen Datta. Dieser war der Bodhisattva. Dann gebar sie wieder einen Sohn; diesem gaben sie den Namen Subhaga. Und noch einen andern gebar sie; diesem gaben sie den Namen Arittha. Aber eines Tages berichtete man dem Arittha: „Deine Mutter ist ein Menschenweib, kein Nāga-Weib.“ Arittha dachte: „Ich will sie auf die Probe stellen.“ Als er eines Tages an ihrer Brust trank, nahm er seinen Schlangenkörper an und schlug mit seinem Schwanze seine Mutter hinten an den Fuß. Als diese seinen Schlangenkörper sah, stieß sie furchterfüllt einen lauten Schrei aus, warf ihn zur Erde und zerkratzte mit ihrem Nagel sein Auge; daraus lief Blut hervor. Als der König ihren Schrei vernahm, fragte er: „Von wem kommt dieser Schrei?“ Und als er hörte, was Arittha getan habe, rief er: „Fangt diesen Sklaven; wenn ihr ihn gefangen, so bringt ihn ums Leben!“ So kam er Furcht verbreitend daher. Da die Königstochter seinen Zorn wahrnahm, bat sie aus Liebe zu ihrem Sohne: „O Fürst, meinem Sohn ist das Auge zerstört; verzeiht ihm!“ Als sie so sprach, versetzte der König: „Was kann man da tun?“, und verzieh ihm. An diesem Tage jedoch merkte sie: „Dies ist das Nāga-Reich“; von da an aber erhielt auch Arittha den Namen Kanarittha (= der einäugige Arittha).

Die vier Söhne wuchsen heran und kamen zur Vernunft. Ihr Vater teilte sein Reich in Teile von hundert Meilen und gab sie ihnen. Groß war ihre Pracht: je sechzehntausend Nāga-Mädchen umgaben sie. Des Vaters Reich war auch nur noch hundert Meilen groß.—Drei Söhne kamen jeden Monat, um ihre Eltern zu besuchen. Der Bodhisattva aber kam alle vierzehn Tage; jede im Nāga-Neich auftretende Frage löste der Bodhisattva. Mit seinem Vater ging er auch, um dem Großkönig Virupakkha seine Aufwartung zu machen; und auch die dort sich erhebenden Fragen löste nur er.

Als nun eines Tages Virupakkha mit der Nāga-Versammlung nach der Stadt der dreiunddreißig Götter sich begab, erhob sich unter den Göttern, die um Gott Sakka herumsaßen, eine Frage; diese konnte niemand lösen. Das große Wesen aber, auf dem schönsten Polster sitzend, löste die Frage. Da erwies ihm der Götterkönig mit göttlichen Wohlgerüchen und himmlischen Blumen Ehrung und sprach: „Datta, weil du mit Weisheit so groß wie die Erde ausgestattet bist, sollst du von jetzt an Bhuridatta (= Weisheits-Datta oder Erd-Datta) heißen.“ Und er gab ihm den Namen Bhuridatta.

Als er so von da an dorthin ging, um Sakka seine Aufwartung zu machen, und dabei den reich geschmückten, von Göttermädchen erfüllten Vejayanta-Palast und das überaus verlockende Glück Sakkas sah, erhielt er Liebe zu der Götterwelt und er dachte: „Was soll ich mit dieser Frösche verzehrenden Existenz? Ich will in das Nāga-Reich gehen, dort das Uposatha betätigen und dadurch bewirken, dass ich in dieser Götterwelt wieder geboren werde.“ Er kehrte in das Nāga-Reich zurück und bat seine Eltern um Erlaubnis mit folgenden Worten: „Mutter, Vater, ich will das Uposatha betätigen.“ Sie antworteten: „Gut, mein Sohn, tue dies! Wenn du aber so tust, so gehe nicht nach auswärts, sondern betätige es nur in diesem Nāga-Reiche in einem leeren Palaste; denn für die Nāgas, die nach auswärts fort gehen, besteht große Gefahr.“ Er erwiderte: „Gut“, und betätigte dortselbst in einem leeren Palaste in Gärten und Parks das Uposatha; dabei aber umringten ihn die Nāga-Mädchen mit mannigfachen Musikinstrumenten in der Hand.

Darum dachte er: „Wenn ich hier bleibe, wird meine Uposatha-Betätigung nicht zu ihrem Ziele kommen. Ich will mich in das Bereich der Menschen begeben und dort das Uposatha betätigen.“ Aus Furcht, sie möchten ihn zurückhalten, teilte er dies seinen Eltern nicht mit, sondern er wandte sich mit folgenden Worten an seine Gattinnen: „Ihr Lieben, ich will in die Menschenwelt gehen. Am Ufer der Yamuna ist ein großer Bananenbaum; auf einem Ameisenhügel in dessen Nähe werde ich meinen Körper zusammenkrümmen und mich, um das aus vier Teilen bestehende Uposatha auszuüben, dort hinlegen und das Uposatha halten. Wenn ich dann die ganze Nacht über dort gelegen und das Uposatha betätigt habe, so sollen zur Zeit der Morgendämmerung von euch immer zehn Frauen jedes Mal mit Musikinstrumenten in den Händen zu mir kommen, mich mit wohlriechenden Substanzen und Blumen verehren, singen und tanzen und dann mit mir in das Nāga-Reich zurückkehren.“

Nach diesen Worten ging er dorthin, legte auf dem Ameisenhügel seinen Körper zusammen und dachte dabei: „Wer meine Haut oder meine Muskeln oder meine Knochen oder mein Blut wünscht, der soll es nehmen.“ So machte er in dem Entschlusse, das aus vier Teilen zusammengesetzte Uposatha zu betätigen, seinen Körper so groß wie ein Pflugende und übte daliegend das Uposatha aus. Wenn dann die Morgenröte kam, gingen die Nāga-Mädchen dorthin, benahmen sich so, wie er sie gelehrt hatte, und führten ihn dann wieder in das Nāga-Reich zurück. Während er auf diese Weise das Uposatha betätigte, verging eine lange Zeit.

Ende des Kapitels von dem Uposatha

Das Kapitel von dem Eindringen in den Wald

Damals ging ein in einem Tordorf von Benares wohnender Brahmane mit seinem Sohne namens Somadatta in den Wald, legte dort Pfähle, Fallen, Schlingen und Netze aus, tötete das Wild, trug das Fleisch auf einer Tragstange fort und verkaufte es, wodurch er seinen Unterhalt erwarb. Als er eines Tages nicht einmal eine junge Rieseneidechse gefangen hatte, sagte er: „Mein Sohn Somadatta, wenn wir mit leeren Händen zurückkehren, wird deine Mutter zornig werden; wir wollen erst gehen, nachdem wir irgendetwas gefangen.“ Nach diesen Worten ging er auf die Stelle zu, wo der Ameisenhaufen stand, auf dem der Bodhisattva zu liegen pflegte. Hier sah er die Fußspur von Wild, das, um Wasser zu trinken, nach der Yamuna hinabstieg, und sagte: „Mein Sohn, hier sieht man einen Wildpfad. Gehe du zurück und warte; ich will ein Stück Wild schießen, das zum Trinken herbeikommt.“ Er nahm seinen Bogen und stellte sich, nach einem Wilde ausschauend, an den Fuß eines Baumes.

Es kam aber eine Gazelle zur Abendzeit, um Wasser zu trinken; diese traf er. Die Gazelle fiel dort nicht nieder, sondern voll Furcht lief sie pfeilschnell davon, während ihr das Blut herabrann. Vater und Sohn verfolgten sie und nahmen das Fleisch an der Stelle, wo sie niederfiel. Als sie dann den Wald verlassen wollten, gelangten sie zur Zeit des Sonnenunterganges an jenen Bananenbaum. Da dachten sie: „Jetzt ist es keine Zeit mehr, man kann nicht mehr weitergehen; hier wollen wir bleiben.“ Sie taten das Fleisch beiseite, stiegen auf den Baum und legten sich in das Geäst.

Zur Zeit der Morgendämmerung erwachte der Brahmane und spitzte das Ohr, um den Laut eines Stückes Wild zu hören. In diesem Augenblicke aber kamen die Nāga-Mädchen herbei und richteten dem Bodhisattva einen Blumensitz her. Dieser ließ seinen Schlangenkörper verschwinden, nahm einen mit aller Pracht gezierten göttlichen Körper an und setzte sich mit der Anmut des Gottes Sakka auf den Blumensitz. Darauf verehrten ihn auch die Nāga-Mädchen mit wohlriechenden Substanzen, Kränzen u. dgl., ließen himmlische Instrumente ertönen und begannen zu tanzen und zu singen.

Als der Brahmane diesen Schall vernahm, dachte er: „Was ist denn das? Ich will es sehen.“ Obwohl er aber rief: „Holla, mein Sohn!“, konnte er seinen Sohn nicht aufwecken und dachte deshalb: „Er soll nur liegen bleiben; er wird müde sein. Ich werde allein gehen.“ Er stieg vom Baume herab und ging in die Nähe von jenem. Als ihn die Nāga-Mädchen sahen, tauchten sie mit ihren Instrumenten unter die Erde und kehrten in das Nāga-Reich zurück.

Der Bodhisattva blieb zurück. Der Brahmane trat zu ihm hin und sprach fragend folgendes Strophenpaar:

„Inmitten dieses Blumen tragenden Waldes
wer sendet Strahlen aus mit roten Augen
und was für zehn Frauen stehn verehrend
mit schönen Kleidern, Gold und Edelsteinen?

Wer bist du, Großarmiger, der inmitten
des Walds du glänzest wie im Topf das Feuer?
Bist du irgendein Dämon groß von Macht
oder ein Nāga-Fürst von großer Kraft?“

Als dies das große Wesen hörte, dachte es: „Auch wenn ich sagen würde, ich sei ein Gott wie Sakka und die andern, so würde mir dieser Brahmane glauben. Heute aber ziemt es mir, nur die Wahrheit zu sagen.“ Und um zu verkünden, dass es ein Nāga-König sei, sprach es:

„Ein Nāga bin ich groß von Wundermacht,
mit großer Giftkraft, schwer zu überwinden;
mit meinem Gifte könnt' ich, wenn ich zürnte,
ein ganzes Land reich blühend auch vernichten.

Samuddaya ist meine Mutter
und Dhatarattha ist mein Vater;
Sudassanas jüngeren Bruder,
Bhuridatta, so nennt man mich.“

Nach diesen Worten aber dachte das große Wesen: „Dieser rohe, grausame Brahmane könnte dies einem Schlangenbändiger mitteilen und mir auch bei meiner Uposatha-Betätigung ein Hindernis bereiten. Wie, wenn ich ihn jetzt in das Nāga-Reich führte, ihm große Ehrung zuteil werden ließe und mir so die Möglichkeit verschaffte, meine Uposatha-Betätigung fortzusetzen?“ Darum sprach es zu jenem: „Brahmane, ich werde dir große Ehrung zuteil werden lassen. Komme in das Nāga-Reich; dorthin wollen wir gehen.“ Jener antwortete: „Gebieter, ich habe einen Sohn; wenn er zurückkommt, werde ich gehen.“ Darauf erwiderte ihm der Bodhisattva: „Gehe, Brahmane, hole ihn her!“ Und um ihm seinen Aufenthaltsort anzuzeigen, sprach er:

„Der tiefe See, den du dort siehst,
immer voll Wirbeln, furchterregend,
dies ist die prächt'ge Wohnung mein
mit vielen hundert Untertanen.

Zur Yamuna mit dunklem Wasser,
von Pfauen rings umtönt und Reihern,
geh furchtlos ein aus Waldesmitten
zum ruhigen Glück der Tugendhaften.“

Der Brahmane ging hin, teilte seinem Sohne die Sache mit und brachte ihn herbei. Darauf ging das große Wesen mit den beiden nach dem Ufer der Yamuna und sprach am Ufer stehend:

„Wenn du dorthin mit deinem Sohne
gekommen bist, Brahmane, wirst du
und dein Begleiter hoch geehret
von mir in Freuden glücklich leben.“

Nach diesen Worten verbrachte das große Wesen die beiden, Vater und Sohn, durch seine übernatürliche Kraft nach dem Nāga-Reiche und dort trat bei ihnen ein göttliches Aussehen zutage. Darauf verlieh ihnen das große Wesen göttliche Kraft und gab ihnen je vierhundert Nāga-Mädchen; sie aber genossen großes Glück.

Der Bodhisattva aber betätigte voll Eifer das Uposatha. Alle vierzehn Tage ging er, um seine Eltern zu besuchen, und verkündete ihnen die Wahrheit. Dann ging er auch zu dem Brahmanen hin, fragte nach seiner Gesundheit und sprach: „Was du wünschest, das sage nur; erfreue dich, ohne unzufrieden zu werden.“ Wenn er sodann auch mit Somadatta sich liebenswürdig unterhalten, kehrte er in seine eigene Behausung zurück.

Nachdem aber der Brahmane ein Jahr lang im Nāga-Reich geweilt hatte, wurde er infolge seines Mangels an Tugend unzufrieden und er bekam Lust, in die Menschenwelt zurückzukehren. Das Nāga-Reich erschien ihm wie eine Hölle, der reich gezierte Palast wie ein Gefängnis und die geschmückten Nāga-Mädchen wie Dämoninnen. Erdachte: „Ich bin jetzt unzufrieden, aber ich will auch den Sinn des Somadatta kennen lernen“, ging zu ihm hin und sagte: „Mein Sohn, bist du nicht unzufrieden?“ Dieser antwortete: „Warum soll ich unzufrieden sein? Wir sind nicht unzufrieden. Bist aber du unzufrieden, Vater?“ „Ja, mein Sohn.“ „Warum?“ „Weil ich deine Mutter, deine Brüder und Schwestern nicht mehr sehe. Komm, lieber Somadatta, wir wollen gehen.“ Dieser erwiderte: „Ich gehe nicht fort“; als er aber immer wieder von seinem Vater darum gebeten wurde, gab er seine Zustimmung.

Jetzt dachte der Brahmane: „Den Sinn meines Sohnes habe ich jetzt gewonnen. Wenn ich aber Bhuridatta sagen werde, ich sei unzufrieden, so wird er mir noch weit mehr Ehrung zuteil werden lassen; so wird mein Weggehen nicht möglich sein. Durch eine List aber werde ich ihm sein Glück schildern und ihn fragen: ‚Warum gibst du ein solches Glück auf, begibst dich in die Menschenwelt und betätigst das Uposatha?‘ Wenn er dann antwortet: ‚Um den Himmel zu erlangen‘, werde ich sagen: ‚Du gibst jetzt ein solches Glück auf und betätigst, um in den Himmel zu kommen, das Uposatha. Um wie viel mehr aber wir, die wir durch anderer Tötung den Unterhalt erwerben? Auch ich möchte in die Menschenwelt gehen und, nachdem ich meine Verwandten gesehen, die Weltflucht ausführen und die Asketentugenden betätigen.‘ Damit werde ich seine Einwilligung gewinnen und er wird mir daraufhin mein Fortgeben erlauben.“ Als jener eines Tages zu ihm kam und ihn fragte: „Wie, Brahmane, bist du unzufrieden?“, erwiderte er: „In Eurer Nähe fehlt uns gar nichts“; und ohne zu sagen, dass sein Herz am Weggehen hänge, schilderte er von Anfang an das Glück von jenem und sprach:

„Nach allen Seiten eben ist
duftenden Staubes voll der Boden,
mit Scharlach ist er überdeckt
und leuchtet wie das feinste Gold.

Entzückend sind die Waldpagoden,
entzückend sind, belebt von Schwänen,
wohl angelegt die Lotosteiche,
bedeckt mit abgefallnen Blüten.

Achteck'ge Säulen, schön gefertigt,
alle aus Lapislazuli,
und tausendsäulige Paläste
erstrahlen, voll von Göttermädchen.

Zu dem Palast bist du gekommen
durch deine göttlichen Verdienste,
zum ungestörten, sel'gen, schönen,
der dir endloses Glück bereitet.

Ich glaube, nach des Tausendäug'gen
Palast hast keine Sehnsucht du;
denn diese deine Macht ist groß
gleich der des Strahlengottes Indra.“

Als dies das große Wesen hörte, erwiderte es: „Sprich nicht so, Brahmane; im Vergleich mit Sakkas Glanz erscheint unser Glanz wie ein Senfkorn verglichen mit dem Sineru-Berge. Wir sind nicht einmal wert, seine Diener zu sein.“ Und es sprach folgende Strophe:

„Auch nicht im Geist kann man ausdenken
des Strahlengottes große Macht
noch die der Weltbeherrscher, welche
von ihm geleitet ihn umgeben.“

Nachdem es aber so gesprochen, entgegnete es auf die Worte von jenem, dieser sein Palast sei wie der des Tausendäugigen: „Ich dachte an ihn; denn da ich nach dem Vejayanta-Palast strebe, betätigte ich das Uposatha.“ Und um dies sein Streben zu verkünden, sprach es:

„Da ich nach dem Palaste strebe
der Glücksucher, die niemals sterben,
halte ich das Uposatha
und lieg auf dem Ameisenhügel.“

Als dies der Brahmane hörte, dachte er: „Jetzt habe ich eine günstige Gelegenheit erlangt“; voll Freude bat er um die Erlaubnis fortzugehen und sprach dabei folgende zwei Strophen:

„Auch ich zog, um nach Wild zu suchen,
mit meinem Sohne in den Wald;
ob ich jetzt tot bin oder lebe,
wissen meine Verwandten nicht.

An Bhuridatta wend ich mich,
den ruhmvollen Spross des Kasi-Königs;
wenn du erlaubst, so wollen wir
unsre Verwandten wiedersehen.“

Darauf sprach der Bodhisattva:

„Dies ist fürwahr mein Wohlgefallen,
dass du hier weilst in meiner Nähe;
denn nicht sind derartige Freuden
leicht zu erlangen für die Menschen.

Doch wenn du hier fortziehen willst,
gesättigt von den Freuden mein,
so darfst du mit meiner Erlaubnis
heil wiedersehn deine Verwandten.“

Nachdem er dies Strophenpaar gesprochen, dachte er: „Dieser wird, wenn er durch mich glücklich lebt, dies niemand verkünden. Ich werde ihm einen alle Wünsche erfüllenden Edelstein geben.“ Und indem er ihm diesen gab, sprach er:

„Trag dieses göttliche Juwel,
denn es verschafft dir Vieh und Söhne,
Gesundheit bringt es dir und Glück;
geh und nimm es dir mit, Brahmane!“

Darauf sprach aber der Brahmane folgende Strophe:

„Das Wort von dir, das Glück verheißt,
nehm ich gern an, o Bhuridatta.
Die Welt verlass ich, alt bin ich;
drum strebe ich nicht mehr nach Lüsten.“

Der Bodhisattva versetzte:

„Doch wenn dein heil'ger Wandel bricht
und du der Mittel dann bedarfst,
so komme ohne Angst zu mir;
ich werd dir viele Schätze geben.“

Darauf antwortete der Brahmane:

„Dies Wort von dir, das Glück verheißt,
nehm ich gern an, o Bhuridatta.
Ich werde aber wiederkommen,
wenn ich dazu Bedürfnis habe.“

Da so das große Wesen merkte, dass jener nicht dort bleiben wolle, schickte es Nāga-Jünglinge ab und ließ den Brahmanen in die Menschenwelt bringen.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:

Da Bhuridatta so gesprochen,
schickte er gleich vier Leute fort:
„Kommt her, geht fort, erhebet euch
und rasch geleitet den Brahmanen.“

Als sie dieses sein Wort vernommen,
erhoben gleich sich die vier Leute
und rasch im Auftrag Bhuridattas
geleiteten sie den Brahmanen.

Der Brahmane aber zeigte seinem Sohne: „Lieber Somadatta, an diesem Orte haben wir die Gazelle getroffen, an jenem einen Eber.“ Als er unterwegs einen Lotosteich sah, sagte er: „Mein Sohn Somadatta, wir wollen baden.“ Dieser versetzte: „Gut, Vater“, und die beiden legten die göttlichen Schmucksachen und die göttlichen Kleider ab, machten ein Bündel daraus und legten es an das Ufer des Lotosteiches; darauf stiegen sie in das Wasser hinab und badeten. In demselben Augenblick aber verschwanden die Schmucksachen und kehrten in das Nāga-Reich zurück. Die gelben Kleider, die sie früher getragen hatten, zeigten sich wieder an ihrem Körper; auch Bogen, Pfeile und Speere waren wieder wie vorher. Da klagte Somadatta: „Durch dich, Vater, sind wir zugrunde gerichtet“; doch sein Vater tröstete ihn mit den Worten: „Sei unbesorgt; solange es noch Wild im Walde gibt, werden wir Wild erlegen und damit unser Leben fristen.“

Als des Somadatta Mutter von ihrer Rückkehr hörte, ging sie ihnen zum Willkommen entgegen, führte sie in ihr Haus und befriedigte sie mit Speise und Trank. Nachdem der Brahmane gegessen hatte, verfiel er in Schlaf. Da fragte die andere ihren Sohn: „Mein Sohn, wohin waret ihr solange gegangen?“ Er antwortete: „Mutter, wir wurden von dem Nāga-König Bhuridatta in das große Nāga-Reich geführt; da es uns dort nicht mehr gefiel, kehrten wir jetzt zurück.“ Die Mutter fragte weiter: „Habt ihr irgendein Kleinod mitgebracht?“ „Wir haben keins mitgebracht, Mutter.“ „Wie, hat er euch denn gar nichts geschenkt?“ Darauf erwiderte der Sohn: „Mutter, der Nāga-König Bhuridatta hatte meinem Vater einen alle Wünsche erfüllenden Edelstein gegeben; er aber nahm ihn nicht an.“ „Warum?“, fragte die Mutter. „Er will ja die Weltflucht betätigen“, versetzte der Sohn.

Da dachte die Frau: „So lange Zeit ließ er die Kinder mir zur Last und weilte im Nāga-Reiche und jetzt will er die Weltflucht betätigen?“ Voll Zorn schlug sie ihm mit dem Löffel, in dem sie den Reis zu rösten pflegte, auf den Rücken und machte ihm Angst, indem sie rief: „Du schurkiger Brahmane, weil du die Weltflucht betätigen willst, nahmst du den kostbaren Edelstein nicht an! Warum bist du denn, ohne die Welt zu verlassen, hierher gekommen? Gehe rasch aus meinem Hause!“ Darauf sagte er zu ihr: „Liebe, sei nicht zornig! Mit dem Wilde, das im Wald ist, werde ich dich und die Kinder ernähren.“ Und am nächsten Tage ging er wieder mit seinem Sohn in den Wald und erwarb sich auf die frühere Art seinen Unterhalt.

Ende des Kapitels von dem Eindringen in den Wald

Das Kapitel von der Betätigung der Gebote

Damals wohnte in der Gegend des südlichen großen Ozeans am Himalaya in einem Seidenbaume ein Garula. Dieser entfernte auf dem Meere mit dem Wehen seiner Flügel das Wasser, stieg in das Nāga-Reich hinab und packte einen Nāga-König am Kopfe.—Damals nämlich war die Zeit, wo die Supannas die Nāgas noch nicht zu fangen verstanden; erst im Pandara-Jātaka (Jātaka 518) lernten sie es.—Er aber nahm ihn am Kopfe, hob ihn, ohne dass ihn das Wasser bedeckte, in die Höhe und flog mit dem Herabhängenden nach dem Gipfel des Himalaya. Damals hatte ein im Königreiche Kasi wohnender Brahmane die Weltflucht der Weisen betätigt, sich im Himalaya-Gebirge eine Laubhütte erbaut und wohnte dort. Am Ende von seinem Wandelgang befand sich ein großer Bananenbaum; an dessen Fuße hielt er sich bei Tage auf. Der Supanna trug den Nāga über die Spitze des Nigrodhabaumes hin; da umschlang der Nāga, während er mit dem Körper nach unten hing, um sich zu befreien, das Geäste des Nigrodha-Baumes mit seinem Schwanze. Der Supanna flog, ohne dies zu bemerken, mit großer Kraft in die Luft empor; dadurch wurde der Nigrodha-Baum mit der Wurzel ausgerissen. Darauf brachte der Supanna den Nāga in den Seidenbaumwald, zerhackte ihn mit seinem Schnabel, riss ihm den Leib auf und verzehrte das Nāga-Mark; den Körper warf er in das Meer hinein.

Während aber der Bananenbaum umfiel, verursachte dies einen großen Lärm. Der Supanna dachte: „Wovon kommt dieser Lärm?“, schaute nach unten und sah den Bananenbaum. Er dachte: „Von wo aus wurde er durch mich herausgerissen?“ Da erkannte er der Wahrheit gemäß: „Dies ist der Bananenbaum am Ende des Wandelganges des Asketen. Dieser war ihm eine große Hilfe; geht daraus ein Unglück für mich hervor oder nicht? Ich will ihn fragen und es so erkennen.“ In der Gestalt eines jungen Brahmanen ging er zu ihm hin. In diesem Augenblicke machte gerade der Asket den Platz eben. Nachdem der Supanna-König dem Asketen seine Ehrfurcht bezeigt, setzte er sich ihm zur Seite und fragte, als ob er es nicht wisse: „Herr, was hat da gestanden?“ Jener antwortete: „Ein Supanna trug einen Nāga vorbei, um ihn zu verspeisen; dabei umschlang der Nāga, um sich zu befreien, das Geäst eines Bananenbaumes mit seinem Schwanze. Jener aber flog mit großer Kraft in die Luft empor; dabei wurde dieser Baum ausgerissen. Dies ist die Stelle, wo der Baum ausgerissen wurde.“ „Wie aber, Herr, ist dies für jenen Supanna eine böse Tat?“ „Wenn er es nicht wusste, ist es unabsichtlich geschehen und dann ist es keine Sünde.“ „Was ist es aber für den Nāga, Herr?“ Der Asket antwortete: „Er erfasste den Baum nicht, um ihn zugrunde zu richten; darum ist es auch für ihn keine Sünde.“

Befriedigt über den Asketen sprach nun der Supanna: „Herr, ich bin jener Supanna-König; durch Eure Beantwortung meiner Frage bin ich befriedigt. Bleibt Ihr nur im Walde wohnen! Ich aber kenne einen Alambayana-Zauberspruch; der Zauberspruch ist unschätzbar. Diesen gebe ich Euch als Lehrerlohn; nehmt ihn entgegen!“ Doch der Asket erwiderte: „Genug für mich mit dem Zauberspruch; geht Ihr!“ Als jener ihn aber immer wieder bat, erhielt er die Zustimmung des Asketen, gab ihm den Zauberspruch, zeigte ihm noch dessen Zauberkräfte und entfernte sich dann.

Zu dieser Zeit hatte zu Benares ein armer Brahmane viele Schulden aufgenommen; als er von seinen Gläubigern bedrängt wurde, dachte er: „Was soll ich hier bleiben? Es ist besser, in den Wald zu gehen und zu sterben.“ Er verließ die Stadt, gelangte allmählich nach jener Einsiedelei und gewann den Asketen für sich durch die genaue Beobachtung der Pflichten. Da dachte der Asket: „Dieser Brahmane ist mir eine große Hilfe; ich werde ihm den mir von dem Supanna-König gegebenen göttlichen Zauberspruch mitteilen.“ Und er sprach zu dem Brahmanen: „Brahmane, ich kenne den Alambayana-Zauberspruch; diesen will ich dir mitteilen. Nimm ihn entgegen!“ Als jener antwortete: „Genug, Herr; ich verlange nicht nach dem Zauberspruch“, fuhr der Asket immer wieder mit Bitten fort, bis er seine Zustimmung erhielt und ihm den Spruch mitteilte. Auch die dem Zauberspruch zukommenden Zauberkräfte und das ganze Verhalten bei dem Zauberspruche erklärte er ihm. Jetzt dachte der Brahmane: „Nun habe ich ein Mittel zum Leben erlangt“; nachdem er noch einige Tage dort verweilt hatte, sagte er: „Rheumatismus, Herr, plagt mich“, und wurde infolge dieser List von jenem entlassen. Nachdem er ihm seine Ehrfurcht bezeugt und ihn um Verzeihung gebeten hatte, verließ er den Wald und gelangte allmählich nach dem Ufer der Yamuna. Indem er den Zauberspruch hersagte, kam er auf die Heerstraße.

Zu dieser Zeit hatten Dienerinnen des Bhuridatta, tausend an Zahl, mit dem kostbaren Edelstein, der alle Wünsche erfüllte, das Nāga-Reich verlassen, ihn am Ufer der Yamuna auf einen Sandhaufen gelegt und in seinem hellen Glanze die ganze Nacht hindurch im Wasser sich vergnügt. Zur Zeit der Morgendämmerung hatten sie mit allem Schmuck geziert sich rings um das Kleinod herum gesetzt, indem sie seinen Glanz in sich eindringen ließen.—Der Brahmane kam auch, indem er seinen Zauberspruch hersagte, an diese Stelle. Als diese den Klang von diesem Zauberspruch hörten, dachten sie: „Es muss ein Supanna sein“; furchterfüllt tauchten sie, ohne das Kleinod mitzunehmen, in die Erde unter und kehrten in das Nāga-Reich zurück. Als der Brahmane das Edelsteinkleinod sah, dachte er: „Jetzt erst fand mein Zauberspruch Erfüllung“, und hocherfreut im Herzen nahm er den kostbaren Edelstem mit und zog weiter.

In diesem Augenblick betrat gerade jener Jäger-Brahmane mit Somadatta den Wald, um Wild zu er legen. Da sah er in der Hand von jenem den kostbaren Edelstein und sagte zu seinem Sohne: „Ist dies nicht das uns von Bhuridatta geschenkte Kleinod?“ „Ja, Vater, dies ist es“, antwortete dieser. Sein Vater fuhr fort: „Darum will ich von dessen Unwert erzählen, damit den Brahmanen betrügen und dadurch das Edelsteinkleinod erhalten.“ Der Sohn versetzte: „Vater, du nahmst es früher nicht an, als es dir von Bhuridatta geschenkt wurde; jetzt aber wird dieser Brahmane nur dich betrügen. Sei still!“ Der Brahmane aber erwiderte: „Gut, mein Sohn, du wirst sehen, ob er oder ich betrügen kann“; und indem er Alambayana anredete, sprach er:

„Der du den Edelstein da trägst,
glückbringend, schön und herzgewinnend,
den Stein mit Buchstaben bedeckt,
wie bist du zum Juwel gekommen?“

Darauf sprach Alambayana folgende Strophe:

„Von tausend rotäugigen Frauen
auf allen Seiten rings umgeben,
so fand ich diesen Edelstein,
als heute diesen Pfad ich ging.“

Um ihn zu betrügen, sprach der Jäger, indem er den Unwert des Edelsteinkleinods verkündete, weil er es für sich selbst erhalten wollte, folgende drei Strophen:

„Gar wohl geformt ist dieser Stein,
immer verehrt und hochgeachtet;
wenn man ihn gut trägt und verwahrt,
kann er wohl jeden Wunsch erfüllen.

Doch wer die Achtsamkeit verliert
beim Tragen oder Aufbewahren,
bei dem veranlasst dieser Stein
nur das Verderben ganz und gar.

Kein Tugendloser je verdient,
dies göttliche Juwel zu tragen;
nimm hundert Nikkhas Gold dafür
und gib mir diesen Edelstein.“

Darauf sprach Alambayana folgende Strophe:

„Nicht ist mir käuflich dies Juwel
mit Rindern oder Kostbarkeiten;
mit Zeichen ist bedeckt der Stein,
nicht käuflich ist für mich das Kleinod.“

Der Brahmane erwiderte:

„Wenn dir nicht käuflich das Juwel
mit Rindern oder Kostbarkeiten,
womit ist käuflich denn der Stein?
Dies sage mir auf meine Frage.“

Alambayana antwortete:

„Wer einen Nāga mir verkündet
mit starkem Gift, schwer zu besiegen,
dem würd ich geben diesen Stein,
der so in hellstem Feuer strahlet.“

Der Brahmane versetzte:

„In der Gestalt eines Brahmanen
welcher Supanna-Vogelkönig
verlangt nach einem Nāga jetzt,
den er für sich zum Mahle sucht?“

Alambayana erwiderte:

„Ich bin ja doch kein Vogelkönig
noch sah ich einen Garula;
als einen Arzt, des Schlangengiftes
kundig, kennt man mich, den Brahmanen.“

Darauf antwortete der Brahmane:

„Worin besteht denn deine Kraft
und welche Wissenschaft kennst du
oder worauf vertraust du wohl,
dass du die Schlange nicht beachtest?“

Um seine Macht zu schildern, sprach jener:

„Einem Asketen, der im Walde
wohnend schon lange Buße übte,
dem Kosiya teilt' ein Supanna
die höchste Gifteskenntnis mit.

Ihm, der im höchsten Glaubenseifer
inmitten des Gebirges wohnte,
wartet' ich auf mit allem Fleiß
bei Nacht und Tage unermüdlich.

Da er von mir so ward geehret,
der tugendreiche heil'ge Büßer,
verkündet' gern mir der Erhabne
den Zauberspruch, den göttlichen.

Dem Zauberspruche ich vertraue,
ich fürchte nicht die Haubenträger;
als Lehrer für die Gift-Ertöter
Alambayana kennt man mich.“

Als dies der Jäger-Brahmane hörte, dachte er bei sich: „Dieser Alambayana gibt nur dem den kostbaren Edelstein, der ihm einen Nāga zeigt. Ich werde ihm Bhuridatta zeigen und dadurch das Kleinod erhalten.“ Und indem er sich darauf mit seinem Sohne besprach, sagte er folgende Strophe:

„Wir werden das Juwel erhalten,
verstehe, lieber Somadatta:
lass uns nicht selbst das Glück zerstören
wie mit dem Stock der Tor die Schüssel.“

Somadatta antwortete:

„Der dich, Brahmane, hat geehrt,
nachdem du in sein Haus gekommen,
den, der so Gutes dir getan,
was willst du töricht ihn verraten?

Denn wenn du ja nach Schätzen strebst,
wird Bhuridatta sie dir schenken.
Gehe zu ihm und bitte ihn;
er wird dir viele Schätze geben.“

Der Brahmane erwiderte:

„Weit besser ist 's, das zu verzehren,
was in der Hand liegt, in der Schüssel;
dass uns nur nicht wieder entgehe
der jetz'ge Vorteil, Somadatta!“

Somadatta antwortete:

„In heißer Hölle wird er gequält,
die Erde spaltet sich vor ihm;
der Freund Verräter, Glückaufgeber
vertrocknet noch in diesem Leben.

Und wenn du ja nach Schätzen strebst,
wird Bhuridatta sie dir schenken.
Gehe zu ihm und bitte ihn;
er wird dir viele Schätze geben.“

Der Brahmane erwiderte:

„Wenn sie ein großes Opfer bringen,
werden gereinigt die Brahmanen.
Ein großes Opfer lass uns bringen,
so werden wir vom Bösen frei.“

Somadatta aber versetzte:

„Wohlan, so gehe ich jetzt fort;
nicht will ich heute noch mit dir
mehr gehen einen einz'gen Schritt,
mit einem, der so Böses tut.“

Da nach diesen Worten der weise Brahmanenjüngling seinen Vater nicht veranlassen konnte, seine Worte anzunehmen, rief er, indem er mit seiner lauten Stimme die Gottheiten erregte: „Mit einem solchen Übeltäter werde ich nicht zusammengehen.“ Vor den Augen seines Vaters lief er davon und zog in den Himalaya, wo er die Weltflucht betätigte. Er erlangte die Erkenntnisse und die Vollkommenheiten und gelangte dann, ununterbrochener Ekstase sich erfreuend, in die Brahmawelt.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Da so gesprochen zu dem Vater
der sehr verständ'ge Somadatta,
erregte er die Geister noch
und ging von diesem Orte weg.

Der Jäger-Brahmane dachte: „Wohin wird Somadatta gehen außer in sein eigenes Haus?“ Da er Alambayana etwas betrübt sah, sagte er zu ihm: „Alambayana, sei unbekümmert; ich werde dir Bhuridatta zeigen.“ Er ging mit jenem zu dem Orte hin, wo der Nāga-König das Uposatha betätigte; und als er den Nāga-König auf dem Ameisenhügel mit ausgebreiteter Haube liegen sah, streckte er unweit davon stehend die Hand aus und sprach folgende zwei Strophen:

„Ergreife diese große Schlange
und bringe mir den Edelstein;
so rot wie Scharlachfarbe glänzt
an ihm das blutigrote Haupt.

Gleichwie von Baumwolle ein Haufen
so ist sein Körper anzusehen.
Er liegt auf dem Ameisenhügel;
ergreife du ihn, o Brahmane!“

Das große Wesen öffnete die Augen. Als es den Jäger sah, kam ihm der Gedanke: „Dieser könnte mir in meiner Uposatha-Betätigung ein Hindernis bereiten.“ Und weiter dachte es: „Diesen führte ich in das Nāga-Reich und versetzte ihn in großes Glück. Den Edelstein, den ich ihm geben wollte, wollte er nicht annehmen. Jetzt aber kommt er mit einem Schlangenbändiger zurück. Wenn ich diesem Freundeverräter zürnen würde, so würde meine Beobachtung der Gebote durchbrochen werden. Ich aber habe vor allem beschlossen, das aus vier Teilen bestehende Uposatha zu halten; dies soll bleiben, wie es ist. Alambayana soll mich zerhauen oder braten oder an einem Pfahl zerschmettern: ich werde ihm dafür nicht zürnen.“ Weil es aber auch merkte: „Wenn ich ihn aber anblicke, so wird er meine Uposatha-Betätigung zerstören“, schloss es die Augen, machte sich die vollkommene Erfüllung seines Vorsatzes zur Pflicht, legte seinen Kopf in seine ausgebreitete Haube und legte sich regungslos nieder.

Ende des Kapitels von der Betätigung der Gebote

Das Kapitel von dem Spiel—Kīḷanakaṇḍa

Der Jäger-Brahmane aber sprach: „He, Alambayana, ergreife diesen Nāga und gib mir das Kleinod!“ Als Alambayana den Nāga sah, schätzte er in seiner Freude das Juwel für gar nichts mehr, sondern warf jenem mit den Worten: „Nimm es, Brahmane“, das Kleinod in die Hand. Dies aber glitt ihm aus der Hand, und sobald es den Boden berührte, drang es in die Erde ein und kehrte in das Nāga-Reich zurück. So ging der Brahmane seines Kleinodes, der Freundschaft mit Bhuridatta und seines Sohnes, dieser drei Dinge verlustig. Er jammerte: „Ich bin hilflos geworden; warum tat ich nicht nach den Worten meines Sohnes?“, und kehrte nach Hause zurück.

Alambayana aber bestrich mit Zauberkräutern seinen Körper, kaute sie ein wenig, benetzte damit auch das Innere seines Körpers und ging dann, indem er seinen Zauberspruch hersagte, auf den Bodhisattva zu. Diesen fasste er am Schwanze, zog ihn empor, packte ihn fest am Kopfe, öffnete ihm das Maul und spie ihm von dem verkauten Zauberkraut den Speichel ins Maul. Der von Natur so reine Nāga-König zürnte ihm nicht aus Furcht, seine Gebote zu verletzen, er öffnete auch die Augen nicht und schlug sie nicht auf. Nachdem ihn jener aber so unter den Giftzauber gebracht hatte, fasste er ihn am Schwanz, dass sein Kopf nach unten hing, drückte ihn zusammen und ließ ihn die eingenommene Nahrung von sich geben. Dann legte er ihn der Länge nach auf den Boden und quetschte ihn mit den Händen, als wolle er ein Kissen quetschen; die Knochen waren ihm wie zerschlagen. Darauf fasste jener ihn abermals am Schwanze und walkte ihn, als wolle er ein Tuch walken. Obwohl aber das große Wesen solchen Schmerz erlitt, zürnte es ihm doch nicht.

Um diesen Sachverhalt zu verkünden, sprach der Meister:

Indem er Zauberkräuter brauchte
und seine Zauberworte sagte,
getraut' er sich, ihn loszulassen,
nachdem er ihn sich unterworfen.

Nachdem er so das große Wesen schwach gemacht hatte, machte er aus Schlingpflanzen einen Korb zurecht und legte das große Wesen hinein. Dessen großer Körper aber ging nicht hinein; deshalb stieß er es mit den Fersen und brachte es so hinein. Mit dem Korbe ging er in ein Dorf, machte in der Mitte des Dorfes Halt und rief: „Wer eine Schlange tanzen sehen will, soll kommen.“ Alle Dorfbewohner versammelten sich. Jetzt sagte Alambayana: „Komm heraus, großer Nāga!“ Da dachte das große Wesen: „Heute ziemt es mir, die Versammlung zu befriedigen und zu spielen. So wird Alambayana viel Geld bekommen und erfreut darüber mich loslassen. Alles, was er mich tun heißt, das werde ich tun.“

Darauf nahm ihn jener aus dem Korbe heraus und sagte: „Sei groß“, und er war groß. Weiter sagte er: „Sei klein, sei rund, sei zitternd, mache eine Haube, zwei Hauben, drei Hauben, vier Hauben, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Hauben, mache hundert Hauben, sei hoch, sei niedrig, lasse deinen Körper sehen, lasse ihn nicht sehen, sei grün, gelb, dunkelrot, weiß, hellrot, lasse Wasser ausströmen, gib Wasser und Rauch von dir!“ Auch bei diesen Erscheinungen veränderte er auf die von jenem angegebene Art sein Wesen und tanzte.

Als sie ihn sahen, konnte keiner seine Tränen zurückhalten. Die Leute gaben dem Brahmanen viel Gold, Gewänder, Schmuck u. dgl.; so erhielt er allein in diesem Dorfe einen Wert von hunderttausend. Obwohl er aber, als er das große Wesen fing, gedacht hatte: „Wenn ich tausend Kahapanas erhalte, werde ich es loslassen“, so dachte er jetzt, nachdem er so viel Geld bekommen hatte: „In einem Dörfchen habe ich jetzt so viel Geld erhalten; um wie viel mehr Geld werde ich in der Stadt bekommen?“, und ließ es aus Geldgier nicht los. Nachdem er in diesem Dorfe einen Hausstand begründet, machte er einen Korb aus Edelsteinen, legte das große Wesen da hinein, bestieg einen bequemen Wagen und zog mit großem Gefolge fort. Während er es so in Dörfern, Flecken u. dgl. tanzen ließ, gelangte er nach Benares. Dem Nāga-König aber gab er Honigkörner oder er tötete Frösche und gab sie ihm; dieser aber nahm keine Nahrung an aus Furcht, jener möchte ihn nicht freilassen. Obwohl er aber keine Nahrung zu sich nahm, ließ ihn jener von den vier Tordörfern angefangen allenthalben einen Monat lang spielen. Am fünfzehnten Tage des Monats, am Uposatha-Tage, ließ er dem Könige melden: „Heute werde ich ihn bei Euch spielen lassen.“ Darauf ließ der König dies durch Trommelschlag verkünden und eine große Menschenmenge zusammenrufen; im Hofe des königlichen Palastes brachte man Bank über Bank an.

Ende des Kapitels von dem Spiel

Das Kapitel von dem Betreten der Stadt—Nagarapavesanakaṇḍa

An dem Tage aber, da der Bodhisattva von Alambayana gefangen wurde, sah die Mutter des großen Wesens im Traume, wie ein schwarzer, rotäugiger Mann ihr mit dem Schwerte den Arm abhieb und wie dieser blutend weggetragen wurde. Furchterfüllt stand sie auf, berührte ihren rechten Arm und merkte, dass es ein Traum gewesen war. Da kam ihr folgender Gedanke: „Ich habe einen grausamen, bösen Traum gesehen. Meinen vier Söhnen oder dem König Dhatarattha oder mir muss eine Gefahr drohen.“ In Bezug auf den Bodhisattva aber dachte sie noch weiter: „Warum bleiben die andern in ihrem Nāga-Reiche, dieser eine aber geht aus Lust, die Tugend zu betätigen, in die Menschenwelt und beobachtet das Uposatha? Darum könnte vielleicht ein Schlangenbändiger oder ein Supanna meinen Sohn gefangen haben.“ So dachte sie immer mehr an ihn.

Als dann ein halber Monat verstrichen war, dachte sie: „Mein Sohn kann mehr als einen halben Monat nicht ohne mich bleiben; sicherlich wird ihm eine Gefahr zugestoßen sein“, und war betrübt. Als aber ein Monat verstrichen war, rannen ihr vor Schmerz beständig die Tränen aus den Augen; ihr Herz vertrocknete und ihre Augen wurden entzündet. Indem sie dachte: „Jetzt wird er kommen, jetzt wird er kommen“, saß sie beständig da und blickte auf den Weg, den er kommen sollte.

Nach Ablauf eines Monats aber kam ihr ältester Sohn Sudassana mit großem Gefolge, um seine Eltern zu besuchen. Er ließ das Gefolge draußen, stieg in den Palast hinauf, begrüßte seine Eltern und stellte sich ihnen zur Seite. Da aber seine Mutter wegen Bhuridatta betrübt war, redete sie nichts mit ihm. Da dachte er: „Wenn ich sonst kam, war meine Mutter erfreut und begann eine liebevolle Unterhaltung mit mir. Heute aber ist sie sehr betrübt; was ist daran schuld?“ Und indem er sie danach fragte, sprach er:

„Nachdem du mich jetzt kommen sahst,
der aller Lust Erfüllung zeigt,
ist doch dein Aussehn nicht erfreut,
verdunkelt hat sich dein Gesicht.

Wie Lotos, wenn er wird berührt,
wenn mit der Hand er wird gerieben,
so hat dein Antlitz sich verdunkelt,
als du mich sahst in voller Pracht.“

Obwohl er aber so sprach, antwortete sie nichts. Da dachte Sudassana: „Vielleicht kann sie von irgendjemand gescholten oder gezankt worden sein.“ Und um sie zu fragen, sprach er folgende weitere Strophe:

„Hat jemand dich vielleicht gescholten
oder verspürst du einen Schmerz,
dass sich dein Antlitz hat verdunkelt,
nachdem du mich hast kommen sehn?“

Darauf sagte jene, um es ihm zu verkünden:

„Mein Sohn, ich hatte einen Traum
vor Monatsfrist von jetzt gerechnet,
als ob ein Mann den rechten Arm
mir abschlüg' und den blutbefleckten
mitnehmend wieder sich entfernte,
während ich Tränen drob vergoss.

Seitdem ich diesen Traum gesehen,
erkenne dies, Sudassana,
seit dieser Zeit bei Tag und Nacht
kann ich mich nicht mehr glücklich fühlen.“

Nach diesen Worten aber fügte sie hinzu: „Mein Lieber, mein teurer Sohn, dein jüngerer Bruder ist nicht mehr zu sehen; ihm muss eine Gefahr zugestoßen sein.“ Und jammernd sprach sie:

„Er, welchen ehemals umgaben
Mädchen mit anmutigem Körper,
den Leib umhüllt mit goldnen Netzen,
Bhuridatta sieht man nicht mehr.

Er, welchen ehemals umgaben
die besten Krieger, Schwerter tragend,
wie aufgeblühte Kanikaras,
Bhuridatta sieht man nicht mehr.

Wohlan, ich will mich jetzt begeben
nach der Behausung Bhuridattas;
den Bruder dein wollen wir sehen,
den rechtliebenden, tugendhaften.“

Nachdem sie aber dies gesagt, begab sie sich mit dem Gefolge von jenem und ihrem eigenen dorthin.—Als aber die Gattinnen des Bhuridatta ihn auf dem Ameisenhügel nicht sahen, dachten sie: „Er wird in der Behausung seiner Mutter sein“, und waren nicht betrübt. Als sie jedoch hörten: „Unsere Schwiegermutter kommt, weil sie ihren Sohn nicht mehr sieht“, zogen sie ihr entgegen, und indem sie sagten: „Edle, seit dein Sohn nicht mehr zu sehen ist, ist heute ein Monat verflossen“, fielen sie ihr mit lauten Klagen zu Füßen.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als sie jetzt diese kommen sahen,
die Mutter ihres Bhuridatta,
streckten die Arme in die Höhe
und weinten Bhuridattas Frauen:

„Von deinem Sohn wissen wir nicht,
o Edle, schon seit einem Monat,
ob tot ist oder ob noch lebt
Bhuridatta, der ruhmerfüllte.“

Nachdem des Bhuridatta Mutter mit ihren Schwiegertöchtern auf der Straße geklagt hatte, stieg sie mit ihnen in seinen Palast hinauf; und indem sie das Lager ihres Sohnes betrachtete, sprach sie jammernd:

„Dem Vogel gleich, der seine Jungen
verlor, wenn leer das Nest er sieht,
lang werd ich mich in Leid verzehren,
wenn Bhuridatta ich nicht seh.

Dem Vogel gleich, der seine Jungen
verlor, wenn leer das Nest er sieht,
werd ich überallhin enteilen,
wenn ich den lieben Sohn nicht seh.

Wie ein Seeadlerweibchen, dem
die Jungen tot, wenn 's leer das Nest sieht,
lang werd ich mich in Leid verzehren,
wenn Bhuridatta ich nicht seh.

Jetzt werd gleich einer wilden Gans,
wenn in dem Teich kein Wasser ist,
ich lange mich in Leid verzehren,
wenn Bhuridatta ich nicht seh.

Wie bei den Schmieden brennt ihr Herd
nach innen nur und nicht nach außen,
so zehr ich mich durch Kummer auf,
wenn Bhuridatta ich nicht seh.“

Während so des Bhuridatta Mutter jammerte, war der Palast des Bhuridatta gleich dem Schoße des Meeres ganz von dem Lärm erfüllt. Kein einziger vermochte aus eigner Kraft stehen zu bleiben; der ganze Palast glich einem vom Weltzerstörungswind getroffenen Sala-Wald.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Wie Sala-Bäume, die vernichtet,
niedergeworfen sind vom Sturme,
lagen die Kinder und die Frauen
in dem Palast des Bhuridatta.

Auch Arittha und Subhaga, die Brüder, hörten, als sie kamen, um ihren Eltern ihre Aufwartung zu machen, diesen Lärm, gingen in den Palast des Bhuridatta hinein und trösteten ihre Mutter.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als sie auch diesen Lärm vernommen
in dem Palast des Bhuridatta,
kam Arittha und Subhaga
unmittelbar herbeigeeilt.

„Fass Mut, o Mutter, sei nicht traurig!
Dies ist das Schicksal aller Wesen.
Sie sterben und sie kommen wieder;
so ist der Wechsel in der Welt.“

Samuddaja antwortete:

„Auch ich erkenne dies, ihr Lieben,
dies ist das Schicksal aller Wesen.
Doch bin von Leid ich überwältigt,
da Bhuridatta ich nicht sehe.

Wenn heut ich noch in dieser Nacht,
verstehe dies, Sudassana,
Bhuridatta nicht wiedersehe,
so, glaub ich, lasse ich das Leben.“

Die Söhne versetzten:

„Tröste dich, Mutter, sei nicht traurig,
wir werden unsern Bruder holen;
nach allen Richtungen wir gehen,
um unsern Bruder aufzusuchen,

in Bergen und in Bergeshöhlen,
in Dörfern und in Flecken auch;
und innerhalb zehn Tagen wirst du
den Bruder wiederkommen sehen.“

Darauf dachte Sudassana: „Wenn wir alle drei nach einer Richtung gehen, wird eine Verzögerung entstehen. Wir drei müssen nach drei Gegenden gehen: einer in die Götterwelt, einer in den Himalaya, einer in die Menschenwelt. Wenn aber Kanarittha in die Menschenwelt gehen wird, so wird er, wo er nur den Bhuridatta sieht, dies Dorf oder diesen Flecken verbrennen und dann weitergehen. Er ist wild und grausam; man darf ihn nicht dorthin schicken.“ Und er sprach: „Lieber Arittha, gehe du nach der Götterwelt; wenn die Gottheiten, weil sie die Wahrheit vernehmen wollen, den Bhuridatta nach der Götterwelt gebracht haben, so bringe ihn von dort zurück.“ Mit diesen Worten schickte er Arittha nach der Götterwelt. Zu Subhaga aber sagte er: „Du, Lieber, gehe in den Himalaya, suche Bhuridatta an den fünf großen Strömen und komme dann wieder“, und schickte ihn so nach dem Himalaya.

Er selbst wollte nach der Menschenwelt gehen und dachte dabei: „Wenn ich in der Gestalt eines Brahmanenjünglings hingehe, werden die Menschen mich verwünschen. Ich muss in der Gestalt eines Asketen dorthin gehen; denn den Menschen sind die Weltflüchtlinge lieb und wert.“ Er nahm das Aussehen eines Asketen an, verabschiedete sich von Vater und Mutter und zog fort.

Der Bodhisattva aber hatte eine Stiefschwester namens Accimukhi; diese hatte eine außerordentliche Liebe zu dem Bodhisattva. Als diese den Sudassana fortgehen sah, sagte sie: „Bruder, ich bin gar sehr in Angst; auch ich möchte mit dir gehen.“ Er erwiderte: „Liebe, du kannst nicht mitgehen; denn ich gehe im Aufzug eines Weltflüchtlings.“ Darauf versetzte die Schwester: „Ich will ein kleiner Frosch werden, mich in deine Flechten hineinlegen und so mit dir gehen.“ Er antwortete: „So komme also!“ Darauf wurde sie ein kleines Froschweibchen und legte sich zwischen seine Flechten hinein.

Jetzt dachte Sudassana: „Ich will bei meinem Gehen von Grund auf untersuchen“, und fragte die Gattinnen des Bodhisattva, an welchem Orte er sein Uposatha gehalten habe. Er ging zuerst dorthin und sah an der Stelle, wo Alambayana das große Wesen gefangen hatte, Blut und auch den Ort, wo Alambayana den Korb gemacht hatte. Da merkte er: „Bhuridatta wird von einem Schlangenbändiger gefangen worden sein.“ Voll Trauer ging er mit tränenerfüllten Augen den Weg, den Alambayana gegangen, und gelangte in das Dörfchen, wo ihn Alambayana zum ersten Male hatte spielen lassen. Er fragte die Leute: „Hat irgendein Schlangenbändiger eine so und so beschaffene Schlange tanzen lassen?“ Sie antworteten: „Ja, Alambayana hat jetzt vor einem Monat eine Schlange tanzen lassen.“ „Hat er etwas dafür erhalten?“ „Ja, hier allein hat er hunderttausend erhalten.“ „Wohin ist er jetzt gegangen?“ „In das Dorf so und so.“

Indem er von da an weiter fragte, kam er allmählich bis an das Tor des königlichen Palastes. In diesem Augenblicke kam gerade Alambayana schön gebadet und schön parfümiert, in ein feines Gewand gehüllt, nach dem Tore des königlichen Palastes, nachdem er den Edelsteinkorb hatte mitnehmen lassen. Eine große Volksmenge versammelte sich. Für den König war ein Sitz hergerichtet worden. Dieser sagte, als er noch drinnen im Palaste war: „Ich komme; er soll den Nāga-König tanzen lassen“, und sandte diese Botschaft hin aus. Alambayana ließ nun den Edelsteinkorb auf einen bunten Teppich stellen, öffnete ihn und gab ein Zeichen: „Komm, du großer Nāga-König!“

In diesem Augenblick trat auch Sudassana unter die Versammlung. Das große Wesen streckte den Kopf hervor und betrachtete diese ganze Versammlung.—Die Nāgas betrachten aus zwei Gründen eine Versammlung: entweder um eine von den Supannas drohende Gefahr oder um ihre Verwandten zu sehen. Wenn sie Supannas sehen, tanzen sie aus Furcht nicht, wenn sie Verwandte sehen, aus Scham.—Als aber das große Wesen umherschaute, erblickte es inmitten der Versammlung seinen Bruder. Es hielt eine Träne zurück, die ihm das Auge füllte, kam aus dem Korbe und bewegte sich in der Richtung nach seinem Bruder. Als die Volksmenge es herankommen sah, wich sie furchtsam zurück; nur Sudassana blieb allein stehen. Der Nāga kam herbei, legte sein Haupt auf dessen Füße und weinte; Sudassana weinte auch. Nachdem aber das große Wesen geweint, kehrte es um und ging wieder in seinen Korb hinein.

Da dachte Alambayana: „Von diesem Nāga wird der Asket gebissen worden sein; ich werde ihn trösten.“ Er ging auf ihn zu und sprach:

„Die aus der Hand befreite Schlange
fiel stark dir zu den Füßen nieder?
Hat sie dich, Freund, vielleicht gebissen?
Sei ohne Furcht; du wirst gesund.“

Sudassana, der mit jenem reden wollte, erwiderte:

„Unfähig ist ja dieser Nāga,
mir irgendein Leid zuzufügen;
soweit es Schlangenbänd'ger gibt,
gibt 's keinen größeren als mich.“

Alambayana merkte nicht, welcher Art jener war, und versetzte zornig:

„Was für ein Tor kam zur Versammlung
mit dem Aussehn eines Brahmanen
und fordert mich heraus zum Wettkampf?
Es höre auf mich die Versammlung!“

Darauf wandte sich Sudassana an ihn mit folgenden Worten:

„Greif du mich mit dem Nāga an;
ich tu 's mit einem jungen Frosch.
Wir wollen eine Wette machen
um fünftausend Kahapanas.“

Alambayana erwiderte:

„Ich bin doch wohlhabend und reich,
du aber arm, junger Brahmane;
wer tritt denn für dich auf als Bürge
und was kannst du als Einsatz bieten?

Der Einsatz werde mir gestellt
und auch ein Bürge, der entspricht;
dann wollen wir die Wette machen
um fünftausend Kahapanas.“

Als Sudassana dessen Worte vernommen, sagte er: „Um fünftausend Kahapanas wollen wir wetten.“ Furchtlos stieg er in des Königs Palast hinauf und sprach vor seinen königlichen Oheim tretend folgende Strophe:

„Höre mein Wort, du großer König,
und möge Glück zuteil dir werden.
Für fünftausend Kahapanas
sei du mein angesehner Bürge.“

Der König dachte: „Dieser Asket bittet mich um allzu viel Geld; was ist das?“ Und er sprach folgende Strophe:

„Ist dieses eine Schuld vom Vater
oder eine, die selbst gemacht,
dass du von mir so gar viel Geld
für dich erbittest, o Brahmane?“

Auf diese Worte erwiderte Sudassana folgende zwei Strophen:

„Alambayana möchte gern
mit einem Nāga mich besiegen;
ich will von einem jungen Frosch
diesen Brahmanen beißen lassen.

Um dies zu sehen, großer König,
drum gehe heute, Reichsvermehrer,
umgeben von der Schar der Edlen
hinaus, um dieses anzuschauen.“

Der König versetzte: „Wollen wir also gehen“, und ging zusammen mit dem Asketen hinaus. Als dies Alambayana sah, dachte er: „Dieser Asket ist fortgegangen und mit dem Könige zurückgekommen; er wird ein zur königlichen Familie gehörender Asket sein.“ Indem er ihm furchtsam seine Aufwartung machte, sprach er folgende Strophe:

„Durchaus verachte ich dich nicht
ob deiner Künste, o Brahmane;
gar groß bist du in deiner Kunst,
weil du dich nicht scheust vor der Schlange.“

Darauf sprach Sudassana folgende zwei Strophen:

„Auch wir verachten durchaus nicht
ob seiner Künste den Brahmanen;
mit einer Schlange frei von Gift
kann man gar leicht das Volk betören.

Wenn so das Volk dich kennen würde,
wie ich dich kenne, o Alamba,
bekämest du nicht eine Handvoll
von Gerstenmehl, geschweige Geld.“

Darauf sagte Alambayana zornig zu ihm:

„Ein barscher Fellträger kam her,
ein dummer, schmier'ger Flechtenträger;
und eine derartige Schlange
verachtet er als ‚frei von Gift‘.

Wenn du ihr nahst, wirst du erkennen,
wie voll sie ist von starkem Gift;
ich glaub, zu einem Haufen Spreu
wird diese dich in kurzem machen.“

Um nun mit ihm seinen Scherz zu treiben, sprach Sudassana folgende Strophe:

„Gift kann die Rattenschlange haben
oder der Wassermolch, der dunkle;
doch bei der rotköpfigen Schlange
ist sicherlich kein Gift vorhanden.“

Darauf redete ihn Alambayana mit folgenden zwei Strophen an:

„Dies habe ich gehört von Büßern,
von heiligen und wohlbezähmten:
‚Wenn man hier Almosen gespendet,
gehen zum Himmel ein die Spender‘.
Solang du lebst, gib Almosen,
wenn du etwas zu geben hast.

Der Nāga hier ist groß von Kraft,
voll Gift und schwer zu überwinden;
durch ihn werd ich dich beißen lassen,
er wird dich rasch in Spreu verwandeln.“

Sudassana erwiderte:

„Auch ich hab dies gehört, mein Freund,
von heil'gen, wohlbezähmten Büßern:
‚Wenn man hier Almosen gespendet,
gehen zum Himmel ein die Spender‘.
Solang du lebst, gib Almosen,
wenn du etwas zu geben hast.

Hier dieser Frosch Accimukhi
ist angefüllt mit starkem Gift;
durch ihn werd ich dich beißen lassen,
er wird dich rasch in Spreu verwandeln.

Sie, die des Dhatarattha Tochter
und eine Stiefschwester von mir,
Accimukhi soll sich jetzt zeigen,
die angefüllt mit starkem Gift.“

Nachdem er aber so gesprochen, rief er seine Schwester inmitten der großen Volksmenge: „Liebe Accimukhi, komme aus meinen Flechten hervor und stelle dich auf meine Hand!“; und er streckte die Hand aus. Als sie seine Stimme hörte, stieß sie, während sie noch im Innern seiner Flechten lag, dreimal das Froschgeschrei aus; dann kam sie hervor, setzte sich auf die Spitze seiner Schulter, sprang herab und ließ auf seine Handfläche drei Tropfen Gift fallen; hierauf kehrte sie wieder in das Innere seiner Flechten zurück.

Als so Sudassana mit dem Gift in der Hand dastand sprach er dreimal: „Zugrunde gehen wird dieses Land, völlig zugrunde gehen wird dieses Land.“ Dieser Klang von ihm blieb in der Luft und überdeckte das ganze zwölf Meilen große Benares. Da fragte der König: „Warum wird dies Land zugrunde gehen?“ Sudassana antwortete: „O Großkönig, ich sehe keinen Ort, wohin ich dies Gift ausgießen könnte.“ Der König versetzte: „Mein Lieber, groß ist diese Erde; gieße es auf die Erde aus!“ Jener aber wies ihn zurück mit den Worten: „Das ist nicht möglich, o Großkönig“, und sprach folgende Strophe:

„Wenn ich es auf die Erde gösse,
—verstehe wohl, o Brahmadatta,—
die Gräser, Schlingpflanzen und Kräuter
würden verdorren ohne Zweifel.“

Der König fuhr fort: „So wirf es also, mein Sohn, nach oben in die Luft!“ Der andere aber erwiderte: „Auch dorthin ist es nicht möglich“, und sprach, um dies zu beweisen, folgende Strophe:

„Wenn ich es in die Höhe würfe,
—verstehe wohl, o Brahmadatta,—
wird sieben Jahre lang der Gott
nicht regnen lassen oder schneien.“

„So gieße es also in das Wasser“, versetzte der König. „Auch dorthin ist es nicht möglich“, erwiderte jener und sprach, um dies zu beweisen, folgende Strophe:

„Wenn ich es in das Wasser gösse,
—verstehe wohl, o Brahmadatta,—
so würden alle Wassertiere
sterben, die Fische und Schildkröten.“

Darauf sprach der König zu ihm: „Mein Sohn, wir wissen nichts; dass unser Reich nicht zugrunde gehe, dafür ersinne du allein ein Mittel!“ Jener versetzte: „Darum lasst, o Großkönig, an dieser Stelle der Reihe nach drei Gruben graben!“ Der König ließ sie graben. Darauf ließ Sudassana die mittlere Grube mit verschiedenartigen Heilmitteln anfüllen, die zweite mit Kuhmist, die dritte mit Zauberkräutern. Hierauf ließ er in die mittlere Grube die Gifttropfen fallen. In demselben Augenblick entwickelte sich Rauch und eine Flamme stieg empor; diese verbreitete sich und ergriff die mit Kuhmist gefüllte Grube. Auch daraus stieg die Flamme empor, erfasste die andere mit Zauberkräutern gefüllte Grube, verzehrte die Kräuter und erlosch dann.

Alambayana stand unweit von dieser Grube; da traf ihn die Hitze, die von dem Gifte ausging. Die Haut seines Körpers verschwand, er war voll weißen Aussatzes. Angsterfüllt ließ er dreimal seine Stimme ertönen: „Ich lasse den Nāga-König frei.“ Als dies der Bodhisattva hörte, kam er aus dem Edelsteinkorbe heraus, nahm eine mit allem Schmuck gezierte Erscheinung an und stand da mit der Anmut des Götterkönigs Sakka. Auch Sudassana und Accimukhi blieben dort stehen.

Darauf fragte Sudassana den König: „Erkennst du uns, o Großkönig, von wem dies die Kinder sind?“ Er erwiderte: „Ich erkenne euch nicht!“ Jener fuhr fort: „Jetzt erkennst du uns nicht; weißt du aber, dass Samuddaja, die Tochter des Königs von Kasi, dem Dhatarattha zur Frau gegeben wurde?“ „Ja, das weiß ich“, versetzte der König, „sie war meine jüngste Schwester.“ Sudassana sagte hierauf: „Wir sind ihre Kinder; du bist unser Oheim.“ Als dies der König hörte, umarmte er sie, küsste sie auf ihr Haupt und weinte. Er ließ sie in seinen Palast hinaufsteigen und erwies ihnen große Ehrung. Indem er dann mit Bhuridatta ein freundliches Gespräch begann, fragte er: „Mein Sohn, wie fing Alambayana dich, der du doch so scharfes Gift besitzest?“ Jener erzählte alles ausführlich und erklärte sodann seinem Oheim die Wahrheit, indem er sagte: „O Großkönig, ein König muss nämlich auf diese Weise seine Herrschaft führen.“

Darauf sprach Sudassana zu ihm: „Oheim, meine Mutter ist bedrückt, weil sie Bhuridatta nicht mehr sieht; wir dürfen weiter nicht mehr zögern.“ „Gut, mein Sohn“, antwortete der König, „geht ihr jetzt. Ich aber möchte meine Schwester sehen; wie kann ich sie zu sehen bekommen?“ Jener versetzte: „Oheim, wo ist aber mein Großvater, der König von Kasi?“ Der König antwortete: „Mein Sohn, da er ohne meine Schwester nicht leben konnte, gab er sein Reich auf, betätigte die Weltflucht und lebt jetzt in dem Walde so und so.“ Darauf sprach Sudassana: „Oheim, meine Mutter möchte Euch und auch meinen Großvater sehen. Gehet Ihr an einem bestimmten Tage zu meinem Großvater hin; dann werden wir mit unserer Mutter in die Einsiedelei unseres Großvaters kommen. Dort könnt auch Ihr sie sehen.“ Nachdem sie so mit ihrem Oheim einen Tag festgesetzt hatten, stiegen sie aus dem königlichen Palast hinab. Der König entließ seinen Neffen und kehrte dann unter Tränen um. Sie aber verschwanden in der Erde und kehrten in das Nāga-Reich zurück.

Ende des Kapitels von dem Betreten der Stadt

Das Kapitel von der Aufsuchung des großen Wesens—Mahāsattassa pariyesanakhaṇḍa

Als das große Wesen gekommen war, wurde die ganze Nāga-Stadt von Klagelauten erfüllt. Nachdem es einen Monat lang in seinem Korbe gelitten hatte, legte es sich auf das Krankenlager; ohne Ende kamen die Nāgas zu ihm und es wurde müde, indem es ihnen erzählte.—Kanarittha, der in die Götterwelt gegangen war, kam, als er das große Wesen nicht sah, zuerst zurück; da man nun dachte: „Dieser Wilde, Grausame wird im Stande sein die Schar der Nāgas abzuhalten“, machte man ihn da, wo das große Wesen lag, zum Türhüter. Auch Subhaga kehrte, nachdem er den ganzen Himalaya durchsucht und dann den großen Ozean und die übrigen Flüsse beobachtet hatte, zurück, indem er dabei die Yamuna durchforschte.

Als aber der Jäger-Brahmane den Alambayana aussätzig sah, dachte er: „Dieser ist, weil er den Bhuridatta gequält hatte, aussätzig geworden. Ich aber habe ihn, der damals mein großer Wohltäter gewesen, aus Gier nach dem Kleinod dem Alambayana gezeigt. Dies Übel wird auf mich kommen. Damit dies nicht komme, werde ich sogleich zur Yamuna hingehen und an der Übelwegschwemmungsfurt das Übel wegschwemmen lassen.“ Er ging hin, und indem er sagte: „Das Übel, das ich durch den Verrat an Bhuridatta beging, werde ich fortschwemmen lassen“, begann er, in das Wasser hinabzusteigen.

In diesem Augenblick kam Subhaga an diesen Ort. Als er diese Worte von jenem hörte, dachte er: „Von diesem Bösewicht wurde mein Bruder, der ihm doch große Ehrung hatte zuteil werden lassen, um des Kleinodzauberspruches willen dem Alambayana gezeigt; ich werde ihn nicht am Leben lassen.“ Indem er ihm mit seinem Schwanze die Füße umwand, zog er ihn nieder, so dass er im Wasser auf dem Boden saß. Als jener keinen Atem mehr hatte, ließ er ihn ein wenig los und jener hob den Kopf in die Höhe. Darauf zog er ihn wieder herunter, dass er im Wasser saß.

Als nun der Jäger-Brahmane so oftmals von ihm geplagt wurde, erhob er sein Haupt und sprach folgende Strophe:

„Da ich in des Payaga Wasser
des weltberühmten, tropfend stehe,
was für ein Dämon zieht hinab mich,
der in die Yamuna ich tauche?“

Darauf redete ihn Subhaga mit folgender Strophe an:

„Von jenem ruhmerfüllten Weltbeherrscher,
der rings von überall einschloss Benares,
von diesem Schlangenfürst bin ich der Sohn;
als Subhaga kennt man mich, o Brahmane.“

Da dachte der Brahmane: „Dieser Bruder des Bhuridatta wird mich nicht am Leben lassen. Wie, wenn ich jetzt durch die Schilderung des Ruhmes von ihm und seinen Eltern ihn sanft gesinnt machte und ihn um mein Leben bäte?“ Und er sprach folgende Strophe:

„Wenn du der Sohn des Schlangenfürsten bist,
Kamsas, des Königs der Unsterblichen,
so ist dein Vater wohl von großer Macht,
mit Menschen unvergleichbar deine Mutter.
Nicht darf ein Wesen von so großer Macht
hinabziehn nur eines Brahmanen Sklaven.“

Darauf erwiderte ihm Subhaga: „Du falscher Brahmane, du meinst, du könnest mich betrügen und dich dadurch frei machen. Ich werde dir nicht das Leben lassen!“ Und indem er die von ihm verübte böse Tat verkündigte, sprach er:

„An einem Baum verwundetest
du einen Hirsch, der trinken wollte;
getroffen eilte weit er fort
mit Pfeilesschnelligkeit voll Eifer.

Drauf sahst du, wie er niederfiel
im tiefen Dickicht dieses Waldes,
und mit der Tragstange voll Fleisch
gingst du am Abend zum Nigrodha,

umtönt von Maynahs, Papageien,
gelb und von Sträuchern dicht umstanden,
von Kokilas umsungen, lieblich,
fest auf dem gelben Grasesboden.

Dort zeigte deinen Augen sich
von Glanz und Wundermacht erstrahlend
mein Bruder groß an Götterkraft,
von Göttermädchen rings umgeben.

Von diesem wurdest du geehrt
und alle Wünsche dir erfüllt,
doch den Arglosen du verrietest;
und dieser Hass fällt nun auf dich.

Rasch strecke vorwärts deinen Hals,
ich werde dich nicht leben lassen;
des Hasses eingedenk zum Bruder
werde ich dir das Haupt zerschmettern.“

Da dachte der Brahmane: „Dieser wird mir nicht das Leben schenken; aber man muss sich mit allem möglichen anstrengen, um sich zu befreien.“ Und er sprach folgende Strophe:

„Ein Vorleser, ein Betender,
ein Feueropfrer ist er auch;
aus diesen drei Ursachen darf
man den Brahmanen niemals töten.“

Als dies Subhaga hörte, bekam er Zweifel und dachte: „Ich will ihn in das Nāga-Reich bringen; dort werde ich meinen Bruder fragen und es erkennen.“ Und er sprach folgende zwei Strophen:

„Es glänzt des Dhatarattha Stadt,
die in der Yamuna versunken,
wie lauter Gold bis zu dem Berg,
der neben der Yamuna steht.

Dort wohnen meine eignen Brüder,
die Heldenhaften, Tigerstarken,
und wie sie es dort sagen werden,
so wird es dir ergehn, Brahmane.“

Nach diesen Worten fasste er ihn am Halse, warf ihn vor sich hin und ging scheltend und zankend nach dem Tore des Palastes des großen Wesens.

Ende des Kapitels von der Aufsuchung des großen Wesens

Letztes Kapitel

Als aber Kanarittha, der dort als Türhüter saß, sah, wie dieser so geplagt herbeigebracht wurde, ging er ihm entgegen und sagte: „Subhaga, verletze ihn nicht; die Brahmanen sind nämlich die Söhne des Mahabrahma. Wenn dies der Mahabrahma merkt, wird er uns zürnen, weil wir seinen Sohn verletzen, und wird unser ganzes Königreich zerstören. In der Welt sind nämlich die Brahmanen sehr angesehen und von großer Macht. Du kennst ihre Macht nicht; ich aber kenne sie.“ Kanarittha war nämlich in seiner letzten Existenz ein Opferpriester-Brahmane gewesen; darum sprach er so. Nach diesen Worten aber wurde er infolge seiner Erinnerung an seine Vergangenheit wieder ein Opferverständiger; deshalb sagte er zu Subhaga und zu der Nāga-Versammlung: „Kommt, ich will euch die Vorzüge der Opferpriester-Brahmanen schildern.“ Und er sprach, indem er den Preis des Opfers begann, folgendermaßen:

„Von Niedern auch verwaltet sind doch edel
Opfer und Veden, heilsam in der Welt;
wer deshalb den nicht Tadelnswerten schilt,
verliert Besitz und auch der Weisen Tugend.“

Darauf fragte jenen Kanarittha weiter: „Subhaga, weißt du aber, von wem diese Welt geordnet wurde?“ Als er antwortete: „Ich weiß es nicht“, sagte er: „Von Brahma, dem Ahnherrn der Brahmanen“; und um ihm dies zu erklären, sprach er folgende weitere Strophe:

„Wissen fiel zu den Edeln, die Erd den Fürsten,
den Vessas Ackerbau, Dienen den Suddas;
dass jeder so zu seinem Platze kam,
geschah durch Vasi, so erzählt man sich.“

Er fügte hinzu: „Von großem Vorzug sind diese Brahmanen. Wer nämlich sein Herz ihnen zuwendet und ihnen Almosen spendet, der erfährt keine Wiedergeburt anderswo, sondern er geht nur in die Götterwelt ein.“ Und er sprach:

„Dhata, Vidhata, Varuna, Kuvera,
Soma und Yama sowie Mond und Sonne,
sie alle brachten mannigfache Opfer,
erfüllten ihren Lehrern alle Wünsche.

Der starke Ajjuna, des Heeres Schrecken,
mit fünfmalhundert Bogen, weithin glänzend,
der tausendarmige, auf Erden unvergleichlich,
auch er entzündete das Opferfeuer.“

Indem er dann noch weiter die Brahmanen pries, sagte er folgende Strophe:

„Wer die Brahmanen lange Zeit bewirtet'
mit Trank und Speise, wie er nur vermochte,
mit gläub'gem Sinne und erfreutem Herzen,
der wurde reichbeglückt zu einem Gotte.“

So sind nämlich die Brahmanen vor allen zu ehren. Um ihnen noch eine andere Sache vorzuführen und zu erklären, sprach er folgende Strophe:

„Der den gefräß'gen Gott herrlich von Aussehn,
den Agni konnt' befriedigen mit Butter,
nachdem das Opfer er gebracht nach Kräften,
ging Mujalinda ein zur Götterwelt.“

Um dies zu erklären, sprach er noch folgende Strophe:

„Der groß von Macht und tausend Jahre lebend
die Welt verließ, bewundernswert und groß,
sein unermesslich Reich aufgab mitsamt dem Heere,
König Dujipa auch kam in den Himmel.“

Um noch andere Beispiele anzuführen sprach er weiter:

„Auch Sagara, der bis zum Meer besiegte
die Erde, richtet' auf den Opferpfosten,
rein, golden, groß, und zündet' an das Feuer,
er wurde voll des Glücks einer der Götter.

Durch dessen Macht der Ganges einst entsprang
und da, wo Molken blieben, ward das Meer,
der mit behaarten Füßen ging ums Feuer,
Anga kam zu des Tausendäug'gen Stadt.“

Nachdem er ihm so jene Begebenheit aus der Vergangenheit erzählt, sprach er folgende Strophe:

„Der jetzt als mächtiger, berühmter Gott
im Himmel Vasavas Heerführer ist,
der tilgt' durch Soma-Opfer seine Makel
und wurde hochbeglückt einer der Götter.“

Um diesen Sachverhalt zu erläutern, sprach er folgende Strophe:

„Der diese Welt schuf und die andre Welt,
den Ganges (bhāgīrathigaṅgā), den Himalaya, den Gijjha,
der ein ruhmvoller Gott voll Wunderkraft,
auch dieser zündet' einst das Feuer an.

Malagiri, Himalaya und Gijjha,
Sudassana, Nisabha, Kakaneru,
diese und andre große Berge wurden
gemacht als Pfosten von den Opfernden.“

Darauf sprach er abermals zu ihm: „Bruder, weißt du aber, aus welchem Grunde dieses Meer nicht trinkbar geschaffen wurde, sondern warum sein Wasser salzig ist?“ Als jener erwiderte: „Ich weiß es nicht, Arittha“, versetzte dieser: „Du verstehst nur Brahmanen zu verletzen; höre!“ Und er sprach folgende Strophe:

„Einen gelehrten Büßer, der der Zaubersprüche
kundig und im Gebet versunken, wie man sagt,
als er am Meeresufer Wasser ausgoss,
riss mit die See; darum ist sie nicht trinkbar.“

Nachdem er noch hinzugefügt: „Derartig sind diese Brahmanen“, sprach er abermals:

„Reiche Gelegenheit zum Opfer hier
auf Erden bieten die Brahmanen Vasava;
im Osten und im Westen, Süden, Norden
sind sie vorhanden und bereiten Freude.“

So pries Arittha mit diesen vierzehn Strophen die Brahmanen, die Opfer und die Veden. Als die vielen Nāgas, die gekommen waren um das große Wesen in seiner Krankheit zu besuchen, diese seine Worte vernahmen, sagten sie: „Er spricht nur die Wahrheit“, und erweckten den Anschein, als wollten sie diese Irrlehre annehmen. Das große Wesen hörte, während es so auf seinem Krankenbette lag, dies alles; auch die Nāgas berichteten es ihm. Daher dachte der Bodhisattva: „Arittha hat den falschen Weg (zum Himmel) gepriesen; ich werde seine Worte widerlegen und die Versammlung rechtgläubig machen.“ Er stand auf, wusch sich und ließ sich mit allem Schmuck geziert auf dem Lehrstuhle nieder. Dann ließ er die ganze Nāga-Versammlung zusammenkommen und schalt Arittha mit folgenden Worten: „Arittha, du hast mit Unwahrheit die Veden, die Opfer und die Brahmanen gepriesen. Denn das Darbringen der Opfer durch die Brahmanen nach der Anordnung der Veden wird nicht als begehrenswert geachtet und führt nicht zum Himmel. Sieh, wie unwahr deine Worte sind!“ Und indem er die das Opfer zerstörende Rede begann, sprach er:

„Sünden für Weise, Fallen für die Toren
sind, Arittha, die Studien in den Veden;
ein Spiegelbild sind sie, nicht zu durchschauen,
doch nicht besiegen Weisheit diese Zauber.

Die Veden bringen keinen Schutz dem Manne,
der seinen Freund verrät, die Frucht ertötet;
und nicht beschirmt das aufgehäufte Feuer
den Menschen, der in Schuld ist, Böses tut.

Wenn auch die Reichen und Begüterten
mit Gras vermischt verbrennten alles Holz,
könnt' dieser Brand nicht sättigen das Feuer;
wer möcht' als Weiser tun dies Übermaß?

Wie Milch, die der Verändrung unterliegt,
zu Molken sich gestaltet und zu Butter,
so unterliegt das Feuer der Verändrung,
als Glut steigt es hoch angefacht empor.

Nicht sieht man Feuer, welches drinnen wohnt
in trocknen Hölzern oder auch in frischen;
wenn 's nicht gerieben wird vom Reibemann,
wenn man sich nicht bemüht, entsteht kein Feuer.

Denn wenn das Feuer drinnen wohnen würde,
in trocknen Hölzern oder auch in frischen,
vertrockneten auf Erden alle Wälder
und alles trockne Holz würde verbrennen.

Wenn ja mit Holz und Gras ein gutes Werk
ein Mann tut, wenn er Rauch und Feuer nährt,
so würden Kohlenbrenner und die Köche
und, die den Leib verbrennen, Gutes tun.

Und wenn auch die kein gutes Werk verrichten,
die hier des Wissens Feuer unterhielten,
so tut niemand auf dieser Welt hier Gutes,
wenn er ein rauchend Feuer nährt voll Glut.

Denn wie könnt' einer, den die Welt verehrt,
das unschön Riechende, vielen Unliebe,
das auch die Menschen fern zu halten suchen,
das Garst'ge unterhalten, wenn er weise?

Das Feuer rechnen manche zu den Göttern,
das Wasser nennen die Milakkhas Gott;
doch alle sagen sie die Unwahrheit;
das Feuer ist kein Gott und nicht das Wasser.

Das keine Sinne hat und kein Bewusstsein,
das Feuer, das auf Arbeit sich versteht,
wenn dieses man verehrt', wie könnt' zum Himmel
man kommen, wenn man dabei Böses tut?

Um ihres Lebens willen sagen sie hier,
Brahma, der Allbesieger, sei des Feuers Diener;
doch warum sollte der allmächt'ge Weise,
der Ungeschaffne, das Geschaffene verehren?

Das Lächerliche, Unbefriedigende, Falsche
verbreiteten sie einst für ihre Ehrung;
doch wenn die Ehre und das Ansehn ausblieb,
sagten sie klug den Menschen ihre Weisheit:

‚Wissen fiel zu den Edlen, die Erd den Fürsten,
den Vessas Ackerbau, Dienen den Suddas;
dass jeder so zu seinem Platze kam,
geschah durch Vasi, so erzählt man sich.‘

Doch wenn ja wirklich wahr wär' dieses Wort,
so wie es die Brahmanen ausgesprochen,
dann könnt' ein Nichtfürst nie ein Reich erhalten,
kein Nichtbrahmane könnt' die Sprüche lernen,
nicht könnt' man ohne Vessas Land bebauen,
der Sudda sich von Knechtschaft nie befreien.

Weil aber dieses Werk unmöglich ist
und weil nur Lügen sprechen diese Fresser,
glauben dies nur, die schwach von Einsicht sind,
doch Weise es begreifen aus sich selbst.

Nicht Fürsten oder Vessas holen Gaben,
mit ganzen Karawanen ziehn Brahmanen;
doch warum bringt die so erschütterte,
gespaltne Welt Gott Brahma nicht in Ordnung?

Denn wenn er Herr ist in der ganzen Welt
Gott Brahma, der Gebieter vieler Wesen,
warum verteilt' er Unglück auf der Welt,
warum macht' er die ganze Welt nicht glücklich?

Denn wenn er Herr ist in der ganzen Welt
Gott Brahma, der Gebieter vieler Wesen,
warum hat er mit List und Trug und Falschheit,
mit Stolz und Ungerechtigkeit die Welt erfüllt?

Denn wenn er Herr ist in der ganzen Welt
Gott Brahma, der Gebieter vieler Wesen,
ist ungerecht der Wesen Herr, Arittha,
der, wo es Recht gab, doch das Unrecht schuf.

Würmer und Heuschrecken, Schlangen und Frösche,
Insekten, Fliegen tötend sind sie rein;
doch jene Art ist ebenso unedel
und falsch wie die der vielen Kambojas.“

Darauf fuhr er fort, um ihre Unwahrheit zu beweisen:

„Denn wenn der wird gereinigt, welcher tötet,
und der Getötete auch kommt zum Himmel,
soll ein He-Sager durch den andern sterben
und die auch, welche ihnen Glauben schenken.

Das Wild nicht, noch das Kleinvieh und die Kühe
bitten die Menschen jemals, sie zu töten,
sie zittern hier um ihres Lebens willen;
zu Opfern bringt man Tiere her und Vieh.

Beim Opferpfosten zum gebundnen Tiere
die Toren füllen ihren Mund mit schönen Worten:
‚Der Pfosten wird erfüllen deine Wünsche
im Jenseits in der andern Welt für immer.‘

Und wenn am Opferpfosten Edelsteine, Perlen,
Getreide, Geld, Gold, Silber wär' zu finden
am trocknen und am neuen Holze, wenn man
im Himmel drauf bekäme alle Wünsche,
dann würden viele Scharen von Brahmanen opfern
und sonst keinen Brahmanen opfern lassen.

Und woher sind am Opferpfosten Edelsteine
und Perlen, Korn, Geld, Silber, Gold zu finden
am trocknen und am neuen Holze, woher
erhält im Himmel man drauf alle Wünsche?

Die bösen Räuber voll von Unverstand
mit schönen Worten füllen sie den Mund:
‚Pflege das Feuer, gib mir deine Habe,
dann wirst du glücklich sein in allen Wünschen.‘

Wenn in des Feueropfers Schutz sie kamen,
mit schönen Worten füllen sie den Mund,
sie lassen Haare, Bart und Nägel schneiden
und durch die Veden rauben sie Besitz.

Wie Krähen eine Eule heimlich überfallen,
die ganz allein, und sie zahlreich versammelt,
verzehren sie ihr Mahl betrügerisch,
machen sie kahl, verlassen sie beim Opfer.

So wird auch er getäuscht von den Brahmanen,
wenn er allein steht, sie zahlreich versammelt;
wie sie geübt sind, plündern sie ihn aus,
sichtbares Gut sie nehmen um unsichtbares.

Wie fremde Räuber, die ihr König trieb,
sie nehmen anderen die Schätze ab;
und solche böse, tötenswerte Diebe
tötet man nicht auf Erden, Arittha!

‚Dies ist Gott Indras rechter Arm‘, sie sagen
und schlagen ab beim Opfer den Palasa-Stängel;
wenn Indras Arm wär' wirklich abgehauen,
womit könnt' Maghava besiegen die Dämonen?

Auch das ist falsch; Maghava hat die Glieder
und unverletzlich tötet er, der höchste Gott;
doch falsche Sprüche sagen die Brahmanen
und offenbar ist ihr Betrug auf Erden.

‚Malagiri, Himalaya und Gijjha,
Sudassana, Nisabha, Kakaneru,
diese und andre große Berge wurden
gemacht zu Pfosten von den Opfernden.‘

Doch wie die Ziegelsteine sind beschaffen,
die von den Opferern sind gemacht als Pfosten,
nicht sind die Berge so beschaffen, sondern
sind ganz verschieden, unbeweglich, fest.

Nicht werden Ziegel Felsen, auch für lang nicht,
nicht kann dort Erz entstehen oder Kupfer;
und doch erzählen, die das Opfer preisen,
sie sei'n gemacht als Pfosten von den Opfernden.

‚Einen gelehrten Büßer, der der Zaubersprüche
kundig und ins Gebet versunken, wie man sagt,
als er am Meeresufer Wasser ausgoss,
riss mit die See; darum ist sie nicht trinkbar.‘

Der Flüsse mehr als tausend reißen mit sich
die aller Veden Kund'gen und der Zaubersprüche;
nicht ist verdorben drum ihr schmackhaft Wasser;
warum wär' untrinkbar das unendliche Meer?

Die Quellen alle, die mit salz'gem Wasser
auf Erden von den Brunnengräbern sind geöffnet,
nicht ist, weil ein Brahmane davon trank,
ihr Wasser untrinkbar, sagen die Weisen.

Wer war in alten Zeiten wessen Gattin?
Der Geist war es, der einst den Menschen zeugte;
aus diesem Grunde ist auch niemand niedrig
und später kam der Unterschied der Gaben.

Auch ein Candala kann die Veden lernen
und Sprüche hersagen geschickt und weise;
nicht springt deshalb sein Kopf in sieben Teile
und sind zur Selbsttötung gemacht die Sprüche.

Die Worte sind aus Gier gemacht, erlernt,
schwer loszuwerden, weil gefasst in Verse;
der Toren Geist auf Unrecht ist gerichtet,
drum glauben fest, die wenig Einsicht haben.

Mit einem Löwen, Tiger oder Panther
ist nicht die Kraft der Menschen zu vergleichen;
ihr menschlich Dasein gleicht dem Blick der Kühe,
denn ungleich sind sie nur durch die Geburt.

Und wenn ein König hat besiegt die Erde
umgeben von Ministern, auf sie hörend,
so kann er selbst der Feinde Schar besiegen
und seine Kinder sind für immer glücklich.

Der Fürsten Regeln, dazu die drei Veden,
zu ihrem Nutzen nur sind sie gerecht;
wer ihren Nutzen nicht hat aufgespürt,
erkennt sie nicht wie den flutbedeckten Weg.

Der Fürsten Regeln, dazu die drei Veden,
zu ihrem Nutzen nur sind sie gerecht;
denn Ehre und Unehre, Ruhm und Schande
sind alle allen vier Kasten gemeinsam.

So wie die Reichen wegen Korn und Geld
viel Arbeiten verrichten auf der Erde,
so tuen auch die Scharen der Brahmanen
viele Arbeiten heute auf der Erde.

Doch diese reichen Leute haben recht;
immer voll Habsucht, auf Genuss versessen,
verrichten sie viel Arbeiten auf Erden;
doch weit sind diese Toren von den Klugen.“

Nachdem so das große Wesen ihre falsche Meinung zerstört hatte, befestigte es in ihnen seinen wahren Glauben. Als sie aber seine Unterweisung vernommen, wurde die Versammlung der Nāgas mit Freude erfüllt. Das große Wesen ließ den Jäger-Brahmanen aus dem Nāga-Reiche entfernen; doch gab es ihm nicht einmal ein Scheltwort.—

Sagarabrahmadatta aber ließ den festgesetzten Tag nicht verstreichen, sondern kam umgeben von seinem aus vier Teilen bestehenden Heere nach dem Wohnort seines Vaters. Auch das große Wesen ließ mit Trommelschlag verkünden: „Ich will meinen Oheim und meinen Großvater besuchen.“ Mit großer Herrlichkeit stieg es aus der Yamuna herauf und zog nach der Einsiedelei von jenem; seine übrigen Brüder aber und seine Eltern kamen hinterdrein. In diesem Augenblicke erkannte Sagarabrahmadatta das große Wesen, wie es mit großem Gefolge daherkam, nicht, sondern er fragte seinen Vater und sprach:

„Wem sind die Pauken und die Trommeln,
die Muscheln, Tamburins und Schläger,
wem werden sie vorangetragen,
um zu erfreun den Völkerfürsten?

Wem ist das aus dem goldnen Bande,
dem dicken, das blitzähnlich lautet,
gemachte Diadem, das neue?
Wer kommt, strahlend in Herrlichkeit?

Wie Gold, das auf der Fackel Spitze
oder im Kohlenfeuer leuchtet,
so glänzt weithin sein Angesicht;
wer kommt, strahlend in Herrlichkeit?

Wem ist der goldne Sonnenschirm,
der schöne mit den bunten Bändern,
welcher die Sonnenstrahlen abhält?
Wer kommt, strahlend in Herrlichkeit?

Wer hat gelegt sich auf die Schulter
den allerschönsten Yakschweifwedel,
dass er über des Weisheitsfürsten
erhabnem Haupte oben schwebt?

Wem schweben feine Pfauenfedern
von bunter Farbe, zart und weich,
mit Stäben aus Gold und Juwelen
auf beiden Seiten um das Antlitz?

Wie glühende Akazienkohlen
erglänzend und wie Fackelspitzen
wem funkeln diese Ohrgehänge,
die schönen, beiderseits ums Antlitz?

Wem glänzen, wie vom Wind berührt,
bewegte zarte, dunkle Flecken
inmitten seiner Stirne wie
der Blitz, der zwischen Wolken glänzt?

Und wem gehören diese Augen,
so groß an Länge und an Breite,
wer glänzt mit seinen großen Augen
und wem gehört dies holde Antlitz?

Und wem erglänzen diese Zähne
im Munde stehend rein und weiß,
der weißen Muschel wohl vergleichbar,
wie zarte Knospen, wenn er spricht?

Wem sind die Hände und die Füße,
wie Lack erglänzend, richtig stehend;
wer glänzt mit seinen runden Lippen,
so wie am Tag die Sonne strahlt?

Gleich wie zur Winterszeit ein großer,
mit Schnee bedeckter blühnder Sala,
wer glänzt mit seinem weißen Kleide
wie Indra, der Dämonensieger?

Wer zieht sein Schwert mit goldnen Buckeln
bedeckt, geschmückt mit einem Griffe
von Edelsteinen, während er
in der Versammlung weilt als Herr?

Wer zieht die Schuhe aus, die bunten,
goldüberhäuft und wohlgemacht,
mit goldnen Stickerei'n versehen,
indem er ehrt den großen Weisen?“

Als er so von seinem Sohne gefragt wurde, verkündete der wundermächtige, der Erkenntnisse teilhaftige Asket: „Mein Sohn, dies sind Nāgas, die Söhne des Königs Dhatarattha, deine Vettern“; und er sprach folgende Strophe:

„Dhataratthas sind diese Nāgas,
die wunderstarken, ruhmerfüllten;
es stammen von Samuddaja
die hochmächtigen Nāgas da.“

Während sie so miteinander sprachen, kam die Nāga-Versammlung herbei, verehrte die Füße des Asketen und setzte sich ihm zur Seite. Auch Samuddaja begrüßte ehrfurchtsvoll ihren Vater und weinte; dann kehrte sie mit der Nāga-Versammlung in das Nāga-Reich zurück. Nachdem Sagarabrahmadatta dortselbst einige Tage verweilt hatte, begab er sich wieder nach Benares. Samuddaja starb im Nāga-Reiche. Nachdem aber der Bodhisattva zeitlebens die Gebote gehalten und die Uposatha-Bestimmungen gehalten hatte, gelangte er mit der Nāga-Versammlung zusammen in den Himmel.

Ende des letzten Kapitels

Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, fügte er hinzu: „So, ihr Laienbrüder, haben die Weisen der Vorzeit, auch als noch kein Buddha gekommen war, das derartige Nāga-Glück aufgegeben und nur das Uposatha betätigt.“

Darauf verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals waren die Eltern aus der Großkönigsfamilie, der Jäger-Brahmane war Devadatta, Somadatta war Ananda, Accimukhi war Uppalavanna, Sudassana war Sāriputta, Subhaga war Mogallāna, Kanarittha war Sunakkhatta, Bhuridatta aber war ich.“

Ende der Erzählung von Bhuridatta